XIV. Wenn das Wort nicht waere, wüßte niemand etwas von Gott, vom Himmel und der Hölle und vom Leben nach dem Tode, und noch weniger vom Herrn  

273. Weil diejenigen, welche dafür halten und sich darin bestärkt haben, daß der Mensch auch ohne das Wort vom Dasein Gottes, und auch des Himmels und der Hölle, sowie vom übrigen, was das Wort lehrt, etwas wissen kann, nicht dem Wort sondern sich selbst glauben, darum darf man bei ihnen nicht vom Wort, sondern nur vom natürlichen Vernunftlicht ausgehen. So forsche denn aus dem Vernunftlicht, und du wirst finden, daß es zwei Vermögen des Lebens beim Menschen gibt, welche Verstand und Wille heißen, und daß der Verstand dem Willen unterworfen ist, und nicht der Wille dem Verstand; denn der Verstand lehrt und zeigt bloß, was aus dem Willen geschehen soll; daher kommt, daß viele, die mit Scharfsinn begabt sind und besser als andere die Lebenspflichten verstehen, gleichwohl nicht nach denselben leben; anders würde es sein, wenn sie dieses wollten. Suche weiter, und du wirst finden, daß der Wille des Menschen sein Eigenes ist, und daß dieses von Geburt her böse ist, und daß infolgedessen Falsches im Verstand ist. Hast du dieses gefunden, so wirst du sehen, daß der Mensch aus sich nichts anderes verstehen will, als was aus dem Eigenen seines Willens ist, und daß, wenn nicht anderswo etwas wäre, aus dem er es wissen könnte, der Mensch aus dem Eigenen seines Willens nichts anderes würde verstehen wollen, als was ihm und der Welt angehört; alles, was darüber hinausliegt, ist in Finsternis; so z.B. wenn er die Sonne, den Mond und die Sterne sieht, und dann etwa über ihren Ursprung dächte, so könnte er nicht anders denken, als sie seien von sich selbst da; würde er wohl höher gehen, als viele Gelehrte in der Welt, welche, obwohl sie aus dem Wort von der Schöpfung aller Dinge durch Gott wissen, dennoch die Natur anerkennen? Was würden wohl diese tun, wenn sie nichts aus dem Wort gewußt hätten? Glaubst du, daß die alten Weisen, z.B. Aristoteles, Cicero, Seneca, und andre, die von Gott und von der Unsterblichkeit der Seele geschrieben haben, es ursprünglich aus ihrem eigenen Verstand genommen haben? Mitnichten, sondern von anderen durch Überlieferung von denen, die es ursprünglich aus dem alten Wort wußten, von dem oben die Rede war. Auch die Schriftsteller über natürliche Theologie schöpfen nichts dergleichen aus sich, sondern begründen nur das, was sie von der Kirche her, in der das Wort ist, wissen, durch Vernunftwahrheiten; und es kann unter ihnen solche geben, welche es begründen und doch nicht glauben.

274. Es wurden mir Völker zu sehen gegeben, die, auf Inseln geboren, in bürgerlichen Dingen vernünftig, von Gott nicht das geringste wußten; diese erscheinen in der geistigen Welt wie Affen. Weil sie aber als Menschen geboren sind, und daher die Fähigkeit haben, geistiges Leben in sich aufzunehmen, so werden sie von Engeln unterrichtet, und durch die Erkenntnisse vom Herrn als einem Menschen belebt. Wie der Mensch aus sich beschaffen ist, zeigt sich deutlich an denen, die in der Hölle sind, unter welchen sich auch einige Kirchenhäupter und Gelehrte befinden, welche nicht einmal von Gott hören wollen und deshalb auch Gott nicht nennen können; diese sah ich und sprach mit ihnen, und sprach auch mit solchen, die ins Feuer des Zorns und der Entrüstung kamen, wenn sie jemand vom Herrn sprechen hörten. Man erwäge also, wie ein Mensch, der nichts von Gott gehört hätte, beschaffen wäre, da einige so sind, welche über Gott geredet, über Gott geschrieben und über Gott gepredigt hatten. Daß sie so sind, kommt aus dem Willen, welcher böse ist, und dieser leitet, wie schon früher bemerkt worden, den Verstand, und nimmt das Wahre weg, das in ihm aus dem Wort ist. Wenn der Mensch aus sich wissen könnte, daß es einen Gott, und daß es ein Leben nach dem Tode gibt, warum wußte er nicht, daß der Mensch nach dem Tode Mensch ist? Warum glaubt er, seine Seele oder sein Geist sei wie ein Wind oder Äther, der nicht mit den Augen sieht, und nicht mit den Ohren hört, noch mit dem Munde spricht, bevor er mit seinem Leichnam und seinem Knochengerippe verbunden wird und zusammenwächst? Nehme also eine aus dem bloßen Vernunftlicht ausgebrütete Lehre an, würde sie nicht auf die Verehrung des eigenen Ichs ausgehen, wie dies vor Zeiten geschah, und auch heutzutage von denen geschieht, die aus dem Wort wissen, daß Gott allein verehrt werden soll? Aus dem Eigenen des Menschen kann kein anderer Kultus kommen, nicht einmal ein Dienst der Sonne und des Mondes.

275. Daß es von den ältesten Zeiten her eine Religion gab, und die Erdbewohner allenthalben von Gott, und etwas vom Leben nach dem Tode wußten, kam nicht aus ihnen selbst, noch aus ihrer eigenen Einsicht, sondern aus dem alten Wort, von dem oben Nr. 264 - 266 die Rede war, und nachher aus dem israelitischen Wort. Aus diesen beiden Worten verbreiteten sich Religionslehren durch ganz Indien und dessen Inseln, und durch Ägypten und Äthiopien in die Reiche Afrikas, und von den Küstenländern Asiens nach Griechenland, und von da nach Italien. Weil aber das Wort nicht anders als in Vorbildlichem geschrieben werden konnte, bestehend aus Dingen in der Welt, die den himmlischen Dingen entsprechen und daher sie bezeichnen, darum wurden die religiösen Begriffe der Völkerschaften in Götzendienst, und in Griechenland in Mythisches, und die göttlichen Attribute und Eigenschaften in ebensoviele Götter verkehrt, denen sie einen höchsten vorsetzten, den sie Jupiter nannten, - vielleicht von Jehovah -; daß sie Kenntnis hatten vom Paradies, von der Sündflut, vom heiligen Feuer, von den vier Weltaltern, vom ersten Goldenen bis zum letzten Eisernen, wie bei Da.2/31-35, ist bekannt.

276. Diejenigen, welche glauben, sie könnten sich aus eigener Einsicht Erkenntnisse von Gott, vom Himmel und der Hölle und von den geistigen Dingen der Kirche verschaffen, wissen nicht, daß der natürliche Mensch an sich betrachtet wider den geistigen ist, und daß er darum die geistigen Dinge, welche eindringen, ausrotten, oder sie in Trugwahrheiten hüllen will, die wie die Würmer sind, welche die Wurzeln der Gemüsekräuter und Saaten verzehren. Sie können denjenigen verglichen werden, welche träumen, sie sitzen auf Adlern und werden in die Höhe getragen; oder auf Flügelpferden, und fliegen über den Berg Parnassus zum Heilicon empor; sie sind auch wirklich wie die Luzifer in der Hölle, welche sich dort jetzt noch Söhne der Morgenröte nennen: Jes.14/12. Auch sind sie wie jene im Tal des Landes Schinear, die einen Turm zu bauen unternahmen, dessen Haupt im Himmel war: 1Mo.11/2,4, und sie haben ein Selbstvertrauen wie Goliath, ohne vorauszusehen, daß sie wie dieser von einem auf die Stirn geschleuderten Stein können niedergestreckt werden. Ich will sagen, welches Los sie nach dem Tod erwartet: zuerst werden sie wie Betrunkene, nachher wie Alberne, und zuletzt dumm, und sitzen im Finstern: sie mögen sich also hüten vor solchem Wahnsinn.

277. Diesem will ich folgende Denkwürdigkeiten beifügen: Die erste ist diese: Eines Tages durchstreifte ich mancherlei Gegenden in der geistigen Welt, in der Absicht, die Vorbildung himmlischer Dinge zu beobachten, die sich an manchen Orten daselbst darstellen; und in einem gewissen Haus, in dem Engel waren, sah ich große Geldsäcke, in denen Silber in großer Menge aufbewahrt war. Und weil sie offen waren, so kam es mir vor, als ob jedermann das darin aufbewahrte Silber herausnehmen, ja es entwenden könnte; allein neben den Geldsäcken saßen zwei Jünglinge als Wächter. Der Ort, wo sie niedergelegt waren, sah aus wie eine Krippe in einem Stall; im anstoßenden Zimmer sah man sittsame Jungfrauen mit einer züchtigen Frau, und dem Zimmer zunächst standen zwei Kinder, mit denen man aber, wie gesagt wurde, nicht kindisch spielen, sondern verständig umgehen sollte. Nachher erschien eine Buhldirne, dann ein liegendes totes Pferd. Nachdem ich all dies gesehen hatte, ward ich unterrichtet, daß dadurch vorgebildet sei der natürliche Sinn des Wortes, sofern in ihm ein geistiger Sinn ist: Jene großen, mit Silber angefüllten, Geldsäcke bezeichneten die Erkenntnisse des Wahren in großer Menge; daß sie offen und gleichwohl von Jünglingen bewacht waren, bedeutete, daß zwar jeder Erkenntnisse des Wahren daraus nehmen könne, daß aber Vorsichtsmaßregeln getroffen seien, daß niemand den geistigen Sinn, in welchem die reinen Wahrheiten sind, verletze. Die Krippe wie in einem Stall bezeichnete die geistige Nahrung für den Verstand, und zwar weil das Pferd, welches daraus ißt, den Verstand bezeichnet. Die sittsamen Jungfrauen, welche im anstoßenden Zimmer erschienen, bezeichneten die Neigungen zum Wahren, und die züchtige Frau die Verbindung des Guten und Wahren. Die Kinder bezeichneten die Unschuld der Weisheit; denn die Engel des höchsten Himmels, welche die weisesten sind, erscheinen infolge der Unschuld von ferne als Kinder. Die feile Dirne mit dem toten Pferd bezeichnete die heutzutage von vielen verübte Verfälschung des Wahren, durch welche alles Verständnis des Wahren zugrunde geht; die feile Dirne bezeichnet die Verfälschung, und das tote Pferd das vernichtete Verständnis des Wahren.

278. Zweite Denkwürdigkeit. Einst wurde zu mir aus dem Himmel ein Blättchen mit hebräischer Schrift herabgelassen, die Schrift war aber wie bei den Alten, bei denen jene Buchstaben, die heutzutage teilweise aus geraden Linien bestehen, gebogen waren mit aufwärts gehenden Hörnchen; und die Engel, die gerade bei mir waren, sagten, sie wüßten einen ganzen Sinn schon aus den Buchstaben, und zwar wüßten sie denselben besonders aus den Biegungen der Linien und der Enden des Buchstabens, und erklärten, was dieselben einzeln für sich und was sie in Verbindung bezeichneten; wobei sie bemerkten, das H, das den Namen Abrams und Sarai beigefügt wurde, bezeichnete das Unendliche und Ewige; sie erklärten auch vor mir den Sinn des Wortes, Ps.32/2 aus den bloßen Buchstaben oder Silben, daß nämlich der Sinn derselben im Ganzen sei, daß der Herr auch barmherzig sei gegen die, welche Böses tun. Sie unterrichteten mich, daß die Schrift im dritten Himmel aus gewundenen und verschiedentlich gekrümmten Buchstaben bestehe, deren jeder einen bestimmten Sinn in sich schließe, und daß die Vokale in ihr den Ton ausdrücken, welcher dem Gefühl entspricht, und daß sie in diesem Himmel die Vokale i und e nicht aussprechen können, sondern statt derselben y und eu, und daß bei ihnen besonders die Vokale a, o und u im Gebrauch seien, weil sie einen vollen Ton geben. Daß sie ferner keinen Konsonanten hart, sondern nur weich aussprechen, und daß daher komme, daß gewisse hebräische Buchstaben inwendig punktiert sind, zum Zeichen, daß sie weich auszusprechen seien. Dabei bemerkten sie, daß die Härte in den Buchstaben im Gebrauch sei im geistigen Himmel, und dies darum, weil sie dort in den Wahrheiten sind, und das Wahre Hartes zuläßt, nicht aber das Gute, in dem die Engel des himmlischen Reiches des Herrn oder des dritten Himmels sind. Sie sagten auch, sie hätten das Wort bei sich, geschrieben mit gebogenen Buchstaben und mit bezeichnenden Hörnchen und Strichen. Woraus erhellte, was auch jene Worte des Herrn bedeuten: „Kein Jota, noch Häkchen vom Gesetz wird vergehen, bis daß alles geschieht“: Matth.5/18; ferner: „Es ist leichter, daß Himmel und Erde vergehen, als daß ein Strichlein des Gesetzes falle“: Luk.16/17.

279. Dritte Denkwürdigkeit. Vor sieben Jahren, als ich dasjenige zusammentrug, was Moses aus jenen beiden Büchern, genannt ‚Kriege Jehovahs‘ und ‚Sprüche‘, 4Mo.Kap.21 herausgeschrieben hat, waren gewisse Engel zugegen und sagten mir, jene Bücher seien das alte Wort, dessen historische Teile genannt wurden ‚Kriege Jehovahs‘, und die prophetischen genannt wurden ‚Sprüche‘; wobei sie bemerkten, jenes Wort sei noch im Himmel aufbewahrt und im Gebrauch bei den Alten daselbst, bei denen, als sie noch in der Welt waren, dieses Wort sich befand. Jene Alten, bei denen dieses Wort noch jetzt im Himmel in Gebrauch ist, waren zum Teil aus dem Lande Kanaan und aus dessen Nachbarländern, nämlich aus Syrien, Mesopotamien, Arabien, Chaldäa, Assyrien, aus Ägypten, aus Sidon, Tyrus, Ninive, und in allen diesen Reichen hatten die Bewohner einen vorbildlichen Kultus, und daher die Wissenschaft der Entsprechungen. Die Weisheit jener Zeit stammte aus dieser Wissenschaft, und durch sie hatten sie ein tieferes Innewerden und eine Gemeinschaft mit den Himmeln. Die, welche die Entsprechungen jenes Wortes kannten, wurden Weise und Verständige genannt, und nachher Seher und Magier. Weil aber jenes Wort voll solcher Entsprechungen war, welche die himmlischen und geistigen Dinge nur entfernt bezeichneten, und es infolgedessen von vielen verfälscht zu werden begann, so ist es durch eine Fügung der göttlichen Vorsehung des Herrn mit dem Fortgang der Zeit verschwunden, und ein anderes Wort, das nicht in so entfernten Entsprechungen geschrieben war, gegeben worden, und zwar durch die Propheten bei den Kindern Israels. In diesem Wort sind viele Namen von Orten beibehalten, nicht nur solcher, die im Lande Kanaan, sondern auch solcher, die rings herum in Asien lagen, welche sämtlich Dinge und Zustände der Kirche bezeichneten; allein die Bedeutungen waren aus jenem alten Wort. Aus diesem Grunde hatte auch Abram den Befehl erhalten, in jenes Land zu gehen, und darum wurden auch seine Nachkommen von Jakob her in dasselbe eingeführt.

Von jenem alten Wort, das vor dem israelitischen Wort in Asien war, darf ich das Neue anführen, daß es noch daselbst aufbewahrt ist bei den Völkern, die in der großen Tartarei wohnen. Ich sprach mit Geistern und Engeln, die in der geistigen Welt von dort her waren; diese sagten, sie besäßen ein Wort und hätten es von alten Zeiten her besessen, und nach diesem Wort verrichteten sie ihren Gottesdienst, und dasselbe bestehe aus lauter Entsprechungen. In ihm, sagten sie, befinde sich auch das Buch ‚Jaschar‘, das bei Jos.10/12,13 und im 2Sa.1/17,18 erwähnt ward, sodann seien bei ihnen auch die Bücher ‚Kriege Jehovahs‘ und die ‚Sprüche‘, deren von Moses gedacht werde, 4Mo.21/14,15,27-30; und als ich ihnen die Worte las, die Moses daraus genommen hatte, schlugen sie nach, ob sie darin ständen, und fanden sie; daraus ward mir offenbar, daß das alte Wort noch bei ihnen vorhanden ist. Während der Unterredung mit ihnen sagten sie, daß sie Jehovah verehren, einige als einen unsichtbaren Gott, andere als einen sichtbaren. Weiter berichteten sie, sie dulden nicht, daß Fremde zu ihnen kommen, ausgenommen die Chinesen, mit denen sie Frieden halten, weil der chinesische Kaiser von daher stammt. Dann auch, sie seien so volkreich, daß sie zweifeln, ob es in der ganzen Welt einen volkreicheren Erdstrich gäbe, was auch glaublich ist in Betracht der so viele Meilen langen Mauer, welche die Chinesen zum Schutz gegen die Einfälle derselben einst erbaut haben. Außerdem hörte ich von den Engeln, daß die ersten Kapitel des ersten Buches Moses, in denen von der Schöpfung, von Adam und Chava, vom Garten Eden und von ihren Söhnen und Nachkommen bis zur Sündflut, und auch von Noah und dessen Söhnen gehandelt wird, sich ebenfalls in jenem Wort befinden, und somit von Moses aus demselben abgeschrieben wurden. Die Engel und Geister aus der großen Tartarei erscheinen in der Mittagsgegend nach der Morgenseite, und sind von den übrigen abgesondert dadurch, daß sie in einer höher gelegenen Strecke wohnen, und niemand aus der christlichen Welt zu sich einlassen, und, wenn welche hinaufsteigen, sie bewachen, damit sie nicht wieder herausgehen. Die Ursache dieser Absonderung ist, daß sie ein anderes Wort besitzen.

280. Vierte Denkwürdigkeit. Einst sah ich von ferne Spaziergänge zwischen Reihen von Bäumen, und dort Jünglinge versammelt in Gruppen, die ebensoviele Vereine zur Besprechung von Gegenständen der Weisheit bildeten; es war dies in der geistigen Welt. Ich trat hinzu, und als ich nahe dabei war, sah ich einen, den die übrigen als ihr Haupt verehrten, und dies darum, weil er an Weisheit über die anderen hervorragte. Als dieser mich sah, sprach er: Ich habe mich, als ich dich auf dem Wege herbeikommen sah, gewundert, daß du mir bald im Gesichte warst, bald wieder daraus verschwandest, oder mir jetzt erschienst, und dann schnell wieder unsichtbar wurdest; sicherlich bist du nicht im Lebenszustand der unsrigen. Darauf erwiderte ich lächelnd: Ich bin nicht Schauspieler, und auch nicht Vertumnus, sondern ich bin abwechselnd bald in eurem Licht, bald in eurem Schatten, somit hier ein Fremdling und auch ein Einheimischer. Auf dieses sah mich der Weise an und sprach: Du redest fremdartige und wundersame Dinge; sage mir, wer bist du? Und ich sagte: Ich bin in der Welt, in der ihr ward, und aus der ihr ausgegangen seid, und die man die natürliche Welt nennt, und ich bin auch in der Welt, in der ihr seid, und welche die geistige Welt heißt; daher kommt, daß ich im natürlichen Zustand und zugleich auch im geistigen Zustand bin: im natürlichen Zustand mit den Menschen der Erde, und im geistigen Zustand mit euch, und wenn ich im natürlichen Zustand bin, so bin ich für euch unsichtbar, bin ich aber im geistigen Zustand, sichtbar; daß ich so bin, ist mir vom Herrn gegeben worden. Dir, erleuchteter Mann, ist bekannt, daß der Mensch der natürlichen Welt den Menschen der geistigen Welt nicht sieht und umgekehrt; wenn ich daher meinen Geist in den Körper versetzte, so sahst du mich nicht, versetzte ich ihn aber aus dem Körper, so sahst du mich, und zwar dies infolge des Unterschieds zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen. Als er vom Unterschied zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen hörte, fragte er: Worin besteht der Unterschied?

Ist es nicht der zwischen dem mehr und dem weniger Reinen? Was ist also das Geistige anderes, als das reinere Natürliche? Ich antwortete: Der Unterschied ist nicht von dieser Art; das Natürliche kann sich niemals durch Verfeinerung dem Geistigen so nähern, daß es in dasselbe verwandelt würde; denn der Unterschied ist wie zwischen dem Früheren und dem Späteren, zwischen denen kein abgegrenztes Verhältnis stattfindet; denn das Frühere ist im Späteren, wie die Ursache in ihrer Wirkung, und das Spätere ist aus dem Früheren, wie die Wirkung aus ihrer Ursache [hervorgegangen]; daher kommt, daß das eine dem anderen nicht erscheint. Hierauf sagte jener Weise: Ich sann über diesen Unterschied nach, jedoch bis jetzt vergeblich; möchte ich ihn doch inne werden! Und ich sagte: Du sollst den Unterschied zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen nicht bloß inne werden, sondern auch sehen, und nun sagte ich: Du bist im geistigen Zustand, solange du bei den deinigen bist, hingegen im natürlichen Zustand bei mir; denn du sprichst mit den deinigen in der geistigen Sprache, welche jedem Geist und Engel gemein ist, mit mir hingegen sprichst du in meiner Muttersprache, denn jeder mit einem Menschen redende Geist und Engel spricht dessen eigene Sprache, somit mit einem Franzosen französisch, mit einem Griechen griechisch, mit einem Araber arabisch und so fort. Damit du nun den Unterschied zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen hinsichtlich der Sprachen erfahren mögest, so mache es so: gehe hinein zu den deinen, und rede dort etwas und behalte die Wörter, und mit diesen im Gedächtnis komme zurück, und sprich sie vor mir aus; und er machte es so, und kehrte mit jenen Wörtern im Munde zu mir zurück und sprach sie aus, und es waren völlig unbekannte und fremdartige Wörter, dergleichen es in keiner Sprache der natürlichen Welt gibt. Durch diese einige Male wiederholte Erfahrung stellte sich klar heraus, daß in der geistigen Welt alle eine geistige Sprache haben, die nichts mit irgendeiner natürlichen Sprache gemein hat, und daß jeder Mensch nach seinem Hingang von selbst in sie kommt. Einmal auch machte ich die Erfahrung, daß schon der Laut der geistigen Sprache vom Laut der natürlichen Sprache so sehr verschieden ist, daß der geistige Ton, auch der sehr laute, vom natürlichen Menschen gar nicht gehört wird, noch der natürliche Redeklang vom geistigen Menschen. Darauf bat ich ihn und die Umstehenden, zu den ihrigen hineinzugehen und irgendeinen Satz auf ein Blatt zu schreiben, und mit diesem Blatt wieder zu mir herauszukommen

und es zu lesen; sie taten so, und kehrten mit dem Blatt in der Hand zurück, als sie es aber lesen wollten, konnten sie nicht, weil jene Schrift nur aus einigen Buchstaben des Alphabets mit Häkchen oben bestand, deren jeglicher einen bestimmten Sinn einer Sache bezeichnete. Da dort jeder Buchstabe im Alphabet einen bestimmten Sinn bezeichnet, so ist offenbar, woher es kommt, daß der Herr Alpha und Omega heißt. Da sie wieder und wieder hineingingen, schrieben und zurückkamen, so überzeugten sie sich, daß jene Schrift Unzähliges in sich schließt und umfaßt, was niemals irgendeine natürliche Schrift ausdrücken könnte; und es wurde bemerkt, dem sei so, weil der geistige Mensch solches denkt, was dem natürlichen Menschen unbegreiflich und unaussprechlich ist, und dieses lasse sich auch nicht in eine andere Schrift, noch in eine andere Sprache übertragen. Da nun die Dabeistehenden nicht begreifen wollten, daß das geistige Denken so weit über das natürliche Denken hinausgehe, daß es im Vergleich damit unaussprechlich ist, so sagte ich ihnen: Machet den Versuch, gehet in eure geistige Gesellschaft hinein, und denkt eine bestimmte Sache und behaltet sie, dann kommt zurück und tragt sie mir vor; und sie gingen hinein, dachten sich etwas, behielten es, kamen wieder heraus, und als sie das Gedachte ausdrücken wollten konnten sie es nicht; denn sie fanden keine Vorstellung des natürlichen Denkens, die irgendeiner Vorstellung des bloß geistigen Denkens angemessen gewesen wäre, somit keine dieses ausdrückende Wörter; denn die Denkbilder werden zu Wörtern der Rede. Sie gingen hierauf wieder hinein, und kamen zurück, und bestärkten sich drin, daß die geistigen Denkbilder übernatürlich, unausdrückbar, unaussprechbar, und dem natürlichen Menschen unbegreiflich sind; und weil sie so überschwenglich sind, so seien, sagten sie, die geistigen Vorstellungen oder Gedanken den natürlichen gegenüber die Ideen der Ideen, und die Gedanken der Gedanken, und darum würden durch sie Qualitäten der Qualitäten und Gefühle der Gefühle ausgedrückt; folglich seien die geistigen Gedanken die Anfänge und Urformen der natürlichen Gedanken. Daraus ward auch offenbar, daß die geistige Weisheit die Weisheit der Weisheit, somit für jeden Weisen in der natürlichen Welt unausdrückbar ist.

Hier wurde aus dem oberen Himmel gesagt, daß es noch eine inwendigere oder höhere Weisheit gebe, welche die himmlische heißt, welche sich zur geistigen Weisheit ebenso verhält, wie diese zur natürlichen, und daß diese nach der Stufenfolge der Himmel einfließen aus der göttlichen Weisheit des Herrn, welche unendlich ist. Hierzu sagte der Mann, der mit mir sprach: Das sehe ich, weil ich es inne ward, daß eine natürliche Vorstellung viele geistige Ideen in sich schließt, und auch, daß eine geistige Idee viele himmlische Ideen in sich schließt; woraus sich denn auch die Folge ergibt, daß das Geteilte nicht mehr und mehr einfach, sondern mehr und mehr vielfach wird, weil es sich mehr und mehr dem Unendlichen nähert, in welchem auf unendliche Weise alles ist. Nachdem dies verhandelt war, sagte ich zu den Dabeistehenden: Aus diesen drei Erfahrungsbelegen ersehet ihr, welcherlei Unterschied zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen ist, und auch die Ursache, warum der natürliche Mensch dem geistigen nicht sichtbar wird, und der geistige Mensch nicht dem natürlichen, obgleich beide eine vollkommen menschliche Gestalt haben, und es ihnen scheint, als ob vermöge dieser Gestalt der eine den anderen sehen sollte; allein das Inwendige, das dem Gemüt angehört, ist es, was jene Gestalt macht, und das Gemüt der Geister und Engel ist gebildet aus Geistigem, das Gemüt der Menschen aber, solange sie in der Welt leben, aus Natürlichem. Nach diesem hörte man eine Stimme aus dem oberen Himmel zu einem, der dabei stand, sagen: Steige herauf! Und er stieg hinauf, und kehrte zurück und sagte, die Engel hätten früher die Unterschiede zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen nicht gewußt, und zwar darum nicht, weil man früher keine Gelegenheit hatte, bei einem Menschen, der in beiden Welten war, einen Vergleich anzustellen, und die Unterschiede ohne diesen Vergleich und diese Beziehung nicht erkennbar sind. Ehe wir auseinandergingen, sprachen wir noch einmal über diesen Gegenstand, und ich sagte: Jene Unterschiede kommen von nichts anderem her, als weil ihr in der geistigen Welt substantiell und nicht materiell seid, die substantiellen Dinge aber die Anfänge der materiellen sind. Was ist die Materie anderes als eine Sammlung von Substanzen? Ihr seid also im Ursprünglichen und so in den Einzeldingen, wir aber im Abgeleiteten und Zusammengesetzten. Ihr seid im Besonderen, wir aber im Allgemeinen, und wie das Allgemeine nicht in das Besondere eindringen kann, so können auch die natürlichen Dinge, welche materiell sind, nicht in die geistigen eindringen, welche substantiell sind, ebensowenig als ein Schiffsseil in das Öhr einer Nähnadel eindringen oder durchgezogen, oder ein Nerv in eine der Fibern, aus denen er zusammengesetzt ist, hineingebracht werden kann. Dies ist nun der Grund, warum der natürliche Mensch nicht denken, und folglich auch nicht reden kann, was der geistige Mensch denkt; weshalb Paulus die Dinge, die er aus dem dritten Himmel gehört hatte, unaussprechlich nennt. Dazu kommt noch, daß geistig denken soviel ist, als ohne Zeit und Raum denken, natürlich denken aber mit Zeit und Raum; denn es klebt jeder Vorstellung des natürlichen Denkens etwas von Raum und Zeit an, nicht aber irgendeiner geistigen Idee; und dies darum, weil die geistige Welt nicht in Raum und Zeit ist, wie die natürliche Welt, sondern nur in der äußeren Erscheinung dieser beiden. Darin unterscheiden sich auch Gedanken und Wahrnehmungen, und darum könnt ihr euch Gottes Wesen und Allmacht von Ewigkeit, das heißt, Gott vor Erschaffung der Welt denken, weil ihr euch das Wesen Gottes ohne Zeit, und Seine Allmacht ohne Raum denkt, und somit solches faßt, was die natürlichen Vorstellungen des Menschen übersteigt. Und nun erzählte ich, daß ich einmal über Gottes Wesen und Allgegenwart von Ewigkeit, d.h. über Gott vor Erschaffung der Welt nachgedacht hätte, und mich, weil ich die Räume und Zeiten noch nicht von den Vorstellungen meines Denkens entfernen konnte, ein Bangen befiel, da sich die Vorstellung der Natur statt Gottes eingedrängt hatte; allein es wurde mir gesagt: Entferne die Vorstellungen des Raumes und der Zeit, und du wirst sehen; und es ward mir gegeben, sie zu entfernen, und ich sah; und von dieser Zeit an konnte ich mir Gott von Ewigkeit denken, aber durchaus nicht eine Natur von Ewigkeit; weil Gott in aller Zeit ohne Zeit und in allem Raum ohne Raum ist, die Natur aber zu aller Zeit in der Zeit und in allem Raum im Raum ist, und die Natur mit ihrer Zeit und ihrem Raum notwendig anfangen mußte, nicht aber Gott, Der ohne Zeit und Raum ist; weshalb die Natur von Gott ist, nicht von Ewigkeit, sondern in der Zeit zugleich mit ihrer Zeit und ihrem Raum.

281. Fünfte Denkwürdigkeit. Da mir vom Herrn gegeben ist, zugleich in der geistigen Welt und in der natürlichen Welt zu sein, und infolgedessen mit den Engeln wie mit den Menschen zu reden und dadurch die Zustände derer, welche nach dem Tode in jener bisher unbekannten Welt anlanden, kennenzulernen - (denn ich sprach mit allen meinen Verwandten und Freunden, und auch mit Königen und Herzogen, wie auch mit Gelehrten, welche hingeschieden waren, und zwar dies ununterbrochen schon siebenundzwanzig Jahre hindurch;) so kann ich aus lebendiger Erfahrung die Zustände der Menschen nach dem Tode beschreiben, wie solche beschaffen sind bei denen, die einen guten, und bei denen, die einen bösen Lebenswandel geführt hatten. Allein hier will ich bloß etwas berichten vom Zustand derer, welche sich in Falschem der Lehre aus dem Wort bestärkt hatten, und dies sind besonders diejenigen, welche dies für die Rechtfertigung durch den bloßen Glauben getan hatten. Die aufeinanderfolgenden Zustände derselben sind, wie nun folgt:

I. Wenn sie gestorben sind, und dem Geiste nach wieder aufleben, was gewöhnlich am dritten Tag geschieht, nachdem das Herz zu schlagen aufgehört hat, so erscheinen sie sich im gleichen Körper, in dem sie zuvor in der Welt gewesen waren, so daß sie durchaus nicht anders wissen, als daß sie noch in der vorigen Welt leben; obwohl sie nicht in einem materiellen, sondern in einem geistigen Leib sind, der vor ihren Sinnen als ein materieller erscheint, obgleich er es nicht ist.

II. Nach einigen Tagen sehen sie, daß sie sich in einer Welt befinden, in der verschiedene Gesellschaften errichtet sind, welche Welt die Geisterwelt heißt, und sich in der Mitte zwischen dem Himmel und der Hölle befindet. Alle Gesellschaften hier, welche zahllos sind, sind nach den natürlichen Neigungen, den guten und bösen, wunderbar geordnet; diejenigen Gesellschaften, welche nach guten natürlichen Neigungen geordnet sind, stehen in Verbindung mit dem Himmel, und diejenigen Gesellschaften, welche nach bösen Neigungen geordnet sind, stehen in Verbindung mit der Hölle.

III. Der neu angekommene Geist oder geistige Mensch wird nun fortgeführt und in verschiedene Gesellschaften, sowohl in gute als in böse gebracht, und geprüft, ob und wie er vom Guten und Wahren ergriffen, oder ob und wie er vom Bösen und Falschen angeregt wird.

IV. Wird er vom Guten und Wahren angeregt, so wird er von den bösen Gesellschaften weg in gute Gesellschaften, und zwar auch wieder in verschiedene geführt, bis er in eine Gesellschaft kommt, die seiner natürlichen Neigung entspricht, und hier genießt er nun das dieser Neigung entsprechende Gute, und dies so lange, bis er seine natürliche Neigung ablegt, und eine geistige anzieht, wo er dann in den Himmel erhoben wird. Allein dies geschieht bei denen, welche in der Welt ein Leben der Liebtätigkeit, und somit auch ein Leben des Glaubens geführt, das ist, an den Herrn geglaubt und das Böse als Sünde geflohen hatten.

V. Diejenigen hingegen, welche sich im Falschen durch Vernunftgründe, besonders durch das Wort bestärkt, und so kein anderes Leben, als ein bloß natürliches, somit böses geführt hatten, (denn das Böse begleitet das Falsche, und dem Falschen hängt das Böse an,) diese werden, weil sie nicht vom Guten und Wahren, sondern vom Bösen und Falschen angeregt werden, von den guten Gesellschaften weggeführt, und in böse Gesellschaften, und zwar auch in verschiedene eingelassen, bis sie in eine den Lüsten ihrer Neigung entsprechende Gesellschaft kommen.

VI. Weil sie aber in der Welt gute Neigungen im Äußeren geheuchelt hatten, obgleich in ihrem Inneren bloß böse Neigungen oder Lüste waren, so werden sie zuerst abwechslungsweise im Äußeren gehalten; und diejenigen, welche in der Welt den Gemeinden vorgestanden hatten, werden da und dort in der Geisterwelt den Gesellschaften vorgesetzt, dem Ganzen oder nur einem Teil, Jesajah nach dem Umfang der Ämter, die sie früher bekleidet hatten; allein weil sie das Wahre nicht lieben, so lieben sie auch nicht das Gerechte, noch können sie so weit erleuchtet werden, daß sie wissen was wahr und gerecht ist; sie werden daher nach einigen Tagen wieder abgesetzt. Ich habe gesehen, wie Leute dieser Art von einer Gesellschaft in die andere versetzt und in jeder mit einer Verwaltung bekleidet, nach kurzer Zeit aber ebensooft wieder abgesetzt wurden.

VII. Nach öfteren Absetzungen suchen sie keine Ämter mehr, teils weil sie aus Überdruß nicht mehr wollen, teils weil sie aus Furcht vor dem Verlust ihres Rufes es nicht mehr wagen; sie ziehen sich daher zurück, und sitzen traurig da. Man führt sie dann in eine Einöde ab, wo sich Hütten finden. In diese gehen sie hinein, und man gibt ihnen hier irgendein Geschäft auf, und so wie sie dies tun, empfangen sie Speise; tun sie es aber nicht, so leiden sie Hunger und empfangen keine; daher die Not sie dazu antreibt. Die Speisen sind hier wie die Speisen in unserer Welt, haben aber einen geistigen Ursprung, und werden vom Herrn aus dem Himmel allen Jesajah nach Beschaffenheit des Nutzens gegeben, den sie schaffen; den Müßiggängern werden, weil sie keinen Nutzen schaffen, keine gegeben.

VIII. Nach einiger Zeit widert die Arbeit sie an. Sie gehen dann aus den Hütten heraus und wollen, wenn sie Geistliche waren, bauen; und sogleich erscheinen auch Lagen von gehauenen Steinen, Ziegeln, Stangen und Brettern, dann Haufen von Schilf und Binsen, von Ton, Kalk und Teer, und sobald sie diese sehen, entflammt sie die Baulust, und sie fangen an, ein Haus zu bauen, und nehmen bald Stein, bald Holz, bald Schilf, bald Lehm, und legen ohne Ordnung, in ihren Augen aber in Ordnung, eines über das andere. Allein was sie bei Tag bauen, fällt bei Nacht wieder ein; am folgenden Tag aber lesen sie das Eingefallene aus dem Schutt zusammen und bauen aufs neue, und dies so lange, bis sie des Bauens überdrüssig sind. Dies geschieht infolge der Entsprechung, sofern sie nämlich aus dem Wort Stellen zusammengetragen hatten, um Falsches des Glaubens zu begründen, und ihr Falsches die Kirche ebensowenig erbaut.

IX. Hierauf gehen sie vor Überdruß weg, und sitzen einsam und müßig da, und weil, wie gesagt, den Müßiggängern keine Speise aus dem Himmel gegeben wird, so fangen sie an zu hungern, und auf nichts nderes zu denken, als wie sie Speise empfangen und ihren Hunger stillen mögen. Wenn sie nun in diesem Zustand sind, so kommen einige zu ihnen, von denen sie Almosen begehren. Da sagen diese: Warum sitzt ihr so müßig da? Kommt mit uns in unsere Häuser, und wir wollen euch Geschäfte geben und euch speisen!

Auf dieses stehen sie dann fröhlich auf und gehen mit diesen in ihre Häuser, wo dann jedem sein Geschäft, und um des Geschäftes willen auch Speise gegeben wird. Allein weil alle, welche sich im Falschen des Glaubens bestärkt haben, keine guten Nutzleistungen, sondern nur böse erfüllen können, so arbeiten sie auch nicht treu, sondern unredlich, und auch mit Widerwillen; daher sie ihre Arbeiten bald verlassen und bloß an der Unterhaltung, am Schwatzen, Herumlaufen und Schlafen Vergnügen finden, und, weil sie dann von ihren Herren nicht mehr zur Arbeit angehalten werden können, so werden sie als unnütz hinausgeworfen.

X. Wenn sie weggeschickt sind, so wird ihnen das Auge geöffnet, und sie sehen einen Weg, der zu einer Höhle führt. Wenn sie dahin kommen, so öffnet sich der Eingang, und sie gehen hinein und fragen, ob hier Speise sei; und wenn geantwortet wird, daß hier Speise sei, so bitten sie, hier bleiben zu dürfen; und man sagt ihnen, sie dürfen, und sie werden hineingeführt, worauf der Eingang hinter ihnen verschlossen wird. Nun kommt der Vorsteher jener Höhle und sagt ihnen: Ihr könnt nicht wieder hinausgehen, seht eure Genossen an, alle arbeiten, und Jesajah nachdem sie arbeiten, wird ihnen Speise aus dem Himmel gereicht. Dies sage ich euch, damit ihr es wisset. Auch sagen die Genossen: Unser Vorsteher weiß, zu was für einem Geschäft ein jeder tauglich ist, und ein solches trägt er jedem täglich auf. An dem Tage, an dem ihr dieses vollführt, wird euch Speise gegeben, wo aber nicht, wird euch weder Speise noch Kleidung gegeben; und wenn einer dem anderen Böses tut, wird er in einen Winkel der Höhle geworfen, in ein Bett von verfluchtem Staube wo er jämmerlich gequält wird, und dies so lange, bis der Vorsteher ein Zeichen der Reue bei ihm sieht, dann wird er herausgenommen und ihm geboten, sein Werk zu tun. Es wird ihm auch gesagt, daß einem jeden erlaubt sei, nach Verrichtung seines Geschäfts herumzugehen, sich zu unterhalten, und hernach zu schlafen. Er wird auch in das Innere der Höhle geführt, wo feile Dirnen sind, von denen er sich eine nehmen und sie sein Weib nennen darf, und es ist bei Strafe untersagt, mit anderen zu buhlen. Aus solchen Höhlen, welche nichts sind, als ewige Zuchthäuser, besteht die ganze Hölle. Es wurde mir erlaubt, in einige einzutreten und sie zu sehen, damit ich es bekannt machen könnte. Alle erschienen als Nichtswürdige, und keiner von ihnen wußte, wer und in welchem Beruf er in der Welt gewesen war. Der Engel aber, welcher bei mir war, sagte mir, daß dieser in der Welt ein Diener, dieser ein Krieger, dieser eine obrigkeitliche Person, dieser ein Geistlicher, dieser in Würden, dieser in Reichtum gewesen; und doch wissen sie alle nicht anders, als daß sie Sklaven und Genossen desselben Zustandes gewesen seien, und dies darum, weil sie innerlich einander gleich, wenngleich äußerlich einander ungleich gewesen waren, und das Innere alle in der geistigen Welt zusammengesellt.

Was die Höllen überhaupt betrifft, so bestehen sie aus lauter solchen Höhlen und Zuchthäusern, die aber verschieden sind, Jesajah nachdem in ihnen Satane oder Teufel sind. Satane heißen die, welche im Falschen und daraus im Bösen, und Teufel die, welche im Bösen und daraus im Falschen waren. Die Satane erscheinen im Licht des Himmels bleifarbig wie Leichname, und einige schwarz wie Mumien; die Teufel hingegen erscheinen im Licht des Himmels schwarzfeurig, und einige dunkel wie Ruß. Alle aber sind mißgestaltet dem Angesicht und dem Körper nach, aber in ihrem Licht, das wie das Licht feuriger Kohlen ist, erscheinen sie nicht als Mißgestalten, sondern als Menschen; dies ist ihnen gegeben, damit sie sich zusammengesellen können.