Gottes Wesen, welches ist die göttliche Liebe und Weisheit  

36. Wir haben unterschieden zwischen dem Sein Gottes und dem Wesen Gottes, weil zwischen der Unendlichkeit Gottes und der Liebe Gottes; und die Unendlichkeit auf das Sein Gottes, die Liebe aber auf das Wesen Gottes bezogen wird; denn das Sein Gottes ist, wie schon oben gesagt worden, umfassender [universalius], als das Wesen Gottes, und ebenso die Unendlichkeit umfassender als die Liebe Gottes; weshalb auch ‚unendlich‘ als ein Bestimmungswort für die Wesensteile und Eigenschaften Gottes gebraucht wird, die alle ‚unendlich‘ heißen; wie man denn von der göttlichen Liebe sagt, sie sei unendlich, von der göttlichen Weisheit, sie sei unendlich, und von der göttlichen Macht in gleicher Weise; nicht als wäre das Sein Gottes früher da gewesen, sondern weil es in das Wesen eindringt, als ein damit zusammenhängender, bestimmender, bildender und zugleich erhebender Bestandteil. Allein dieser Teil des vorliegenden Kapitels muß, wie die früheren, in folgende Abschnitte zerlegt werden:

I. Die Liebe selbst und die Weisheit selbst ist Gott, und diese beiden machen Sein Wesen aus.

II. Das Gute selbst und das Wahre selbst ist Gott, weil das Gute Angehör der Liebe und das Wahre Angehör der Weisheit ist.

III. Die Liebe selbst und die Weisheit selbst sind das Leben selbst, welches das Leben in sich ist.

IV. Die Liebe und die Weisheit in Gott machen eins aus.

V. Das Wesen der Liebe ist, andere außer sich lieben, eins mit ihnen sein und sie durch sich beglücken wollen.

VI. Diese [Wesensbestimmungen] der göttlichen Liebe waren der Grund der Schöpfung des Weltalls und sind der Grund seiner Erhaltung. Doch hievon im einzelnen.  

37. I. Gott ist die Liebe selbst und die Weisheit selbst, und diese beiden machen Sein Wesen aus.

Daß die Liebe und Weisheit die zwei Wesenheiten sind, auf die sich alles Unendliche, das in Gott ist und das von Ihm ausgeht, zurückbezieht, wurde schon in der Urzeit gesehen; die folgenden Weltalter aber waren in dem Maß, als sie allmählich die Gemüter vom Himmel abzogen und sie in Weltliches und Körperliches versenkten, unfähig, es zu sehen; denn sie begannen nicht mehr zu wissen, was die Liebe in ihrem Wesen und was die Weisheit in dem ihrigen ist, nicht wissend, daß es keine formlose Liebe geben kann, und daß sie in der Form und durch die Form wirkt. Da nun Gott die Substanz selbst und die Form selbst, und die einzige und somit die Ursubstanz und Urform ist, deren Wesen Liebe und Weisheit ist, und da aus Ihm alles geworden ist, was geworden ist, so folgt, daß Er das Weltall mit allem und jedem desselben aus der Liebe durch die Weisheit erschaffen hat, und daß infolgedessen die göttliche Liebe zugleich mit der göttlichen Weisheit in allen und jeden erschaffenen Subjekten ist. Auch ist die Liebe das Wesen, das nicht nur alles bildet, sondern es auch vereinigt und verbindet, und so das Gebildete im Zusammenhang hält.

Dies kann durch unzählige Dinge in der Welt veranschaulicht werden; wie z.B. durch die Wärme und das Licht aus der Sonne, welche die zwei Wesenheiten sind, die überall vorherrschen und auf der Erde vorhanden sind, durch die alles und jedes auf der Erde entsteht und besteht. Diese sind auf der Erde vorhanden, weil sie der göttlichen Liebe und der göttlichen Weisheit entsprechen; denn die Wärme, die aus der Sonne der geistigen Welt hervorgeht, ist ihrem Wesen nach Liebe, und das Licht von daher ist seinem Wesen nach Weisheit. Sie können auch veranschaulicht werden durch die Wesensteile, die überall [beim Menschen] vorherrschen und durch welche zwei die menschlichen Gemüter entstehen und bestehen, nämlich durch den Willen und den Verstand; denn aus diesen beiden besteht eines jeglichen Gemüt, und diese beiden sind und wirken in allem und jedem desselben. Die Ursache ist, weil der Wille der Behälter und Wohnsitz der Liebe und der Verstand in gleicher Weise derjenige der Weisheit ist; weshalb diese beiden der göttlichen Liebe und der göttlichen Weisheit, aus denen sie ursprünglich ihr Dasein haben, entsprechen. Noch weiter kann dasselbe veranschaulicht werden durch die zwei Wesensteile, die überall in den menschlichen Körpern vorherrschen und wodurch dieselben entstehen und bestehen, nämlich durch das Herz und die Lunge, oder die Zusammenziehung und Erweiterung des Herzens und das Atmen der Lunge: daß diese beiden in allem und jedem derselben wirksam sind, ist bekannt. Die Ursache ist, weil das Herz der Liebe entspricht und die Lunge der Weisheit, welche Entsprechung in der zu Amsterdam herausgegebenen »Engelsweisheit, betreffend die göttliche Liebe und Weisheit«, vollständig nachgewiesen worden ist. Daß die Liebe wie der Bräutigam und Gatte alle Formen hervorbringt oder erzeugt, jedoch durch die Weisheit als Braut und Gattin, kann durch Unzähliges in beiden Welten, der geistigen und natürlichen, unwiderleglich dargetan werden: es soll nur dies erwähnt werden, daß der gesamte Engelhimmel in seine Form gebracht und in ihr zusammengehalten wird aus der göttlichen Liebe durch die göttliche Weisheit. Diejenigen, welche die Schöpfung der Welt anderswoher als aus der göttlichen Liebe durch die göttliche Weisheit ableiten und nicht wissen, daß jene beiden das göttliche Wesen ausmachen, steigen vom Sehen der Vernunft herab zum Sehen des Auges und küssen die Natur als Schöpferin des Weltalls und empfangen von daher Chimären und gebären Gespenster; sie ersinnen Trugschlüsse, vernünfteln aus ihnen und brüten Eier aus, in welchen sich Nachtvögel befinden. Solche können nicht Gemüter genannt werden, sondern Augen und Ohren ohne Verstand, oder Gedanken ohne Seele; sie reden von den Farben, als entstünden sie ohne Licht; von der Entstehung der Bäume, als erfolgte sie ohne Samen, und von allen Dingen der Welt, als wären sie ohne Sonne entstanden, indem sie das Abgeleitete zum Ursprünglichen und das Verursachte zur Ursache machen, und so alles ins Entgegengesetzte verkehren, und die Wachposten  der Vernunft einschläfern, und so Träume sehen.  

38. II. Gott ist das Gute selbst und das Wahre selbst, weil das Gute Angehör der Liebe und das Wahre Angehör der Weisheit ist.

Es ist allgemein bekannt, daß alles eine Beziehung auf das Gute und Wahre hat; ein Anzeichen, daß alles aus der Liebe und Weisheit entstanden ist; denn alles, was aus der Liebe hervorgeht, heißt Gutes, weil dieses gefühlt wird und das Angenehme, durch das die Liebe sich offenbart, für einen jeden sein Gutes ist. Alles das aber, was aus der Weisheit hervorgeht, heißt Wahres, weil die Weisheit nur aus Wahrheiten besteht und sie ihre Gegenstände mit dem Anmutigen des Lichtes affiziert, und dieses Anmutige, wenn es empfunden wird, Wahres aus Gutem ist; daher die Liebe der Inbegriff aller Arten von Gutem und die Weisheit der Inbegriff aller Wahrheiten ist; allein diese beiden sind von Gott, Der die Liebe selbst und somit das Gute selbst, und die Weisheit selbst und somit das Wahre selbst ist. Daher kommt es, daß in der Kirche zwei wesentliche Stücke sind, welche die Liebtätigkeit und der Glaube heißen, aus denen alles und jedes in ihr besteht und die in allem und jedem derselben sein müssen. Der Grund ist, weil alles Gute der Kirche Angehör der Liebtätigkeit ist und Liebtätigkeit heißt, und alle ihre Wahrheiten Angehör des Glaubens sind und Glaube heißen: das Angenehme der Liebe, welches auch das Angenehme der Liebtätigkeit ist, macht, daß das Angenehme Gutes heißt; und das Anmutige der Weisheit, welches auch das Anmutige des Glaubens ist, macht, daß die Wahrheiten Wahrheiten heißen; denn das Angenehme und Anmutige macht ihr Leben aus; ohne das Leben aus ihnen ist das Gute und Wahre wie unbeseelt, und ist auch unfruchtbar. Allein das Angenehme der Liebe ist von gedoppelter Art, ebenso das Anmutige, das als dasjenige der Weisheit erscheint; nämlich Angenehmes der Liebe zum Guten und Angenehmes der Liebe zum Bösen, und daraus Anmutiges des Glaubens an Wahres und Anmutiges des Glaubens an Falsches. Jene zweierlei Arten des Angenehmen heißen in den Trägern, in denen sie sind, infolge des Gefühls derselben Gutes, und diese zweierlei Arten des Anmutigen des Glaubens heißen infolge der Wahrnehmung derselben auch Gutes. Weil sie aber im Verstand sind, so sind sie nichts anderes als Wahres, obgleich sie einander entgegengesetzt sind und das Gute der einen Liebe Gutes und das der anderen Liebe Böses ist, und dann auch das Wahre des einen Glaubens Wahres und das des anderen Glaubens Falsches ist. Aber die Liebe, deren Angenehmes wesentlich Gutes ist, ist wie die befruchtende und belebende Sonnenwärme, die auf den fruchtbaren Boden, auf die nutzbaren Bäume und auf die Saaten einwirkt; und wo sie einwirkt, da entsteht eine Art von Paradies, ein Garten Jehovahs, und gleichsam ein Land Kanaan; und das Anmutige des Wahren ist wie das Licht aus der Sonne zur Zeit des Frühlings und wie das Licht, das in ein Kristallgefäß einfließt, in dem schöne Blumen sind und bei dessen Öffnung Wohlgerüche hervorduften. Wogegen das Angenehme der Liebe zum Bösen wie die austrocknende und ertötende Sonnenwärme ist, die in unfruchtbaren Boden und in schädliche Bäume z.B. Stachelgewächse und Dorngesträuche einwirkt, und wo sie wirkt, da entsteht eine arabische Wüste, in der Schlangen, Hydren und Drachen hausen. Und das Anmutige ihres Falschen ist wie das Licht aus der Sonne zur Zeit des Winters und wie das Licht, das in einen Schlauch einfließt, in dem Würmer, die im Essig schwimmen, und kriechende Tiere von widerlicher Ausdünstung sind.

Man muß wissen, daß alles Gute sich durch die Wahrheiten gestaltet und auch durch sie sich bekleidet, und so sich von anderem Guten unterscheidet. Desgleichen auch, daß das Gute von einer Sippschaft sich in Bündel verknüpft und zugleich diese umhüllt, und so sich von anderem unterscheidet; daß in dieser Weise Bildungen entstehen, stellt sich an allem und jedem im menschlichen Körper heraus. Daß ähnliches im menschlichen Gemüt vorgeht, ergibt sich daraus, daß eine fortlaufende Entsprechung statthat zwischen allen Teilen des Geistes und allen Teilen des Körpers: woraus folgt, daß das menschliche Gemüt inwendig aus geistigen Substanzen und auswendig aus natürlichen Substanzen und zuletzt aus materiellen organisiert ist. Dasjenige Gemüt, bei dem das Angenehme der Liebe das Gute ist, inwendig aus geistigen Substanzen, wie sie im Himmel sind, dasjenige Gemüt hingegen, dessen Angenehmes das Böse ist, inwendig aus geistigen Substanzen, wie sie in der Hölle sind. Das Böse des letzteren wird in Bündel zusammengebunden durch Falsches, und das Gute des ersteren in Bündel durch Wahrheiten; und weil solches Zusammenbündeln des Guten und des Bösen statthat, darum sagt der Herr, daß das Unkraut in Bündel gesammelt werden solle zum Verbrennen, und ebenso die Ärgernisse: Matth.13/30,40,41; Joh.15/6.  

39. III. Gott, weil Er die Liebe selbst und die Weisheit selbst ist, ist das Leben selbst, welches das Leben in sich ist.

Es heißt bei Johannes: „Das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, in Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“: Joh.1/1,4; unter Gott wird hier die göttliche Liebe und unter dem Wort die göttliche Weisheit verstanden; und die göttliche Weisheit ist im eigentlichen Sinn das Leben, und das Leben ist im eigentlichen Sinn das Licht, das hervorgeht aus der Sonne der geistigen Welt, in deren Mitte Jehovah Gott ist; die göttliche Liebe bildet das Leben, wie das Feuer das Licht bildet Im Feuer ist zweierlei: die Brennkraft und der Glanz; aus seiner Brennkraft geht die Wärme hervor und aus seinem Glanz geht das Licht hervor. In gleicher Weise gibt es auch zweierlei in der Liebe: das eine, dem die Brennkraft des Feuers entspricht, ist etwas den Willen des Menschen inwendigst Anregendes, und das andere, dem der Glanz des Feuers entspricht, ist etwas den Verstand des Menschen inwendigst Anregendes; daraus kommt dem Menschen Liebe und Einsicht; denn, wie schon einige Male gesagt worden ist, aus der Sonne der geistigen Welt geht Wärme hervor, die ihrem Wesen nach Liebe ist, und Licht, das seinem Wesen nach Weisheit ist. Diese zwei fließen in alles und jedes des Weltalls ein und regen es in seinem Inwendigsten an, und bei den Menschen fließen sie in ihren Willen und Verstand, welche beide zu Aufnahmegefäßen des Einflusses geschaffen sind: der Wille zum Aufnahmegefäß der Liebe und der Verstand zum Aufnahmegefäß der Weisheit. Daraus erhellt, daß das Leben des Menschen im Verstand wohnt und daß letzterer so beschaffen ist, wie seine Weisheit, und daß die Liebe des Willens dieselbe verändert.  

40. Bei Joh.5/26 liest man auch: „Wie der Vater das Leben in Sich selbst hat, so hat Er auch dem Sohn gegeben, das Leben in Sich selbst zu haben“, worunter verstanden wird, daß gleichwie das Göttliche Selbst, das von Ewigkeit war, in Sich lebt, so auch das Menschliche, welches es in der Zeit angenommen, in Sich lebt. Das Leben in sich ist das eigentliche und einzige Leben, aus dem alle Engel und Menschen leben. Die menschliche Vernunft kann dies an dem Licht sehen, das aus der Sonne der natürlichen Welt hervorgeht; [sie kann sehen,] daß dieses nicht geschaffen werden konnte, sondern daß Formen erschaffen wurden, die es aufnehmen; denn die Augen sind die aufnehmenden Formen desselben und das einfließende Licht aus der Sonne macht, daß sie sehen. Ebenso verhält es sich mit dem Leben, welches, wie gesagt, das aus der Sonne der geistigen Welt hervorgehende Licht ist, daß [nämlich] dieses nicht erschaffbar ist, sondern fortwährend einfließt und den Verstand des Menschen, wie es ihn erleuchtet, so auch belebt; und daß mithin, weil Licht, Leben und Weisheit eines sind, die Weisheit nicht erschaffbar ist, und ebenso auch nicht der Glaube, noch das Wahre, noch die Liebe, noch die Liebtätigkeit, noch das Gute, sondern dass die sie aufnehmenden Formen erschaffen worden sind; die menschlichen und engelischen Gemüter sind diese Formen.

Hüte sich also jeder, sich zu bereden, daß er aus sich lebe und aus sich weise sei, glaube, liebe, das Wahre inne werde und das Gute wolle und tue. Denn inwieweit er sich dieses einredet, insoweit wirft er sein Gemüt vom Himmel auf die Erde herab und wird aus einem geistigen Menschen ein natürlicher, sinnlicher und fleischlicher; denn er verschließt die oberen Regionen seines Gemütes; und infolgedessen wird er hinsichtlich auf alles, was Gott, was den Himmel und was die Kirche betrifft, blind, und dann geht alles, was er etwa darüber denkt, urteilt und spricht, in Torheit vor sich, weil in der Finsternis, und er versenkt sich zugleich in die Zuversicht, daß dies Weisheit sei; denn wenn die oberen Regionen des Gemüts verschlossen sind, in denen das wahre Licht des Lebens wohnt, so öffnet sich die Region des Gemüts unterhalb derselben, in die nur Licht der Welt eingelassen wird, und dieses Licht ist, wenn getrennt vom Licht der oberen Regionen, ein Irrlicht, in dem das Falsche als Wahres und das Wahre als Falsches erscheint, und das Vernünfteln aus Falschem als Weisheit, und [die Schlüsse] aus Wahrem als Unsinn, und dann glaubt ein solcher den Scharfblick des Adlers zu haben, obgleich er von den Dingen der Weisheit nicht mehr sieht, als die Fledermaus beim Tageslicht.  

41. IV. Die Liebe und die Weisheit machen in Gott eins aus.

Jeder Weise in der Kirche weiß, dass alles Gute der Liebe und Liebtätigkeit von Gott ist, und ebenso alles Wahre der Weisheit und des Glaubens; daß dem so ist, kann auch die menschliche Vernunft sehen, sobald sie nur weiß, daß die Liebe und die Weisheit ihren Ursprung in der Sonne der geistigen Welt haben, in deren Mitte Jehovah Gott ist, oder was dasselbe ist, daß sie denselben haben von Jehovah Gott durch die Sonne, die rings um Ihn her ist; denn die aus dieser Sonne hervorgehende Wärme ist ihrem Wesen nach Liebe, und das aus ihr hervorgehende Licht ist seinem Wesen nach Weisheit. Daraus aber ersieht man wie am hellen Tage, daß die Liebe und die Weisheit in diesem ihrem Ursprung, somit in Gott, in welchem der Ursprung der Sonne ist, eines sind. Es läßt sich dies auch verdeutlichen an der Sonne der natürlichen Welt, die reines Feuer ist, sofern nämlich aus ihrer feurigen Substanz Wärme hervorgeht und aus dem Glanz derselben Licht, und so beide in ihrem Ursprung eines sind. Daß sie aber im Fortgang geteilt werden, zeigt sich an den Subjekten, von denen einige mehr Wärme, und andere mehr Licht aufnehmen. Dies geschieht besonders bei den Menschen; in diesen werden das Licht des Lebens, welches Einsicht ist, und die Wärme des Lebens, welche Liebe ist, geteilt, und dies geschieht darum, weil der Mensch umgebildet und wiedergeboren werden soll, und dies nicht möglich ist, wofern nicht das Licht des Lebens, welches Einsicht ist, lehrt, was man wollen und lieben soll.

Man muß jedoch wissen, daß Gott unablässig auf die Verbindung der Liebe und Weisheit beim Menschen hinwirkt, der Mensch hingegen, wenn er nicht zu Gott aufsieht und an Ihn glaubt, fortwährend auf die Teilung hinarbeitet. Inwieweit daher jene beiden, das Gute der Liebe oder Liebtätigkeit und das Wahre der Weisheit oder des Glaubens beim Menschen verbunden werden, insoweit wird der Mensch ein Ebenbild Gottes, und wird erhoben zum Himmel und in den Himmel, wo die Engel sind; und umgekehrt, inwieweit jene beiden vom Menschen geteilt werden, insoweit wird der Mensch ein Bild Luzifers und des Drachen, und wird vom Himmel auf die Erde herabgeworfen und hernach unter die Erde in die Hölle. Infolge der Verbindung jener beiden wird der Zustand des Menschen wie der Zustand des Baumes zur Zeit des Frühlings, wenn die Wärme sich in gleichem Maß mit dem Licht verbindet, was dann sein Ausschlagen, Blühen und Fruchtbringen bewirkt; umgekehrt hingegen wird infolge der Teilung jener beiden der Zustand des Menschen wie der Zustand des Baumes zur Zeit des Winters, wenn die Wärme sich vom Licht zurückzieht, wodurch er dann von allen Blättern und allem Laubwerk entblößt und kahl wird. Wenn die geistige Wärme, welche Liebe ist, sich trennt vom geistigen Licht, welches Weisheit ist, oder, was dasselbe ist, die Liebtätigkeit vom Glauben [sich trennt], so wird der Mensch wie ein sauer oder faul werdender Boden, in welchem Würmer entstehen, und wo, wenn er Sträucher hervorbringt, dessen Blätter mit Läusen angefüllt und verzehrt werden. Denn die Lockungen der Liebe zum Bösen, die in sich Begierden sind, brechen hervor, und die Einsicht zähmt und zügelt sie nicht, sondern liebt sie, zieht sie groß und ernährt sie: mit einem Wort, die Liebe und die Weisheit, oder die Liebtätigkeit und den Glauben trennen, die beide Gott fortwährend zu verbinden strebt, ist vergleichsweise ebensoviel als das Angesicht der Röte berauben, wodurch dann Blässe wie die eines Toten entsteht, oder das Weiße vom Rot wegnehmen, wodurch dann das Angesicht wie eine angezündete Fackel wird. Auch ist es, wie wenn man das eheliche Band zwischen zweien auflöst und macht, daß das Weib zur Buhlerin und der Mann zum Ehebrecher wird; denn die Liebe oder Liebtätigkeit ist wie der Gatte und die Weisheit oder der Glaube ist wie die Gattin, und wenn diese beiden getrennt werden, so entsteht eine geistige Buhlerei und Hurerei, welche Verfälschung des Wahren und Schändung des Guten sind.  

42. Überdies muß man wissen, daß es drei Grade der Liebe und Weisheit, und infolgedessen drei Grade des Lebens gibt, und daß das menschliche Gemüt nach diesen Graden wie in Regionen abgeteilt ist, und daß das Leben sich in der obersten Region im höchsten Grad, in der zweiten Region im geringeren Grad, und in der untersten Region im geringsten Grad befindet. Diese Regionen werden bei den Menschen nach und nach geöffnet; die unterste Region, in der das Leben im geringsten Grad ist, von der Kindheit bis zum Knabenalter, und dies geschieht durch Kenntnisse; die zweite Region, wo das Leben in höherem Grad ist, vom Knabenalter bis zum Jünglingsalter, und dies geschieht durch das Denken aus den Kenntnissen; und die oberste Region, wo das Leben im höchsten Grad ist, vom Jünglingsalter bis zum Mannesalter und weiter fort, und dies geschieht durch das Innewerden der moralischen und geistigen Wahrheiten. Ferner ist zu bemerken, daß die Vervollkommnung des Lebens nicht im Denken besteht, sondern im Innewerden des Wahren aus dem Licht des Wahren. Die Lebensverschiedenheiten bei den Menschen lassen sich hieraus abnehmen; denn es gibt solche, die, sobald sie das Wahre hören, sogleich inne werden, daß es wahr ist; diese werden in der geistigen Welt durch Adler vorgebildet. Es gibt solche, die das Wahre nicht inne werden, sondern es erschließen aus Begründungen durch Scheinbarkeiten; diese werden durch Singvögel vorgebildet. Es gibt solche, die etwas für wahr halten, weil es von einem Mann von Ansehen vorgesprochen worden ist; diese werden durch Elstern vorgebildet. Außerdem gibt es auch solche, die das Wahre nicht inne werden wollen, und dann auch solche, die es nicht inne werden können, sondern nur das Falsche, und dies darum, weil sie in einem Irrlicht sind, in welchem Licht das Falsche als Wahres, und das Wahre entweder als etwas über dem Haupt in dichter Wolke Verborgenes, oder als eine Lufterscheinung, oder als Falsches erscheint. Die Gedanken solcher werden durch Nachtvögel und ihre Reden durch Eulengeschrei vorgebildet. Denjenigen unter ihnen, die sich in ihrem Falschen bestärkt haben, ist es unerträglich das Wahre zu hören, und sobald etwas Wahres an der Mündung ihres Ohres anklopft, stoßen sie es aus Abneigung zurück, fast ebenso, wie der mit Galligem angefüllte Magen die Speise infolge von Übelkeit wieder von sich gibt.  

43. V. Das Wesen der Liebe ist, andere außer sich lieben, eins mit ihnen sein und sie aus sich beglücken wollen.                             Es gibt zweierlei Dinge, die das Wesen Gottes ausmachen, die Liebe und die Weisheit; allein drei Dinge sind es, die das Wesen Seiner Liebe ausmachen: andere außer sich lieben, eins mit ihnen sein und sie aus sich beglücken wollen. Dieselben drei Dinge machen auch das Wesen Seiner Weisheit aus, weil, wie oben gezeigt worden ist, die Liebe und die Weisheit in Gott eins ausmachen, die Liebe aber jene Dinge will und die Weisheit sie hervorbringt.

Das erste Wesentliche, welches ist, andere außer sich lieben, wird erkannt an der Liebe Gottes gegen das ganze menschliche Geschlecht, und wegen desselben liebt Gott alle Dinge, die Er erschaffen hat, weil sie Mittel sind; denn wer den Zweck liebt, liebt auch die Mittel. Alle und alles im Weltall sind außerhalb Gottes, weil sie endlich sind, und Gott der Unendliche ist. Die Liebe Gottes verbreitet und erstreckt sich nicht bloß über die Guten und das Gute, sondern auch über die Bösen und das Böse, mithin nicht bloß über diejenigen und über dasjenige, was im Himmel ist, sondern auch über diejenigen und über dasjenige, was in der Hölle ist: also nicht bloß über Michael und Gabriel, sondern auch über den Teufel und Satan; denn Gott ist überall und von Ewigkeit zu Ewigkeit derselbe. Er sagt auch, daß Er Seine Sonne aufgehen lasse über Gute und Böse, und Regen sende über Gerechte und Ungerechte: Matth.5/45. Daß aber gleichwohl die Bösen böse sind und das Böse böse ist, liegt in den Trägern und Gegenständen selbst, sofern sie Gottes Liebe nicht so, wie sie ist und dem Innersten innewohnt, aufnehmen, sondern so wie sie selbst sind, gerade wie es der Dornstrauch und die Brennessel mit der Wärme der Sonne und mit dem Regen des Himmels machen.

Das zweite Wesentliche der Liebe Gottes, welches ist, eins mit ihnen sein wollen, wird auch erkannt an Seiner Verbindung mit dem Engelhimmel, mit der Kirche auf Erden, mit jeglichem in ihr, und mit allem Guten und Wahren, das in den Menschen und in die Kirche eingeht und sie ausmacht. Auch ist die Liebe an sich betrachtet nichts anderes als Streben nach Verbindung; weshalb denn, damit dieses Ziel, welches zum Wesen der Liebe gehört, erreicht würde, Gott den Menschen schuf zu Seinem Bild und Ähnlichkeit, womit eine Verbindung geschehen kann. Daß die göttliche Liebe fortwährend nach Verbindung strebt, erhellt aus den Worten des  Herrn, Er wolle, daß sie eins seien, Er in ihnen, und sie in Ihm, und daß die Liebe Gottes in ihnen sei: Joh 17/21-23,26.

Das dritte Wesentliche der Liebe Gottes, welches ist, andere von sich aus beglücken, wird an dem ewigen Leben erkannt, welches Seligkeit, Segen und Glück ohne Ende ist, und die Gott denen gibt, die Seine Liebe in sich aufnehmen. Denn Gott ist, wie die Liebe selbst, so auch die Seligkeit selbst, weil alle Liebe Angenehmes von sich ausströmen läßt, und die göttliche Liebe das Selige, Segensvolle und Beglückte selbst für alle Ewigkeit ist. Auf solche Weise beseligt Gott die Engel und die Menschen nach dem Tode von Sich aus, und dies geschieht durch die Verbindung mit ihnen.  

44. Daß die göttliche Liebe von der Art ist, erkennt man an ihrer Sphäre, die das Weltall durchdringt, und jeglichen gemäß seinem Zustand anregt.       Sie regt besonders die Eltern an, und daher kommt, daß sie ihre Kinder, die außerhalb ihrer sind, zärtlich lieben, daß sie eins mit ihnen sein und   dieselben aus sich beglücken wollen. Diese Sphäre der göttlichen Liebe regt nicht nur die Guten, sondern auch die Bösen an, und nicht bloß die Menschen, sondern auch die Säugetiere und die Vögel aller Art. Worauf anders denkt die Mutter, wenn sie ihr Kind geboren hat, als mit ihm    gleichsam sich zu vereinigen und für sein Wohl zu sorgen? Worauf anders der Vogel, wenn er die Jungen aus den Eiern ausgebrütet hat, als sie       unter seinen Flügeln zu wärmen und durch Küsse Speise in ihre Kehlen zu bringen? Daß auch die Schlangen und Nattern ihre Brut lieben, ist bekannt. Diese allgemein durchwaltende Sphäre regt besonders diejenigen an, die jene Liebe Gottes in sich aufnehmen, und dies sind die, welche an Gott g  lauben und den Nächsten lieben; die Liebtätigkeit ist bei ihnen das Ebenbild jener Liebe. Auch die Freundschaft zwischen Nicht-Guten nimmt den  Schein jener Liebe an; denn der Freund gibt an seinem Tisch dem Freund die besseren Stücke, küßt ihn, faßt seine Hand und drückt sie, und sagt ihm seine besten Dienste zu. Die Erscheinungen der Sympathie und das Streben der gleichartigen und ähnlichen Dinge nach Verbindung haben nirgend anderswoher ihren Ursprung. Eben jene göttliche Sphäre wirkt auch in Unbeseeltes, wie in Bäume und Kräuter ein, allein mittelst der Weltsonne und deren Wärme und Licht; denn die Wärme dringt von außen in sie ein, und verbindet sich mit ihnen und macht, daß sie treiben, blühen und Frucht  bringen. Erscheinungen, welche die Stelle der Glückseligkeit bei den beseelten Wesen vertreten: dies bewirkt jene Wärme, weil sie der geistigen   Wärme entspricht, welche die Liebe ist. Vom Wirken dieser Liebe gibt es auch Vorbildungen in verschiedenen Gegenständen des Mineralreichs; das Typische desselben stellt sich dar in den Erhöhungen jener Dinge zur Nutzbarkeit und der damit gegebenen Kostbarkeit.  

45. Aus der Beschreibung des Wesens der göttlichen Liebe läßt sich ersehen, welcherlei das Wesen der teuflischen Liebe ist; man kann dieses aus         dem Gegensatz sehen. Die teuflische Liebe ist die Liebe zu sich, auch diese heißt Liebe, ist aber in sich betrachtet Haß; denn sie liebt niemanden außerhalb  ihrer, noch will sie mit anderen verbunden werden, um ihnen, sondern bloß um sich wohlzutun. Sie trachtet aus ihrem Innersten fortwährend danach,       über alle zu herrschen und auch die Güter aller zu besitzen, und zuletzt wie Gott angebetet zu werden; und dies ist die Ursache, warum die in der           Hölle Gott nicht anerkennen, sondern diejenigen als Götter, die an Macht über andere hervorragen, also niedere und höhere, oder kleinere und größere Götter, je nach der Ausdehnung der Gewalt, und weil dies jeder dort im Herzen trägt, so brennt er auch von Haß gegen seinen Gott, und dieser gegen diejenigen, die unter seiner Herrschgewalt stehen, und sieht sie als verächtliche Sklaven an, mit denen er zwar freundlich spricht, solange sie ihn        anbeten, gegen die übrigen aber und inwendig oder in seinem Herzen selbst gegen Schützlinge wie mit Feuer wütet; denn die Selbstliebe ist ganz       dasselbe mit der Liebe der Räuber, die sich einander küssen, solange sie auf dem Raube sind, nachher aber von Begierde brennen, die Genossen zu      töten, um auch ihre Beute zu rauben. Diese Liebe macht, das ihre Begierden in der Hölle, wo sie herrscht, von ferne wie verschiedene Arten wilder      Tiere erscheinen, einige wie Füchse und Panther, einige wie Wölfe und Tiger, und einige wie Krokodile und giftige Schlangen; und daß die Wüsten, in   denen sie leben, aus nichts als Steinhaufen, oder aus bloßem Kies bestehen, mit untermischten Sümpfen, in denen Frösche quaken; und daß über ihren Hütten Klagevögel fliegen und krächzen; die Ochim, Zijim und Ijim, die in den prophetischen Teilen des Wortes, wo von der Herrschsucht und Selbstliebe die Rede ist, genannt werden, sind nichts anderes: Jes.13/21; Jer.50/39; Ps.74/14.  

46. VI. Diese Forderungen der göttlichen Liebe waren die Ursache der Schöpfung des Weltalls und sind auch die Ursache seiner    Erhaltung.                                                                                                                                                                                                              Daß jene drei Wesensteile der göttlichen Liebe die Ursache der Schöpfung waren, kann man ersehen, wenn man sie durchgeht und untersucht. Daß     jenes erste, nämlich andere außer sich lieben, Ursache war, zeigt sich am Weltall, sofern es außerhalb Gottes ist, wie die Welt außerhalb der Sonne          ist, und [dasjenige ist,] über das Er Seine Liebe verbreiten, und in dem Er sie üben und so ruhen kann. Man liest auch, daß Gott, nachdem Er Himmel       und Erde geschaffen hatte, geruht habe, und von daher der Ruhetag eingesetzt worden sei: 2Mo.2/2,3. Daß das zweite, nämlich eins mit ihnen sein       wollen, Ursache war, ergibt sich aus der Schöpfung des Menschen zu Gottes Bild und Ähnlichkeit, unter denen verstanden wird, daß der Mensch zu einer die Liebe und Weisheit von Gott aufnehmenden Form gemacht worden sei, so daß also Gott Sich mit ihm vereinigen kann, und um seinetwillen mit          allen und jeden Dingen des Weltalls, die nichts anderes sind als Mittel; denn eine Verbindung mit der Endursache ist auch eine Verbindung mit den Mittelursachen. Daß alle Dinge um des Menschen willen erschaffen worden sind, erhellt auch aus dem Buch der Schöpfung oder der Genesis 1Mo.  1/28-30. Daß das dritte, welches ist, sie aus Sich beseligen, Ursache ist, stellt sich am Engelhimmel heraus, sofern dieser für jeden Menschen, der die             Liebe Gottes aufnimmt, vorgesehen ist, und in ihm eine Beseligung aller aus dem alleinigen Gott stattfindet. Daß jene drei Wesensteile der Liebe Gottes  auch die Ursache der Erhaltung des Weltalls sind, kommt daher, daß die Erhaltung eine fortwährende Schöpfung ist, wie das Bestehen ein fortwährendes Entstehen ist; und die göttliche Liebe von Ewigkeit zu Ewigkeit dieselbe ist, mithin so wie sie war im Erschaffen der Welt, so auch ist und bleibt in der erschaffenen.  

47. Hat man dies gehörig gefaßt, so kann man daraus ersehen, daß das Weltall ein vom Ersten bis zum Letzten zusammenhängendes Werk ist, weil           es ein Werk ist, das die Endzwecke, die Ursachen und die Wirkungen in unauflöslichem Verband in sich schließt; und weil in aller Liebe ein Endzweck ist, [und] in aller Weisheit eine Beförderung des Endzwecks durch Mittelursachen ist, und durch diese zu Wirkungen, welche Nutzleistungen sind. So folgt auch, daß das Weltall ein Werk ist, das die göttliche Liebe, die göttliche Weisheit und die Nutzleistungen in sich schließt, und so ein vom Ersten bis zum Letzten durchaus zusammenhängendes Werk ist. Daß das Weltall aus fortlaufenden Nutzzwecken besteht, die durch die Weisheit hervorgebracht und von der Liebe ausgegangen sind, kann jeder Weise wie im Spiegel erblicken, wenn er sich eine allgemeine Idee von der Schöpfung erwirbt, und in ihr das Besondere unterbringt; denn das Besondere schmiegt sich seinem Allgemeinen an, und das Allgemeine bringt es in eine Form, daß sie zusammenstimmen; daß dem so ist, wird im Folgenden durch mehreres beleuchtet werden.  

48. Diesem soll folgende Denkwürdigkeit beigefügt werden. Einst sprach ich mit zwei Engeln, von denen der eine aus dem östlichen Himmel, der      andere aus dem südlichen Himmel war; als diese bemerkten, daß ich über die Geheimnisse der Weisheit betreffend die Liebe nachdachte, fragten sie: Weißt du etwas von den Schulen der Weisheit in unserer Welt? Ich antwortete: Noch nicht! und sie sagten: Es gibt deren mehrere, und die, welche die Wahrheiten aus geistiger Neigung lieben, oder die Wahrheiten lieben, weil sie Wahrheiten sind, und weil durch sie Weisheit kommt, treten auf ein gegebenes Zeichen zusammen und besprechen sich und fassen Beschlüsse über Gegenstände tieferer Forschung. Sie nahmen mich hierauf bei der Hand und sagten: Folge uns, und du wirst sehen und hören; es ist heute das Zeichen zur Versammlung gegeben worden. Ich wurde nun über eine Ebene zu einem Hügel hingeführt, und siehe, am Fuß des Hügels war ein von oben bedeckter Gang von Palmen, der bis zur Spitze desselben hinauf sich fortsetzte; in diesen gingen wir hinein und stiegen hinan, und auf der Spitze oder dem Scheitel des Hügels zeigte sich ein Lustwäldchen, zwischen dessen Bäumen die aufgeworfene Erde eine Art Schaubühne bildete, innerhalb welcher eine mit vielfarbigen Steinplättchen belegte Ebene war. Rings um diese herum im Quadrat waren Sitze angebracht, auf denen die Liebhaber der Weisheit saßen; und in der Mitte der Schaubühne war ein Tisch auf dem ein versiegeltes Blatt Papier lag. Die auf den Stühlen Sitzenden luden uns ein, auf den noch leeren Stühlen Platz zu nehmen, und ich antwortete: Ich bin von den beiden Engeln hierhergeführt worden, um zu sehen und zu hören und nicht um einen Sitz einzunehmen. Und nun gingen die beiden Engel in die Mitte der Ebene zu dem Tisch hin und lösten das Siegel des Papiers und lasen den Sitzenden die auf das Blatt geschriebenen Geheimnisse der Weisheit vor, die sie nun besprechen und entwickeln sollten. Sie waren von Engeln des dritten Himmels geschrieben und auf den Tisch herabgelassen worden. Es waren drei Geheimnisse; das erste: was ist das Bild Gottes und was die Ähnlichkeit Gottes, zu denen der Mensch erschaffen worden ist? Das zweite: warum wird der Mensch nicht in die Kenntnis irgendeiner Liebe geboren, da doch die [Säuge-] Tiere und die Vögel, sowohl die edlen als die unedlen, in die Kenntnisse aller ihrer Triebe geboren werden? Das dritte: was bedeutet der Baum des Lebens, und was der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, und was das Essen von denselben? Darunter war geschrieben: verbindet diese drei in einen Spruch und schreibt diesen auf ein neues Blatt und legt dasselbe auf diesem Tisch nieder, und wir werden sehen. Wenn der Spruch auf der Waagschale waagerecht und richtig erscheint, so wird jedem von euch ein Preis der Weisheit gegeben werden. Nachdem die beiden Engel dies gelesen, traten sie ab und wurden wieder in ihre Himmel erhoben.

Und nun begannen die auf den Stühlen Sitzenden die ihnen vorgelegten Geheimnisse zu untersuchen und zu entwickeln, und sprachen der Reihe nach. Zuerst die, welche gegen Mitternacht, dann die, welche gegen Abend, hernach die, welche gegen Mittag, und zuletzt die, welche gegen Morgen saßen; und zwar nahmen sie den ersten Gegenstand der Erörterung vor, welcher war: was ist das Bild Gottes und was die Ähnlichkeit Gottes, zu denen der Mensch geschaffen worden ist? Zuerst wurden nun aus dem Buch der Schöpfung allen die Worte vorgelesen: „Gott sprach, laßt uns den Menschen machen in unser Bild, nach unserer Ähnlichkeit; und Gott schuf den Menschen in Sein Bild, in das Bild Gottes schuf Er ihn“: 1Mo.1/26,27.

An welchem Tage Gott den Menschen schuf, machte Er ihn in die Ähnlichkeit Gottes: 1Mo.5/1. Die, welche gegen Mitternacht saßen, sprachen zuerst und sagten: Das Bild Gottes und die Ähnlichkeit Gottes sind die zwei Leben, die dem Menschen von Gott eingehaucht wurden, und die das Leben des Willens und das Leben des Verstandes sind, denn man liest: „Jehovah Gott hauchte in die Nase Adams die Seele der Leben, und der Mensch ward zur lebendigen Seele: 1Mo.2/7; worunter verstanden zu werden scheint, daß ihm der Wille des Guten und das Innewerden des Wahren und somit die Seele der Leben eingehaucht  worden sei. Und weil das Leben von Gott ihm eingehaucht worden ist, so bedeutet das Bild und die Ähnlichkeit Gottes die Reinheit der Gesinnung aus der Liebe und Weisheit, und aus der Gerechtigkeit und dem Gericht in ihm. Diesen stimmten diejenigen bei, die gegen Abend saßen, doch setzten sie noch hinzu, daß der von Gott ihm eingehauchte Stand der Reinheit jedem Menschen nach ihm beständig eingehaucht werde, daß er aber im Menschen wie in einem Aufnahmegefäß, und der Mensch, je nachdem er ein Aufnahmegefäß ist, Bild und Ähnlichkeit Gottes sei. Hierauf sagten die dritten in der Reihe, welche die waren, die gegen Mittag saßen: Das Bild Gottes und die Ähnlichkeit Gottes sind zwei verschiedene Dinge, die jedoch im Menschen von der Schöpfung her vereinigt sind; und wir sehen, wie aus einem inwendigeren Licht, daß der Mensch das Bild Gottes verlieren kann, nicht aber die Ähnlichkeit Gottes. Dies läßt sich, wie durch ein Gitter, daraus ersehen, daß Adam die Ähnlichkeit Gottes behielt, nachdem Er das Ebenbild Gottes verloren hatte, denn man liest nach der Verfluchung noch: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer aus uns, wissend Gutes und Böses: 1Mo.3/22; und nachher wird er eine Ähnlichkeit Gottes genannt und nicht ein Bild Gottes: 1Mo.5/1. Doch überlassen wir es unseren Mitgenossen, die gegen Morgen sitzen und daher in einem höheren Licht sind, zu sagen, was eigentlich das Bild Gottes und was eigentlich die Ähnlichkeit Gottes sei. Und nun, nachdem es stille geworden war, erhoben sich die gegen Morgen Sitzenden von ihren Stühlen und blickten auf zum Herrn, und ließen sich dann wieder auf ihre Stühle nieder und sprachen: Das Bild Gottes ist das Aufnahmegefäß Gottes, und weil Gott die Liebe selbst und die Weisheit selbst ist, so ist das Bild Gottes das Aufnahmegefäß der Liebe und Weisheit von Gott in ihm. Die Ähnlichkeit Gottes aber ist die vollkommene Ähnlichkeit und der völlige Anschein, als ob die Liebe und Weisheit im Menschen, und somit gänzlich sein Eigen wären; denn der Mensch empfindet nicht anders, als daß Er von sich liebe und von sich weise sei, oder daß er das Gute wolle und das Wahre verstehe von sich, während doch gar nichts von ihm, sondern [alles] von Gott ist. Gott allein liebt von Sich und ist weise von Sich, weil Gott die Liebe selbst und die Weisheit selbst ist. Die Ähnlichkeit oder der Anschein, daß die Liebe und Weisheit, oder das Gute und Wahre im Menschen als sein Eigen seien, macht, daß der Mensch Mensch ist, und daß Er mit Gott verbunden werden und so ewig leben kann; und daraus geht hervor, daß der Mensch dadurch Mensch ist, daß er ganz wie von sich das Gute wollen und das Wahre verstehen und dennoch wissen und glauben kann, daß es von Gott ist; denn wie er dies weiß und glaubt, legt Gott Sein Bild im Menschen an. Anders wäre es, wenn er glaubte, daß es von ihm und nicht von Gott sei. Nachdem sie dies gesagt hatten, kam aus der Liebe zur Wahrheit ein Eifer über sie, aus dem sie folgendes sagten: Wie kann der Mensch etwas von Liebe und Weisheit in sich aufnehmen und es festhalten und wieder hervorbringen, wenn er es nicht fühlt als das Seinige, und wie kann es eine  Verbindung mit Gott durch die Liebe und Weisheit geben, wenn nicht dem Menschen etwas Gegenseitiges der Verbindung gegeben ist? Denn ohne Gegenseitiges kann es keine Verbindung geben, und das Gegenseitige der Verbindung ist, daß der Mensch Gott liebt, und das, was Gottes ist, wie von sich tut, und doch glaubt, daß es von Gott ist. Ferner, wie kann der Mensch ewig leben, wenn er nicht mit dem ewigen Gott verbunden ist; wie kann sonach der Mensch Mensch sein ohne diese Ähnlichkeit Gottes in ihm? Diesen Aussprüchen stimmten alle bei und sagten: „Daraus werde folgender Beschluß: Der Mensch ist ein Aufnahmegefäß Gottes, und das Aufnahmegefäß Gottes ist das Bild Gottes; und weil Gott die Liebe selbst und die Weisheit selbst ist, so ist der Mensch das Aufnahmegefäß derselben; und das Aufnahmegefäß wird ein Ebenbild Gottes je nachdem es aufnimmt; und der Mensch ist eine Ähnlichkeit Gottes dadurch, daß er in sich fühlt, daß das, was von Gott ist, in ihm wie das Seinige ist, dennoch aber wird er aus dieser Ähnlichkeit nur insoweit ein Ebenbild Gottes, als er anerkennt, daß die Liebe und Weisheit, oder das Gute und Wahre in ihm nicht sein Eigen und daher auch nicht von ihm, sondern allein in Gott und daher auch von Gott sind. Nach diesem nahmen sie den anderen Gegenstand der Erörterung vor: Warum wird der Mensch nicht geboren in die Kenntnis irgendeiner Liebe, während doch die [Säuge-] Tiere und die Vögel, sowohl die edlen als die unedlen, in die Kenntnisse aller ihrer Triebe geboren werden? Sie begründeten zuerst die Wahrheit dieses Satzes durch allerlei, als z.B. vom Menschen, daß er in keine Kenntnis geboren wird, nicht einmal in die Kenntnis der ehelichen Liebe; und sie erfuhren auf Befragen von den Forschern, daß das Kind nicht einmal aus angeborenem Wissen die Brust der Mutter kenne, sondern sie von der Mutter oder der Säugamme durch Anlegung kennenlerne; und daß es nur zu saugen wisse, und auch dies nur von dem beständigem Saugen im Mutterleibe her habe. Auch daß es nachher nicht zu gehen, noch den Ton zu irgendeiner menschlichen Stimme zu artikulieren wisse; ja auch nicht die Gefühle einer Liebe durch den Ton zu erkennen zu geben wie die Tiere; und weiter, daß es keine ihm zuträgliche Nahrung kenne, wie die Tiere, sondern das ihm Aufstoßende, sei es rein oder unrein, ergreife und in den Mund bringe. Die Forscher sagten, daß der Mensch ohne Unterricht ganz und gar nichts wisse von der Art und Weise, das Geschlecht zu lieben, ja nicht einmal die Jungfrauen und Jünglinge ohne Belehrung von anderen. Mit einem Wort, der Mensch wird körperlich geboren wie der Wurm, und bleibt körperlich, wofern er nicht von anderen zu wissen, zu verstehen und weise zu sein lernt. Nach diesem bewiesen sie, daß die Tiere, sowohl die edlen als die unedlen, als die Tiere der Erde, die Vögel des Himmels, die kriechenden Tiere, die Fische, die Würmchen, die man Insekten nennt, in alle Kenntnisse der Triebe ihres Lebens geboren werden, als z.B. in alles, was zur ihrer Ernährung, in alles, was zu ihrer Wohnung, in alles, was zur Geschlechtsliebe und zur Fortpflanzung, und in alles, was zum Aufziehen ihrer Jungen gehört. Dies begründeten sie durch die Wunderdinge, die sie sich ins Gedächtnis zurückriefen aus dem, was sie gesehen, gehört und gelesen hatten in der natürlichen Welt, in der sie früher gelebt hatten, und in der es nicht vorbildende Tiere, sondern wirkliche Tiere gibt. Nachdem die Wahrheit des Satzes also dargetan war, schickten sie sich an, die Ursachen zu erforschen und aufzufinden, durch die sie dieses Geheimnis enthüllen und entdecken könnten; und alle sagten, diese Dinge müssen notwendig von der göttlichen Weisheit herkommen, damit der Mensch Mensch und das Tier Tier sei; und daß so die Unvollkommenheit der Geburt des Menschen seine Vollkommenheit sei, und die Vollkommenheit der Geburt des Tieres seine Unvollkommenheit sei. Hierauf begannen die Nördlichen zuerst ihre Ansicht zu eröffnen und sagten, der Mensch werde geboren ohne Kenntnisse, damit er alle aufnehmen könne; würde er aber mit Kenntnissen geboren, so könnte er außer denen, mit welchen er geboren worden, keine in sich aufnehmen, und könnte sich dann auch keine einzige aneignen. Dies beleuchteten sie durch folgenden Vergleich: Der neugeborene Mensch ist wie ein Boden, in den keine Samen eingepflanzt sind, der aber gleichwohl alle aufnehmen und sie hervortreiben und fruchtbar machen kann; das Tier hingegen ist wie ein schon besäter und mit Gräsern und Kräutern erfüllter Boden, welcher neben den eingepflanzten keine andere Samen aufnimmt, und wenn andere [dazu kämen], diese ersticken würde. Daher kommt, daß der Mensch mehrere Jahre braucht um heranzuwachsen, innerhalb welcher er, wie ein Boden angebaut werden und gleichsam alle Arten von Saaten, Blumen und Bäume hervorbringen kann. Das Tier aber nur wenige Jahre braucht, in denen es zu nichts anderem, als dem Angeborenen ausgebildet werden kann. Hierauf sprachen die Westlichen und sagten, der Mensch werde nicht geboren als Wissen, wie das Tier, sondern als Fähigkeit und Hinneigung, als Fähigkeit zum Wissen und als Hinneigung zum Lieben; und daß er geboren werde als Fähigkeit, nicht nur das zu lieben was sein und der Welt, sondern auch das, was Gottes und des Himmels ist; folglich daß der Mensch geboren werde als ein Organ, das kaum mit den äußeren Sinnen, außer [nur ganz] dunkel, lebt, aber mit keinen inneren, und dies darum, damit er allmählich ins Leben trete und ein Mensch werde, zuerst ein natürlicher, hernach ein vernünftiger und zuletzt ein geistiger. Dies würde aber nicht geschehen, wenn er mit Kenntnissen und mit einem Lieben, wie die Tiere, geboren würde; denn die angeborenen Kenntnisse und Triebe einer Liebe setzen jenem Fortschreiten Grenzen, hingegen die angeborenen Fähigkeiten und Hinneigungen setzen keine Grenzen [nihil finiunt]; daher der Mensch in Wissenschaft, Einsicht und Weisheit in Ewigkeit fort vervollkommnet werden kann. Nun kam die Reihe an die Südlichen, und sie gaben ihren Ausspruch ab und sagten, daß dem Menschen unmöglich sei, irgendein Wissen aus sich selbst zu nehmen, sondern daß er es von anderen nehmen müsse, weil ihm keine Kenntnis angeboren ist und weil er kein Wissen aus sich selbst nehmen kann, so kann er auch keinerlei Liebe aus sich nehmen, da ja, wo kein Wissen ist, auch keine Liebe ist. Das Wissen und die Liebe sind unzertrennliche Gefährten, und können ebensowenig getrennt werden, als Wille und Verstand, oder Neigung und Gedanke, ja ebensowenig, als Wesen und Form; so wie daher der Mensch das Wissen von anderen hernimmt, so gesellt sich diesem auch eine Liebe als sein Gefährte bei. Die durchwaltende Liebe, die sich beigesellt, ist die Liebe zu wissen und hernach zu verstehen und weise zu sein. Diese Liebesarten gehören nur dem Menschen und keinem Tier an, und fließen von Gott ein. Wir kommen mit unseren Genossen vom Westen darin überein, daß der Mensch nicht mit irgendeiner Liebe und somit auch nicht mit irgendeinem Wissen geboren wird, sondern allein mit einer Hinneigung zum Lieben, und infolgedessen mit dem Vermögen, Kenntnisse in sich aufzunehmen, nicht von sich, sondern von anderen her, das ist, durch andere. Durch andere, sagen wir, weil auch diese kein Wissen von sich selbst her in sich aufgenommen haben, sondern ursprünglich von Gott. Wir stimmen auch mit unseren Genossen vom Norden darin überein, daß der neugeborene Mensch wie ein Boden ist, dem keinerlei Samen eingepflanzt sind, dem jedoch alle Samen, sowohl edle als unedle, eingepflanzt werden können; daher kommt, daß er Homo [Mensch] genannt worden ist von Humus [Boden, Erdreich] und Adam [Mensch] von Adamah, das ist Boden [Humus]. Diesem fügen wir bei, daß die Tiere geboren werden mit Naturtrieben, und infolgedessen mit Kenntnissen, die diesen entsprechen, und daß sie gleichwohl gar nichts aus den Kenntnissen wissen, denken, verstehen, noch weise daraus sind,        sondern zu denselben hingeleitet werden von ihren Trieben, beinahe wie die Blinden durch die Straßen von Hunden, denn rücksichtlich des Verstandes sind sie blind; oder vielmehr wie die Nachtwandler, die aus blindem Wissen, bei eingeschläfertem Verstand tun, was sie tun. Zuletzt sprachen die Östlichen und sagten: Wir stimmen dem bei, was unsere Brüder gesagt haben, daß der Mensch nichts aus sich weiß, sondern aus anderen und durch andere, damit er einsehe und anerkenne, daß alles, was er weiß, versteht, und worin er weise ist, von Gott kommt; und daß der Mensch nicht anders vom Herrn geboren und gezeugt, und Sein Bild und Seine Ähnlichkeit werden kann; denn ein Bild Gottes wird er dadurch, daß er anerkennt und glaubt, daß er alles Gute der Liebe und Liebtätigkeit, und alles Wahre der Weisheit und des Glaubens empfangen hat und empfängt aus Gott und nichts aus sich, und eine Ähnlichkeit Gottes ist er dadurch, daß er jenes in sich fühlt, wie wenn es aus ihm selbst wäre. Dieses fühlt er, weil er nicht mit Kenntnissen geboren wird, sondern dieselben empfängt, und daß er sie empfängt, das erscheint ihm als aus ihm selbst kommend, so zu empfinden wird dem Menschen ebenfalls von Gott gegeben, damit er Mensch sei und nicht Tier, weil er dadurch, daß er will, denkt, liebt, weiß, versteht und weise ist wie aus sich, Kenntnisse in sich aufnimmt, und sie zur Einsicht, und durch ihre Anwendung zur Weisheit erhöht. So verbindet Gott den Menschen mit Sich, und der Mensch sich mit Gott. Dies hätte nicht geschehen können, wofern nicht von Gott vorgesehen worden wäre, daß der Mensch in gänzlicher Unwissenheit geboren werde. Nach diesem Ausspruch wollten alle, daß aus dem Verhandelten ein Beschluß gemacht werde, und es ward folgender gemacht: Der Mensch wird in kein Wissen geboren, damit er zu jeglichem gelangen, und zur Einsicht und durch diese zur Weisheit fortschreiten könne; und er wird mit keiner Liebe geboren, damit er zu jeder gelangen könne durch die Anwendungen der Kenntnisse aus der Einsicht, und zur Liebe zu Gott durch die Liebe zum Nächsten, und somit Gott verbunden und dadurch zum Menschen werden und ewig leben könne.

Nach diesem nahmen sie das Blatt und lasen den dritten Gegenstand der Untersuchung ab, welcher war: Was bedeutet der Baum der Lebens, was der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, und was das Essen von denselben? Und alle baten, daß die, welche vom Osten her waren, dieses Geheimnis entwickeln möchten, weil es nämlich Sache tieferer Einsicht ist, und die aus dem Osten in flammendem Lichte, das ist, in der Weisheit der Liebe sind, und diese Weisheit verstanden wird unter dem Garten Edens, in welchem jene zwei Bäume standen; und sie antworteten: Wir wollen es sagen, weil aber der Mensch nichts nimmt aus sich, sondern aus Gott, so wollen wir es aus Ihm sagen, dennoch aber von uns wie von uns selbst. Und nun sagten sie: Der Baum bedeutet den Menschen, und seine Frucht das Gute des Lebens; daher wird durch den Baum des Lebens der aus Gott lebende Mensch bezeichnet, und weil die Liebe und Weisheit, und die Liebtätigkeit und der Glaube, oder das Gute und Wahre, das Leben Gottes im Menschen ausmachen, so wird durch den Baum des Lebens der Mensch bezeichnet, in dem jene aus Gott sind, und daher hat er das ewige Leben. Ähnliches wird bezeichnet durch den Baum des Lebens, von dem zu essen gegeben werden wird: Offb.2/7; 22/2,14. Durch den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen wird der Mensch bezeichnet, welcher glaubt, daß er aus sich und nicht aus Gott lebe; mithin daß die Liebe und Weisheit, die Nächstenliebe und der Glaube, das ist das Gute und das Wahre, im Menschen sein eigen und nicht Gottes sei, und welcher dieses glaubt, weil er denkt und will, und redet und tut, in aller Ähnlichkeit und Scheinbarkeit wie aus sich. Weil aber der Mensch infolgedessen sich beredet, er sei auch Gott, darum sagte die Schlange: „Gott weiß, daß, welchen Tages ihr essen werdet von der Frucht jenes Baumes, eure Augen werden aufgetan werden, und ihr sein werdet wie Gott, wissend das Gute und das Böse“: 1Mo.3/5.

Durch das Essen von jenen Bäumen wird bezeichnet die Aufnahme und Aneignung, durch das Essen vom Baum des Lebens die Aufnahme des ewigen Lebens, und durch das Essen vom Baum des Wissens des Guten und des Bösen die Aufnahme der Verdammnis. Unter der Schlange wird verstanden der Teufel hinsichtlich der Liebe zu sich und des Dünkels eigener Einsicht, und diese Liebe ist der Besitzer jenes Baumes, und die Menschen, die im Dünkel aus jener Liebe sind, sind solche Bäume. Diejenigen befinden sich also in grobem Irrtum, die glauben, Adam sei weise gewesen und habe das Gute getan aus sich, und dies sei der Stand seiner Unverdorbenheit gewesen, da doch Adam eben wegen dieses Glaubens verflucht wurde; denn dies wird bezeichnet durch das Essen vom Baum des Wissens des Guten und des Bösen; weshalb er eben dann aus dem Stand der Unverdorbenheit fiel, in dem er dadurch gewesen war, daß er glaubte, er sei weise und tue das Gute aus Gott, und nichts aus sich; denn dies wird verstanden unter dem Essen vom Baum des Lebens. Der Herr allein, da Er in der Welt war, war weise aus Sich und tat das Gute aus Sich, weil das Göttliche Selbst von der Geburt her in Ihm und Sein Eigen war; daher Er auch aus eigener Macht Erlöser und Heiland wurde. Aus diesem und jenem machten sie den Beschluß: Unter dem Baum des Lebens und unter dem Baum des Wissens des Guten und des Bösen, und unter dem Essen von denselben ist zu verstehen, daß das Leben für den Menschen Gott in ihm sei, und daß ihm dann der Himmel und das ewige Leben zuteil werde, daß aber der Tod für den Menschen die Beredung und der Glaube sei, das Leben für den Mensch sei nicht Gott, sondern er selbst, daher ihm dann die Hölle und der ewige Tod, welcher die Verdammnis ist, zuteil wird.

Hierauf blickten sie in das von den Engeln auf dem Tisch zurückgelassene Blatt und sahen darunter geschrieben: Vereinigt jene drei in einen Spruch! und dann nahmen sie dieselben zusammen und sahen, daß jene drei in einer Reihe zusammenhängen und daß diese Reihe oder Sentenz folgende ist: Der Mensch ist dazu geschaffen, die Liebe und die Weisheit von Gott aufzunehmen, jedoch in aller Ähnlichkeit wie von sich, und zwar dies um der Aufnahme und Verbindung willen; und deshalb wird der Mensch nicht mit irgendeiner Liebe, noch mit irgendeinem Wissen geboren, ja nicht einmal mit einem Vermögen zu lieben und weise zu sein aus sich. Wenn er daher alles Gute der Liebe und alles Wahre der Weisheit Gott zuschreibt, so wird er ein lebendiger Mensch, schreibt er es aber sich zu, so wird er ein toter Mensch. Dies  schrieben sie auf ein neues Blatt und legten es auf den Tisch; und siehe, plötzlich waren Engel in glänzend weißer Wolke da und trugen das Blatt in den Himmel, und nachdem es dort gelesen worden, hörten die auf den Stühlen Sitzenden von dorther die Worte: „Gut, gut, gut!“ Und alsbald erschien einer von dort her wie fliegend, welcher zwei Fittiche an den Füßen und zwei an den Schläfen hatte und die Preise trug, die in Ehrenkleidern, Hüten und Lorbeerkränzen bestanden; und er ließ sich nieder und gab denen, die gegen Mitternacht saßen, Ehrenkleider von Opalfarbe; denen gegen Abend Ehrenkleider von scharlachroter Farbe, denen gegen Mittag Hüte, deren Säume Bänder von Gold und Perlen, und die Erhöhungen der linken Seite blumenförmig geschnittene Diamanten schmückten; denen gegen Morgen aber gab er Lorbeerkränze, an denen Rubine und Saphire waren; und mit diesen Preisen geschmückt, gingen alle freudig von der Schule nach Hause.