Ev. Kirche in Groß Umstadt

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Christmette  in der Ev. Kirch in Groß - Umstadt

in der  Heiligen Nacht 2004

 

 

 

 

 

Jörg Zink:

" Das Heilende geschieht in der Nacht.

Die Anfänge einer Wandlung, die in uns geschehen soll,

geschehen in der Stille.

Die Anfänge, in denen das Ewige Gestalt finden will in der Zeit,

geschehen in der Verborgenheit.

Alle Jahre wieder hören wir die alte Geschichte,

die davon erzählt.

Von einem Anfang erzählt sie, von einer Geburt,

von einer Mutter und einem Kind,

von Tieren und Hirten und Engeln.

Sie erzählt,

da setzte einer einen Anfang,

wo sonst unsere Wege enden.

Da wirkte einer eine Wandlung,

wo wir sonst an das Gewordene  gebunden  bleiben.

Ein Mensch, der liebte. Auf eigene Gefahr.

Wir feiern seine Geburt und wünschen uns,

dass wir ihm ähnlicher werden

und so seine Geburt, sein Anfang,

auch in uns geschieht."

Texte: Hannah Böhnisch, Bernd Münch, Dr. Margarete Sauer, Annette Claar-Kreh und  Pfr. Arno Kreh

 

Eingangsgebet

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Gott, wir danken Dir,

dass Deine Freude die Welt erleuchtet.

Wir bitten Dich,

dass die Erde und alles, was lebt,

aufatmet durch deine Nähe.

Öffne uns die Augen:

für die Größe des Kleinen,

für die Heiligkeit des Menschlichen,

für die Würde des Verlorenen,

für die Verheißung des Leidens.

Denen, die hungern und frieren

lass ein Licht aufgehen:

durch Augen, die sehen,

durch Ohren, die hören,

durch Hände, die helfen.

Gott segne uns.

Gott bewahre das Leben

für uns und durch uns.

Amen

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Ich steh an Deiner Krippe hier

 

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Pfr. Arno Kreh

Aus den Feiern mit unseren Familien

kommen wir nun hier in unserer Kirche zusammen

zu einer Stunde der Meditation und der Stille.

Ich begrüße Sie mit den Worten,

mit denen Gott die Hirten begrüßte,

damals, in der Nähe von Bethlehem:

 

"Fürchtet euch nicht!

Siehe, ich verkündige euch große Freude,

die alle Menschen erfahren werden.

Euch ist heute der Heiland geboren,

Christus, der Herr!"

 

 

 

Es ist ein Ros' entsprungen
 

aus einer Wurzel zart;
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art.
Und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie, die reine Magd.
Aus Gottes ew'gem Rat
hat sie ein Kind geboren
und blieb doch reine Magd.

Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt’s die Finsternis,
wahr Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.

 

 

Meditation I: Ich steh an deiner Krippen hier

Strophe 1

Ich steh an deiner Krippen hier

0 Jesu, Du mein Leben.

Ich stehe, bring und schenke Dir,

was Du mir hast gegeben.

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,

Herz, Seel und Mut, nimm alles hin

und lass dir's wohl gefallen.

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Annete Claar-Kreh:

 

Ich steh an deiner Krippen hier -

das klingt wie: hier stehe ich und kann nicht anders.

Kann das jeder sagen?: Ich steh an deiner Krippen hier.

Manche möchten der Krippe gar nicht so nah kommen.

Manche halten einen gehörigen Abstand, weil sie nicht wissen,

was sie an der Krippe erwartet.

Wir wollen uns heute Nacht an die Krippe tasten und wagen,

um zu sehen und zu schauen.

Denn Weihnachten, das ist wohl das Kind in der Krippe.

Ich stehe davor und frage mich:

welche Bedeutung hat dieses Kind dort in der Krippe für mich?

 

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Bernd Münch:

 

Die Krippe, wie sie an Weihnachten in vielen Kirchen steht

und wie sie viele von uns in diesen Tagen auch zu Hause aufstellen,

besteht aus den immer gleichen Figuren,

die sich um das Kind in der Krippe gruppieren:

Maria und Joseph, Ochs und Esel,

die Hirten mit ihren Schafen

und vielleicht noch die drei Weisen aus dem Morgenland.

 

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Paul Gerhard verändert diese Krippenszene  -

er nimmt mich, nimmt uns mit in dieses Bild:

"Ich steh an deiner Krippen hier",

Wir dürfen ganz vorne stehen,

um alles genau zu sehen.

Und wir dürfen staunen über das,

was in diesem armseligen Stall passiert ist.

Dabei haben wir allen anderen,

der Maria, dem Joseph und den Hirten doch viel voraus.

Denn wir wissen,

wie die Geschichte mit diesem Kind in der Krippe weiterging - 

welche Bewegung durch ihn auf die Erde gekommen ist.

 

Die Hirten und die drei Weisen müssen etwas davon gespürt haben,

dass sie Zeugen einer besonderen Geburt geworden sind.

Sie haben dem Kind Geschenke mitgebracht.

Aber was bringen wir mit an die Krippe?

Paul Gerhardt gibt uns eine Antwort:

Keine "stille Nacht, billige Nacht",

wie der "Spiegel" letzte Woche sein Titelbild überschrieb,

sondern das Kostbarste was wir haben:

Unser Leben, unser Herz, unser Vertrauen,

unsere Liebe, unser Denken und Fühlen.

 

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Annete Claar-Kreh:

 

Das ist viel.

Da muss ich doch noch einmal fragen:

Welche Bedeutung hat dieses Kind dort in der Krippe für mich?

 

Da liegt ein Mensch geboren wie ich.

 

In diesem Kind begegnet mir Gott menschlich,

nicht so, wie ich ihn gerne hätte,

sondern so, wie Menschen sind:

mit zehn Fingern und Zehen,

zwei Augen, Ohren,

Nase und Mund.

Mit vielen Begabungen und Möglichkeiten bin ich auf die Welt gekommen -

und  doch bin ich hilflos ohne die anderen.

So liegt Gott da: als nackter Mensch in dieser Krippe!

 

Und ich stehe davor, verletzlich und begabt.

 

Das, was ich sehe, ist zweierlei,

ist nicht nur die Realität: das Ärmliche und Kleine.

Sondern auch das, was werden kann aus einem Menschen,

wenn er menschlich lebt.

Denn dieses Kind ist Gott und Mensch zugleich,

Gott berührt die Erde.

Durch den äußeren Schein dringt der Glanz des Möglichen.

Es schaut mich an aus dieser Krippe:

Und ich spüre,

auch ich bin ein Menschen- und ein Gotteskind

und so, wie ich jetzt bin, ist es gut, trotz allem.

Ich stehe davor und sehe dies Versprechen:

Gott fängt neu an.

Mit jedem Menschen auf der Welt fängt er neu an,

auch mit mir.

Und er erinnert dabei an das kleine Kind in der Krippe.

Jedes Kind ist ein Gotteskind. Denn Gott wird als Mensch geboren.

Das gibt mir Mut, meine Begabungen zu teilen

und mit meinen Schwächen andere um Hilfe zu bitten.

Jedes Jahr wieder lässt er es uns zusprechen.

Das Kind in der Krippe will nur das,

was ich längst schon empfangen habe

von diesem menschenfreundlichen  Gott.

 

Ich steh an deiner Krippen hier-

0 Jesu, du mein Leben

Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.

 

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Meditation II:  Da ich noch nicht geboren war

 

Strophe 2 (von Gemeinde gesungen)

Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren

und hast mich dir zu eigen gar,

eh ich dich kannt, erkoren.

Eh ich durch deine Hand gemacht,

da hast du schon bei dir bedacht,

wie du mein wolltest werden.

 

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Arno Kreh:

 

"Da ich noch nicht geboren war"-

 

heute passiert da schon so allerhand:

eine Ultraschall-Untersuchung  zum Beispiel.

Eine faszinierende Sache  für Mütter  und  Väter:

die ersten Bewegungen  eines Menschen

werden sichtbar gemacht.

Noch ist das neue Menschenkind

selbst für die Mutter kaum spürbar,

da kann man schon sehen,

wie es Gestalt annimmt.

 

"Da ich noch nicht geboren war'-

 

die Methoden frühgeburtlicher  Diagnostik

werden ständig weiter verfeinert.

Was wollen wir noch wissen?

Entsteht gesundes Leben?

Entsteht behindertes Leben?

Was machen  wir mit  unserem  Wissen?

Können wir uns das zumuten:

Zu entscheiden, was lebenswertes  Leben ist?

 

"Da ich noch nicht geboren war'-

 

Gezeugt von zwei sich liebenden Menschen

und gleichzeitig doch auch:

ein weiteres Wunderwerk

der täglichen Schöpfung Gottes:

geschaffen als Gottes Ebenbild.

Gott macht sich Gedanken um mich -

ich bin es ihm wert!

Noch bevor ich meinen ersten Schrei ausstoße,

noch vor meinem ersten Lächeln,

das meine Eltern erfreut,

noch vor meinen ersten Schritten ins Leben -

Gott denkt an mich !

 

Wir haben eine Beziehung.

Ich lebe, weil er es will.

 

Zufall?

Gott lässt den Zufall Wirklichkeit werden!

Kind meiner Eltern

und gleichzeitig Kind des lebendigen Gottes.

Empfangen durch seinen guten heiligen Geist:

 

"Eh ich durch deine Hand gemacht,

da hast du schon bei Dir bedacht,

wie du mein wolltest werden."

 

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Meditation  III: Ich steh an deiner Krippen hier.

 

Strophe 3:

"Ich lag in tiefster Todesnacht,

du warest meine Sonne,

die Sonne, die mir zugebracht

Licht, Leben, Freud und Wonne.

0 Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht',

wie schön sind deine Strahlen!"

 

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Bernd Münch:

 

An Weihnachten, so auch heute Abend, wird die Kirche abgedunkelt,

damit die Kerzen und die Lichter am Weihnachtsbaum

ihre Wirkung voll entfalten können.

Denn wenn es überall hell ist, fällt zusätzliches Licht nicht so richtig auf

und wird leicht übersehen.

 

Wenn es uns gut geht,

dann ist auch Gottes Gegenwart wie selbstverständlich

und fällt uns nicht besonders auf.

Aber in den dunklen Stunden unseres Lebens,

wenn alles düster und ausweglos erscheint,

dann sehnen wir uns nach dem Licht der Gegenwart Gottes

und nehmen es daher auch viel intensiver wahr.

 

Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages,

die Mitte der Not ist der Anfang des Lichts.

 

An diese Zeilen erinnert mich die dritte Strophe unseres Liedes.

Das persönliche Zeugnis in diesem Vers:

" Ich lag in tiefster Todesnacht, Du warest meine Sonne"

steht für eigene Erfahrungen,

die jeder von uns in seinem leben schon einmal gemacht hat:

 

In der Dunkelheit unserer Lebenskrisen

ist die Sehnsucht nach Gottes Hilfe am größten.

Sie wird in den schönen Worten des Dichters zur Sonne,

die in unserer Nacht aufgeht und die Finsternis vertreibt.

Einer Sonne, die uns "Licht, leben, Freud und Wonne" bringt.

Wir erfahren die Sonne in jeder Jahreszeit verschieden.

 

Im Winter

taucht sie die Landschaft tagsüber in klares Licht

und wechselt bei ihrem Untergang über in zarte Farbtöne.

 

Im Frühling

freuen wir uns über die ersten Sonnenstrahlen,

die uns wärmen.

 

Und im Sommer

fühlen wir uns froh und leicht wenn die Sonne scheint.

 

Im Herbst

lässt die Abendsonne alles in einem milden Licht erscheinen.

 

Wenn ein Mensch, den wir lieben, zu uns kommt,

dann sagen wir: Jetzt geht die Sonne auf.

Jeder kennt Kinder, die überall  Fröhlichkeit  und Lebendigkeit verbreiten.

Sie "mein Sonnenschein" zu rufen, bedeutet,

dass sie für Eltern, Großeltern oder Geschwister

selbst zur Sonne werden.

 

Wenn in der dritten Strophe unseres Liedes

Jesus als die wahre Sonne verehrt wird,

dann spielen alle diese Bilder und Erfahrungen mit.

 

Die dunklen Seiten unseres Lebens,

die Krisen und Krankheiten,

sind für uns nur selten zu begreifen und zu verstehen.

Aber sie geben uns auch die Gelegenheit,

unser Vertrauen zu stärken.

Alles Schwere, was uns trifft,

kann uns weiterführen in ein Leben mit mehr Klarheit und Einsicht.

In allem, was uns wie ein Ende erscheint,

finden wir zugleich  die Gelegenheit für einen neuen Anfang.

 

Die Geburt Jesu in Einsamkeit und Armut

in der dunklen Nacht von Bethlehem

lässt auch  " in tiefster Todesnacht "  über unserem Leben die Sonne aufgehen.

Und wir begreifen,

dass uns die Dunkelheit nicht behalten wird

und das Leid uns nicht erdrücken kann.

 

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Meditation IV: Ich sehe dich mit Freuden an...

 

Strophe 4

Ich sehe Dich   mit Freuden an

Und kann mich nicht satt sehen;

Und weil ich nun nichts weiter kann,

bleib ich anbetend stehen.

O dass mein Sinn ein Abgrund wär' und meine Seel ein weites Meer,

dass ich dich möchte fassen.

 

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Dr. Margarete Sauer:

 

Zugegeben: so hatte ich es bisher noch nicht gesehen!

 

Sonnenstrahlen im Stall von Bethlehem?

So ein leuchtender Stern wie an der Säule links, ja,

der gehört über's Dach des Stalls,

aber im Innern hat alles in nächtliches Dunkel getaucht zu sein.

Das neugeborene Kind

soll nach der Anstrengung der Geburt schlafen können.

Deshalb hielten auch die Hirten vor 2000 Jahren respektvollen Abstand.

Und Sie, die Zuschauer beim heutigen Krippenspiel,

sitzen einige Meter entfernt von der Krippe auf Bänken.

Können Sie überhaupt etwas sehen?

Den Umriss vielleicht,

hineinsehen in die Krippe kann sicher keiner  von Ihnen.

 

Und doch haben wir gerade gesungen:

"Ich sehe Dich mit Freuden an...".

 

Auf geheimnisvolle  Weise

hat uns offenbar der Dichter mit hineingenommen  -

oder  war es der helle Lichtschein,

der uns angelockt hat näher zutreten?

Das Licht dort bewusst wahrnehmen,

heißt, die Krippe mit anderen Augen sehen,

sich die Sichtweise des Dichters zu eigen machen.

 

Dazu müssten Sie vielleicht zuerst einmal aufstehen

und - noch wichtiger - stehen bleiben -

wie eine Uhr,

das unterbrechen, was Sie  gerade tun.

Sind wir nicht pausenlos mit irgendetwas  beschäftigt?

Wenigstens in Gedanken sind wir doch eigentlich

immer schon beim nächsten Schritt,

als könnten wir dem Kreislauf  unserer  Alltagsbesorgungen nie entrinnen  -

schon gar nicht in der Weihnachtszeit.

Habe ich die Kerzen am Baum ausgemacht?

Schaff ich es gleich noch, den Kaffeetisch  für morgen  zu decken?

Oma Ruth ist immer so schrecklich pünktlich.

Und Tante Ma...

Halten Sie inne!

 

"Anbetend stehen bleiben"

 

heißt: von all dem ab-sehen, "nichts weiter' tun, "nichts weiter' tun "können"

als "sehen", "an-sehen" ,

das Kind, das Licht, in der Krippe "ansehen".

 

Warum sollten wir das tun?

Auch darauf gibt uns der Dichter eine Antwort,

indem  er von sich und seinen Erfahrungen mit dem Neugeborenen erzählt:

 

"Freude" nennt er das, was in ihm vorgeht.

Freude, das ist die Fröhlichkeit, die das "Herz springen" lässt,

Freude, die auch Sie von den Sitzen reißen sollte.

 

Und weil sich der Dichter "nicht satt sehen" kann,

steigert er sich in die Vorstellung von einem unendlich großen Gefäß,

tief wie eine Schlucht im Gebirge und weit wie der Ozean,

so tief-gründig wünscht er sich seinen "Sinn"

und so aus-ufernd seine "Seele",

um das zu be-greifen, zu er-fassen, was er sieht:

das Geheimnis der Menschwerdung Gottes,

und er weiß doch im selben Augenblick,

dass dieses Geheimnis  " größer ist als alle menschliche Vernunft"

und Vorstellungskraft.

"Fassungs-los"  bleiben wir mit ihm an der Krippe stehen -

und sind doch voller Hoffnung,

in dieser stillen und heiligen Nacht einen Weg zu finden,

dem, der das Licht in unsere Welt gebracht hat,

ganz nahe zu sein, zu kommen.

 

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Meditation V: Eins aber hoff ich...

 

Stophe 9

Eins aber, hoff  ich, wirst Du mir,

Mein Heiland, nicht versagen;

Dass ich Dich möge für und für

in, bei und an mir tragen.

So lass mich doch Dein Kripplein sein;

Komm, komm und lege bei mir ein

Dich und all  Deine Freuden

 

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Hannah Böhnisch :

" So lass mich doch dein Kripplein sein"

 

Wir sind vom anfänglichen Stehen an der Krippe weggekommen.

Die Veränderungd er gewohnten Krippenszene,

das Miteinbezogen-Sein in die Geschichte,

hat etwas in uns in Gang gesetzt.

 

Wir sind an der Krippe dem Göttlichen begegnet,

dem Göttlichen in Menschengestalt.

 

Gott hat eine Brücke zu uns geschlagen,

ist für uns Mensch geworden.

Das gibt uns Sicherheit.

 

Wir kommen ins Denken, ins Nachdenken,

da, vor der Krippe, vor dem Mensch gewordenen Gott.

Gott hat sich Gedanken über uns gemacht,

wir sind nicht ohne Grund auf der Welt.

Unser leben hat einen Sinn, auch wenn es manchmal nicht so scheint.

 

In diesen Momenten, in denen wir nicht aus noch ein wissen,

in denen es dunkel ist um uns,

begleitet uns Gott,

erhellt er uns die Dunkelheit mit seinem Licht.

 

Wir stehen an der Krippe und sehen ihn an, Gott, das Kind,

 

können unseren Blick nicht abwenden.

Und wir bekommen es nicht zu fassen, ihn nicht zu fassen,

in seiner ganzen Größe, in seinem ganzen Ausmaß.

Aber der Wunsch ist da. Der Wunsch, ihn fassen zu können.

 

 

"Eins aber, hoff ich, wirst Du mir,

mein Heiland, nicht versagen;

dass ich Dich möge für und für,

in, bei und an mir tragen"

 

 

Wir haben uns auf den Weg gemacht.

 

Auf den Weg zur Krippe, den Weg zu Gott.

Jeder von uns befindet sich an einem anderen Wegabschnitt.

Die einen haben sich gerade erst aufmacht,

die anderen gehen schon einige Zeit.

Der Weg ist nicht einfach

und für jeden von uns sieht der Weg anders aus.

 

Aber wir erhoffen uns viel von diesem Weg:

dass wir in der Krippe Gott finden,

den Heiland, wie Paul Gerhardt ihn nennt.

Wir möchten ganz werden bei Ihm - heil werden.

 

Wir möchten versuchen, uns Ihm zu öffnen, Ihn in uns zu tragen.

Versuchen, Ihm Raum zu geben in uns,

damit Er in uns Mensch werden kann,

weil wir immer wieder an unsere Grenzen kommen.

Wir möchten Ihn in uns spüren, Ihn bei uns haben,

damit Er uns begleitet auf unserem Lebensweg

durch sonnige und auch durch dunkle Zeiten.

 

Und wir möchten versuchen, Ihn an uns zu tragen.

Außen. Sichtbar. Bekennend.

Ob uns das gelingt?

Dann bleibt der Glaube keine Privatsache mehr.

Dann verlassen wir das geschützte Innere,

treten hinaus und beziehen Stellung.

Stehen zu Gott und unserer Beziehung zu Ihm.

Das kostet manchmal Mut und braucht Sicherheit.

 

"So lass mich doch Dein Kripplein sein"

 

Wir haben uns auf den Weg gemacht.

Jeder von uns auf seinen eigenen, persönlichen Weg,

denn jeder von uns entscheidet für sich,

wie weit er gehen möchte.

 

Wir sind nicht sicher, ob uns all das gelingt.

Ob wir es schaffen, Gott in, bei und an uns zu tragen,

Ihm eine Krippe zu sein.

Vielleicht gelingt uns nicht alles,

vielleicht gelingt es uns nicht zu jeder Zeit.

Aber wir möchten es versuchen, denn wir sind getragen von einer Hoffnung,

dass ich als Mensch dieses erwarten darf:

Gott steht an meiner Seite,

stärkt mich für meinen ganz persönlichen Weg,

gibt mir die Kraft, das zu tragen, was auf mich zukommt,

gibt mir den Mut, gegen Widerstände zu kämpfen,

die Hoffnung, dass mein Wirken nicht umsonst ist.

Ich darf hoffen darauf, dass Er uns hilft,

dass Gott uns Kraft und Mut schenkt, weiterzugehen.

Und Hoffnung darauf, dass es uns gut tut,

dass es uns gut tut, diesen Weg zu gehen.

 

"Komm, komm und lege bei mir ein,

Dich und all  Deine Freuden."

 

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Fürbittengebet

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1.

Jesus, Gottes Sohn,

Du bist Mensch geworden,

damit wir im Glauben an Dich Gottes Kinder werden,

Menschen, wie Er uns gewollt hat.

Wir bitten Dich:

Sei unser Weg, hilf uns die Wahrheit erkennen

und schenke uns das Leben.

2.

Wir bitten Dich für unsere Kinder,

für die jungen Menschen unter uns:

Gib ihnen offene Augen und wache Herzen,

dass sie in Deinem Licht ihren Weg finden

und ihn mit deiner Hilfe mutig gehen.

3.

Wir bitten Dich für die Menschen,

die unter der  Last ihres Lebens leiden

und dabei einsam werden:

Sei  Du ihnen die Tür zu ihren Nächsten

und hilf  ihnen zu gemeinsame Freude.

4.

Wir bitten dich für alle, denen fehlt,

was sie zum Leben brauchen:

Wecke in uns den Dank  für alles,

was uns gegeben ist und mache uns bereit,

das Brot zu teilen mit den Hungernden.

5.

Wir bitten Dich für die Christen in aller Welt:

Du siehst den Mangel an Glauben, an Liebe, an Hoffnung.

Du bist der Weinstock,

von dem alle Reben Saft und Kraft empfangen.

Ohne  Dich können wir nichts tun -

lass uns nicht alleine.

6.

Wir bitten Dich für die Männer und Frauen,

die besondere Verantwortung tragen

in der Kirche und in der Gesellschaft:

Erweise Dich an ihnen und durch sie

als der gute Hirte.

3.

Wir bitten Dich für alle,

die trauern über einen Toten

und Angst haben vor dem Tod:

Sei ihnen nahe.

Lass sie erfahren,

dass Du die Auferstehung und das Leben bist.

4.

Wir bitten Dich:

Bleibe bei uns, wohne unter uns,

lass uns Deine Herrlichkeit  schauen,

die Herrlichkeit  des Sohnes  vom Vater,

voller Gnade und Wahrheit.

Aus Seiner Fülle gib uns Gnade um Gnade.

 

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Gebet: Vaterunser

 

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Abendsegen zur Christmette

 

1

Wir gehen in diese Nacht

und in die kommenden T age

im Vertrauen darauf,

dass wir auf allen Wegen,

die wir zu gehen haben,

nicht allein gelassen,

sondern begleitet sind von Gottes Segen.

2

Gottes Segen komme zu uns stärkend

und Mut machend,

Gottes Segen befreie uns

und l asse  uns aufstehen in erfülltes  Leben -

uns  Frauen und Männer,

Gottes Ebenbilder.

 

 

Nehmt den Segen Gottes mit euch

und teilt davon aus -

wem immer ihr begegnet.

 

So segne und behüte euch,

Gott, der Gnädige und Barmherzige,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

 

Erdmuthe Barschel

aus: Segenswort und  Segensgesten 

 

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Christmette zur Heiligen Nacht 2004

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Instrumental:  Triosonate C-Dur  von J.S. Bach (2. Satz)

Votum und Begrüßung (Kreh)

Lied: Es ist ein Ros entsprungen( EG 30,1-3)

Lesung: W eihnachtsgeschichte Lukas2 ,1-21 (Münch)

Verse 1-1 Da - Solo "Fürchtet euch nicht..." - Verse 13-21

Sologesang": Schönster Schatz, wer mag dich schätzen?"

Gebet (Sauer)

Lied: Ich steh an deiner Krippen hier (EG 37,1)

Meditation I: Strophe 1 (Münch und Claar-Kreh)

Lied: Da ich noch nicht geboren war (EG 37,2)

Meditation II: Strophe2 (Kreh)

Instrumental: Triosonate C-Dur von J.S. Bach, 3. Satz

Meditation III: Strophe 3 (Münch)

Sologesang : Ich lag in tiefer Todesnach (Et G37,3)

Ich sehe  Dich mit Freuden an (EG3 7,4)

Meditation IV : Strophe 4 (Sauer)

Instrumental (Orgel-Choral: Nun freut euch  lieben Christen g 'mein)

Meditation V: Strophe 9 (Böhnisch)

Lied: Eins aber, hoff ich (EG 37,9)

Fürbitten (4 Sprecher)

Vaterunser

Lied: Stille Nacht (EG 46,1-3)

Segen( Claar-Kreh /  Kreh)

Postludium : Charles-Marie Widor Orgelsymphonie f-moll

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Marktplatz in Groß Umstadt