Im heiligen Abendmahl ist der Herr vollständig gegenwärtig mit Seiner ganzen Erlösung

716. Daß im heiligen Abendmahl der Herr ganz und gar gegenwärtig ist, sowohl nach Seinem verherrlichten Menschlichen, als nach Seinem Göttlichen, aus dem das Menschliche stammt, ergibt sich augenscheinlich aus Seinen eigensten Worten. Daß Sein Menschliches im heiligen Abendmahl gegenwärtig sei, aus folgenden: „Jesus nahm das Brot, brach es und gab es den Jüngern, und sprach: Dieses ist Mein Leib, und den Kelch nehmend, gab Er ihnen denselben und sprach: Dieser ist Mein Blut“: Matth.Kap.26; Mark.Kap.14; Luk.Kap.22. Dann bei Johannes: „Ich bin das Brot des Lebens, wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben; das Brot, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch; wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, bleibt in Mir und Ich in Ihm, und lebt in Ewigkeit“: Joh.Kap.6; aus diesen Worten erhellt augenscheinlich, daß der Herr nach Seinem verherrlichten Menschlichen im heiligen Abendmahl ist. Daß der Herr auch nach Seinem Göttlichen, von dem das Menschliche stammt, im heiligen Abendmahl vollständig gegenwärtig ist, ergibt sich augenscheinlich daraus, daß Er das Brot ist, das aus dem Himmel herabkam; Joh/6; vom Himmel kam Er herab mit dem Göttlichen, denn es heißt: „Das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, alles ist durch dasselbe gemacht worden; und das Wort ward Fleisch“: Joh.1/1,3,14, und weiter daraus, „daß der Vater und Er eins sind“: Joh.10/30; „daß alles, was der Vater hat, Sein ist“: Joh.3/35; 16/15; „daß Er im Vater, und der Vater in Ihm ist“: Joh.14/10,11, u.s.w., und weiter daraus, daß Sein Göttliches ebensowenig von Seinem Menschlichen getrennt werden kann, als die Seele vom Leib; sagt man also, daß der Herr nach Seinem Menschlichen vollständig im heiligen Abendmahl ist, so folgt, daß Sein Göttliches, aus dem es stammt zugleich auch darin ist. Da nun Sein Fleisch das göttliche Gute Seiner Liebe, und das Blut das göttliche Wahre Seiner Weisheit bezeichnet, so ist offenbar, daß der Herr vollständig, sowohl nach Seinem Göttlichen, als nach dem verherrlichten Menschlichen, allgegenwärtig im heiligen Abendmahl ist; daß es mithin ein geistiges Essen ist.

717. Daß im heiligen Abendmahl die ganze Erlösung des Herrn ist, folgt aus dem eben Gesagten; denn wo der Herr vollständig gegenwärtig ist, da ist auch Seine ganze Erlösung. Er ist nämlich nach dem Menschlichen der Erlöser, folglich auch die Erlösung selbst; es kann nichts von der Erlösung fehlen wo Er ganz ist; weshalb alle die, welche würdig zur heiligen Kommunion gehen, Seine Erlösten werden. Und weil unter der Erlösung verstanden wird die Befreiung von der Hölle, die Verbindung mit Ihm und die Seligmachung, von denen unten in diesem Kapitel, und vollständiger im Kapitel von der Erlösung, darum werden diese Früchte dem Menschen zugesprochen; nicht jedoch inwieweit der Herr will, denn Er will nach Seiner göttlichen Liebe alles zusprechen, sondern inwieweit der Mensch aufnimmt, und wer aufnimmt, der ist erlöst Jesajah nach dem Grad seiner Aufnahme. Daraus erhellt, daß die Wirkungen und Früchte der Erlösung des Herrn denjenigen zufallen, die würdig hinzugehen.

718. Jeder gesunde Mensch hat das Vermögen, Weisheit vom Herrn aufzunehmen, das heißt, die Wahrheiten, aus denen jene sich bilden soll, in Ewigkeit fort zu vervielfältigen; und auch die Liebe in sich aufzunehmen, das heißt, das Gute aus dem jene sich bildet, fruchtbar zu machen, ebenfalls in Ewigkeit fort. Diese fortwährende Fruchtbarmachung des Guten und damit der Liebe, und jene fortwährende Vervielfältigung des Wahren und daraus der Weisheit, findet bei den Engeln statt, und findet auch statt bei Menschen, welche Engel werden; und weil der Herr die Liebe selbst und die Weisheit selbst ist, so folgt, daß der Mensch die Fähigkeit hat, sich für immer mit dem Herrn und den Herrn mit sich zu verbinden; dennoch aber, weil der Mensch endlich ist, kann mit ihm nicht Dessen eigentlich Göttliches verbunden, sondern nur in Berührung gesetzt werden, sowie, um dies zu beleuchten, das Licht der Sonne nicht mit dem Auge verbunden, noch der Schall der Luft mit dem Ohr verbunden, sondern bloß damit in Berührung gesetzt werden, und so das Vermögen zu sehen und zu hören geben kann; denn der Mensch ist nicht das Leben in sich, wie es der Herr auch nach Seinem Menschlichen ist: Joh.5/26; sondern er ist ein Aufnahmegefäß des Lebens, und das Leben selbst ist es, was dem Menschen sich anschließt, aber nicht verbunden wird. Dies ist zu dem Ende beigefügt worden, damit man einsehe, in welcher Weise der Herr mit Seiner ganzen Erlösung vollständig im heiligen Abendmahl gegenwärtig ist.