II. Im Wort ist ein bis jetzt unbekannter geistiger Sinn

193. Wer erkennt nicht an und stimmt nicht bei, wenn man sagt, daß das Wort, weil es göttlich ist, in seinem Inneren geistig sei? Allein wer hat bis jetzt gewußt, was das Geistige ist, und wo es im Wort verborgen liegt? Was aber das Geistige sei, soll in einer Denkwürdigkeit nach diesem Kapitel enthüllt werden, und wo es im Wort verborgen liegt, in dem nun folgenden.

Das Wort ist aber in seinem Inneren geistig, weil es von Jehovah dem Herrn hernieder gekommen und durch den engelischen Himmel hindurchgegangen, und das Göttliche selbst, das in sich unaussprechlich und unvernehmbar ist, im Herniedersteigen der Fassungskraft der Engel und zuletzt der Fassungskraft der Menschen angepaßt worden ist, daher ist sein geistiger Sinn, welcher inwendig im Natürlichen ist, wie die Seele im Menschen, wie der Gedanke des Verstandes in der Rede, und die Neigung des Willens in der Handlung. Und wenn ein Vergleich erlaubt ist mit solchen Dingen, die in der natürlichen Welt vor den Augen erscheinen, so ist der geistige Sinn im natürlichen Sinn, wie das gesamte Gehirn innerhalb seiner Hirnhäute oder Mütter, oder wie die Schoße eines Baumes innerhalb ihrer Rinden und Baste, ja wie alle [Bedingungen] der Erzeugung eines Küchleins in der Schale des Eies, und so weiter. Allein, daß ein solcher geistiger Sinn des Wortes in seinem natürlichen Sinn enthalten sei, wurde bis jetzt von niemanden geahnt; es ist daher nötig, daß dieses Geheimnis, das an sich über alle bisher entdeckten Geheimnisse hervorragt, vor dem Verstand herausgestellt werde, was geschehen wird durch eine Auseinandersetzung in folgender Ordnung:

I. Was ist der geistige Sinn.

II. Dieser Sinn ist in allem und jedem des Wortes.  

III. Von ihm rührt es her, daß das Wort von Gott eingegeben und in jedem Wörtchen heilig ist.

IV. Dieser Sinn war bisher unbekannt.

V. Derselbe wird nach diesem keinem gegeben, wofern er nicht in den reinen Wahrheiten vom Herrn ist.

VI. Wunderbares vom Wort aus seinem geistigen Sinn.

Diese Dinge sollen nun im einzelnen entwickelt werden.

194. I. Was ist der geistige Sinn.

Der geistige Sinn ist nicht der, welcher aus dem Buchstabensinn hervorleuchtet, wenn jemand im Wort forscht und es erklärt, um irgendeine Lehrbestimmung der Kirche zu begründen; dieser Sinn kann der buchstäbliche und kirchliche Sinn des Wortes genannt werden. Der geistige Sinn aber erscheint nicht im Buchstabensinn, er ist inwendig in diesem, wie die Seele im Leib, wie der Gedanke des Verstandes in den Augen, und wie das Gefühl der liebe im Angesicht. Dieser Sinn macht es hauptsächlich, daß das Wort geistig ist, nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Engel; weshalb das Wort durch diesen Sinn mit den Himmeln in Verbindung steht. Weil das Wort inwendig geistig ist, so ist es in lauter Entsprechungen geschrieben, und was in Entsprechungen geschrieben ist, das ist im untersten Sinn in einem Stil geschrieben, wie bei den Propheten, den Evangelisten und in der Offenbarung, welcher, obwohl er als alltäglich erscheint, dennoch die göttliche und die ganze engelische Weisheit in sich birgt. Was Entsprechung sei, kann man in dem 1758 zu London herausgegebenen Werk vom Himmel und der Hölle sehen, wo gehandelt worden ist von der Entsprechung aller Dinge des Himmels mit allen Dingen des Menschen, Nr. 87 - 102 und von der Entsprechung aller Dinge des Himmels mit allen Dingen der Erde, Nr. 103 - 115, und weiter wird man es ersehen aus den Beispielen, die unten aus dem Wort angeführt werden sollen.

195. Vom Herrn geht das himmlisch Göttliche, das geistig Göttliche und das natürlich Göttliche, eines nach dem anderen hervor. Himmlisch Göttliches wird alles das genannt, was von Seiner göttlichen Liebe ausgeht, und alles dieses ist das Gute; geistig Göttliches wird alles das genannt, was von Seiner göttlichen Weisheit hervorgeht, und alles dieses ist das Wahre. Das natürlich Göttliche ist aus beiden, und ist ihre Zusammenfassung im Letzten. Die Engel des himmlischen Reiches, aus denen der dritte oder oberste Himmel besteht, sind in dem Göttlichen, das vom Herrn ausgeht, und das Himmlische genannt wird; denn sie sind im Guten der Liebe vom Herrn. Die Engel des geistigen Reiches des Herrn, aus denen der zweite oder mittlere Himmel besteht, sind in dem Göttlichen, das vom Herrn ausgeht, und das Geistige genannt wird; denn sie sind in der göttlichen Weisheit vom Herrn. Die Engel des natürlichen Reiches des Herrn, aus denen der erste oder unterste Himmel besteht, sind in dem Göttlichen, das vom Herrn ausgeht, und das natürlich Göttliche genannt wird, und sind im Glauben der Liebtätigkeit vom Herrn. Die Menschen der Kirche aber sind Jesajah nach ihrer Liebe, Weisheit und ihrem Glauben in einem von diesen Reichen, und in welchem sie sind, in das kommen sie auch nach dem Tode. Wie der Himmel beschaffen ist, so ist auch das Wort des Herrn beschaffen: in seinem letzten Sinn ist es Natürliches, im Inneren ist es Geistiges, und im Innersten Himmlisches, und in jeglichem Göttliches; weshalb es den Engeln der drei Himmel und auch den Menschen angepaßt ist.

196. II. In allem und jedem des Wort ist ein geistiger Sinn.

Dies kann am besten an Beispielen ersehen werden, welche folgende sein sollen. Johannes sagt in der Offenbarung: „Ich sah den Himmel offen, und siehe, ein weißes Pferd, und Der darauf saß, hieß der Treue und Wahre, und Der in Gerechtigkeit richtet und kämpft; und Seine Augen [waren wie] eine Feuerflamme, und auf Seinem Haupte viele Diademe. Er hatte einen geschriebenen Namen, den niemand kennt, als Er selbst; und war angetan mit einem in Blut getauchten Kleid, und Sein Name heißt das Wort Gottes. Seine Heere im Himmel folgten Ihm auf weißen Pferden, angetan mit weißem und reinem Byssus. Er hat auf Seinem Gewand und auf Seiner Hüfte den geschriebenen Namen König der Könige und Herr der Herren. Ich sah ferner einen Engel in der Sonne stehen, der mit großer Stimme rief: Kommt und versammelt euch zum großen Mahl, damit ihr esset Fleisch der Könige und Fleisch der Obersten und Fleisch der Starken und Fleisch der Pferde und derer, die auf ihnen sitzen, und Fleisch aller Freien und Knechte und Kleinen und Großen“: Offb.19/11-18. Was dies bedeutet, kann niemand sehen, außer aus dem geistigen Sinn des Wortes, und niemand den geistigen Sinn, außer aus der Wissenschaft der Entsprechungen; denn alle Wörter sind Entsprechungen, und kein Wort ist bedeutungslos. Die Wissenschaft der Entsprechungen lehrt, was das weiße Pferd bedeutet, was Der auf ihm Sitzende, was die Augen, die wie eine Feuerflamme [waren], was die Diademe auf dem Haupt, was das in Blut getauchte Kleid, was der weiße Byssus, mit dem die von Seinem Heer im Himmel angetan waren; was der in der Sonne stehende Engel, was das große Mahl, zu dem sie kommen und sich versammeln, dann was das Fleisch der Könige und der Obersten und vieler anderen, das sie essen sollten. Was aber diese Einzelheiten im geistigen Sinn bezeichnen, kann man in der »Enthüllten Offenbarung« von Nr. 820 - 838, und in dem kleinen Werk vom »Weißen Pferd« erklärt finden; weshalb sich hier der Mühe überhoben wird, sie weiter zu erklären. Dort ist gezeigt worden, daß der Herr hinsichtlich des Wortes hier geschildert wird, und daß unter Seinen Augen, die wie eine Feuerflamme waren, verstanden wird die göttliche Weisheit Seiner göttlichen Liebe; und unter den Diademen, die auf Seinem Haupt waren, und unter den Namen, den niemand kennt, als Er selbst, verstanden werden die göttlichen Wahrheiten des Wortes aus Ihm, und daß, wie das Wort in seinem geistigen Sinn beschaffen ist, niemand sieht, als der Herr, und wem Er es offenbart. Ferner, daß unter dem in Blut getauchten Gewand verstanden wird der natürliche Sinn des Wortes, welcher der Sinn seines Buchstabens ist, dem Gewalt angetan wurde. Daß es das Wort ist, das so beschrieben wird, stellt sich deutlich heraus; denn es heißt: Sein Name wird genannt das Wort Gottes; daß es der Herr ist, welcher verstanden wird, erhellt auch deutlich, denn es heißt, daß der Name des auf dem weißen Pferd Sitzenden war König der Könige und Herr der Herren, gerade wie in der Offb.17/14, wo es heißt: „Und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr der Herren und der König der Könige“. Daß der geistige Sinn des Wortes am Ende der Kirche aufgeschlossen werden sollte, wird nicht nur bezeichnet durch das, was vom weißen Pferd und von dem auf ihm Sitzenden gesagt worden ist, sondern auch durch das große Mahl, zu dem durch den in der Sonne stehenden Engel alle eingeladen wurden, zu kommen und zu essen das Fleisch der Könige, und der Obersten usw., wodurch die Aneignung alles vom Herrn kommenden Guten bezeichnet wird. Alle hier vorkommenden Ausdrücke wären bedeutungslose Wörter und ohne Leben und Geist, wofern nicht ein geistiger Sinn inwendig in ihnen wäre, wie die Seele im Leib.

197. In der Offenbarung Kap.21 wird das neue Jerusalem also beschrieben: „Daß in ihm sein sollte ein Licht, gleich dem kostbarsten Stein, gleich dem Stein Jaspis, der wie Kristall glänzt; daß es haben sollte eine große und hohe Mauer, mit zwölf Toren, und auf den Toren zwölf Engel, und darauf geschrieben die Namen der zwölf Stämme Israels. Daß die Mauer halten sollte 144 Ellen, welches das Maß eines Menschen, das ist, eines Engels ist; und daß der Bau der Mauer sein sollte von Jaspis und ihre Gründe von jedem kostbaren Stein, von Jaspis, Saphir, Chalcedon, Smaragd, Sardonyx, Sarder, Chrysolith, Beryll, Topas, Chrysopras, Hyazinth und Amethyst. Daß die Tore sein sollten zwölf Perlen. Daß die Stadt selbst sein sollte von reinem Gold, gleich reinem Glas; und daß sie viereckig sein sollte, Länge, Breite und Höhe einander gleich, von 12.000 Stadien“, und dergleichen mehr. Daß alles dies geistig zu verstehen ist, kann daraus erhellen, daß unter dem neuen Jerusalem verstanden wird die neue Kirche, die vom Herrn gegründet werden soll, wie in der »Enthüllen Offenbarung« Nr. 880 gezeigt worden ist; und weil durch Jerusalem dort eine Kirche bezeichnet wird, so folgt, daß alles, was von ihr als Stadt gesagt wird, von ihren Toren, von ihrer Mauer, von den Grundlagen der Mauer, dann auch von ihren Maßen, einen geistigen Sinn in sich schließt, weil die zur Kirche gehörigen Dinge geistig sind. Was sie aber bedeuten, ist in der »Enthüllten Offenbarung« Nr. 896 - 925 nachgewiesen worden; weshalb ein weiterer Nachweis etwas Überflüssiges wäre. Es ist genug, daß man daraus weiß, daß den Einzelheiten seiner Beschreibung ein geistiger Sinn inne wohnt, wie die Seele dem Körper, und daß ohne diesen Sinn nichts zur Kirche Gehöriges in dem, was hier geschrieben steht, verstanden würde, zum Beispiel daß jene Stadt von reinem Gold, ihre Tore von Perlen, die Mauer von Jaspis, die Grundlagen der Mauer von kostbaren Steinen sein sollten; daß die Mauer 144 Ellen, welches das Maß eines Menschen, das ist, eines Engels ist, halten sollte, und daß die Stadt eine Länge, Breite und Höhe von 12.000 Stadien haben sollte, und dergleichen mehr. Wer hingegen aus der Wissenschaft der Entsprechungen den geistigen Sinn weiß, der versteht diese Dinge, so z.B. daß die Mauer und ihre Grundlagen die Lehrbestimmungen jener Kirche aus dem Buchstaben des Wortes bedeuten; und daß die Zahlen 12, 144, 12.000 alle zu ihr gehörigen Dinge, oder ihre Wahrheiten und ihr Gutes in einem Inbegriff bezeichnen.

198. Wo der Herr von der Vollendung des Zeitlaufs, welche die letzte Zeit der Kirche ist, vor Seinen Jüngern spricht, da sagt Er, am Ende der Vorhersagung über ihre aufeinanderfolgenden Zustandsveränderungen: „Gleich nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verdunkelt werden, und der Mond sein Licht nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel, und dann werden wehklagen alle Stämme der Erde, und werden sehen des Menschen Sohn kommen in des Himmels Wolken mit vieler Kraft und Herrlichkeit, und Er wird aussenden [Seine] Engel mit großem Posaunenschall, und sie werden sammeln Seine Auserwählten von den vier Winden, vom Äußersten der Himmel bis zum Äußerten derselben“: Matth.24/29-31. Hierunter wird im geistigen Sinn nicht verstanden, daß Sonne und Mond verdunkelt werden sollten, daß die Sterne vom Himmel fallen sollten, und daß ein Zeichen des Herrn am Himmel erscheinen und man Ihn sehen sollte in den Wolken, und zugleich Engel mit Posaunen; sondern unter den einzelnen Worten werden hier geistige Dinge verstanden, welche die Kirche betreffen, von deren Zustand am Ende sie gesagt worden sind; denn im geistigen Sinn wird unter der Sonne, die verdunkelt werden wird, die Liebe zum Herrn verstanden; unter dem Mond, der seinen Schein nicht geben wird, wird der Glaube an Ihn verstanden; unter den Sternen, die vom Himmel fallen werden, werden verstanden die Erkenntnisse des Wahren und Guten; unter dem Zeichen des Menschensohnes am Himmel wird verstanden die Erscheinung des göttlich Wahren im Wort von Ihm her; unter den Stämmen der Erde, welche wehklagen werden, wird verstanden der Mangel alles Wahren, das zum Glauben, und alles Guten, das zur Liebe gehört; unter der Ankunft des Menschensohnes in den Wolken des Himmels mit Macht und Herrlichkeit wird verstanden die Gegenwart des Herrn im Wort und die Offenbarung; durch die Wolken des Himmels wird der Buchstabensinn des Wortes bezeichnet, und durch die Herrlichkeit der geistige Sinn des Wortes. Unter den Engeln mit lautem Posaunenschall wird verstanden der Himmel, aus dem das göttlich Wahre [kommt]; unter dem Versammeln der Auserwählten von den vier Winden, vom Äußersten der Himmel bis zum Äußersten derselben, wird verstanden ein neuer Himmel und eine neue Kirche aus denen, die Glauben an den Herrn haben und nach Seinen Geboten leben. Daß nicht eine Verfinsterung der Sonne und des Mondes, noch ein Herabfallen der Sterne auf die Erde verstanden wird, ergibt sich deutlich aus den Propheten, bei denen ähnliches gesagt wird vom Zustand der Kirche zur Zeit, da der Herr in die Welt kommen würde, als bei Jes.13/9-11: „Siehe, kommen wird der Tag Jehovahs, und der Entbrennung des Zorns; die Sterne der Himmel und ihre Gestirne werden nicht mit ihrem Lichte leuchten, verfinstert wird die Sonne in ihrem Aufgang werden und der Mond nicht leuchten lassen seinen Schein; heimsuchen werde Ich auf dem Erdkreis die Bosheit“. Bei Joel 3/4,[2/2]; 4/15: „Es kommt Jehovahs Tag, ein Tag der Finsternis und Dunkelheit, es werden die Sonne und der Mond geschwärzt sein und die Sterne ihren Glanz zurückziehen“. Bei Ez.32/7,8: „Verhüllen werde Ich die Himmel und die Sterne schwärzen, die Sonne mit einer Wolke verdecken, und der Mond wird seinen Schein nicht leuchten lassen; alle Leuchten des Lichtes werde Ich verhüllen und Finsternis verbreiten auf der Erde“; unter dem Tag Jehovahs wird verstanden die Ankunft des Herrn, welche statthatte, als gar nichts Gutes der Liebe und nichts Wahres des Glaubens mehr in der Kirche übrig war, und gar keine Erkenntnis des Herrn; darum heißt derselbe der Tag der Finsternis und Dunkelheit.

199. Daß der Herr, als Er in der Welt war, in Entsprechungen, somit auch geistig, wenn natürlich, sprach, kann man an Seinen Gleichnissen sehen, deren einzelnen Wörtern ein geistiger Sinn innewohnt; als Beispiel diene das Gleichnis von den zehn Jungfrauen. Er sagte: „Das Himmelreich ist gleich zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen; fünf von ihnen waren klug, fünf hingegen töricht. Die Törichten nahmen ihre Lampen, ohne Öl mitzunehmen, die Klugen aber nahmen Öl in ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden alle schläfrig und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt, geht aus, Ihm entgegen; da wachten alle diese Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen, die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen; allein die Klugen erwiderten und sprachen: Es möchte für uns und euch nicht zureichen; geht lieber hin zu den Verkäufern und kaufet euch selbst. Indem sie aber hingingen um zu kaufen, kam der Bräutigam, und die bereit waren, gingen mit Ihm ein zur Hochzeit; und die Türe ward verschlossen. Und endlich kamen auch die übrigen Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr! Tue uns auf! Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, Ich sage euch, Ich kenne euch nicht“: Matth.25/1-12. Daß in diesen Einzelheiten ein geistiger Sinn und somit göttlich Heiliges ist, wird nicht gesehen, wenn man nicht weiß, daß es einen geistigen Sinn gibt und wie er beschaffen ist. Im geistigen Sinn wird unter dem Himmelreich der Himmel und die Kirche verstanden; unter dem Bräutigam der Herr; unter der Hochzeit die Vermählung des Herrn mit jenen durch das Gute der Liebe und das Wahre des Glaubens. Unter den Jungfrauen diejenigen, die der Kirche angehören; unter den zehn alle; unter fünf irgendein Teil. Unter den Lampen die Dinge des Glaubens; unter dem Öl das, was zum Guten der Liebe gehört. Unter Schlafen und Erwachen das Leben des Menschen in der Welt, welches natürlich, und sein Leben nach dem Tode, welches geistig ist. Unter kaufen sich erwerben; unter hingehen zu den Verkäufern und Öl kaufen, sich das Gute der Liebe von anderen nach dem Tod erwerben; und weil man es sich alsdann nicht mehr erwirbt, so wurde ihnen, obwohl sie mit den Lampen und dem gekauften Öl vor die Tür kamen, wo die Hochzeit war, dennoch vom Bräutigam gesagt: ‚Ich kenne euch nicht‘; der Grund ist, weil der Mensch nach dem Leben in der Welt so bleibt, wie er in der Welt gelebt hatte. Hieraus erhellt, daß der Herr in lauter Entsprechungen sprach, und zwar weil aus dem Göttlichen, das in Ihm und Sein Eigen war. Weil die Jungfrauen die der Kirche Angehörigen bezeichnen, darum wird so oft im prophetischen Wort gesprochen von Jungfrau und Tochter Zions, Jerusalems, Jehudahs, Israels; und weil das Öl das Gute der Liebe bedeutet, so wurden alle heiligen Dinge der Kirche mit Öl gesalbt. Ähnliches liegt in allen übrigen Gleichnissen und in allen Worten, die der Herr gesprochen hat; daher kommt, daß der Herr sagt: ‚Seine Worte seien Geist und Leben‘: Joh.6/63.

200. III. Vom geistigen Sinn rührt es her, daß das Wort von Gott eingegeben, und in jedem Wort heilig ist.

Man sagt in der Kirche, das Wort sei heilig, und dies, weil Jehovah der Herr es gesprochen hat. Weil aber sein Heiliges im bloßen Buchstabensinn nicht erscheint, so bestärkt sich, wer deshalb an seiner Heiligkeit einmal zweifelt, nachher, wenn er das Wort liest, durch vieles in demselben; denn er sagt bei sich selbst: Ist dies heilig, ist dies göttlich? Damit nun nicht ein solches Denken bei vielen sich

einschleiche und nachher sich festsetze, und infolgedessen das Wort als eine wertlose Schrift verworfen werde, und dadurch die Verbindung des Herrn mit solchen Menschen zugrunde gehe, hat es dem Herrn gefallen, den geistigen Sinn desselben jetzt zu offenbaren, damit man wisse, wo das göttlich Heilige in ihm verborgen liegt. Doch Beispiele mögen dies beleuchten: Im Wort wird zuweilen von Ägypten, zuweilen von Aschur, zuweilen von Edom, von Moab, von den Kindern Ammons, von den Philistern, von Tyrus und Sidon, von Gog gehandelt; wer nicht weiß, daß durch die Namen derselben Dinge des Himmel und der Kirche bezeichnet werden, kann in den Irrtum verfallen, daß das Wort viel von Völkern und Nationen, und nur wenig vom Himmel und der Kirche handle, somit viel von weltlichen und wenig von himmlischen Dingen; weiß er aber, was durch jene oder durch ihre Namen bezeichnet wird, so kann er vom Irrtum wieder zur Wahrheit zurückgebracht werden. Ebenso wenn er im Wort sieht, daß in demselben so oft Gärten, Haine, Wälder, dann deren Bäume, als der Ölbaum, der Weinstock, die Zeder, die Pappel, die Eiche, und daß so oft das Lamm, das Schaf, der Bock, das Kalb, der Stier, und auch Berge, Hügel, Täler, und in denselben Quellen, Flüsse, Wasser und mehr dergleichen genannt werden, so kann, wer nichts vom geistigen Sinn des Wortes weiß, nicht anders glauben, als daß es bloß diese Dinge seien, welche darunter verstanden werden; denn er weiß nicht, daß unter Garten, Hain und Wald verstanden werden Weisheit, Einsicht und Wissenschaft; daß unter Ölbaum, Weinstock, Zeder, Pappel und Eiche verstanden werden das himmlische, geistige, vernunftmäßige, natürliche und sinnliche Gute und Wahre der Kirche, daß unter Lamm, Schaf, Bock, Kalb, Stier verstanden werden Unschuld, Liebtätigkeit und natürliche Neigung, daß unter den Bergen, Hügeln und Tälern verstanden werden die oberen, unteren und untersten Dinge der Kirche. Ferner daß durch Ägypten bezeichnet wird das Wissenschaftliche, durch Aschur das Vernunftmäßige, durch Edom das Natürliche, durch Moab die Schändung des Guten, durch die Söhne Ammons die Verfälschung des Wahren, durch die Philister der Glaube ohne Liebtätigkeit, durch Tyrus und Sidon die Erkenntnisse des Guten und Wahren, durch Gog der äußere Gottesdienst ohne den inneren. Im allgemeinen wird unter Jakob im Wort verstanden die natürliche Kirche, durch Israel die geistige Kirche und durch Jehudah die himmlische Kirche. Wenn der Mensch dieses und jenes weiß, dann kann er sich denken, daß das Wort bloß von himmlischen Dingen handle, und das jene weltlichen Dinge bloß die Unterlagen seien, auf denen jene ruhen. Doch ein Beispiel aus dem Wort möge auch dies beleuchten; man liest bei Jes.19/23-25: „An jenem Tag wird sein ein Fußpfad aus Ägypten nach Aschur, damit Aschur nach Ägypten komme, und Ägypten nach Aschur, und dienen die Ägypter mit Aschur. An jenem Tage wird Israel das Dritte sein für Ägypten und Aschur, ein Segen inmitten des Landes, welches segnen wird Jehovah Zebaoth und sprechen: Gesegnet sei Mein Volk Ägypten, und Meiner Hände Werk Aschur, und Meine Erbschaft Israel“. Hierunter wird im geistigen Sinn verstanden, daß zur Zeit der Ankunft des Herrn das Wissenschaftliche, das Vernunftmäßige und das Geistige eines ausmachen, und daß alsdann das Wissenschaftliche dem Vernunftmäßigen, und beides dem Geistigen dienen werde; denn, wie gesagt, durch Ägypten wird das Wissenschaftliche, durch Aschur das Vernunftmäßige und durch Israel das Geistige bezeichnet: unter dem zweimal genannten Tag wird die erste und zweite Ankunft des Herrn verstanden.

201. IV. Der geistige Sinn des Wortes war bisher unbekannt.

Daß alles und jedes, was in der Natur ist, geistigen Dingen entspricht, und ebenso alles und jedes, was im menschlichen Körper ist, ist in dem Werk von »Himmel und der Hölle«, Nr. 87 - 105 gezeigt worden. Was aber Entsprechung sei, wußte man bisher nicht; in den ältesten Zeiten hingegen war sie vollständig bekannt; denn für die, welche damals lebten, war die Wissenschaft der Entsprechungen die Wissenschaft der Wissenschaften, und so allgemein, daß alle ihre Schriften und Bücher in Entsprechungen geschrieben waren; das Buch Hiob, welches ein Buch der Alten Kirche ist, ist voll von Entsprechungen. Die Hieroglyphen der Ägypter und auch die Mythen der Urmenschen waren nichts anderes. Alle alten Kirchen waren Geistiges vorbildende Kirchen; ihre Gebräuche und auch die Satzungen, nach denen ihr Gottesdienst eingerichtet war, bestanden aus lauter Entsprechungen, ebenso alle Dinge der Kirche bei den Kindern Israels: die Brandopfer, die Sühnopfer, die Speis- und Trankopfer mit ihren Einzelheiten waren Entsprechungen; ebenso die Stiftshütte mit allen befindlichen Dingen; dann auch ihre Feste, z.B. das Fest der ungesäuerten Brote, das Laubhüttenfest und das Fest der Erstlinge; auch das Priestertum Aarons und der Leviten, so wie ihre heiligen Gewänder; welches aber die geistigen Dinge waren, denen jene und diese entsprachen, ist in den zu London herausgegebenen »Himmlischen Geheimnissen« gezeigt worden. Außerdem waren auch alle Satzungen und Rechtsverhältnisse, die ihren Gottesdienst und ihr Leben betrafen, Entsprechungen. Da sich also die göttlichen Dinge in der Welt in Entsprechungen darstellen, so ist auch das Wort in lauter Entsprechungen geschrieben worden; weshalb der Herr, weil Er aus dem Göttlichen sprach, in Entsprechungen sprach; denn was aus dem Göttlichen ist, das fällt in der Natur in Dinge, die den göttlichen Dingen entsprechen, und die dann die göttlichen Dinge, welche die himmlischen und geistigen heißen, in ihrem Schoße bergen.

202. Ich bin unterrichtet worden, daß die Menschen der Ältesten Kirche, die vor der Sündflut bestand, von so himmlischer Art waren, daß sie mit den Engeln des Himmels redeten, und daß sie mit denselben reden konnten durch Entsprechungen; infolgedessen sie zu einer solchen Stufe der Weisheit gelangten, daß sie über alles, was sie auf Erden sahen, nicht bloß natürlich, sondern auch zugleich geistig, und so in Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels dachten. Noch weiter bin ich unterrichtet worden, daß Chanoch, dessen im ersten Buch Mose Kap.5/21-24 erwähnt wird, mit seinen Genossen aus ihrem Munde die Entsprechungen gesammelt, und deren Kenntnis auf die Nachkommen fortgepflanzt habe; was dann die Folge hatte, daß die Wissenschaft der Entsprechungen in vielen Reichen Asiens, besonders im Lande Kanaan, in Ägypten, Assyrien, Chaldäa, Syrien, Arabien, Tyrus, Sidon, Ninive, nicht nur bekannt, sondern auch ausgebildet war, und von da nach Griechenland verpflanzt, hier aber in Mythisches verkehrt wurde, wie dies aus den Schriften der dortigen Urbewohner erhellen kann.

203. Damit man sehen könne, daß die Wissenschaft der Entsprechungen bei den Völkerschaften in Asien, welche Weissager und Weise und von einigen auch Magier genannt wurden, sich lange erhielt, will ich nur ein Beispiel aus 1Sa. Kap.5 und 6 anführen. Hier wird erzählt, daß die Lade, in der die zwei Tafeln lagen, auf welche die Zehn Gebote geschrieben waren, von den Philistern weggenommen und im Götzentempel Dagons zu Aschdod aufgestellt worden, und daß Dagon vor derselben zur Erde gefallen sei, und nachher dessen Kopf mit den beiden Händen, vom Leibe getrennt, auf der Schwelle des Tempels gelegen habe, und daß die von Aschdod und Ekron der Lade wegen zu mehreren Tausenden mit Goldadergeschwülsten geschlagen wurden, und ihr Land durch Mäuse verwüstet wurde; und daß die Philister deshalb die Statthalter und Weissager zusammenberiefen und, um ihren Untergang abzuwenden, beschlossen, fünf Goldadergeschwülste und fünf Mäuse von Gold zu machen, und einen neuen Wagen, und auf diesen die Lade zu legen, und neben sie die Blutgeschwülste und die Mäuse von Gold, und durch zwei Kühe, welche auf dem Wege vor dem Wagen blökten, die Lade zu den Kindern Israels zurückzusenden, von denen die Kühe und der Wagen geopfert wurden, und so der Gott Israels versöhnt wurde. Daß alle diese von den Weissagern der Philister ausgedachten Dinge Entsprechungen waren, erhellt aus ihrer Bedeutung, welche folgende ist: Die Philister selbst bezeichneten diejenigen, welche in dem von der Liebtätigkeit getrennten Glauben sind; Dagon bildete diesen Aberglauben vor. Die Goldadergeschwülste, mit denen sie geschlagen wurden, bezeichneten die natürlichen Triebe, die, getrennt von der geistigen Liebe, unrein sind; und die Mäuse bezeichneten die Verwüstung der Kirche durch die Verfälschungen des Wahren. Der neue Wagen bezeichnete die natürliche Kirchenlehre; denn die Wagen bedeuten im Wort die aus geistigen Wahrheiten hervorgehende Lehre; die Kühe bezeichneten die natürlichen guten Neigungen; die Blutgeschwüre von Gold bezeichneten die gereinigten und gut gewordenen natürlichen Triebe; die Mäuse von Gold bezeichneten die durch das Gute aufgehobene Verwüstung der Kirche; denn das Gold bedeutet im Wort das Gute. Das Blöken der Kühe auf dem Wege bezeichnete die schwierige Umwandlung der Lüste des Bösen des natürlichen Menschen in gute Neigungen. Daß die Kühe nebst dem Wagen als Brandopfer dargebracht wurden, bezeichnete, daß so der Gott Israels versöhnt worden sei. Alles dies, was die Philister auf Anraten ihrer Weissager taten, war Entsprechung; woraus erhellt, daß diese Wissenschaft bei den Völkern lange erhalten worden war.

204. Weil die vorbildlichen Gebräuche der Kirche, welche Entsprechungen waren, mit dem Fortgang der Zeit in Götzendienst und auch in Magie verkehrt zu werden anfingen, so ging diese Wissenschaft infolge einer Fügung der göttlichen Vorsehung allmählich verloren, und kam bei dem israelitischen und jüdischen Volk gänzlich in Vergessenheit. Zwar bestand der Gottesdienst dieses Volks aus lauter Entsprechungen, und war daher Vorbildung himmlischer Dinge, dennoch aber wußten sie nicht, welche Bedeutung dieses oder jenes hatte; denn sie waren völlig natürliche Menschen, und wollten und konnten daher nichts von geistigen und himmlischen Dingen, somit auch nichts von Entsprechungen wissen; denn die Entsprechungen sind Vorbildungen der geistigen und himmlischen Dinge in den natürlichen.

205. Daß die Götzendienste der Heiden in den alten Zeiten aus der Wissenschaft der Entsprechungen entstanden, kam daher, daß alle Dinge, welche auf der Erde erscheinen, entsprechen, somit nicht nur die Bäume, sondern auch die [Land-] Tiere und die Vögel aller Art, dann die Fische und das übrige. Die Alten, welche in der Wissenschaft der Entsprechungen waren, machten sich Bilder, die den himmlischen Dingen entsprachen, und ergötzten sich an denselben, weil sie Zeichen von Dingen des Himmels und der Kirche waren, daher sie dieselben nicht nur in ihren Tempeln, sondern auch in ihren Häusern aufstellten, nicht um sie anzubeten, sondern um sich an die himmlischen Dinge zu erinnern, deren Zeichen sie waren. Dem gemäß waren in Ägypten in bildlicher Aufstellung Kälber, Stiere, Schlangen, dann Knaben, Greise und Jungfrauen, weil die Kälber und Stiere die Zeichen der Neigungen und Kräfte des natürlichen Menschen, die Schlangen die der Klugheit und auch der Schlauheit des sinnlichen Menschen, die Knaben die der Unschuld und Liebtätigkeit, die Greise die der Weisheit, und die Jungfrauen die der Neigungen zum Wahren waren, und so weiter. Als aber die Wissenschaft der Entsprechungen sich verlor, fingen sie an, die von den Alten aufgestellten Abbildungen und Standbilder, weil sie sich in den Tempeln und neben denselben befanden, als Heiligtümer, und zuletzt als Gottheiten zu verehren. Eben daher hatten die Alten auch einen Gottesdienst in Gärten und in Hainen Jesajah nach den Arten der Bäume, dann auch auf Bergen und Hügeln; denn die Gärten und Haine bezeichneten die Weisheit und Einsicht, und jeder Baum etwas davon, wie der Ölbaum das Gute der Liebe, der Weinstock das Wahre aus diesem Guten, die Zeder das vernunftmäßige Gute und Wahre, der Berg den obersten Himmel und der Hügel den Himmel unter diesem. Daß die Wissenschaft der Entsprechungen sich bei vielen Orientalen bis zur Ankunft des Herrn erhielt, kann man auch an den Weisen aus dem Morgenland ersehen, die zum Herrn kamen, als Er geboren wurde; weshalb ihnen ein Stern voranging, und sie Gold, Weihrauch und Myrrhen als Geschenke mit sich brachten: Matth.2/1,2,9-11, denn der Stern, der voranging, bezeichnete die Erkenntnis aus dem Himmel, das Gold bezeichnete das himmlische Gute, der Weihrauch das geistige Gute, und die Myrrhe das natürliche Gute, aus welchen dreien alle Gottesverehrung besteht. Dennoch aber war bei dem israelitischen und jüdischen Volk gar keine Kenntnis der Entsprechungen, obgleich alle Teile ihres Gottesdienstes und alle ihnen durch Moses gegeben Satzungen und Rechtsverhältnisse und alle Teile des Wortes lauter Entsprechungen waren; die Ursache war, weil sie im Herzen Götzendiener, und infolgedessen so geartet waren, daß sie nicht einmal wissen wollten, daß irgend etwas in ihrem Gottesdienst Himmlisches und Geistiges bedeute; daher sie denn, wenn ihnen die himmlischen und geistigen Dinge enthüllt worden wären, dieselben nicht nur verworfen, sondern auch entweiht hätten; und deshalb war ihnen der Himmel so verschlossen, daß sie kaum wußten, daß es ein ewiges Leben gebe. Daß dem so war, stellt sich deutlich daran heraus, daß sie den Herrn nicht anerkannten, obgleich die ganze Heilige Schrift von Ihm geweissagt und Seine Ankunft vorausgesagt hatte; sie verwarfen Ihn bloß aus dem Grunde, weil Er sie über ein himmlisches Reich und nicht über ein irdisches Reich belehrte; denn sie wollten einen Messias, der sie über alle Völker in der ganzen Welt erhöbe, und nicht einen Messias, der für ihr ewiges Heil sorgte.

206. Daß die Wissenschaft der Entsprechungen, durch die der geistige Sinn des Wortes gegeben wird, nach jenen Zeiten nicht enthüllt wurde, geschah deswegen, weil die Christen in der Urkirche gar sehr einfältig waren, so daß sie vor ihnen nicht enthüllt werden konnte; denn wäre sie enthüllt worden, so hätte sie ihnen nichts genützt und wäre auch nicht verstanden worden. Nach ihren Zeiten brach Finsternis über die ganze christliche Welt herein, zuerst durch die ausgestreuten Irrlehren mehrerer, und bald nachher durch die Beschlüsse und Entscheidungen der Nicänischen Kirchenversammlung betreffend drei göttliche Personen von Ewigkeit, und betreffend die Person Christi, als Sohn Marias und nicht als Sohn Jehovah Gottes; woraus der heutige Rechtfertigungsglaube hervorquoll, in dem man sich an drei Götter ihrer Ordnung nach wendet, und von welchem Glauben alle und jede Dinge der heutigen Kirche wie die Glieder des Körpers von ihrem Haupt abhängen. Und weil man alle Teile des Wortes zur Bestätigung dieses Irrglaubens anwandte, so konnte der geistige Sinn nicht enthüllt werden; denn wäre er enthüllt worden, so würde man auch diesen Sinn auf jenen Glauben angewendet, und dadurch das eigentlich Heilige des Wortes entweiht, und so sich den Himmel gänzlich verschlossen, und den Herrn von der Kirche entfernt haben.

207. Daß die Wissenschaft der Entsprechungen, durch die der geistige Sinn gegeben wird, in diesen Tagen geoffenbart wurde, hat seinen Grund darin, daß jetzt die göttlichen Wahrheiten der Kirche an das Licht kommen, und diese diejenigen sind, aus denen der geistige Sinn des Wortes besteht; und wenn diese im Menschen sind, so kann der Buchstabensinn des Wortes nicht verdreht werden; denn der Buchstabensinn des Wortes kann dahin und dorthin gewendet werden; wird er aber zum Falschen gewendet, so geht seine innere und mit dieser auch die äußere Heiligkeit zugrunde, wird er hingegen zum Wahren gewendet, so bleibt sie; doch hierüber soll im folgenden Weiteres gesagt werden. Daß der geistige Sinn gegenwärtig aufgeschlossen werden sollte, wird darunter verstanden, daß Johannes die Himmel offen und dann ein weißes Pferd sah, und wieder, daß er sah und hörte, wie ein in der Sonne stehender Engel alle zu einem großen Mahl zusammenberief, wovon in der Offb.19/11-18. Daß derselbe aber lange nicht werde anerkannt werden, wird verstanden unter dem Tier und unter den Königen der Erde, welche Krieg führen würden mit dem auf dem weißen Pferde Sitzenden: Offb.19/19, so wie auch unter dem Drachen, daß er das Weib, das den Sohn geboren, bis in die Wüste verfolgte, und hier aus seinem Maul Wasser gleich einem Strome schoß, um sie zu ersäufen: Offb.12/13-17.

208. V. Der geistige Sinn des Wortes wird fernerhin keinem gegeben, als dem, der in den echten Wahrheiten aus dem Herrn ist.

Der Grund ist, weil niemand den geistigen Sinn sehen kann, als allein aus dem Herrn, und nur wenn er in den göttlichen Wahrheiten aus dem Herrn ist; denn der geistige Sinn des Wortes handelt allein vom Herrn und von Seinem Reich, und dieser Sinn ist es, in dem Seine Engel im Himmel sind, denn derselbe ist Sein göttlich Wahres daselbst; dieses kann der Mensch verletzen, wenn er in der Wissenschaft der Entsprechungen ist, und durch diese den geistigen Sinn des Wortes aus eigener Verständigkeit erforschen will; denn durch einige ihm bekannte Entsprechungen kann er diesen Sinn verkehren, und ihn auch zu Begründungen des Falschen verdrehen, und dies wäre soviel als dem göttlichen Wahren, und so auch dem Himmel, in dem dieses wohnt, Gewalt antun; daher denn, wenn jemand aus sich, und nicht aus dem Herrn, diesen Sinn aufschließen will, der Himmel verschlossen wird, und wenn dieser verschlossen ist, der Mensch entweder nichts Wahres sieht, oder in geistigen Dingen unsinnig ist.

Ein Grund ist auch, weil der Herr durch das Wort jeglichen lehrt, und zwar lehrt durch die Erkenntnisse, die bei dem Menschen sind, und nicht unmittelbar neue eingießt; daher denn der Mensch, wenn er nicht in den göttlichen Wahrheiten ist, oder wenn er nur in wenigen Wahrheiten und zugleich in Falschem ist, aus diesem die Wahrheiten verfälschen kann, wie dies auch wirklich von jedem Häretiker schon hinsichtlich des Buchstabensinnes des Wortes geschieht. Damit also nicht jemand in den geistigen Sinn eindringen und das echte Wahre, das diesem Sinn angehört, verdrehe, sind vom Herrn Wachen ausgestellt, die im Wort unter den Cheruben verstanden werden.

209. VI. Wundererscheinungen betreffend das Wort aus dessen geistigem Sinne.

In der natürlichen Welt gehen keinerlei Wundererscheinungen aus dem Wort hervor, weil der geistige Sinn in ihr sich nicht herausstellt, noch derselbe so, so wie er an sich ist, vom Menschen inwendig aufgenommen wird. In der geistigen Welt hingegen zeigen sich Wundererscheinungen aus dem Wort, weil dort alle geistig sind, und die geistigen Dinge den Menschen anregen, wie die natürlichen den natürlichen. Der Wundererscheinungen, die in der geistigen Welt aus dem Wort hervorgehen, gibt es viele, von denen ich hier nur wenige erwähnen will. Das Wort selbst leuchtet dort in den inneren Heiligtümern der Tempel vor den Augen der Engel wie ein großer Stern, zuweilen wie die Sonne, und aus dem Strahlenglanz rings umher verbreitet sich auch etwas wie die schönsten Farbenbogen; und dies geschieht, sobald das innere Heiligtum geöffnet wird. Daß alle und jede Wahrheiten des Wortes leuchten, konnte ich daran sehen, daß, wenn irgendein Verschen aus dem Wort auf ein Blatt Papier geschrieben und das Blatt in die Luft emporgeworfen wird, das Blatt selbst in der Form leuchtet, in die es geschnitten wurde; daher die Geister durch das Wort mancherlei leuchtende Gestalten, auch von Vögeln und Fischen, hervorbringen können. Ferner, was noch wunderbarer ist, wenn jemand Gesicht, oder Hände, oder die Kleider, mit denen er angetan ist, am geöffneten Wort reibt, so daß er dessen Schrift daran hält, so leuchtet selbst sein Gesicht, seine Hände und seine Kleider, wie wenn er in einem Stern, von dessen Licht umflossen, stände; ich habe dies sehr oft gesehen und bewundert; daraus war mir klar, woher es kam, daß Moses Gesicht leuchtete, als er die Tafeln des Bundes vom Berg Sinai herabtrug. Außerdem gibt es dort noch viele andere Wunderdinge, die aus dem Wort kommen; so z.B. daß wenn jemand, der im Falschen ist, auf das an heiliger Stätte liegende Wort hinblickt, vor seinen Augen Finsternis entsteht, und infolgedessen das Wort ihm schwarz erscheint, und zuweilen wie mit Ruß überzogen. Dagegen aber, wenn er das Wort berührt, eine Entladung mit Krachen erfolgt, und er in eine Ecke des Gemachs geworfen wird, und gegen eine Stunde wie tot daliegt. Wird etwas aus dem Wort von jemand, der im Falschen ist, auf ein Blatt geschrieben und das Blatt gegen den Himmel geworfen, so entsteht in der Luft zwischen seinem Auge und dem Himmel ein ähnlicher Schlag, und das Blatt zerstiebt in Flocken und verschwindet; ähnliches geschieht, wenn jenes Blatt in einen Winkel geworfen wird, der in der Nähe ist. Solches habe ich öfter gesehen. Hieraus erkannte ich, daß diejenigen, welche in Lehrirrtümern sind, durch das Wort in keine Gemeinschaft mit dem Himmel kommen, sondern ihr Lesen auf dem Wege verfließt, und zugrunde geht, wie in ein Blatt gewickeltes Schießpulver, wenn es angezündet und in die Luft geworfen wird. Das Gegenteil geschieht bei denen, welche durch das Wort in den Wahrheiten der Lehre vom Herrn her sind: das Lesen des Wortes dringt bei ihnen bis in den Himmel und bewirkt eine Verbindung mit den Engeln daselbst. Auch die Engel, wenn sie vom Himmel herniedersteigen, um unten irgendein Geschäft zu verrichten, erscheinen mit kleinen Sternen rings umgeben, besonders um das Haupt; was ein Zeichen ist, daß die göttlichen Wahrheiten aus dem Wort in ihnen sind. Überdies gibt es in der geistigen Welt ähnliche Dinge wie auf Erden, aber alles und jedes ist dort aus geistigem Ursprung; so gibt es auch Gold und Silber und gibt kostbare Steine aller Art, und deren geistiger Ursprung ist der buchstäbliche Sinn des Wortes. Daher kommt, daß in der Offenbarung die Grundfesten der Mauer des neuen Jerusalems als zwölf kostbare Steine beschrieben werden; der Grund ist, weil durch die Grundfesten seiner Mauer bezeichnet werden die Lehren der neuen Kirche aus dem buchstäblichen Sinn des Wortes; woher auch kommt, daß im Ephod Aharons auch zwölf kostbare Steine waren, Urim und Thummim genannt, und durch sie die Antworten aus dem Himmel gegeben wurden. Außer diesen gibt es noch viele Wundererscheinungen aus dem Wort, welche die Macht des Wahren in ihm betreffen, die so unermeßlich ist, daß sie, wollte man sie beschreiben, allen Glauben übersteigen würde; denn diese Macht ist so groß, daß sie dort Berge und Hügel umkehrt, sie in die Ferne versetzt und in das Meer wirft, und dergleichen mehr; kurz, die Macht des Herrn aus dem Wort ist unendlich.