Je nach seiner Verbindung gibt der Glaube das Urteil ab; verbindet sich der wahre Glaube mit dem Guten, so fällt das Urteil für das ewige Leben, verbindet sich hingegen der Glaube mit dem Bösen, so fällt das Urteil für ewigen Tod

654. Die Werke der Liebtätigkeit, die von einem Christen, und solche, die von einem Heiden geübt werden, erscheinen in der äußeren Gestalt einander ähnlich; denn der eine wie der andere erweist dem Genossen das Gute der Höflichkeit und Sittlichkeit, das zum Teil dem Guten der Nächstenliebe ähnlich sieht; ja er kann den Armen geben, den Dürftigen beistehen und in den Kirchen die Predigten anhören; allein wer könnte hieraus urteilen, ob dieses äußere Gute sich gleich ist in der inneren Gestalt, oder ob das Natürliche auch geistig ist? Darauf läßt sich nur aus dem Glauben schließen, denn der Glaube gibt ihm seine Beschaffenheit; der Glaube nämlich macht, daß Gott darin ist, und verbindet es mit sich im inneren Menschen, infolgedessen das natürliche Gute geistig wird. Daß dem so ist, kann man vollständiger ersehen aus dem, was im Kapitel vom Glauben ausgeführt worden ist, wo folgendes nachgewiesen wurde:

- Daß der Glaube nicht lebe, bevor er mit der Liebtätigkeit verbunden ist. Daß die Liebtätigkeit aus dem Glauben, und der Glaube aus der Liebtätigkeit geistig werde.

- Daß der Glaube ohne die Liebtätigkeit, weil sie nicht geistig ist, nicht Glaube sei, und daß die Liebtätigkeit ohne den Glauben, weil er nicht lebt, nicht Liebtätigkeit sei.

- Daß der Glaube und die Liebtätigkeit sich gegenseitig aneinander anschließen und sich miteinander verbinden.

- Daß der Herr, die Liebtätigkeit und der Glaube eins ausmachen, wie das Leben, der Wille und der Verstand, wenn sie aber geteilt werden, jegliches zugrunde gehe, wie eine in Staub zerfallene Perle.

655. Aus dem Angeführten kann man ersehen, daß der Glaube an den einen und wahren Gott macht, daß das Gute gut ist auch in der inneren Gestaltung, und umgekehrt, daß der Glaube an einen falschen Gott macht, daß das Gute bloß in der äußeren Gestaltung gut ist, welches nicht an sich gut ist, wie z.B. der Glaube der ehemaligen Heiden an Jupiter, Juno und Apollo, der der Philister an Dagon, und anderer an Baal und Baalpeor, so wie der des Magiers Bileam an seinen Gott, und der der Ägypter an mehrere.

Ganz anders der Glaube an den Herrn, Welcher der wahre Gott und das ewige Leben ist, nach 1Joh.5/20, und in Dem die ganze Fülle der Göttlichkeit leiblich wohnt, nach Paulus, Kol.2/9. Was ist der Glaube an Gott anderes als ein Aufblick zu Ihm, und daher [Seine] Gegenwart, und zugleich die Zuversicht, daß Er helfe? und was ist der wahre Glaube anderes, als eben dies und zugleich die Zuversicht, daß alles Gute von Ihm sei, und Er bewirke, daß Sein Gutes seligmachend wird? Verbindet sich also dieser Glaube mit dem Guten, so fällt das Urteil für das ewige Leben; ganz anders aber, wenn er sich nicht mit dem Guten, und mehr noch, wenn er sich mit dem Bösen verbindet.

656. Wie die Verbindung der Liebtätigkeit und des Glaubens bei denen ist, die an drei Götter glauben, und dennoch sagen, sie glauben an einen, ist oben gezeigt worden, daß nämlich die Liebtätigkeit sich mit dem Glauben bloß im äußeren natürlichen Menschen verbindet. Der Grund ist, weil sein Gemüt im Denkbild von drei Göttern ist, und sein Mund im Bekenntnis eines Gottes; daher würde das Gemüt, wenn es sich in demselben Augenblick in das Bekenntnis des Mundes ergösse, das Aussprechen eines Gottes unterdrücken, und die Lippen öffnen und seine drei Götter herausstoßen.

657. Daß das Böse und der Glaube an den einen und wahren Gott nicht beisammen sein können, kann jeder aus der Vernunft sehen, denn das Böse ist wider Gott, und der Glaube ist für Gott, auch ist das Böse Sache des Willens, und der Glaube ist Sache des Denkens, und der Wille fließt in den Verstand ein und macht, daß er denkt, nicht aber umgekehrt; der Verstand lehrt nur, was man wollen und tun soll, deshalb ist das Gute, das ein solcher Mensch tut, an sich Böses; es ist wie ein glänzender Knochen, dessen Mark faulig ist; es ist wie ein Schauspieler auf der Bühne, der die Rolle eines Magnaten spielt; und es ist wie das hübsche Angesicht einer abgenützten Buhlerin; auch ist es wie ein mit silberfarbigen Flügeln umherflatternder Schmetterling, der seine kleinen Eier auf die Blätter eines guten Baumes legt, wovon dann alle Frucht des letzteren verdirbt; es ist wie ein wohlriechender Rauch aus einer Giftpflanze, ja es ist wie ein gesitteter Straßenräuber und ein frommer Verleumder; weshalb denn sein Gutes, das an sich Böses ist, sich inwendig im Gemach befindet, sein Glaube aber, der im Vorhof auf- und niedergeht und räsoniert, eine bloße Chimäre, Mumme und Blase ist. Hieraus erhellt die Wahrheit des Satzes, daß der Glaube das Urteil fällt über das Gute und Böse, das mit ihm verbunden wird.