Keinem wird das Denken, sondern der Wille zugerechnet

658. Jeder Gebildete weiß, daß es zwei Vermögen oder Teile des Gemütes gibt, den Willen und den Verstand; wenige aber wissen dieselben gehörig zu unterscheiden und ihre Eigenschaften im einzelnen zu besichtigen und diese hernach zu verbinden. Die dies nicht vermögen, können sich auch nur eine ganz dunkle Vorstellung vom Gemüt machen; werden daher nicht vorher die Eigenschaften eines jeden jener beiden Vermögen für sich beschrieben, so wird auch der Satz nicht begriffen, daß keinem das Denken, sondern das Wollen zugerechnet werde. Die Eigenschaften beider sind in kurzer Zusammenfassung folgende:

1. Die Liebe selbst und die ins Gebiet der Liebe gehörigen Dinge haben ihren Sitz im Willen, und die Wissenschaft, Einsicht und Weisheit den ihrigen im Verstand, und diesen haucht der Wille seine Liebe ein und bewirkt Begünstigung und Zustimmung; daher kommt, daß, wie die Liebe und die aus ihr stammende Einsicht ist, so der Mensch ist.

2. Hieraus folgt auch, daß alles Gute und auch alles Böse ins Gebiet des Willens gehört, denn alles, was aus der Liebe hervorgeht wird gut genannt, wenn es auch Böses wäre; denn das Lustgefühl, welches das Leben der Liebe ausmacht, bewirkt dies; der Wille dringt durch dieses Lustgefühl in den Verstand und bringt die Zustimmung hervor.

3. Der Wille ist also das Sein oder Wesen des Menschenlebens, der Verstand aber das Existieren oder die Existenz von daher; und weil das Wesen kein Etwas ist, wenn es nicht in einer gewissen Form ist, so auch nicht der Wille, wenn er nicht im Verstand ist, daher der Wille sich gestaltet im Verstand, und so ins Licht tritt.

4. Die Liebe im Willen ist der Endzweck, und sucht und findet im Verstand die Ursachen, durch die er sich zur Wirkung fortbewegt; und weil der Endzweck Vorsatz ist, und diesen beabsichtigt, so gehört auch der Vorsatz ins Gebiet des Willens, und dringt durch die Absicht in den Verstand, und treibt diesen an, sich mit den Mitteln zu beschäftigen und sie zu erwägen, und solches zu beschließen, was zu den Wirkungen führt.

5. Alles Eigene des Menschen hat seinen Sitz im Willen, und dasselbe ist von der ersten Geburt her böse, und wird Gutes aus der anderen; die erste Geburt ist aus den Eltern, die andere aber aus dem Herrn. Aus diesem wenigen kann man sehen, daß eine andere Eigenschaft ist die des Willens, und eine andere die des Verstandes, und daß sie von der Schöpfung her verbunden sind wie Sein und Existieren; daß mithin der Mensch Mensch ist in erster Stelle durch den Willen, und in zweiter durch den Verstand; daher kommt, daß dem Menschen der Wille zugerechnet wird, nicht aber das Denken, mithin das Böse und das Gute, weil diese, wie gesagt, im Willen sind, und von da aus im Denken des Verstandes wohnen.

659. Daß dem Menschen nicht irgendwelches Böse, das er denkt, zugerechnet wird, hat seinen Grund darin, daß der Mensch so geschaffen ist, daß er das Gute oder das Böse einsehen und daher denken kann, das Gute aus dem Herrn und das Böse aus der Hölle, denn er ist in der Mitte und im Vermögen, das eine oder das andere mit freiem Willen in geistigen Dingen zu wählen, wovon in seinem Kapitel gehandelt worden ist; und weil er im Vermögen ist, frei zu wählen, so kann er wollen und nicht wollen, und was er will, das wird vom Willen aufgenommen und angeeignet, was er aber nicht will, das wird nicht aufgenommen und somit nicht angeeignet. Alles Böse, zu dem der Mensch von Geburt her sich hinneigt, ist dem Willen seines natürlichen Menschen eingeschrieben, und dieses fließt, so viel er davon herausnimmt, in seine Gedanken ein; ebenso das Gute mit den Wahrheiten von oben herab in diejenigen vom Herrn, und hier werden sie abgewogen wie die Gewichte in den Waagschalen. Wählt nun der Mensch das Böse, so wird es vom alten Willen aufgenommen und fügt sich dann jenem bei; wählt er hingegen das Gute mit den Wahrheiten, so wird vom Herrn ein neuer Wille und ein neuer Verstand über dem alten gebildet, und der Herr pflanzt hier das neue Gute durch das Wahre nach und nach ein, und unterjocht durch dieses das Böse, das unterhalb ist, und entfernt es, und bringt alles in Ordnung. Hieraus erhellt auch, daß das Denken der Reinigungs- und Ausscheidungsort alles von den Eltern her innewohnenden Bösen ist; würde daher das Böse, das der Mensch denkt, ihm zugerechnet werden, so könnte keine Umbildung und Wiedergeburt vorgehen.

660. Weil das Gute im Gebiet des Willens und das Wahre in dem des Verstandes ist, und vieles in der Welt dem Guten entspricht, wie die Früchte und die Nutzwirkungen, und die Zurechnung selbst der Schätzung und dem Wert, so folgt, daß das, was hier von der Zurechnung gesagt worden ist, mit allem Geschaffenen verglichen werden kann; denn wie schon früher hier und dort gezeigt worden ist, bezieht sich alles im Universum auf das Gute und Wahre, und im Gegensatz auf das Böse und Falsche zurück.

Es kann also ein Vergleich statthaben mit der Kirche, daß nämlich diese gewürdigt wird nach der Liebtätigkeit und dem Glauben, und nicht nach den äußeren Gebräuchen, die hinzugefügt werden. Ein Vergleich kann auch geschehen mit dem Diener der Kirche, daß derselbe geschätzt wird nach seinem Willen und seiner Liebe, und zugleich nach seinem Verstand in geistigen Dingen, und nicht nach seiner Gesprächigkeit und Kleidung. Ein Vergleich findet ferner statt mit dem Gottesdienst und mit dem Tempel, in dem er verrichtet wird: der Gottesdienst selbst geschieht im Willen, und im Verstand als in seinem Tempel, und dieser wird heilig genannt nicht seinetwegen, sondern wegen des Göttlichen, das in ihm gelehrt wird; auch findet ein Vergleich statt mit einem Reich, in dem das Gute und zugleich das Wahre herrscht, sofern dasselbe geliebt wird, nicht aber dasjenige, in dem das Wahre, und nicht das Gute herrscht. Wer beurteilt einen König nach seinen Leibwachen, Pferden und Wagen, und nicht nach dem Königlichen, das man an ihm kennt? das Königliche ist Sache der Liebe und der Klugheit im Regieren. Wer sieht nicht bei einem Triumph auf den Sieger, und von ihm aus auf das Gepränge; nicht aber von diesem aus auf jenen? somit vom Wesentlichen auf das Formelle und nicht umgekehrt; der Wille ist das Wesentliche, und das Denken ist das Formelle, und niemand kann dem Formellen etwas anderes zurechnen, als das, was es vom Wesentlichen her hat, somit diesem und nicht jenem.

661. Diesem will ich folgende Denkwürdigkeiten beifügen: Die erste ist diese: In der oberen nördlichen Gegend, zunächst dem Osten, in der geistigen Welt sind Unterrichtsorte für die Knaben, für die Jünglinge, für die Männer, und auch für die Greise; in diese Orte werden alle gesandt, die als Kinder starben, und werden im Himmel erzogen; desgleichen in sie alle, welche frisch aus der Welt ankommen und nach Kenntnissen vom Himmel und der Hölle verlangen. Diese Gegend ist in der Nähe des Ostens, damit alle durch einen Einfluß vom Herrn unterrichtet werden; denn der Herr ist der Osten, weil Er in der Sonne daselbst ist, welche die lautere Liebe von Ihm ist; weshalb die Wärme aus dieser Sonne in ihrem Wesen Liebe, und das Licht aus ihr in seinem Wesen Weisheit ist; diese werden ihnen vom Herrn aus jener Sonne eingehaucht, und zwar werden sie eingehaucht je nach der Aufnahme, und die Aufnahme verhält sich gemäß der Liebe weise zu sein. Nach den Zeiten des Unterrichts werden diejenigen, die verständig geworden sind, herausgelassen, und diese heißen Schüler des Herrn; sie werden von da aus zuerst nach dem Westen, und die, welche nicht daselbst bleiben, gegen Süden, und einige durch den Süden gegen Osten entlassen und in Gesellschaften eingeführt, wo sie ihre Bleibestätten haben sollen. Einst nun, als ich über den Himmel und die Hölle nachdachte, begann ich, nach einer allgemeinen Kenntnis vom Zustand beider zu verlangen; denn ich wußte, daß, wer das Allgemeine weiß, hernach auch die Einzelheiten begreifen kann, weil diese in jenem, wie die Teile im Ganzen sind. In diesem Verlangen sah ich nach jener Gegend in den nördlichen Himmelstrich in der Nähe des Ostens hin, wo die Unterrichtsorte waren, und ging auf einem mir nun geöffneten Wege dahin, und trat in eine Versammlung, in der junge Männer waren, und ging daselbst auf die Oberlehrer zu, welche unterrichteten und fragte sie, ob sie das Allgemeine von Himmel und Hölle wissen; worauf sie antworteten, wir wissen etwas Weniges, aber wenn wir gegen Osten zum Herrn aufschauen, so werden wir erleuchtet werden und es wissen. Und sie machten es so und sagten: Das Allgemeine der Hölle ist dreierlei; das Allgemeine der Hölle ist aber dem Allgemeinen des Himmels gerade entgegengesetzt. Das Allgemeine der Hölle besteht in folgenden drei Liebesarten: in der Liebe zu herrschen aus der Liebe zu sich, in der Liebe die Güter anderer zu besitzen aus der Liebe zur Welt, und in der buhlerischen Liebe. Das Allgemeine des Himmels, das jenem entgegengesetzt ist, besteht in folgenden drei Liebesarten: in der Liebe zu herrschen aus der Liebe Nutzen zu schaffen, in der Liebe, die Güter der Welt zu besitzen, aus der Liebe dadurch Nutzen zu stiften, und in der wahrhaft ehelichen Liebe. Nachdem sie dies gesagt, wünschte ich ihnen Frieden und ging weg und kehrte wieder nach Hause zurück. Als ich zu Hause war wurde mir aus dem Himmel gesagt: Beleuchte diese drei Allgemeinheiten von oben und unten, und dann wollen wir sie in deiner Hand sehen; es wurde gesagt ‚in der Hand‘, weil alles, was der Mensch mit dem Verstand betrachtet, den Engeln wie in die Hände geschrieben erscheint; weshalb es in der Offb.13/16; 14/9; 20/4 heißt, sie hätten ein Malzeichen erhalten auf der Stirn und auf der Hand. Hierauf betrachtete ich die erste allgemeine Liebe der Hölle, welche die Liebe zu herrschen aus der Liebe zu sich war, und hernach die mit ihr in Entsprechung stehende allgemeine Liebe des Himmels, welche die Liebe zu herrschen aus der Liebe zu Nutzwirkungen war; denn ich durfte nicht die eine Liebe ohne die andere betrachten, weil der Verstand die eine Liebe nicht ohne die andere faßt, denn sie sind einander entgegengesetzt; daher müssen sie, damit man beide erkenne, als Gegensätze einander gegenübergestellt werden; denn ein schönes und fein gebildetes Gesicht tritt ins Licht durch das ihm entgegengesetzte unschöne und mißgestaltete Gesicht. Als ich die Liebe, zu herrschen aus der Selbstliebe, untersuchte, wurde mir zu erkennen gegeben, daß diese Liebe im höchsten Grade höllisch und daher bei denen sei, die in der tiefsten Hölle sind, und daß die Liebe zum Herrschen aus der Liebe zu Nutzwirkungen höchst himmlisch und daher bei denen sei, die im obersten Himmel sind. Daß die Liebe zu Herrschen aus der Liebe zu sich im höchsten Grade höllisch ist, hat seinen Grund darin, daß das Herrschen aus der Selbstliebe aus dem Eigenen stammt, und das Eigene des Menschen von der Geburt her das Böse selbst ist, das Böse selbst aber schnurstracks wider den Herrn ist; je mehr daher jene in dieses Böse hineinschreiten, desto mehr leugnen sie Gott und die heiligen Dinge der Kirche, und beten sich und die Natur an. Möchten doch die, welche in diesem Bösen stehen, sich selbst prüfen, so werden sie es sehen! Diese Liebe ist auch von der Art, daß, je mehr ihr die Zügel gelassen werden, was geschieht, wenn nichts Unmögliches im Wege steht, desto mehr sie von Stufe zu Stufe hinanrennt, und zwar bis zur höchsten, und auch da nicht stehen bleibt, sondern, wenn es keine höhere Stufe mehr gibt, sich grämt und seufzt. Diese Liebe steigt bei Politikern bis dahin empor, daß sie Könige und Kaiser sein, und, wenn es möglich ist, über alles in der Welt herrschen und Könige der Könige und Kaiser der Kaiser genannt werden wollen. Bei den Geistlichen hingegen erhebt sich eben diese Liebe bis dahin, daß sie Götter sein, und inwieweit es möglich ist, über alles im Himmel herrschen und Götter genannt werden wollen. Daß diese und jene in ihrem Herzen gar keinen Gott anerkennen, wird man in folgendem sehen. Das Umgekehrte aber findet bei denen statt, die herrschen wollen aus Liebe zu Nutzleistungen; diese wollen nicht aus sich sondern aus dem Herrn herrschen, weil die Liebe zum Nutzen schaffen aus dem Herrn und der Herr selbst ist; diese sehen die Würden nicht anders an denn als die Mittel zu Nutzwirkungen; diese stellen sie weit über die Würden; die ersteren hingegen stellen die Würden weit über die Nutzwirkungen. Als ich hierüber nachdachte, wurde mir durch einen Engel vom Herrn gesagt: Du sollst sogleich sehen und dich durch den Augenschein überzeugen, wie jene höllische Liebe beschaffen ist; und nun tat sich alsbald die Erde zur Linken auf, und ich sah einen Teufel aus der Hölle heraufsteigen, der auf dem Kopf einen viereckigen, über die Stirne bis zu den Augen herabgedrückten Hut hatte, das Gesicht voll Blattern, wie bei einem hitzigen Fieber, die Augen trotzig, die Brust ins Viereck aufgeblasen; aus dem Munde stieß er Rauch aus wie ein Ofen, die Lenden waren ganz feurig, und statt der Füße hatte er knöcherne Knorren ohne Fleisch; und aus seinem Körper dünstete eine stinkende und unreine Wärme aus. Als ich ihn sah, erschrak ich und rief ihm zu: Bleibe zurück, sage, woher du bist; und er antwortete mit heiserer Stimme: Ich bin aus der Unterwelt und dort mit zweihundert in einer Gesellschaft, welche unter allen Gesellschaften die erhabenste ist; daselbst sind wir alle Kaiser der Kaiser, Könige der Könige, Herzoge der Herzoge und Fürsten der Fürsten; keiner ist dort nur schlechtweg Kaiser, König, Herzog und Fürst; wir sitzen dort auf Thronen der Throne, und entsenden von da Befehle in die ganze Welt, und noch weiter hinaus. Nun sagte ich zu ihm: Siehst du nicht, daß du aus eingebildeter Oberherrlichkeit Unsinn sprichst, und er antwortete: Wie kannst du so reden, während wir uns doch als solche erscheinen, und wir auch von unseren Mitgenossen dafür erkannt werden? Als ich dies hörte, wollte ich nicht abermals sagen: du redest Unsinn, weil er infolge seiner Phantasie wahnsinnig war, und es wurde mir zu erkennen gegeben, daß dieser Teufel, als er noch in der Welt lebte, nur der Verwalter eines Hauses, dabei aber so hochfahrenden Geistes gewesen war, daß er das ganze menschliche Geschlecht neben sich verachtete und sich der Einbildung hingab, er sei würdiger als ein König, ja selbst als ein Kaiser; und in diesem Hochmut hatte er Gott geleugnet, und alles Heilige der Kirche galt ihm als nichts für ihn, sondern nur als etwas für den dummen Pöbel. Zuletzt fragte ich ihn: wie lange wollt ihr Zweihundert euch so untereinander rühmen? Er sagte: In Ewigkeit fort, aber diejenigen unter uns, die andere wegen verweigerten Vorrangs quälen, sinken unter; denn wir dürfen uns zwar rühmen, aber niemanden etwas Übels zufügen. Ich fragte weiter: Weißt du, was für ein Los diejenigen haben, welche untersinken? Er sagte: Sie sinken in einen gewissen Kerker nieder, wo sie geringer als die Geringen oder die Geringsten heißen, und arbeiten. Darauf sagte ich zu diesem Teufel: Hüte dich, daß du nicht auch hinabsinkst. Nach diesem tat sich die Erde wieder auf, aber zur Rechten, und ich sah einen anderen Teufel heraufsteigen, auf dessen Kopf eine spitzzulaufende Mütze war, umschlungen von Windungen wie einer kleinen Schlange, deren Kopf über die Spitze hervorragte; sein Gesicht war aussätzig von der Stirn bis zum Kinn, und ebenso beide Hände; die Lenden waren nackt und schwarz wie Ruß, durch den Feuer, wie von einem Herd, grauenhaft hindurchschien, und die unteren Füße wie zwei Vipern. Der erstgenannte Teufel warf sich, als er diesen sah, auf die Knie und betete ihn an. Ich fragte: Warum dies? Er sagte: Er ist der Gott des Himmels und der Erde, und allmächtig; und nun fragte ich diesen: Was sagst du dazu? Er antwortete: Was werde ich sagen? Ich habe alle Gewalt über Himmel und Hölle, das Los aller Seelen ist in meiner Hand. Ich fragte wieder: Wie kann jener, welcher der Kaiser der Kaiser ist, sich so unterwerfen, und wie kannst du die Anbetung annehmen?

Er antwortete: Er ist ja doch mein Knecht, was ist ein Kaiser vor Gott? in meiner Rechten ist der Bannstrahl. Und nun sagte ich zu ihm: Wie kannst du solchen Unsinn reden, du warst in der Welt nur ein Domherr, und weil du mit der Einbildung gestraft warst, du habest die Schlüssel und daher die Gewalt zu binden und zu lösen, so hast du deinen Geist bis zu diesem Grad des Wahnsinns erhoben, daß du jetzt glaubst, du seiest Gott selbst. Hierüber entrüstet, schwor er, daß er es sei, und daß der Herr keine Gewalt im Himmel habe, denn [sagte er] Er hat alle auf uns übergetragen; wir brauchen nur zu befehlen, und Himmel und Hölle gehorchen uns ehrerbietig; schicken wir einen in die Hölle, so nehmen ihn die Teufel alsbald auf; ebenso auch die Engel, wenn wir einen in den Himmel schicken. Ich fragte ferner: Zu wie vielen seid ihr in eurer Gesellschaft? Er sagte: Zu dreihundert, und wir alle in ihr sind Götter, ich aber bin der Gott der Götter. Nach diesem tat sich die Erde auf unter den Füßen beider und sie sanken tief hinab in ihre Höllen; und es wurde mir gestattet zu sehen, daß unter ihren Höllen Zuchthäuser waren, in welche diejenigen hinabfallen sollten, die anderen Schaden zufügen; denn einem jeden in der Hölle wird seine Phantasie und auch sein Großsprechen in ihr gelassen, aber er darf dem anderen kein Übles tun. Daß sie dort so sind, kommt daher, daß der Mensch alsdann in seinem Geist ist, und der Geist, wenn er vom Körper getrennt ist, in die volle Freiheit kommt, nach seinen Neigungen und den Gedanken aus diesen zu handeln. Hierauf durfte ich in ihre Höllen hineinsehen, und die Hölle in der die Kaiser der Kaiser und die Könige der Könige waren, war voll von aller Unreinigkeit, und sie sahen darin aus wie allerhand wilde Tiere mit trotzigen Augen; so auch in der anderen Hölle, wo die Götter und der Gott der Götter waren, und in dieser erschienen schreckliche Nachtvögel, welche Ochim und Ijim heißen, und um sie her flogen; die Bilder ihrer Phantasie zeigten sich mir so. Hieraus ward klar, wie die weltliche und wie die kirchliche Selbstliebe beschaffen ist, daß diese darauf ausgeht, daß sie Götter, jene aber, daß sie Kaiser sein wollen, und daß sie solches wollen und auch wirklich anstreben, soweit jenen Lieblingsneigungen die Zügel gelassen werden. Nachdem ich diese traurigen und schauderhaften Szenen gesehen hatte, schaute ich mich um und sah zwei Engel nicht weit von mir stehen und miteinander reden; der eine war angetan mit einer wollenen Toga, die von flammigem Purpur strahlte, und unter derselben mit einem Untergewand von glänzendem Byssus, und der andere mit den gleichen Gewändern von Scharlach und mit einer Priestermütze, in die einige Granaten auf der rechten Seite eingesetzt waren. Zu diesen ging ich hin und gab ihnen den Friedensgruß und fragte ehrerbietig: Warum seid ihr hier unten? und sie antworteten: Wir haben uns auf Befehl des Herrn aus dem Himmel hierher herabgelassen, um mit dir zu reden vom seligen Los derer, die aus Liebe zum Nutzenschaffen herrschen wollen; wir sind Verehrer des Herrn, ich der Fürst einer Gesellschaft, der andere der Oberpriester in ihr; und der Fürst sagte, er sei der Diener seiner Gesellschaft, weil er ihr durch Nutzenschaffen diene; und der andere sagte, er sei der Diener der Kirche daselbst, weil er ihr diene, indem er die heiligen Dinge zum Nutzen ihrer Seelen verwalte; und beide seien in beständigen Freuden aus der ewigen Glückseligkeit, die vom Herrn her in ihnen sei. Es sei in jener Gesellschaft alles glänzend und herrlich, glänzend von Gold und Edelsteinen, und herrlich durch Paläste und Paradiese; der Grund ist, [sagten sie], weil unsere Liebe zum Herrschen nicht aus der Selbstliebe, sondern aus der Liebe zum Nutzenschaffen herstammt, und weil die Liebe zum Nutzenschaffen vom Herrn ist, so glänzen und leuchten alle guten Nutzwirkungen im Himmel; und weil wir alle in unserer Gesellschaft in dieser Liebe stehen, so erscheint auch unsere Atmosphäre dort golden, aus dem Lichte daselbst, das vom Flammigen der Sonne herstammt, und das Flammige der Sonne entspricht jener Liebe. Bei diesen Worten erschien auch mir eine ähnliche Sphäre um sie her und ich empfand etwas Aromatisches aus ihr; dies sagte ich ihnen auch, und bat, sie möchten ihren Worten über die Liebe zum Nutzenschaffen noch etwas hinzufügen; und sie fuhren fort und sprachen: Um die Würden, in denen wir stehen, haben wir uns zwar beworben, aber zu keinem anderen Zweck, als damit wir völliger Nutzen schaffen und diesen weiter verbreiten können; auch werden wir mit Ehren überschüttet und wir nehmen sie an, nicht um unseret-, sondern um des Besten der Gesellschaft willen; denn unsere Mitbrüder und Mitgenossen, die aus dem Volk daselbst sind, wissen kaum anders, als daß die Ehren unserer Würden in uns, und daß daher die Nutzwirkungen, die wir schaffen, aus uns seien, wir aber fühlen es anders: wir fühlen, daß die Ehren der Würden außer uns, und daß sie wie die Gewänder sind, mit denen wir bekleidet werden, daß aber die Nutzwirkungen, die wir schaffen, aus der Liebe zu denselben in uns vom Herrn sind; und diese Liebe erhält ihre Seligkeit aus dem Verkehr mit anderen mittelst der Nutzleistungen. Wir wissen auch aus Erfahrung, daß inwieweit wir Nutzen schaffen aus Liebe dazu, insoweit diese Liebe und mit der Liebe die Weisheit wächst, aus der die Mitteilung geschieht; inwieweit wir hingegen die Nutzwirkungen in uns behalten und nicht mitteilen, insoweit die Seligkeit verlorengeht, und alsdann wird die Nutzwirkung wie eine Speise, die im Magen verborgen liegt und sich nicht verteilt, um den Körper und seine Teile zu nähren, sondern unverdaut bleibt, woraus dann Ekel entsteht; mit einem Wort, der ganze Himmel ist nichts als eine vom Ersten bis zum Letzten zusammenhängende Nutzwirkung; was ist die Nutzwirkung, als die tätige Liebe zum Nächsten, und was hält die Himmel zusammen, als diese Liebe? Nachdem ich dies gehört, fragte ich: Wie kann jemand wissen, ob er Nutzen schaffe aus Liebe zu sich oder aus Liebe zum Nutzen schaffen? Jeder Mensch, sowohl der gute als der böse, schafft Nutzen, und zwar aus einer gewissen Liebe; gesetzt, es sei in der Welt eine Gesellschaft zusammengesetzt aus lauter Teufeln, und eine Gesellschaft aus lauter Engeln zusammengesetzt, so halte ich dafür, daß die Teufel in ihrer Gesellschaft aus dem Feuer der Liebe zu sich und aus dem Glanz ihrer Glorie so viel Nutzen stiften werden, als die Engel in der ihrigen; wer kann dann wissen, aus welcher Liebe und aus welchem Ursprung die Nutzwirkungen herrühren? Darauf antworteten die beiden Engel: Die Teufel stiften Nutzen um ihret- und um des Ruhmes willen; damit sie zu Ehrenstellen erhoben werden oder Güter gewinnen; die Engel hingegen leisten nicht deshalb Nutzen, sondern um der Nutzwirkungen willen, aus Liebe zu denselben. Der Mensch kann diese Nutzwirkungen nicht unterscheiden, aber der Herr unterscheidet sie; ein jeder, der an den Herrn glaubt und das Böse als Sünde flieht, schafft Nutzen aus dem Herrn, hingegen der nicht an den Herrn glaubt und das Böse nicht als Sünde flieht, schafft Nutzen aus sich und um seiner selbst willen; dies ist der Unterschied zwischen den Nutzwirkungen von den Teufeln und den Nutzwirkungen von den Engeln. Nachdem die zwei Engel dies gesagt hatten, gingen sie weg, und von weitem erschienen sie, als wenn sie in einem feurigen Wagen wie Elias führen und in ihren Himmel erhoben würden.

662. Zweite Denkwürdigkeit. Einige Zeit nachher ging ich in einen gewissen Hain und wandelte da im Nachdenken über die, welche in der Begierde und daher in der Phantasie stehen, die Dinge der Welt zu besitzen; und nun sah ich in einiger Entfernung von mir zwei Engel, die miteinander redeten und hin und wieder mich ansahen; ich trat daher näher hinzu, und wie ich näher kam, redeten sie mich an und sagten: Wir nehmen in uns wahr, daß du über das nachdenkst, was wir besprechen, oder, daß wir von dem reden, über das du nachdenkst, was eine Folge der wechselseitigen Mitteilung der Neigungen ist. Ich fragte also, wovon sie sprächen, und sie sagten: von der Phantasie, von der Begierde und von der Einsicht, und soeben von denen, die sich ergötzen am Anblick und der Vorstellung des Besitzes alles dessen, was die Welt hat; und nun bat ich, sie möchten ihre Ansicht von jenen dreien, der Begierde, der Phantasie und der Einsicht, offenbaren. Sie nahmen nun das Wort und sagten: Ein jeder ist von der Geburt her innerlich in der Begierde, von der Erziehung her aber äußerlich in der Einsicht, und niemand ist inwendig, mithin dem Geist nach in der Einsicht, noch weniger in der Weisheit, außer vom Herrn; denn ein jeder wird von der Begierde des Bösen abgehalten und in der Einsicht festgehalten je nach dem Aufsehen zum Herrn, und zugleich nach der Verbindung mit Ihm; ohne Ihn ist der Mensch nichts als Begierde. Dennoch aber ist er im Äußeren oder dem Leibe nach in der Einsicht von der Erziehung her; denn den Menschen gelüstet nach Ehren und Gütern, oder nach Vorrang und Reichtum; aber diese beiden erlangt er nicht, wenn er nicht als sittlich und geistig, mithin als verständig und weise erscheint; und so zu erscheinen lernt er von Kindheit an; und darin liegt der Grund, daß er, sobald er unter die Leute oder in Gesellschaften kommt, seinen Geist umwendet, ihn von der Begierde entfernt hält, und aus dem Anständigen und Ehrenhaften, das er von Kindheit an gelernt hat, und im Gedächtnis des Körpers behält, redet und handelt, und sich gar sehr in Acht nimmt, daß aus dem Wahnsinn der Begierde, worin sein Geist ist, nichts herauskomme. Daher ist jeder Mensch, der nicht inwendig vom Herrn geführt wird, ein Gleisner, Ränkeschmied und Heuchler, mithin nur ein scheinbarer und nicht ein wirklicher Mensch, von dem man sagen kann, daß seine Schale oder sein Körper weise, sein Kern oder Geist aber wahnsinnig sei; ferner, daß sein Äußeres menschlich, das Innere aber tierisch sei; solche sehen mit dem Hinterhaupt nach oben und mit dem Vorderhaupt nach unten; so gehen sie einher, wie die, welche einen eingenommenen Kopf haben, mit hängendem Haupt und das Gesicht nieder zur Erde gesenkt; wenn sie den Körper ablegen und Geister werden, und nun freigelassen sind, so werden sie förmliche Rasereien ihrer Begierden, denn die, welche in der Liebe zu sich selbst sind, wollen über das Weltall herrschen, ja die Grenzen desselben, zur Erweiterung ihrer Herrschaft, noch weiter hinausrücken, nirgends sehen sie ein Ende; die, welche in der Liebe zur Welt sind, wollen alles, was sie hat, besitzen, sie sind betrübt und neidisch, wenn irgendwelche Schätze im Besitz anderer verwahrt gehalten werden. Damit daher solche nicht zu lauter Begierden und zu Nicht-Menschen werden, so wird ihnen in der geistigen Welt gestattet, aus der Furcht vor dem Verlust des guten Namens, und so der Ehre und des Gewinns, sowie auch aus der Furcht vor dem Gesetz und dessen Strafe, zu denken; auch wird ihnen gestattet, ihren Sinn auf irgendein Studium oder Werk zu richten, wodurch sie im Äußeren, und damit im Zustand der Einsicht, gehalten werden, ob sie gleich inwendig rasend und toll sind. Nach diesem fragte ich: Ob alle, die in der Begierde sind, auch in der Phantasie derselben seien? Sie antworteten: Diejenigen sind in der Phantasie ihrer Begierde, die inwendiger bei sich denken und ihrer Phantasie allzusehr nachhängen, so daß sie auch mit sich selbst reden; denn diese trennen ihren Geist beinahe von der Verbindung mit dem Körper ab, überschwemmen den Verstand mit dem, was sie in der Einbildung sehen, und ergötzen sich albernerweise wie an einem Universalbesitz; in solchen Wahnsinn wird nach dem Tode derjenige Mensch versetzt, der seinen Geist vom Körper abgezogen hielt, und nicht vom Vergnügen des Wahnsinns zurücktreten wollte, indem er der Religion gemäß irgend über das Böse und Falsche, und noch weniger über die zügellose Liebe zu sich gedacht hätte, daß sie nämlich zerstörend für die Liebe zum Herrn, und über die zügellose Weltliebe, daß sie zerstörend für die Liebe gegen den Nächsten sei.

Nach diesem kam die beiden Engel und auch uns ein Verlangen an, diejenigen zu sehen, die in der träumerischen Begierde oder Phantasie des Besitzes aller Reichtümer aus der Weltliebe stehen. Wir nahmen wahr, daß dieses Verlangen uns zu dem Ende eingegeben wurde, daß man sie kennenlernen möge. Ihre Wohnungen waren unter der Erde, auf der wir standen, aber über der Hölle; weshalb wir einander ansahen und sagten: Laßt uns hingehen; und es zeigte sich eine Öffnung, und in derselben eine Treppe; auf dieser stiegen wir hinab, und man sagte, wir sollen uns ihnen von Osten her nähern, damit wir nicht in die Nebelatmosphäre ihrer Phantasie geraten, wovon uns der Verstand, dann aber auch zugleich der Blick umdunkelt werden würde. Und siehe da, es zeigte sich ein Haus, aus Schilfrohr gebaut, und voller Ritzen, das in dem Dunstkreis stand, der wie ein Rauch fortwährend durch die Ritzen dreier Wände herausdrang.

Wir gingen hinein und sahen fünfzig hier und fünfzig dort, die auf Bänken saßen und sich vom Osten und Süden abwandten, und gegen Westen und Norden hinblickten. Vor jedem stand ein Tisch, und auf dem Tisch strotzende Geldsäcke, und um die Geldsäcke her eine Menge Goldmünzen; und wir fragten: Sind dies die Reichtümer aller in der Welt? Nein, sagten sie, nicht aller in der Welt, aber aller in dem Reich. Der Ton ihrer Rede war zischend, und sie selbst erschienen mit rundem Gesicht, das rötlich schimmerte, wie die Schuppe einer Meerschnecke, und der Augapfel blitzte gleichsam auf grünem Grund, was vom Licht der Phantasie herkam. Wir standen mitten unter ihnen und sagten: Glaubt ihr, daß ihr alle Schätze des Reiches besitzet? und sie antworteten: Ja. Wir fragten weiter: Wer unter euch? sie sagten: Ein jeder. Und wir fragten: Wieso ein jeder, ihr seid ja eurer viele? Sie sagten: Jeder von uns weiß, daß alles das Seine mein ist; es darf keiner denken, und noch weniger sagen: das Meine ist nicht das Deine, er darf aber denken und sagen: das Deine ist mein. Die Münzen auf den Tischen erschienen wie von lauterem Gold, auch vor uns, als wir aber Licht von Osten hereinließen, waren sie Goldkörnchen, die sie durch die vereinigte Kraft der gemeinsamen Phantasie so vergrößert hatten. Sie sagten, ein jeder, der hereinkommt, müsse etwas Gold mitbringen, das sie in Stückchen, und diese in Körnchen zerschneiden, und durch die einstimmige Kraft ihrer Phantasie zu Münzen von größerer Form vergrößern. Und nun sagten wir: Seid ihr nicht als Vernunftmenschen geboren, woher habt ihr denn diesen träumerischen Aberwitz? Sie sagten: Wir wissen, daß es eine leere Einbildung ist, weil es aber dem Inwendigen unseres Gemütes Vergnügen macht, so kommen wir hier herein und ergötzen uns wie am Besitz aller [Güter]. Wir halten uns aber nur einige Stunden hier auf, nach deren Ablauf wir wieder hinaus gehen, und ebensooft kehrt uns auch der gesunde Verstand wieder zurück; dennoch aber kommt uns abwechslungsweise unser eingebildetes Vergnügen an und macht, daß wir abwechselnd wieder hinein und wieder hinaus gehen, und auf diese Art abwechselnd weise und töricht sind. Wir wissen auch, daß ein hartes Los diejenigen erwartet, die mit List anderen ihre Güter wegnehmen. Wir fragten: Welches Los denn? Sie sagten: Sie werden verschlungen und nackt in einen höllischen Kerker geworfen, wo sie angehalten werden, für Kleidung und für Speise zu arbeiten, und hernach auch um einige Heller, die sie zusammensparen und in die sie die Freude ihres Herzens setzen; wenn sie aber ihren Genossen Übles tun, so müssen sie einen Teil ihrer Heller zur Strafe geben.

663. Dritte Denkwürdigkeit. Einst war ich mitten unter Engeln und hörte ihre Unterredung; ihr Gespräch betraf die Einsicht und Weisheit, daß nämlich der Mensch nicht anders fühle und wahrnehme, als daß beide in ihm seien, und daß so alles, was er will und denkt, aus ihm sei, während doch gar nichts davon aus dem Menschen ist, außer dem Vermögen, sie in sich aufzunehmen. Unter mehrerem, das sie redeten, war auch dies, daß der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen im Garten Eden den Glauben bezeichnet habe, daß die Einsicht und Weisheit vom Menschen herrühren, und daß der Baum des Lebens bezeichnet habe, daß die Einsicht und Weisheit von Gott komme, und Adam, weil er auf Zureden der Schlange vom ersterwähnten Baum aß, indem er glaubte, so Gott zu sein oder es zu werden, aus dem Garten verstoßen und verdammt worden sei. Während die Engel in diesem Gespräch begriffen waren, kamen zwei Priester, zugleich mit einem Mann, der in der Welt Gesandter eines Reiches gewesen war, und diesen erzählte ich, was ich von den Engeln über die Einsicht und Weisheit gehört hatte; nach dessen Anhörung diese drei sich in einen Streit über jene beiden Punkte, sowie auch über die Klugheit einließen, ob dieselben von Gott, oder ob sie vom Menschen seien; der Streit war hitzig. Alle drei glaubten in gleicher Weise, dieselben seien vom Menschen, weil schon das Gefühl und die Wahrnehmung aus ihm dies bestätigen; weil aber die Priester damals in theologischem Eifer waren, so bestanden sie darauf, daß nichts von Einsicht und Weisheit, und so auch nichts von Klugheit vom Menschen sei; und dies bestätigten sie mit der Stelle im Wort: „der Mensch kann nichts nehmen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben worden“: Joh.3/27 und mit der anderen: „Jesus sagte zu den Jüngern: Ohne Mich könnt ihr nichts tun“: Joh.15/5. Weil jedoch von den Engeln wahrgenommen worden war, daß die Priester, so warm sie auch in dieser Weise sich aussprachen, dennoch im Herzen des gleichen Glaubens mit dem Reichsbotschafter waren, so sagten die Engel zu ihnen: Zieht eure Kleider aus, und zieht die Kleider weltlicher Diener an, und glaubt, daß ihr solche seid; und sie taten es, und dachten nun aus dem inwendigeren Ich und redeten aus den Gründen, die sie inwendig für die eigene Einsicht gehegt hatten, welche waren, daß alle Einsicht und Weisheit im Menschen wohne und sein Eigen sei; wobei sie sagten: Wer hat je gefühlt, daß sie von Gott einflossen?

Dabei sahen sie einander an und bestärkten sich darin; (es ist etwas Eigentümliches der geistigen Welt, daß der Geist sich wirklich für denjenigen hält, dessen Kleid er trägt; wovon der Grund ist, daß der Verstand daselbst jeglichen bekleidet.) In diesem Augenblick erschien ein Baum neben ihnen, und man sagte ihnen: Es ist der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen, hütet euch, davon zu essen; sie jedoch, von der eigenen Einsicht betört, brannten von Begierde, davon zu essen und sagten untereinander: Warum nicht? ist denn die Frucht nicht gut? und sie traten hinzu und aßen; als der Reichsbotschafter dies bemerkte, taten sie sich zusammen und wurden Herzensfreunde, und gingen den Weg der eigenen Einsicht, der zur Hölle führte, sich an den Händen haltend, zusammen; dennoch aber sah ich sie wieder von dort zurückkehren, weil sie noch nicht zubereitet waren.

664. Vierte Denkwürdigkeit. Einst blickte ich in die geistige Welt nach der Rechten hin und bemerkte einige von den Auserwählten im Gespräche miteinander, und ich ging zu ihnen hin und sagte: Ich habe euch von ferne gesehen und um euch her eine Sphäre himmlischen Lichtes, an der ich erkannte, daß ihr zu denen gehört, die im Wort Auserwählte heißen; weshalb ich herbeikam um zu hören, was ihr Himmlisches untereinander redet; und sie antworteten: Warum nennst du uns Auserwählte? Ich erwiderte: Weil man in der Welt, in der ich dem Körper nach bin, nicht anders weiß, als daß unter den Auserwählten im Wort diejenigen verstanden werden, die, noch bevor sie geboren sind, oder nachdem sie geboren sind, von Gott erwählt und zum Himmel vorherbestimmt werden, und daß ihnen allein der Glaube als Erkennungszeichen der Erwählung geschenkt werde, und daß die übrigen verworfen und sich selbst überlassen werden, um auf jedem ihnen beliebigen Wege zur Hölle zu wandern, während ich jedoch weiß, daß es keine Erwählung gibt, weder vor der Geburt noch nach derselben, sondern daß alle erwählt und vorherbestimmt sind, weil alle zum Himmel berufen sind, und daß der Herr nach dem Tode diejenigen erwählt, die gut gelebt und richtig geglaubt haben, und zwar diese nachdem sie geprüft worden sind. Das dem so ist, ist mir durch viele Erfahrung zu wissen gegeben worden, und weil ich euch sah, das Haupt mit einer Sphäre himmlischen Lichtes umgeben, so erkannte ich, daß ihr zu den Erwählten gehört, die zum Himmel vorbereitet werden. Hierauf antworteten sie: Du bringst Dinge vor, die wir früher nie gehört; wer weiß nicht, daß niemals ein Mensch geboren wird, der nicht zum Himmel berufen wäre, und daß aus ihnen nach dem Tode diejenigen erwählt werden, die an den Herrn geglaubt und nach Seinen Geboten gelebt hatten, und daß eine andere Erwählung anerkennen, soviel wäre, als den Herrn nicht nur selbst der Unmacht, selig zu machen, sondern auch der Ungerechtigkeit beschuldigen.

665. Nach diesem ward aus dem Himmel von den Engeln her, die unmittelbar über uns waren, eine Stimme gehört, welche sprach: Steiget hier herauf, und wir wollen einen von euch, der dem Körper nach noch in der natürlichen Welt ist, fragen, was man dort vom Gewissen weiß. Und wir stiegen hinan, und nach dem Eintritt kamen uns einige Weise entgegen und fragten mich: Was weiß man in deiner Welt vom Gewissen? Und ich antwortete: Ist es gefällig, so wollen wir hinabsteigen und aus den Laien und den Geistlichen eine Anzahl solcher, die für weise gehalten werden, zusammenberufen und uns senkrecht unterhalb euch aufstellen und sie fragen, und ihr werdet mit euren eigenen Ohren hören, was sie antworten. So geschah es auch, und einer von den Erwählten nahm eine Trompete und ließ sie ertönen gegen Mittag, Mitternacht, Morgen und Abend, und nun waren nach Verlauf einer kleinen Stunde so viele beisammen, daß sie beinahe den Raum einer Stadie füllten. Die Engel oberhalb aber ordneten alle in vier Versammlungen, von denen die eine aus Staatsmännern, die andere aus Gelehrten, die dritte aus Ärzten und die vierte aus Geistlichen bestand; zu diesen, nachdem sie geordnet waren, sprachen wir: Verzeihet, daß ihr zusammenberufen wurdet; es geschah deshalb, weil die Engel, die sich senkrecht über uns befinden, von Begierde brennen, zu wissen, was ihr euch in der Welt, in der ihr früher waret, unter dem Gewissen dachtet, und was ihr euch infolgedessen jetzt noch unter demselben denkt, da ihr ja die früheren Vorstellungen von dergleichen noch festhaltet; denn den Engeln wurde berichtet, daß die Kenntnis vom Gewissen in der Welt unter die verlorenen Kenntnisse gehöre. Hierauf schritten wir zur Sache und wandten uns zuerst an die Versammlung, die aus Staatsmännern bestand, mit der Bitte, offenherzig zu sagen, was sie sich unter dem Gewissen gedacht hatten und noch darunter denken. Darauf antworteten sie, einer nach dem anderen, und ihre Antworten gingen, in eine zusammengefaßt dahin, daß sie nichts anderes wissen, als daß das Gewissen sei, bei sich wissen, somit sich bewußt sein, was man beabsichtigt, gedacht, getan, und geredet hat. Allein wir sagten ihnen: Wir haben nicht gefragt nach der Etymologie des Wortes Gewissen, sondern nach dem Gewissen. Und es ward geantwortet: Was ist das Gewissen anderes, als ein Schmerz aus vorgefaßter Furcht vor Gefahren für die Ehre und das Vermögen, und auch für die Geltung wegen dieser beiden? Allein dieser Schmerz wird verscheucht durch die Freuden der Tafel und durch Becher edlen Weines, sowie auch durch Gespräche über die Spiele der Venus und ihres Knaben. Darauf sagten wir: Ihr scherzet; sagt, wenn es gefällig ist, ob irgend jemand unter euch etwas Beängstigendes anderswoher empfunden hat; sie antworteten: Wieso anderswoher? Ist nicht die ganze Welt wie ein Theater, auf dem jeder seine Rolle spielt, wie die Schauspieler auf dem ihrigen? Wir täuschten und hintergingen jeden nach seiner Begierde, diese durch verhöhnende Spielereien, jene durch Schmeicheleien, diese durch listige Ränke, jene durch verstellte Freundschaft, diese durch den Schein der Aufrichtigkeit, jene durch andere politische Kunstgriffe und Lockspeisen, wovon uns kein Schmerz des Gemütes ankommt, sondern im Gegenteil Heiterkeit und Fröhlichkeit, die wir auch mit erweiterter Brust still, aber doch in vollem Maß ausatmen. Zwar hörten wir von einigen aus unserer Genossenschaft, daß sie je zuweilen wie eine Ängstlichkeit und Beklommenheit des Herzens und der Brust angekommen sei, und infolgedessen wie eine Beengung des Geistes; sie sind aber, wenn sie die Apotheker darüber fragten, belehrt worden, daß sie von melancholischen Dünsten entspringend aus Unverdautem im Magen, oder von einem krankhaften Zustand der Milz herkommen. Allein von einigen derselben hörten wir, daß sie durch Arzneimittel in ihre früheren heiteren Stimmungen zurückversetzt worden seien. Nachdem wir dies angehört hatten, wandten wir uns zu der Versammlung, die aus Gelehrten bestand, unter denen auch mehrere Naturforscher waren, und redeten sie an, indem wir sprachen: Ihr, die ihr den Wissenschaften oblaget und daher für Orakel der Weisheit gehalten wurdet, sagt, wenn es gefällig ist, was das Gewissen ist. Und sie antworteten: Welch ein sonderbares Thema! Wir hörten zwar, daß bei einigen Traurigkeit, Gram und Ängstlichkeit vorkomme, die nicht nur die Unterleibsgegenden des Körpers, sondern auch die Wohnstätten des Geistes befällt, (wir glauben nämlich, daß die zwei Gehirne diese Wohnstätten sind,) und weil diese aus zusammenhängenden Fibern bestehen, daß es eine gewisse scharfe Feuchtigkeit ist, welche die Fibern in denselben sticht, beißt und benagt und dadurch die Gedanken des Gemüts so sehr beengt, daß es sich nicht in irgendwelche aus dem Mannigfaltigen sich ergebende Erheiterungen ergießen kann; woher dann kommt, daß der Mensch bloß einem Gegenstand nachhängt, wodurch die Spannkraft und Elastizität jener Fibern zugrunde geht, und die Folge davon ist ihre Widerspenstigkeit und Steifheit, aus welchen eine unregelmäßige Bewegung der animalischen Geister hervorgeht, die von den Ärzten Ataxie genannt wird, und auch eine Abnahme in ihren Verrichtungen, die man Lipothymie nennt. Mit einem Wort, das Gemüt sitzt dann wie von feindlichen Scharen umlagert, und kann sich ebensowenig dahin und dorthin wenden, als ein mit Nägeln festgekeiltes Rad, und ein auf Sandbänken aufsitzendes Schiff. Solche Beklemmungen des Gemütes und daher der Brust befallen die, bei denen die herrschende Liebe einen Verlust leidet; wird ihr Widerstand entgegengesetzt, so ziehen sich die Gehirnfibern zusammen, und diese Zusammenziehung verhindert, daß das Gemüt freien Schwung nehme und sich in mannigfachen Formen Genüsse schaffe. Leute dieser Art befallen, wenn sie in dieser Krise sind, jeden nach seinem Temperament, verschiedenartige Phantasien, Torheiten und Verrücktheiten, und einige auch Rasereien in Religionssachen, die sie dann Gewissensbisse heißen. Nach diesem wandten wir uns an die dritte Versammlung, die aus Ärzten bestand, unter denen ich auch Wundärzte und Apotheker befanden, und zwar sagten wir: Ihr vielleicht wißt, was das Gewissen ist, ob es ein beunruhigender Schmerz ist, der das Haupt und das Drüsenfleisch des Herzens, und von da aus die darunter liegenden Regionen, die des Ober- und des Unterbauches ergreift, oder irgend etwas anderes? Aber diese antworteten: Das Gewissen ist nichts als ein solcher Schmerz; wir vor anderen kennen seine Entstehungsgründe, diese sind nämlich die zufälligen Krankheiten, welche die organischen Teile des Leibes und auch die organischen Teile des Kopfes, mithin auch das Gemüt befallen, weil dieses seinen Sitz in den Organen des Gehirnes hat, wie die Spinne im Mittelpunkt der Fäden ihres Gewebes, durch die sie in gleicher Weise aus- und umherläuft; diese Krankheiten nennen wir organische Krankheiten, und diejenigen derselben welche periodisch wiederkehren, chronische Krankheiten. Ein Schmerz der Art aber, wie er uns von den Kranken unter der Benennung des Gewissensschmerzes beschrieben wird, ist nichts anderes, als eine hypochondrische Krankheit, die zuerst die Milz und dann die Gekrösedrüse und das Gekröse in ihren normalen Verrichtungen stört, woraus dann die Magenleiden und aus diesen die unreinen Säfte entstehen; es findet nämlich eine Zusammenziehung um den Magenmund statt, die man den Magenkrampf nennt, woraus dann die mit schwarzer, gelber und grüner Galle geschwängerten Säfte entspringen, durch welche die kleinsten Blutgefäßchen, die man Haargefäße nennt, verstopft werden, woraus sich dann Schwindsucht, Auszehrung, und Zusammenwachsung und auch unechte Lungenentzündung entwickelt, entstehend aus zähem Schleim und jauchartiger, ätzender Lymphe in der ganzen Masse des Blutes. Ähnliche Erscheinungen ergeben sich aus dem Austreten von Eiter in das Blut und dessen wäßrige Teile infolge des Aufgehens der Eitergeschwüre, Abszesse und Aposteme im Körper, welches Blut, wenn es durch die Kopfschlagadern in den Kopf aufsteigt, die markigen, die rindenartigen und die häutigen Substanzen des Gehirns angreift, zernagt und anfrißt, und so die Schmerzen erregt, die man die des Gewissens nennt. Als wir dies gehört hatten, sagten wir zu ihnen: Ihr redet da die Sprache des Hipokrates und des Galen, die für uns griechisch ist, wir verstehen sie nicht; wir fragten nicht nach jenen Krankheiten, sondern nach dem Gewissen, das bloß dem Gebiet des Gemütes angehört. Darauf erwiderten sie: Die Krankheiten des Gemüts und die des Kopfes sind dieselben, und die letzteren steigen aus dem Körper auf, denn sie hängen zusammen wie zwei Stockwerke eines Hauses, zwischen denen eine Treppe ist, durch die das Auf- und Absteigen vermittelt wird; wir wissen daher, daß der Zustand des Gemüts in unzertrennlicher Abhängigkeit steht vom Zustand des Körpers. Wir aber haben jene Beschwerden und Kopfleiden, die ihr, wie wir merkten, unter den Gewissensschmerzen versteht, geheilt, einige durch Pflaster und blasenziehende Mittel, einige durch Tränke und Emulse, und einige durch Eingemachtes und durch schmerzstillende Mittel. Nachdem wir nun noch weiter ähnliches von ihnen gehört hatten, kehrten wir uns von ihnen ab und wandten uns den Geistlichen zu und sagten: Ihr wisset, was das Gewissen ist; sagt es also und unterrichtet die hier Anwesenden; und sie antworteten: Was Gewissen? Wir wissen es und wissen es nicht; wir glaubten, es sei die Zerknirschung, welche der Erwählung, das heißt, dem Augenblick vorausgeht, in dem der Mensch mit dem Glauben beschenkt wird, durch den ihm ein neues Herz und ein neuer Geist entsteht, und er wiedergeboren wird. Allein wir haben bemerkt, daß diese Zerknirschung nur wenige ankam, bloß einige eine Furcht und daher ein Bangen vor dem höllischen Feuer, und kaum einem vor den Sünden und daher dem gerechten Zorn Gottes; allein diese haben wir Beichtväter geheilt durch das Evangelium, daß Christus durch das Leiden am Kreuz die Verdammnis aufgehoben und so das höllische Feuer ausgelöscht und den Himmel denen aufgetan habe, die durch den Glauben, dem die Zurechnung des Verdienstes des Sohnes Gottes eingeschrieben ist, beseligt werden. Außerdem gibt es Gewissensgrübler aus verschiedener Religion, sowohl der wahren, als der fanatischen, die sich Skrupel machen in Dingen des Heils, nicht bloß in den wesentlichen, sondern auch den mehr formellen, sowie auch in gleichgültigen Dingen; daher wir, wie gesagt, wissen, daß es ein Gewissen gibt, allein was und wie beschaffen das wahre Gewissen ist, das allerdings geistiger Art sein muß, wissen wir nicht.

666. Alles das, was von den vier Versammlungen ausgesprochen worden, hatten die Engel, die über ihnen waren, angehört und sagten untereinander: Wir nehmen wahr, daß auch nicht einer in der Christenheit weiß, was das Gewissen ist; weshalb wir einen von uns hinabsenden wollen, der sie unterrichte, und sogleich stand in der Mitte von jenen ein Engel in weißem Gewand, um dessen Haupt eine leuchtende Umgürtung erschien, in der kleine Sterne waren, und dieser redete die vier Versammlungen an und sprach: Wir hörten im Himmel, wie ihr der Reihe nach eure Ansichten über das Gewissen vortrugt, und daß ihr alle dafür hieltet, es sei ein gewisser Gemütsschmerz, der den Kopf und von diesem aus den Leib, oder den Leib und von diesem aus den Kopf beschwert; allein das Gewissen ist an sich betrachtet nicht irgendein Schmerz, sondern ein geistiges Wollen, den Aussprüchen der Religion und des Glaubens gemäß zu handeln; und daher kommt, daß die, welche ein Gewissen haben, in der Ruhe des Friedens und in innerer Glückseligkeit sind, wenn sie nach dem Gewissen handeln, und in einer gewissen Unruhe, wenn sie gegen dasselbe handeln. Der Gemütsschmerz aber, den ihr für das Gewissen hieltet, ist nicht das Gewissen, sondern ist eine Versuchung, die ein Kampf des Geistes und des Fleisches ist, und diese zieht, wenn sie geistig ist, ihre Ader aus dem Gewissen; ist sie hingegen bloß natürlich, so nimmt sie ihren Ursprung von den Krankheiten, welche die Ärzte vorhin aufgezählt haben. Was aber das Gewissen sei, kann durch Beispiele beleuchtet werden: Ein Geistlicher, der ein geistiges Wollen hat, die Wahrheiten zu lehren, zu dem Ende, daß seine Herde selig werde, hat ein Gewissen, ein solcher aber, der es aus irgendeinem anderen Grund als seinem Zweck tut, hat kein Gewissen; ein Richter, der einzig auf Gerechtigkeit ausgeht und diese mit Urteil übt, hat Gewissen; ein solcher hingegen, der vor allem sein Absehen auf Geschenke, Freundschaften und Gunst hat, hat kein Gewissen. Ferner hat jeglicher Mensch, der die Güter eines anderen bei sich hat, ohne daß der andere es weiß, und so ohne Furcht vor dem Gesetz und vor dem Verlust der Ehre und des Rufes sie als Gewinn behalten kann, gleichwohl aber sie dem anderen zurückgibt, weil sie nicht sein sind, ein Gewissen, denn er tut das Gerechte um des Gerechten willen; so auch, wer zu einem Amt gelangen kann, aber weiß, daß ein anderer, der sich auch um dasselbe bewirbt, der Gesellschaft nützlicher ist, der hat, wenn er um des Besten der Gesellschaft willen die Stelle dem anderen überläßt, ein gutes Gewissen; ebenso im übrigen. Alle die, welche ein Gewissen haben, reden aus dem Herzen, was sie reden, und tun aus dem Herzen, was sie tun; denn sie haben nicht ein geteiltes Gemüt, weil sie nach dem, was, wie sie es verstehen und glauben, wahr und gut ist, reden und handeln. Daraus folgt, daß es bei denen, die mehr als andere in den Wahrheiten des Glaubens, und mehr als andere in klarer Erkenntnis sind, ein vollkommeneres Gewissen geben kann, als bei denen, die weniger erleuchtet und in dunklerer Erkenntnis sind. Im wahren Gewissen ist das eigentliche Leben des geistigen Menschen; denn in ihm ist dessen Glaube verbunden mit der Liebtätigkeit; weshalb aus dem Gewissen handeln für sie soviel ist, als aus ihrem geistigen Leben handeln, und wider das Gewissen handeln, ihnen soviel ist, als gegen jenes ihr Leben handeln. Überdies wer weiß nicht aus dem allgemeinen Sprachgebrauch, was das Gewissen ist, so zum Beispiel wenn man von jemand sagt: dieser hat ein Gewissen, - versteht man dann nicht auch darunter: dieser ist ein gerechter Mensch? Und umgekehrt, wenn man einem sagt: dieser hat kein Gewissen, - versteht man dann nicht auch: dieser ist ungerecht? Als der Engel dies gesagt hatte, wurde er plötzlich in seinen Himmel erhoben, und die vier Versammlungen traten in eine zusammen, und nachdem sie sich über die Aussprüche des Engels eine Weile miteinander unterredet hatten, siehe, da teilten sie sich wieder in vier Versammlungen, aber in andere als zuvor; in eine, in der die waren, welche die Worte des Engels verstanden und ihnen beigestimmt hatten; in eine andere, in der die waren, welche sie nicht verstanden, dennoch aber Beifall gegeben hatten; in eine dritte, in der die waren, welche sie nicht verstehen wollten, indem sie sagten: Was haben wir mit dem Gewissen zu schaffen? und in eine vierte, in der die waren, welche darüber spotteten, indem sie sagten: Was ist das Gewissen, als ein Wind? Und ich sah, wie sie sich voneinander schieden, und dann die zwei erstgenannten Versammlungen zur Rechten abgingen, und die zwei zuletzt genannten zur Linken, und diese sich abwärts wandten, jene aber nach oben sich erhoben.