Sechstes Gebot

Du sollst nicht ehebrechen

313. Im natürlichen Sinn wird unter diesem Gebot nicht nur verstanden ehebrechen, sondern auch Unzüchtiges wollen und tun, und daher Schlüpfriges denken und reden. Daß schon das bloße Begehren ehebrechen heißt, erhellt aus folgenden Worten des Herrn: „Ihr habt gehört, daß von den Alten gesagt wurde: du sollst nicht ehebrechen; Ich aber sage euch; wer ein fremdes Weib ansieht, um ihrer zu begehren, der hat schon einen Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen“: Matth.5/27,28; der Grund ist, weil das Begehren wie zur Tat wird, wenn es im Willen ist; denn in den Verstand dringt bloß die Lockung ein, in den Willen hingegen die Absicht, und die Absicht der Begierde ist Tat. Doch mehr hierüber sehe man in dem zu Amsterdam im Jahr 1768 herausgegebenen Werk von der »ehelichen Liebe, und von der buhlerischen Liebe«, in dem gehandelt wurde vom Gegensatz der ehelichen Liebe: Nr. 423-443; von der außerehelichen Befriedigung des Geschlechtstriebs: Nr. 444 - 460; von den Ehebrüchen und deren Gattungen und Graden: Nr. 473-499; von der Lüsternheit, die Jungfrauschaft zu brechen: Nr. 501-505; von der Lüsternheit des Wechsels: Nr. 506-510; von der Lüsternheit der Notzucht: Nr. 511, 512; von der Lüsternheit, die Unschuld zu verführen: Nr. 513, 514; von der Zurechnung von beiderlei Liebe, der buhlerischen und der ehelichen: Nr. 523-531. Dies alles wird unter diesem Gebot im natürlichen Sinn verstanden.

314. Im geistigen Sinn wird unter ehebrechen verstanden, das Gute des Wortes schänden und seine Wahrheiten verfälschen. Daß auch dies unter dem Ehebrechen verstanden wird, war bisher unbekannt, weil der geistige Sinn des Wortes bisher verborgen war. Daß nichts anderes durch Huren, Ehebrechen und Unzucht treiben im Worte bezeichnet wird, erhellt deutlich aus folgenden Stellen: „Durchlaufet die Straßen von Jerusalem, und suchet, ob ihr einen Mann findet, der Recht tut und nach Wahrheit fragt; nachdem Ich sie gesättigt, haben sie gehurt“: Jer.5/1,7. „Bei Jerusalems Propheten sah ich schauderhafte Verstockung, wie sie ehebrechen und mit Lügen umgehen“: Jer.23/14. „Sie haben eine Torheit in Israel begangen, Hurerei getrieben, und lügnerisch Mein Wort gesprochen“: Jer.29/23. „Sie hurten, weil sie Jehovah verließen“: Hos.4/10. „Ausrotten will Ich die Seele, die nach Wahrsagergeistern und Zeichendeutern hinsieht, um ihnen nachzuhuren“: 3Mo.20/6. „Es soll kein Bund mit den Bewohnern des Landes geschlossen werden, damit sie nicht deren Göttern nachhuren“: 2Mo.34/15. Weil Babylon mehr als die übrigen das Wort schändet und verfälscht, darum wird es genannt die große Hure, und von ihr folgendes gesagt in der Offb.14/8: „Babylon hat mit dem Zornwein ihrer Hurerei getränkt alle Völkerschaften“. „Der Engel sprach: Ich will dir das Gericht der großen Hure zeigen, mit der gehurt haben die Könige der Erde“:

Offb.17/1,2. „Er hat gerichtet die große Hure, welche die Erde mit ihrer Hurerei verdarb“: Offb.19/2. Weil das jüdische Volk das Wort verfälscht hatte, darum wurde es vom Herrn genannt ein ehebrecherisch Geschlecht: Matth.12/39; 16/4; Mark.8/38, und Same des Ehebrechers: Jes.57/3. Außerdem in vielen anderen Stellen, in denen unter den Ehebrüchen und Hurereien Schändungen und Verfälschungen des Wortes verstanden werden, wie Jer.3/6,8; 13/27; Ez.16/15,16; 26/28,29,32,33; 23/2,3,5,7,11,14,16,17; Hos.5/3; 6/10; Nah.3/1,3,4.

315. Im himmlischen Sinn wird unter Ehebrechen verstanden die Heiligkeit des Wortes leugnen, und es entheiligen. Daß dies in diesem Sinn verstanden wird, folgt aus dem vorigen geistigen Sinn, welcher ist sein Gutes schänden und seine Wahrheiten verfälschen. Die Heiligkeit des Wortes leugnen und entweihen die, welche alles, was die Kirche und Religion betrifft, im Herzen verlachen; denn alles, was zur Kirche und Religion gehört, ist in der christlichen Welt aus dem Wort.

316. Es sind mancherlei Ursachen, welche machen, daß der Mensch nicht nur anderen, sondern auch sich selbst als keusch erscheint, während er doch durch und durch unkeusch ist; denn er weiß nicht, daß die Begierde, wenn sie im Willen ist, Tat ist, und daß sie nur vom Herrn nach der Buße entfernt werden kann. Die Enthaltung vom Tun macht noch nicht keusch, sondern die Enthaltung vom Wollen, während man kann, macht dazu, wenn sie statthat, weil es Sünde ist; wie z.B. wenn sich jemand des Ehebrechens und Hurens enthält bloß aus Furcht vor dem bürgerlichen Gesetz und dessen Strafen; aus Furcht vor dem Verlust des guten Rufs und somit der Ehre; aus Furcht vor den daraus entstehenden Krankheiten; aus Furcht vor den Vorwürfen der Frau zu Hause und der daraus folgenden Beunruhigung seines Lebens; aus Furcht vor der Rache des Mannes und der Verwandten und vor den Schlägen ihrer Bedienten; oder aus Geiz; oder aus Kraftlosigkeit als Folge von Krankheit oder vom Mißbrauch oder vom Alter oder von irgendeiner anderen Ursache des Unvermögens. Ja, wenn er sich derselben enthält aus Rücksicht auf irgendein natürliches und moralisches Gesetz, und nicht zugleich wegen eines geistigen Gesetzes, so ist er dennoch innerlich ein Ehebrecher und Hurer, denn er glaubt nichtsdestoweniger, daß dergleichen nicht Sünden seien, und infolgedessen macht er sie vor Gott zu etwas nicht Unerlaubtem in seinem Geist, und begeht sie so in seinem Geist, obgleich nicht vor der Welt im Köper; weshalb er auch nach dem Tod, wenn er ein Geist wird, offen dafür spricht. Überdies können die Ehebrecher mit Bundbrüchigen verglichen werden, welche die Verträge verletzen; dann mit den Satyrn und Priapen der Alten, welche in den Wäldern umherstreiften, und schrien: Wo sind Jungfrauen, Bräute und Weiber, mit denen wir spielen können? die Ehebrecher erscheinen auch wirklich in der geistigen Welt als Satyrn und Priape. Sie können auch verglichen werden mit Böcken, die übel riechen, sowie auch mit Hunden, die durch die Straßen rennen, und sich umsehen und schnobbern, wo Hunde sind, mit denen sie Geilheiten treiben mögen, und so weiter. Ihre Mannskraft, wenn sie Ehemänner werden, läßt sich vergleichen dem Aufblühen der Tulpen zur Zeit des Frühlings, die nach einem Monat verblühen und verwelken.