Zusatz

158. Da in diesem Kapitel vom Heiligen Geist gehandelt worden ist, so verdient wohl noch bemerkt zu werden, daß im Wort des Alten Testaments nirgends der Heilige Geist genannt wird, sondern nur der Geist der Heiligkeit in drei Stellen, einmal bei David, Ps.51/13; und zweimal bei Jesaja 63/10,11. Dagegen aber im Wort des Neuen Testaments, sowohl bei den Evangelisten, als in der Geschichte der Apostel und in deren Briefen häufig. Der Grund ist, weil der Heilige Geist dann erst war, als der Herr in die Welt kam; denn derselbe geht aus Ihm vom Vater her hervor; denn der Herr ist der alleinige Heilige: Offb.15/4; daher auch vom Engel Gabriel zu Maria, der Mutter, gesagt wird: „Das Heilige, das aus dir geboren werden wird“: Luk.1/35. Daß gesagt wurde: „Noch war nicht der Heilige Geist, weil Jesus noch nicht verherrlicht war“: Joh.7/39 und gleichwohl früher gesagt wird, der Heilige Geist habe Elisabeth erfüllt“: Luk.1/41, sodann Sacharias, Luk.1/67, sowie auch Simeon, Luk.2/25, hatte seinen Grund darin, daß der Geist Jehovahs, des Vaters, sie erfüllte, welcher der Heilige Geist genannt wurde wegen des Herrn, Der schon in der Welt war. Dies ist der Grund, warum im Wort des Alten Testaments nirgends gesagt wird, die Propheten hätten aus dem Heiligen Geist gesprochen, sondern aus Jehovah; denn überall heißt es: Jehovah sprach zu Mir, das Wort ward von Jehovah zu Mir gesprochen, Jehovah sprach, Jehovahs Spruch; damit niemand zweifle, daß dem so sei, will ich nur aus Jeremias Stellen anführen, in denen so gesagt wird, als: 1/4,7,11-14,19; 2/1-5,9,19,22,29,31; 3/1,6,10,12,14,16; 4/1,3,9,17,27; 5/11,14,18,22,29; 6/6,9,12,15,16,21,22; 7/1,3,11,13,19- 21; 8/1,3,12,13; 9/2,6,8,12,14,16,21,23,24; 10/1,2,18; 11/1,6,9,11,17,18,21,22; 12/14,17; 13/1,6,9,11-15,25; 14/1,10,14,15; 15/1-3,6,11,19,20; 16/1,3,5,9,14,16; 17/5,19-21,24; 18/1,5,6,11,13; 19/1,3,6,12,15; 20/4; 21/1,4,7,8,11,12; 22/2,5,6,11,18,24,29,30; 23/2,5,7,12,15,24,29,31,38; 24/3,5,8; 25/1,3,7-9,15,27-29,32; 26/1,2,18; 27/1,2,4,8,11,16,19,21,22; 28/2,12,14,16; 29/4,8,9,16,19-21,25,30-32; 30/1-5,8,10-12,17,18; 31/1,2,7,10,15-17,23,27,28,31-38; 32/1,6,14,15,25,26,28,30,36,42; 33/1,2,4,10,12,13,17,19,20,23,25; 34/1,2,4,8,12,13,17,22; 35/1,13,17-19; 36/1,6,27,29,30; 37/6,7,9; 38/2,3,17; 39/15-18; 40/1; 42/7,9,15,18,19; 43/8,10; 44/1,2,7,11,24-26,30; 45/1,2,5; 46/1,23,25,28; 47/1; 48/1,8,12,30,35,38,40,43,44,47; 49/2,5- 7,12,13,16,18,26,28,30,32,35,37-39; 50/1,4,10,18,20,21,30,31,33,35,40; 51/25,33,36,39,52,58. Dies nur bei Jeremias; ebenso heißt es auch bei allen übrigen Propheten, und nicht, daß der Heilige Geist gesprochen habe, auch nicht, daß Jehovah durch den Heiligen Geist zu ihnen gesprochen habe.

159. Diesem will ich folgende Denkwürdigkeiten beifügen. Die erste: Einst als ich im Umgang mit Engeln im Himmel war, sah ich unten in der Ferne einen großen Rauch, und ein aus diesem von Zeit zu Zeit hervorbrechendes Feuer, und dann sagte ich zu den Engeln, die mit mir im Gespräch waren, daß wenige hier wissen, daß der Rauch, den man in den Höllen sieht, aus dem durch Vernünfteleien begründeten Falschen entsteht, und daß das Feuer der Zorn ist, der gegen die Widersprechenden auflodert. Ich fügte noch hinzu, es sei in dieser Welt ebenso unbekannt, wie in der meinigen, in der ich dem Körper nach lebe, daß die Flamme nichts anderes ist, als entzündeter Rauch. Daß dem so ist, habe ich oft beobachtet; ich sah auf dem Herd Rauchsäulen von den Scheitern aufsteigen, und wenn ich mit einem Brande Feuer an sie brachte, so sah ich diese Rauchsäulen sich in Flammen verwandeln, welche ganz die gleiche Gestalt behielten; denn die einzelnen Teilchen des Rauches werden zu Fünkchen, die zusammen entbrennen, wie dies bei entzündetem Schießpulver der Fall ist. Ebenso verhält es sich mit dem Rauch, den wir unten sehen, dieser besteht aus ebenso vielen Falschheiten, und das in ihm als Flamme hervorbrechende Feuer ist die Entzündung des Eifers für dieselben. Da sagten die Engel zu mir: Beten wir zum Herrn, daß wir hinabsteigen und hinzutreten dürfen, damit wir wahrnehmen, welcherlei Falschheiten es sind, die bei ihnen so rauchen und brennen; und es ward erlaubt; und siehe, es erschien eine Lichtsäule um uns her, welche sich bis an jenen Ort fortsetzte, und nun sahen wir vier Geisterscharen, die steif und fest behaupteten, man müsse Gott den Vater anbeten und verehren, weil dieser unsichtbar ist, nicht aber Seinen in der Welt geborenen Sohn, weil dieser ein Mensch und sichtbar ist. Als ich nach den Seiten hinsah, erschienen zur Linken Gelehrte aus den Geistlichen und hinter ihnen Ungelehrte; und zur Rechten Gebildete aus den Laien und hinter ihnen Ungebildete; zwischen uns und ihnen aber hatte sich eine Kluft aufgetan, die nicht überschritten werden konnte. Wir wendeten aber Augen und Ohren gegen die Linke hin, wo die Gelehrten aus den Geistlichen und hinter ihnen die Ungelehrten waren, und hörten sie über Gott also raisonnieren: Wir wissen aus der Lehre unserer Kirche, die hinsichtlich auf Gott nur eine ist in der ganzen europäischen Welt, daß

man an Gott den Vater, weil Er unsichtbar ist, und zugleich dann an Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist, die auch unsichtbar sind, sich wenden soll, weil diese gleich ewig sind mit dem Vater. Auch darum, weil Gott der Vater der Schöpfer des Weltalls und daher im Weltall allenthalben, wohin wir auch unsere Augen wenden mögen, gegenwärtig ist, und uns, wenn wir zu Ihm beten, gnädig erhört, und, nachdem Er vom Sohn die Vermittlung empfangen, den Heiligen Geist sendet, der die Herrlichkeit der Gerechtigkeit Seines Sohnes in unsere Herzen bringt und uns selig macht. Wir, die erwählten Doktoren der Kirche, haben, wenn wir predigten, die heilige Einwirkung dieser Sendung in unserer Brust empfunden, und infolge seiner Gegenwart in unseren Gemütern Andacht geatmet. Wir werden in dieser Weise angeregt, weil wir alle unsere Sinne auf den unsichtbaren Gott richten, Der durch Seinen ausgesandten Geist nicht vereinzelt im Sehen unseres Verstandes, sondern im ganzen System unseres Gemütes und unseres Körpers allumfassend wirkt. Solche Wirkungen würde die Verehrung eines sichtbaren Gottes, oder eines solchen, von dem die Gemüter das Denkbild eines Menschen hätten, nicht hervorbringen. Diesen Worten klatschten die Ungelehrten aus den Geistlichen, die hinter jenen standen, Beifall zu, und fügten noch bei: Woher anders kommt Heiligkeit, als von dem unschaubaren und unerkennbaren Göttlichen? Bei ihm, sobald es an die Pforte unseres Gehörs anklopft, erweitern wir unsere Gesichtszüge und erheitern uns wie vom sanften Anwehen einer balsamischen Himmelsluft, und schlagen auch an unsere Brust. Anders aber bei dem Schaubaren und Erkennbaren; wenn dieses in unser Ohr eindringt, so wird es zum bloß Natürlichen und nicht zum Göttlichen. Aus gleichem Grunde singen auch die Römisch-Katholischen ihre Messen in lateinischer Sprache ab, und nehmen die Hostien, von denen sie göttliche Mysterien vorgeben, aus den verborgenen Behältern der Altäre heraus und halten sie empor, wovor dann als dem Allergeheimsten das Volk auf die Knie fällt und Andacht atmet.

Hierauf wandten wir uns zur Rechten, wo die Gebildeten, und hinten ihnen die Ungebildeten aus den Laien standen, und von den Gebildeten her hörte ich folgendes: Wir wissen, daß die Weisesten von den Alten einen unschaubaren Gott verehrten, Den sie Jehovah nannten, daß sie aber nach diesen im folgenden Zeitalter sich Götter aus verstorbenen Herrschern machten, zu denen Saturn, Jupiter, Neptun, Pluto, Apollo, dann Minerva, Diana, Venus, Themis gehörten, und daß man ihnen Tempel baute und göttliche Verehrung zuerkannte, aus welchem Gottesdienst dann mit dem Fortgang der Zeit der Götzendienst entstand, durch den am Ende die ganze Welt in Irrsinn geriet. Wir treten daher unseren Geistlichen und Lehrern einstimmig bei, daß drei göttliche Personen von Ewigkeit, von denen jede Gott ist, waren und sind; uns genügt, daß sie unschaubar sind. Diesem fügten die Ungebildeten hinter ihnen hinzu: Wir stimmen bei: Ist nicht Gott Gott, und der Mensch Mensch; wir wissen aber, daß, wenn jemand Gott als Menschen darstellt, der Pöbel der Gemeinde, der eine sinnliche Vorstellung von Gott hat, beitreten wird. Nach diesen Worten wurden ihnen die Augen geöffnet, und sie sahen uns in ihrer Nähe, und im Ärger darüber, daß wir sie gehört hatten, verstummten sie. Die Engel aber verschlossen jetzt vermöge der ihnen verliehenen Macht das Auswendige oder Untere ihrer Gedanken, aus dem sie gesprochen hatten, und öffneten das Inwendige oder Obere, und nötigten sie, aus diesem über Gott zu reden, und nun fuhren sie fort, und sagten: Was ist Gott? Wir haben Seine Gestalt nicht gesehen, noch Seine Stimme gehört; was ist also Gott anderes als die Natur in ihrem Ersten und Letzten? Diese haben wir gesehen, weil sie vor unseren Augen leuchtet, und sie gehört, weil sie in unseren Ohren tönt. Nachdem wir dies gehört, sagten wir zu ihnen: Habt ihr wohl jemals Socinus gesehen, der bloß Gott den Vater anerkannte, oder Arius, der das Göttliche des Herrn und Heilandes leugnete, oder einige Anhänger derselben? worauf sie antworteten: Wir haben sie nicht gesehen. Sie sind, sagten wir, in der Tiefe unter euch; und alsbald wurden einige von da heraufgeholt und, über Gott gefragt, sprachen sie ebenso wie zuvor jene, und überdies: Was ist Gott? Wir können Götter machen, so viele wir wollen. Nun aber sagten wir: Es ist vergeblich, mit euch über den in der Welt geborenen Sohn Gottes zu reden; dennoch aber wollen wir dies aussprechen: Damit nicht der Glaube über Gott, an Ihn und von Ihm, um deswillen, weil niemand Ihn sah, und Derselbe somit wie eine Wasserblase in der Luft, die im ersten und zweiten Weltalter in schönen Farben spielte, im dritten und im folgenden in Nichts zerfließe, gefiel es Jehovah Gott, herabzusteigen, das Menschliche anzunehmen, und so Sich dem Blick darzustellen und Gewißheit zu geben, daß Gott nicht ein Gedankending ist, sondern das Selbst, das war, ist und sein wird von Ewigkeit zu Ewigkeit, und daß Gott nicht ein Wort von drei Silben, sondern alles in allem [omne rei] vom Alpha bis zum Omega ist, und folglich, daß Er das Leben und das Heil all derer ist, die an Ihn, den Sichtbaren, glauben, und nicht derer, die sagen, sie glauben an den unsichtbaren Gott.

Denn das Glauben, das Sehen und das Erkennen machen eins aus; weshalb der Herr zu Philippus sagte: Wer Mich sieht und erkennt, sieht und erkennet den Vater, und anderwärts: es sei der Wille des Vaters, daß man an den Sohn glaube, und wer an den Sohn glaubt, das ewige Leben habe, wer aber dem Sohne nicht glaubt, das Leben nicht sehen werde, sondern der Zorn Gottes über ihm bleibe; dieses und jenes sagt Er bei Joh.3/15,16,36; 14/6-15. Nachdem sie dies gehört, entbrannten viele aus den vier Scharen so sehr, daß Rauch und Feuer aus ihren Nasen hervorging; wir gingen daher weg, und die Engel, nachdem sie mich nach Hause begleitet hatten, stiegen in ihren Himmel auf.

160. Zweite Denkwürdigkeit. Einst erging ich mich in Begleitung von Engeln in der Geisterwelt, die in der Mitte zwischen dem Himmel und der Hölle ist, und in die alle Menschen nach dem Tode zuerst kommen und vorbereitet werden, die Guten zum Himmel und die Bösen zur Hölle. Und ich besprach mich mit ihnen über mancherlei Dinge, und unter anderem auch darüber, daß in der Welt, in der ich dem Körper nach bin, zur Nachtzeit unzählige Sterne, größere und kleinere, erscheinen, und daß sie ebenso viele Sonnen sind, die nur Licht in unsere Sonnenwelt herunterwerfen; und, [fuhr ich fort] da ich sah, daß man auch in eurer Welt Sterne sieht, so meinte ich, es seien deren ebenso viele, als in der Welt, in der ich bin. Die Engel, über diese Rede erfreut, sagten, es möchten wohl ebenso viele sein, weil eine jede Gesellschaft des Himmels vor denen, welche unter dem Himmel sind, zuweilen wie ein Stern leuchtet, und die Gesellschaften des Himmels unzählig sind, alle geordnet Jesajah nach den Verschiedenheiten der Affektionen der Liebe zum Guten, die in Gott unendlich und infolgedessen aus Ihm unzählig sind, und weil diese vor der Schöpfung vorhergesehen waren, so halte ich dafür, daß nach deren Zahl ebenso viele Sterne in der Welt, in welcher Menschen, und zwar in einem natürlichen Körper sein sollten, vorgesehen, das heißt, geschaffen wurden. Indem wir so zusammen sprachen, sah ich im Norden einen gebahnten Weg, der so dicht mit Geistern überfüllt war, daß zwischen zweien kaum noch für einen Fußstapfen Raum war; und ich sagte zu den Engeln, diesen Weg hätte ich auch früher schon gesehen, und Geister, gleich Heerscharen auf demselben, und ich hätte gehört, dies sei der Weg, den alle durchlaufen, die aus der natürlichen Welt abscheiden. Daß dieser Weg mit einer so großen Menge Geister angefüllt ist, kommt daher, daß jede Woche einige Myriaden Menschen sterben, und diese alle nach dem Tod in jene Welt übersiedeln. Diesem fügten die Engel noch bei: Jener Weg endigt sich in dieser Welt in deren Mitte, wo wir eben sind; und in dieser Mitte darum, weil auf der Seite gegen Morgen diejenigen Gesellschaften sind, die sich in der Liebe zu Gott und dem Nächsten befinden, und zur Linken gegen Abend die Gesellschaften derer, die wider diese Liebesarten sind, und nach vorne im Mittag die Gesellschaften derer, die einsichtsvoller als die übrigen sind; daher kommt, daß die neuen Ankömmlinge aus der natürlichen Welt hier zuerst anlanden. Wenn sie hier sind, so sind sie im Äußern, in dem sie unmittelbar vorher in der natürlichen Welt waren, und nachher werden sie allmählich in ihr Inneres versetzt und ihrer Beschaffenheit nach geprüft, und nach der Prüfung werden die Guten an ihre Stellen im Himmel und die Bösen an ihre Stellen in der Hölle gebracht.

Wir stellten uns in die Mitte, wo der Weg des Zuströmens sich endigte, und sagten: Laßt uns hier ein wenig verweilen und mit einigen Neuangekommenen reden; und wir wählten uns von den Anlangenden zwölf aus; und weil sie alle frisch aus der natürlichen Welt kamen, so wußten sie nicht anders, als daß sie noch dort seien; und wir fragten sie, was sie vom Himmel und der Hölle, und was vom Leben nach dem Tode dächten; worauf einer von ihnen antwortete: Unser heiliger Stand hat mir den Glauben eingeprägt, daß wir nach dem Tode fortleben werden, und daß es einen Himmel und eine Hölle gäbe, und darum habe ich geglaubt, daß alle, die sittlich leben, in den Himmel kommen, und daß, weil alle sittlich leben, niemand in die Hölle komme und somit die Hölle ein Märchen sei, von der Geistlichkeit erdichtet, um uns vom schlechten Lebenswandel zurückzuschrecken. Was liegt daran, ob ich von Gott so oder so denke? Der Gedanke ist bloß wie ein Schaum oder eine Blase auf dem Wasser, die zerfließt und verschwindet. Ein anderer neben ihm sagte: Mein Glaube ist, daß es einen Himmel und eine Hölle gibt, und daß Gott den Himmel und der Teufel die Hölle regiert, und weil sie Feinde und daher einander entgegengesetzt sind, der eine Böse nennt, was der andere gut heißt, und daß der sittliche Mensch als Gleisner, der dem Bösen den Schein des Guten und dem Guten den Schein des Bösen geben kann, es mit beiden Teilen hält. Was liegt alsdann daran, ob ich zu dem einen oder dem anderen Herrn stehe, wenn er mir nur gewogen ist?

Die Menschen vergnügt ebenso das Böse, wie das Gute. Ein dritter auf dessen Seite sagte: Was habe ich davon, wenn ich glaube, daß es einen Himmel und eine Hölle gibt; denn wer ist von da gekommen und hat Nachricht gegeben? Wenn jeder Mensch nach dem Tode fortleben würde, warum sollte nicht von einer so großen Menge einer wiedergekommen sein und Kunde gebracht haben? Ein vierter neben ihm sagte: Ich will dir sagen, warum noch keiner zurückkam und Kunde brachte: der Grund ist, weil der Mensch, wenn er die Seele ausgehaucht hat und tot ist, alsdann entweder ein Gespenst wird und verschwindet, oder ist wie der Hauch des Mundes, der bloß ein Wind ist; wie könnte ein solcher zurückkehren und mit jemanden reden? Ein fünfter nahm das Wort und sagte: Freunde, wartet bis zum Tag des Letzten Gerichts, weil alsdann alle in ihre Körper zurückkehren werden, und ihr sie sehen und mit ihnen reden werdet, und jeder alsdann seine Schicksale dem anderen erzählen wird. Ein sechster, der gegenüber stand, sagte lächelnd: Wie kann ein Geist, der ein Wind ist, zurückkehren in den von Würmern zerfressenen Körper, und zugleich in dessen von der Sonne ausgebranntes und in Staub zerfallenes Gerippe; und wie kann ein Ägypter, der zur Mumie gemacht und vom Apotheker mit Extrakten oder Emulsionen vermischt worden ist, die alsdann getrunken oder gegessen wurden, zurückkehren und etwas erzählen? Darum wartet nur, wenn ihr den Glauben daran habt, auf jenen Letzten Tag, ihr werdet aber immer und ewig vergebens warten. Ein siebenter nach diesem sagte: Wenn ich einen Himmel und eine Hölle, und somit auch ein Leben nach dem Tode glauben würde, so würde ich auch glauben, daß die Vögel und [andere] Tiere fortleben werden; sind nicht einige von ihnen ebenso sittlich und vernünftig wie die Menschen? Man leugnet das Fortleben des Tieres, darum leugne ich das der Menschen. Der Grund ist der gleiche, das eine folgt aus dem anderen; was ist der Mensch anderes, als ein Tier? Ein achter, der hinter diesem stand, trat herzu, und sagte: Glaubet, wenn ihr wollt, einen Himmel, ich aber glaube keine Hölle. Ist nicht Gott allmächtig, und kann Er nicht jeglichen selig machen? Da drückte ein neunter diesem die Hand und sagte: Gott ist nicht nur allmächtig, sondern auch gnädig; Er kann keinen ins ewige Feuer werfen, und ist jemand darin, so kann Er nicht anders, als ihn von da herausziehen und erheben. Ein zehnter lief aus der Reihe in die Mitte hervor und sagte: Auch ich glaube an keine Hölle. Hat nicht Gott Seinen Sohn gesandt, und hat nicht Dieser die Sünden der ganzen Welt versöhnt und weggenommen? Was vermag also der Teufel dagegen; und da er nichts vermag, was ist dann die Hölle? Der elfte, welcher Priester war, ergrimmte, als er dies gehört und sagte: Weißt du nicht, daß die, welche den Glauben erlangt haben, dem das Verdienst Christi eingeschrieben ist, selig werden, und daß die, welche Gott erwählt hat, diesen Glauben erlangen? Beruht nicht die Erwählung auf dem Wohlgefallen des Allmächtigen und auf Seinem Urteil, welche dessen würdig seien? Wer könnte sich gegen diese setzen? Der zwölfte, der ein Staatsmann war, schwieg, sagte aber, als man ihn bat, den Antworten die Krone aufzusetzen: Ich will über den Himmel, die Hölle und das Leben nach dem Tode gar nichts aus meiner Brust hervorholen, weil niemand etwas davon weiß; lasset aber immerhin ohne Rüge geschehen, daß die Priester diese Dinge predigen, denn so werden die Gemüter der Menge durch ein unsichtbares Band an die Gesetze und an die Führer gebunden, und hängt nicht davon das öffentliche Wohl ab?

Wir staunten, als wir dergleichen Dinge hörten und sagen unter uns: Diese, obwohl sie Christen heißen, sind nicht Menschen und nicht Tiere, sondern Tiermenschen; um sie jedoch aus dem Schlaf aufzuwecken, sagten wir: Es gibt einen Himmel und eine Hölle, und ein Leben nach dem Tode; daß sie vorhanden sind, werdet ihr überführt werden, sobald wir die Unwissenheit über den Lebenszustand, in dem ihr jetzt seid, entfernen; denn keiner weiß in den ersten Tagen nach dem Tod anders, als daß er noch in derselben Welt lebe, in der er zuvor war; die verflossene Zeit ist nämlich wie ein Schlaf, nach dem der Erwachende nicht anders fühlt, als daß er noch sei wo er war. Ebenso verhält es sich heute mit euch; weshalb ihr ebenso spracht, wie ihr in der vorigen Welt gedacht hattet. Die Engel benahmen ihnen aber ihre Unwissenheit, und nun sahen sie sich in einer anderen Welt und unter solchen, die sie früher nicht gekannt hatten, und jetzt riefen sie aus: Ach, wo sind wir?, und wir sagten: Ihr seid nicht mehr in der natürlichen, sondern in der geistigen Welt, und wir sind Engel. Dann, nachdem sie ganz erwacht waren, sagten sie: Seid ihr Engel, so zeigt uns den Himmel! Und wir antworteten: Weilet hier ein wenig, wir werden wieder kommen; und als wir nach einer halben Stunde zurückkehrten, sahen wir sie noch auf uns warten und sagten: Folgt uns in den Himmel! Sie folgten auch, und wir stiegen mit ihnen hinauf; und weil wir bei ihnen waren, so öffneten die Wächter die Pforte und ließen sie hinein: und wir sagten denen, die an der Schwelle die Ankömmlinge empfingen: Prüfet sie!; und sie kehrten dieselben herum und sahen, daß ihre Hinterhäupter sehr hohl waren und sagten nun: Weichet von hier, da die Lust, Böses zu tun, in euch ist, und ihr daher nicht mit dem Himmel verbunden seid; denn in euren Herzen habt ihr Gott geleugnet und die Religion verachtet. Wir aber sagten ihnen nun: Zaudert nicht, denn sonst werdet ihr hinausgeworfen!; und sie eilten hinab und gingen weg. Auf dem Weg nach Hause sprachen wir über die Ursache, warum die Hinterhäupter derer, die in der Lust sind, Böses zu tun, in jener Welt hohl sind, und ich nannte als Ursache den Umstand, daß der Mensch zwei Gehirne hat, das eine im Hinterhaupt, welches das kleine Gehirn heißt, und das andere im Vorderhaupt, welches das große Gehirn heißt, und daß im kleinen Gehirn die Liebe des Willens wohnt, und im großen Gehirn das Denken des Verstandes, und daß dann, wenn das Denken des Verstandes die Liebe des Willens des Menschen nicht leitet, das Innerste des kleinen Gehirns, das in sich himmlisch ist, zusammensinkt, daher dann die Hohlheit.

161. Dritte Denkwürdigkeit. Einst hörte ich in der geistigen Welt ein Klappern wie von einer Mühle; es war in deren nördlicher Gegend. Zuerst wunderte ich mich, was es wohl sein möchte; ich erinnerte mich aber, daß unter der Mühle und dem Mahlen verstanden wird aus dem Wort heraussuchen, was zur Lehre dient; daher ging ich auf den Ort zu, von dem aus jenes Klappern gehört wurde, und als ich nahe dabei war, hörte das Klappern auf, und ich sah etwas Gewölbtes über die Erde hervorragen, zu dem der Eingang durch eine Grotte offen stand. Als ich diese sah, stieg ich hinab und ging hinein; und siehe, es war ein gewölbtes Zimmer, in dem ich einen alten Mann sah, der zwischen Büchern saß, vor sich das Wort hatte, und daraus Belegstellen für seine Lehre aufsuchte; rings umher lagen Blättchen Papier, auf die er das dazu Dienliche niederschrieb. Im anstoßenden Gemach waren Schreiber, welche die Blättchen sammelten und in ein Heft zusammenschrieben. Ich fragte ihn zuerst über die Bücher um ihn her, und er sagte, sie handeln alle vom rechtfertigenden Glauben, und zwar mit Gründlichkeit die aus Schweden und Dänemark, mit noch mehr Gründlichkeit die aus Deutschland, mit noch mehr die aus Britannien, und am gründlichsten die aus Holland; wobei er noch hinzufügte, daß sie in Verschiedenem voneinander abweichen, in dem Artikel von der Rechtfertigung und Seligmachung durch den bloßen Glauben aber alle übereinstimmen.

Nach diesem sagte er mir, daß er gegenwärtig Stellen für den ersten Satz des rechtfertigenden Glaubens sammle, daß der Vater Seine Gnade gegen das menschliche Geschlecht wegen der Missetaten desselben zurückgezogen hatte, und daß daher, damit die Menschen gerettet würden, vor Gott die Notwendigkeit entstanden war, daß eine Genugtuung, Versöhnung, Entsündigung und Vermittlung durch jemanden geschähe, der die Verdammnis der Gerechtigkeit auf sich nähme, und daß dies nur durch Seinen einzigen Sohn habe geschehen können. Daß aber, nachdem dies geschehen, der Zugang zu Gott dem Vater um Seinetwillen nun geöffnet sei, da wir sagen: Vater, erbarme Dich unser um des Sohnes willen!, wobei er hinzufügte: Ich sehe und habe gesehen, daß dies der Vernunft und der Schrift ganz gemäß ist; denn wie hätte man anders Zutritt zu Gott dem Vater erhalten können, als durch den Glauben an das Verdienst des Sohnes? Als ich dies hörte, staunte ich, daß er gesagt, es sei vernunft- und schriftgemäß, da es doch gegen die Vernunft und gegen die Schrift ist, was ich ihm auch offen sagte; allein er erwiderte hierauf im Auflodern seines Eifers: Wie kannst du so reden? Ich legte daher meine Ansicht offen dar und sprach: Ist es nicht vernunftwidrig, zu denken, daß Gott der Vater Seine Gnade gegen das menschliche Geschlecht zurückgezogen, und es verworfen und in den Bann getan habe? Ist nicht die göttliche Gnade ein Attribut des göttlichen Wesens? Aus Seiner Gnade fallen, wäre demnach nichts anderes, als aus Seinem göttlichen Wesen fallen, und aus Seinem göttlichen Wesen fallen hieße, nicht mehr Gott sein. Kann Gott Sich selbst entfremdet werden? Glaube mir, daß die Gnade auf seiten Gottes ebenso ewig als unendlich ist. Zwar von Seiten des Menschen kann, wenn er sie nicht annimmt, die Gnade Gottes eingebüßt werden; würde aber die Gnade von Gott zurückweichen, so wäre es geschehen um den ganzen Himmel und um das ganze menschliche Geschlecht. Die Gnade Gottes bleibt daher von seiten Gottes auf ewig, nicht nur gegen die Engel und die Menschen, sondern auch sogar gegen die Teufel in der Hölle. Da nun dies der Vernunft gemäß ist, warum sagst du denn, der einzige Zutritt zu Gott dem Vater sei durch den Glauben an das Verdienst des Sohnes, während doch ein beständiger Zutritt zu Ihm stattfindet durch die Gnade? Warum sprichst du aber von einem Zugang zu Gott dem Vater um des Sohnes willen und nicht durch den Sohn?

Ist nicht der Sohn Vermittler und Seligmacher? Warum wendest du dich also nicht an den Vermittler und Seligmacher selbst? Ist Er nicht Gott und Mensch? Wer geht wohl auf Erden unmittelbar zu einem Kaiser, König oder Fürsten hin? Muß nicht ein Mittelsmann da sein, der ihn zu demselben einführt? Weißt du nicht, daß der Herr in die Welt kam, um selbst zum Vater einzuführen, und daß es keinen Zutritt gibt außer durch Ihn, und daß dieser Zutritt fortwährend offen ist, wenn du dich unmittelbar an den Herrn wendest, weil Er im Vater und der Vater in Ihm ist? So suche denn in der Schrift, und du wirst sehen, daß dies derselben gemäß ist, und daß dein Weg zum Vater ihr ebenso sehr zuwiderläuft als er gegen die Vernunft ist. Ich sage dir auch, daß es eine Vermessenheit ist, zu Gott dem Vater aufzusteigen, anders als durch Ihn, Der im Schoße des Vaters und allein bei Ihm ist; hast du nicht Joh.14/6 gelesen? Nachdem er dies gehört, ergrimmte jener Greis so sehr, daß er vom Sitz aufsprang und seinen Schreibern zurief, sie sollten mich hinauswerfen; da ich aber sogleich von selbst hinausging, so warf er mir vor die Türe hinaus ein Buch nach, das ihm gerade in die Hände fiel, und dieses Buch war das Wort.

162. Vierte Denkwürdigkeit: Es entstand ein Streit unter den Geistern, ob jemand irgendeine theologische Lehrwahrheit im Wort anderswoher sehen könne, als aus dem Herrn; darin waren alle einig, daß es niemand könne außer von Gott, weil der Mensch nichts nehmen könne, es werde ihm denn aus dem Himmel gegeben: Joh.3/27, es wurde deshalb darüber gestritten, ob es jemand könne, ohne sich unmittelbar an den Herrn zu wenden. Die von der einen Seite sagten, man müsse sich geradezu an den Herrn wenden, weil Er das Wort ist; die von der anderen aber: man sehe die Lehrwahrheit auch, wenn man sich unmittelbar an Gott den Vater wende. Der Streit drehte sich daher zuerst um die Frage, ob es einem Christen erlaubt sei, sich unmittelbar an den Vater zu wenden, und so über den Herrn hinauf zusteigen, ob dies nicht vielmehr eine ungebührliche und unbesonnene Anmaßung und Vermessenheit sei, da ja der Herr sage: Niemand komme zum Vater außer durch Ihn: Joh.14/6. Allein darüber gingen sie weg, und sagten, der Mensch könne das Lehrwahre aus dem Wort von seinem eigenen natürlichen Licht aus sehen; dies wurde jedoch verworfen, weshalb sie darauf bestanden, daß es von denjenigen gesehen werden könne, die zu Gott dem Vater beten. Man las ihnen daher einiges aus dem Wort vor, und sie beteten auf den Knien, Gott der Vater möchte sie erleuchten; und bei den Worten, die ihnen aus dem Wort vorgelesen worden waren, sagte sie, dies und jenes sei das Wahre darin, was jedoch Falsches war; so zu wiederholten Malen bis zum Überdruß; endlich bekannten sie, daß sie es nicht könnten. Die von der anderen Seite hingegen, welche sich unmittelbar an den Herrn wandten, sahen das Wahre und unterrichteten jene. Nachdem der Streit auf diese Weise geschlichtet war, stiegen einige aus dem Abgrund herauf, die anfänglich wie Heuschrecken, nachher aber wie Zwerge erschienen; sie bestanden aus denjenigen, die in der Welt zu Gott dem Vater gebetet und sich in der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben bestärkt hatten; sie waren dieselben, von denen in der Offb.9/1-11 gehandelt wird; diese sagten: Jenes, daß der Mensch durch den bloßen Glauben, ohne die Werke des Gesetzes, gerechtfertigt werden, sehen sie im hellen Lichte, und zwar auch aus dem Wort. Man fragte sie: Durch welchen Glauben? Sie antworteten: Durch den an Gott den Vater. Nachdem sie aber geprüft waren, ward ihnen aus dem Himmel gesagt, daß sie auch nicht eine einzige Lehrwahrheit aus dem Wort wüßten, worauf sie aber erwiderten, sie sähen doch ihre Wahrheiten im Licht; allein man sagte ihnen, sie sähen dieselben in einem Irrlicht. Sie fragten, was ein Irrlicht sei, und man belehrte sie, daß das Irrlicht ein Licht der Bestärkung im Falschen sei, und daß dieses Licht dem Licht entspreche, in dem die Nachteulen und Fledermäuse sind, für welche die Finsternis Licht, und das Licht Finsternis ist. Dies wurde dadurch bestätigt, daß sie, wenn sei aufwärts zum Himmel blickten, wo das Licht selbst war, Finsternis, wenn sie aber hinab in den Abgrund blicten, von dem sie hergekommen, Licht sahen. Über diesen Beleg entrüstet, sagten sie, daß auf diese Weise das Licht und die Finsternis nichts Wirkliches, sondern bloß ein Zustand des Auges seien, demzufolge man das Licht Licht und die Finsternis Finsternis heiße; allein es wurde gezeigt, daß sie wirklich ein Irrlicht haben, das ein Licht der Bestärkung im Falschen ist, und daß dieses ihr Licht nur eine Tätigkeit ihres Geistes sei, die aus dem Feuer ihrer Lüste entspringe, nicht unähnlich dem Licht der Katzen, deren Augen infolge ihrer brennenden Begierde nach Mäusen in den Speisekammern zur Nachtzeit wie Lichter erscheinen. Nachdem sie dies gehört, sagten sie zornig, sie seien keine Katzen, und auch den Katzen nicht ähnlich, weil sie [sehen] könnten, wenn sie wollten; allein, weil sie die Frage fürchteten, warum sie denn nicht wollten, entfernten das Licht selbst war, Finsternis, wenn sie aber hinab in den Abgrund blickten, von dem sie hergekommen, Licht sahen. Über diesen Beleg entrüstet, sagten sie, daß auf diese Weise das Licht und die Finsternis nichts Wirkliches, sondern bloß ein Zustand des Auges seien, demzufolge man das Licht Licht und die Finsternis Finsternis heiße; allein es wurde gezeigt, daß sie wirklich ein Irrlicht haben, das ein Licht der Bestärkung im Falschen ist, und daß dieses ihr Licht nur eine Tätigkeit ihres Geistes sei, die aus dem Feuer ihrer Lüste entspringe, nicht unähnlich dem Licht der Katzen, deren Augen infolge ihrer brennenden Begierde nach Mäusen in den Speisekammern zur Nachtzeit wie Lichter erscheinen. Nachdem sie dies gehört, sagten sie zornig, sie seien keine Katzen, und auch den Katzen nicht ähnlich, weil sie [sehen] könnten, wenn sie wollten; allein, weil sie die Frage fürchteten, warum sie denn nicht wollten, entfernten 1 [aus der Enthüllten Offenbarung, Nr. 566. Anm. d. Übers.] sie sich und ließen sich hinab in ihren Abgrund. Wirklich werden auch die, welche sich daselbst aufhalten und ihnen ähnlich sind, von den Engeln Nachteulen und Fledermäuse und auch Heuschrecken genannt.

Als sie zu den Ihrigen im Abgrund gekommen waren und ihnen erzählt hatten: die Engel haben gesagt, wir wüßten gar keine Lehrwahrheit, nicht einmal eine einzige, und sie nannten uns Nachteulen, Fledermäuse und Heuschrecken, entstand daselbst ein Lärmen, und sie sagten: Beten wir zu Gott, daß wir hinaufsteigen dürfen, und wir wollen deutlich beweisen, daß wir viele Lehrwahrheiten haben, welche selbst die Erzengel anerkennen werden. Und weil sie zu Gott beteten, erhielten sie Erlaubnis, und es stiegen gegen dreihundert herauf, und über der Erde erschienen, sagten sie: Wir sind in der Welt gefeiert und berühmt gewesen, weil wir die Geheimnisse der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben gewußt und gelehrt, und infolge der Beweisgründe das Licht nicht nur gesehen, sondern auch als einen Strahlenglanz erblickt haben, wie dies nun auch in unseren Zellen der Fall ist. Dessen ungeachtet haben wir von unseren Genossen, die bei euch waren, gehört, daß jenes Licht kein Licht, sondern Finsternis sein solle, weil wir, wie ihr sagtet, keine Lehrwahrheit aus dem Wort haben. Wir wissen, daß jede Wahrheit des Wortes leuchtet, und wir glaubten, daß daher jenes Schimmern bei uns komme, wenn wir in tiefes Nachdenken über unsere Geheimnisse versunken waren; wir werden daher beweisen, daß wir Wahrheiten aus dem Wort in reicher Fülle haben.

Sie sagten also: Haben wir nicht die Wahrheit, daß es eine Dreieinigkeit gibt, bestehend aus Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, und daß man an die Dreieinigkeit glauben soll? Haben wir nicht die Wahrheit, daß Christus unser Erlöser und Seligmacher ist? Haben wir nicht die Wahrheit, daß Christus allein die Gerechtigkeit ist, und Ihm allein Verdienst zukommt, und daß derjenige ungerecht und gottlos ist, der sich selbst etwas von dem Verdienst und der Gerechtigkeit Desselben zuschreiben will? Haben wir nicht die Wahrheit, daß kein Sterblicher etwas geistig Gutes aus sich selbst tun kann, sondern daß alles Gute, das an sich gut ist, von Gott ist? Haben wir nicht die Wahrheit, daß es ein auf Verdienst ausgehendes und auch ein heuchlerisches Gute gibt, und daß dieses und jenes Gute Böses ist? [Haben wir nicht die Wahrheit, daß der Mensch aus eigenen Kräften nichts zu seinem Heil beitragen kann?1].

Haben wir nicht die Wahrheit, daß man dennoch gute Werke tun soll? Haben wir nicht die Wahrheit, daß es einen Glauben gibt, und daß man an Gott glauben soll, und daß ein jeder, so wie er glaubt, auch Leben hat; und so vieles andere aus dem Wort? Wer von euch kann eine von diesen Wahrheiten leugnen? Und doch sagtet ihr, daß wir in unseren Schulen gar keine Wahrheiten hätten, nicht einmal eine einzige; habt ihr uns dergleichen nicht mit Unrecht vorgeworfen? Hierauf erhielten sie aber zur Antwort: Alles, was ihr angeführt habt, ist zwar an und für sich Wahres, allein bei euch ist es Verfälschtes, das die Eigenschaft des Falschen von einem falschen Prinzip her an sich hat; daß dem so ist, davon wollen wir euch sogar einen augenscheinlichen Beweis geben. Nicht weit von hier ist ein Ort, in den Licht unmittelbar aus dem Himmel einfließt; in seiner Mitte ist ein Tisch, wenn man auf diesen ein Blatt legt, auf das eine Wahrheit aus dem Wort geschrieben ist, so leuchtet das Blatt von der Wahrheit, die auf dasselbe geschrieben ist, wie ein Stern. So schreibt nun eure Wahrheiten auf ein Blatt, und man lege dasselbe auf den Tisch, und ihr sollt sehen. Sie machten es so, und gaben es einem Hüter, der es auf den Tisch legte und dann zu ihnen sagte: Entfernet euch und sehet auf den Tisch hin, sie entfernten sich und sahen hin, und siehe, jenes Blatt leuchtete wie ein Stern; und nun sagte der Hüter: Ihr seht, daß es Wahrheiten sind, die ihr auf das Blatt geschrieben, tretet aber näher hin, und heftet euren Blick auf das Blatt; und sie machten es so, und plötzlich verschwand nun das Licht und das Blatt ward schwarz, wie mit Ofenruß überzogen. Und weiter sagte der Hüter: Berührt das Blatt mit euren Händen, nehmet euch aber in acht, daß ihr die Schrift nicht berührt, und als sie es so gemacht, brach eine Flamme hervor und verzehrte es. Nachdem sie dies gesehen, sagte man ihnen: Hättet ihr die Schrift berührt, so würdet ihr einen Knall gehört und eure Finger verbrannt haben.

Und nun sagten ihnen die hinter ihnen Stehenden: Ihr habt nun gesehen, daß die Wahrheiten, die ihr zu Begründung der Geheimnisse eurer Rechtfertigung mißbraucht, zwar an und für sich Wahrheiten sind, daß sie aber in euch verfälschte Wahrheiten sind. Jene blickten nun in die Höhe, und der Himmel erschien ihnen wie Blut, und nachher wie dicke Finsternis; und sie selbst erschienen vor den Augen der Engelgeister einige wie Fledermäuse, einige wie Nachteulen und einige wie Uhu; und sie entflohen in ihre Finsternis, die vor ihren Augen wie ein Irrlicht leuchtete. Die Engelgeister, welche anwesend waren, verwunderten sich, weil sie von jenem Ort und vom Tisch daselbst früher nichts gewußt hatten; und nun tönte ihnen eine Stimme aus der mittäglichen Gegend zu und sprach: Tretet herzu, und ihr sollt noch Wunderbareres sehen! Da traten sie hinzu und gingen in ein Gemach, dessen Wände wie von Gold erglänzten; hier sahen sie auch einen Tisch, und auf diesem lag das Wort, ringsum mit Edelsteinen in himmlischen Formen umgeben, und der hütende Engel sprach: Wenn das Wort geöffnet wird, so schimmert ein Licht von unaussprechlichem Glanz hervor, und zugleich verbreitet sich aus den Edelsteinen ein Farbenbogen über und um das Wort. Kommt nun ein Engel aus dem dritten Himmel herzu, [und blickt auf das geöffnete Wort hin,] so erschient über und um das Wort ein Farbenbogen auf rotem Grund; kommt aber ein Engel aus dem zweiten Himmel herzu und blickt hin, so erscheint ein Farbenbogen auf himmelblauem Grund; kommt hingegen ein Engel aus dem untersten Himmel herzu und blickt hin, so erscheint ein Farbenbogen auf glänzend weißem Grund; kommt endlich ein guter Geist herzu und blickt hin, so erscheint ein buntes Lichtspiel wie bei Marmor. Daß dem so ist, ward ihnen auch durch den Augenschein gezeigt. Weiter sagte der hütende Engel: Tritt einer herzu, der das Wort verfälscht hatte, so verschwindet zuerst der Glanz, und wenn er nahe hingeht und seine Augen auf das Wort heftet, so wird es ringsum wie Blut, und man ermahnt ihn nun, sich zu entfernen, weil Gefahr da ist. Es trat aber einer, der in der Welt einer der angesehensten Schriftsteller über die Lehre vom rechtfertigenden bloßen Glauben gewesen war, dreist hinzu und sagte: Ich habe, solange ich in der Welt war, das Wort nicht verfälscht; ich habe zugleich mit dem Glauben auch die Liebe erhoben und gelehrt, daß der Mensch im Zustand des Glaubens, in dem er Liebe übt und deren Werke tut, vom Heiligen Geist erneuert, wiedergeboren und geheiligt werde; ferner daß alsdann der Glaube nicht allein sein könne, das heißt, ohne gute Werke, so wie ein guter Baum nicht ohne Frucht, die Sonne nicht ohne Licht und das Feuer nicht ohne Wärme. Ich habe auch diejenigen, welche sagten, die guten Werke seien nicht notwendig, getadelt, und überdies die Zehn Gebote und auch die Buße hoch erhoben; und so habe ich auf wunderbare Weise alles im Wort dem Artikel vom Glauben angepaßt, den ich gleichwohl als allein seligmachend herausgestellt und nachgewiesen habe. Dieser nun trat im Vertrauen auf seine Behauptung, daß er das Wort nicht verfälscht, zum Tisch hin und berührte wider die Warnung des Engels das Wort; da brach aber plötzlich Feuer mit Rauch aus dem Wort hervor, und es erfolgte eine Entladung mit großem Krachen, wodurch er in einen Winkel des Gemaches geworfen ward und eine kleine Stunde wie tot daselbst lag. Darüber waren die Engelgeister verwundert, allein es ward ihnen gesagt, daß jenes Kirchenhaupt zwar mehr als die übrigen das Gute der Liebtätigkeit als aus dem Glauben hervorgehend erhoben, darunter aber gleichwohl keine anderen Werke verstanden habe, als politische, die man auch sittliche und bürgerlich Gute heißt, und die man, um der Welt und des Fortkommens in ihr, und durchaus nicht um der Seligkeit willen tun soll. Ferner, daß er auch unsichtbare Werke des Heiligen Geistes untergeschoben habe, von denen der Mensch nichts weiß, und die dem Glauben im Stande desselben eingepflanzt werden.

Hierauf sprachen die Engelgeister untereinander von der Verfälschung des Wortes, und kamen darin überein, daß das Wort verfälschen heiße, die Wahrheiten aus ihm herausnehmen und zur Begründung des Falschen anwenden, was so viel sei, als sie aus dem Zusammenhang des Wortes herausreißen und töten. So zum Beispiel alle jene Wahrheiten, die oben von denen aus dem Abgrund angeführt worden sind, auf den heutigen Glauben anwenden und sie aus diesem erklären; und daß derselbe mit Falschem geschwängert ist, wird im folgenden bewiesen werden. Ferner aus dem Wort die Wahrheit herausnehmen, daß man Liebe üben und dem Nächsten Gutes tun soll; wenn dann einer zwar bestätigt, daß man dies tun soll, aber nicht um der Seligkeit willen, weil nichts Gutes, das der Mensch tut, gut sei, da es auf Verdienst ausgehe, so reißt er diese Wahrheit aus dem Wort und dessen Zusammenhang heraus und tötet sie, da ja der Herr in Seinem Wort jedem Menschen, der selig werden will, auferlegt, den Nächsten zu lieben und aus Liebe ihm Gutes zu tun. Ebenso im übrigen.