Zusatz

109. Alle Kirchen, die vor der Ankunft des Herrn bestanden hatten, waren vorbildliche Kirchen, welche die göttlichen Wahrheiten nur im Schatten sehen konnten. Allein nach der Ankunft des Herrn in die Welt ist eine Kirche von Ihm gegründet worden, welche die göttlichen Wahrheiten im Lichte sah, oder vielmehr sehen konnte. Der Unterschied ist wie der zwischen Abend und Morgen, auch heißt der Zustand der Kirche vor der Ankunft des Herrn im Wort der Abend, und der Zustand der Kirche nach Seiner Ankunft heißt der Morgen. Der Herr war zwar vor Seiner Ankunft in die Welt gegenwärtig bei den Menschen der Kirche, allein mittelbar durch Engel, die Ihn vorstellten; nach Seiner Ankunft hingegen ist Er bei den Menschen der Kirche unmittelbar gegenwärtig, denn in der Welt zog Er auch das natürliche Göttliche an, in dem Er bei den Menschen gegenwärtig ist. Die Verherrlichung des Herrn ist die Verherrlichung Seines Menschlichen, das Er in der Welt annahm, und das verherrlichte Menschliche des Herrn ist das natürliche Göttliche. Daß dem so ist, geht augenscheinlich daraus hervor, daß der Herr mit Seinem ganzen Körper, den Er in der Welt hatte, aus dem Grab auferstand, und nichts in diesem zurückließ, daß Er mithin das natürliche Menschliche selbst vom Ersten bis zum Letzten desselben von da mit Sich nahm: weshalb Er nach der Auferstehung zu den Jüngern, die einen Geist zu sehen glaubten, sagte: „Seht Meine Hände und Meine Füße, daß Ich es selbst bin; greifet Mich, und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß Ich habe“: Luk.24/37,39; woraus erhellt, daß Sein natürlicher Körper durch die Verherrlichung göttlich wurde; weshalb Paulus sagt, daß in Christo die ganze Fülle der Gottheit leiblich wohne: Kol.2/9, und Johannes, daß der Sohn Gottes Jesus Christus der wahre Gott sei: 1Joh.5/20,21. Hieraus wissen die Engel, daß der Herr allein in der gesamten geistigen Welt ein völliger Mensch ist. Bekannt ist in der Kirche, daß der ganze Gottesdienst beim israelitischen und jüdischen Volk ein bloß äußerlicher war, und daß derselbe ein Schattenriß des inneren Dienstes war, den der Herr eröffnete; und daß so der Gottesdienst vor der Ankunft des Herrn in Typen und Bildern bestand, welche den wahren Gottesdienst in seinem richtigen Abriß vorbildeten. Der Herr selbst erschien zwar bei den Alten, denn Er sagte zu den Juden: „Abraham, euer Vater jauchzte auf, daß er Meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich: Ich sage euch, ehe Abraham war, bin Ich“: Joh.8/56,58. Weil aber damals der Herr nur vorgebildet wurde, was durch Engel geschah, darum wurden alle zur Kirche gehörigen Dinge bei ihnen vorbildlich; nachdem Er aber in die Welt gekommen war, verschwanden diese Vorbildungen. Der tiefere Grund hiervon war der, daß der Herr in der Welt auch das natürliche Göttliche anzog, und aus diesem nicht nur den inneren geistigen Menschen erleuchtet, sondern auch den äußeren natürlichen Menschen, und der Mensch, wofern nicht diese beiden zugleich erleuchtet werden, wie im Schatten ist; wogegen er, wenn beide zugleich erleuchtet werden, wie in Tageshelle ist; denn wenn bloß der innere Mensch erleuchtet wird und nicht zugleich der äußere, oder wenn bloß der äußere und nicht zugleich der innere, so ist es, wie wenn jemand schläft und träumt, und unmittelbar darauf, wenn er erwacht, sich den Traum wieder zurückruft und aus ihm Verschiedenes folgert, das jedoch ein Spiel der Phantasie ist; und es ist auch wie wenn jemand im Schlaf wandelt und meint, die Gegenstände, die er sieht, sehe er am Tageslicht. Der Unterschied zwischen dem Zustand der Kirche vor der Ankunft des Herrn und demjenigen nach Seiner Ankunft ist auch wie der zwischen einem, der des Nachts beim Licht des Mondes und der Sterne eine Schrift liest, und demjenigen, der dies beim Sonnenlicht tut; daß das Auge bei dem erstgenannten Licht, das nur ein weißschimmerndes ist, sich irrt, bei dem zuletzt erwähnten aber, das auch ein flammiges ist, sich nicht irrt, ist offenbar. Daher liest man vom Herrn: „Es sprach der Gott Israels, es redete zu Mir der Fels Israels: Er [ist] wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, des wolkenlosen Morgens“: 2Sa.23/3,4. Der Gott Israels und der Fels Israels ist der Herr; und anderwärts: „Das Licht des Mondes wird sein wie das Licht der Sonne, und das Sonnenlicht wird siebenfach sein, wie das Licht von sieben Tagen, an dem Tage, da Jehovah Seines Volks Bruch verbinden wird“: Jes.30/25,26; dies wird vom Zustand der Kirche nach der Ankunft des Herrn gesagt. Mit einem Wort, der Zustand der Kirche vor der Ankunft des Herrn kann einer alten Frau verglichen werden, deren Angesicht geschminkt war, und die sich schön dünkte vom Purpur der Schminke; wogegen der Zustand der Kirche nach der Ankunft des Herrn einer Jungfrau verglichen werden kann, die von eigenem Purpur schön ist. Auch kann der Zustand der Kirche vor der Ankunft des Herrn verglichen werden der Schale irgendeiner Frucht, wie der Pomeranze, des Apfels, der Birne, der Traube und ihrem Geschmack, wogegen der Zustand der Kirche nach Seiner Ankunft verglichen werden kann den inwendigen Teilen dieser Früchte und deren Geschmack; und mit anderem dergleichen mehr; und dies darum, weil der Herrn, nachdem Er auch das natürliche Göttliche angezogen hat, den inneren geistigen Menschen und den äußern natürlichen zugleich erleuchtet; denn wenn bloß der innere Mensch erleuchtet wird, und nicht zugleich der äußere, so entsteht Schatten, ebenso wenn bloß der äußere und nicht zugleich der innere.

110. Hier sollen folgende Denkwürdigkeiten angeführt werden. Die Erste. Einst sah ich in der geistigen Welt ein Irrlicht, das aus der Luft auf die Erde herabfiel und einen Lichtschein rings um dasselbe her; es war eine Lufterscheinung, die man gemeinhin einen Drachen nennt. Ich merkte die Stelle, an der sie niederfiel, allein mit der Morgendämmerung, sobald die Sonne aufging, verschwand sie, wie dies bei jedem Irrlicht der Fall ist. Nach dem Anbruch des Morgens ging ich zu der Stelle hin, wo ich ihr Herabfallen in der Nacht gesehen hatte, und siehe, hier bestand der Boden aus einem Gemisch von Schwefel, Eisenfeilspänen und Lehm; und alsbald erschienen daselbst zwei Zelte, das eine gerade über der Stelle und das andere zur Seite gegen Mittag, und ich blickte hinauf und sah einen gewissen Geist wie einen Blitz vom Himmel fallen und in das Zelt hineinstürzen, das gerade über der Stelle des Niederfalls der Lufterscheinung stand; und ich stand in dem anderen, das daneben gegen Mittag war, am Eingang desselben, und sah den Geist im anderen auch am Eingang seines Zeltes stehen und fragte ihn nun, warum er so vom Himmel herabgefallen sei, worauf er antwortete, er sei herabgeworfen worden als Engel des Drachen von den Engeln Michaels, weil ich [sagte er] einiges über meinen Glauben, in dem ich mich in der Welt bestärkt hatte, sprach; worunter auch das war, daß Gott der Vater und Gott der Sohn zwei seien, und nicht einer; denn in den Himmeln glauben heutzutage alle, das dieselben eins seien wie Seele und Leib. Und alles Reden dagegen ist wie ein Stachel in ihrer Nase, und wie ein Pfriemen, der ihre Ohren durchbohrt, wodurch ihnen Aufregung und Schmerz entsteht, und darum wird dem, der widerspricht, befohlen, sich fortzumachen, und wenn er zögert, wird er hinabgeworfen. Nachdem ich dies gehört, sagte ich zu ihm: Warum hast du nicht geglaubt wie jene? Er erwiderte: Nach dem Austritt aus der Welt kann niemand etwas anderes glauben, als was er durch Begründung sich eingeprägt hat. Dieses bleibt festgewurzelt und kann nicht ausgerissen werden, besonders dasjenige nicht, in dem man sich in Beziehung auf Gott bestärkt hat, weil in den Himmeln jeder seine Stelle gemäß seinem Begriff von Gott hat. Weiter fragte ich, wodurch er sich bestärkt habe, daß der Vater und der Sohn zwei seien; er sagte, durch diejenigen Stellen im Wort, nach denen der Sohn zum Vater gebetet hat, nicht nur vor dem Leiden am Kreuz, sondern auch während desselben, so wie auch durch die, nach welchen Er Sich vor dem Vater erniedrigte. Wie können sie unter solchen Umständen eins sein, wie Seele und Leib eins sind im Menschen? Wer betet wie zu einem anderen und erniedrigt sich wie vor einem anderen, wenn er selbst dieser ist? Dies tut keiner, am wenigsten der Sohn Gottes.

Und zudem hatte die gesamte christliche Kirche zu meiner Zeit die Gottheit in Personen zerteilt, und eine jede Person ist eins für sich, und wird auch dahin definiert, daß sie sei, was für sich besteht. Wie ich dies von ihm hörte, antwortete ich: Aus deiner Rede habe ich wahrgenommen, daß du gar nicht weißt, wie Gott der Vater und der Sohn eins sind, und weil du das Wie nicht weißt, so hattest du dich in dem Falschen begründet, in dem die Kirche sich noch in bezug auf Gott befindet. Weißt du nicht, daß der Herr, als Er in der Welt war, eine Seele hatte wie jeder andere Mensch. Woher hatte Er diese, als aus Gott dem Vater? Daß dem so ist, erhellt sattsam aus dem Wort der Evangelisten. Was ist nun das, was der Sohn heißt, anderes, als das Menschliche, das vom Göttlichen des Vaters empfangen und von der Jungfrau Maria geboren wurde? Die Mutter kann nicht die Seele empfangen; dies widerstreitet ganz und gar der Ordnung, nach der jeder Mensch entsteht. Noch kann Gott der Vater die Seele aus Sich hineingeben und hernach zurücktreten, wie jeder Vater in der Welt, weil Gott Sein göttliches Wesen, und dieses eines und unteilbar ist, und, weil unteilbar, Er selbst ist. Daher kommt, daß der Herr sagt, daß der Vater und Er eins seien, und daß der Vater in Ihm und Er im Vater sei, und vieles Ähnliche mehr. Dies haben auch die Verfasser des Athanasischen Bekenntnisses von Ferne gesehen, weshalb sie, nachdem sie Gott in drei Personen zerteilt haben, dennoch sagen, in Christus seien Gott und Mensch, das heißt, das Göttliche und das Menschliche nicht zwei, sondern eines, wie Seele und Leib im Menschen. Daß der Herr in der Welt zum Vater wie zu einem anderen betete und Sich vor dem Vater wie vor einem anderen erniedrigte, geschah nach der von der Schöpfung her festgestellten Ordnung, die unwandelbar ist, und nach der jeder zur Verbindung mit Gott fortschreiten soll. Diese Ordnung ist, daß, wie der Mensch durch ein Leben nach den Gesetzen der Ordnung, welche Gottes Gebote sind, sich mit Gott verbindet, so Gott Sich mit dem Menschen verbindet, und ihn aus einem natürlichen zu einem geistigen macht. In ähnlicher Weise vereinigte Sich der Herr mit Seinem Vater, und der Vater Sich mit Ihm. War nicht der Herr, da Er noch Kind war, wie ein Kind, da Er noch Knabe war, wie ein Knabe? Liest man nicht, daß Er zugenommen habe an Weisheit und Gnade, und nachher, daß Er den Vater bat, Seinen Namen, das heißt, Sein Menschliches, zu verherrlichen? Verherrlichen heißt, durch die Vereinigung mit Sich göttlich machen. Daraus erhellt, daß der Herr im Zustand Seiner Erniedrigung, welcher der Zustand Seines Fortschreitens zur Vereinigung war, zum Vater betete. Eben diese Ordnung ist von der Schöpfung her jedem Menschen eingeschrieben. So wie nämlich der Mensch durch die Wahrheiten aus dem Wort seinen Verstand zubereitet, so macht er ihn geschickt zur Aufnahme des Glaubens von Gott, und so wie er durch die Werke der Liebtätigkeit den Willen zubereitet, so befähigt er diesen zur Aufnahme der Liebe von Gott; denn wie der Künstler den Diamant schneidet, so richtet er diesen zu zur Aufnahme und Ausstrahlung des Lichtglanzes; und so weiter. Sich zur Aufnahme Gottes und zur Verbindung zubereiten, heißt nach der göttlichen Ordnung leben, und Gesetze der Ordnung sind alle Gebote Gottes.

Diese hat der Herr bis auf jedes Häkchen erfüllt, und so Sich zum Aufnahmegefäß der Gottheit in aller Fülle gemacht; weshalb Paulus sagt, „daß in Jesu Christo die ganze Fülle der Gottheit leiblich wohne“, und der Herr selbst, daß „alles, was der Vater hat, Sein sei“. Noch weiter ist festzuhalten, daß der Herr bei jedem Menschen allein tätig, und daß der Mensch aus sich bloß leidend, durch den Einfluß des Lebens vom Herrn aber auch tätig ist; infolge dieses beständigen Einflusses vom Herrn erscheint es dem Menschen, als ob er tätig aus sich heraus sei. Und weil es so ist, hat er freien Willen, und dieser ist ihm gegeben, damit er sich zubereite zur Aufnahme des Herrn, und so zur Verbindung, welche nicht stattfinden kann, wenn sie nicht gegenseitig ist, und gegenseitig wird sie, wenn der Mensch aus seiner Freiheit heraus handelt, und doch aus dem Glauben heraus dem Herrn alles Tätige zuschreibt.

Nach diesem fragte ich, ob er wie andere seiner Genossen bekannt habe, daß Gott einer sei; er antwortete, er habe es bekannt: und nun sagte ich: Ich fürchte aber, daß deines Herzens Bekenntnis ist, daß es keinen Gott gibt; geht nicht alles Reden des Mundes aus dem Denken des Geistes hervor? Wie kann es daher anders sein, als daß das Bekenntnis des Mundes, es sei ein Gott, den Gedanken, daß drei seien, aus dem Geist austreibt; und umgekehrt, daß der Gedanke des Geistes aus dem Munde das Bekenntnis, es sei einer, austreibt? Was ergibt sich aber hieraus anderes, als daß kein Gott ist? Wird nicht so alles Dazwischenliegende, nämlich vom Gedanken bis zum Mund, und vom Mund zurück bis zum Gedanken, zur Leere gemacht, und auf welchen anderen Schluß kommt dann der Geist in Beziehung auf Gott, als daß die Natur Gott sei, und in Beziehung auf den Herrn, als daß Er Seine Seele entweder von der Mutter oder von Joseph hatte? Zwei Dinge, von denen als von Schauderhaftem und Abscheulichem alle Engel des Himmels sich wegwenden. Als ich dies gesagt, ward jener Geist in den Abgrund verwiesen, von dem in der Offb.9/2f die Rede ist, wo die Engel des Drachen die mystischen Dinge ihres Glaubens verhandeln. Als ich den Tag darauf auf den nämlichen Ort hinsah, sah ich an der Stelle der Zelte zwei menschenähnliche Standbilder aus dem Staub einer Erde gemacht, die eine Mischung von Schwefel, Eisen und Ton war, und die eine Bildsäule schien ein Zepter in der linken Hand, eine Krone auf dem Haupt und ein Buch in der rechten Hand zu haben, dann eine Brustbedeckung, die mit einer Schnur von kostbaren Steinen schief umwunden war, und auf dem Rücken eine Toga, die zur anderen Bildsäule hinwallte; allein damit war diese Bildsäule durch die Phantasie bekleidet worden. Und nun hörte man von da eine Stimme von einem Angehörigen des Drachen her: Dieses Bild stellt unseren Glauben als Königin vor, und das andere hinter ihm die Liebtätigkeit als ihre Magd. Diese war aus einem ähnlichen Gemisch von Staubarten gegossen und war hinter den äußersten Saum der vom Rücken der Königin herabwallenden Toga hingestellt und hielt ein Blatt in der Hand, auf dem geschrieben stand: ‚Hüte dich, näher zu treten und die Toga zu berühren!‘ Plötzlich aber fiel ein Regenguß vom Himmel und durchdrang beide Standbilder, die, weil sie aus einem Gemisch von Schwefel, Eisen und Ton bestanden, aufbrausten, wie dies infolge der Vermischung dieser Staubarten zu geschehen pflegt, wenn Wasser darüber gegossen wird, und so von innerem Feuer entzündet, zerflossen sie und wurden zu Haufen, die nachher wie Grabhügel über jenem Land hervorragten.  

111. Zweite Denkwürdigkeit.

 In der natürlichen Welt hat der Mensch ein doppeltes Reden, weil ein doppeltes Denken, ein äußeres und ein inneres, denn der Mensch kann aus dem inneren Denken reden und zugleich dann aus dem äußern denken; und er kann aus dem äußern Denken reden, indem er nicht aus dem inneren, sondern wohl gar wider das innere redet; daher denn Gleisnerei, Schmeichelei, Heuchelei.

In der geistigen Welt hingegen hat der Mensch kein zweifaches Reden, sondern ein einfaches; er spricht dort wie er denkt, widrigenfalls wird sein Ton zischend und beleidigt die Ohren. Dennoch aber kann er schweigen und so unterlassen, die Gedanken seines Gemütes preiszugeben; weshalb der Heuchler, wenn er unter Weise gerät, entweder weggeht, oder sich in einen Winkel des Zimmers zurückzieht und sich unsichtbar macht und stumm da sitzt. Einst nun waren viele in der Geisterwelt versammelt und besprachen sich über diesen Gegenstand, indem sie sagten: nicht anders reden können als man denkt, sei im geselligen Verkehr der Guten hart für die, welche über Gott und über den Herrn nicht richtig gedacht hatten. In der Mitte der Versammelten waren die Evangelischen, und zwar viele von der Geistlichkeit, und ihnen zunächst die Päpstlichen mit Mönchen; diese und jene aber sagten zuerst, dies sei nicht hart; wozu man denn anders zu reden brauche, als man denkt, und ob wer etwa nicht richtig denkt, nicht die Lippen zusammendrücken und Stillschweigen beobachten könne? Und die Geistlichen fragten: Wer denkt denn nicht richtig über Gott und den Herrn? Einige aus den Versammelten aber sagten: Stellen wir sie auf die Probe! Und sie sagten zu denen, die sich in Absicht auf Gott in einer Personendreiheit bestärkt hatten, sie möchten aus ihrem Denken heraus sagen ‚ein Gott‘; allein sie konnten es nicht; sie krümmten und falteten die Lippen in mehrere Windungen, konnten aber den Ton in keine anderen Wörter gliedern, als die mit den Vorstellungen ihres Denkens übereinstimmend waren, und diese waren die dreier Personen, und somit dreier Götter. Ferner sagte man denen, die den von der Liebtätigkeit getrennten Glauben begründet hatten, sie sollten ‚Jesum‘ nennen, allein sie konnten es nicht; alle hingegen konnten sagen ‚Christus‘ und auch ‚Gott Vater‘. Darüber verwunderten sie sich und fragten nach der Ursache, und fanden die, daß sie zu Gott dem Vater um des Sohnes willen gebetet hatten, und nicht gebetet hatten zum Heiland selbst; Jesus aber bedeutet Heiland. Weiter sagte man ihnen, sie sollten aus dem Denken über das Menschliche des Herrn das Göttlich-Menschliche nennen; allein niemand von der Geistlichkeit, die hier zugegen war, vermochte es, wohl aber vermochten es einige von den Laien; weshalb man darüber in ernste Untersuchung einging; und es wurden ihnen jetzt

I. Folgende Stellen bei den Evangelisten vorgelesen: „Der Vater hat alles in die Hand des Sohnes gegeben“: Joh.3/35. „Der Vater hat dem Sohn Macht über alles Fleisch gegeben“: Joh.17/2. „Alles ist Mir übergeben vom Vater“: Matth.11/27. „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“: Matth.28/18; und es wurde ihnen gesagt: „Behaltet von daher im Gedanken, daß Christus sowohl Seinem Göttlichen, als Seinem Menschlichen nach der Gott des Himmels und der Erde ist, und sprechet so das Göttlich-Menschliche aus“; allein sie konnten es dennoch nicht, sondern sagten, sie behielten zwar etwas von einem Denken aus dem Verstand darüber, dennoch aber nichts von einer Anerkenntnis, und darum vermöchten sie es nicht.

II. Nachher wurde ihnen aus Luk.1/32,34,35 vorgelesen, daß der Herr hinsichtlich des Menschlichen der Sohn Jehovah Gottes sein sollte, und daß Er hier der Sohn des Höchsten heißt und überall anderwärts der Sohn Gottes, und auch der Eingeborene, und man bat, sie möchten dieses im Gedanken behalten, und auch dies, daß der eingeborene Sohn Gottes, Der in der Welt geboren wurde, notwendig Gott sein müsse, wie der Vater Gott ist, und dann sollten sie das Göttlich-Menschliche aussprechen; allein sie sagten: Wir können nicht, weil unser geistiges Denken, welches das inwendigere ist, in das der Rede zunächstliegende Denken keine andere als gleichartige Vorstellungen einläßt. Und daraus [setzten sie hinzu] erkennen sie, daß sie jetzt nicht mehr ihre Gedanken zerteilen dürfen, wie in der natürlichen Welt.

III. Hierauf wurden ihnen die Worte des Herrn an Philippus vorgelesen, welche sind: „Philippus sagte: Herr, zeige uns den Vater, und der Herr sprach: Wer Mich sieht, sieht den Vater; glaubst du nicht, daß Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist?“: Joh.14/8-11; und auch andere Stellen, daß der Vater und Er eins seien, wie Joh.10/30; und es ward ihnen gesagt, sie sollten es im Gedanken behalten und so das Göttlich- Menschliche aussprechen. Allein weil dieser Gedanke nicht in der Überzeugung wurzelte, daß der Herr Gott sei auch dem Menschlichen nach, so verzogen sie die Lippen bis zum Ärger, und wollten ihren Mund zum Heraussagen zwingen, allein sie vermochten es nicht. Die Ursache war, weil die Vorstellungen des Denkens, die aus der Überzeugung hervorgehen, eins ausmachen mit den Wörtern der Sprache bei denen, die in der geistigen Welt sind; und wo jene Vorstellungen nicht sind, da finden sich auch die Wörter nicht, denn die Vorstellungen werden zu Wörtern in der Rede.

IV. Weiter wurden ihnen aus der in der gesamten christlichen Welt angenommen Lehre die Worte vorgelesen: ‚daß das Göttliche und das Menschliche im Herrn nicht zwei seien, sondern eines, ja eine Person, vereint wie Seele und Leib im Menschen‘; dies aus dem Athanasischen Glaubensbekenntnis, das auch von den Konzilien anerkannt ist; und es ward ihnen gesagt: Von daher könnt ihr gewiß eine aus Überzeugung kommende Vorstellung haben, daß das Menschliche des Herrn göttlich sei, weil Seine Seele göttlich ist; denn es ist ja ein Stück von der Lehre eurer Kirche, die ihr in der Welt anerkannt hattet; überdies ist die Seele das eigentliche Wesen des Menschen und der Leib ist dessen Form; Wesen und Form aber machen eins aus wie Sein und Existieren, und wie die Ursache, welche die Wirkung hervorbringt und die Wirkung selbst. Sie hielten diese Vorstellung fest und wollten aus ihr heraus das Göttlich-Menschliche aussprechen; allein sie konnten es nicht, denn ihre inwendige Vorstellung vom Menschlichen des Herrn vertrieb und vertilgte diese neue, hinzugenommene Vorstellung, wie sie dieselbe nannten.

V. Noch wurde ihnen folgendes aus Johannes vorgelesen: „Das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, und das Wort ward Fleisch“: Joh.1/1,14, und auch dies: „Jesus Christus ist der wahre Gott und das ewige Leben“: 1Joh.5/20, und aus Paulus: „In Christo Jesu wohnt die ganze Fülle der Gottheit leiblich“: Kol.2/9, und man sagte ihnen, sie möchten ebenso denken, nämlich daß Gott, Der das Wort war, Mensch wurde; daß Er der wahre Gott sei und daß die ganze Fülle der Gottheit leiblich in Ihm wohne; und sie machten es so, aber bloß im äußern Denken, daher konnten sie wegen des Widerstrebens des inneren das Göttlich-Menschliche nicht aussprechen, sondern sagten offen, sie könnten sich keine Vorstellung vom Göttlich-Menschlichen machen; denn [sagten sie] Gott ist Gott und der Mensch ist Mensch, und Gott ist ein Geist, und vom Geist dachten wir nicht anders, als wie vom Wind oder Äther.

VI. Endlich ward zu ihnen gesagt: Ihr wisset, daß der Herr sagte: „Bleibet in Mir, und Ich in euch. Wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnt ihr nichts tun“: Joh.15/4,5; und weil einige von der Geistlichkeit Englands zugegen waren, ward aus einem ihrer Gebete bei der heiligen Kommunion vorgelesen: ‚For, when we spiritually eat the flesh of Christ and drink the blood, then we dwell in Christ, and Christ in us‘ [denn, wenn wir geistig essen das Fleisch Christi und trinken das Blut, so bleiben wir in Christus und Christus in uns]; denket ihr nun, daß dies nicht möglich sei, wofern nicht das Menschliche des Herrn göttlich ist, so sprecht denn aus der Überzeugung im Denken das Göttlich- Menschliche aus; allein sie konnten dennoch nicht. So tief war in ihnen die Vorstellung eingewurzelt, daß das Göttliche nicht menschlich und das Menschliche nicht göttlich sein könnte, und daß Sein Göttliches vom Göttlichen des Sohnes von Ewigkeit her war, und Sein Menschliches ähnlich dem Menschlichen eines anderen Menschen; allein man sagte ihnen: Wie könnt ihr so denken, kann den ein vernünftiges Gemüt je denken, daß Gott irgendeinen Sohn von Ewigkeit gezeugt habe?

VII. Hierauf wandten sie sich an die Evangelischen und sagten: Die Augsburgische Konfession und Luther haben gelehrt, daß der Sohn Gottes und der Menschensohn in Christus eine Person sei, und daß Er auch der menschlichen Natur nach der Allmächtige und Allgegenwärtige sei, und hinsichtlich derselben zur Rechten Gottes des Vaters sitze, und alles in den Himmeln und auf Erden regiere, alles erfülle, bei uns sei, und in uns wohne und wirke; und daß kein Unterschied in der Anbetung sei, weil durch die Natur, die man sieht, die Gottheit angebetet werde, die man nicht sieht, und daß in Christus Gott Mensch und der Mensch Gott sei. Als sie dies hörten, erwiderten sie: Ist dem wirklich so? und sahen sich dann um und sagten sofort: Dies haben wir früher nicht gewußt, daher wir das Göttlich-Menschliche nicht nennen können. Der eine und der andere aber sagte: Wir haben es gelesen und geschrieben; immer aber waren es, wenn wir bei uns darüber dachten, bloß Worte, deren inwendige Vorstellung wir nicht hatten.

VIII. Endlich wandten sie sich an die Päpstlichen und sagten: Vielleicht könnt ihr das Göttlich- Menschliche nennen, da ihr ja glaubt, daß in eurer Abendmahlsreichung im Brot und Wein und in jedem Teile derselben der ganze Christus sei, und ihr auch Ihn anbetet, indem ihr die Hostien zeigt und herumtragt, als den heiligsten Gott. Sodann auch, weil ihr die Maria eine Gottgebärerin oder Mutter Gottes nennt, folglich anerkennt, daß sie Gott, das ist, das Göttlich-Menschliche, geboren hat. Auch sie wollten es nun aussprechen, weil sich aber jetzt die materielle Vorstellung vom Leib und Blut Christi einstellte, so wie auch der Glaube, daß Sein Menschliches vom Göttlichen trennbar sei, und daß es in Wirklichkeit getrennt sei beim Papst, auf den bloß Seine menschliche Gewalt, nicht aber die göttliche übertragen wurde, so konnten sie es nicht aussprechen. Und nun erhob sich ein Mönch und sagte, er könne sich ein Göttlich-Menschliches denken bei der heiligsten Jungfrau Maria, und auch bei dem Heiligen seines Klosters; und ein anderer Mönch trat herzu und sagte: Ich kann aus der Vorstellung meines Denkens, die ich jetzt hege, das Göttlich- Menschliche eher vom heiligsten Papst, als von Christus aussagen. Da zogen ihn aber einige von den Päpstlichen zurück und sagten: Schäme dich!

Nach diesem sah man den Himmel offen, und es erschienen Zungen wie Flämmchen, welche herabkamen und bei einigen einflossen, und diese feierten nun das Göttlich-Menschliche des Herrn und sagten: „Entfernt die Vorstellung von drei Göttern und glaubt, daß im Herrn die ganze Fülle der Gottheit leiblich wohnt, und daß der Vater und Er eins sind, wie Seele und Leib eins sind, und daß Gott nicht ein Wind und Äther, sondern daß Er Mensch ist, und dann werdet ihr mit dem Himmel verbunden werden, und vom Herrn her Jesum nennen, und das Göttlich-Menschliche aussprechen können.

112. Dritte Denkwürdigkeit. Als ich einst nach der Morgendämmerung erwacht war, ging ich in den Garten vor dem Haus und sah die aufgehende Sonne in ihrem Strahlenglanz, und rings um sie her eine Umgürtung, die erst schwach war, dann aber stärker hervortrat und wie von Gold schimmerte, und ein unter ihrem Rand sich erhebendes Gewölk, das, einem Karfunkel gleich von der Flamme der Sonne erglänzte; und nun verfiel ich in Nachdenken aus Anlaß der Mythen der Menschen der Urwelt, in denen sie die Morgenröte mit silbernen Fittichen und mit Gold im Munde darstellten. Während mein Gemüt sich daran ergötzte, kam ich in den Geist und hörte einige miteinander reden und sagen: Dürften wir doch mit den Neuerer reden, der den Apfel der Eris unter die Kirchenhäupter hineingeworfen hat, auf den viele von den Laien zuliefen, ihn aufhoben und unseren Augen vorhielten. Unter diesem Apfel verstanden sie das Schriftchen mit dem Titel: »Kurze Darstellung der Lehre der neuen Kirche«, und sie sagten: Es ist wirklich so schismatisch, wie bis jetzt noch niemand gedacht hat. Und einen von ihnen hörte ich schreien: Was schismatisch? Ketzerisch ist es. Einige ihm zur Seite entgegneten aber: Schweig, verstumme; es ist nicht ketzerisch, es führt eine Menge Stellen aus dem Wort an, auf die unsere Fremden, unter denen ich die Laien verstehe, achten und ihnen beistimmen. Als ich, weil ich im Geiste war, dies hörte, trat ich hinzu und sagte: Ich bin da, was gibt es? Und sogleich ergriff einer von ihnen, der, wie ich nachher hörte, ein Deutscher war, aus Sachsen gebürtig, das Wort und sagte im Ton der Autorität: Wie kommst du zu der Kühnheit, die Gottesverehrung umzustürzen, die in der christlichen Welt so viele Jahrhunderte hindurch festgestellt war, und darin bestand, daß Gott der Vater als Schöpfer des Weltalls und Sein Sohn als Mittler und der Heilige Geist als Einwirkender angerufen werden sollen, wogegen du den ersten und den letzten Gott von unseren Personen ausscheidest, während doch der Herr selbst sagt: „Wenn ihr betet, so betet also: Unser Vater, der Du bist in den Himmeln, geheiligt werde Dein Name, es komme Dein Reich!“ Ist also nicht befohlen, daß wir Gott den Vater anrufen sollen? Nachdem er dies gesagt, entstand eine Stille und alle, die ihm günstig waren, standen da wie tapfere Streiter auf Kriegsschiffen, wenn sie die feindliche Flotte erblicken und eben rufen wollen: Auf, zum Kampf, der Sieg ist [uns] gewiß! Und nun begann ich zu reden und sagte: Wer von euch weiß nicht, daß Gott vom Himmel herniederkam und Mensch wurde, denn man liest ja: Das Wort war bei Gott und Gott war das Wort, und das Wort ward Fleisch; wer von euch weiß ferner nicht, - und hier blickte ich auf die Evangelischen, unter denen jener Diktator war, der mich angeredet hatte, - daß in dem aus der Jungfrau Maria geborenen Christus Gott Mensch und der Mensch Gott ist? Allein hierüber machte diese Versammlung ein Geräusch, weshalb ich sagte: Wißt ihr dies nicht?

Es ist ja nach der Lehre eures Bekenntnisses, das man die Konkordienformel nennt, in der dies gesagt und durch vieles bekräftigt wird. Und nun wandte sich jener Diktator an die Versammlung und fragte, ob sie dies wüßten, und sie antworteten: Wir haben in diesem Buch wenig über die Person Christi studiert, sondern darin bloß im Artikel über die Rechtfertigung durch den bloßen Glauben uns abgearbeitet; dennoch aber, wenn man es darin liest, so sind wir es zufrieden. Und nun erinnerte sich dessen einer und sagte: Es steht darin, und mehr noch, daß die menschliche Natur Christi zur göttlichen Majestät und zu allen deren Attributen erhoben worden sei, und auch, daß in ihr Christus zur Rechten Seines Vaters sitze. Nachdem sie dies gehört, schwiegen sie. Nach dieser Verständigung nahm ich wieder das Wort und sagte: Da es sich nun so verhält, was ist dann der Vater anderes als der Sohn, und was der Sohn anderes als auch der Vater? Weil aber dies abermals ihren Ohren zuwider war, so fuhr ich fort und sagte: Höret die eigenen Worte des Herrn, und, wenn ihr sie früher nicht beachtet habt, so beachtet sie jetzt; denn er sprach: „Ich und der Vater sind eins; der Vater ist in Mir und Ich im Vater; Vater, alles Meinige ist Dein und alles Deinige ist Mein; wer Mich sieht, sieht den Vater“, was heißt dies anderes, als daß der Vater im Sohne sei und der Sohn im Vater, und daß sie eins seien wie Seele und Leib im Menschen, und somit, daß sie eine Person seien? Dies wird auch wirklich ein Stück eures Glaubens sein, wenn ihr dem Athanasischen Bekenntnisse glaubt, in dem ähnliches steht. Nehmet aber aus den angeführten Stellen bloß diesen Ausspruch des Herrn heraus: „Vater, alles Meinige ist Dein und alles Deinige ist Mein“, was heißt dies anderes, als daß das Göttliche des Vaters dem Menschlichen des Sohnes, und das Menschliche des Sohnes dem Göttlichen des Vaters angehöre, folglich daß in Christus Gott Mensch und der Mensch Gott sei, und somit daß sie eins seien wie Seele und Leib eins sind? Gleiches kann auch jeder Mensch von seiner Seele und von seinem Leib sagen, nämlich: alles deinige ist mein und alles meinige ist dein, du bist in mir und ich in dir, wer mich sieht, sieht dich, wir sind eins der Person nach und dem Leben nach. Der Grund ist, weil die Seele im Ganzen und in jedem Teile des Menschen ist, denn das Leben der Seele ist das Leben des Leibes und es besteht eine Wechselseitigkeit zwischen denselben. Hieraus erhellt, daß das Göttliche des Vaters die Seele des Sohnes ist, und daß das Menschliche des Sohnes der Leib des Vaters ist. Woher ist die Seele des Sohnes als vom Vater, und woher Sein Leib als von der Mutter? Es wird genannt das Göttliche des Vaters und darunter der Vater selbst verstanden, da ja Er und Sein Göttliches eines und dasselbe ist; auch ist dieses eines und unteilbar. Das dem so ist, erhellt auch aus folgenden Worten des Engels Gabriel an Maria: „Die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, und der Heilige Geist wird über dich kommen, und das Heilige, das aus dir wird geboren werden, wird der Sohn Gottes genannt werden“, und kurz vorher wird Er der Sohn des Höchsten, und anderwärts der eingeborene Sohn genannt. Ihr aber, die ihr Ihn bloß den Sohn der Maria nennt, zerstört den Begriff Seiner Gottheit. Es zerstören diesen jedoch keine anderen, als die Gelehrten aus der Geistlichkeit und die Gebildeten unten den Laien; wenn diese ihre Gedanken über das Sinnliche ihres Körpers erheben, so sehen sie auf die Herrlichkeit ihres Rufes, die nicht bloß umdunkelt, sondern auch das Licht auslöscht, durch das die Herrlichkeit Gottes eindringt. Doch kehren wir zum Gebet des Herrn zurück, in dem es heißt: „Unser Vater, der Du bist in den Himmeln, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme“; ihr, die ihr hier seid, versteht darunter den Vater bloß in Seinem Göttlichen, ich aber Ihn in Seinem Menschlichen, und Dieses ist auch der Name des Vaters; denn der Herr sagte: „Vater, verherrliche Deinen Namen“, das heißt, Dein Menschliches; und wenn dies geschieht, dann kommt das Reich Gottes, und dieses Gebet ward für diese Zeit anbefohlen, daß nämlich Gott der Vater durch Sein Menschliches angegangen werden solle. Der Herr sagt auch: „Niemand kommt zum Vater, denn durch Mich“, und beim Propheten: „ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, dessen Name ist Gott, Held, Vater der Ewigkeit“, und anderwärts: „Du Jehovah unser Vater, unser Erlöser ist on Ewigkeit Dein Name“, und noch in tausend anderen Stellen, in denen der Herr unser Heiland Jehovah genannt wird. Dies ist die wahre Auslegung der Worte jenes Gebetes. Nachdem ich dies gesagt, blickte ich sie an und bemerkte Veränderungen ihrer Gesichter, je nach den Veränderungen des Zustandes ihrer Gemüter, einige beifällig und mich anblickend, andere ungünstig und sich von mir abwendend, und nun sah ich zur Rechten eine opalfarbige Wolke und zur Linken eine finstere Wolke, und unter beiden wie ein Herabregnen, und unter diesem wie einen Platzregen zur Zeit des Spätherbstes, und darunter etwas wie Tau zur Zeit des ersten Frühlings, und alsbald hörte ich dann auf, im Geist zu sein, und war im Körper und kehrte so aus der geistigen Welt zurück in die natürliche Welt.

113. Vierte Denkwürdigkeit. Ich blickte in die geistige Welt hinaus und sah ein Heer auf fuchsroten und auf schwarzen Pferden; die auf ihnen Sitzenden sahen aus wie Affen, mit Gesicht und Brust dem Kreuz und Schwanz der Pferde, und mit dem Hinterhaupt und Rücken dem Genick und Kopf derselben zugekehrt, und die Zügel um den Hals der Reiter hängend, welche riefen: [Auf zum Kampf] gegen die Reiter auf weißen Pferden! Und sie arbeiteten mit beiden Händen an den Zügeln, zogen aber so die Pferde vom Kampf zurück, und so fort und fort. Nun ließen sich aus dem Himmel zwei Engel nieder, und kamen zu mir und sprachen: Was siehst du? und ich erzählte, welche possierliche Reiterei ich sehe, und fragte, was dies bedeute, und wer jene seien; und die Engel antworteten: Sie sind aus dem Ort, der Harmageddon heißt: Offb.16/16, wohin sie sich zu einigen Tausenden versammelt haben, zu streiten wider die von der neuen Kirche des Herrn, welche das neue Jerusalem heißt. Sie sprachen an jenem Ort über Kirche und Religion, während doch bei ihnen gar nichts von der Kirche, weil gar nichts geistig Wahres, noch etwas von der Religion, weil gar nichts geistig Gutes war. Sie sprachen dort mit dem Mund und den Lippen über diese und über jene, aber bloß um durch dieselben zu herrschen. Sie hatten in ihrer Jugend gelernt, den bloßen Glauben zu begründen und einiges von Gott; nachdem sie aber zu höheren Ämtern in der Kirche gelangt waren, behielten sie diese Dinge noch eine Zeit lang bei. Allein da sie nun anfingen, nicht mehr an Gott und an den Himmel zu denken, sondern an sich und die Welt, also nicht an die ewige Seligkeit und Wonne, sondern an zeitliche Hoheit und Macht, so verwiesen sie die in der Jugend angenommenen Lehren aus den inneren Regionen des vernünftigen Gemüts, die mit dem Himmel Gemeinschaft haben und daher im Licht des Himmels sind, hinab in die äußern des vernünftigen Gemüts, die mit der Welt Gemeinschaft haben, und daher bloß im Licht der Welt sind. Und zuletzt stießen sie dieselben hinab in das sinnlich Natürliche; infolgedessen sind die kirchlichen Lehren bei ihnen bloß Sache des Mundes geworden und nicht mehr des Denkens aus der Vernunft, noch weniger des Gefühls aus der Liebe. Und weil sie sich eine solche Natur angeeignet haben, so nehmen sie auch nichts göttlich Wahres an, das zur Kirche, und nichts echt Gutes, das zur Religion gehört. Die inneren Regionen ihres Gemüts sind vergleichsweise geworden wie Schläuche, die mit einer Mischung von Eisenfeilspänen und Schwefelpulver angefüllt sind; wird in diese Wasser gegossen, so entsteht zuerst ein Aufbrausen und dann eine Flamme, wovon jene Schläuche zerrissen werden. Ebenso jene, wenn sie etwas vom lebendigen Wasser, welches das echte Wahre des Wortes ist, hören, und dieses durch ihre Ohren eindringt, so entbrennen und entflammen sie heftig und verwerfen es als etwas, das ihre Köpfe zerbräche. Diese sind es, welche dir wie Affen erschienen, mit rückwärts gekehrtem Körper auf fuchsroten und auf schwarzen Pferden reitend und die Zügel um den Hals geworfen, weil die, welche das Wahre und Gute der Kirche aus dem Wort nicht lieben, auch nicht gegen das Vorderteil des Pferdes, sondern gegen dessen Hinterteil hinsehen wollen; denn das Pferd bezeichnet das Verständnis des Wortes, das fuchsrote Pferd das in Ansehung des Guten verdorbene Verständnis des Wortes, und das schwarze Pferd das in Ansehung des Wahren verdorbene Verständnis des Wortes. Sie riefen zum Kampf wider die Reiter auf weißen Rossen, weil das weiße Roß das Verständnis des Wortes in Ansehung des Wahren und Guten bezeichnet. Du sahst sie mit dem Hals ihre Pferde zurückziehen, weil sie den Kampf scheuten, damit das Wahre des Wortes nicht unter viele und so ins Licht käme; dies ist die Auslegung“. Weiter sagten die Engel: Wir sind aus der Gesellschaft des Himmels, die Michael heißt, und erhielten vom Herrn Befehl, hinabzusteigen in den Ort, genannt Harmageddon, aus dem die Reiterei, die du gesehen, hervorbrach. Durch Harmageddon wird bei uns im Himmel bezeichnet der Zustand und der Trieb des Streitens aus verfälschten Wahrheiten heraus, entspringend aus der Liebe zu herrschen und über andere hervorzuragen; und weil wir bei dir ein Verlangen wahrnahmen, von dem Kampf dort etwas zu erfahren, so wollen wir dir einiges davon erzählen. Nach unserer Herabkunft aus dem Himmel näherten wir uns jenem Ort, der Harmageddon heißt, und sahen daselbst einige Tausende versammelt; doch gingen wir nicht in ihre Versammlung, sondern es standen zwei Häuser auf der Mittagsseite jenes Ortes, wo sich Knaben mit ihren Lehrern befanden; dort hinein gingen wir und sie nahmen uns freundlich auf. Wir ergötzten uns an ihrem Umgang. Bei allen war zufolge des Lebens in den Augen und des Eifers in der Rede eine gewisse Anmut über das Gesicht ausgebreitet: das Leben in den Augen hatten sie vom Innewerden des Wahren, und den Eifer in der Rede von der Liebe zum Guten, weshalb wir ihnen auch Hüte gaben, deren Saum Bänder von Goldfäden und Perlen darauf schmückten. Auch gaben wir ihnen bunte Kleider von weißer und Hyazinthfarbe. Wir fragten sie, ob sie gegen den benachbarten Ort, der Harmageddon heiße, hingesehen hätten; sie sagten: Ja, durch ein Fenster unter dem Dach des Hauses, hier hätten sie eine Versammlung gesehen, aber unter mancherlei Gestalten, bald als hochgebaute Männer, bald wieder nicht als Menschen, sondern als Statuen und gehauene Götzenbilder, und um sie

her die Versammlung auf den Knien; auch diese [sagten sie] erschienen uns unter verschiedenen Gestalten, einige als Menschen, einige als Pardel und einige als Böcke, und zwar diese mit abwärts gekehrten Hörnern, mit denen sie den Boden aufwühlten. Wir erklärten ihnen nun jene Verwandlungen, wen sie vorbildeten und was sie bezeichneten. Doch zur Sache! Als die Versammelten erfuhren, daß wir in jenen Häusern eingekehrt wären, so sagten sie untereinander: Was wollen diese bei jenen Knaben? Senden wir einige aus unserer Versammlung ab, sie auszuwerfen! Wirklich sandten sie auch einige, und als sie kamen, sagten sie zu uns: Warum seid ihr in jene Häuser gegangen? Woher seid ihr? Wir gebieten euch kraft unserer Obergewalt: entfernet euch! Wir antworteten aber: Ihr habt keine Obergewalt uns dies zu gebieten. Zwar seid ihr in euren Augen wie die Enakim, und diese hier wie Zwerge; gleichwohl aber habt ihr keine Gewalt und kein Recht hier, außer etwa durch Ränke, die jedoch nichts ausrichten werden. Meldet daher den eurigen zurück, daß wir aus dem Himmel hierher gesandt sind, zu untersuchen, ob Religion bei euch sei oder nicht, und ist keine da, so werdet ihr aus jenem Ort ausgestoßen werden. Darum legt ihnen folgende Stelle vor, in der das Wesentliche der Kirche und der Religion enthalten ist, nämlich wie sie die Worte in dem Gebet des Herrn verstehen: ‚Unser Vater, der Du bist in den Himmeln, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme!‘ Nachdem sie dies gehört, sagten sie zuerst: Wozu dies? nachher aber, sie wollten es vorlegen. Sie gingen auch hin und sagten es den ihrigen, welche erwiderten: Was ist dies für eine Aufgabe und wozu?

Doch sie errieten das Geheimnis; sie wollen [sagten sie], wissen, ob jene Worte den Weg unseres Glaubens zu Gott dem Vater bestätigen. Sie sagten daher: Nach diesen Worten ist klar, daß man zu Gott dem Vater beten soll, und zwar, daß man, weil Christus unser Mittler ist, zu Gott dem Vater beten soll um des Sohnes willen. Und im Unwillen beschlossen sie sofort, zu uns zu gehen und uns dies mündlich vorzutragen, und auch, wie sie sagten, unsere Ohren gellen zu machen. Wirklich verließen sie auch jenen Ort und begaben sich in einen in der Nähe jener beiden Häuser, in denen die Knaben mit den Lehrern waren, befindlichen Hain, in dessen Mitte sich ein erhabener ebener Raum, einem Ringplatz ähnlich befand. Sie faßten sich bei den Händen und traten in diesen Ringplatz herein, wo wir waren und sie erwarteten. Es waren da Aufwürfe von Erde wie kleine Hügel, auf diese ließen sie sich nieder, denn sie sagten untereinander: Vor diesen stehen wir nicht, sondern nehmen Platz! Und einer von ihnen, der die Gestalt eines Engels des Lichts annehmen konnte und von den übrigen den Auftrag hatte, mit uns zu reden, hob nun an: Ihr habt uns aufgefordert, unsere Ansicht zu sagen über die ersten Worte im Gebet des Herrn, wie wir sie verstehen; so sage ich euch denn, wir verstehen sie so, daß man beten soll zu Gott dem Vater; und weil Christus unser Mittler ist und wir durch Sein Verdienst selig werden, daß man aus dem Glauben an Sein Verdienst zu Gott dem Vater beten soll. Hierauf sagten wir ihnen aber: Wir sind aus der Gesellschaft des Himmels, die Michael heißt, und sind gesandt, nachzusehen und zu untersuchen, ob ihr, die ihr an jenem Ort zusammentratet, Religion habt oder nicht; denn der Begriff von Gott dringt in alles ein was zur Religion gehört, und durch ihn geschieht eine Verbindung, und durch die Verbindung die Beseligung. Wir im Himmel lesen täglich jenes Gebet, wie die Menschen auf Erden, und denken dann nicht an Gott den Vater, weil Er unsichtbar ist, sondern an Ihn in Seinem Göttlich-Menschlichen, weil Er in diesem sichtbar ist; und in diesem nennt ihr Ihn Christus, wir aber Herr, und so ist der Herr uns der Vater im Himmel, wie denn auch der Herr gelehrt hat, daß Er und der Vater eines seien; daß der Vater in Ihm und Er im Vater sei, und daß wer Ihn sieht, den Vater sehe. Ferner, daß niemand zum Vater komme außer durch Ihn, und dann auch, es sei der Wille des Vaters, daß man an den Sohn glaube, und wer nicht an den Sohn glaubt, das Leben nicht sehe, ja daß der Zorn Gottes über ihm bleibe; woraus erhellt, daß der Vater durch Ihn und in Ihm angegangen wird. Und weil dem so ist, so hat Er auch gelehrt, daß Ihm gegeben sei alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Es heißt in jenem Gebet: Geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, und wir bewiesen aus dem Wort, daß Sein Göttlich-Menschliches der Name des Vaters ist, und daß das Reich des Vaters alsdann da ist, wann unmittelbar der Herr, und durchaus nicht, wann Gott der Vater unmittelbar angegangen wird; weshalb auch der Herr Seinen Jüngern befohlen hat, sie sollten das Reich Gottes predigen, und dieses ist das Reich Gottes. Nachdem sie dies gehört, erwiderten die Gegner: Ihr führt vieles aus dem Wort an; vielleicht haben auch wir dergleichen darin gelesen, wir entsinnen uns aber dessen nicht; schlaget daher vor uns das Wort auf und leset jene Stellen daraus vor, besonders das, daß das Reich des Vaters dann komme, wann das Reich des Herrn kommt; und nun sagten sie zu den Knaben: Bringet das Wort her, und sie brachten es, und wir lasen folgende Stellen daraus vor: Johannes predigte das Evangelium des Reiches, indem er sprach: Erfüllt ist die Zeit, genähert hat sich das Reich Gottes: Mark.1/14,15; Matth.3/2. Jesus selbst predigte das Evangelium des Reichs, und daß das Reich Gottes nahe herbei gekommen sei: Matth.4/17,23; 9/35. Jesus gebot den Jüngern zu predigen und zu verkündigen das Reich Gottes: Mark.16/15; Luk.8/1; 9/60. Desgleichen den siebzig, die Er aussandte: Luk.10/9,11, außer anderen Stellen, als: Matth.11/5; 16/27,28; Mark.8/35; 9/1,27; 10/29,30; 11/10; Luk.1/19; 2/10,11; 4/43; 7/22; 21/30,31; 22/18. Das Reich Gottes, das verkündigt wurde, war das Reich des Herrn, und somit das Reich des Vaters. Daß dem so sei, erhellt aus Folgendem: Der Vater hat alles in die Hand des Sohnes gegeben: Joh.3/35. Der Vater hat dem Sohn Gewalt über alles Fleisch gegeben: Joh .17/2. Alles ist Mir übergeben worden vom Vater: Matth.11/27. Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden: Matth.28/18; und noch weiter aus folgendem: Jehovah Zebaoth Sein Name, und Erlöser der Heilige Israels, der Gott der ganzen Erde wird Er heißen: Jes.54/5. Ich sah, und siehe wie ein Menschensohn, Dem übergeben wurde Herrschaft, Herrlichkeit und Reich, und alle Völker und Nationen werden Ihn verehren; Sein Herrschen ist ein ewig Herrschen, das nicht vorübergehen, und Sein Reich, das nicht vergehen wird: Da.7/13,14. Als der siebente Engel in die Posaune stieß, ließen sich laute Stimmen in den Himmeln hören, welche riefen: Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und Seines Christus geworden, und Er wird regieren in die Zeitläufe der Zeitläufe: Offb.11/15; 12/10. Und überdies unterrichteten wir sie aus dem Wort, daß der Herr in die Welt kam, nicht bloß um die Engel und die Menschen zu erlösen, sondern auch, damit sie mit Gott dem Vater vereinigt würden durch Ihn und in Ihm; denn Er lehrte, in denen die an Ihn glauben, sei Er, und sie in Ihm: Joh.6/56; 14/20; 15/4,5. Als sie dies hörten, fragten sie: Wie kann denn also euer Herr Vater genannt werden? Wir sagten: Aufgrund dessen, was gelesen worden, und auch nach folgenden Stellen: Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, Dessen Name ist Gott, Held, Vater der Ewigkeit: Jes.9/5. Du unser Vater, Abraham kennt uns nicht und Israel erkennt uns nicht an, Du Jehovah unser Vater, unser Erlöser von Ewigkeit Dein Name: Jes.63/16. Sagte er nicht zu Philippus, als dieser den Vater sehen wollte: Philippus, du kennst Mich nicht? Wer Mich sieht, sieht den Vater: Joh.14/9; 12/45.

Wer anders ist denn der Vater, als Der, Den Philippus mit seinen Augen sah? Diesem fügen wir noch bei: In der ganzen christlichen Welt sagt man, daß die, welche zur Kirche gehören, den Leib Christi ausmachen und in Seinem Leib seien; wie kann da ein Glied der Kirche sich an Gott den Vater anders wenden, als durch Ihn, zu Dessen Leib es gehört? Anders müsse es, um sich Ihm zu nahen, notwendig aus dem Leib herausgehen. Zuletzt belehrten wir sie, daß gegenwärtig vom Herrn die neue Kirche gegründet wird, welche verstanden wird unter dem neuen Jerusalem in der Offenbarung, in dem allein der Herr der Gegenstand der Gottesverehrung sein wird, wie im Himmel, und daß in dieser Weise alles werde erfüllt werden, was im Gebet des Herrn von Anfang bis zu Ende enthalten ist. Wir begründeten alles aus dem Wort bei den Evangelisten, und bei den Propheten und aus der Offenbarung, in der von Anfang bis zu Ende von dieser Kirche gehandelt wird, mit solch einer Menge von Stellen, daß sie müde wurden, sie anzuhören. Als die Harmageddonen dies mit Ärger anhörten, wollten sie hin und wieder unsere Rede unterbrechen; und zuletzt zerrissen sie dieselbe wirklich, indem sie ausriefen: Ihr habt wider die Lehre unserer Kirche gesprochen, welche ist, daß Gott der Vater unmittelbar angegangen und an Ihn geglaubt werden solle; ihr habt euch demnach einer Verletzung unseres Glaubens schuldig gemacht; geht daher von hinnen, wo nicht, so werdet ihr hinausgeworfen werden. Und wirklich gingen ihre erhitzten Gemüter von Drohungen zum Versuch der Ausführung über. Jetzt aber schlugen wir sie vermöge der uns verliehenen Gewalt mit Blindheit, und infolge dieser brachen sie, ohne uns zu sehen, hinaus, und liefen im Irrsal auseinander, und einige fielen in den Abgrund, von dem in der Offb.9/2 die Rede ist, und der jetzt in der mittägigen Gegend gegen Aufgang ist, wo diejenigen sind, welche die Rechtfertigung durch den bloßen Glauben begründen, und die, welche denselben aus dem Worte begründen, in eine Wüste hinausgewiesen werden, in der sie bis an das äußerste Ende der christlichen Welt schweifen und sich mit den Heiden vermengen.