Wirkliche Busse ist: sich pruefen, seine Suenden erkennen und anerkennen, zum Herrn flehen, und ein neues Leben anfangen

528. Daß man fortwährend Buße tun soll, und daß davon das Heil des Menschen abhängt, ergibt sich klar aus vielen Stellen und deutlichen Aussprüchen des Herrn im Wort, von denen für jetzt folgende angeführt werden sollen: „Johannes predigte die Taufe der Buße und sprach: Bringet würdige Früchte der Buße“: Luk.3/3,8; Mark.1/4. „Jesus fing an zu predigen und zu sagen: Tut Buße“: Matth.4/17; und Er sprach: „Weil das Reich Gottes nahe herbeigekommen ist, so tut Buße“: Mark.1/14,15; ferner: „Wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle umkommen“: Luk.13/5. „Jesus befahl den Jüngern, in Seinem Namen Buße zu predigen und Vergebung der Sünden allen Völkerschaften“: Luk.24/47; Mark.6/12, weshalb „Petrus predigte die Buße und die Taufe auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden“: Apg.2/38, und auch sagte: „Tut Buße und bekehret euch, damit euch eure Sünden ausgetilgt werden“: Apg.3/19. Paulus predigte allen überall, daß sie sollten Buße tun: Apg.17/30. Paulus „verkündigte auch zu Damaskus, zu Jerusalem, durch das ganze Land Judäa und den Heiden, daß sie sollten Buße tun und sich bekehren zu Gott, und Werke würdig der Buße tun“: Apg.26/20, und „ermahnte auch Juden und Griechen zur Buße gegen Gott, und zum Glauben an den Herrn Jesus Christus“: Apg.20/21. Der Herr sprach zu der Ephesinischen Kirche: „Ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlassen hast; tue Buße; wo nicht, so werde Ich deinen Leuchter wegrücken von seiner Stelle, wofern du nicht Buße tun wirst“: Offb.2/2,4,5; zur Kirche in Pergamus: „Ich kenne deine Werke, tue Buße!“: Offb.2/26; zu der Kirche in Thyatira: „Ich will sie in Trübsal hingeben, wofern sie nicht Buße tut wegen ihrer Werke“: Offb.2/19,22,23. Zur Kirche der Laodicäer: „Ich kenne deine Werke, sei eifrig und tue Buße“: Offb.3/15,19. „Es ist Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut“: Luk.15/7; außer anderen Stellen. Hieraus erhellt, daß man durchaus Buße tun soll, allein welcherlei und in welcher Weise, soll im folgenden kundgetan werden.

529. Wer kann nicht mittelst der ihm verliehenen Vernunft einsehen, daß es nicht Buße ist, wenn man bloß mit dem Mund bekennt man sei ein Sünder, und darüber mancherlei äußert, wie der Heuchler, wovon oben Nr. 518 Erwähnung geschehen ist; denn was ist dem Menschen, wenn er in Angst und Kampf ist, leichter, als Seufzer und Stöhnen aus der Lunge auszuhauchen, und von da durch die Lippen herauszustoßen, und auch an die Brust zu schlagen und so sich aller Sünden schuldig zu geben, während er sich doch keiner einzigen bei sich bewußt ist? Geht denn zugleich mit dem Seufzer auch die teuflische Rotte, die seinen Neigungen innewohnt, heraus? Zischt diese nicht vielmehr dazu und bleibt, wie früher, in ihm als in ihrem Haus? Hieraus erhellt, daß eine solche Buße nicht verstanden wurde im Wort, sondern, wie die Worte lauten, von den bösen Werken.

530. Die Frage ist also: Wie soll man Buße tun? Und die Antwort ist: Werktätig, und dies heißt, sich prüfen, seine Sünden erkennen und anerkennen, zum Herrn flehen, und ein neues Leben anfangen. Daß Buße nicht möglich ist ohne Selbstprüfung, ist im vorhergehenden Abschnitt gezeigt worden. Allein wozu die Selbstprüfung sonst, als damit einer seine Sünden erkenne, und wozu das Erkennen, wenn er nicht anerkennt, daß sie in ihm sind, und wozu diese drei, als daß er sie vor dem Herrn bekenne und um Beistand flehe, und von da aus ein neues Leben anfange, welches der Endzweck ist, wegen dessen er sich prüft?

Dieses ist die wirkliche Buße. Daß man in dieser Weise vorschreiten und handeln muß, kann jeder Mensch nach dem ersten Alter, und mehr noch, wenn er sein eigener Herr und seiner Vernunft mächtig geworden ist, von der Taufe her wissen, unter deren Waschung die Wiedergeburt verstanden wird; denn in ihr haben die Paten für ihn angelobt, daß er dem Teufel und allen seinen Werken entsagen wolle; und ebenso vom heiligen Abendmahl her, vor dessen würdiger Begehung alle ermahnt werden, ihrer Sünden wegen Buße zu tun, und sich zu Gott zu bekehren und ein neues Leben anzutreten; und überdies aus den Zehn Geboten oder dem Katechismus, der in aller Christen Händen ist, wo in sechs Vorschriften der Zehn Gebote nichts anderes befohlen wird, als daß man das Böse nicht tun solle; und wofern man nicht dieses durch die Buße entfernt, so kann man nicht den Nächsten und noch weniger Gott lieben, während doch von diesen zwei Geboten das Gesetz und die Propheten abhängen, das heißt, das Wort, mithin die Seligkeit. Die wirkliche Buße, wenn sie von Zeit zu Zeit geschieht, nämlich so oft der Mensch zum Genuß des heiligen Abendmahls sich vorbereitet, ist, wofern nur der Mensch nachher von der einen oder anderen Sünde, die er dann bei sich findet, absteht, hinreichend, ihn in die Werktätigkeit einzuführen; und ist er in dieser, so ist er auf dem Weg zum Himmel; denn alsdann fängt der Mensch an, vom natürlichen ein geistiger, und vom Herrn neu geboren zu werden.

531. Dies kann durch folgende Vergleiche ins Licht gesetzt werden: Der Mensch ist vor der Buße wie eine Wüste, in der fürchterlich wilde Tiere, Drachen, Uhu, Brandeulen, Nattern, Blutschlangen sind, und im Gestrüpp dort Ochim und Zijim und Satyrn tanzen; sind aber diese durch der Menschen Fleiß und Anstrengung ausgetrieben, so kann diese Wüste gepflügt und zu Saatfeldern angebaut, und in diese zuerst Hafer, Bohnen und Lein, und nachher Gerste und Weizen gesät werden. Auch kann es verglichen werden mit der Bosheit, die in reichem Maße herrscht bei den Menschen, wofern nicht die Bösewichter nach den Gesetzen gezüchtigt und bestraft würden mit Schlägen oder dem Tode, so würde keine Stadt, und ebenso kein Reich bestehen. Der Mensch ist wie eine Gesellschaft in kleinster Form; würde er nicht ebenso mit sich in geistiger Weise verfahren, wie in natürlicher Weise mit den Bösewichtern in der großen Gesellschaft verfahren wird, so würde er nach dem Tode gezüchtigt und bestraft werden müssen, und dies so lange, bis er aus Furcht vor Strafe das Böse nicht mehr tut, obgleich er niemals mehr dazu gebracht werden kann, das Gute aus Liebe zum Guten zu tun.