Zweites Gebot

Du sollst den Namen Jehovahs, deines Gottes, nicht ins Eitle ziehen; denn nicht ungestraft wird Jehovah denjenigen lassen, der Seinen Namen ins Eitle zieht

297. Unter ‚den Namen Jehovahs ins Eitle ziehen‘ wird im natürlichen Sinn, welcher der Buchstabensinn ist, verstanden der Name selbst, und dessen Mißbrauch bei den mancherlei Gesprächen, besonders bei Unwahrheiten oder Lügen, und bei Schwüren ohne Ursache und zum Zweck der Reinigung von bösen Absichten, wobei man sich verwünscht, und bei Zaubereien und Beschwörungen. Hingegen bei Krönungen, bei Einweihungen zum Priesteramt, bei Huldigungen, schwören bei Gott und Seiner Heiligkeit, beim Wort und Evangelium, heißt nicht den Namen Gottes ins Eitle ziehen, wofern nicht der Schwörende seine Gelöbnisse nachher als unkräftig verwirft. Der Name Gottes ist aber, weil er das Heilige selbst ist, auch fortwährend zu gebrauchen bei den heiligen Dingen der Kirche, z.B. bei Gebeten, Liedern, und beim ganzen Gottesdienst, sowie auch bei geistlichen Vorträgen und in Schriften über kirchliche Dinge. Der Grund ist, weil Gott in allen Dingen der Religion, und wenn er in rechter Art angerufen wird, durch Seinen Namen gegenwärtig ist und hört; darin wird der Name Gottes geheiligt. Daß der Name Jehovah Gottes an sich heilig ist, zeigt sich an dem Namen, sofern die Juden nach ihrer ersten Zeit nicht wagten und auch jetzt nicht wagen, den Namen Jehovahs auszusprechen, und das ihretwegen auch die Evangelisten und Apostel es nicht wollten und daher statt ‚Jehovah‘ sagten ‚der Herr‘, wie dies erhellt aus verschiedenen aus dem Alten Testament ins Neue herübergenommenen Stellen, in denen statt Jehovahs genannt wird der Herr, wie z.B. Matth.22/37; Luk.10/27 verglichen mit 5Mo.6/5, und anderwärts. Daß der Name Jesus in gleicher Weise heilig ist, ist bekannt aus dem Apostel, welcher sagt, daß bei diesem Namen sich beugen und beugen sollen die Knie in den Himmeln und auf Erden; und überdies, daß er von keinem Teufel in der Hölle genannt werden könne. Der Namen Gottes sind mehrere, die nicht ins Eitle zu ziehen sind, als: Jehovah, Jehovah Gott, Jehovah Zebaoth, der Heilige Israels, Jesus und Christus, der Heilige Geist.

298. Im geistigen Sinn wird unter dem Namen Gottes verstanden alles das, was die Kirche aus dem Wort lehrt, und wodurch der Herr angerufen und verehrt wird; alles dies ist der Name Gottes in seiner Umfassung; weshalb unter ‚den Namen Gottes ins Eitle ziehen‘ verstanden wird etwas davon hernehmen bei unnützem und falschem Gerede, bei Lügen, Verwünschungen, Zaubereien und Verschwörungen; denn auch dieses heißt Gott, und somit Seine Namen, schmähen und lästern. Daß das Wort, und was aus ihm die Kirche hat, somit aller Gottesdienst, der Name Gottes ist, kann aus folgenden Stellen erhellen: „Vom Aufgang der Sonne wird angerufen werden Mein Name“: Jes.26/8,13; [41/25]. „Vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang ist groß Mein Name unter den Völkerschaften; und an jedem Ort wird Rauchwerk Meinem Namen dargebracht. Ihr entweihet Meinen Namen, wenn ihr sprecht. Der Tisch Jehovahs ist befleckt; und doch verhöhnt ihr Meinen Namen, wenn ihr bringt, Geraubtes, Lahmes und Krankes“: Mal.1/11-13. „Alle Völker wandeln im Namen ihres Gottes, wir auch werden im Namen Jehovahs, unsres Gottes, wandeln“: Mi.4/5. „Sie werden Jehovah an einem Ort verehren, wohin Er Seinen Namen setzen wird“: 5Mo.12/5,11,13,14,18; 16/2,6,11,15,16, das heißt, wo Seinen Gottesdienst. Jesus sagte: „Wo zwei oder drei versammelt sind in Meinem Namen, da bin Ich in ihrer Mitte“: Matth.18/20. „Wie viele Ihn aufgenommen haben, denen gab Er Macht, Söhne Gottes zu sein, denen, die an Seinen Namen glauben“: Joh.1/12. „Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes“: Joh.3/18. „Die Glaubenden sollen das Leben haben in Seinem Namen“: Joh.20/31. Jesus sagte: „Ich habe Deinen Namen den Menschen geoffenbart, und ihnen Deinen Namen bekannt gemacht“: Joh.17/[6,] 26. Der Herr sprach: „Du hast wenige Namen zu Sardes“: Offb.3/4, außer vielen anderen Stellen, in denen, wie in den vorhergehenden, unter dem Namen Gottes verstanden wird das Göttliche, das von Gott ausgeht, und durch das Er verehrt wird. Unter dem Namen Jesu Christi hingegen wird verstanden das Ganze der Erlösung, und das Ganze Seiner Lehre, und so das Ganze der Seligmachung; unter Jesus das Ganze der Seligmachung durch die Erlösung, und unter Christus das Ganze der Seligmachung durch Seine Lehre.

299. Im himmlischen Sinn wird unter den Namen Gottes ins Eitle ziehen das verstanden, was der Herr zu den Pharisäern sagte: „Jegliche Sünde und Lästerung wird dem Menschen vergeben werden, die

Lästerung des Geistes aber wird nicht vergeben werden“: Math.12/31,32; unter der Lästerung des Geistes wird verstanden die Lästerung wider die Göttlichkeit des Menschlichen des Herrn, und wider die Heiligkeit des Wortes. Daß das Göttlich-Menschliche des Herrn unter dem Namen Jehovah Gottes im himmlischen oder höchsten Sinn verstanden wird, erhellt aus folgenden Stellen: Jesus sprach: „Vater, verherrliche Deinen Namen, und es kam eine Stimme aus dem Himmel, welche sprach: Ich habe ihn nicht nur verherrlicht, sondern werde ihn auch ferner verherrlichen“: Joh.12/28. „Alles, was ihr bitten werdet in Meinem Namen, das will Ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn; wenn ihr etwas bitten werdet in Meinem Namen, so werde Ich es tun“: Joh.14/13,14. Im Gebet des Herrn wird durch ‚Geheiligt werde Dein Name‘ im himmlischen Sinn auch nichts anderes bezeichnet, desgleichen durch den Namen: 2Mo.23/21; Jes.63/16.

Weil die Lästerung des Geistes dem Menschen nicht vergeben wird, nach den Worten Matth.12/31,32, und dies im himmlischen Sinn verstanden wird, so wird diesem Gebot noch beigefügt: „Weil Jehovah denjenigen nicht ungestraft lassen wird, der Seinen Namen ins Eitle zieht“

300. Daß unter jemandes Namen nicht der bloße Name, sondern auch seine ganze Beschaffenheit verstanden wird, stellt sich an den Namen in der geistigen Welt heraus; dort behält kein Mensch den Namen bei, den er in der Taufe und vom Vater oder Stamm in der Welt erhalten hatte, sondern ein jeder wird dort nach seiner Beschaffenheit benannt, und die Engel werden benannt nach ihrem moralischen und geistigen Leben; sie sind es auch, welche verstanden werden unter folgenden Worten des Herrn: „Jesus sprach: Ich bin der gute Hirte; die Schafe hören Seine Stimme, und die eigenen Schafe nennt Er mit Namen und führt sie aus“: Joh.10/3, desgleichen durch folgende: „Du hast wenige Namen zu Sardes, die ihre Kleider nicht befleckt haben. Wer überwindet, auf den will Ich schreiben den Namen der Stadt des neuen Jerusalems und Meinen neuen Namen“: Offb.3/4,12. Gabriel und Michael sind nicht Namen zweier Personen im Himmel, sondern unter diesen Namen werden verstanden alle die im Himmel, welche in der Weisheit hinsichtlich des Herrn sind und Ihn verehren. Auch werden unter den Personen- und Ortsnamen im Wort nicht Personen und Orte, sondern Dinge der Kirche verstanden. Auch in der natürlichen Welt wird unter einem Namen nicht der bloße Name, sondern auch die Beschaffenheit des Betreffenden verstanden, weil diese seinem Namen anhängt, wie man denn dem allgemeinen Sprachgebrauch gemäß sagt: ‚Dies tut er um seines Namens willen, oder zur Verherrlichung seines Namens, dieser hat einen großen Namen‘; wodurch bezeichnet wird, daß er berühmt sei durch solches, was in ihm ist, z.B. durch Genie, Gelehrsamkeit, Verdienste und so weiter. Wer weiß nicht, daß, wer jemanden tadelt und verunglimpft hinsichtlich seines Namens, auch die Handlungen seines Lebens tadelt und verunglimpft; denn sie sind in der Vorstellung verbunden, und es geht dadurch der Ruf seines Namens unter; ebenso wer den Namen eines Königs, eines Herzogs, eines Großen schmäht, der beschimpft auch ihre Majestät und Würde; desgleichen wer jemands Namen mit dem Ton der Verachtung ausspricht, der schätzt auch zugleich die Handlungen seines Lebens gering; gleiche Bewandtnis hat es mit jeder Person. Ihren Namen, das heißt, ihre Individualität und somit ihren guten Ruf, darf man nach den Gesetzen aller Reiche nicht verhöhnen, noch beschimpfen.