IX. Im einzelnen des Wortes besteht eine Vermählung des Herrn und der Kirche, und infolgedessen eine Vermählung des Guten und Wahren  

248. Daß im einzelnen des Wortes eine Vermählung des Herrn und der Kirche, und somit eine Vermählung des Guten und Wahren sei, hat man bisher nicht gesehen, und konnte es auch nicht sehen, weil der geistige Sinn des Wortes nicht früher enthüllt worden ist, und jene Vermählung nur durch diesen gesehen werden kann; denn es sind zwei Sinne im Wort, welche in dessen Buchstabensinn verborgen liegen, und der geistige und himmlische Sinn genannt werden. Im geistigen Sinn im Wort bezieht sich alles ihm Angehörige hauptsächlich auf die Kirche, und im himmlischen hauptsächlich auf den Herrn; sodann bezieht sich im geistigen Sinne das ihm Angehörige auf das göttliche Wahre, und im himmlischen auf das göttliche Gute; daher rührt im Wort jene Vermählung: Dies wird jedoch keinem ersichtlich, der nicht aus dem geistigen und dem himmlischen Sinn des Wortes die Bedeutungen der Wörter und Namen weiß, denn einige Wörter und Namen werden vom Guten ausgesagt, und einige vom Wahren, und einige schließen beides in sich; daher denn ohne diese Erkenntnis jene Vermählung im einzelnen des Wortes nicht gesehen werden kann; dies ist die Ursache, warum jenes Geheimnis nicht früher enthüllt wurde. Weil nun eine solche Vermählung in den einzelnen Teilen des Wortes besteht, so sind häufig im Wort zweierlei Ausdrücke, welche als Wiederholungen einer und derselben Sache erscheinen; dennoch aber sind sie nicht Wiederholungen, sondern der eine bezieht sich auf das Gute, und der andere auf das Wahre, und beide zusammengenommen machen die Verbindung derselben, somit eine Sache aus. Daher kommt auch die göttliche Heiligkeit des Wortes; denn in jedem göttlichen Werk ist das Gute mit dem Wahren, und das Wahre mit dem Guten verbunden.

249. Es wird gesagt, daß in den Einzelteilen des Wortes eine Vermählung des Herrn und der Kirche, und infolgedessen des Guten und Wahren sei; denn wo eine Vermählung des Herrn und der Kirche ist, da ist auch eine Vermählung des Guten und Wahren, weil diese Vermählung aus jener stammt. Denn wo die Kirche oder der Mensch der Kirche in den Wahrheiten ist, da fließt der Herr in diese Wahrheiten mit dem Guten ein und belebt sie; oder, was dasselbe ist, wenn der Mensch der Kirche im Verständnis des Wahren ist, so fließt der Herr durch das Gute der Liebtätigkeit in seinen Verstand ein, und gießt ihm so das Leben ein. Es sind zwei Vermögen des Lebens bei jeglichem Menschen, welche Verstand und Wille heißen; der Verstand ist Aufnahmegefäß des Wahren, und somit der Weisheit, und der Wille ist Aufnahmegefäß des Guten, und infolgedessen der Liebtätigkeit. Diese zwei Vermögen sollen eins ausmachen, damit der Mensch ein Mensch der Kirche sei, und sie machen eins aus, wenn der Mensch seinen Verstand aus den reinen Wahrheiten bildet, was dem Anschein nach wie von ihm selbst geschieht, und wenn sein Wille mit dem Guten der Liebe erfüllt wird, was vom Herrn geschieht; daraus hat der Mensch ein Leben des Wahren und ein Leben des Guten, das Leben des Wahren im Verstand, und das Leben des Guten im Willen, und wenn diese vereinigt sind, so machen sie nicht zwei, sondern ein Leben aus. Dies ist die Vermählung des Herrn mit der Kirche, und dann auch die Vermählung des Guten und Wahren beim Menschen.

250. Daß im Wort zweierlei Ausdrücke sind, die als Wiederholungen derselben Sache erscheinen, kann von den Lesern, wenn sie darauf merken, gesehen werden, wie z.B. Bruder und Genosse, arm und dürftig, Wüste und Öde, Ledigkeit und Leerheit, Feind und Widersacher, Sünde und Missetat, Zorn und Grimm, Völkerschaft und Volk, Freude und Fröhlichkeit, Trauern und Weinen, Gerechtigkeit und Gericht, usw., welche als gleichbedeutend erscheinen, während sie es doch nicht sind; denn Bruder, arm, Wüste [Ledigkeit], Feind, Sünde, Zorn, Völkerschaft, Freude, Trauern, Gerechtigkeit, werden vom Guten gesagt, und im entgegengesetzten Sinn vom Bösen; hingegen Genosse, dürftig, Öde, Leere, Widersacher, Missetat, Grimm, Volk, Fröhlichkeit, Weinen, Gericht, werden vom Wahren gesagt, und im entgegengesetzten Sinn vom Falschen; und doch scheint es dem Leser, der dies Geheimnis nicht weiß, als ob arm und dürftig, Wüste und Öde, Ledigkeit und Leerheit, usw. eine und dieselbe Sache wären, während sie es doch nicht sind, sondern erst eine Sache werden durch die Verbindung. Im Wort werden auch viele Dinge verbunden, wie Feuer und Flamme, Gold und Silber, Erz und Eisen, Holz und Stein, [Brot und Wasser,] Brot und Wein, Purpur und Byssus, usw., weil Feuer, Gold, Erz, Holz, Brot und Purpur vom Guten gesagt werden, dagegen Flamme, Silber, Eisen, Stein, Wasser, Wein und Byssus vom Wahren gesagt werden. Ebenso wenn es heißt, man solle Gott lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele, ferner Gott werde im Menschen ein neues Herz und einen neuen Geist schaffen; denn das Herz wird vom Guten der Liebe gesagt, die Seele und der Geist aber von den Wahrheiten des Glaubens. Es gibt auch Wörter, die, weil sie sich auf beide, sowohl das Gute, als das Wahre, beziehen, für sich allein ohne Beifügung anderer gesetzt werden. Allein diese und viele andere Dinge stellen sich nur den Engeln und solchen heraus, welche, während sie im natürlichen Sinn sind, zugleich auch im geistigen Sinn sind.

251. Daß es dergleichen doppelte Ausdrücke im Worte gibt, welche als Wiederholungen derselben Sache erscheinen, wäre zu umständlich, aus dem Wort zu zeigen, denn es würde ganze Bogen füllen; um jedoch jeden Zweifel zu heben, will ich Stellen anführen, in denen Völkerschaft und Volk, und in denen Freude und Fröhlichkeit zusammen genannt werden. Die Stellen, in denen Völkerschaft und Volk genannt werden, sind folgende: „Wehe der sündigen Völkerschaft, dem Volke schwer von Missetat“: Jes.1/4. „Die Völker, die im Finstern wandeln, sahen ein großes Licht, Du hast vermehrt die Völkerschaft“: Jes.9/1,2. „Aschur, die Rute Meines Zorns, Ich will ihn wider die heuchlerische Völkerschaft entsenden, ihn entbieten wider Meines Grimmes Volk“: Jes.10/5,6. „Geschehen wird es an jenem Tage, daß Ischais Wurzel, welche steht den Völkern zum Panier, die Völkerschaften suchen werden“: Jes.11/10. „Jehovah, Der die Völker schlägt mit unheilbarer Plage, Der mit Zorn beherrscht die Völkerschaften“: Jes.14/6. „An jenem Tag wird dem Jehovah Zebaoth man als Geschenk darbringen ein zerrissenes und beraubtes Volk und eine abgemessene und zertretene Völkerschaft“: Jes.18/7: „Es wird ein starkes Volk Dich ehren, die Stadt der mächtigen Völkerschaften wird Dich fürchten“: Jes.25/3. „Jehovah wird verschlingen die Verhüllung, die über allen Völkern ist, die Decke über allen Völkerschaften“: Jes.25/7. „Nahet euch, ihr Völkerschaften, und ihr Völker höret zu“: Jes.34/1. „Ich habe Dich berufen zum Bund des Volks, zum Licht der Völkerschaften“: Jes.42/6. „Alle Völkerschaften werden zusammen sich versammeln, und die Völker zusammenkommen“: Jes.43/9. „Siehe, Ich werde nach den Völkerschaften Meine Hand erheben, und nach den Völkern Mein Panier“: Jes.49/22. „Siehe, zum Zeugen gab Ich Ihn den Völkern, zum Fürsten und Gesetzgeber den Völkerschaften“: Jes.55/4,5. „Siehe, es kommt ein Volk vom Land der Mitternacht, und eine große Völkerschaft von der Erde Seiten“: Jer.6/22,23. „Nicht mehr will Ich dich hören lassen die Lästerung der Völkerschaften, und nicht mehr sollst den Schimpf der Völker Du tragen“: Ez.36/15. „Alle Völker und Völkerschaften werden Ihn verehren“: Da.7/14. „Daß nicht zum Ziele ihres Witzes die Völkerschaften sie machen, und man unter den Völkern sage: wo ist nun ihr Gott“: Joel 2/17. „Die Überbleibsel Meines Volkes werden sie ausplündern, und die Überreste Meiner Völkerschaft sie beerben“: Ze.2/9. „Es werden viele Völker und zahlreiche Völkerschaften kommen, um Jehovah zu suchen in Jerusalem“: Sach.8/22. „Es haben meine Augen gesehen Dein Heil, das Du bereitet hast im Angesichte aller Völker, ein Licht zur Offenbarung der Völkerschaften“: Luk.2/30-32. „Du hast mit Deinem Blute uns erkauft aus allem Volk und [aller] Völkerschaft“: Offb.5/9. „Du mußt wiederum weissagen über die Völker und Völkerschaften“: Offb.10/11. „Zum Haupt der Völkerschaften wirst Du Mich setzen, ein Volk, das Ich nicht kannte, wird Mir dienen“: Ps.18/44. „Jehovah macht zunichte den Rat der Völkerschaften, Er vereitelt die Gedanken der Völker“: Ps.33/10. „Du machst uns zum Sprichwort unter den Völkerschaften, zum Kopfschütteln unter den Völkern“: Ps.44/15. „Jehovah wird uns unterwerfen die Völker, und die Völkerschaften uns zu Füßen legen; Gott herrscht über die Völkerschaften, die Freiwilligen der Völker sind versammelt“: Ps.47/4,9,10. „Bekennen werden Dich die Völker, und die Völkerschaften jubeln, weil Du nach dem Recht die Völker richten, und die Völkerschaften auf der Erde führen willst“: Ps.67/3-5. „Gedenke Meiner, o Jehovah, im Gefallen an Deinem Volk, damit ich bei der Freude Deiner Völkerschaften fröhlich sei“: Ps.106/4,5; außer anderen Stellen. Daß die Völkerschaften und die Völker zugleich genannt werden, hat seinen Grund darin, daß unter den Völkerschaften verstanden werden, die im Guten sind, und im entgegengesetzten Sinn, die im Bösen sind; und unter den Völkern, die in den Wahrheiten, und im entgegengesetzten Sinn, die im Falschen sind; weshalb die, welche zum geistigen Reich des Herrn gehören, Völker heißen, und die, welche zum himmlischen Reich des Herrn gehören, Völkerschaften heißen; denn im geistigen Reich sind alle in den Wahrheiten und in der Einsicht aus diesen, im himmlischen Reich aber sind alle im Guten und in der Weisheit aus diesem.

252. Gleiche Bewandtnis hat es mit vielen anderen; wie z.B. daß da, wo die Freude genannt wird, auch die Fröhlichkeit genannt wird, wie in folgenden Stellen: „Siehe, Freude und Fröhlichkeit, töten das

Rind“: Jes.22/13. „Freude und Fröhlichkeit werden [sie] ergreifen, Trauern und Seufzen werden fliehen“: Jes.35/10; 51/11. „Weggenommen ist aus unseres Gottes Hause Fröhlichkeit und Freude“: Joel 1/16. „Abgetan wird werden der Ruf der Freude und der Fröhlichkeit“: Jer.7/34; 25/10. „Das Fasten des Zehnten wird dem Hause Jehudahs sein zur Freude und zur Fröhlichkeit“: Sach.8/19. „Laßt in Jerusalem uns fröhlich sein, freut euch in ihr“: Jes.66/10. „Freue dich und sei fröhlich, Tochter Edoms“: Klg.4/21. „Es sollen fröhlich sein die Himmel und sich freuen die Erde“: Ps.[96/11;] 68/4. „Laß mich hören Freude und Fröhlichkeit“: Ps.51/10. „Freude und Fröhlichkeit wird man in Zion finden, Bekenntnis und die Stimme des Gesangs“: Jes.51/3. „Fröhlichkeit wird sein, und viele werden über Seine Geburt sich freuen“: Luk.1/14. „Aufhören will Ich lassen das Geschrei der Freude und das Geschrei der Fröhlichkeit, des Bräutigams Stimme und die Stimme der Braut“: Jer.7/34; 16/9; 25/10. „Man wird an diesem Ort noch hören den Ruf der Freude und den Ruf der Fröhlichkeit, des Bräutigams Stimme und die Stimme der Braut“: Jer.33/10,11, und anderwärts. Es werden aber beide, sowohl die Freude als die Fröhlichkeit genannt, weil die Freude vom Guten und die Fröhlichkeit vom Wahren, oder die Freude von der Liebe und die Fröhlichkeit von der Weisheit gesagt wird; denn die Freude gehört dem Herzen und die Fröhlichkeit dem Geist, oder die Freude gehört dem Willen und die Fröhlichkeit dem Verstand an. Daß auch in diesen eine Vermählung des Herrn und der Kirche ist, erhellt daraus, daß gesagt wird: die Stimme der Freude und die Stimme der Fröhlichkeit, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut: Jer.7/34; 16/9; 25/10; 33/10,11; der Herr aber der Bräutigam, und die Kirche die Braut ist; daß der Herr der Bräutigam ist, sehe man Matth.9/15; Mark.2/19,20; Luk.5/35; und daß die Kirche die Braut ist: Offb.21/2,9; 22/17; weshalb Johannes, der Täufer, von Jesu sagt: „Wer die Braut hat, ist der Bräutigam“: Joh.3/29.

253. Wegen der Vermählung des göttlich Guten und des göttlich Wahren in den einzelnen Teilen des Wortes wird in sehr vielen Stellen genannt Jehovah Gott, dann auch Jehovah und der Heilige Israels, als wären sie zwei, während sie doch eines sind; denn unter Jehovah wird verstanden der Herr hinsichtlich des göttlich Guten der göttlichen Liebe, und unter Gott und dem Heiligen Israels wird verstanden der Herr hinsichtlich des göttlich Wahren der göttlichen Weisheit. Daß Jehovah und Gott, sowie Jehovah und der Heilige Israels, in sehr vielen Stellen im Wort genannt werden, und dennoch einer verstanden wird, sehe man in der »Lehre vom Herrn, Erlöser«.