Viertes Gebot

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage verlängert werden, und es dir wohl gehe auf Erden

305. So liest man dieses Gebot 2Mo.20/12 und 5Mo.5/16. Unter deinen Vater und deine Mutter ehren wird im natürlichen Sinn, welcher der Buchstabensinn ist, verstanden die Eltern ehren, ihnen gehorchen, sich zu ihnen halten und ihnen dankbar sein für die Wohltaten, daß sie die Kinder ernähren und kleiden, sie in die Welt einführen, damit sie in derselben bürgerliche und sittliche Personen darstellen, so wie auch in den Himmel mittelst der Vorschriften der Religion, und so für ihr zeitliches Wohl und auch für ihr ewiges Glück sorgen, und dies alles aus der Liebe heraus tun, in der sie vom Herrn her sind, Dessen Stelle sie vertreten. Im beziehungsweisen Sinn wird verstanden das Geehrtwerden der Vormünder von seiten der Mündel, wenn deren Eltern tot sind. Im weiteren Sinn wird unter diesem Gebot verstanden den König und die Obrigkeiten ehren, weil diese für die Bedürfnisse aller im allgemeinen sorgen, wie die Eltern im besonderen. Im weitesten Sinn wird unter diesem Gebot verstanden das Vaterland lieben, weil dieses sie nährt und sie beschützt, und daher das Vaterland heißt vom Vater her; diesem und jenen soll aber Ehre erwiesen werden von den Eltern, und von diesen den Kindern eingeflößt werden.

306. Im geistigen Sinn wird unter: den Vater und die Mutter ehren, verstanden Gott und die Kirche verehren und lieben; in diesem Sinn wird unter dem Vater verstanden Gott, welcher der Vater aller ist, und unter der Mutter die Kirche. Die Kinder und die Engel in den Himmeln wissen von keinem anderen Vater, und von keiner anderen Mutter, weil sie vom Herrn durch die Kirche von neuem geboren wurden; weshalb der Herr sagt: „Nennet niemand euren Vater auf Erden, denn einer ist euer Vater, Welcher in den Himmeln ist“: Matth.23/9; dies ist für die Kinder und die Engel im Himmel gesagt worden, nicht aber für die Kinder und Menschen auf Erden. Gleiches lehrt der Herr im allgemeinen Gebet der christlichen Kirchen: „Unser Vater, Der Du bist in den Himmeln, geheiligt werde Dein Name!“ Daß unter der Mutter im geistigen Sinn die Kirche verstanden wird, hat seinen Grund darin, daß, wie eine Mutter auf Erden ihre Kinder mit natürlicher Speise, so die Kirche sie mit geistiger Nahrung nährt; weshalb auch die Kirche hin und wieder im Wort Mutter heißt, wie bei Hosea: „Streitet mit eurer Mutter, sie ist nicht Mein Weib, und Ich nicht ihr Mann“: Hos.2/2,5; bei Jes.50/1 und Ez.16/45; 19/10: „Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, die Ich entließ?“; und bei den Evangelisten: „Jesus streckte Seine Hand gegen die Jünger aus und sprach: Meine Mutter und Meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und es tun“: Matth.12/48,49; Mark.3/33-35; Luk.8/21; Joh.19/25-27.  

307. Im himmlischen Sinn wird unter dem Vater verstanden unser Herr Jesus Christus, und unter der Mutter die Gemeinschaft der Heiligen, unter der Seine durch den ganzen Erdkreis zerstreute Kirche verstanden wird. Daß der Herr der Vater ist, erhellt aus folgenden Stellen: „Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, Dessen Name ist Gott, Held, Vater der Ewigkeit, des Friedens Fürst“: Jes.9/5. „Du unser Vater, Abraham kennt uns nicht und Israel erkennt uns nicht an, Du unser Vater, unser Erlöser ist von Ewigkeit Dein Name“: Jes.63/16. Philippus sprach: „Zeige uns den Vater; Jesus spricht zu ihm: Wer Mich sieht, sieht den Vater; wie sprichst du denn, zeige uns den Vater? Glaubet Mir, daß Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist“: Joh.14/7-11; 12/45. Daß unter der Mutter in diesem Sinn die Kirche des Herrn verstanden wird, erhellt aus folgenden Stellen: „Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“: Offb.21/2. „Der Engel sprach zu Johannes: Komm!

Ich will dir die Braut, des Lammes Weib, zeigen, und er zeigte die heilige Stadt Jerusalem“: Offb.21/9,10. „Es kommt die Zeit der Hochzeit des Lammes, und sein Weib hat sich bereitet; selig, die zum Mahl der Hochzeit des Lammes berufen sind“: Offb.19/7,9; und außerdem Matth.9/15; Mark.2/19,20; Luk.5/34,35; Joh.3/29; 19/25-27. Daß unter dem neuen Jerusalem die neue Kirche verstanden wird, die vom Herrn jetzt gegründet wird, sehe man in der »Enthüllten Offenbarung« Nr. 880, 881. Diese Kirche, und nicht die frühere, ist Weib und Mutter in diesem Sinn. Die geistigen Kinder, die aus dieser Ehe geboren werden, sind das Gute der tätigen Liebe und die Wahrheiten des Glaubens, und die, welche in diesen sind vom Herrn her, heißen Söhne der Hochzeit, Kinder Gottes und von Ihm Geborene.

308. Man muß festhalten, daß vom Herrn fortwährend eine göttliche Sphäre himmlischer Liebe gegen alle ausgeht, welche die Lehre Seiner Kirche annehmen, und welche, wie die Kinder in der Welt dem Vater und der Mutter, Ihm gehorchen, sich zu Ihm halten, und von Ihm ernährt, das heißt, unterrichtet werden wollen; aus dieser himmlischen Sphäre entsteht die natürliche Sphäre, nämlich die der Liebe zu den kleinen und größeren Kindern, welche ganz allgemein ist, und nicht nur die Menschen, sondern auch die Vögel und die wilden Tiere, bis zu den Schlangen herab, ergreift, und nicht bloß das Beseelte, sondern auch das Unbeseelte. Damit aber der Herr auf diese, wie auf das Geistige einwirke, hat Er die Sonne erschaffen, die in der natürlichen Welt wie der Vater, die Erde aber wie die Mutter sein sollte; denn die Sonne ist wie der gemeinsame Vater, und die Erde wie die gemeinsame Mutter, und aus ihrer Ehe entstehen alle Keime und Sprossen, welche die Oberfläche der Erde zieren; aus dem Einfluß jener himmlischen Sphäre entstehen jene wunderbaren Entwicklungen der Vegetation vom Samen zu den Früchten und zu neuen Samen. Daher kommt auch, daß es mehrere Gattungen von Gewächsen gibt, welche bei Tag sozusagen ihr Gesicht der Sonne zuwenden, und es abwenden, wenn die Sonne untergeht; daher kommt auch, daß es Blumen gibt, welche beim Aufgang der Sonne sich öffnen, und beim Niedergang sich schließen; daher kommt ferner, daß die Singvögel in der ersten Frühe lieblich singen, und in gleicher Weise, nachdem sie von der Erde, ihrer Mutter, genährt worden sind; so ehren diese und jene ihren Vater und ihre Mutter. Alle diese Dinge sind Zeugnisse, daß der Herr durch die Sonne und die Erde in der natürlichen Welt für alle Notwendigkeiten des Lebendigen und des Leblosen sorgt; weshalb es bei David heißt: „Lobet Jehovah aus den Himmeln, lobet Ihn, Sonne und Mond, lobet Ihn von der Erde her, ihr Walfische und Abgründe, lobet Ihn, Fruchtbaum, alle Zedern, das Wild und jegliches Tier, das Kriechende und der beflügelte Vogel; die Könige der Erde, und alle Völker, Jünglinge und Jungfrauen“: Ps.148/1-12, und bei Hiob 12/7-9: „Frage nur die wilden Tiere und sie werden dich es lehren, oder die Vögel des Himmels, und sie werden dir es verkündigen, oder das Gesträuch der Erde, und es wird dich unterrichten, und es werden dir es erzählen die Fische des Meeres; wer von diesen allen weiß nicht, daß die Hand Jehovahs solches gemacht hat?“.

Frage und sie werden lehren, bedeutet: schaue, merke auf und urteile daraus, daß der Herr Jehovah sie erschaffen hat.