Ohne den freien Willen in geistigen Dingen wäre Gott die Ursache des Bösen, und somit würde keine Zurechnung stattfinden

489. Daß Gott die Ursache des Bösen sei, folgt aus dem heutigen Glauben, der zuerst ausgeheckt wurde von denen, die in der Kirchenversammlung in der Stadt Nicäa saßen; dort wurde die noch bestehende Ketzerei ersonnen und zusammengeblasen, daß drei göttliche Personen, und jegliche Gott für sich von Ewigkeit waren; nach Ausbrütung dieses Eies konnten die Anhänger nicht anders, als jegliche Person für sich als Gott angehen. Sie schmiedeten den das Verdienst oder die Gerechtigkeit des Herrn Gottes Seligmachers zurechnenden Glauben zusammen, und damit kein Mensch zugleich mit dem Herrn eintrete in das Verdienst, nahmen sie dem Menschen allen freien Willen in geistigen Dingen, und führten das äußerste Unvermögen hinsichtlich jenes Glaubens ein; und weil sie alles Geistige der Kirche aus diesem bloßen Glauben ableiteten, so erklärten sie sich für ein gleiches Unvermögen hinsichtlich alles dessen, was die Kirche vom Heil lehrt. Daraus entstanden greuliche Ketzereien, eine nach der anderen, die auf jenen Glauben und auf des Menschen Unvermögen in geistigen Dingen gegründet waren, und so auch jene höchst verderbliche von der Vorherbestimmung, von der im vorhergehenden Abschnitt gehandelt worden ist. Aber alle diese Ketzereien schließen in sich, daß Gott die Ursache des Bösen ist, oder daß Gott sowohl das Böse als das Gute geschaffen hat. Allein, mein Freund, vertraue nicht irgendeiner Kirchenversammlung, sondern vertraue dem Wort des Herrn, das über den Kirchenversammlungen steht!

Was haben nicht die römisch-katholischen Kirchenversammlungen, und was nicht die Dordrechter ausgebrütet, aus der die Vorherbestimmung, diese abscheuliche Viper, zur Welt gebracht wurde? Man könnte denken, der dem Menschen gegebene freie Wille in geistigen Dingen sei die mittelbare Ursache des Bösen gewesen, und daß folglich, wenn ihm ein solch freier Wille nicht gegeben worden wäre, der Mensch nicht hätte sündigen können; allein mein Freund, halte hier inne und erwäge, ob irgendein Mensch, um Mensch zu sein, hätte ohne freien Willen in geistigen Dingen geschaffen werden können; würde ihm dieser genommen, so wäre er nicht mehr Mensch, sondern bloß eine Bildsäule. Was ist der freie Wille anderes, als das Vermögen zu wollen und zu tun, und so zu denken und zu reden mit allem Anschein wie von sich selbst? Weil dies dem Menschen gegeben wurde, damit er als Mensch lebe, darum wurden die zwei Bäume in den Garten Eden gesetzt: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, wodurch bezeichnet wird, daß er vermöge der ihm gegebenen Freitätigkeit essen konnte von der Frucht des Baumes des Lebens, und von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen.

490. Daß alles, was Gott schuf, gut war, erhellt aus dem ersten Kapitel der Schöpfungsgeschichte, wo es Vers 10,12,18,21,25 heißt: „Gott sah, daß es gut war“; und zuletzt Vers 31: „Gott sah alles, was Er gemacht, und siehe, es war sehr gut“, und auch aus dem Urzustand des Menschen im Paradies. Daß aber das Böse vom Menschen her entstand, zeigt sich an dem Zustand Adams zunächst oder nach dem Fall, daß er nämlich aus dem Paradiese verstoßen ward. Hieraus erhellt, daß, wofern nicht dem Menschen freier Wille in geistigen Dingen gegeben worden wäre, Gott selbst die Ursache des Bösen gewesen wäre und nicht der Mensch, und daß so Gott sowohl das Gute, als das Böse geschaffen hätte; daß aber auch das Böse, ist verrucht zu denken. Daß Gott nicht das Böse schuf, weil er dem Menschen freien Willen in geistigen Dingen gab, und daß Er demselben niemals irgendwelches Böse eingibt, gründet sich darauf, daß Er das Gute selbst, und in diesem Gott allgegenwärtig ist und fortwährend antreibt und fordert, daß man es aufnehme, und wenn es nicht aufgenommen wird, dennoch nicht zurücktritt; denn wenn Er zurückträte, so würde der Mensch augenblicklich sterben, ja in ein Nichts zerfallen; denn das Leben und der Bestand aller Dinge, aus denen er besteht, kommt dem Menschen von Gott. Daß nicht Gott das Böse schuf, sondern der Mensch es hereinbrachte, kommt daher, daß der Mensch das Gute, das von Gott unausgesetzt einfließt, ins Böse verkehrt dadurch, daß er sich von Gott abwendet und sich zu sich selbst wendet; und wenn dies geschieht, so bleibt der Lustreiz des Guten, und dieser wird dann zum Lustreiz des Bösen; denn ohne den bleibenden Lustreiz als einen ähnlichen würde der Mensch nicht leben, weil der Lustreiz das Leben seiner Liebe macht; gleichwohl aber sind diese Lustreize einander ganz und gar entgegengesetzt; allein dies weiß der Mensch nicht, solange er in der Welt lebt, nach dem Tode hingegen wird er es wissen und es auch deutlich wahrnehmen; denn alsdann wird der Lustreiz der Liebe zum Guten in selig Himmlisches verwandelt, hingegen der Lustreiz der Liebe zum Bösen in gräßlich Höllisches. Aus dem Angeführten ist klar, daß jeder Mensch zum Himmel, und keiner zur Hölle vorherbestimmt ist, daß aber der Mensch sich selbst der Hölle zu eigen gibt durch den Mißbrauch seines freien Willens in geistigen Dingen, vermöge dessen er solches ergreift, was aus der Hölle ausdünstet; denn wie oben gesagt worden, jeder Mensch wird im Mittelreich zwischen Himmel und Hölle gehalten, damit er im Gleichgewicht zwischen Gutem und Bösem, und damit im freien Willen in geistigen Dingen sei.

491. Daß Gott eine Freitätigkeit nicht nur jedem Menschen, sondern auch jedem Tier, ja etwas derselben Analoges selbst unbeseelten Dingen gegeben habe, jeglichem um sie seiner Natur gemäß in sich aufzunehmen, sowie auch, daß Er sie alle mit Gutem versieht, daß jedoch die Objekte dieses ins Böse verkehren, kann durch Vergleiche beleuchtet werden: Die Atmosphäre gibt jeglichem Menschen den Stoff zum Atmen, ebenso jedem reißenden und wilden Tier und auch jedem Vogel, sowohl dem Uhu, als der Taube, und auch die Mittel zum Fliegen, und doch liegt nicht in der Atmosphäre die Ursache, daß jene Mittel von solchen, die hinsichtlich auf Sinnesart und Anlage einander entgegengesetzt sind, [verschieden] aufgenommen werden. Der Ozean gibt jedem Fisch in sich eine Wohnstätte und schafft ihm auch Nahrung, ist aber nicht die Ursache, daß der eine den anderen verschlingt, und daß das Krokodil diese in Gift verkehrt, und damit den Menschen tötet. Die Sonne versieht alles mit Licht und Wärme, allein die Gegenstände, nämlich die mancherlei Gewächse der Erde, nehmen jene verschiedentlich auf, anders der gute Baum und der gute Strauch, und anders die Distel und der Dorn, oder anders das unschädliche, und anders das giftige Kraut. Der Regen fällt von der oberen Region der Atmosphäre allenthalben auf die Länder nieder und liefert davon Wasser der Erde, und daraus jedem Bäumchen, Kraut und Gras, und jedes von diesen eignet sich davon an, was es bedarf, und dies ist es, was etwas dem freien Willen Analoges genannt wird, weil sie dasselbe frei durch die Mündungen, Poren und Gänge in sich ziehen, die zur Zeit der Wärme offen stehen, und die Erde führt bloß die Säfte und Elemente zu, indessen die Gewächse dieselben, wie von Durst und Hunger getrieben, in sich ziehen. Ähnliches geschieht mit dem Menschen, daß nämlich der Herr bei jeglichem Menschen einfließt mit der geistigen Wärme, die ihrem Wesen nach das Gute der Liebe ist, und mit dem geistigen Licht, das seinem Wesen nach das Wahre der Weisheit ist; allein der Mensch nimmt diese auf, Jesajah nach seiner Richtung, die entweder auf Gott, oder auf ihn selbst geht; weshalb der Herr sagt, wo Er von der Liebe gegen den Nächsten lehrt: „Damit ihr Söhne des Vaters seiet, Der die Sonne aufgehen läßt über Böse und Gute, und Regen sendet über Gerechte und Ungerechte“: Matth.5/45; und anderwärts, „daß Er das Heil aller wolle“.

492. Diesem will ich noch folgendes Denkwürdige beifügen: Ich hörte einige Male aus dem Himmel herabkommende Stimmen über das Gute der Liebtätigkeit, die durch die Geisterwelt hindurchgingen und in die Hölle bis zu deren Tiefe hinabdrangen, und daß diese Stimmen im Fortgang sich in solches verwandelten, was dem Guten der Liebtätigkeit ganz entgegengesetzt, und zuletzt in solches, was Ausdruck des Hasses gegen den Nächsten war; ein Zeichen, daß alles, was vom Herrn ausgeht, gut ist, und daß es von den Geistern in der Hölle in Böses verkehrt wird. Das gleiche geschah mit einigen Glaubenswahrheiten, die im Fortgang in das den Wahrheiten entgegengesetzte Falsche verkehrt wurden; denn die aufnehmende Form selbst verwandelt das Einfallende in solches, das mit ihr übereinstimmt.