Haetten die Menschen keinen freien Willen in geistigen Dingen, so hätten alle auf dem ganzen Erdkreis innerhalb eines Tages zum Glauben an den Herrn gebracht werden können, dieses kann aber darum nicht geschehen, weil das, was nicht mit freiem Willen vom Menschen aufgenommen wird, nicht haftet

500. Daß Gott ohne den, dem Menschen gegebenen, freien Willen in geistigen Dingen alle auf dem ganzen Erdkreis zum Glauben an Sich hätte bringen können, folgt als eine Wahrheit aus der nicht verstandenen göttlichen Allmacht; diejenigen, welche die göttliche Allmacht nicht verstehen, können meinen, entweder daß keine Ordnung bestehe, oder daß Gott ebensowohl gegen die Ordnung, als ihr gemäß handeln könne, während doch ohne die Ordnung keine Schöpfung möglich war. Das Vornehmste der Ordnung ist, daß der Mensch ein Bild Gottes sei, daß er also durch Liebe und Weisheit vervollkommnet, und so mehr und mehr jenes werde; darauf wirkt Gott fortwährend beim Menschen hin; allein ohne den freien Willen in geistigen Dingen, durch den der Mensch sich zu Gott hinwenden und sich seinerseits mit Ihm verbinden könnte, würde es vergeblich, weil unmöglich sein; denn die Ordnung ist es, aus der und nach der die ganze Welt mit allem und jedem in ihr geschaffen ist, und weil aus ihr und nach ihr alle Schöpfung vor sich ging; darum wird Gott die Ordnung selbst genannt; weshalb es gleichviel ist, ob man sagt, wider die göttliche Ordnung handeln, oder ob man sagt, wider Gott handeln; ja Gott selbst kann nicht wider Seine göttliche Ordnung handeln, da ja dies wider Sich selbst handeln hieße; daher Er jeden Menschen der Ordnung, das heißt Seiner selbst gemäß führt, und die Abirrenden und aus ihr Herausgefallenen in die Ordnung zurück, und die Widerspenstigen zu ihr hinführt. Hätte der Mensch ohne freien Willen in geistigen Dingen erschaffen werden können, was wäre alsdann dem allmächtigen Gott leichter, als alle auf dem ganzen Erdenkreis zum Glauben an den Herrn zu bringen? Hätte Er nicht, sowohl unmittelbar, als mittelbar, in jeden diesen Glauben hineinlegen können, unmittelbar durch seine absolute Macht und deren unwiderstehliche Wirksamkeit, die fortwährend darauf ausgeht, daß der Mensch selig werde; oder mittelbar durch ihm beigebrachte Gewissensqualen, durch todbringende Krämpfe des Körpers und schwere Bedrohungen mit dem Tode für den Fall der Nichtanahme, und überdies durch Öffnung der Hölle und der damit gegebenen Gegenwart der Teufel mit schreckenerregenden Fackeln in den Händen, oder durch Hervorrufung von Toten, die sie gekannt hatten, aus derselben, unter dem Bilde schrecklicher Gespenster?

Allein darauf wird geantwortet mit den Worten Abrahams an den Reichen in der Unterwelt: „Wenn sie Moses und die Propheten nicht hören, so werden sie auch, wenn jemand von den Toten auferstände, nicht überzeugt werden“: Luk.16/31.

501. Man fragt heutzutage, warum nicht Wunder geschehen, wie ehedem; denn man glaubt, daß, wenn sie geschähen, jeder von Herzen anerkennen würde; allein daß sie heutzutage nicht wie ehedem geschehen, hat seinen Grund darin, daß die Wunder zwingend sind und den freien Willen in geistigen Dingen wegnehmen, und den Menschen aus einem geistigen zu einem natürlichen machen. Jeder in der christlichen Welt kann nach der Ankunft des Herrn geistig werden, und er wird geistig einzig durch Ihn mittelst des Wortes, aber das Vermögen hierzu würde verlorengehen, wenn der Mensch durch Wunder zum Glauben gebracht werden würde, weil diese, wie gesagt, zwingen und ihm den freien Willen in geistigen Dingen entziehen; und alles Erzwungene in solchen Dingen sich in den natürlichen Menschen hinein macht, und den geistigen, welcher der wahrhaft innere Mensch ist, wie mit einer Türe verschließt und diesen alles Vermögens beraubt, irgend etwas Wahres im Licht zu sehen; und deshalb würde er nachher über die geistigen Dinge vernünfteln aus dem bloß natürlichen Menschen, der alles wahrhaft Geistige umgekehrt sieht. Daß aber vor der Ankunft des Herrn Wunder gewirkt wurden, geschah deshalb, weil damals die Menschen der Kirche natürliche waren, denen die geistigen Dinge, welche die der inneren Kirche sind, nicht aufgeschlossen werden konnten; denn wären sie aufgeschlossen worden, so würden sie dieselben entweiht haben; weshalb auch all ihr Gottesdienst in Kirchengebräuchen bestand, welche die inneren Dinge der Kirche vorbildeten und bezeichneten, und sie zu deren gehöriger Beobachtung nur durch Wunder gebracht werden konnten; und daß es nicht einmal durch Wunder bewirkt wurde, weil jenen Vorbildungen inneres Geistiges innewohnte, zeigt sich an den Kindern Israels in der Wüste, die, obwohl sie so viele Wunder gesehen hatten in Ägypten und nachher jenes größte auf dem Berge Sinai, dennoch nach einem Monat

von Tagen, als Moses abwesend war, um das goldene Kalb tanzten und riefen, dieses habe sie aus Ägypten geführt; ähnliches geschah von ihnen im Lande Kanaan, obgleich sie die herrlichen, durch Elias und Elisa verrichteten Wunder, und zuletzt selbst die göttlichen vom Herrn gesehen hatten. Wunder geschehen heutzutage besonders darum nicht, weil die Kirche dem Menschen allen freien Willen genommen, und zwar diesen dadurch genommen hat, daß sie festsetzte, der Mensch könne durchaus nichts zur Erlangung des Glaubens, und auch gar nichts zur Bekehrung und überhaupt zum Heil beitragen (man sehe oben Nr. 464); ein Mensch, der dieses glaubt, wird mehr und mehr natürlich, und der natürliche Mensch betrachtet, wie oben gesagt worden, alles Geistige umgekehrt, und denkt daher gegen dasselbe. Die obere Region des Gemütes des Menschen, wo der freie Wille in geistigen Dingen hauptsächlich seinen Sitz hat, würde daher verschlossen werden, und die geistigen Dinge, welche durch die Wunder gleichsam befestigt worden sind, würden die untere Region des Gemüts, die bloß natürlich ist, einnehmen, während dann oberhalb dieser die Falschheiten in betreff des Glaubens, der Bekehrung und des Heiles zurückblieben. Die Folge davon wäre, daß Satane oberhalb und Engel unterhalb, wie Geier über den Hühnern wohnten, infolgedessen dann die Satane nach einiger Zeit den Riegel durchbrechen und mit Wut auf die geistigen Dinge, die unterhalb ihre Stelle erhalten hatten, losstürzen, und diese nicht nur leugnen, sondern auch lästern und entweihen würden; daher denn das spätere Los des Menschen viel schlimmer werden würde, als das frühere.

502. Ein Mensch, der durch Falsches in betreff der geistigen Dinge der Kirche natürlich geworden ist, kann sich die göttliche Allmacht nicht anders denken, als daß sie über der Ordnung stehe, somit die göttliche Allmacht ohne Ordnung sei, weshalb er auf folgende unsinnige Fragen verfällt: Wozu die Herabkunft des Herrn in die Welt, und wozu somit die Erlösung, wenn doch Gott, vermöge Seiner Allmacht ebendasselbe vom Himmel her, wie auf Erden, hätte bewirken können? Warum sollte Er durch die Erlösung nicht das ganze Menschengeschlecht, keinen ausgenommen, errettet haben, und sollte der Teufel nachher mehr als der Erlöser beim Menschen vermögen? Wozu die Hölle? Hätte nicht Gott, vermöge Seiner Allmacht, vermocht und vermag Er nicht, sie zu vernichten? oder auch alle aus ihr herauszuführen und zu Engeln des Himmels zu machen? Wozu das Jüngste Gericht? Kann Er nicht alle Böcke von der Linken zur Rechten versetzen und sie zu Schafen machen? Warum hat Er die Engel des Drachen selbst aus dem Himmel herabgeworfen und nicht vielmehr sie verwandelt in Engel Michaels? Warum gibt Er nicht diesen und jenen den Glauben, und rechnet ihnen die Gerechtigkeit des Sohnes zu, und vergibt so die Sünden, und rechtfertigt und heiligt sie? Warum verleiht Er nicht den Tieren der Erde, den Vögeln des Himmels und den Fischen des Meeres das Vermögen der Rede, und gibt ihnen Einsicht, und führt sie zugleich mit den Menschen in den Himmel ein? Warum machte Er nicht und macht noch nicht den ganzen Erdkreis zu einem Paradies, in dem kein Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen und keine Schlange wäre, und wo alle Hügel von edlem Most flössen, und Gold und Silber, beides gediegen, hervorbrächten, damit alle daselbst in Jubel und Lobgesang, und so in beständigen Lustbarkeiten und Wonnen, als Ebenbilder Gottes, lebten? Wäre dies nicht des allmächtigen Gottes würdig? und dergleichen mehr. Allein, mein Freund, dies alles ist leeres Gerede; die göttliche Allmacht ist nicht ohne Ordnung, Gott selbst ist die Ordnung, und weil diese aus Gott ist, so ist auch alles aus der Ordnung, in der Ordnung und zur Ordnung erschaffen worden. Eine Ordnung gibt es, in die der Mensch erschaffen wurde, und diese geht dahin, daß von seiner Wahlfreiheit in geistigen Dingen sein Segen oder sein Fluch abhängt; denn, wie oben gesagt worden ist, ohne Wahlfreiheit konnte der Mensch nicht geschaffen werden, ja nicht einmal das Tier, der Vogel und der Fisch, die Tiere jedoch bloß in der natürlichen Wahlfreiheit, der Mensch hingegen in der natürlichen und zugleich geistigen Wahlfreiheit.

503. Diesem sollen folgende Denkwürdigkeiten beigefügt werden: Die erste: Ich hörte, daß eine Versammlung angesagt sei, in der man sich über den freien Willen des Menschen in geistigen Dingen beraten sollte; es war dies in der geistigen Welt; es waren aus jeder Weltgegend Gelehrte zugegen, die in der Welt, in der sie früher gelebt, darüber gedacht hatten, und viele von denen, die auf großen und kleinen Kirchenversammlungen, sowohl vor der Nicänischen, als nach derselben, gewesen waren. Sie versammelten sich in einem gewissen runden Tempel, ähnlich dem Tempel zu Rom, der das Pantheon heißt, und früher dem Dienst aller Götter geheiligt war, und später dem Dienst aller heiligen Märtyrer vom päpstlichen Stuhl geweiht wurde; in jenem Tempel befand sich an den Wänden auch eine Art von Altären, an jedem derselben aber Sitzbänke, auf welche die Versammelten sich niederließen und mit den Ellbogen sich auf die Altäre, als ebenso viele Tische stützten. Es war kein Vorsitzender bezeichnet, der die erste Stelle hätte einnehmen sollen, sondern die einzelnen brachen, wie die Lust sie anwandelte, in die Mitte hervor, und gaben von der Brust weg ihren Spruch laut von sich; und, worüber ich mich wunderte, alle, die in dieser Versammlung waren, waren voller Begründungen für des Menschen völliges Unvermögen in geistigen Dingen, und so Verhöhner des freien Willens in Beziehung auf dieselben. Als sie nun versammelt waren, siehe, da brach plötzlich einer in die Mitte hervor, und tat mit erhobener Stimme folgenden Ausspruch: Freien Willen hat der Mensch nicht mehr, als das Weib Lots hatte, nachdem es in eine Salzsäule verwandelt war; denn hätte der Mensch mehr freien Willen, so würde er wohl aus sich den Glauben unserer Kirche sich aneignen, welcher ist, daß Gott der Vater denselben mit voller Freiheit und ganz nach Wohlgefallen gibt wem und wann Er will; dieses Wohlgefallen und jener Gnadenakt stände keineswegs bei Gott, wenn der Mensch mit einer gewissen Freiheit oder Willkür sich denselben ebenfalls aneignen könnte; denn so würde unser Glaube, der das uns Tag und Nacht vorleuchtende Gestirn ist, in die Luft zerstreut werden wie eine Sternschnuppe. Nach diesem brach ein anderer von seinem Sitz hervor und sagte: Der Mensch hat nicht mehr freien Willen in geistigen Dingen, als das reißende Tier, ja selbst der Hund; weil der Mensch, wenn er sie hätte, das Gute aus sich täte, während doch alles Gute von Gott ist, und der Mensch sich nichts nehmen kann, was nicht vom Himmel gegeben worden ist. Nach diesem sprang einer von seinem Sitz auf und erhob in der Mitte seine Stimme, indem er sprach: Der Mensch hat in geistigen Dingen, auch in Durchschauung derselben, nicht mehr freien Willen, als die Nachteule hat bei Tag, ja selbst als das noch im Ei befindliche Küchlein hat; er ist in denselben ganz und gar blind wie ein Maulwurf; denn wäre er ein Luchs im Durchschauen der Dinge, die zum Glauben, zum Heil und zum ewigen Leben gehören, so würde er glauben, er könne sich selbst wiedergebären und selig machen, und würde es auch suchen, und so seine Gedanken und Handlungen über und über durch Ansprüche auf Verdienst entheiligen. Wieder lief ein anderer in die Mitte hinaus und gab folgenden Spruch von sich: Wer meint, er könne nach dem Fall Adams in geistigen Dingen etwas wollen und verstehen, ist verrückt und wird kettentoll, weil er dann in den Wahn verfällt, er sei ein Fetisch oder Gott, der vermöge eigenen Rechts einen Teil der göttlichen Macht besitzt. Nach diesem trat ein anderer keuchend in die Mitte hervor, unter dem Arm ein Buch tragend, genannt die Konkordienformel, auf deren Orthodoxie, wie er sie nannte, die Evangelischen heutzutage schwören; er öffnete dasselbe und las folgendes daraus vor: Daß der Mensch zum Guten völlig verdorben und tot sei, so daß in des Menschen Natur nach dem Fall vor der Wiedergeburt nicht einmal ein Fünkchen geistiger Kräfte zurückgeblieben oder übrig sei, durch die derselbe zur Gnade Gottes vorbereitet werden, oder die dargebotene ergreifen, oder dieser Gnade aus sich und durch sich fähig sein, oder in geistigen Dingen etwas verstehen, glauben, umfassen, denken, wollen, anfangen, vollenden, tun, wirken, mitwirken, oder sich zur Gnade zubereiten oder geschickt machen, oder etwas zur Bekehrung, sei es zur Hälfte, oder zum kleinsten Teil aus sich beitragen könnte. Und daß der Mensch in geistigen Dingen, die das Seelenheil betreffen, wie die Salzsäule des Weibes Lots, und ähnlich sei einem leblosen Klotz oder Stein, die nicht den Gebrauch der Augen, des Mundes, oder irgendwelcher Sinne haben. Daß er jedoch eine von der Stelle bewegende Kraft habe, oder die äußeren Glieder regieren, zu den öffentlichen Versammlungen hingehen, und das Wort und Evangelium hören könne. - (Dies liest man in meiner Ausgabe Seite 656, 658, 661- 663, 671-673). Hierauf liefen alle zusammen und riefen zugleich aus: Dies ist wahrhaft orthodox. Ich stand dabei, und hatte dies alles mit gespannter Aufmerksamkeit angehört, und weil ich in meinem Geist entbrannte, so fragte ich mit lauter Stimme: Wenn ihr in geistigen Dingen den Menschen zu einer Salzsäule, zum Tier, zum Blinden und zum Wahnsinnigen machet, was ist alsdann eure Theologie, ist nicht alles und jedes in ihr geistig? Darauf gaben sie nach einigem Schweigen zur Antwort: In unserer ganzen Theologie ist gar nichts Geistiges, das die Vernunft faßte; bloß unser Glaube ist darin geistig; diesen aber haben wir wohl verschlossen, damit nicht jemand hineinblicke, und haben dafür gesorgt, daß nicht irgendein geistiger Strahl davon ausfließe und vor dem Verstand erscheine, und überdies trägt der Mensch auch nicht ein Teilchen durch irgend etwas von seinem Willen zu demselben bei. Auch die Liebe haben wir von allem Geistigen entfernt, und sie zu einer bloß moralischen gemacht, ebenso die Zehn Gebote. Über die Rechtfertigung, Sündenvergebung, Wiedergeburt, und Seligmachung als deren Folge, tragen wir auch nichts Geistiges vor; wir sagen, daß der Glaube sie wirke, aber wie, wissen wir gar nicht; an die Stelle der Buße nahmen wir die Zerknirschung, und damit man sie nicht für geistig halte, rückten wir sie in allen ihren Berührungspunkten vom Glauben weg; über die Erlösung nahmen wir auch keine andere als bloß natürliche Vorstellungen an, daß nämlich Gott der Vater das menschliche Geschlecht unter die Verdammnis beschlossen, und daß Sein Sohn diese Verdammnis auf Sich genommen und Sich an das Kreuz habe schlagen lassen, und daß Er so Seinen Vater zum Erbarmen bewogen habe, und dergleichen mehr, worin du lediglich nichts Geistiges, sondern bloß Natürliches finden wirst. Allein nun fuhr ich in meiner früher gefaßten Entrüstung fort, und sprach: Hätte der Mensch keinen freien Willen in geistigen Dingen, was wäre er dann anderes als ein vernunftloses Tier? Erhebt sich nicht der Mensch eben durch jenen über die unvernünftigen Tiere? Was ist die Kirche ohne ihn anderes als das schwarze Gesicht eines Färbers, in dessen Augen ein weißer Flecken ist? Was ist das Wort ohne ihn anderes als ein leeres Buch? Was wird häufiger in ihm gesagt und geboten, als daß der Mensch Gott lieben, und daß er den Nächsten lieben, sowie auch, daß er glauben soll, und dann, daß ihm Seligkeit und Leben zuteil werde, Jesajah wie er liebt und glaubt? Wer ist wohl, der nicht das Vermögen hätte, zu verstehen und zu tun, was im Wort und was in den Zehn Geboten vorgeschrieben ist? Wie hätte Gott dergleichen dem Menschen vorschreiben und gebieten können, wenn ihm nicht das Vermögen dazu gegeben gewesen wäre? Man sage einmal einem Bauer, dessen Geist nicht durch Trugschlüsse in theologischen Dingen verschlossen ist, er könne in Dingen des Glaubens und der Liebe, und somit des Heils nicht besser verstehen und wollen, als ein Klotz und Stein, ja nicht einmal sich dazu zubereiten und geschickt machen, ob er dann nicht aus voller Brust lachen und sagen wird: Was gibt es Wahnsinnigeres? Was soll mir da der Geistliche und seine Predigt? Was ist alsdann die Kirche mehr, als ein Stall, und was der Gottesdienst mehr als ein Pflügen? O welche Verrücktheit, so zu reden!

Es ist Narrheit über Narrheit! Wer leugnet denn, daß alles Gute von Gott kommt? Ist nicht dem Menschen gegeben, das Gute zu tun aus sich von Gott? Das gleiche gilt vom Glauben. Nachdem sie dies gehört, riefen sie alle: Wir sprachen aus Rechtgläubigem rechtgläubig, du aber sprichst aus Bäurischem bäurisch; allein plötzlich fiel hier ein Blitz aus dem Himmel herein, und damit er sie nicht verzehre, stürzten sie haufenweise hinaus und flohen hinweg, jeder seinem Hause zu.

504. Zweite Denkwürdigkeit. Ich war im inwendigeren geistigen Sehen, in dem die Engel des oberen Himmels sind, damals jedoch in der Geisterwelt; da sah ich zwei Geister nicht weit von mir, voneinander selbst aber entfernt, und ich bemerkte, daß der eine von ihnen das Gute und Wahre liebte, und dadurch mit dem Himmel verbunden war, und daß der andere das Böse und Falsche liebte, und dadurch mit der Hölle verbunden war. Ich ging hin und rief sie zusammen, und aus ihrem Ton und ihren Antworten entnahm ich, daß der eine wie der andere die Wahrheiten fassen, die gefaßten anerkennen, somit aus dem Verstand denken, und auch die Gegenstände des Verstandes nach Gefallen, und die Gegenstände des Willens nach Belieben bestimmen konnte, mithin jeder von ihnen in gleicher Willensfreiheit hinsichtlich der Vernunftgegenstände war. Und überdies bemerkte ich, daß von dieser Freiheit in ihren Gemütern aus ein Licht schien vom ersten Sehen an, welches das der Wahrnehmung war, bis zum letzten Sehen, welches das des Auges war; als aber der, welcher das Böse und Falsche liebte, sich selbst überlassen dachte, bemerkte ich, daß wie ein Rauch von der Hölle heraufstieg und das Licht, das über dem Gedächtnis war, auslöschte, daher ihm dort Finsternis, wie mitten in der Nacht entstand, dann auch, daß jener Rauch entzündet wie eine Flamme brannte, welche diejenige Region des Gemüts, die unterhalb des Gedächtnisses war, in Helle setzte, infolgedessen derselbe dann Falsches arger Art aus Bösem der Selbstliebe heraus dachte. Beim anderen aber, der das Gute und Wahre liebte, sah ich, als er sich selbst überlassen war, eine milde Flamme aus dem Himmel niederfließen, welche die Gemütsregion, die oberhalb des Gedächtnisses war, und auch die Region unterhalb desselben bis zum Auge erleuchtete, und daß das Licht aus dieser Flamme mehr und mehr erglänzte, Jesajah wie er aus der Liebe zum Guten das Wahre wahrnahm und dachte. Aus diesen Anschauungen ward mir klar, daß jeglicher Mensch, sowohl der Böse als der Gute, eine geistige Willensfreiheit hat; daß aber die Hölle sie zuweilen auslöscht bei den Bösen, und daß der Himmel sie erhöht und befeuert bei den Guten. Nach diesem sprach ich mit beiden, und zwar zuerst mit dem, der das Böse und Falsche liebte, und dann auch einiges über sein Los; als ich den freien Willen nannte, geriet er in Hitze und sprach: O welch ein Wahnsinn zu glauben, daß der Mensch freien Willen in geistigen Dingen habe! Welcher Mensch kann sich den Glauben nehmen, und das Gute tun aus sich? Lehrt nicht die Geistlichkeit heutzutage aus dem Wort, daß niemand irgend etwas nehmen könne, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben worden? Und der Herr Christus sagte zu Seinen Jüngern: Ohne Mich könnt ihr nichts tun; welchem ich noch beifüge, daß niemand vermag, den Fuß oder die Hand zu rühren, um irgend etwas Gutes zu tun, noch die Zunge zu bewegen, um irgend etwas Wahres aus dem Guten zu reden; weshalb die Kirche auf den Ausspruch ihrer Weisen hin beschloß, der Mensch könne nichts Geistiges wollen, verstehen und denken, ja nicht einmal zu Wollen, Verstehen und Denken desselben sich anzuschicken, mehr als eine Bildsäule, ein Klotz und ein Stein, und darum werde von Gott, Dem allein ganz freie und schrankenlose Macht zukomme, nach Wohlgefallen der Glaube eingehaucht, der ohne alle unsere Mühe und Macht, unter dem Wirken des Heiligen Geistes, alles hervorbringt, was die Ununterrichteten dem Menschen zuschreiben. Darauf sprach ich mit dem anderen, der das Gute und Wahre liebte, und als ich, nach einigen Worten über sein Los, den freien Willen nannte, sagte er: Welch ein Wahnsinn, den freien Willen in geistigen Dingen zu leugnen! Wer kann nicht das Gute wollen und tun, und das Wahre denken und reden aus sich vom Wort, somit vom Herrn her, Der das Wort ist; denn Er sprach: „Bringet gute Früchte,  und glaubet an das Licht!“ und wieder: „Liebet einander, und liebet Gott!“, dann auch: „Wer Meine Gebote hört und tut, der liebt Mich, und Ich werde ihn lieben“; und so tausend ähnliche Stellen im ganzen Wort. Wozu denn das Wort, wenn der Mensch das, was darin geboten ist, nicht wollen und denken, und daraus tun und reden könnte? Was wäre ohne dieses Vermögen beim Menschen die Religion und die Kirche anderes, als ein im Schiffbruch untergegangenes Schiff, das auf dem Grund des Meeres liegt, und auf dessen Mastbaumspitze der Schiffsherr steht und ruft: Ich vermag gar nichts? und zusieht, wie die übrigen Schiffsleute in Booten mit aufgezogenen Segeln davonschiffen? War nicht dem Adam die Freiheit gegeben, vom Baum des Lebens zu essen, und auch vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen? Und weil er nach seiner Freiheit von letzterem Baume aß, so drang Dunst aus der Schlange, das ist der Hölle, in sein Gemüt ein; weshalb er aus dem Paradies geworfen und verflucht ward. Und dennoch verlor er den freien Willen nicht, denn man liest, daß der Weg zum Baum des Lebens von einem Cherub bewacht wurde, weil er, wenn dies nicht geschehen wäre, noch vermocht hätte, von demselben essen zu wollen. Nachdem er dies gesagt, bemerkte der andere, der das Böse und Falsche liebte: Das, was ich da gehört habe, laß ich dahingestellt sein; ich halte bei mir fest, was ich vorgetragen; wer weiß aber nicht, daß Gott allein lebendig und daher tätig ist, und daß der Mensch aus sich tot und daher bloß passiv ist; wie kann ein solcher, der an sich tot und bloß passiv ist, sich etwas Lebendiges und Aktives beilegen? Hierauf antwortete ich: Der Mensch ist ein Organ des Lebens, und Gott allein ist das Leben, und Gott läßt Sein Leben in das Organ und dessen Einzelnes einfließen, wie die Sonne ihre Wärme in den Baum und dessen Einzelnes einfließen läßt; und Gott verleiht, daß der Mensch dieses Leben in sich als das seinige fühlt, und daß er so fühle, will Gott zu dem Ende, daß der Mensch nach den Gesetzen der Ordnung, deren es ebenso viele gibt, als Gebote im Wort, wie aus sich lebe, und sich zur Aufnahme der Liebe Gottes geschickt mache. Dennoch aber hält Gott beständig den Finger an der senkrechten Zunge zuoberst der Waage und hält in Schranken, ohne doch jemals den freien Willen durch Zwang zu beeinträchtigen. Der Baum kann von dem, was ihm die Wärme der Sonne durch die Wurzel zuführt, nichts aufnehmen, wofern er nicht bis in seine einzelnen Fasern lau und warm wird, noch können die Elemente durch die Wurzel aufsteigen, wenn nicht seine einzelnen Fasern infolge der aufgenommenen Wärme auch Wärme ausatmen und so zum Durchgang beitragen. In gleicher Weise der Mensch infolge der von Gott aufgenommenen Lebenswärme; nur daß dieser, zum Unterschied vom Baum, dieselbe als die seinige empfindet, obgleich sie nicht sein ist; inwieweit er aber glaubt, daß sie sein sei, und nicht Gottes, insoweit nimmt er das Licht des Lebens, nicht aber die Wärme der Liebe von Gott, sondern die Wärme der Liebe von der Hölle auf, die, weil sie grober Art ist, die feineren Auszweigungen des Organs verstopft und verschließt, wie unreines Blut die Haargefäße des Körpers; so macht sich der Mensch vom geistigen zum bloß natürlichen. Den freien Willen hat der Mensch von daher, daß er das Leben in sich als das seinige empfindet, und daß Gott den Menschen so empfinden läßt, damit eine Verbindung erfolge, die nicht möglich wäre, wenn sie nicht wechselseitig wäre, und wechselseitig wird sie, sobald der Mensch aus der Freiheit heraus ganz wie aus sich tätig ist. Hätte Gott dem Menschen dies nicht gelassen, so wäre der Mensch nicht Mensch, noch hätte er ewiges Leben; denn die wechselseitige Verbindung mit Gott macht, daß der Mensch Mensch ist, und nicht Tier, sowie auch, daß er nach dem Tode ewig fortlebt; der freie Wille in geistigen Dingen bewirkt dies. Nachdem er dies gehört, entfernte sich jener böse Geist eine Strecke weit, und nun erblickte ich eine fliegende Schlange, die man Prester nennt, auf einem Baum, die jemanden eine Frucht von da herab bot; und, gerade im Geiste befindlich, ging ich auf den Ort zu, und an der stelle der Schlange zeigte sich ein mißgestalteter Mensch, dessen Angesicht der Bart so sehr bedeckte, daß nichts als die Nase zu sehen war, und an der Stelle des Baumes ein Feuerbrand, bei dem jener stand, in dessen Gemüt erst der Dunst eingedrungen war, worauf er dann den freien Willen in geistigen Dingen verwarf; und plötzlich ging nun ein ähnlicher Qualm aus dem Feuerbrand hervor und umfloß beide; und weil sie so meinem Anblick entzogen wurden, ging ich weg. Der andere aber, der das Gute und Wahre liebte und behauptete, der Mensch habe feien Willen in geistigen Dingen, begleitete mich nach Hause.

505. Dritte Denkwürdigkeit. Einst hörte ich ein Knirschen wie von zwei Mühlsteinen, die aneinanderstießen; ich ging dem Geräusch nach, und es verlor sich, und ich sah eine enge Pforte, die in schiefer Richtung abwärts führte zu einem mit Tafelwerk verzierten Haus, in dem mehrere Zimmer, und in diesen wieder kleine Zellen waren, in deren jeder zwei saßen, die aus dem Wort Belegstellen für die Rechtfertigung durch den bloßen Glauben sammelten; der eine sammelte und der andere schrieb, und dies abwechslungsweise.

Ich trat zu einem der Zellchen hin, das nahe an der Türe war und fragte: Was sammelt und schreibt ihr da? Sie sagten: Über den Akt der Rechtfertigung oder den Glauben als Akt, welcher der eigentlich rechtfertigende, lebendig- und seligmachende Glaube und die Hauptlehre der Kirche in unserer Christenheit ist. Und nun sagte ich zu ihm: Nenne mir doch irgendein Zeichen jenes Aktes, wann jener Glaube in das Herz und in die Seele des Menschen hineingebracht wird. Er erwiderte: Das Zeichen jenes Aktes ist in dem Augenblick da, wenn der Mensch von Schmerz, daß er verdammt sei, durchdrungen, und während er in dieser Zerknirschung ist, an Christus und die durch Ihn weggenommene Verdammnis des Gesetzes denkt, und dieses Verdienst Desselben mit Zuversicht ergreift, und mit Ihm in Gedanken Gott den Vater angeht und anfleht. Darauf sagte ich: Auf diese Weise also kommt der Akt zustande, und dies ist der Augenblick? Und ich fragte: Wie soll ich es verstehen, wenn von diesem Akt gesagt wird, daß der Mensch durchaus nichts zu demselben beitrage, ebensowenig, als er beitragen würde, wenn er ein Klotz oder Stein wäre, und daß der Mensch in Beziehung auf diesen Akt nichts anfangen, wollen, einsehen, verstehen, denken, wirken, mitwirken, sich anschicken und befähigen könne? Sag mir, wie dies mit deinen Worten zusammenhängt, nach welchen der Akt dann eintritt, wenn der Mensch an das Recht des Gesetzes, an seine von Christus aufgehobene Verdammnis und an die Zuversicht denkt, mit der er Sein Verdienst ergreift, und in Gedanken an dieses Gott den Vater angeht und anfleht; geschieht denn nicht alles dies von seiten des Menschen? Allein er sagte: Es geschieht vom Menschen nicht aktiv, sondern passiv; ich erwiderte aber: Wie kann jemand passiv denken, Zuversicht haben und flehen? Nimm hierbei dem Menschen das Aktive und Mitwirkende, nimmst du ihm dann nicht auch das Aufnehmende, somit alles, und mit allem den Akt selbst weg? Was wird alsdann aus deinem Akt, als eine bloße Vorstellung, die man ein Gedankending heißt? Ich hoffe, daß du nicht mit einigen glaubst, ein solcher Akt finde bloß bei den Vorherbestimmten statt, die von der Eingießung des Glaubens bei ihnen gar nichts wissen; diese können mit Würfeln spielen und dadurch ausmitteln, ob ihnen der Glaube eingegossen sei, oder nicht. Glaube daher, mein Freund, daß der Mensch in Ansehung des Glaubens und der Liebtätigkeit wirkt aus sich vom Herrn her, und daß ohne dieses Wirken dein Glaubensakt, den du den Hauptpunkt der Lehren der Kirche in der Christenheit nanntest, nichts ist, als das zur Salzsäule gewordene Weib Lots, die von bloßem Salz knistert, wenn die Feder des Schreibers oder der Nagel seines Fingers über sie hinstreift: Luk.17/32; ich sagte dies, weil ihre euch selbst hinsichtlich jenes Aktes den Bildsäulen gleich macht. Als ich dies sagte, ergriff er einen Leuchter, um ihn mit starker Hand mir ins Gesicht zu werfen; da erlosch aber plötzlich das Licht, und er warf denselben seinem Genossen auf die Stirne, ich aber ging lächelnd hinweg.

506. Vierte Denkwürdigkeit. Es erschienen in der geistigen Welt zwei Herden, von denen die eine aus Böcken, die andere aus Schafen bestand; ich wunderte mich, wer sie sein möchten, da ich wußte, daß die Tiere, die man in der geistigen Welt sieht, nicht Tiere, sondern Entsprechungen der Neigungen und der daraus hervorgehenden Gedanken derer sind, die sich daselbst befinden. Ich trat daher näher hinzu, und wie ich näher kam, verschwanden die Tiergestalten, und an ihrer Stelle erschienen Menschen; und es ward offenbar, daß die, welche die Herde von Böcken ausmachten, solche waren, die sich in der Lehre von der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben bestärkt, und die, welche die Schafherde bildeten, aus solchen bestanden, die geglaubt hatten, daß die Liebtätigkeit und der Glaube eines seien, wie das Gute und das Wahre eines sind. Und nun sprach ich mit denen, die als Böcke erschienen waren und fragte: Warum seid ihr in dieser Weise versammelt? (Die meisten gehörten zur Geistlichkeit und hatten sich des Rufes der Gelehrsamkeit gerühmt, in dem sie standen, weil sie die Geheimnisse der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben wußten.) Sie sagten, sie seien versammelt, um eine Kirchenversammlung abzuhalten, weil sie gehört hätten, daß der Ausspruch des Paulus Rö.3/28, daß der Mensch gerecht werde durch den Glauben ohne die Werke des Gesetzes, nicht recht verstanden worden sei, indem Paulus dort unter dem Glauben nicht verstanden habe den Glauben der heutigen Kirche, welcher der an drei göttliche Personen von Ewigkeit ist, sondern den Glauben an den Herrn Gott Heiland Jesus Christus; und daß er unter den Werken des Gesetzes nicht verstanden habe die Werke des Gesetzes der Zehn Gebote, sondern die Werke des mosaischen Gesetzes, das für die Juden war, und daß sie so aus jenen wenigen Wörtern durch falsche Auslegung zwei arge Irrtümer gezogen hätten, nämlich die, daß sie den Glauben der heutigen Kirche, und dann die Werke des Gesetzes der Zehn Gebote darunter verstanden. Daß Paulus nicht diese darunter verstand, sondern die Werke des mosaischen Gesetzes, das für die Juden war, gehe deutlich hervor aus seinen Worten an Petrus, dem er vorwarf, daß er judaisiere, [sich nach jüdischen Gesetzen richte,] während er doch wußte, „daß niemand durch die Werke des Gesetzes gerechtfertigt werde, sondern durch den Glauben Jesu Christi“: Gal.2/14,15,[16]; durch den Glauben Jesu Christi heißt, durch den Glauben an Ihn und durch Ihn, man sehe oben Nr. 338; und weil er unter den Werken des Gesetzes die Werke des mosaischen Gesetzes verstand, darum unterschied er zwischen dem Gesetz des Glaubens und dem Gesetz der Werke, und zwischen Juden und Heiden, oder der Beschneidung und Vorhaut; und durch die Beschneidung wird wie allenthalben anderwärts, der Judaismus bezeichnet, und er schließt auch jenes mit den Worten: „Heben wir denn also durch den Glauben das Gesetz auf? Dies sei ferne! Sondern wir befestigen das Gesetz“, dies alles sagt er in einem Zusammenhang, Rö.3/27-31, wie er denn auch im vorhergehenden Kapitel sagt: „Nicht die Hörer des Gesetzes werden von Gott gerechtfertigt werden, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden“: Rö.2/13; ferner, „daß Gott jedem vergelten werde nach seinen Werken“: Rö.2/6, und weiter „Wir alle müssen offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit ein jeglicher empfange, was er durch den Leib getan hat, es sei gut oder böse“: 2Kor.5/10, und so viele andere Stellen bei ihm; woraus erhellt, daß auch Paulus den Glauben ohne die guten Werke verworfen hat, gerade wie Jakobus, Brief Kap.2/17-26. Daß Paulus die Werke des mosaischen Gesetzes, das für die Juden war, verstanden hatte, darin sind wir noch weiter durch den Umstand bestärkt worden, daß bei Moses alle für die Juden gegebenen Satzungen Gesetz, also Werke des Gesetzes heißen, was wir aus folgendem ersahen: „Dies ist das Gesetz der Speisopfer“: 3Mo.6/7,11f; „[Dies ist das Gesetz des Schuldopfers“: 3Mo.7/1. „Dies ist das Gesetz des Friedensopfers“: 3Mo.7/7,11f.] „Dies ist das Gesetz für das Brandopfer, für die Speisopfer, für das Sünd- und Schuldopfer, und für die Füllopfer“: 3Mo.7/37. „Dies ist das Gesetz vom Tier und vom Vogel“: 3Mo.11/46f. „Dies ist das Gesetz der Gebärerin, für den Sohn oder die Tochter“: 3Mo.12/7. „Dies ist das Gesetz vom Aussatz“: 3Mo.13/59; 14/2,32,54,57. „Dies ist das Gesetz des mit dem Flusse Behafteten“: 3Mo.15/32. „Dies ist das Gesetz über die Eifersucht“: 4Mo.5/29,30. „Dies ist das Gesetz des Nasiräers“: 4Mo.6/13,21. „Dies ist das Gesetz der Reinigung“: 4Mo.19/14. „Dies ist das Gesetz von der roten Kuh“: 4Mo.19/2. „Das Gesetz für den König“: 5Mo.17/15-19. Ja das ganze Buch Mosis heißt „das Buch des Gesetzes“: 5Mo.31/9,11,12,26, sowie auch Luk.2/22; 24/44; Joh.1/46; 7/22,23; 8/5. Diesem fügten sie noch bei, sie hätten bei Paulus gesehen, daß man nach dem Gesetz der Zehn Gebote leben müsse, und daß dieses von der Liebtätigkeit erfüllt werde“: Rö.13/8-11, und dann auch, daß er sage, „es seien die drei: der Glaube, die Hoffnung und die Liebe, und die Größte unter diesen sei die Liebe“: 1Kor.13/13, also nicht der Glaube. Sie sagten, um dieser Dinge willen seien sie zusammenberufen worden. Damit ich sie aber nicht stören möchte, ging ich weg, und nun erschienen sie wieder von ferne wie Böcke, zuweilen wie liegend, und zuweilen wie stehend; sie wandten sich aber von der Schafherde ab. Wie liegend erschienen sie, wenn sie sich beratschlagten, und wie stehend, wenn sie Beschlüsse faßten. Ich heftete aber meinen Blick auf ihre Hörner und wunderte mich, daß die Hörner an ihren Stirnen bald als nach vorne und in die Höhe gestreckt, bald rückwärts gegen den Rücken zu geboren und zuletzt ganz zurückgebeugt erschienen; und alsdann wandten sie sich alle plötzlich gegen die Schafherde, erschienen aber immer noch als Böcke; weswegen ich wieder hinzuging und fragte: Was nun? Sie sagten, sie hätten jetzt den Beschluß gefaßt, daß der bloße Glaube das Gute der Liebtätigkeit hervorbringe, wie der Baum die Früchte hervorbringt; allein hier hörte man einen Donner und sah einen Blitz herabkommen, und bald erschien ein Engel, der zwischen den zwei Herden stand, und der Schafherde zurief: Höret nicht auf sie, sie sind von ihrem früheren Glauben nicht abgegangen, welcher ist, daß der bloße Glaube rechtfertige und selig mache, und keineswegs die wirkliche Liebtätigkeit; auch ist nicht der Glaube der Baum, sondern der Mensch ist der Baum, tut aber Buße und seht auf den Herrn, so werdet ihr den Glauben haben; bevor es hierzu kommt, ist der Glaube kein Glaube, in dem etwas Lebendiges wäre. Auf dieses wollten die Böcke mit rückwärtsgebeugten Hörnern zu den Schafen hinzutreten, allein der zwischen ihnen stehende Engel schied die Schafe in zwei Herden und sagte zu denen zur Linken: Schließet euch den Böcken an! Ich sage euch aber, daß der Wolf kommen und sie rauben wird, und euch mit ihnen. Nachdem aber die zwei Schafherden getrennt waren, und die zur Linken die drohenden Worte des Engels gehört hatten, sahen sie einander an und sagten: Laßt uns mit unseren früheren Genossen reden! Und nun redete die linke Herde die rechte an und sprach: Warum seid ihr von unseren Hirten abgetreten? Sind nicht Glaube und Liebe eins, wie Baum und Frucht eins sind?

Denn der Baum setzt sich durch die Zweige in die Früchte fort. Reißet etwas vom Ast ab, durch das der Baum in stetigem Zusammenhang in die Frucht einfließt; wird dann nicht auch die Frucht zugrunde gehen, und zugleich mit der Frucht aller Same irgendeines neu entstehenden Baumes? Fragt einmal unsere Geistlichen, ob es nicht so sei. Da fragten sie, und [die Geistlichen] sahen die übrigen rings umher an und blinzelten ihnen zu, sie möchten sagen, daß jene gut gesprochen hätten, worauf sie antworteten: Ihr habt recht geredet, was aber das Sichfortsetzen des Glaubens in gute Werke betrifft, gleich dem des Baumes in die Früchte, so kennen wir viele Geheimnisse, deren Veröffentlichung hier nicht am Ort ist. Am Band oder Faden des Glaubens und der Liebtätigkeit finden sich mehrere Knötchen, die allein wir Geistliche lösen können. Und nun erhob sich einer von den Geistlichen, der unter den Schafen zur Rechten war und sprach: Sie haben euch geantwortet, das dem so sei, den Ihrigen aber, daß dem nicht so sei, denn sie denken anders; weshalb jene fragten: Wie denken sie denn? Denken sie nicht wie sie lehren? Er sagte: Nein; sie denken, daß alles Gute der Liebe, das man ein gutes Werk heißt, und das vom Menschen um der Seligkeit der des ewigen Lebens willen vollbracht wird, nicht dem kleinsten Teile nach gut sei, und zwar darum nicht, weil der Mensch durch das Werk aus sich selbst selig machen, und so die Gerechtigkeit und das Verdienst des einen Heilandes an sich reißen wolle; und daß es sich mit jedem guten Werk so verhalte, bei dem der Mensch seinen Willen fühlt; daher sie behaupten, es finde durchaus keine Verbindung des Glaubens und der Liebe statt, und es werde nicht einmal der Glaube durch die Liebe bewahrt und erhalten. Da sagten aber die von der linken Herde: Du redest Lügen wider sie; predigen sie nicht deutlich vor uns die Liebe und ihre Werke, die sie Werke des Glaubens heißen? Allein jener erwiderte: Ihr versteht ihre Predigten nicht; nur ein Geistlicher, der gegenwärtig ist, merkt und versteht sie, sie denken bloß an die moralische Nächstenliebe und an ihr bürgerliches und politisches Gute, das sie das des Glaubens heißen, welches es aber durchaus nicht ist, da ein gottesleugnerischer Mensch dasselbe ebenso und unter derselben Form tun kann, daher sie auch einmütig sagen, daß niemand durch irgendwelche Werke selig werde, sondern allein durch den Glauben; doch dies soll durch Vergleiche deutlich gemacht werden: [z.B.] daß der Obstbaum Obst hervorbringe; tue aber der Mensch das Gute um der Seligkeit willen, wie dieser Baum das Obst in stetigem Zusammenhang erzeuge, dann sei das Obst inwendig faulig und voll Würmer. Sie sagen auch, daß der Weinstock Trauben hervorbringe, würde aber der Mensch geistig Gutes wie der Weinstock die Trauben hervorbringen, so würde er wilde Trauben bringen. Hier fragten sie aber: Welche Beschaffenheit schreiben sie denn dem Guten der Liebe oder den Werken zu, die des Glaubens Früchte sind? Er antwortete: Sie befinden sich vielleicht unsichtbarer Weise irgendwo in der Nähe des Glaubens, ohne jedoch mit ihm zusammenzuhängen; sie sind wie der Schatten, der dem Menschen von hinten folgt, wenn dieser sich der Sonne zuwendet, welchen Schatten er nicht wahrnimmt, wofern er sich nicht umwendet; ja ich kann sagen, daß sie wie Pferdeschwänze sind, die man heutzutage an vielen Orten abhaut, indem man sagt: Was sollen sie? Sie sind zu nichts nütze; hängen sie am Pferd, so werden sie leicht beschmutzt; wie er dies hörte, sagte einer von der linken Schafherde unwillig: Es muß doch überhaupt irgendeine Verbindung statthaben, denn wie könnten sie sonst Werke des Glaubens heißen? Vielleicht wird das Gute der Liebe von Gott durch irgendeinen vermittelnden Einfluß in die freiwilligen Werke des Menschen hineingebracht, etwa durch eine Anregung, ein Anwehen, Eingeben, einen Anreiz und eine Erweckung des Willens, ein stilles Innewerden im Denken und eine auf dasselbe folgende Anmahnung, Zerknirschung, und sonach durch das Gewissen und einen aus ihm kommenden Antrieb, einen Gehorsam gegen die Zehn Gebote und das Wort, wie beim Kind oder dem Weisen, oder durch etwas Vermittelndes, das diesem ähnlich ist, wie könnten sie sonst Früchte des Glaubens heißen? Allein der Geistliche antwortete: Nein! Und wenn sie auch sagen, daß es durch dergleichen geschehe, so verbinden sie es in ihren Reden doch mit Wörtern, aus denen hervorgeht, daß es nicht aus dem Glauben kommt. Zwar führen einige dergleichen an, aber bloß als Zeichen des Glaubens, nicht aber als etwas, das diesen mit der Liebe verbindet. Indessen erdachten einige doch eine Verbindung mittelst des Wortes, und nun fragten sie: Findet nicht eine Verbindung auf diese Weise statt? Da antwortete er aber: So denken sie es sich nicht, [nämlich daß durch freiwilliges Handeln nach dem Wort eine Verbindung bewirkt werde], sondern durch das bloße hören des Wortes, denn sie behaupten, daß alles Vernünftige und alles Wollende des Menschen unrein und auf Verdienst ausgehend sei, weil der Mensch in geistigen Dingen so wenig etwas verstehen, wollen, wirken und mitwirken könne, als ein Klotz. Einer aber, als er hörte, das man glaube, der Mensch sei ein solcher in allen Dingen des Glaubens und des Heils, sprach sodann: Ich hörte einen sagen: Ich habe einen Weinberg angepflanzt und will nun Wein bis zur Berauschung trinken; da fragte ihn aber ein anderer: Willst du den Wein aus deinem Becher mit deiner Rechten trinken? Er sagte: Nein, sondern ich will aus einem unsichtbaren Becher mit einer unsichtbaren Hand ihn trinken; da erwiderte der andere: Dann wirst du gewiß nicht berauscht werden. Gleich darauf sagte derselbe Mann: Höret mich doch! Ich sage euch, trinket Wein aus dem verstandenen Wort! Wisset ihr nicht, daß der Herr das Wort ist? Ist nicht das Wort aus dem Herrn, und ist nicht so Er selbst in ihm? Wenn ihr also Gutes nach dem Wort tut, tut ihr es dann nicht aus dem Herrn, aus Seinem Mund und Willen? Und wenn ihr dann auf den Herrn seht, so wird Er euch auch führen und lehren, und ihr werdet es aus euch vom Herrn her tun. Wer, der etwas vom König her, nach dessen Mund und Befehl tut, kann sagen: Dies tue ich aus meinem Mund oder Befehl, und nach meinem Willen? Hierauf wandte er sich an die Geistlichkeit, und sagte: Ihr Diener Gottes, verführet die Herde nicht! Nachdem sie dies gehört, trat der größte Teil der linken Herde ab und gesellte sich der Herde zur Rechten bei. Einige von der Geistlichkeit sagten dann: Wir haben gehört, was wir früher nie gehört hatten; wir sind Hirten, wir wollen die Schafe nicht verlassen. Und so traten sie zugleich mit jenen ab und sprachen: Jener Mann hat ein wahres Wort gesprochen; wer, der nach dem Wort, also aus dem Herrn, nach seinem Mund und Willen handelt, kann sagen: Dies tue ich aus mir? Wer, der nach dem Befehl des Königs, nach Seinem Mund und Willen handelt, sagt wohl: Dies tue ich aus mir? Wir sehen jetzt die göttliche Vorsehung, warum keine Verbindung des Glaubens und der Werke gefunden wurde, die von der kirchlichen Gesellschaft anerkannt worden wäre; sie konnte nicht gefunden werden, weil es keine geben konnte; denn es war kein Glaube an den Herrn da, Der das Wort ist; es war also auch kein Glaube aus dem Wort da. Die übrigen Geistlichen hingegen, die zur Herde der Böcke gehörten, gingen weg, schwangen ihre Hüte und riefen: Der bloße Glaube, der bloße Glaube, er soll dennoch leben!

507. Fünfte Denkwürdigkeit. Ich war im Gespräch mit Engeln, und zwar zuletzt über die Begierde des Bösen, in der jeder Mensch von Geburt her ist. Einer sagte: In der Welt, in der ich bin, erscheinen die, welche in der Begierde sind, uns Engeln als Narren, sie selbst aber sich als höchst weise; weshalb sie, damit sie aus ihrer Narrheit herausgezogen würden, abwechslungsweise in diese, und wieder in die Vernünftigkeit versetzt werden, die bei ihnen im Äußeren ist, und in diesem Zustand sehen, anerkennen und bekennen sie ihren Unsinn, sehnen sich aber doch aus ihrem vernünftigen Zustand in ihren unsinnigen zurück, und versetzen sich auch wirklich in diesen, wie aus dem Zwang und der Unlust in die Freiheit und Lust; so werden sie inwendig durch die Begierde, und nicht durch die Einsicht ergötzt. Es gibt drei allgemeine Gattungen von Liebe, aus denen von der Schöpfung her jeder Mensch zusammengesetzt ist, die Liebe zum Nächsten, welche auch die Liebe ist Nutzen zu schaffen, und diese Liebe ist geistig; die Liebe zur Welt, welche auch die Liebe ist Güter zu besitzen, und diese Liebe ist materiell; und die Liebe zu sich, welche auch die Liebe ist über andere zu herrschen, und diese Liebe ist körperlich. Der Mensch ist wahrhaft Mensch, wenn die Nächstenliebe, oder die Liebe Nutzen zu schaffen, das Haupt bildet, und die Weltliebe oder die Liebe Güter zu besitzen, die Brust und den Bauch bildet, und die Selbstliebe, oder die Liebe zum Herrschen die Beine und die Fußsohlen derselben bildet; bildet hingegen die Weltliebe das Haupt, so ist der Mensch nicht in anderer Weise Mensch als wie ein Höckeriger; bildet dagegen die Selbstliebe das Haupt, so ist er nicht wie ein auf den Füßen stehender Mensch, sondern wie einer, der auf den flachen Händen steht, das Haupt nach unten und die Hinterteile nach oben gekehrt. Wenn die Liebe Nutzen zu schaffen, das Haupt bildet, und die zwei übrigen Liebesgattungen der Ordnung nach den Leib und die Füße, so erscheint ein solcher Mensch im Himmel mit einem Engelsgesicht und einem schönen Farbenbogen um das Haupt. Bildet hingegen die Liebe zur Welt oder zu zeitlichen Gütern das Haupt, so erscheint er vom Himmel aus angesehen mit blassem Gesicht, gleich dem eines Toten und einem rötlich gelben Kreis um den Kopf; bildet aber die Liebe zu sich oder zum Herrschen über andere das Haupt, so erscheint ein solcher, vom Himmel aus gesehen, mit schwarzfeurigem Gesicht und einem farblosen Kreis um den Kopf. Hierbei fragte ich, was die Kreise um die Häupter vorbildeten; sie antworteten, dieselben bilden die Einsicht vor: der farblose Kreis um den Kopf des dunkelfeurigen Gesichts bildet vor, daß dessen

Einsicht im Äußeren oder um ihn her sei, der Unsinn hingegen im Inneren oder in ihm; auch ist wirklich ein Mensch dieser Art verständig, wenn er im Körper, unsinnig hingegen, solange er im Geist ist; und kein Mensch ist weise am Geist, außer vom Herrn her, und dies ist der Fall, wenn er vom Herrn aufs neue gezeugt und geschaffen wird. Bei diesen Worten öffnete sich die Erde zur Linken, und ich sah einen Teufel mit schwarzfeurigem Gesicht und einem farblosen Ring um den Kopf heraufsteigen, und fragte: Wer bist du? Er sagte: Ich bin Luzifer, der Sohn der Morgenröte, und weil ich mich dem Höchsten gleich machte, so wurde ich hinabgestoßen, wie ich bei Jesaja, Kap.14 beschrieben werde. Er war jedoch nicht dieser Luzifer, sondern glaubte nur derselbe zu sein; und ich sagte: Wenn du hinabgestoßen worden bist, wie kannst du wieder heraufsteigen aus der Hölle? Und er antwortete: Dort bin ich Teufel, hier aber bin ich ein Engel des Lichts. Siehst du nicht mein Haupt mit einem weißen Gürtel umgeben? Und wenn du willst, wirst du auch sehen, daß ich moralisch bin unter den Moralischen, und vernünftig unter den Vernünftigen, ja geistig unter den Geistigen; ich konnte auch predigen. Ich fragte: Wie hast du gepredigt? Er sagte: Gegen die Betrüger, gegen die Ehebrecher und gegen alle höllischen Neigungen; ja auch den Luzifer nannte ich dann einen Teufel, und verschwor mich gegen ihn, und ward deshalb gepriesen und bis an den Himmel erhoben, und daher kommt, daß ich Sohn der Morgenröte genannt wurde; und, worüber ich mich selbst wunderte, als ich auf der Kanzel stand, dachte ich nicht anders, als daß ich recht und wie es sich gehört gesprochen habe; allein die Ursache ward mir enthüllt, daß ich nämlich im Äußeren war, und dieses dann getrennt war von meinem Inneren; und obgleich mir dies enthüllt worden war, so konnte ich mich doch nicht ändern, weil ich über den Höchsten mich erhoben und gegen Ihn mich aufgelehnt hatte. Hierauf fragte ich ihn: Wie hast du denn so reden können, da du doch selbst ein Betrüger und selbst ein Ehebrecher bist?

Er antwortete: Ich bin ein anderer solang ich im Äußeren oder im Körper bin, und ein anderer, solang ich im Inneren oder im Geist bin. Im Körper bin ich ein Engel, im Geist aber ein Teufel; denn im Körper bin ich im Verstand, im Geist aber bin ich im Willen, und der Verstand trägt mich nach oben, der Wille hingegen trägt mich nach unten; und solang ich im Verstand bin, umhüllt ein weißer Gürtel mein Haupt, wenn hingegen der Verstand sich ganz an den Willen hingibt und dessen Eigentum wird, was unser letztes Los ist, dann wird der Gürtel schwarz und verschwindet, und wenn dies geschehen ist, so kann ich nicht mehr in dieses Licht heraufsteigen. Doch hier ward, sobald er die Engel bei mir sah, sein Angesicht plötzlich zu Feuer, samt seiner Rede, und er ward schwarz, und mit ihm auch der Gürtel um den Kopf, und durch die Öffnung, durch die er heraufgestiegen war, sank er hinab in die Hölle. Die Dabeistehenden zogen aus dem, was sie gesehen und gehört hatten, den Schluß, daß der Mensch so sei wie sein Wille, und nicht wie sein Verstand ist, weil der Wille den Verstand leicht auf seine Seite zieht und ihn sich zum Sklaven macht.

Dann fragte ich die Engel: Woher kommt den Teufeln Vernünftigkeit? Und sie sagten: Aus der Glorie der Liebe zu sich; denn die Liebe zu sich wird mit einer Glorie umgeben, sofern diese nämlich der Abglanz ihres Feuers ist, und diese Glorie erhebt den Verstand beinahe in das Licht des Himmels; denn der Verstand kann bei jeglichem Menschen erhoben werden Jesajah nach den Erkenntnissen, nicht aber der Wille, außer durch ein den Wahrheiten der Kirche und der Vernunft gemäßes Leben. Daher kommt, daß selbst die Gottesleugner, die in der Glorie der Berühmtheit aus der Liebe zu sich und infolgedessen im Dünkel eigener Einsicht sind, sich einer tiefer eindringenden Vernünftigkeit erfreuen, als viele andere, jedoch nur dann, wenn sie im Denken des Verstandes, nicht aber wenn sie in der Liebe des Willens sind, und die Liebe des Willens hat den inneren Menschen im Besitz, das Denken des Verstandes hingegen den äußeren. Weiter sagte der Engel den Grund, warum der Mensch aus jenen drei Arten von Liebe zusammengesetzt ist, nämlich aus der Liebe zum Nutzenschaffen, aus der Liebe zur Welt und aus der Liebe zu sich; der Grund ist, damit der Mensch aus Gott denke, obgleich ganz wie aus sich. Er sagte, das Oberste in des Menschen Gemüt sei nach oben Gott zugekehrt, das Mittlere in ihm nach außen zur Welt, und das Unterste nach unten in den Körper, und weil dieses nach unten gekehrt ist, so denkt der Mensch ganz wie aus sich, während er doch von Gott aus denkt.

508. Sechste Denkwürdigkeit. Eines Tags erschien mir ein großartiger Tempel, im Viereck gebaut, und mit einer Dachbedeckung in Gestalt einer Krone, oben gewölbt, und rings herum gehoben; seine Wände waren ununterbrochen fortlaufende Fenster von Kristallen, das Tor aus perlenartigem Stoff; im Inneren, nach der südwestlichen Seite hin, war eine Rednerbühne, auf der zur Rechten das Wort lag, aufgeschlagen und mit einer Lichtsphäre umgeben, deren Schimmer die ganze Bühne umzog und erleuchtete; inmitten des Tempels war das Allerheiligste, vor dem ein Vorhang war, nun aber aufgezogen, und hier stand ein Cherub von Gold mit einem hin und her sich wendenden Schwert in der Hand. Während ich diese Dinge anschaute, floß in mein Nachdenken ein, was sie im einzelnen bezeichneten; daß nämlich jener Tempel bezeichnete die neue Kirche: das Tor aus perlenartigem Stoff den Eingang in sie, die Fenster aus Kristallen die Wahrheiten, die sie erleuchteten, die Rednerbühne das geistliche Amt und die Predigten; das Wort über demselben, geöffnet und den oberen Teil der Rednerbühne erleuchtend, dessen inneren Sinn, welcher geistig ist, geoffenbart. Das Allerheiligste inmitten des Tempels, die Verbindung dieser Kirche mit dem Engelhimmel, der Cherub von Gold darin, das Wort im Buchstabensinn; das hin und her sich wendende Schwert in seiner Hand bedeutet, daß dieser Sinn dahin und dorthin gewendet werden könne, wenn es nur mit Anwendung auf eine gewisse Wahrheit geschieht. Daß der Vorhang vor dem Cherub aufgezogen war, bedeutete, daß jetzt das Wort aufgeschlossen sei. Als ich nachher näher hinzutrat, sah ich eine Schrift über dem Tor, nämlich: ‚Nun ist es erlaubt‘ [nunc licet], was bedeutete, daß es jetzt erlaubt sei, verstandesmäßig in die Geheimnisse des Glaubens einzudringen. Beim Anblick dieser Schrift fiel in mein Denken, daß es sehr gefährlich sei, mit dem Verstand einzugehen in die Lehrbestimmungen des Glaubens, die aus der eigenen Einsicht und somit aus Falschem, zusammengeblasen sind, und noch weit mehr, sie aus dem Wort zu begründen, infolgedessen der Verstand nach oben und allmählich auch nach unten verschlossen wird, so sehr, daß die theologischen Dinge nicht nur mit Ekel angesehen, sondern vertilgt werden, wie eine Schrift auf Papier von den Motten, und die Wolle eines Tuchs von den Schaben, während der Verstand nur bleibt in politischen Dingen, die sich auf sein Leben in der Herrschaft, unter der er steht, und in bürgerlichen Dingen, die zu seinem Berufe gehören, und in häuslichen, die sein Hauswesen betreffen, wobei er dann sowohl in jenen, als in diesen fortwährend die Natur küßt und sie wegen der Reize ihrer Genüsse liebt, wie der Götzendiener das goldene Bild in seinem Busen. Da nun die Lehrbestimmungen in den heutigen Kirchen nicht aus dem Wort, sondern aus der eigenen Verständigkeit, und somit aus Falschem, zusammengeschmiedet, und auch durch einiges aus dem Wort begründet sind, so ist durch eine Fügung der göttlichen Vorsehung des Herrn das Wort bei den Römisch-Katholischen den Laien genommen, und bei den Protestanten dasselbe zwar geöffnet, dennoch aber wieder verschlossen worden durch den allgemeinen Ausspruch ihres Mundes, daß man den Verstand unter den Gehorsam ihres Glaubens gefangennehmen müsse. In der neue Kirche hingegen geschieht das Gegenteil: in ihr ist es erlaubt, mit dem Verstand einzugehen und einzudringen in alle ihre Geheimnisse, und auch durch das Wort sie zu begründen. Der Grund ist, weil ihre Lehren stetig zusammenhängende, vom Herrn durch das Wort aufgedeckte Wahrheiten sind, und deren Bestätigungen durch Vernunftgründe bewirken, daß der Verstand mehr und mehr nach oben geöffnet, und so in das Licht erhoben wird, in dem die Engel des Himmels sind, und dieses Licht in seinem Wesen die Wahrheit ist, und in diesem Licht die Anerkennung des Herrn als Gott des Himmels und der Erde glänzt in ihrer Herrlichkeit. Dies wird verstanden unter der Schrift über dem Tor des Tempels: ‚Nun ist es erlaubt‘, und auch unter dem, daß der Vorhang des Allerheiligsten vor dem Cherub aufgezogen wurde; denn feststehender Grundsatz der neuen Kirche ist, daß die Falschheiten den Verstand verschließen, und daß die Wahrheiten ihn aufschließen. Nach diesem sah ich über dem Haupt die Gestalt eines Kindes, das ein Blatt in der Hand hielt, und wie es mir näherkam, zur mittleren Größe eines Erwachsenen heranwuchs; es war ein Engel aus dem dritten Himmel, wo alle von ferne wie Kinder erscheinen; sobald er bei mir war, bot er mir das Blatt hin, weil es aber mit rundzügiger Schrift, dergleichen in jenem Himmel ist, beschrieben war, so gab ich es zurück und bat, sie möchten selbst den Sinn der darin enthaltenen Worte in solchen Wörtern ausdrücken, die den Vorstellungen meines Denkens angepaßt sind, und er erwiderte: Es steht darauf geschrieben: Gehet von nun an ein in die Geheimnisse des bisher verschlossenen Wortes, denn seine einzelnen Wahrheiten sind ebenso viele Spiegel des Herrn.