Gottes Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart  

49. Es ist von der göttlichen Liebe und Weisheit gehandelt und gezeigt worden, daß diese zwei das göttliche Wesen sind. Es folgt nun von Gottes Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart, weil diese drei aus der göttlichen Liebe und der göttlichen Weisheit hervorgehen, kaum anders, als die Kraft und Gegenwart der Sonne in dieser Welt und in allem und jedem derselben durch die Wärme und das Licht. Auch ist die Wärme aus der Sonne der geistigen Welt, in deren Mitte Jehovah Gott ist, ihrem Wesen nach göttliche Liebe, und das Licht von daher ist seinem Wesen nach göttliche Weisheit; woraus erhellt; daß, wie die Unendlichkeit, Unermeßlichkeit und Ewigkeit zum göttlichen Sein gehören, so die Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart zum göttlichen Wesen. Da aber diese drei allgemeinen Bestimmungen des göttlichen Wesens bisher nicht verstanden worden sind, weil ihre Fortbewegung nach ihren Wegen, welche die Gesetze der Ordnung sind, unbekannt war, so müssen sie ins Licht gesetzt werden durch besondere Abschnitte, welche sein werden:

I. Der göttlichen Weisheit aus der göttlichen Liebe kommt Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart zu.

II. Gottes Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart können nicht erkannt werden, wofern man nicht weiß, was die Ordnung ist, und nicht von dieser das weiß, daß Gott die Ordnung ist und daß Er zugleich mit der Schöpfung eine Ordnung eingeführt hat sowohl in das Weltganze, als in alles und jedes desselben.

III. Gottes Allmacht im Weltganzen und in allem und jedem desselben geht vor sich und wirkt gemäß den Gesetzen Seiner Ordnung.

IV. Gott ist allwissend, das heißt, Er nimmt wahr, sieht und weiß bis zum Kleinsten herab alles und jedes, was der Ordnung gemäß geschieht, und aus diesem auch das, was wider die Ordnung geschieht.

V. Gott ist allgegenwärtig vom Ersten bis zum Letzten Seiner Ordnung.

VI. Der Mensch ist zur Form der göttlichen Ordnung geschaffen worden.

VII. Der Mensch ist insoweit in der Macht gegen das Böse und Falsche aus der göttlichen Allmacht, und insoweit in der Weisheit hinsichtlich des Guten und Wahren aus der göttlichen Allwissenheit, und insoweit in Gott vermöge der göttlichen Allgegenwart, als er nach der göttlichen Ordnung lebt.

Doch dies soll im einzelnen entwickelt werden.

50. I. Der göttlichen Weisheit aus der göttlichen Liebe kommt Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart zu.                                                Daß der göttlichen Weisheit aus der göttlichen Liebe die Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart zukommt, nicht aber der göttlichen Liebe durch die göttliche Weisheit, ist ein Geheimnis aus dem Himmel, das noch in keines einzigen Verstand gekommen ist, weil bis jetzt noch keiner gewußt hat, was die Liebe ihrem Wesen nach und was die Weisheit aus ihr dem ihrigen nach ist, und noch weniger [jemand etwas gewußt hat] von dem Einfließen der einen in die andere, daß nämlich die Liebe mit allem und jedem, was ihr angehört, in die Weisheit einfließt und in dieser thront wie ein König in seinem Reich, oder wie ein Hausherr in seinem Haus, und alle Verwaltung der Gerechtigkeit ihrem Gericht überläßt, und, weil die Gerechtigkeit Sache der Liebe und das Gericht Sache der Weisheit ist, alle Herrschaft der Liebe ihrer Weisheit überläßt. Doch dies Geheimnis wird im Folgenden Licht erhalten, inzwischen    mag dies als Leitsatz dienen. Daß Gott der Allmächtige, der Allwissende und der Allgegenwärtige ist durch die Weisheit Seiner Liebe, wird auch unter folgendem bei Johannes verstanden: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen; und die Welt ist durch dasselbe gemacht worden; und das Wort ward Fleisch“: Joh.1/1,3,4,10,14.

Unter dem Wort wird hier das göttliche Wahre, oder, was auf dasselbe hinausläuft, die göttliche Weisheit verstanden; weshalb es auch das Leben und das Licht genannt wird; das Leben und das Licht aber sind nichts anderes, als die Weisheit.

51. Da im Worte die Gerechtigkeit von der Liebe und das Gericht von der Weisheit prädiziert wird, so sollen einige Stellen dafür angeführt werden, daß die Regierung Gottes durch diese beiden in der Welt statthat; dieselben sind folgende: „Jehovah, Gerechtigkeit und Gericht sind Deines Thrones       Stütze“: Ps.89/15. „Es rühme, wer da rühmet, dies, daß Jehovah Gericht und Gerechtigkeit übt auf Erden“: Jer.9/23. „Erhoben werde Jehovah, denn Er erfüllet das Land [Zion] mit Gericht und Gerechtigkeit“: Jes.33/5. „Es wird wie Wasser fließen das Gericht und die Gerechtigkeit, gleich wie ein starker Strom“: Am.5/24. „Jehovah, Deine Gerechtigkeit ist wie die Berge Gottes, Deine Gerichte [sind] ein großer Abgrund“: Ps.36/7. „Jehovah wird wie das Licht hervorziehen deine Gerechtigkeit, und [dein] Gericht gleich wie den Mittag“: Ps.37/6. „Jehovah wird richten dein Volk in Gerechtigkeit, und deine Elenden im Gericht“: Ps.72/2. „Wenn ich gelernt die Gerichte Deiner Gerechtigkeit, siebenmal des Tages lobe ich Dich ob der Gerichte Deiner Gerechtigkeit“: Ps.119/7,164. „Ich will mich Dir verloben in Gerechtigkeit und im Gericht“: Hos.2/19. „Zion wird im Gericht erlöst werden, und [seine] Umkehrenden in der Gerechtigkeit“: Jes.1/27. „Sitzen wird Er auf Davids Thron und über Seinem Reich, es zu befestigen im Gericht und in Gerechtigkeit“: Jes.9/6. „Ich will dem David einen gerechten Sproß erwecken, Der als König herrschen und Gericht und Gerechtigkeit üben wird auf Erden“: Jer.23/5; 33/15; und anderwärts. Daß man Gerechtigkeit und Gericht üben solle, wie Jes.1/21; 5/16; 58/2; Jer.4/2; 22/3,13,15.; Ez.18/5; 33/14,16,19; Am.6/12; Mi.7/9; 5Mo.33/21; Joh.16/8,10,11.

52. II. Gottes Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart können nicht erkannt werden, wofern man nicht weiß, was die Ordnung ist, und nicht von dieser das weiß, daß Gott die Ordnung ist und daß Er zugleich mit der Schöpfung eine Ordnung eingeführt hat, sowohl in das Weltganze, als in alles und jedes desselben.                                                                                                                                                         Wie viele und was für Albernheiten in die menschlichen Gemüter, und infolgedessen durch die Häupter der Wiederhersteller in die Kirche sich dadurch eingeschlichen haben, daß sie die Ordnung nicht verstanden, in die Gott das Weltall und alles und jedes desselben erschaffen hat, wird schon aus der bloßen Aufzählung derselben im folgenden erhellen können. Hier aber wollen wir die Ordnung eröffnen durch eine Art von Generaldefinition derselben, welche folgende ist: Die Ordnung ist die Beschaffenheit der Einrichtung, Bestimmung und Tätigkeit der Teile, Substanzen oder Wesen, welche die Form ausmachen, daher der Zustand, dessen Vollkommenheit die Weisheit aus ihrer Liebe hervorbringt, oder dessen Unvollkommenheit die Verkehrtheit der Vernunft aus der Begierde ausbrütet. In dieser Definition werden Substanz, Form und Zustand genannt, und unter der Substanz verstehen wir zugleich die Form, weil jede Substanz Form ist, und die Beschaffenheit der Form ihr Zustand ist, deren Vollkommenheit oder Unvollkommenheit Ergebnis der Ordnung ist. Allein diese Dinge müssen, weil sie Metaphysisches sind, notwendig in Dunkelheit sein, diese wird jedoch im folgenden zerstreut werden durch Anwendungen auf beleuchtende Beispiele.

53. Daß Gott die Ordnung ist, gründet sich darauf, daß Er die Substanz selbst und die Form selbst ist. Die Substanz, weil aus Ihm alle Dinge, die bestehen, entstanden sind und entstehen; die Form, weil alle Beschaffenheit der Substanzen von Ihm ausgegangen ist und ausgeht; nicht anderswoher als aus derForm kommt die Qualität. Da nun Gott die eigentliche, einzige und erste Substanz und Form ist, und zugleich die eigentliche und einzige Liebe, und die eigentliche und einzige Weisheit, und da die Weisheit aus der Liebe die Form macht, und deren Zustand und Beschaffenheit sich verhält gemäß der Ordnung in ihr, so folgt, daß Gott die Ordnung selbst ist; und mithin, daß Gott aus Sich die Ordnung sowohl in das Weltganze, als in alles und jedes desselben eingeführt hat; und daß Er die vollkommenste Ordnung eingeführt hat, weil alles, was Er geschaffen hat, gut war, wie man liest im Buche der Schöpfung. Daß das Böse zugleich mit der Hölle, somit nach der Schöpfung entstanden ist, wird an seinem Ort nachgewiesen werden. Doch nun zu solchem, was dem Verstand näher liegt, ihn heller erleuchtet und sanfter berührt.

54. Wie aber die Ordnung beschaffen ist, in die das Weltall geschaffen wurde, ließe sich nur auf mehreren Bogen auseinandersetzen; ein kurzer Abriß von ihr soll in dem [diesem Kapitel] folgenden Zusatz von der Schöpfung gegeben werden. Festzuhalten ist, daß im Weltall alles und jedes, damit es durch sich bestehe, in seine Ordnung erschaffen worden ist, und zwar von Anfang an so, daß es mit der Ordnung des Weltganzen sich verbinde, und dies zu dem Ende, damit die Einzelordnungen in der Gesamtordnung ihren Bestand haben, und so eins ausmachen mögen; doch zu einigen Beispielen: - Der Mensch ist in seine Ordnung geschaffen, und auch jegliches an ihm in die seinige; so der Kopf in die seinige, der Leib in die seinige, das Herz, die Lunge, die Leber, die Gekrösedrüse, der Magen in die ihrigen, jedes Bewegorgan, das man Muskel nennt, in die seinige, und jedes Sinnesorgan, als Auge, Ohr, Zunge, in das seinige; ja es gibt kein Äderchen und kein Fiberchen, das nicht in die seinige geschaffen wäre, und doch verbinden sich diese zahllosen Einzelteile mit ihrem gemeinsamen Ganzen und fügen sich diesem so ein, daß sie zusammen eins ausmachen. Ebenso verhält es sich mit den übrigen Gegenständen, deren bloße Aufzählung schon zur Beleuchtung hinreicht. Jedes Tier der Erde, jeder Vogel des Himmels, jeder Fisch des Meeres, jedes kriechende Tier, ja jeder Wurm bis herab zur Motte ist in seine Ordnung geschaffen worden; ebenso jeder Baum, jedes Gebüsch, Gesträuch und Hülsengewächs in die seinige; und überdies jeder Stein und jedes Mineral bis zu jedem Erdenstäubchen herab in die ihrige.

55. Wer sieht nicht, daß es keinen Kaiserstaat, kein Königreich, kein Herzogtum, keinen Freistaat, keine Stadt und kein Haus gibt, die nicht durch Gesetze zusammengehalten werden, welche die Ordnung und so die Form ihrer Regierung bilden. In jedem einzelnen derselben nehmen die Gesetze der Gerechtigkeit die oberste Stelle ein, die administrativen die zweite und die ökonomischen Gesetze die dritte, und wenn diese mit dem Menschen verglichen werden, so bilden die Gesetze der Gerechtigkeit sein Haupt, die administrativen seinen Leib und die ökonomischen Gesetze die Kleider, weshalb auch diese wie die Kleider gewechselt werden können. Was aber die Ordnung betrifft, in welche die Kirche von Gott eingesetzt wurde, so ist sie die, daß Gott in allem und jedem derselben sei, und der Nächste, gegen den die Ordnung beobachtet werden soll. Der Gesetze dieser Ordnung sind ebenso viele, als der Wahrheiten im Wort. Die Gesetze, die Gott betreffen, sollen ihr Haupt ausmachen, die Gesetze, die den Nächsten betreffen, sollen ihren Leib und die Gebräuche die Kleider bilden; denn wofern jene nicht von diesen in ihrer Ordnung zusammengehalten würden, so wäre es, wie wenn der Leib entblößt und der Hitze im Sommer und der Kälte im Winter ausgesetzt würde, oder wie wenn aus dem Tempel Wände und Decken weggenommen und so das      innere Heiligtum, der Altar und die Rednerbühne unter freiem Himmel den mancherlei Gewalttätigkeiten preisgegeben wären.

56. III. Gottes Allmacht im Weltganzen und in allem und jedem desselben geht vor sich und wirkt gemäß den Gesetzen Seiner Ordnung. Gott ist der Allmächtige, weil Er alles aus Sich vermag und alle anderen nur aus Ihm etwas vermögen. Sein Können und Sein Wollen sind eins, und weil Er nichts als das Gute will, so kann Er auch nur das Gute tun. In der geistigen Welt kann niemand etwas wider seinen eigenen Willen tun; dies hat man dort von Gott her, sofern Sein Können und Wollen eins sind. Auch ist Gott das Gute selbst, weshalb Er, wenn Er das Gute tut, in Sich ist, und aus Sich nicht herausgehen kann. Hieraus erhellt, daß Seine Allmacht innerhalb der Sphäre der Ausdehnung des Guten, die unendlich ist, vor sich geht und wirkt, denn diese Sphäre erfüllt vom Innersten heraus das Weltall und alles und jedes in ihm, und regiert vom Innersten heraus die Dinge, die außerhalb sind, soweit diese ihren Ordnungen gemäß sich verbinden, und wenn sie sich nicht verbinden, so erhält sie dieselben dennoch aufrecht und arbeitet mit aller Anstrengung darauf hin, sie in eine Ordnung zurückzubringen, die einstimmig ist mit der allumfassenden, in der Gott in Seiner Allmacht ist und nach der Er handelt. Und wenn dies nicht erfolgt, so werden sie außerhalb Seiner geworfen, wo Er sie aber nichtsdestoweniger vom Innersten heraus erhält.

Hieraus kann offenbar sein, daß die göttliche Allmacht durchaus nicht aus Sich herausgehen kann, um mit irgendeinem Bösen in Berührung zu treten, noch dieses von Sich aus fortschaffen kann; denn das Bösewendet sich ab; und daher kommt, daß es gänzlich von Ihm getrennt und in die Hölle geworfen ist, zwischen welcher und dem Himmel, wo Er ist, sich eine große Kluft befindet. Aus diesem wenigen kann man sehen, wie sehr diejenigen irregehen, die denken, und noch mehr die, welche glauben, und noch mehr die, welche lehren, daß Gott jemanden verdammen, jemanden verfluchen, jemanden in die Hölle werfen, jemands Seele zum ewigen Tode vorherbestimmen, Beleidigungen rächen, zürnen, strafen könne; ja Er kann Sich nicht einmal vom Menschen abwenden und ihn mit harter Stirne ansehen; dieses und ähnliches ist wider Sein Wesen, und wider dieses ist wider Ihn selbst.

57. Die heutzutage herrschende Meinung ist, daß die Allmacht Gottes sei wie die absolute Gewalt eines Königs in der Welt, der nach Willkür alles tun kann, was er will, freisprechen und verurteilen, wen er will, den Schuldigen zum Unschuldigen machen, den Ungetreuen für getreu erklären, den Unwürdigen und Verdienstlosen über den Würdigen und Verdienten erheben, ja daß er unter jeglichem Vorwand den Untergebenen ihre Güter entreißen, und dann auch den Tod über sie verhängen könne und dergleichen mehr. Aus dieser albernen Meinung, Glaubensansicht und Lehre von der göttlichen Allmacht sind ebenso viele Irrtümer, Trugschlüsse und Hirngespinste in die Kirche eingedrungen, als es Momente, Gliederungen und Zeugungen des Glaubens in ihr gibt, und es können deren noch weiter ebenso viele eindringen, als Krüge mit Wasser aus einem großen See gefüllt werden, oder als Schlangen aus ihren Höhlen hervorkriechen, und an einem sonnigen Ort in der Wüste Arabiens sich vergnügen können. Was bedarf es dann mehr als der zwei Wörtchen Allmacht und Glaube, um sofort vor dem großen Haufen ebenso viele Mutmaßungen, Märchen und läppische Dinge auszustreuen, als deren nur in die Sinne des Körpers fallen mögen; denn von beiden wird die Vernunft ausgestoßen. Was hat aber nach Ausstoßung der Vernunft das Denken des Menschen voraus vor der Vernunft des über seinem Kopf fliegenden Vogels? Oder was ist alsdann das Geistige, das der Mensch vor den Tieren voraus hat anderes, als etwas wie der Qualm in den Tierbehältern, der zwar den in ihnen befindlichen wilden Tieren zusagt, nicht aber dem Menschen, wofern er ihnen nicht ähnlich ist? Erstreckte sich die göttliche Allmacht ebenso auf das Tun des Bösen, als auf das des Guten, welcher Unterschied wäre dann zwischen Gott und dem Teufel? Etwa ein anderer, als der zwischen zwei Monarchen, von denen der eine König und zugleich Tyrann ist, und der andere ein Tyrann, dessen Gewalt aber beschränkt ist, daher er nicht König zu nennen ist? Oder zwischen einem Hirten, dem zugelassen ist, das Schaf und auch den Panther zu treiben, und einen Hirten, dem dieses nicht zugelassen ist? Wer vermöchte nicht zu wissen, daß das Gute und das Böse Gegensätze sind, und daß, wenn Gott nach Seiner Allmacht das eine und das andere zu wollen, und aus dem Wollen zu tun vermöchte, Er gar nichts vermöchte, somit keine Macht, am wenigsten Allmacht hätte? Es wäre dies, wie wenn sich zwei Räder in entgegengesetzter Richtung widereinander bewegten; wo dann infolge der Gegenwirkung beide Räder stehenbleiben, und ganz und gar ruhen würden. Oder wie ein Schiff, das im Strom wider dessen Lauf triebe, und, wenn es nicht auf dem Anker ruhte, fortgerissen würde und unterginge, oder wie ein Mensch, der zwei einander widerstreitende Willen hätte, wo dann, wenn der eine tätig ist, der andere notwendig ruhen muß; wenn aber beide zugleich tätig wären, seinen Geist Wahnsinn oder Schwindel befallen würde.

58. Wäre die Allmacht Gottes, dem heutigen Glauben gemäß eine absolute, so daß sie sowohl das Gute, als das Böse tun könnte, wäre es dann Gott nicht möglich, ja leicht, die ganze Hölle in den Himmel zu erheben, und die Teufel und Satane in Engel umzuwandeln, und auf Erden jeden Gottlosen in einem Augenblick von Sünden zu reinigen, zu erneuern, zu heiligen, wiederzugebären, aus einem Sohn des Zornes zu einem Sohn der Gnade zu machen, das heißt zu rechtfertigen, was bloß durch Zuerkennung und Zurechnung der Gerechtigkeit Seines Sohnes geschehen würde? Allein Gott vermag dies nicht aus Seiner Allmacht, weil es gegen die Gesetze Seiner Ordnung im Weltall, und zugleich gegen die Gesetze der Ordnung ist, die in jeden Menschen gelegt sind, und welche sind, daß eine wechselseitige Verbindung von beiden Seiten statthaben muß. Daß dem so ist, wird man im Verfolg dieses Werkes sehen. Aus jener albernen Meinung und Glaubensansicht von der Allmacht Gottes würde hervorgehen, daß Gott jeden Bock-Menschen in einen Lamm-Menschen verwandeln und nach Gefallen von Seiner linken auf Seine rechte Seite versetzen könnte. Ferner, daß Er die Geister des Drachen nach Gefallen in Engel Michaels umwandeln und einen Menschen, dessen Verstand dem des Maulwurfs gleicht, mit dem Blick des Adlers beschenken, mit einem Wort, aus einem Uhu-Menschen einen Tauben-Menschen machen könnte. Dies kann Gott nicht, weil es gegen die Gesetze Seiner Ordnung ist, obgleich Er es fortwährend will und anstrebt. Hätte Er dergleichen gekonnt, so würde Er dem Adam nicht zugelassen haben auf die Schlange zu hören und die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu pflücken und sie zum Munde zu führen. Hätte Er es gekonnt, so hätte er dem Kain nicht zugelassen seinen Bruder zu töten; nicht dem David, das Volk zu zählen; nicht dem Salomo Götzentempel aufzubauen, noch den Königen Judas und Israels, den Tempel zu entheiligen, was sie so oft getan haben. Ja wenn Er jenes gekonnt hätte, so würde Er durch die Erlösung Seines Sohnes das ganze menschliche Geschlecht, keinen ausgenommen, errettet, und die ganze Hölle ausgerottet haben. Die alten Heiden schrieben eine solche Allmacht ihren Göttern und Göttinnen zu, und daher entstanden ihre Mythen, z.B. von Deukalion und Pyrrha, daß Steine, die sie hinter ihren Rücken geworfen, zu Menschen geworden seien; von Apollo, daß er Daphne in einen Lorbeerbaum verwandelt habe; von der Diana, daß sie einen Jäger in einen Hirsch, und von einer anderen ihrer Göttinnen, daß sie die Jungfrauen des Parnassus in Elstern verwandelt habe. Ein ähnlicher Glaube in Beziehung auf die göttliche Allmacht findet heutzutage statt, daher so viel Fanatisches und infolgedessen Ketzerisches überall, wo eine Religion besteht, in die Welt eingeführt wurde.

59. IV. Gott ist allwissend, das heißt, Er nimmt wahr, sieht und weiß bis zum Kleinsten herab alles und jedes, was der Ordnung gemäß geschieht, und aus diesem auch das, was wider die Ordnung geschieht.

Daß Gott der Allwissende ist, das heißt, alles wahrnimmt, sieht und weiß, hat seinen Grund darin, daß Er die Weisheit selbst und das Licht selbst ist, und die eigentliche Weisheit alles wahrnimmt, und das eigentliche Licht alles sieht. Daß Gott die Weisheit selbst ist, ist oben gezeigt worden, Er ist aber auch das Licht selbst, weil Er die Sonne des Engelhimmels ist, die den Verstand aller, sowohl der Engel, als der Menschen, erleuchtet; denn wie das Auge vom Licht der natürlichen Sonne erleuchtet wird, so wird der Verstand vom Licht der geistigen Sonne erleuchtet, und nicht bloß erleuchtet, sondern auch       mit Einsicht erfüllt je nach der Liebe, es in sich aufzunehmen, weil dieses Licht seinem Wesen nach Weisheit ist; weshalb es bei Paulus heißt, daß Gott in einem unzugänglichen Licht wohne; und in der Offenbarung, daß man im neuen Jerusalem nicht bedürfe einer Leuchte, weil der Herr Gott sie erleuchtet; und bei Johannes, daß das Wort, welches bei Gott war und Gott war, das Licht sei, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt; unter dem Wort wird die göttliche Weisheit verstanden. Daher kommt, daß die Engel insoweit im Lichtglanz sind, als sie in der Weisheit sind; und daher kommt auch, daß im Wort da, wo das Licht genannt wird, die Weisheit verstanden wird.

60. Daß Gott alles, was der Ordnung gemäß geschieht, bis zum Kleinsten herab wahrnimmt, sieht und weiß, kommt daher, daß die Ordnung eine allumfassende ist aus dem Allereinzelnsten, denn das Einzelne zusammengenommen heißt das Allumfassende; wie das Besondere zusammengenommen das Allgemeine heißt. Das Allumfassende samt seinem Einzelnsten ist ein als eines zusammenhängendes Werk, so daß nicht ein Punkt berührt und angeregt werden kann, ohne daß einige Empfindung davon auf die übrigen übergehe. Von dieser Beschaffenheit der Ordnung im Weltganzen rührt her, daß ähnliches in allem Geschaffenen in der Welt vorkommt; doch dies soll durch Vergleiche erläutert werden, die von den sichtbaren Dingen herzunehmen sind. Allenthalben im Menschen gibt es Gemeinsames und Besonderes, und das Gemeinsame schließt das Besondere in sich, und sie fügen sich in solchen Verband zusammen, daß das eine dem anderen angehört. Dies geschieht dadurch, daß eine gemeinsame Umhüllung um jedes Glied an ihm ist, und diese in die einzelnen Teile desselben hineinläuft, damit sie bei jeder Dienstverrichtung und Nutzleistung als eines zusammenwirken. So zum Beispiel dringt die Umhüllung jedes Muskels in die einzelnen Bewegfibern ein und umkleidet sie aus sich; in gleicher Weise die Umhüllung der Leber, der Gekrösedrüse und der Milz in deren einzelne Bestandteile, die inwendig sind. In gleicher Weise die Umhüllung der Lunge, die man Brustfell nennt, in deren Inwendiges; und in gleicher Weise der Herzbeutel in alles und jedes des Herzens; und in allgemeiner Weise das Bauchfell durch Zusammenmündungen in die Hüllen aller Eingeweide. In ähnlicher Weise die Gehirnhäute; diese dringen durch Fäden, die sie von sich absondern, in alle unter ihnen liegenden Drüsen ein, und durch diese in alle Fibern, und durch diese in alle Teile des Körpers; daher kommt, daß das Haupt von den Gehirnen aus alles und jedes ihm Untergebene regiert. Diese Dinge sind nur zu dem Ende angeführt worden, damit man sich aus dem Sichtbaren einigermaßen eine Vorstellung bilden könne, wie Gott bis zum Kleinsten herab alles, was nach der Ordnung geschieht, wahrnimmt, sieht und weiß.

61. Daß Gott aus dem, was der Ordnung gemäß ist, alles und jedes, was gegen die Ordnung geschieht, bis zum Kleinsten herab wahrnimmt, weiß und sieht, gründet sich darauf, daß Gott den Menschen nicht im Bösen hält, sondern ihn vom Bösen abhält, somit ihn nicht führt, sondern mit ihm kämpft; aus diesem beständigen Gegenkampf, Widerstreben, Widerstand, Widerstreit und Gegenwirken des Bösen und Falschen gegen das Gute und Wahre, somit gegen Sich, wird Er sowohl dessen Größe, als Beschaffenheit inne. Dies folgt aus der Allgegenwart Gottes in allem und jedem Seiner Ordnung, und zugleich aus Seiner Allwissenheit in Beziehung auf alles und jedes in dieser; vergleichsweise wie derjenige, dessen Ohr im Harmonischen und Zusammenstimmenden ist, das Disharmonische und Mißtönende, nach dem Maß und der Art seiner Abweichung, scharf bemerkt, sobald es davon berührt wird; in gleicher Weise derjenige, dessen Sinn im Angenehmen ist, sobald Unangenehmes sich zwischen einmischt. Ebenso derjenige, dessen Auge auf Wohlgestaltetem ruht, es genau sieht, wenn sich diesem etwas Mißgestaltetes zur Seite befindet; weshalb die Maler neben einem schönen Angesicht gewöhnlich ein häßliches anbringen. Ebenso verhält es sich mit dem Guten und Wahren, wenn Böses und Falsches gegen dasselbe ankämpft, daß nämlich dieses aus jenem deutlich wahrgenommen wird; denn jeder, der im Guten ist, kann das Böse anerkennen, und wer im Wahren ist, das Falsche sehen, und dies darum, weil das Gute in der Wärme des Himmels, und das Wahre in dessen Licht, das Böse aber in der Kälte der Hölle, und das Falsche in deren Finsternis ist. Dies kann dadurch beleuchtet werden, daß die Engel des Himmels alles sehen können, was in der Hölle vorgeht, und welcherlei Mißgestalten sich dort befinden; hingegen die Geister der Hölle nichts von dem sehen können, was im Himmel vorgeht, und nicht einmal von den Engeln mehr als ein Blinder, oder als ein Auge, das in die Luft oder in den leeren Äther hinausblickt. Diejenigen, deren Verstand sich im Licht aus der Weisheit befindet, gleichen solchen, die um die Mittagszeit auf einem Berg stehen und alles, was unten ist, deutlich erblicken; und die sich in noch höherem Licht befinden, sind vergleichweise wie solche, die durch Ferngläser die um sie her und unter ihnen befindlichen Dinge wie gegenwärtig sehen; diejenigen hingegen, die im falschen Licht der Hölle sind infolge der Selbstbestärkung im Falschen, gleichen solchen, die auf demselben Berg zur Nachtzeit mit Laternen in der Hand stehen, und nichts als die nächstliegenden Dinge, und auch von diesen nur undeutlich die Umrisse und die Farben verworren sehen. Ein Mensch, der in einigem Licht des Wahren und dabei doch im Bösen des Lebens ist, der sieht, solang er im Angenehmen der Liebe seines Bösen ist, die Wahrheiten anfangs nicht anders, als die Fledermaus, die in einem Garten aufgehängten Tücher, auf die sie, als ihre Zufluchtsstätten zufliegt; und nachher wird er wie eine Nachteule und zuletzt wie ein Uhu; und dann wird er auch wie ein Schornsteinfeger, der im Dunkel des Rauchfangs hängt und, wenn er die Augen nach oben erhebt, den Himmel durch den Rauch hindurch sieht, und wenn er nach unten blickt, den Herd sieht, von dem jener Rauch aufsteigt.

62. Wohl zu merken ist, daß die Wahrnehmung der Gegensätze eine andere ist, als die Wahrnehmung der Verhältnisse; denn Gegensätze sind, was außerhalb und wider das ist, das innerhalb ist. Das Entgegengesetzte entsteht nämlich, während das eine ganz aufhört, etwas zu sein, und das andere   dann sich erhebt mit dem Streben, gegen jenes erstere zu wirken: wie ein Rad, das gegen ein Rad wirkt, und ein Strom gegen einen Strom; die Verhältnisse sind eine Folge der Zusammenstellung vieler und vielgestaltiger Dinge in eine Ordnung, so daß sie zusammentreffen und übereinstimmen, wie die Edelsteine von verschiedenen Farben an der Brustschleife einer Königin, oder wie die buntfarbigen Blumen eines Straußes zu Vergnügung des Auges. Verhältnisse sind also in jedem der beiden Entgegengesetzten, sowohl im Guten, als im Bösen, und sowohl im Wahren, als im Falschen, somit sowohl im Himmel, als in der Hölle; allein die Verhältnisse in der Hölle sind alle den Verhältnissen im Himmel entgegengesetzt. Da nun Gott alle Verhältnisse im Himmel aus der Ordnung, in der Er selbst ist, inne wird und sieht, und daher erkennt, und infolgedessen auch alle Verhältnisse in der Hölle inne wird, sieht und erkennt, wie dies aus dem oben Gesagten folgt, so ist offenbar, daß Gott allwissend ist in der Hölle wie im Himmel, und ebenso bei den Menschen in der Welt; und daß Er somit ihr Böses und Falsches wahrnimmt, sieht und erkennt aus dem Guten und Wahren, in dem Er ist, und das in seinem Wesen Er selbst ist; denn Er sagte: „Stiege ich in den Himmel, so bist Du da, bettete ich mich in die Unterwelt, siehe, so bist Du da“: Ps.139/8, und anderwärts: „Grüben sie auch durch in die Unterwelt, Meine Hand würde sie von da zurückholen“: Am.9/2,3.

63. V. Gott ist allgegenwärtig vom Ersten bis zum Letzten Seiner Ordnung.

Daß Gott allgegenwärtig ist vom Ersten bis zum Letzten Seiner Ordnung wird bewirkt durch die Wärme und das Licht aus der Sonne der geistigen Welt, in deren Mitte Er ist. Durch diese Sonne ist die Ordnung geschaffen worden, und dieser gemäß entsendet sie Wärme und Licht, die das Weltall vom Ersten bis zum Letzen desselben durchdringen, und das Leben bei Menschen und Tieren, sowie die Pflanzenseele in jedem Keim auf Erden hervorbringen; und jene beiden fließen in alles und jedes ein und machen, daß jegliches Subjekt lebt und wächst nach der von der Schöpfung her in sie gelegten Ordnung. Und weil Gott nicht ausgedehnt ist, und doch alles Ausgedehnte des Weltalls erfüllt, ist Er allgegenwärtig. Daß Gott in allem Raum ohne Raum, und in aller Zeit ohne Zeit ist, und daß infolgedessen das Weltall dem Wesen und der Ordnung nach die Fülle Gottes ist, ist anderwärts gezeigt worden, und weil dem so ist, so nimmt Er durch Seine Allgegenwart alles wahr, sieht durch Seine Allwissenheit alles vor und wirkt durch Seine Allmacht alles; woraus erhellt, daß die Allgegenwart, Allwissenheit und Allmacht eins ausmachen, oder daß die eine die andere voraussetzt, und daß sie somit nicht getrennt werden können.

64. Die göttliche Allgegenwart kann durch die wunderbare Gegenwart der Engel und der Geister in der geistigen Welt beleuchtet werden. Weil in jener Welt kein Raum, sondern nur die äußere Scheinbarkeit des Raumes ist, so kann ein Engel oder ein Geist dem anderen in einem Augeblick gegenwärtig dargestellt werden, sobald er nur in eine ähnliche Neigung der Liebe und hieraus ein ähnliches Denken kommt; denn diese beiden bringen die Scheinbarkeit des Raumes hervor. Daß eine solche Gegenwart aller dort statthat, ward mir dadurch offenbar, daß ich Afrikaner und Inder dort in der Nähe sehen konnte, obgleich sie auf der Erde so viele Meilen entfernt sind. Ja daß ich denen, die auf den Planeten dieser [Sonnen-] Welt sind, und auch denen, die auf Planeten in anderen Welten außerhalb dieses Sonnensystems sind, gegenwärtig dargestellt werden konnte. Infolge solcher Gegenwart, nicht des Ortes, sondern der Scheinbarkeit des Ortes, sprach ich mit den Aposteln, mit verstorbenen Päpsten, Kaisern und Königen, mit den Reformatoren der gegenwärtigen Kirche, Luther, Calvin und Melanchthon, und mit anderen aus entlegenen Gegenden. Kommt nun den Engeln und den Geistern eine solche Gegenwart zu, warum sollte nicht eine göttliche Gegenwart im Weltall stattfinden, die unendlich ist? Die Ursache, daß den Engeln und Geistern eine solche Gegenwart zukommt, ist die, daß alle Neigung der Liebe, und hieraus alles Denken des Verstandes im Raum ohne Raum und in der Zeit ohne Zeit ist; denn es kann jemand an seinen Bruder, Schwager oder Freund, der in Indien ist, denken und dann ihn wie gegenwärtig bei sich haben, und ebenso kann er auch infolge der Erinnerung an sie von Liebe zu ihnen angeregt werden. Durch diese [Erfahrung] kann, weil sie dem Menschen bekannt sind, die göttliche Allgegenwart einigermaßen ins Licht gesetzt werden. Dann auch durch die menschlichen Gedanken, sofern, wenn sich jemand ins Gedächtnis zurückruft, was er auf seinen Reisen an verschiedenen Orten gesehen hat, er darin ist wie in Gegenwärtigem. Ja das Sehen des Körpers sucht eben diese Vergegenwärtigung nachzuahmen; es bemerkt die Abstände nicht, außer durch die dazwischen liegenden Dinge, nach denen dieselben gleichsam bemessen werden. Selbst die Sonne würde hart vor dem Auge, ja wie im Auge sein, wenn nicht die dazwischen liegenden Dinge verrieten, daß sie so entfernt ist; daß dem so ist, haben auch die Schriftsteller über die Optik in ihren Büchern bemerkt. Eine solche Vergegenwärtigung liegt in beiderlei Sehen des Menschen, sowohl dem intellektuellen, als dem  körperlichen; denn sein Geist sieht durch seine Augen. Aber ein ähnliches findet sich nicht bei irgendeinem Tier, weil diese kein geistiges Sehen haben. Hieraus kann erhellen, daß Gott allgegenwärtig ist vom Ersten bis zum Letzten Seiner Ordnung; daß Er auch in der Hölle allgegenwärtig ist, ist im vorigen Abschnitte gezeigt worden.

65. VI. Der Mensch ist zur Form der göttlichen Ordnung geschaffen worden.

Der Mensch ist zur Form der göttlichen Ordnung geschaffen, weil er zum Bild und zur Ähnlichkeit Gottes geschaffen ist, und da Gott die Ordnung selbst ist, so ist er auch zum Bild und zur Ähnlichkeit der Ordnung geschaffen. Es sind zwei [Quellen], aus denen die Ordnung entstand und durch die sie besteht: die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit; und der Mensch ist zum Aufnahmegefäß derselben geschaffen; und deshalb ist er auch in die Ordnung geschaffen, nach welcher jene beiden im Weltall wirken, und hauptsächlich nach derjenigen, nach welcher sie im Engelhimmel wirken, und infolgedessen dieser ganze Himmel eine Form der göttlichen Ordnung in größter Ausgestaltung ist, und dieser Himmel auch vor dem Auge Gottes wie ein Mensch ist; wie denn auch eine vollkommene Entsprechung zwischen diesem Himmel und dem Menschen statthat, denn es gibt im Himmel keine Gesellschaft, die nicht irgendeinem Glied, Eingeweide oder Organ im Menschen entspräche. Deshalb sagt man im Himmel, diese [oder jene] Gesellschaft sei entweder im Gebiete der Leber oder der Gekrösedrüse, oder der Milz, oder des Magens, oder des Auges, oder des Ohres, oder der Zunge und so weiter; auch wissen die Engel selbst, in welchem Gebiet eines Teiles des Menschen sie wohnen. Daß dem so sei, ist mir durch lebendige Erfahrung zu wissen gegeben worden: ich sah eine Gesellschaft, die aus einigen tausend Engeln bestand, als einen Menschen; woraus offenbar war, daß der Himmel in seiner Zusammenfassung ein Ebenbild Gottes ist, und das Ebenbild Gottes die Ausgestaltung der göttlichen Ordnung ist.

66. Man muß wissen, daß alles, was aus der Sonne der geistigen Welt hervorgeht, in deren Mitte Jehovah Gott ist, einen Menschen darstellt, und daher alles, was in jener Welt entsteht, zur menschlichen Gestalt anstrebt und sie in seinem Innersten darstellt; daher alle Gegenstände, die dort den Augen    sich zeigen, Vorbildungen des Menschen sind. Es erscheinen daselbst alle Arten von Tieren, und diese sind Ähnlichkeiten der Neigungen der Liebe, und der aus diesen hervorgehenden Gedanken der Engel; ebenso die Baumpflanzungen, Blumenbeete und grünen Plätze daselbst. Auch ward mir zu wissen gegeben, welche Neigung dieser oder jener Gegenstand vorbildet; und wenn ihnen das innerste Gesicht geöffnet wird, so erkennen sie, merkwürdigerweise, ihr Ebenbild in denselben; und dies geschieht darum, weil jeder Mensch sein Lieben und hieraus sein Denken ist; und wie die Neigungen und infolgedessen die Gedanken bei jeglichem Menschen verschieden und mannigfaltig sind, und einige derselben die Neigung dieses Tieres und andere die eines anderen abbilden, darum stellen sich die Bilder ihrer Neigungen also dar. Allein hierüber wird man weiteres im folgenden Abschnitt von der Schöpfung sehen. Hieraus erhellt auch die Wahrheit, daß der Endzweck der Schöpfung der Engelhimmel aus dem menschlichen Geschlecht, folglich der Mensch war, in dem Gott als in Seinem Aufnahmegefäß wohnen könnte; daher der Grund, warum der Mensch zur Form der göttlichen Ordnung geschaffen wurde.

67. Gott war vor der Schöpfung die Liebe selbst und die Weisheit selbst, und diese beiden im Streben, Nutzwirkungen hervorzubringen. Denn Liebe und Weisheit ohne Nutzleistung sind bloß flüchtige Gebilde der Vernunft, und verfliegen auch, wenn sie nicht in nützliches Wirken übergehen; wirklich sind auch die beiden ersteren, wenn getrennt vom dritten, wie Vögel, die über dem großen Weltmeer fliegen und endlich vom Flug ermattet herabfallen und versinken. Daraus ist ersichtlich, daß das Weltall von Gott erschaffen worden ist, damit Nutzwirkungen entstehen; daher denn auch das Weltall ein Schauplatz der Nutzwirkungen genannt werden kann. Und weil der Mensch der Hauptzweck der Schöpfung ist, so folgt, daß alles und jedes um des Menschen willen erschaffen ist, und somit auch, daß alles und jedes der Ordnung in ihn gelegt und in ihm konzentriert ist, damit Gott durch ihn die Hauptnutzwirkungen hervorbringen könne. Die Liebe und die Weisheit ohne ihr Drittes, welches die Nutzwirkung ist, können der Wärme und dem Licht der Sonne verglichen werden, die, wenn sie nicht in die Menschen, die Tiere und die Pflanzen einwirken, nutzlose Dinge wären; sie werden aber zu reellen Dingen durch den Einfluß in dieselben und durch das Wirken in ihnen. Es sind auch drei Dinge, die der Ordnung nach aufeinander folgen: der Endzweck, die Ursache und die Wirkung, und in der gelehrten Welt weiß man, daß der Endzweck nichts ist, wenn er sich nicht nach der wirkenden Ursache umsieht, und daß jener Endzweck und diese Ursache nichts sind, wenn nicht die Wirkung entsteht. Zwar können Endzweck und Ursache abstrakt im Gemüt erwogen werden, dennoch aber immer einer Wirkung wegen, welcher der Endzweck beabsichtigt und die Ursache hervorbringt. In ähnlicher Weise verhält es sich mit der Liebe, Weisheit und Nutzwirkung: die Nutzwirkung ist das, was die Liebe beabsichtigt und durch die Ursache hervorbringt, und wenn die Nutzwirkung hervorgebracht ist, so haben die Liebe und die Weisheit wirkliches Bestehen, und nehmen sich in ihr Wohnung und Sitz und ruhen in ihr wie in ihrem Haus. Ebenso verhält es sich mit einem Menschen, in dem die Liebe und Weisheit Gottes ist, während er Nutzen schafft; und damit er Nutzwecke Gottes erfülle, ist er zum Bild und zur Ähnlichkeit, das heißt, zur Form der göttlichen Ordnung erschaffen worden.

68. VII. Der Mensch ist insoweit in der Macht gegen das Böse und Falsche aus der göttlichen Allmacht, und insoweit in der Weisheit hinsichtlich des Guten und Wahren aus der göttlichen Allwissenheit, und insoweit in Gott aus der göttlichen Allgegenwart, als er nach der göttlichen Ordnung lebt.

Daß der Mensch insoweit in der Macht wider das Böse und Falsche aus der göttlichen Allmacht ist, als er nach der göttlichen Ordnung lebt, gründet sich darauf, daß dem Bösen und dem daraus entspringenden Falschen niemand widerstehen kann, als allein Gott. Denn alles Böse und daraus entspringende Falsche ist aus der Hölle, und sie hängen in der Hölle als eines zusammen, ganz wie alles Gute und die daraus hervorgehenden Wahrheiten im Himmel. Denn, wie gesagt, der ganze Himmel ist vor Gott wie ein Mensch, und umgekehrt ist die Hölle wie ein Riese, der ein Ungeheuer ist; daher denn es mit einem Bösen und dem daraus hervorgehenden Falschen aufnehmen soviel ist als es mit jenem ungeheuren Riesen oder der Hölle aufnehmen, und dies kann niemand als Gott, weil Er allmächtig ist. Hieraus erhellt, daß der Mensch, wofern er sich nicht an Gott den Allmächtigen wendet, gegen das        Böse und das daraus hervorgehende Falsche aus sich nicht mehr vermag, als der Fisch gegen den Ozean, als der Floh gegen den Walfisch, und ein Stäubchen gegen einen einstürzenden Berg, und noch viel weniger als eine Heuschrecke gegen einen Elefanten, oder eine Fliege gegen ein Kamel. Und überdies vermag der Mensch noch weit weniger gegen das Böse und das Falsche aus diesem, weil er in das Böse geboren ist, und das Böse nicht wider sich selbst handeln kann. Hieraus folgt, daß der Mensch, wenn er nicht nach der Ordnung lebt, das heißt, wofern er nicht Gott, Seine Allmacht und den Schutz aus dieser gegen die Hölle anerkennt, und wofern er nicht auch von seiner Seite mit dem Bösen bei sich kämpft, - denn dies gehört zugleich mit jenem zur Ordnung, - notwendig in die Hölle hinabsinken und in ihr untersinken, und daselbst vom Bösen, von einem nach dem anderen, wie ein Nachen auf dem Meer von Stürmen umhergetrieben werden muß.

69. Daß der Mensch insoweit in der Weisheit in betreff des Guten und Wahren aus der göttlichen Allwissenheit ist, als er nach der göttlichen Ordnung lebt, hat seinen Grund darin, daß alle Liebe zum Guten und alle Weisheit des Wahren, oder alles Gute der Liebe und alles Wahre der Weisheit von       Gott stammt. Daß dem so ist, ist auch dem Bekenntnis aller Kirchen in der christlichen Welt gemäß; woraus folgt, daß der Mensch nicht inwendig in irgendeinem Wahren der Weisheit sein kann, außer von Gott, weil Gott Allwissenheit, das heißt, unendliche Weisheit hat. Der menschliche Geist ist in drei Abstufungen abgeteilt, wie der Engelhimmel, und kann daher auf eine immer höhere Stufe erhoben werden, und ebenso auch auf eine immer tiefere Stufe hinabsinken. Inwieweit er aber auf die höheren Stufen erhoben wird, insoweit wird er in die Weisheit, weil insoweit in das Licht des Himmels erhoben, und dies kann nur von Gott bewirkt werden; inwieweit er dahin erhoben wird, insoweit ist er Mensch, und inwieweit er aber auf die niederen Stufen hinabsinkt, insoweit gerät er in das Irrlicht der Hölle, und insoweit ist er nicht Mensch, sondern Tier: darum steht auch der Mensch aufrecht auf seinen Füßen und blickt mit dem Gesicht gen Himmel und kann dieses bis zum Zenit erheben. Das Tier dagegen steht eben deshalb auf seinen Füßen in einer mit der Erde parallelen Lage, das ganze Gesicht dieser zugekehrt, und kann es nur mit Unbehagen gegen den Himmel emporrichten. Der Mensch, der sein Gemüt zu Gott erhebt und anerkennt, daß alles Wahre der Weisheit von Ihm kommt, und zugleich der Ordnung gemäß lebt, ist wie jemand, der auf einem hohen Turm steht und eine volkreiche Stadt und zugleich auch alles, was auf den Straßen da vorgeht, unter sich sieht. Ein Mensch hingegen, der sich darin bestärkt, daß alles Wahre der Weisheit aus dem natürlichen Licht bei ihm, somit aus ihm selbst ist, ist wie der, welcher in einer Höhle unter jenem Turm sich aufhält und durch die Spalten in ihr nach derselben Stadt hinsieht; ein solcher sieht nichts als die Wand eines Hauses in ihr, und wie die Ziegelsteine daran aufeinander liegen. Weiter ist ein Mensch, der Weisheit aus Gott schöpft, wie ein Vogel, der in der Höhe fliegt und alles überschaut, was sich in den Gärten, Wäldern und Landhäusern befindet, und auf dasjenige zufliegt, das zu seinem Gebrauche dient. Ein Mensch hingegen, welcher die Dinge der Weisheit aus sich schöpft, ohne den Glauben, daß sie dennoch von Gott sind, ist wie eine Hornisse, die über dem Boden hinfliegt, und wo sie einen Misthaufen sieht, darauf zufliegt und sich an dessen Qualm ergötzt. Jeder Mensch wandelt, solange er in der Welt lebt, in der Mitte zwischen Himmel und Hölle, und ist daher im Gleichgewicht und so in der Wahlfreiheit aufwärts zu Gott, oder niederwärts zur Hölle zu blicken; blickt er aufwärts zu Gott, so erkennt er an, daß alle Weisheit von Gott ist, und ein solcher ist seinem Geist nach wirklich bei den Engeln im Himmel; wer hingegen abwärts blickt, wie dies jeder tut, der im Falschen aus dem Bösen ist, der ist seinem Geiste nach bei den Teufeln in der Hölle.

70. Daß der Mensch insoweit in Gott vermöge der göttlichen Allgegenwart ist, als er nach der Ordnung lebt, hat seinen Grund darin, daß Gott allgegenwärtig ist, und daß da, wo Er in Seiner göttlichen Ordnung ist, Er wie in Sich ist, weil Er selbst die Ordnung ist, wie oben gesagt worden. Da     nun der Mensch zur Form der göttlichen Ordnung erschaffen ist, so ist Gott in ihm, jedoch dies insoweit, als er völlig nach der göttlichen Ordnung lebt; inwieweit er hingegen nicht nach der göttlichen Ordnung lebt, ist Gott gleichwohl in ihm, aber nur in seiner obersten Region, und verleiht, daß er das Wahre einsehen und das Gute wollen kann, das heißt, Er gibt ihm das Vermögen zu verstehen und die Hinneigung zum Lieben.

Inwieweit aber der Mensch wider die Ordnung lebt, insoweit verschließt er die unteren Regionen seines Gemüts oder Geistes, und verhindert so Gott herabzusteigen und die unteren Regionen desselben mit Seiner Gegenwart zu erfüllen; daher Gott zwar in ihm ist, aber er nicht in Gott. Im Himmel wird als allgemeine Regel anerkannt, daß Gott in jeglichem Menschen, sowohl dem Bösen, als dem Guten ist, daß aber der Mensch nicht in Gott ist, wofern er nicht der Ordnung gemäß lebt: denn der Herr sagt: „Er wolle, daß der Mensch in Ihm und Er im Menschen sei“: Joh.15/4,5. Der Mensch ist aber durch ein der Ordnung gemäßes Leben darum in Gott, weil Gott im Weltall, sowie im Innersten aller und jeder Dinge desselben gegenwärtig ist, denn dieses ist in der Ordnung. In demjenigen dagegen, was gegen die Ordnung ist, und dies ist bloß solches, was außerhalb des Innersten ist, ist Gott allgegenwärtig durch unablässiges Kämpfen mit demselben und durch das fortwährende Streben, es in die Ordnung zurückzubringen. Inwieweit daher der Mensch sich in die Ordnung zurückbringen läßt, insoweit ist Gott in seinem Ganzen allgegenwärtig, und folglich ist insoweit Gott in ihm, und er in Gott. Eine Abwesenheit Gottes vom Menschen ist ebensowenig möglich, als eine Abwesenheit der Sonne von der Erde hinsichtlich ihrer Wärme und ihres Lichtes; allein die Objekte der letzteren empfinden deren Kraft nur insoweit, als sie jene beiden Ausflüsse von ihr in sich aufnehmen, was zur Zeit des Frühlings und Sommers geschieht. Dies läßt sich auf Gottes Allgegenwart in der Art anwenden, daß der Mensch insoweit in geistiger Wärme und zugleich in geistigem Licht, das heißt, im Guten der Liebe und in den Wahrheiten der Weisheit ist, als er in der Ordnung ist. Allein die geistige Wärme und das geistige Licht sind nicht wie die natürliche Wärme und das natürliche Licht; denn die natürliche Wärme zieht sich vom Erdkörper und seinen Gegenständen zur Zeit des Winters zurück, und das Licht zieht sich zur Zeit der Nacht zurück, und dies geschieht, weil der Erdkörper durch Umdrehungen und Umläufe diese Zeiten bewirkt; nicht so aber die geistige Wärme und das geistige Licht; denn Gott ist durch Seine Sonne bei beiden gegenwärtig und macht keinen Wechsel durch, wie dies scheinbar die Sonne der Welt tut. Der Mensch selbst wendet sich ab vergleichsweise wie die Erde von ihrer Sonne, und wenn er sich von den Wahrheiten der Weisheit abwendet, so ist er wie die von ihrer Sonne abgewandte Erde zur Nachtzeit, und wenn der Mensch sich vom Guten der Liebe abwendet, so ist er wie der von seiner Sonne abgewandte Erdkörper zur Winterzeit. Ein solches Entsprechungsverhältnis findet statt zwischen     den Wirkungen und Nutzleistungen aus der Sonne der geistigen Welt und den Wirkungen und Nutzleistungen aus der Sonne der natürlichen Welt.

71. Diesem sollen drei Denkwürdigkeiten beigefügt werden. Die erste ist folgende: Einst hörte ich unter mir etwas wie Meerestosen, und fragte, was das sei, und es sagte mir jemand, es sei ein Tumult unter Versammelten auf der unteren Erde, die zunächst über der Hölle ist; und bald öffnete sich der Boden, der eine Decke über ihnen bildete, und siehe durch die Kluft flogen Nachtvögel in Scharen heraus, die sich gegen die Linke hin zerstreuten; und gleich nach ihnen erhoben sich Heuschrecken, die auf dem Rasen des Bodens hin hüpften und überall alles zur Wüste machten. Und bald nachher vernahm ich zu wiederholten Malen von jenen Nachtvögeln her wie ein Klagegeschrei und zur Seite ein verworrenes Rufen wie von Gespenstern in den Wäldern. Nach diesem sah ich schöne Vögel aus dem Himmel, die sich rechts hin verbreiteten. Diese Vögel prangten mit Fittichen wie von Gold, mit untermengten Streifen und Tropfen wie von Silber, und auf den Köpfen einiger waren Kämme in Gestalt von Kronen. Als ich dieses sah und darüber verwundert war, erhob sich plötzlich aus der unteren Erde, wo jener Tumult war, ein Geist, der sich in einen Engel des Lichts gestalten konnte und rief: Wo ist jener, der von der Ordnung, an die Sich Gott der Allmächtige hinsichtlich des Menschen gebunden habe, redet und schreibt? Wir haben unten durch die Decke hindurch davon gehört. Dieser durchlief, sobald er oberhalb jener Erde war, den gebahnten Weg und kam endlich zu mir, und verstellte sich sogleich in einen Engel des Himmels und sagte, indem er in einem ihm nicht eigenen Tone sprach: Bist du der, welcher über die Ordnung denkt und spricht? Sage mir in Kürze was die Ordnung ist, und einiges, was zur Ordnung gehört. Ich erwiderte: Ich will dir die Hauptpunkte sagen, nicht aber das Besondere, weil du dieses nicht fassest und ich sagte:

I. Gott ist die Ordnung selbst.

II. Er hat den Menschen aus der Ordnung, in der Ordnung und für die Ordnung erschaffen.

III. Er hat dessen vernünftiges Gemüt nach der Ordnung der ganzen geistigen Welt, und seinen Körper nach der Ordnung der ganzen natürlichen Welt geschaffen; weshalb der Mensch von den Alten ein Himmel im kleinen und eine Welt im kleinen genannt wurde.

IV. Von daher ist es Gesetz der Ordnung, daß der Mensch aus seinem Himmel im kleinen oder seiner geistigen Welt im kleinen seine kleine Welt oder seine natürliche Welt im kleinen regieren solle, wie Gott aus Seinem großen Himmel oder Seiner geistigen Welt die große Welt oder die natürliche Welt in allem und jedem derselben regiert.

V. Ein daraus folgendes Gesetz der Ordnung ist, daß der Mensch sich in den Glauben durch die Wahrheiten aus dem Wort, und in die Liebtätigkeit durch die guten Werke einführen, und so sich umbilden und wiedergebären müsse.

VI. Gesetz der Ordnung ist, daß der Mensch durch eigene Mühe und Kraft sich von Sünden reinige, und nicht im Glauben seines Unvermögens stehe und erwarte, daß Gott unmittelbar seine Sünden abwasche.

VII. Gesetz der Ordnung ist auch, daß der Mensch Gott von ganzer Seele und von ganzem Herzen und den Nächsten wie sich selbst liebe, und nicht zaudere und erwarte, daß diese gedoppelte Liebe von Gott unmittelbar in sein Gemüt und in sein Herz, wie das Brot vom Bäcker in den Mund gebracht werde; und so vieles andere mehr.

Nachdem er dies gehört, erwiderte jener Satan mit freundlicher Stimme, in der inwendig List war: Was soll das sein, daß du sagst, der Mensch solle sich aus eigener Kraft in die Ordnung einführen dadurch, daß er jene ihre Gesetze übt? Weißt du nicht, daß der Mensch nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade steht, daß alles unverdient geschenkt wird, und daß der Mensch nichts nehmen kann, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben worden, und daß er in geistigen Dingen nicht mehr aus sich tun kann, als das in eine Bildsäule verwandelte Weib Lots, oder nicht mehr als Dagon, das Götzenbild der Philister zu Ekron, und daß daher dem Menschen unmöglich ist, sich zu rechtfertigen, sofern dieses durch den Glauben und die Liebtätigkeit geschehen soll? Allein hierauf antwortete ich bloß: Gesetz der Ordnung ist auch, daß der Mensch durch eigene Mühe und Macht sich den Glauben mittelst der Wahrheiten des Wortes erwerben, und dennoch glauben soll, daß nicht ein Körnchen Glaube aus ihm selbst komme, sondern von Gott; dann auch, daß der Mensch durch seine Tätigkeit und Kraft sich rechtfertigen, dabei aber doch glauben soll, daß nicht ein Pünktchen der Rechtfertigung aus ihm selbst komme, sondern von Gott. Ist nicht befohlen, daß der Mensch an Gott glauben und Gott lieben soll mit allen seinen Kräften, und den Nächsten wie sich selbst? Bedenke dies, und sage, wie konnte dies von Gott befohlen werden, wenn der Mensch keine Kraft zu gehorchen und zu tun hätte? Nachdem er dies gehört, ward jener Satan seinem Gesicht nach verändert, das aus einem weißen zuerst ein bleifarbiges und bald ein schwarzes wurde, und aus dessen Mund sprach er nun und sagte: Du hast Lehrwidriges über Lehrwidriges vorgebracht! und alsbald sank er dann hinab zu den Seinigen und verschwand. Und die Vögel zur Linken gaben zugleich mit den Gespenstern ungewöhnliche Töne von sich und stürzten sich ins Meer, das man dort das Meer Suph nennt, und die Heuschrecken folgten ihnen in Sprüngen, und die Luft ward gereinigt, und die Erde wurde gereinigt von jenen wilden Tieren, und der Tumult unten hörte auf, und es ward ruhig und heiter.

72. Zweite Denkwürdigkeit. Einst hörte ich ein ungewöhnliches Gemurmel aus der Ferne, und, im Geiste befindlich, folgte ich der Richtung des Tones und trat hinzu, und als ich an die Stelle kam, von wo er ausging, siehe da war es eine Schar von Geistern, die über Zurechnung und Vorherbestimmung stritten: es waren Holländer und Briten, und einige aus anderen Staaten untermischt; und diese riefen am Schluß der einzelnen Beweisführungen: Wir staunen! Wir staunen! Der Streit drehte sich um die Frage: warum rechnet Gott nicht allen und jeden von Ihm Geschaffenen und nachher noch dazu Erlösten das Verdienst und die Gerechtigkeit Seines Sohnes zu? Ist Er nicht der Allmächtige? Kann Er nicht, wenn Er will, den Luzifer, den Drachen und alle Böcke zu Erzengeln machen? Ist Er doch allmächtig. Warum läßt Er zu, daß die Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit des Teufels triumphiert über die Gerechtigkeit Seines Sohnes und über die Frömmigkeit der Gottesverehrer? Was ist für Gott leichter, als alle des Glaubens und so der Seligkeit zu würdigen? Was bedarf es hierzu mehr als eines Wörtchens? Und wenn es nicht geschieht, handelt Er alsdann nicht wider Seine Worte, welche sind, daß Er das Heil aller und keines einzigen Tod wolle? Sagt also, woher und worin ist denn die Ursache der Verdammnis derer, die verlorengehen?

Und nun sagte ein supralapsarischer Prädestinatianer von den Holländern: Beruht dies nicht auf dem Wohlgefallen des Allmächtigen? Darf der Ton den Töpfer schelten, daß er aus ihm einen Nachttopf gemacht hat? Und ein anderer sagte: Das Heil eines jeden ist in Seiner Hand wie eine Waage mit zwei Schalen in der Hand des Wägenden. Auf den Seiten standen einige von einfältigem Glauben und rechtschaffenem Herzen, einige mit flammenden Augen, einige wie betäubt, einige wie betrunken, und einige wie am Ersticken, die untereinander murmelten: Was sollen uns diese Albernheiten? Es hat sie ihr Glaube betört, welcher ist, daß Gott der Vater die Gerechtigkeit Seines Sohnes wem Er will und wann Er will zurechne, und den Heiligen Geist sende, die Verpflichtungen dieser Gerechtigkeit zu erfüllen; und damit der Mensch bei Bewirkung seines Heils auch nicht ein Körnchen für sich in Anspruch nehme, soll er im Geschäft der Rechtfertigung ganz wie ein Stein und in geistigen Dingen wie ein Klotz sein. Und nun drang einer von ihnen in die Schar ein und sprach mit erhobener Stimme: „O ihr Toren! Ihr streitet über ein Nichts [de lana caprina]; ihr wisset gar nicht, daß Gott der Allmächtige die Ordnung selbst ist, und daß der Gesetze der Ordnung Myriaden sind, so viele nämlich, als Wahrheiten im Wort, und daß Er nicht wider sie handeln kann, weil dies soviel wäre, als gegen Sich selbst, und so nicht nur gegen Seine Gerechtigkeit, sondern auch gegen Seine Allmacht handeln. Hier sah er in der Ferne zur Rechten etwas wie ein Schaf und ein Lamm und eine fliegende Taube, und zur Linken etwas wie einen Bock, einen Wolf und einen Geier, und sprach: Glaubt ihr, daß Gott vermöge Seiner Allmacht jenen Bock in ein Schaf, oder jenen Wolf in ein Lamm, oder jenen Geier in eine Taube verwandeln könne, oder umgekehrt? Gewiß nicht! Denn es ist gegen die Gesetze Seiner Ordnung, von denen, nach Seinen eigenen Worten, auch nicht ein Häkchen zur Erde fallen kann. Wie kann Er also die Gerechtigkeit der Erlösung Seines Sohnes in irgendeinen hineinbringen, der gegen die Gesetze Seiner Gerechtigkeit widerspenstig ist? Wie kann die Gerechtigkeit selbst eine Ungerechtigkeit begehen und jemanden zur Hölle vorherbestimmen und in das Feuer werfen, an dem der Teufel mit Bränden in der Hand steht und schürt? O ihr Toren und Geistlose, euer Glaube hat euch irre geführt: Ist er nicht in euren Händen wie eine Schlinge, die Tauben zu fangen? Bei diesen Worten machte ein gewisser Magier aus jenem Glauben eine Art Schlinge, und hing sie an einem Baum auf und sagte: Ihr sollt sehen, daß ich jene Taube fangen werde; und gleich nachher flog ein Habicht herbei, streckte seinen Hals in die Schlinge und blieb hängen, die Taube aber flog beim Anblick des Habichts vorüber. Die Dabeistehenden waren verwundert und riefen: In diesem Spiel zeigt sich allerdings die Gerechtigkeit.

73. Am folgenden Tage kamen einige aus der Schar, die im Glauben an Vorherbestimmung und Zurechnung waren, zu mir und sagten: Wir sind wie betrunken, nicht von Wein, sondern von der gestrigen Rede jenes Mannes; er sprach von der Allmacht und zugleich von der Ordnung, und schloß damit, daß, wie die Allmacht göttlich ist, so auch die Ordnung göttlich sei, ja daß Gott selbst die Ordnung sei. Auch sagte er, daß es ebenso viele Gesetze der Ordnung gäbe, als Wahrheiten im Wort, deren es nicht bloß Tausende, sondern Myriaden von Myriaden sind, und daß sowohl Gott an Seine darin gegebenen Gesetze als der Mensch an die seinigen gebunden sei. Was ist aber alsdann die göttliche Allmacht, wenn sie an Gesetze gebunden ist? Denn so fällt ja von der Allmacht alles Unbedingte weg. Hat nicht Gott auf diese Weise weniger Macht, als ein König der Welt, der ein Alleinherrscher ist? Dieser kann die Gesetze der Gerechtigkeit wenden wie seine Hände, und unumschränkt handeln wie Octavius Augustus, und auch unumschränkt wie Nero. Wir sind, als wir uns eine an Gesetze gebundene Allmacht dachten, wie Berauschte geworden, und wenn uns nicht bald geholfen wird, in Gefahr, von Sinnen zu kommen; denn wir haben nach unserem Glauben gebetet, Gott der Vater möchte Sich unser um des Sohnes willen erbarmen, und glaubten, Er könne Sich erbarmen, wessen Er wolle, und die Sünden vergeben, wem es Ihm gefalle, und selig machen, wen Er mag, und wir wagten nicht, Seiner Allmacht auch nur das Geringste zu entziehen. Gott also an die Ketten einiger Seiner Gesetze binden, betrachten wir als einen Frevel, weil als im Widerspruch stehend mit Seiner Allmacht. Nachdem sie dies gesagt, blickten sie mich an und ich sie, und ich fand sie bestürzt und sagte: Ich will zum Herrn beten und von Ihm her Hilfe bringen, indem ich diese Sache ins Licht setze, doch für jetzt nur durch Beispiele; und ich sprach: Gott, der Allmächtige, schuf die Welt aus der Ordnung in Ihm, somit in die Ordnung, in der sie sein soll und nach der Er sie regieren will. Und Er hat in das Weltall und in alles und jedes desselben Seine Ordnung gelegt, in den Menschen die seinige, in das Säugetier die seinige, in den Vogel und den Fisch die seinige, in den Baum, ja in jeden Grashalm die seinige. Doch um dies mit Beispielen zu beleuchten, will ich in kürze folgende anführen: zu den in den Menschen gelegten Gesetzen der Ordnung gehört, daß der Mensch sich Wahrheiten aus dem Wort aneigne und über sie natürlich, und soweit er es vermag, vernünftig denke und so sich einen natürlichen Glauben verschaffe. Die Gesetze der Ordnung auf seiten Gottes sind alsdann, daß Er Sich nahe, die Wahrheiten mit Seinem göttlichen Licht und so den natürlichen Glauben desselben, der nur ein Wissen und Bereden ist, mit dem göttlichen Wesen erfülle; so und nicht anders wird der Glaube ein seligmachender. Ebenso verhält es sich mit der Liebtätigkeit; doch wir wollen in kürze einiges aufzählen: Gott kann nach Seinen Gesetzen keinem Menschen die Sünden vergeben, außer inwieweit der Mensch Seinen Gesetzen gemäß von denselben absteht. Gott kann den Menschen nicht geistig wiedergebären, außer inwieweit der Mensch Seinen Gesetzen gemäß sich natürlich wiedergebiert. Gott ist in unablässigem Streben, den Menschen wiederzugebären und so selig zu machen, allein Er kann dies nur insoweit bewerkstelligen, als der Mensch sich zum Aufnahmegefäß zubereitet und so Gott den Weg bahnt und die Tür öffnet. Der Bräutigam kann nicht in das Schlafgemach der noch nicht angetrauten Jungfrau eintreten; diese verschließt die Türe und verwahrt inwendig bei sich den Schlüssel; nachdem aber die Jungfrau angetraut worden ist, gibt sie dem Bräutigam den Schlüssel. Gott hätte nicht durch Seine Allmacht die Menschen erlösen können, wenn Er nicht Mensch geworden wäre; noch hätte Er Sein Menschliches göttlich machen können, wenn nicht Sein Menschliches zuerst wie das Menschliche eines Kindes, und dann wie das Menschliche eines Knaben gewesen wäre, und wenn Er nicht nachher das Menschliche zu einer Aufnahmestätte und Wohnung gebildet hätte, in die Sein Vater eingehen konnte, was dadurch geschah, daß Er alle Dinge des Wortes, das heißt, alle Ordnungsgesetze in ihm erfüllte, und inwieweit Er dies vollbrachte, insoweit vereinigte Er Sich mit dem Vater und der Vater Sich mit Ihm. Allein dies ist nur weniges, der Verdeutlichung wegen angeführt, damit ihr seht, daß die göttliche Allmacht in der Ordnung ist, und Seine Regierung, welche die Vorsehung heißt, der Ordnung gemäß statthat, und daß sie unausgesetzt und in Ewigkeit fort den Gesetzen Seiner Ordnung gemäß, und nicht gegen dieselben wirkt, noch sie auch nur in einem Häkchen ändern kann, weil die Ordnung mit allen und jeden Gesetzen derselben Er selbst ist. Bei diesen Worten floß ein Lichtschimmer in goldener Färbung durch die Dachung ein und bildete schwebende Cherube in der Luft, und der Feuerglanz daraus erleuchtete bei einigen die Schläfe vom Hinterhaupt her, aber noch nicht von der Seite der Stirne her; denn sie murmelten: Wir wissen noch nicht, was Allmacht ist; und ich sagte: Sie wird enthüllt werden, wenn erst über das bis jetzt Gesagte einiges Licht bei euch eingedrungen ist.

74. Dritte Denkwürdigkeit: Ich sah in der Ferne viele Versammelte mit Hüten auf dem Kopf, einige, die vom geistlichen Stand waren, mit seidenumwundenen Hüten, andere, die vom weltlichen Stand waren mit Hüten, deren Saum goldene Bänder zierten, diese alle waren Gelehrte und Gebildete: und außer ihnen sah ich einige mit Mützen, die Ungelehrte waren. Ich ging hinzu und hörte sie miteinander reden über die schrankenlose göttliche Macht, und daß dieselbe, wenn sie nach irgendwelchen Gesetzen, die zu Gesetzen der Ordnung gemacht worden, sich fortbewegte, nicht eine schrankenlose, sondern eine beschränkte, und somit eine Macht, aber nicht Allmacht wäre. Wer sieht aber nicht, daß keinerlei Gesetzesnotwendigkeit die Allmacht zwingen kann, so und nicht anders zu handeln? So viel ist gewiß, wenn wir uns die Allmacht denken und zugleich Gesetze der Ordnung, nach denen sie sich fortbewegen muß, so fallen unsere voraus gefaßten Vorstellungen von der Allmacht zu Boden, wie die Hände nach zerbrochenem Stab. Als diese mich in der Nähe erblickten, liefen etliche herzu und sagten mit einiger Heftigkeit: Bist du der, welcher Gott in Gesetze wie in Bande eingeengt hat? Welch ein freches Beginnen! Du hast so auch unseren Glauben zerrissen, auf dem unser Heil beruht, in dessen Mitte wir die Gerechtigkeit des Erlösers stellen, über Ihn die Allmacht Gottes, des Vaters, und zu dessen Anhängsel wir die Einwirkung des Heiligen Geistes machen, samt dessen Wirksamkeit bei des Menschen absolutem Unvermögen in geistigen Dingen, dem es genug ist, von der Fülle der Rechtfertigung zu reden, die infolge der Allmacht Gottes jenem Glauben innewohnt?

Allein, wie ich gehört, findest du eine Hohlheit in diesem Glauben, weil nichts von göttlicher Ordnung auf seiten des Menschen in ihm ist. Nachdem ich dies gehört, öffnete ich den Mund und sagte mit erhobener Stimme: Lernet die Gesetze der göttlichen Ordnung und decket dann jenen Glauben auf, so werdet ihre eine sehr große Öde finden, und in dieser den gekrümmten und länglicht Leviathan, und ringsum diesen her Netze wie in einen unentwirrbaren Knoten geschlungen. Aber macht es, wie man von Alexander liest, der, als er den gordischen Knoten sah, das Schwert entblößte, denselben entzweihieb und so dessen Verschlingungen löste, und ihn auf die Erde warf und seine Fäden mit dem Schuh zertrat. Bei diesen Worten bissen sich die Versammelten in die Zunge und wollten sie zu anzüglichen Reden schärfen, allein sie wagten es nicht, weil sie über mir den Himmel geöffnet sahen und von da eine Stimme hörten: Höret erst mit Gelassenheit an, was die Ordnung ist, nach deren Gesetzen Gott der Allmächtige handelt. Und ich sprach: Gott hat aus Sich, als der Ordnung, in der Ordnung, für die Ordnung das Weltall erschaffen, und ebenso den Menschen, in dem Er die Gesetze Seiner Ordnung, durch die derselbe zum Bild und zur Ähnlichkeit Gottes wurde, befestigt, und die in kurzer Zusammenfassung sind, daß er an Gott glauben und den Nächsten lieben soll, und inwieweit er beides aus natürlicher Kraft tut, insoweit macht er sich zum Aufnahmegefäß der göttlichen Allmacht, und insoweit verbindet Sich Gott mit ihm und ihn mit Sich. Infolgedessen wird dann sein Glaube lebendig und seligmachend, und auch sein Tun zur lebendigen und beseligenden Liebtätigkeit. Allein man muß wissen, daß Gott beständig zugegen ist, und fortwährend im Menschen strebt und wirkt, und auch dessen freien Willen berührt, niemals aber beeinträchtigt; denn würde Er den freien Willen des Menschen beeinträchtigen, so hörte das Wohnen des Menschen in Gott auf, und es bliebe bloß ein Wohnen Gottes im Menschen, und dieses Wohnen hat in allen statt, sowohl in denen, die auf Erden, als in denen, die in den Himmeln und auch in denen, die in den Höllen sind; denn daher kommt ihr Können, Wollen und Verstehen. Allein das gegenseitige Wohnen des Menschen in Gott findet nur bei denen statt, die nach den im Wort gegebenen Gesetzen der Ordnung leben, und diese werden Bilder und Ähnlichkeiten von Ihm, und ihnen wird das Paradies zum Besitz, und die Frucht des Baumes des Lebens zur Speise gegeben. Die übrigen hingegen scharen sich um den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, und besprechen sich daselbst mit der Schlange, und essen, werden aber dann aus dem Paradiese vertrieben. Gleichwohl jedoch verläßt nicht Gott sie, sondern sie verlassen Gott. Dies faßten die mit Hüten und pflichteten bei, die mit Mützen aber leugneten es und sagten: Ist nicht so die Allmacht beschränkt? Eine beschränkte Allmacht ist aber ein Widerspruch. Allein ich antwortete: Es ist kein Widerspruch, allmächtig zu handeln nach den Gesetzen der Gerechtigkeit mit Urteil, oder nach den der Liebe eingeschriebenen Gesetzen aus der Weisheit; sondern ein Widerspruch ist es, daß Gott gegen die Gesetze Seiner Gerechtigkeit und Liebe handeln könne, und dies hieße auch ohne Urteil und ohne Weisheit handeln. Einen solchen Widerspruch schließt euer Glaube in sich, welcher ist, daß Gott einen Ungerechten aus bloßer Gnade rechtfertigen und mit allen Geschenken der Seligkeit und allen Belohnungen des Lebens schmücken könne. Allein ich will mit wenigem sagen, was die Allmacht Gottes ist: Gott hat aus Seiner Allmacht das Weltall erschaffen, und zugleich in alles und jedes Seine Ordnung eingeführt. Gott erhält auch aus Seiner Allmacht das Weltall und behütet in ihm die Ordnung mit ihren Gesetzen für und für, und wenn etwas aus der Ordnung herausfällt, so bringt Er es zurück und stellte es wieder her. Gott hat ferner aus Seiner Allmacht die Kirche gegründet und die Gesetze Seiner Ordnung im Wort geoffenbart; und als sie aus der Ordnung herausfiel, stellte Er sie wieder her; und als sie gänzlich gefallen war, stieg Er selbst in die Welt herab und zog durch Annahme des Menschlichen die Allmacht an und stellt sie wieder her. Gott erforscht durch Seine Allmacht und Allwissenheit jeglichen nach dem Tod, und bereitet die Gerechten oder die Schafe zu ihren Stellen im Himmel zu, und bildet aus ihnen den Himmel; und bereitet die Ungerechten oder die Böcke zu ihren Stellen in der Hölle zu, und bildet aus ihnen die Hölle. Auch ordnet Er beide in Gesellschaften und Vereine nach allen Verschiedenheiten ihrer Liebe, deren es im Himmel ebenso viele gibt, als Sterne am Firmament der Welt; und die Gesellschaften im Himmel verbindet Er in eines, damit sie vor Ihm wie ein Mensch seien; ebenso die Vereine in der Hölle, damit sie wie ein Teufel seien; und diese trennt Er von jenen durch eine Kluft, damit die Hölle nicht dem Himmel Gewalt antue, und damit nicht der Himmel der Hölle Pein verursache, denn die in der Hölle leiden in dem Maße Pein, als der Himmel einfließt. Würde Gott nicht jeden Augenblick durch Seine Allmacht dieses und jenes tun, so würde tierische Wildheit in die Menschheit eindringen, bis dahin, daß sie nicht mehr durch Gesetze irgendeiner Ordnung im Zaum gehalten werden könnten, und so würde das menschliche Geschlecht zugrunde gehen. Dieses und ähnliches würde erfolgen, wenn Gott nicht die Ordnung und in der Ordnung allmächtig wäre. Nachdem sie dies gehört, gingen die, welche Hüte aufhatten, hinweg, die Hüte unter dem Arm, und lobten Gott; (denn in jener Welt haben die Verständigen Hüte auf;) nicht so hingegen die mit Mützen Bedeckten, weil sie kahl sind und die Kahlheit den Stumpfsinn bezeichnet. Auch gingen diese nach der Linken, jene aber nach der Rechten.