jl.bmar.198. Kapitel

 

   01] Johannes antwortet: »Allerdings, Seinem Gottwesen und Willen nach ist Gott unendlich und somit auch allgegenwärtig. Aber als wesenhafter Gottmensch und wahrster Vater Seiner Kinder wohnt Er nur unter Seinen Kindern im Himmel der Himmel!«
   02] Spricht Satan: »Gut, du bekennst sonach die Allgegenwart Gottes unwiderruflich. So sage mir gefälligst auch, ob Gott allerhöchst weise und durchaus gut ist und daraus allwissend und allsehend? Und wählt Er zur Erreichung Seiner Zwecke zufolge Seiner höchsten Weisheit und endlosen Güte wohl auch alle Male die besten und tauglichsten Mittel?«
   03] Antwortet Johannes: »Allerdings; denn Gott ist in Sich die reinste Liebe, und diese kann nicht anders als ewig durchaus gut und allerhöchst weise sein! Ich weiß aber schon, wo du hinauswillst; aber frage nur zu, ich werde dir keine Antwort schuldig bleiben!«
   04] Spricht Satan weiter: »Hat Gott wohl alles erschaffen, was die Unendlichkeit faßt? Oder gibt es noch irgendeinen anderen Gott, der das, was ihr 'böse' und 'schlecht' nennt, zwischen das von deinem guten Gott Erschaffene gemengt hat? Oder hat der eine gute Gott aus Sich heraus wohl Gutes und Böses erschaffen können?«
   05] Spricht Johannes: »Im Anfang alles Werdens und Seins war das Wort, das Wort war bei Gott, Gott war das Wort, und alle Dinge sind durch dasselbe gemacht. Dies Wort ist dann auch Selbst Fleisch geworden und hat unter dem geschaffenen Fleische Wohnung genommen; aber die Finsternis der Welt hat es nicht erkannt.
   06] Der Herr Selbst kam, alles neu zu schaffen, zu den Seinen in Sein Eigentum. Aber diese Seinen erkannten nicht das Licht, die Weisen der Welt nicht das ewige Wort und die Kinder nicht ihren ewigen heiligen Vater. Denn du ganz allein hieltest aller Welt Sinne gefangen, auf daß sie Den ja nicht erkennte, der da von Ewigkeit war, ist und ewig sein wird alles in allem!
   07] Da aber Gott allein Schöpfer aller Dinge ist und es außer Ihm keinen Gott irgendwo gibt, so ist auch klar, daß alles, was aus Seiner Hand hervorging, unmöglich anders als nur gut und vollkommen sein konnte.
   08] Alle Geister gingen von Ihm aus so rein und gut, wie Er es Selbst ist. Aber Er gab den Geistern die vollste Freiheit des in sie gehauchten Willens, demzufolge sie alles tun konnten, was sie wollten. Und um sie den Gebrauch dieser Gaben zu lehren, gab Er mit dem freiesten Willen auch durch Ihn Selbst geheiligte Gesetze, die sie entweder beachten oder auch nicht beachten konnten.
   09] Und siehe, alle beachteten die Gesetze bis auf einen! Dieser eine und erste, mit dem größten Erkenntnislichte begabt, verschmähte die Gesetze Gottes aus seinem freien Willen heraus und widerstrebte ihnen, nicht achtend der Folgen!
   10] Dieser Geist verkehrte sonach in sich die göttliche Ordnung mittelst seines freien, ihm von Gott eingehauchten Willens. Auf diese Weise ist er gegenüber jenen Geistern, die ihren ebenso freien Willen nicht mißbraucht haben, widerordentlich geworden und für sich selbst böse und schlecht. Und er mußte sich dann, durch sich selbst genötigt, von der Gesellschaft entfernen auf so lange, bis er nicht freiwillig umkehren und eintreten wird in jene Ordnung, die der Herr allen Geistern gleich gegeben hat, nämlich die Ordnung der Liebe.
   11] Gott und uns allen nun rein himmlischen Geistern gegenüber aber kannst du als der widerordentlich gewordene Geist unmöglich böse sein, da du uns ewig nie schaden kannst. Böse und schlecht bist du nur gegen dich selbst, weil du ganz allein nur dir schadest, solange du in deiner Widerordnung verharrst.
   12] Du hast mich nun fangen wollen. Denn du meintest, ich werde genötigt sein zu sagen, daß Gott auch Böses erschaffen habe, weil du als ein böser Geist auch ein Geschöpf Gottes bist. Aber wo du hindenkst, bin ich schon um eine Ewigkeit voraus und kenne schon zu gut alle deine kniffliche Weisheit! Daher rate ich dir auch ernstlich: behalte deine künftigen, noch allfälligen Fragen, so sie auf meinen Fang gezielt sein sollten, denn mit mir wirst du ewig keine Wette gewinnen!
   13] Ich sehe es deinen Schalksaugen an, daß du mir am Ende deiner Fragen sehr gerne bewiesen hättest, daß wir im Ernste von Gott die unreinsten und Seiner unwürdigsten Begriffe hätten. Dies, da wir bei unseren Erkenntnissen am Ende doch selbst bekennen müßten: es gäbe entweder zwei Götter - einen guten und einen bösen -, oder der eine Gott sei ein Zwitter und somit ein Pfuscher Seiner Werke. Aber siehe, dem ist nicht also, sondern gerade, wie ich es dir nun gezeigt habe.
   14] Wohl aber wäre Gott dann unvollkommen, so Er den geschaffenen Geistern nur einen gerichteten und keinen vollkommen freiesten Willen hätte einhauchen können. Davon lieferst aber du selbst den allermächtigsten Gegenbeweis! Denn wie ungeheuer frei und vollkommen Gott alle Geister und damit auch dich erschaffen hat, ist eben daraus am hellsten zu ersehen, daß du, obschon kreuz und quer dem Außen nach gerichtet, dich doch dem Schöpfer schnurgerade entgegenstemmen kannst, solange du nur willst. Du kannst aber auch ebensogut wie wir alle vollkommen frei nach dem Willen des Herrn handeln!
   15] Ich sage dir, im ganzen Himmel gibt es keinen Geist, der einen größeren Beweis für die unbegrenzteste Vollkommenheit Gottes geben könnte, als gerade du! Du bist sozusagen das größte Meisterwerk des Herrn und kannst daher auch dem Herrn gegenüber kein Pfuschwerk sein!
   16] Daraus aber muß nun auch klar sein, daß du mich mit deiner Verkehrtheit nie fangen wirst; denn was du weißt, das weiß ich schon lange! Und das ist wieder ein neuer Beweis für die endlose Vollkommenheit Gottes, daß ich - als ein aus deinem Wesen gelöster Geist - dir in all deinem Wollen auf das mächtigste widerstehen kann!
   17] Was sagst du nun? Hast du etwa für mich noch einige Fangfragen in Bereitschaft? Nur heraus mit ihnen, ich werde dir jede gehörig beantworten!«
   18] Hier stutzt Satan gewaltig und kommt in große Verlegenheit; denn er findet nicht, was er nun dem mächtigen Johannes erwidern soll.