Gottes Unendlichkeit, oder Unermeßlichkeit und Ewigkeit  

27. Es gibt zwei Eigentümlichkeiten der natürlichen Welt, welche machen, daß in ihr alles endlich ist: die eine ist der Raum, und die andere ist die Zeit; und weil Gott die Welt, und zugleich damit die Räume und Zeiten erschaffen hat, wodurch erstere begrenzt oder endlich gemacht wird, so muß von den zwei Ausgangspunkten der letzteren, welche die Unermeßlichkeit und Ewigkeit sind, gehandelt werden; denn Gottes Unermeßlichkeit bezieht sich auf die Räume, und Seine Ewigkeit auf die Zeiten, und die Unendlichkeit begreift sowohl die Unermeßlichkeit, als die Ewigkeit in sich. Weil aber die Unendlichkeit das Endliche, und die Erkenntnis derselben das endliche Gemüt übersteigt, so muß, damit sie einigermaßen erfaßt werden möge, in folgender Reihenfolge von ihr gehandelt werden.

I. Gott ist der Unendliche, weil Er in Sich ist und existiert, und alles im Weltall aus Ihm ist und existiert.

II. Gott ist der Unendliche, weil Er vor der Welt war, und bevor Räume und Zeiten entstanden sind.

III. Gott ist nach Erschaffung der Welt im Raum ohne Raum, und in der Zeit ohne Zeit.

IV. Die Unendlichkeit heißt in Beziehung auf die Räume Unermeßlichkeit, und in Beziehung auf die Zeiten Ewigkeit, und obwohl diese Beziehungen bestehen, ist dennoch nichts von Raum in Seiner Unermeßlichkeit, und nichts von Zeit in Seiner Ewigkeit.

V. Die erleuchtete Vernunft kann aus sehr vielem in der Welt die Unendlichkeit Gottes, des Schöpfers, ersehen.

VI. Alles Erschaffene ist endlich, und das Unendliche ist in den endlichen Subjekten wie in Aufnahmegefäßen, und in den Menschen wie in seinen Ebenbildern. Doch dies soll nun im einzelnen erklärt werden.  

28. I. Gott ist unendlich, weil Er in Sich ist und existiert, und alles im Weltall aus Ihm ist und existiert.

Im Bisherigen ist gezeigt worden, daß Gott einer ist, und daß Er das Selbständige und das Ursein von allem ist, und daß alles, was im Weltall ist, entsteht und besteht, aus Ihm ist; daraus folgt, daß Er unendlich ist. Daß die menschliche Vernunft aus sehr vielem im Weltall dies sehen kann, wird in Folgendem nachgewiesen werden. Obgleich aber der menschliche Geist daraus sich überzeugen kann, daß das Urseiende oder Ursein unendlich ist, so kann er doch nicht erkennen, wie es beschaffen ist, mithin es nicht anders bestimmen, als daß es das unendliche All sei, und daß es in sich bestehe, und daher die eigentliche und einzige Substanz sei, und - weil von der Substanz nichts ausgesagt werden kann, wofern sie nicht Form ist - daß es die eigentliche und einzige Form sei: allein was ist auch damit gewonnen? Hieraus ergibt sich noch nicht, wie das Unendliche beschaffen ist; denn der menschliche Geist, wenn er auch noch so sehr alles ergründet und in die Höhe strebt, ist dennoch endlich, und das Endliche in ihm kann nicht entfernt werden; weshalb er schlechterdings unfähig ist, die Unendlichkeit Gottes, wie sie in sich ist, somit Gott zu schauen. Er kann aber Gott im Schatten von hinten sehen, wie zu Moses gesagt wurde, als er bat, Gott sehen zu dürfen; wo es von ihm heißt: er sei in eine Felsenkluft gestellt worden, und habe die Rückseite von Ihm gesehen: 2Mo.33/20-23, unter der Rückseite Gottes werden aber die sichtbaren Dinge in der Welt, und besonders die wahrnehmbaren Dinge im Wort verstanden. Hieraus erhellt, daß es ein vergebliches Beginnen ist, erkennen zu wollen, wie Gott in Seinem Sein oder in Seiner Substanz ist; daß es vielmehr genügt, Ihn aus den endlichen, das heißt, aus geschaffenen Dingen zu erkennen, in denen Er auf unendliche Weise ist. Der Mensch, der tiefer grübeln will, kann einem in die Luft herausgezogenen Fisch verglichen werden, oder einem unter die Luftpumpe gesetzten Vogel, der, sowie die Luft herausgepumpt wird, zu röcheln anfängt und zuletzt stirbt; auch kann er einem Schiff verglichen werden, das, wenn es vom Sturm überwältigt wird, und nicht mehr dem Steuerruder gehorcht, auf Klippen und Sandbänke getrieben wird. So geht es denen, die Gottes Unendlichkeit von innen erkennen wollen, nicht zufrieden, daß sie dieselbe von außen auf den Grund zutage liegender Belege anzuerkennen vermögen. Man liest von einem gewissen Philosophen bei den Alten, er habe sich in das Meer gestürzt, weil er die Ewigkeit der Welt im Lichte seines Geistes nicht sehen oder begreifen konnte: was würde wohl ebenderselbe getan haben, wenn er die Unendlichkeit Gottes hätte begreifen wollen?  

29. II. Gott ist der Unendliche, weil Er vor der Welt war, und bevor Räume und Zeiten entstanden sind.                                             In der natürlichen Welt gibt es Zeiten und Räume, in der geistigen Welt hingegen nicht so in der Wirklichkeit, dennoch aber der [äußeren] Erscheinlichkeit nach. Daß Zeiten und Räume in die Welten eingeführt wurden, geschah zu dem Ende, damit das eine vom anderen, das Große vom Kleinen, das Viele vom Wenigen, somit die Quantität von der Quantität, und so auch die Qualität von der Qualität unterschieden würde; und damit durch sie die Sinne des Körpers ihre Gegenstände, und die Sinne des Geistes die ihrigen unterscheiden, und so angeregt werden, denken und wählen könnten. Die Zeiten sind in die natürliche Welt dadurch eingeführt worden, daß die Erde sich um ihre Achse dreht, und daß diese Umdrehungen von Station zu Station nach dem Tierkreise sich fortsetzen, und diese Wechsel scheinbar durch die Sonne bewirkt werden, von welcher dem ganzen Erd- und Wasserrund seine Wärme und sein Licht kommt; von daher rühren die Tageszeiten, oder Morgen, Mittag, Abend und Nacht, und die Jahreszeiten, oder Frühling, Sommer, Herbst und Winter; die Tageszeiten für Licht und Finsternis, und die Jahreszeiten für Wärme und Kälte. Die Räume hingegen sind in die natürliche Welt dadurch eingeführt worden, daß die Erde in eine Kugel zusammengeballt und mit Materie angefüllt worden ist, deren Teile unter sich geschieden und zugleich ausgedehnt sind. In der geistigen Welt dagegen gibt es keine materiellen Räume und ihnen entsprechende Zeiten, dennoch aber gibt es [äußere] Erscheinlichkeiten derselben, und diese Erscheinlichkeiten verhalten sich gemäß den Unterschieden der Zustände, in denen sich die Gemüter der Geister und Engel daselbst befinden; weshalb die Zeiten und Räume daselbst sich nach den Gefühlen ihres Willens und den daraus hervorgehenden Gedanken ihres Verstandes richten; diese Erscheinlichkeiten sind aber real, weil sie Bestand haben je nach ihren Zuständen. Die gewöhnliche Meinung vom Zustand der Seelen nach dem Tode, und somit auch der Engel und Geister ist die, daß sie nicht in einem Ausgedehnten, mithin nicht in Raum und Zeit seien, und infolge dieser Vorstellung sagt man von den Seelen nach dem Tode, sie befinden sich in einem Pu oder irgendwo, und die Geister und Engel seien geistige Wesen [pneumata], unter denen man sich nichts anderes denkt, als Äther, Luft, Hauch oder Wind, während sie doch substantielle Menschen sind, und untereinander leben wie die Menschen der natürlichen Welt in Räumen und Zeiten, die, wie gesagt, sich nach den Zuständen ihrer Gemüter richten. Wäre es anders, das heißt, wären sie ohne jene, so könnte jenes Universum in das die Seelen übergehen, und in dem die Engel und Geister sich aufhalten, durch ein Nadelöhr gezogen, oder auf einer Haarspitze konzentriert werden; was auch möglich wäre, wenn es dort kein substantielles Ausgedehntes gäbe; weil es aber dort ein solches gibt, so wohnen die Engel untereinander ebenso gesondert und geschieden, ja noch viel mehr voneinander geschieden, als die Menschen, die ein materielles Ausgedehntes haben. Die Zeiten sind aber dort nicht in Tage, Wochen, Monate und Jahre abgeteilt, weil die Sonne dort nicht auf- und unterzugehen, noch sich herumzubewegen scheint, sondern unverrückt im Osten auf der mittleren Höhe zwischen dem Zenit und dem Horizont stehenbleibt; und Räume haben sie, weil in jener Welt alles substantiell ist, was in der natürlichen Welt materiell ist. Doch mehr hierüber soll im Anhang dieses Kapitels, über die Schöpfung gesagt werden. Aus dem oben Gesagten kann man ersehen, daß die Räume und Zeiten alles und jedes, was in beiden Welten ist, begrenzen oder endlich machen, und daß somit die Menschen nicht bloß hinsichtlich ihrer Körper, sondern auch hinsichtlich ihrer Seelen endlich sind, und ebenso die Engel und Geister. Aus diesem allen läßt sich der Schluß ziehen, daß Gott unendlich, das heißt, nicht endlich ist, weil Er als Schöpfer, Bildner und Werkmeister des Weltalls alles abgegrenzt hat und zwar durch Seine Sonne, in deren Mitte Er ist, und die aus dem göttlichen Wesen besteht, das aus Ihm als Sphäre hervorgeht; in ihr und aus ihr ist der Abgrenzung Erstes; allein ihre Fortbewegung schreitet bis zum Letzten in der Natur der Welt fort; dass Er in Sich unendlich ist, weil unerschaffen, folgt hieraus. Allein das Unendliche erscheint dem Menschen als ein Nichts, und dies darum, weil der Mensch endlich ist und aus Endlichem denkt; daher ihm denn, wenn das Endliche, das seinem Denken anhängt, weggenommen würde, das Übrigbleibende als ein Nicht-Etwas vorkäme; der wahre Tatbestand ist aber, daß Gott in unendlicher Weise alles, und der Mensch im Vergleich damit aus sich nichts ist.  

30. III. Gott ist nach Erschaffung der Welt im Raum ohne Raum, und in der Zeit ohne Zeit.

Daß Gott und das Göttliche, das unmittelbar aus Ihm hervorgeht, nicht im Raum sei, obgleich Er allgegenwärtig ist, und bei jeglichem Menschen in der Welt, und bei jeglichem Engel im Himmel, und bei jeglichem Geist unter dem Himmel ist, kann nicht mittelst einer bloß natürlichen Vorstellung, einigermaßen jedoch mittelst einer geistigen Idee begriffen werden. Es kann aber deshalb nicht durch eine bloß natürliche Vorstellung begriffen werden, weil in derselben Räumlichkeit enthalten ist; denn sie ist aus solchen Dingen gebildet, die in der Welt sind, in deren allem und jedem, was mit den Augen geschaut wird, räumliche Ausdehnung ist; alles Große und Kleine in ihr ist Räumliches, alles Lange, Breite und Hohe in ihr gehört dem Raum an; mit einem Wort, alles Maß, alle Gestalt und Form ist Angehör des Raumes. Dennoch aber kann der Mensch es einigermaßen mit dem natürlichen Denken erfassen, sobald er nur etwas geistiges Licht in dasselbe einläßt. Zuerst aber soll etwas von den Vorstellungen des geistigen Denkens gesagt werden. Diese entlehnen nichts vom Raum, sondern nehmen all das Ihrige vom Zustand; und Zustand wird ausgesagt von der Liebe, vom Leben, von der Weisheit, von den Gefühlen, von den Freuden, überhaupt vom Guten und Wahren. Die wahrhaft geistigen Vorstellungen von denselben haben nichts mit dem Raum gemein, sie sind höher und sehen auf die räumlichen Vorstellungen unter ihnen herab, wie der Himmel auf die Erde. Daß Gott im Raum gegenwärtig ist ohne Raum, und in der Zeit ohne Zeit, davon ist die Ursache die, daß Gott immer Derselbe ist, von Ewigkeit zu Ewigkeit, somit wie vor der Weltschöpfung, so auch nach derselben, und daß in und bei Gott vor der Schöpfung nicht Räume und Zeiten waren, sondern nach derselben, daher Er denn, weil Er [stets] derselbe ist, im Raum ohne Raum, und in der Zeit ohne Zeit ist, woraus folgt, daß die Natur von Ihm getrennt ist, und Er doch in ihr allgegenwärtig ist; kaum anders als wie das Leben in allem Substanziellen und Materiellen des Menschen, obgleich es sich mit diesem nicht vermischt; vergleichsweise wie das Licht in den Augen, der Schall in den Ohren, der Geschmack in der Zunge, oder wie der Äther in den Erden und Gewässern, durch den der Erd- und Wasserball zusammengehalten und herumgetrieben wird, und so weiter. Würden diese wirksamen Kräfte weggenommen, so würden jene Substanzen und Materie im Augenblick zusammen- oder auseinanderfallen. Ja der menschliche Geist würde, wenn Gott nicht überall und zu jeder Zeit in ihm gegenwärtig wäre, wie eine Blase in die Luft zerfließen, und beide Gehirne, in denen er von den Ausgangspunkten aus tätig ist, würden sich in Schaum auflösen, und so alles Menschliche zu Erdenstaub und zu einem in der Atmosphäre fliegenden Geruchsteilchen werden. Weil Gott in jeder Zeit ohne Zeit ist, darum spricht Er im Wort von der Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart, wie bei Jes.9/5: „Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, dessen Name ist Held, Friedensfürst“, und bei David: „Verkünden will Ich vom Beschlossenen, Jehovah sprach zu mir: Mein Sohn bist Du, Ich habe heute Dich gezeugt“: Ps.2/7. Dies vom Herrn, Der kommen sollte; weshalb auch bei ebendemselben gesagt wird: „Tausend Jahre sind in Deinen Augen wie der gestrige Tag“: Ps.90/4. Daß Er überall in der ganzen Welt gegenwärtig ist, und doch nichts der Welt Eigentümliches in Ihm ist, das heißt nichts, das dem Raum und der Zeit angehört, kann von den Sehenden und Aufmerkenden aus vielen anderen Stellen im Wort ersehen werden, wie z.B. aus folgender bei Jerem.23/23,24: „Bin Ich [nur] Gott in der Nähe, und nicht [auch] Gott aus der Ferne? Wird sich jemand in Schlupfwinkeln verbergen, daß Ich [ihn] nicht sehe? Den ganzen Himmel und die ganze Erde erfülle Ich“.  

31. IV. Die Unendlichkeit Gottes heißt in Beziehung auf die Räume Unermeßlichkeit, und in Beziehung auf die Zeiten Ewigkeit, und obwohl diese Beziehungen bestehen, ist dennoch nichts von Raum in Seiner Unermeßlichkeit, und nichts von Zeit in Seiner Ewigkeit.

Die Unendlichkeit Gottes heißt in Beziehung auf die Räume darum Unermeßlichkeit, weil das Unermeßliche vom Großen und Weiten und auch vom Ausgedehnten und in diesem vom Geräumigen ausgesagt wird. Die Unendlichkeit Gottes heißt aber in Beziehung auf die Zeiten Ewigkeit darum weil ‚in Ewigkeit‘ ausgesagt wird von Fortschreitendem, das durch die Zeiten gemessen wird, [aber] endlos ist; so zum Beispiel: auf den Erd- und Wasserball an sich betrachtet werden Raumbestimmungen, und auf seine Umdrehung und seinen Lauf werden Zeitbestimmungen bezogen, auch verursachen diese die Zeiten und jene die Räume, und sie stellen sich beide auf diese Weise in der Wahrnehmung der denkenden Geister von den Sinnen aus dar. In Gott hingegen ist, wie oben gezeigt worden, nichts von Raum und Zeit, und doch stammen die Anfänge derselben von Gott her. Daraus folgt, daß Seine Unendlichkeit in Beziehung auf die Räume unter der Unermeßlichkeit, und Seine Unendlichkeit in Beziehung auf die Zeiten unter der Ewigkeit verstanden wird. Im Himmel dagegen denken sich die Engel unter der Unermeßlichkeit Gottes die Göttlichkeit hinsichtlich des Seins, und unter der Ewigkeit die Göttlichkeit hinsichtlich des Existierens; dann auch unter der Unermesslichkeit die Göttlichkeit hinsichtlich der Liebe, und unter der Ewigkeit die Göttlichkeit hinsichtlich der Weisheit; und dies darum, weil die Engel von der Göttlichkeit Räume und Zeiten fernhalten und alsdann sich jene Begriffe ergeben. Da aber der Mensch nicht anders denken kann, als aus Vorstellungen, die aus den dem Raum und der Zeit angehörenden Dingen hergenommen sind, so kann er auch von Gottes Unermesslichkeit vor den Räumen und von Seiner Ewigkeit vor den Zeiten sich keine Begriffe machen, ja wenn er sie begreifen will, so ist es, als ob sein Geist von Sinnen käme, beinahe wie einer, der ins Wasser gefallen, im Zustand des Schiffbrüchigen ist, oder der, bei einem Erdbeben versinkend, im Zustand des Verschlungenwerdens ist. Ja, wenn er dennoch darauf besteht, in dieselben einzudringen, so kann er sich leicht eine Geistesverwirrung zuziehen und aus dieser in Leugnung Gottes verfallen. Einmal war auch ich in einem ähnlichen Zustand, als ich darüber nachsann, was Gott von Ewigkeit, was Er vor Erschaffung der Welt getan, ob Er über die Schöpfung Sich beratschlagt, und die Ordnung ausgedacht habe, nach der [sie geschehen sollte], ob im absolut Leeren ein beratschlagendes Denken möglich sei, außer anderen nutzlosen Dingen. Damit ich aber durch dergleichen nicht auf Wahngedanken geraten möchte, ward ich vom Herrn in die Sphäre und in das Licht erhoben, worin die inwendigeren Engel sind, und nachdem die Vorstellung des Raumes und der Zeit, in der sich mein Denken früher bewegte, dort ein wenig entfernt war, ward mir gegeben zu begreifen, daß die Ewigkeit Gottes nicht eine Ewigkeit der Zeit ist, und daß es, weil es vor der Welt keine Zeit gab, ganz nichtig wäre, von Gott so etwas zu denken. Da ferner das von Ewigkeit her bestehende, somit über alle Zeit erhabene Göttliche nicht Tage, Jahre und Jahrhunderte in sich schließt, sondern diese alle für Gott Gegenwart sein mußten, so schloß ich, daß die Welt von Gott nicht in der Zeit erschaffen wurde, sondern daß die Zeiten von Gott mit der Schöpfung eingeführt wurden. Diesem will ich folgendes Denkwürdige beifügen: Es erscheinen an einem äußerten Ende der geistigen Welt zwei Bildsäulen in monströser Menschengestalt mit aufgesperrtem Mund und weitgeöffnetem Rachen, von dem, wie es ihnen scheint, diejenigen verschlungen werden, die über Gott von Ewigkeit sich nichtige und unsinnige Gedanken machen; allein es sind Phantasien, in welche sich diejenigen stürzen, die von Gott vor Erschaffung der Welt Ungereimtes und Ungebührliches denken.  

32. V. Die erleuchtete Vernunft kann aus sehr vielem in der Welt die Unendlichkeit Gottes ersehen.

Es soll einiges aufgezählt werden, aus welchem die menschliche Vernunft die Unendlichkeit Gottes ersehen kann, und zwar folgendes:  

I. Es gibt im erschaffenen Weltall nicht zwei Dinge, die dasselbe sind. Daß es eine solche Identität bei gleichzeitigen Dingen nicht gibt, hat die menschliche Wissenschaft aus der Vernunft gesehen und begründet, und doch sind die substantiellen und materiellen Dinge desselben, individuell für sich betrachtet, unendlich an Zahl. Daß es auch keine Identität zweier Wirkungen bei den aufeinanderfolgenden Dingen in der Welt gibt, kann man aus der Umdrehung der Erde schließen, sofern nämlich ihr Exzentrisches an den Polen macht, daß niemals etwas ganz Identisches wiederkehrt. Daß dem so ist, zeigt sich augenscheinlich an den menschlichen Gesichtern, sofern es in der ganzen Welt nicht ein Gesicht gibt noch in Ewigkeit geben kann, das dem eines anderen ganz gleicht oder ganz mit ihm dasselbe wäre. Diese unendliche Mannigfaltigkeit kann von gar nichts anderem herkommen, als aus der Unendlichkeit Gottes, des Schöpfers.

II. Keines einzigen Gesinnung ist der des anderen ganz gleich; weshalb man sagt: so viele Köpfe, so viel Sinne. Mithin ist auch nicht eines einzigen Gemüt, das heißt, sein Wille und Verstand, dem eines anderen gleich, oder mit ihm dasselbe, folglich sind auch weder die Rede des einen hinsichtlich der Betonung und des Gedankens, aus dem sie hervorgeht, noch die Handlung des einen hinsichtlich der Gebärde und der Neigung derjenigen eines anderen durchaus gleich; aus welcher unendlichen Verschiedenheit die Unendlichkeit des Schöpfers auch wie in einem Spiegel ersehen werden kann.

III. Jedem Samen, sowohl der Tiere als der Pflanzen, ist eine gewisse Unermeßlichkeit und Ewigkeit eingepflanzt. Eine Unermeßlichkeit, sofern er ins Unendliche fort vervielfältigt werden kann, und eine Ewigkeit, sofern diese Vervielfältigung von der Schöpfung der Welt an ununterbrochen fortgedauert hat bis jetzt und in Ewigkeit fortdauert. Aus dem Tierreich nimm nur die Fische des Meeres, die, wenn sie sich nach der Menge der Samen vermehrten, innerhalb zwanzig oder fünfzig Jahren den Ozean so anfüllen würden, daß er aus lauter Fischen bestände, und sein Wasser die ganze Erde überschwemmen und so verderben würde; damit aber dieses nicht geschehe, ist von Gott vorgesehen worden, daß ein Fisch dem anderen zur Speise diene. Ähnliches würde mit dem Samen der Pflanzen geschehen, die, wenn ebenso viele, als jährlich aus einem hervorwachsen, gepflanzt werden würden, innerhalb zwanzig oder dreißig Jahren die Oberfläche nicht bloß eines Erdballs, sondern sogar mehrerer anfüllen würden. Es gibt auch Sträucher, von denen jeder Same hundert und tausend andere hervorbringt; stelle nur eine Berechnung darüber an und führe den Ertrag von einem einzigen zwanzig oder dreißig Jahre hindurch fort, so wirst du es sehen. Aus diesen und jenen Erscheinungen, sowie an den gemeinsamen Gesichtszügen läßt sich die göttliche Unermeßlichkeit und Ewigkeit, die notwendig ein Abbild von sich erzeugen müssen, ersehen.

IV. Die Unendlichkeit Gottes kann vor der erleuchteten Vernunft auch aus der Unendlichkeit erscheinen, zu der jede Wissenschaft und infolgedessen eines jeden Einsicht und Weisheit hinanwachsen kann, von denen die eine und die andere wachsen kann wie der Baum aus den Samen, und die Wälder und Gärten aus den Bäumen; denn es gibt keine Grenze derselben; das Gedächtnis des Menschen ist ihr Boden, im Verstand geschieht ihr Keimen und im Willen bringen sie Früchte hervor. Und diese zwei Vermögen, der Verstand und der Wille, sind von der Art, daß sie ausgebildet und vervollkommnet werden können in der Welt bis ans Ende des Lebens und nachher in Ewigkeit.

V. Die Unendlichkeit Gottes des Schöpfers kann man auch ersehen aus der unendlichen Zahl der Sterne, die ebenso viele Sonnen und infolgedessen ebenso viele Welten sind; daß im Fixsternhimmel auch Erdkörper sind, auf denen es Menschen, Tiere, Vögel und Pflanzen gibt, ist in einem gewissen, nach Geschautem verfaßten Schriftchen gezeigt worden.

VI. Die Unendlichkeit Gottes stellte sich mir noch augenscheinlicher am Engelhimmel und auch an der Hölle heraus, sofern diese beiden in unzählige Gesellschaften oder Vereine nach allen Verschiedenheiten der Liebe zum Guten und Bösen geordnet und zusammengestellt sind, und jeder gemäß seines Liebens eine Stelle dort erhält; denn es sind dort alle aus dem menschlichen Geschlecht, von der Schöpfung der Welt an gesammelt, und sollen von allen Zeiten bis in alle Zeiten gesammelt werden; und auch sofern sie, obgleich jeder seine Stelle oder seinen Wohnsitz hat, dennoch alle dort so verbunden sind, daß der gesamte Engelhimmel einen göttlichen Menschen, und die gesamte Hölle einen monströsen Teufel darstellt. An diesen beiden und unendlich vielen Wundererscheinungen in denselben läßt sich die Unermeßlichkeit zugleich mit der Allmacht Gottes deutlich ersehen.

VII. Wer auch vermöchte nicht, bei einiger Erhebung der Vernunfttätigkeit seines Geistes einzusehen, daß das ewig fortdauernde Leben, das jedem Menschen nach dem Tode zuteil wird, nicht anderswoher kommen kann, als vom ewigen Gott?

VIII. Außerdem gibt es eine gewisse Unendlichkeit in vielen Dingen, die in das natürliche Licht, sowie auch in das geistige Licht beim Menschen fallen; in das natürliche Licht, daß es in der Geometrie verschiedene Reihen gibt, die ins Unendliche fortgehen; daß zwischen den drei Höhengraden ein Fortschreiten ins Unendliche stattfindet, sofern nämlich der erste Grad, welcher der natürliche heißt, nicht vervollkommnet und erhöht werden kann zur Vollkommenheit des zweiten Grades, welcher der geistige heißt, noch dieser zur Vollkommenheit des dritten, welcher der himmlische heißt. Das gleiche findet statt zwischen dem Endzweck, der Ursache und der Wirkung, daß nämlich die Wirkung nicht so vervollkommnet werden kann, daß sie wie ihre Ursache wird, noch die Ursache so, daß sie wie ihr Endzweck wird. Es lässt sich dies an den Atmosphären verdeutlichen, deren es drei Abstufungen gibt; denn es gibt eine oberste Himmelsluft, einen Äther unter ihr, und eine Luft unter diesem; und keinerlei Qualität der Luft kann zu irgendeiner Qualität des Äthers erhöhet werden, noch die des letzteren zu irgendeiner der Himmelsluft; und doch gibt es in jeglicher eine Erhöhung der Vollkommenheiten ins Unendliche: in das geistige Licht; daß die natürliche Liebe, welche die des Tieres ist, nicht erhöht werden kann in die geistige Liebe, die von der Schöpfung her in den Menschen gelegt ist; ebenso verhält es sich mit dem natürlichen Verstand des Tieres gegenüber der geistigen Einsicht des Menschen. Doch diese Dinge sollen, weil sie noch unbekannt sind, anderwärts erklärt werden. Aus diesen Beispielen kann erhellen, daß die allgemein herrschenden Grunderscheinungen der Welt fortlaufende Typen der Unendlichkeit Gottes des Schöpfers sind. Wie aber die Einzelerscheinungen den allgemein herrschenden nacheifern, und die Unendlichkeit Gottes vorbilden, das ist ein Abgrund, und ist ein Ozean, auf welchem der menschliche Geist gleichsam umherschiffen kann; allein er sei auf der Hut vor dem aus dem natürlichen Gemüt aufsteigenden Sturm, der vom Hinterteile her, wo der sich selbst vertrauende natürliche Mensch steht, das Schiff mit Masten und Segeln versenken würde.  

33. VI. Alles Erschaffene ist endlich, und das Unendliche ist in den endlichen Subjekten wie in Aufnahmegefäßen, und in den Menschen wie in seinen Ebenbildern.

Alles Geschaffene ist endlich, weil alles von Jehovah Gott [geschaffen wurde] durch die Sonne der geistigen Welt, die Ihn zunächst umgibt, und diese Sonne aus der Substanz ist, die von Ihm ausging, und deren Wesen Liebe ist; aus dieser Sonne ist durch ihre Wärme und ihr Licht das Weltall von seinem Ersten bis zu seinem Letzten erschaffen worden. Allein den Gang der Schöpfung der Ordnung nach auseinanderzusetzen, ist hier nicht der Ort; im Folgenden wird ein kurzer Abriß davon gegeben werden. Hier liegt nur daran, zu wissen, daß das eine vom anderen gebildet worden ist, und daß infolgedessen Abstufungen entstanden sind, drei in der geistigen Welt, und drei ihnen entsprechende in der natürlichen Welt, und ebenso viele im Ruhenden, aus dem der Erd- und Wasserball besteht. Woher aber diese Abstufungen und wie sie beschaffen sind, ist in der im Jahr 1763 zu Amsterdam erschienen »Engelweisheit betreffend die göttliche Liebe und Weisheit«, und in dem im Jahr 1769 zu London herausgegebenen Schriftchen von der »Verbindung der Seele und des Leibes« vollständig auseinandergesetzt worden. Durch diese Abstufungen ist bewirkt worden, daß alles Spätere Aufnahmegefäß des Früheren, und dieses des noch Früheren, und so der Ordnung gemäß Aufnahmegefäß des Ursprünglichen ist, aus welchem die Sonne des Engelhimmels besteht, und somit, daß die endlichen Dinge Aufnahmegefäße des Unendlichen sind. Dies trifft auch zusammen mit der Weisheit der Alten, nach welcher alle und jede Dinge bis ins Unendliche teilbar sind. Die gewöhnliche Vorstellung ist, dass die endlichen Dinge, weil Endliches nicht das Unendliche fassen kann, nicht Aufnahmegefäße des Unendlichen sein können; allein aus dem, was in meinen Werken über die Schöpfung vorgetragen worden ist, ergibt sich, daß Gott Seine Unendlichkeit zuerst abgegrenzt hat durch Substanzen, die Er von Sich ausgehen ließ, aus denen Seine nächste Umgebung entstand, welche die Sonne der geistigen Welt ausmacht; und daß Er nachher durch diese Sonne die übrigen Umkreise bis zum letzten herab, der aus Ruhendem besteht, vollendet, und so die Welt durch Abstufungen mehr und mehr verendlicht hat. Dies ist zu dem Ende angeführt worden, damit der menschlichen Vernunft, die nicht ruht, wenn sie den Grund nicht sieht, ein Genüge geschehe.  

34. Daß das unendliche Göttliche in den Menschen als in seinen Ebenbilder ist, ist aus dem Wort bekannt, wo man folgendes liest: „Endlich sprach Gott: Laßt uns den Menschen machen in unserem Bilde, nach unserer Ähnlichkeit; es schuf also Gott den Menschen in Sein Bild, in das Bild Gottes schuf Er ihn“: 1Mo.1/26,27, woraus folgt, daß der Mensch ein aufnehmendes Organ Gottes ist, und daß er Organ ist je nach Beschaffenheit der Aufnahme. Das menschliche Gemüt, aus welchem und nach welchem der Mensch Mensch ist, ward in drei Regionen nach den drei Abstufungen gebildet: im ersten Grad ist es himmlisch, und in ihm sind auch die Engel des obersten Himmels; im zweiten Grad ist es geistig, und in ihm sind auch die Engel des mittleren Himmels; und im dritten Grad ist es natürlich, und in ihm sind auch die Engel des untersten Himmels. Nach diesen drei Graden organisiert, ist das menschliche Gemüt Aufnahmegefäß des göttlichen Einflusses. Dennoch aber fließt das Göttliche nicht weiter ein, als der Mensch den Weg ebnet oder die Türe öffnet; tut er dies bis zum höchsten oder himmlischen Grad, dann wird der Mensch wahrhaft Gottes Ebenbild, und nach dem Tode wird er ein Engel des obersten Himmels. Ebnet er aber den Weg oder öffnet die Türe bloß bis zum mittleren oder geistigen Grad, so wird der Mensch zwar ein Bild Gottes, aber nicht in jener Vollkommenheit, und nach dem Tode wird er ein Engel des mittleren Himmels. Ebnet er hingegen den Weg oder öffnet die Türe nur bis zum letzten oder natürlichen Grad, dann wird der Mensch, wenn er Gott anerkennt und Ihn mit werktätiger Frömmigkeit verehrt, ein Bild Gottes im untersten Grad, und nach dem Tode wird er ein Engel des untersten Himmels. Wenn er aber Gott nicht anerkennt und Ihn nicht mit werktätiger Frömmigkeit verehrt, so legt er das Bild Gottes ab und wird einem Tier ähnlich, nur daß er das Vermögen hat zu denken und infolgedessen zu reden. Wenn er alsdann den obersten natürlichen Grad verschließt, welcher dem obersten himmlischen entspricht, so wird er hinsichtlich des Liebens einem Tier der Erde ähnlich; verschließt er aber den mittleren natürlichen Grad, welcher dem mittleren geistigen entspricht, so wird er hinsichtlich des Liebens wie ein Fuchs, und  hinsichtlich der Sehkraft des Verstandes wie ein Nachtvogel; verschließt er hingegen auch den unteren natürlichen Grad hinsichtlich seines Geistigen, so wird er in Ansehung des Liebens wie ein wildes Tier und in Ansehung des Verständnisses des Wahren wie ein Fisch. Das göttliche Leben, das durch den Einfluß aus der Sonne des Engelhimmels den Menschen in Tätigkeit setzt, kann dem Licht aus der Sonne der Welt und seinem Einfluß in einen durchsichtigen Gegenstand verglichen werden; die Aufnahme des Lebens im obersten Grade dem Einfluß des Lichtes in den Diamant; die Aufnahme des Lebens im zweiten Grade dem Einfluß des Lichtes in Kristall, und die Aufnahme des Lebens im untersten Grade dem Einfluß des Lichtes in Glas oder in durchscheinendes Pergament: würde aber dieser Grad hinsichtlich seines Geistigen gänzlich verschlossen, was alsdann geschieht, wenn Gott geleugnet und der Satan verehrt wird, dann könnte die Aufnahme des Lebens von Gott verglichen werden dem Einfluß des Lichtes in undurchsichtige Gegenstände der Erde, wie z.B. in faules Holz, oder in Sumpfrasen, oder in Mist usw.; denn der Mensch wird alsdann ein geistiger Leichnam.  

35. Diesem will ich folgende Denkwürdigkeit beifügen. Einst war ich im Staunen über die große Menge von Menschen, welche die Schöpfung, und somit alles, was unter der Sonne, und alles, was über der Sonne ist, der Natur zuschreiben, und, wenn sie etwas sehen, mit Zustimmung ihres Herzens sagen: Gehört dies nicht der Natur an? und wenn man sie fragt, warum sie es der Natur und nicht Gott zuschreiben, während sie doch zuweilen mit der Gemeinde sagen, Gott habe die Natur geschaffen, und daher von dem, was sie sehen, ebensogut sagen können, es gehöre Gott an, als es sei der Natur zuzuschreiben, so antworten sie mit verhaltenem, beinahe unvernehmlichem Ton: Was ist Gott anderes als die Natur? Diese alle erscheinen infolge ihrer Ansicht von der Schöpfung des Weltalls aus der Natur, und weil sie diesen Unsinn für Weisheit halten, als Prahlhanse, so daß sie auf alle, welche die Erschaffung des Weltalls durch Gott anerkennen, als Ameisen herabsehen, die auf dem Boden kriechen und den gebahnten Weg betreten, auf andere aber als auf Schmetterlinge, die in der Luft fliegen und deren Lehrbestimmungen sie Träumereien nennen, weil sie sehen, was sie nicht sehen, wobei sie fragen: Wer hat Gott gesehen, und wer sieht nicht die Natur? Als ich nun so im Stauen war über die Menge solcher, stand mir ein Engel zur Seite und sprach zu mir: Worüber sinnst du nach? und ich antwortete: Über die Menge derer, die glauben, die Natur sei aus sich, und so die Schöpferin des Weltalls; und der Engel sagte mir: Die ganze Hölle besteht aus solchen, und sie heißen dort Satane und Teufel; Satane die, welche sich für die Natur bestärkt, und infolgedessen Gott geleugnet, Teufel die, welche lasterhaft gelebt und so aus ihren Herzen alle Anerkennung Gottes verbannt haben. Allein ich will dich zu den Kollegien in der südwestlichen Gegend führen, wo sich solche befinden, ohne schon in der Hölle zu sein. Nun nahm er mich bei der Hand, und führt mich dahin; und ich sah kleine Häuser, in denen Kollegien waren, und in deren Mitte eines, das wie die Vorsteherwohnung unter den übrigen aussah; dies war aus pechschwarzen Steinen gebaut, die mit Blättchen wie von Glas mit einer Art von Gold- und Silberschimmer überzogen waren, wie die sind, welche man Seleniten oder Marienglas nennt; und hie und da waren glänzende Muscheln zwischeneingesprengt. Da gingen wir hin und klopften an, und bald öffnete einer die Tür, und hieß uns willkommen; und lief dann zu einem Tisch hin und holte vier Bücher und sprach: Diese Bücher sind die Weisheit, der eine Menge von Reichen heutzutage Beifall zuklatscht; diesem Buch oder dieser Weisheit huldigen viele in Frankreich, diesem da viele in Deutschland, diesem einige in Holland, und diesem einige in Britannien. Weiter sagte er: Wenn ihr wollt, so will ich machen, daß diese vier Bücher vor euren Augen leuchten; und nun goß er die Glorie seines Rufes aus und verbreitete sie rings umher, und bald erglänzten die Bücher wie von Licht; allein dieses Licht verschwand vor unseren Augen sogleich wieder; und wir fragten nun, was er jetzt schreibe, und er antwortete, er lange jetzt gerade die Frage der innersten Weisheit aus seinen Schätzen hervor und bringe sie zutage, die in kurzer Zusammenfassung folgende seien: I. Ob die Natur dem Leben, oder ob das Leben der Natur angehöre. II. Ob der Mittelpunkt dem Umkreis, oder der Umkreis dem Mittelpunkt angehöre. III. Von dem Mittelpunkte des Umkreises und des Lebens.

Nachdem er dies gesagt, ließ er sich wieder auf dem Sessel an dem Tische nieder, wir aber ergingen uns in seinem Kollegium, das geräumig war. Er hatte auf dem Tisch ein Licht stehen, weil es dort keinen Sonnenschein, sondern nur einen nächtlichen Mondschein gab; und zu meiner Verwunderung schien das Licht sich zwar rings umher zu verbreiten und zu beleuchten, weil es aber nicht geschneuzt war, so erleuchtete es nur wenig; und als er schrieb, sahen wir Bilder in mancherlei Gestalten vom Tisch aus an die Wände fliegen, die in diesem nächtlichen Mondlicht wie schöne indische Vögel erschienen. Wenn wir aber die Türe öffneten, siehe, da erschienen sie im Tageslicht der Sonne als Nachtvögel mit netzförmigen Flügeln; es waren nämlich Scheinwahrheiten, die durch die Begründungen zu Trugschlüssen wurden, die von ihm scharfsinnig in Reihen verbunden worden waren. Nachdem wir dies gesehen, traten wir zu dem Tisch hin und fragten ihn, was er nun schreibe; er sagte: Über jenes erste: ob die Natur dem Leben, oder ob das Leben der Natur angehöre? und bemerkte dabei, er könne beides begründen und zur Wahrheit machen; weil aber inwendig etwas verborgen liege, das er fürchte, so habe er bloß das zu begründen gewagt, dass die Natur dem Leben angehöre, das heißt, aus dem Leben sei, nicht aber, daß das Leben der Natur angehöre, das ist, aus der Natur sei. Wir fragten freundlich, was denn das sei, das inwendig verborgen liege und das er fürchte; er antwortete, er könnte von den Geistlichen ein Naturalist und somit ein Gottesleugner, und von den Laien ein Mann von ungesunder Vernunft genannt werden, weil jene und diese entweder einen blinden Glauben anhangen, oder mit den Augen derer sehen, die diesen begründen. Nun aber redeten wir ihn mit einer gewissen Entrüstung des Eifers für die Wahrheit an und sagten: Freund, du bist sehr im Irrtum; deine Weisheit, die in der Gabe, scharfsinnig zu schreiben, besteht, hat dich verführt, und die Sucht, dir einen Namen zu machen, hat dich verleitet, zu begründen, was du nicht glaubst. Weißt du nicht, daß der menschliche Geist über das Sinnliche, das heißt, über das, was in den Gedanken aus den Sinnen des Körpers ist, erhoben werden kann, und daß er, wenn erhoben, das zum Leben Gehörige oben und das zur Natur Gehörige unten sieht? Was ist das Leben anderes als Liebe und Weisheit, und was die Natur anderes, als deren Aufnahmegefäß, durch welches jene ihre Wirkungen oder Nutzleistungen hervorbringen? Können diese in anderer Weise eins sein, als wie das Hauptsächliche und das Werkzeugliche? Kann das Licht eines sein mit dem Auge, oder der Schall mit dem Ohr? Woher kommen diesen ihre Sinne, als aus dem Leben, und woher ihre Formen, als aus der Natur? Was ist der menschliche Körper anderes, als ein Organ des Lebens? Ist nicht alles und jedes in ihm organisch dazu gebildet, dasjenige hervorzubringen, was die Liebe will und der Verstand denkt? Stammen nicht die Organe des Körpers aus der Natur, und die Liebe und das Denken aus dem Leben? Und sind diese nicht gänzlich voneinander unterschieden? Erhebe den Blick deines Scharfsinns noch ein wenig höher, so wirst du sehen, daß dies Angeregtwerden und Denken dem Leben, und zwar das Angeregtwerden der Liebe und das Denken der Weisheit, und beide dem Leben angehören; denn, wie gesagt, die Liebe und die Weisheit sind das Leben. Erhebst du deine Denkkraft noch etwas höher, so wirst du sehen, daß es keine Liebe und Weisheit geben könnte, wenn nicht irgendwo ihr Ursprung wäre, und daß ihr Ursprung die Liebe selbst und die Weisheit selbst, und somit das Leben selbst ist; und diese sind Gott, von Dem die Natur stammt. Nach diesem sprachen wir mit ihm über das andere, ob der Mittelpunkt dem Umkreis oder ob der Umkreis dem Mittelpunkt angehöre; und wir fragten, warum er dies zum Gegenstand der Untersuchung mache; er antwortete: Zu dem Ende, daß er über den Mittelpunkt und Umkreis der Natur und des Lebens, somit über den Ursprung des einen und des anderen einen Schluß ziehen könne; und als wir fragten, was seine Ansicht davon sei, gab er darüber die gleiche Antwort wie früher, daß er nämlich beides begründen könne, aber aus Furcht vor dem Verlust seines Rufes nur begründe, daß der Umkreis dem Mittelpunkt angehöre, das heißt, vom Mittelpunkt herkomme; obwohl [fügte er bei] ich weiß, daß vor der Sonne etwas da war, und zwar allenthalben im Umkreis, und daß dieses von selbst in eine Ordnung und so in einen Mittelpunkt zusammenfloß. Da redeten wir ihn aber wieder mit unwilligem Eifer an und sagten: Freund, du redest Unsinn; und als er dies hörte, zog er seinen Sessel vom Tisch zurück und sah uns schüchtern an, und lieh uns alsdann sein Ohr, jedoch mit Lächeln; wir aber fuhren fort und sagten: Was ist unsinniger, als zu sagen, daß der Mittelpunkt vom Umkreis herkomme? Unter deinem Mittelpunkt verstehen wir die Sonne, und unter deinem Umkreis verstehen wir das Weltall, und somit, daß das Weltall ohne Sonne entstanden sei. Macht nicht die Sonne die Natur und alle ihre Eigenschaften, die einzig vom Licht und der Wärme abhängen, die aus der Sonne durch die Atmosphären hervorgehen? Wo waren diese vorher? Doch woher sie sind, wollen wir in der folgenden Erörterung sagen. Sind nicht die Atmosphären und alles, was auf der Erde ist, wie die Oberflächen, und die Sonne, wie ihr Mittelpunkt? Was sind diese alle ohne die Sonne? Können sie auch nur einen Augenblick bestehen? Was waren also diese alle vor der Sonne?

Konnten sie wohl entstehen? Ist nicht das Bestehen ein fortwährendes Entstehen? Da also das Bestehen aller Dinge der Natur von der Sonne herrührt, so folgt, daß auch das Entstehen aller Dinge von ihr herkommt. Dies sieht und erkennt jeder aus eigener Anschauung. Hat nicht das Spätere vom Früheren wie sein Entstehen, so auch sein Bestehen? Wäre der Umkreis das Frühere und der Mittelpunkt das Spätere, würde dann nicht das Frühere durch das Spätere bestehen, was jedoch gegen die Gesetze der Ordnung ist? Wie kann das Spätere Früheres hervorbringen, oder das Auswendige Inwendiges, oder das Gröbere Feineres?

Wie könnten also die Oberflächen, die den Umkreis bilden, den Mittelpunkt hervorbringen? Wer sieht nicht, daß dies gegen die Naturgesetze wäre? Wir haben diese Beweise aus der Vernunftanalyse angeführt, um zu begründen, daß der Umkreis aus dem Mittelpunkt entsteht und nicht umgekehrt, obwohl ein jeder, der richtig denkt, es ohne diese Beweise sieht. Du sagtest, der Umkreis sei von selbst in den Mittelpunkt zusammengeflossen: Floß denn jener von ungefähr in eine so wundervolle und staunenswerte Ordnung zusammen, daß das eine um des anderen, und alles und jedes um des Menschen und seines ewigen Lebens willen da ist? Kann die Natur aus irgendeiner Liebe durch irgendwelche Weisheit sich Zwecke vorsetzen, auf die Ursachen hinsehen und so für die Wirkungen Vorsorge tragen, damit dergleichen in seiner Ordnung entstehe? Und kann sie aus Menschen Engel und aus diesen einen Himmel machen, und machen, daß die, welche in diesem sind, ewig fortleben? Nimm dies einmal an und denke ihm nach, so wird deine Vorstellung von der Entstehung der Natur aus der Natur zusammenfallen. Nach diesem fragten wir ihn, was er gedacht habe und was er jetzt denke über das Dritte, über den Mittelpunkt und den Umkreis der Natur und des Lebens; ob er glaube, daß der Mittelpunkt und der Umkreis des Lebens dasselbe sei mit dem Mittelpunkt und dem Umkreis der Natur. Er sagte, er stehe an; früher habe er gedacht, die innere Tätigkeit der Natur sei das Leben, und die Liebe und Weisheit, die wesentlich des Menschen Leben ausmachen, stammen daher, und das Feuer der Sonne bringe durch die Wärme und das Licht mittelst der Atmosphären es hervor; jetzt aber sei er infolgedessen, was er vom Leben der Menschen nach dem Tode gehört, in Ungewißheit, und diese Ungewißheit trage seinen Geist bald nach oben, bald nach unten; wenn nach oben, so erkenne er einen Mittelpunkt an, von dem er früher nichts gewusst habe, und wenn nach unten, so sehe er den Mittelpunkt, den er für den einzigen gehalten, und daß das Leben aus dem Mittelpunkt sei, von dem er früher nichts gewußt hatte, und daß die Natur aus dem Mittelpunkt sei, den er früher für den einzigen gehalten, und daß jeder der beiden Mittelpunkte einen Umkreis um sich her habe.

Hierauf sagten wir: Gut! nur möchte er auch aus dem Mittelpunkt und Umkreis des Lebens auf den Mittelpunkt und Umkreis der Natur hinsehen und nicht umgekehrt; und wir unterrichteten ihn, daß über dem Engelhimmel eine Sonne sei, die lautere Liebe und der Erscheinung nach feurig wie die Weltsonne ist, und daß aus der Wärme, die aus jener Sonne hervorgeht, den Engeln und den Menschen Willen und Liebe, und aus dem Licht von daher ihnen Verstand und Weisheit komme; und daß das, was von daher kommt, Geistiges heiße, und das, was aus der Sonne der Welt hervorgeht, Behälter und Aufnahmegefäß des Lebens sei, und Natürliches heiße. Ferner, daß der Umkreis des Lebens-Mittelpunktes die geistige Welt heiße, die durch ihre Sonne besteht, und der Umkreis des Natur-Mittelpunktes die natürliche Welt, die durch ihre Sonne besteht. Da nun von der Liebe und Weisheit sich nicht Räume und Zeiten aussagen lassen, sondern statt derselben Zustände, so folge, daß der Umkreis um die Sonne des Engelhimmels nicht das Ausgedehnte dennoch aber im Ausgedehnten der natürlichen Sonne, und bei den lebendigen Subjekten in ihm gemäß der Aufnahme ist, und die Aufnahme sich gemäß den Formen und Zuständen verhält.

Nun fragte er aber, woher das Feuer der Sonne der Welt oder der Natur komme; wir antworteten, es sei aus der Sonne des Engelhimmels, die nicht Feuer, sondern die göttliche Liebe ist, die zunächst von Gott ausgeht, Der in ihrer Mitte ist; und weil er sich darüber wunderte, so wiesen wir es ihm also nach: Die Liebe ist ihrem Wesen nach ein geistiges Feuer, und darum bedeutet im Worte in dessen geistigem Sinne das Feuer die Liebe; weshalb die Priester in den Tempeln beten, daß himmlisches Feuer, unter dem sie die Liebe verstehen, die Herzen erfüllen möge. Das Feuer des Altars, und das Feuer des Armleuchters in der Stiftshütte bei den Israeliten stellte nichts anderes vor als die göttliche Liebe; die Wärme des Blutes, oder die Lebenswärme des Menschen und der Tiere überhaupt stammt nirgend anderswoher, als aus einer Liebe, die ihr Leben macht. Daher kommt, daß der Mensch entbrennt, erglüht und entflammt wird, wenn seine Liebe sich in Eifer steigert, oder zum Zorn und Grimm aufgeregt wird: weshalb denn eben daraus, daß die geistige Wärme, die eine Liebe ist, eine natürliche Wärme bei den Menschen hervorbringt, so daß sie deren Gesichter und Glieder erhitzt und entflammt, sich entnehmen läßt, daß das Feuer der natürlichen Sonne nirgend anderswoher entstanden ist, als aus dem Feuer der geistigen Sonne, welche die göttliche Liebe ist. Da nun, wie wir oben sagten, der Umkreis aus dem Mittelpunkt entsteht und nicht umgekehrt, und der Mittelpunkt des Lebens, welcher die Sonne des Engelhimmels ist, die göttliche Liebe ist, die unmittelbar aus Gott hervorgeht, Der in der Mitte dieser Sonne ist, und da von daher der Umkreis dieses Zentrums stammt, welcher die geistige Welt heißt, und da aus jener Sonne die Weltsonne entstanden ist, und aus dieser ihr Umkreis, welcher die natürliche Welt heißt: so ist offenbar, daß das Weltall von Gott erschaffen worden ist.

Nach diesem begaben wir uns weg, und er begleitete uns bis über den Vorhof seines Kollegiums hinaus, und sprach mit uns über Himmel und Hölle, und über die göttliche Leitung, nach dem neu erlangten Scharfblick seines Geistes.