Erstes Kapitel

Gott der Schöpfer

4. Die christliche Kirche hat von der Zeit des Herrn an die Altersstufen von der Kindheit bis zum letzten Greisenalter durchlaufen; ihre Kindheit war zur Zeit, da die Apostel lebten, und in der ganzen Welt Buße und Glauben an den Herrn Gott Heiland predigten; daß sie diese zwei Stücke predigten, ergibt sich aus folgendem in der Apg.20/21: „Paulus ermahnte Juden und Griechen zur Buße gegen Gott und zum Glauben an unseren Herrn Jesus Christus“. Merkwürdig ist, daß der Herr vor einigen Monaten Seine zwölf Jünger, nun Engel, zusammenberufen, und sie in die ganze geistige Welt ausgesandt hat, mit dem Auftrag, das Evangelium von neuem daselbst zu predigen, weil die vom Herrn durch sie gegründete Kirche gegenwärtig so sehr zu ihrem Ende gelangt ist, daß kaum noch einige Überreste von ihr vorhanden sind; und es dazu gekommen ist, weil man die göttliche Dreieinheit in drei Personen zerteilt hat, von welchen jede Gott und Herr ist; und es von da aus sich wie ein Wahnsinn über die ganze Theologie, und so über die Kirche verbreitete, die vom Namen des Herrn her die christliche genannt wird. Wahnsinn, sage ich, weil die menschlichen Gemüter dadurch in solche Verrücktheit geraten sind, daß sie nicht wissen ob Gott einer ist, oder ob es drei sind; einer ist Er in der Rede des Mundes, drei aber sind es im Denken des Gemütes; weshalb sich das Gemüt mit seinem Mund, oder der Gedanke mit seiner Rede im Widerspruch befindet; aus welchem Widerstreit die Folgerung hervorgeht, daß kein Gott sei; der heutzutage herrschende Naturalismus hat keinen anderen Ursprung. Erwäge, wenn es beliebt, ob nicht, wenn der Mund einen ausspricht, und das Gemüt drei denkt, inwendig mitten auf dem Wege das eine das andere aufhebt, und umgekehrt; daher der Mensch sich Gott kaum anders denkt, wofern er überhaupt denkt, als nach dem bloßen Wort Gott, ohne irgendeinen die Erkenntnis desselben in sich schließenden Sinn. Da nun der Begriff von Gott samt jeder Vorstellung von Ihm so zerrissen ist, so will ich in gehöriger Ordnung von Gott dem Schöpfer, vom Herrn Erlöser, und vom Heiligen Geist, dem Einwirkenden [operatore], und zuletzt von der göttlichen Dreieinheit handeln, damit das Zerrissene wieder als Ganzes hergestellt werde, welches geschieht, wenn die menschliche Vernunft aus dem Wort und dem aus diesem kommenden Licht überzeugt wird, daß eine göttliche Dreieinheit besteht und daß diese im Herrn Gott Heiland Jesus Christus ist, wie die Seele, der Leib, und das Hervorgehende im Menschen, und daß in dieser Weise Gültigkeit hat, was im Athanasischen Glaubensbekenntnis steht, daß in Christus Gott und Mensch, oder Göttliches und Menschliches, nicht zwei, sondern in einer Person sind; und daß, wie die vernünftige Seele und das Fleisch ein Mensch sind, so Gott und Mensch ein Christus ist.  

Die Einheit Gottes  

5. Da die Anerkennung Gottes infolge der Erkenntnis desselben das eigentlich Wesentliche und die Seele aller Dinge in der gesamten Theologie ist, so ist notwendig, daß der Ausgangspunkt von der Einheit Gottes genommen werde, die der Ordnung nach durch folgende Abschnitte nachgewiesen werden soll:

I. Die ganze Heilige Schrift, und von daher die Lehren der Kirchen in der christlichen Welt lehren, daß Gott einer ist.

II. Es besteht ein allgemeiner Einfluß in die Seelen der Menschen, dahin gehend, daß ein Gott ist, und daß Er einer ist.

III. Daher kommt, daß es in der ganzen Welt nicht ein Volk von Religion und gesunder Vernunft gibt, das nicht einen Gott, und daß Er einer ist, anerkenne.

IV. Über die Beschaffenheit dieses einen Gottes sind die Nationen und Völker aus verschiedenen Ursachen in ihren Ansichten voneinander abgewichen und weichen noch ab.

V. Die menschliche Vernunft kann, wenn sie will, aus vielem in der Welt abnehmen oder schließen,  daß ein Gott ist und daß Er einer ist.

VI. Wofern Gott nicht einer wäre, hätte das Weltall nicht erschaffen und erhalten werden können.

VII. Der Mensch, welcher Gott nicht anerkennt, ist von der Kirche ausgeschlossen und verdammt.

VIII. Beim Menschen, der nicht einen Gott anerkennt, sondern mehrere, hängt nichts von der Kirche zusammen.

Doch dies soll nun im einzelnen entwickelt werden.  

6. I. Die ganze Heilige Schrift, und von daher die Lehren der Kirchen in der christlichen Welt lehren, daß es einen Gott gibt, und daß Er einer ist.

Daß die ganze Heilige Schrift lehrt, daß es einen Gott gibt, hat seinen Grund darin, daß in ihrem Innersten nichts anderes als Gott, das heißt, das Göttliche ist, das von Gott ausgeht, denn sie ist von Gott diktiert, und von Gott kann nichts ausgehen, als was Er selbst ist und das Göttliche heißt; dies ist in ihrem Innersten. Im abgeleiteten aber, das unterhalb ist und von daher stammt, ist diese Heilige Schrift dem Verständnis der Engel und der Menschen angepaßt; in diesem ist in gleicher Weise das Göttliche, aber in anderer Form, und in dieser heißt es das himmlische, geistige und natürliche Göttliche, die nur Umhüllungen Gottes sind, weil nämlich Gott selbst, wie Er im Innersten des Wortes ist, von keinem Erschaffenen gesehen werden kann; denn Er sagte zu Moses, als dieser bat, die Herrlichkeit Jehovahs sehen zu dürfen, daß niemand Gott sehen und leben könne. Ebenso verhält es sich mit dem Innersten des Wortes, wo Gott in Seinem Sein und Wesen ist, dennoch aber scheint das Göttliche, das im Innersten ist, und durch solche Dinge, die den Wahrnehmungen der Engel und

Menschen angepaßt sind, umhüllt wird, hervor wie das Licht durch kristallene Formen, jedoch verschieden je nach dem Zustand des Gemüts, den sich der Mensch aus Gott oder aus sich selbst angebildet hat. Für jeden, der den Zustand seines Gemüts aus Gott gebildet hat, ist die Heilige Schrift wie ein Spiegel, in dem er Gott sieht, jedoch jeglicher auf seine Weise; die Wahrheiten, die er aus dem Wort lernt und durch ein denselben gemäßes Leben sich aneignet, machen jenen Spiegel aus: hieraus erhellt fürs erste, daß die Heilige Schrift die Fülle Gottes ist. Daß sie nicht nur lehrt, daß es einen Gott gibt, sondern auch daß Er einer ist, kann aus den Wahrheiten erhellen, welche, wie gesagt, jenen Spiegel bilden, indem sie in einem Verband zusammenhängen und machen, daß der Mensch sich Gott nur als einen denken kann; daher kommt, dass jeglicher, dessen Vernunft einige Heiligkeit aus dem Wort in sich aufgenommen hat, wie von selbst weiß, daß Gott einer ist, und es ihm gewissermaßen als Wahnsinn erscheint, zu sagen, es gebe mehrere; die Engel können den Mund nicht öffnen, um Götter auszusprechen; denn die Himmelsluft, in der sie leben, widersteht. Daß Gott einer sei, lehrt die Heilige Schrift nicht nur in der allgemeinen Weise, von der die Rede war, sondern auch im Besonderen in vielen Stellen, wie in folgenden: „Höre, Israel, Jehovah, unser Gott, ist ein Jehovah“: 5Mo.6/4; ebenso Mark.12/29: „Nur bei dir ist Gott, und außer Mir ist kein Gott“: Jes 45/14,15.

„Bin Ich nicht Jehovah, und außer Mir kein Gott mehr?“: Jes 45/20,21. „Ich Jehovah, dein Gott, und einen Gott außer Mir sollst du nicht anerkennen“: Hos.13/4. „So sprach Jehovah, der König Israels: Ich bin der Erste und der Letzte, und außer Mir ist kein Gott“: Jes.44/6. „An jenem Tage wird Jehovah König über die ganze Erde sein, an jenem Tage wird Jehovah einer sein, und Sein Name einer“: Sach.14/9.  

7. Daß in den Lehren der Kirchen in der christlichen Welt gelehrt wird, daß Gott einer ist, ist bekannt; es wird dies deshalb darin gelehrt, weil alle ihre Lehren aus dem Wort sind, und sie insoweit zusammenhängen, als sie einen Gott nicht bloß mit dem Munde, sondern auch mit dem Herzen anerkennen. Denjenigen, welche bloß mit dem Munde einen Gott, dagegen aber drei mit dem Herzen bekennen, wie dies heutzutage bei vielen in der Christenheit geschieht, ist Gott nichts anderes als ein Ausspruch des Mundes, und alles Theologische ist für sie nichts anderes, als ein in einen Behälter eingeschlossenes Götzenbild von Gold, wozu der öffnende Schlüssel bloß bei den Kirchenvorstehern ist, und diese, wenn sie das Wort lesen, haben keine Wahrnehmung irgendeines Lichtes, das darin enthalten oder davon abgeleitet ist, nicht einmal darüber, daß Gott einer ist; das Wort ist ihnen wie mit Flecken besudelt und hinsichtlich der Einheit Gottes verdeckt; sie sind es, die vom Herrn beschrieben werden bei Matth.13/14,15: „Mit dem Gehör werdet ihr hören, und nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen, und nicht unterscheiden: ihre Augen haben sie verschlossen, damit sie nicht mit ihren Augen sehen, und mit den Ohren hören, und sich bekehren, und Ich sie heile“. Diese alle sind wie die, welche das Licht fliehen und in Gewölbe gehen, in denen keine Fenster sind, und an den Wänden herumtappen, und nach Nahrung und Geld suchen, und zuletzt eine Sehkraft gleich jener der Nachteulen erborgen, und in der Finsternis sehen; sie sind einem Weibe ähnlich, das mehrere Männer hat, und daher nicht Gattin, sondern zuchtlose Buhlerin ist; sie sind auch gleich einer Jungfrau, die von mehreren Freiern Ringe annimmt, und nach der Hochzeit mit dem einen die Nächte teilt, und dann auch mit den übrigen.  

8. II. Es besteht ein allgemeiner Einfluß von Gott in die Seelen der Menschen, dahin gehend, daß ein Gott ist, und daß Er einer ist.

Daß ein Einfließen von Gott in den Menschen statthat, ergibt sich offenbar aus dem Bekenntnis aller, daß alles Gute, das an sich gut ist, und im Menschen ist, und von ihm geschieht, von Gott stammt; ebenso alles, was zur Liebtätigkeit, und alles, was zum Glauben gehört; denn man liest: „Der Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht aus dem Himmel gegeben worden ist“: Joh.3/27. und Jesus sagte: „Ohne Mich könnet ihr nichts tun“: Joh.15/5, das ist, nichts, das zur Liebtätigkeit und zum Glauben gehört. Daß dieser Einfluß in die Seelen der Menschen stattfindet, hat seinen Grund darin, daß die Seele das Innerste und Höchste des Menschen ist, und der Einfluß von Gott in dieses geht, und von da niedersteigt in das, was unterhalb ist, und es belebt je nach Maßgabe der Aufnahme; die Wahrheiten, welche die des Glaubens sein sollen, fließen zwar durch das Hören ein und werden so dem Gemüt eingepflanzt, somit unterhalb der Seele, allein der Mensch wird durch diese Wahrheiten bloß zur Aufnahme des Einflusses aus Gott durch die Seele vorbereitet, und wie die Vorbereitung ist, so ist die Aufnahme, und so die Umgestaltung des natürlichen Glaubens in geistigen Glauben. Daß ein Einfließen von Gott in die Seelen der Menschen stattfindet, dahin gehend, daß Gott einer ist, hat seinen Grund darin, daß alles Göttliche sowohl im Ganzen, als im Einzelnen genommen, Gott ist, und weil alles Göttliche als eines zusammenhängt, so muß es notwendig dem Menschen die Idee eines Gottes eingeben, und diese Idee gewinnt von Tag zu Tag an Stärke, sowie der Mensch von Gott in das Licht des Himmels erhoben wird; denn die Engel können in ihrem Lichte sich nicht dazu zwingen, Götter zu sagen, wie denn auch ihre Rede am Ende eines jeden Sinnes sich hinsichtlich der Betonung in eines endigt; und dies kommt nicht anderswoher, als aus einem Einfluß in ihre Seelen, daß Gott einer ist. Daß nun aber, obwohl in die Seelen aller Menschen einfließt, Gott sei einer, dennoch viele denken, Seine Gottheit sei in mehrere desselben Wesens geteilt, das hat seinen Grund darin, daß jener Einfluß, wenn er niedersteigt, in nicht entsprechende Formen fällt, und eben die Form ihn verändert, wie dies bei allen Gegenständen der drei Naturreiche geschieht; derselbe Gott, der jedes Tier belebt, ist es auch, der den Menschen belebt; allein die aufnehmende Form macht, daß das Tier ein Tier, und der Mensch ein Mensch ist; das gleiche geschieht mit dem Menschen, solange er sein Gemüt mit der Form eines Tieres umkleidet: das gleiche Einfließen findet statt von der Sonne her in jeden Baum; allein es wird verändert je nach eines jeden Form; das gleiche findet statt in den Weinstock, wie in den Dornstrauch; allein wenn der Dorn auf den Weinstock gepfropft wird, so wird jener Einfluß verkehrt, und geht nach der Form des Dornes vor sich. Das gleiche geschieht bei den Gegenständen des Mineralreiches; das in den Kalkstein und in den Diamant einfließende Licht ist dasselbe, allein in diesem scheint es durch, und in jenem wird es eingesogen. Was die menschlichen Gemüter betrifft, so zeigen sie Verschiedenheiten je nach ihren Formen, die inwendig geistig sind gemäß dem Glauben an Gott und zugleich dem Leben aus Gott, und diese Formen werden durchsichtig und engelartig durch den Glauben an einen Gott, umgekehrt aber werden sie dunkel und tierartig durch den Glauben an mehrere Götter, der nur wenig verschieden ist von dem Glauben an keinen Gott.  

9. III. Daher kommt, daß es in der ganzen Welt nicht ein Volk von Religion und gesunder Vernunft gibt, das nicht einen Gott, und daß Er einer ist, anerkennte.

Aus dem göttlichen Einfluß in die Seelen der Menschen, von dem soeben die Rede war, ergibt sich, daß eine gewisse innere Stimme jedem sagt, daß es einen Gott gibt, und daß Er einer ist: daß es gleichwohl solche gibt, welche Gott leugnen, und solche, welche die Natur als Gott anerkennen, und solche, welche mehrere Götter, und sogar Bilder als Götter verehren, hat seinen Grund darin, daß sie das Inwendige ihrer Vernunft oder ihres Verstandes mit weltlichen und körperlichen Dingen vollgepfropft, und durch diese die ursprüngliche Idee von Gott oder die ihrer Kindheit verwischt, und zugleich dann die Religion von der Brust hinter den Rücken zurückgeworfen haben. Daß die Christen einen Gott anerkennen, aber in welcher Weise, erhellt aus ihrem Glaubensbekenntnis, das  folgendermaßen lautet: „Der allgemeine Glaube ist der, daß wir einen Gott in der Dreiheit, und eine Dreiheit in der Einheit verehren; es sind drei göttliche Personen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, und doch sind nicht drei Götter, sondern es ist ein Gott; und eine andere ist die Person des Vaters, eine andere die des Sohnes, und eine andere die des Heiligen Geistes, und sie haben eine Gottheit, gleiche Herrlichkeit, und gleich ewige Majestät; so ist der Vater Gott, der Sohn ist Gott und der Heilige Geist ist Gott; wie wir aber durch die christliche Wahrheit angetrieben werden, jede Person für sich als Gott und Herrn zu bekennen, so werden wir durch die allgemeine Religion verhindert, drei Götter und drei Herren zu nennen“. Von solcher Art ist der christliche Glaube betreffend die Einheit Gottes; daß aber in diesem Bekenntnis die Dreiheit Gottes und die Einheit Gottes einander widersprechen, wird man in dem Kapitel von der göttlichen Dreieinheit sehen. Die übrigen Völker in der Welt, welche Religion und gesunde Vernunft haben, stimmen bei, daß Gott einer ist: so alle Mohammedaner in ihren Reichen; die Afrikaner in vielen Gebieten ihres Weltteils, und auch die Asiaten in vielen des ihrigen, und überdies die heutigen Juden. Die Urmenschen im Goldenen Zeitalter, diejenigen nämlich, bei denen eine Religion war, verehrten einen Gott, Den sie Jehovah nannten; ebenso die Alten im folgenden Zeitalter, bevor die Regierungen monarchisch geworden waren, und mit diesen weltliche und zuletzt fleischliche Lieblingsneigungen die höheren Gebiete des Verstandes zu verschließen begannen, welche früher geöffnet, und dann wie Tempel und Allerheiligstes für die Verehrung eines Gottes waren. Um sie aber wieder aufzuschließen, und so die Verehrung eines Gottes wiederherzustellen, stiftete Gott der Herr die Kirche bei den Nachkommen Jakobs, und stellte allen Religionsvorschriften derselben die voran: „Es soll kein anderer Gott vor Meinem Angesichte sein“: 2Mo.20/3. Auch bedeutet Jehovah, wie Er Sich von neuem vor ihnen nannte, das höchste und einzige Wesen, aus dem alles stammt, was im Weltall ist und besteht. Die alten Heiden erkannten als höchsten Gott den Jupiter [Jovem] an, so vielleicht genannt von Jehovah, und schrieben auch mehreren anderen, die dessen Hof bildeten, Göttlichkeit zu. Allein die Weisen des folgenden Zeitalters, wie Plato und Aristoteles, bekannten, daß diese nicht Götter, sondern ebenso viele Eigenschaften, Beschaffenheiten und Attribute eines Gottes seien, die Götter genannt wurden, weil ihnen allen die Göttlichkeit innewohnte.  

10. Jede gesunde Vernunft, wenn sie auch nicht religiös ist, sieht, daß alles Geteilte, wofern es nicht von einem abhängt, von selbst zerfällt, wie der aus so vielen Gliedmaßen, Eingeweiden, Empfindungsund Bewegorganen zusammengewobene Mensch, wofern er nicht von einer Seele, und der Körper selbst, wofern er nicht von einem Herzen, ebenso das Reich, wofern es nicht von einem König, das Haus, wofern es nicht von einem Herrn, und jede Verwaltung, deren es in jedem Reiche viele gibt, wofern sie nicht von einem Beamten abhängt. Was würde ein Kriegsheer gegen die Feinde vermögen ohne einen Feldherrn, der die oberste Gewalt hat, und dem Offiziere untergeordnet sind, von denen jeder seine Befugnis über die Soldaten hat? Ebenso verhielte es sich mit der Kirche, wofern sie nicht einen Gott anerkennte, und auch mit dem Engelhimmel, der das Haupt der Kirche auf Erden ist, worin der Herr die eigentliche Seele ist, weshalb auch der Himmel und die Kirche Sein Leib heißen; würden diese nicht einen Gott anerkennen, so wären beide wie ein entseelter Leib, der, weil er zu nichts nütze wäre, weggeworfen und begraben würde.  

11. IV. Über die Beschaffenheit dieses einen Gottes sind die Nationen und Völker aus verschiedenen Ursachen in ihren Ansichten voneinander abgewichen und weichen noch ab.

Die erste Ursache ist, weil Erkenntnis Gottes und somit Anerkennung Gottes ohne Offenbarung nicht möglich ist; und Kenntnis vom Herrn, und somit Anerkennung, daß in Ihm die ganze Fülle der Gottheit leiblich wohnt, nur aus dem Wort stattfinden kann, welches die Krone der Offenbarung ist; denn der Mensch kann zufolge der gegebenen Offenbarung Gott entgegenkommen und den Einfluß aufnehmen, und so von einem natürlichen ein geistiger werden. Nun hatte zwar die Uroffenbarung sich über den ganzen Erdkreis verbreitet; allein der natürliche Mensch hatte sie in vielfacher Weise verkehrt; daher Meinungsverschiedenheiten, Uneinigkeiten, Irrlehren und Spaltungen in den Religionen. Die zweite Ursache ist, weil der natürliche Mensch nichts von Gott, sondern nur von der Welt etwas vernehmen und sich aneignen kann; weshalb eine der Grundlehren der christlichen Kirche sagt, daß der natürliche Mensch wider den geistigen sei und sie gegen einander kämpfen; daher kommt, daß die, welche aus dem Wort oder aus anderer Offenbarung erkannt hatten, daß ein Gott ist, über die Beschaffenheit Gottes und über Seine Einheit voneinander abwichen und noch abweichen. Weshalb denn die, deren Geistesblick von den Sinnen des Körpers abhängig war, die aber gleichwohl Gott sehen wollten, sich Bilder machten von Gold, Silber, Stein und Holz, um unter ihnen, als Gegenständen des Gesichts, Gott anzubeten; und daß andere, die aus Religion die Bilder verwarfen, sich Gott unter dem Bilde der Sonne und des Mondes, der Gestirne und vieler anderen Dinge auf der Erde vorstellten. Solche jedoch, die sich für weiser hielten als den gemeinen Haufen, dennoch aber natürliche Menschen blieben, erkannten wegen der Unermeßlichkeit und Allgegenwart Gottes beim Erschaffen der Welt die Natur als Gott an, einige dieselbe in ihrem Innersten, und einige dieselbe in ihrem Äußersten; und einige erdachten, um Gott von der Natur zu trennen, ein Allerallgemeinstes, das sie das Wesen [Ens] des Universums nannten; und weil sie nichts weiter von Gott wissen, so wird dieses Wesen bei ihnen zu einem Gedankending, das ein Nicht-Etwas bedeutet. Wer kann nicht einsehen, daß die Kenntnisse  von Gott Spiegel Gottes sind, und daß die, welche nichts von Gott wissen, Gott nicht in einem den Augen zugekehrten Spiegel, sondern in einem umgewandten Spiegel oder in dessen Rückseite sehen, die mit Quecksilber oder schwarzem Leim überzogen ist, und das Bild nicht zurückwirft, sondern aufsaugt? Der Glaube an Gott dringt in den Menschen auf einem apriorischen oder inneren Wege, nämlich von der Seele her in die oberen Gebiete des Verstandes ein; die Kenntnisse von Gott hingegen dringen auf einem aposteriorischen oder äußeren Weg ein, weil sie vermittelst der Sinne des Körpers vom Verstand aus dem geoffenbarten Wort geschöpft werden; in der Mitte des Verstandes findet nämlich ein Zusammentreffen der Einflüsse statt, und hier wird der natürliche Glaube, der eigentlich nur eine Überredung ist, zu einem geistigen, der die wirkliche Anerkennung ist; weshalb der menschliche Verstand wie eine Wechselbank ist, in welcher der Umsatz geschieht.  

12. V. Die menschliche Vernunft kann, wenn sie will, aus vielem in der Welt abnehmen oder schließen, daß ein Gott ist und daß Er einer ist.

Diese Wahrheit kann durch Unzähliges in der sichtbaren Welt begründet werden; denn das Weltall ist wie eine Schaubühne, auf welcher dafür, daß es einen Gott gibt, und daß Er einer ist, fortwährend Zeugnisse auftreten. Doch um dies zu beleuchten, will ich folgende Denkwürdigkeit aus der geistigen Welt anführen. Während ich einst mit Engeln mich unterredete, waren einige Neulinge aus der natürlichen Welt zugegen; als ich diese sah, wünschte ich ihnen Glück zu ihrer  Ankunft, und erzählte ihnen vieles Unbekannte aus der geistigen Welt; und nach der Rede fragte ich sie, welche Ansicht von Gott und von der Natur sie aus der Welt mitbrächten; sie sagten: die, daß die Natur alles wirke, was in dem erschaffenen Weltall geschieht, und daß Gott nach der Schöpfung diese Fähigkeit und Kraft in sie gelegt und ihr eingedrückt habe, und daß Gott jene Dinge bloß stütze und erhalte, damit sie nicht vergehen; weshalb alles, was auf Erden entsteht, geboren und wiedergeboren wird, heutzutage der Natur zugeschrieben werde. Ich aber entgegnete, daß die Natur aus sich gar nichts wirke, sondern Gott durch die Natur; und weil sie Beweis forderten, sagte ich: Die, welche an eine göttliche Wirksamkeit im einzelnen der Natur glauben, können aus sehr vielem, das sie in der Welt sehen, sich für Gott weit mehr als für die Natur bestärken; denn diejenigen, die sich für die göttliche Wirksamkeit im einzelnen der Natur bestärken, richten ihre Aufmerksamkeit auf das Wundervolle, das in den Hervorbringungen sowohl der Pflanzen, als der Tiere wahrgenommen wird; in den Hervorbringungen der Pflanzen: daß aus einem in die Erde geworfenen Samenkörnchen eine Wurzel hervorgeht, und durch die Wurzel ein Stengel, und nach und nach Äste, Zweige, Blätter, Blüten, Früchte, bis wieder zu neuem Samen, gerade wie wenn der Same die Ordnung der Aufeinanderfolge oder den Entwickelungsgang wüßte, nach dem er sich erneuern soll. Welcher Vernünftige kann denken, daß die Sonne, die bloß ein Feuer ist, dieses wisse, oder solches zu bewirken, in ihre Wärme und ihr Licht hineinlegen und Nutzzwecke beabsichtigen könne? Ein Mensch, dessen Vernunft gehoben ist, kann, wenn er diese Dinge sieht und gehörig erwägt, nicht umhin zu denken, sie kommen von Ihm, Der unendliche Weisheit hat, also von Gott her; diejenigen, die ein göttliches Wirken im einzelnen der Natur anerkennen, bestärken sich auch darin, wenn sie diese Dinge sehen; wogegen aber die, welche es nicht anerkennen, dergleichen nicht mit den Augen der Vernunft in der Stirn, sondern im Hinterhaupt sehen; diese sind diejenigen, die alle Vorstellungen ihres Denkens aus den Körpersinnen und deren Täuschungen begründen, indem sie sagen: Siehst du nicht, daß die Sonne durch ihre Wärme und ihr Licht alle jene Dinge bewirkt? Was kann das sein, was man nicht sieht, ist es wohl ein Etwas? Die, welche sich für das Göttliche bestärken, merken auf das Wundervolle, das sie in den Hervorbringungen der Tiere sehen; um hier zuerst der Eier zu gedenken, daß in diesen das Junge in seinem Keim liegt mit jedem Erfordernis zur Bildung, und auch mit dem ganzen  ntwickelungsgang nach der Ausbrütung, bis es zum Vogel wird in der Gestalt der Mutter. Merkt man weiter auf die Flügeltiere überhaupt, so stellen sich dem tiefer denkenden Geiste Dinge dar, welche Erstaunen erregen, daß z.B. in den kleinsten derselben wie in den größten, in den unsichtbaren wie in den sichtbaren, das heißt, in den Insektchen wie in dem Geflügel und den großen Tieren Sinnesorgane, nämlich des Gesichtes, des Geruchs, des Geschmacks und des Gefühls, dann Bewegorgane, das ist, Muskeln sind, (denn sie fliegen und schreiten,) so wie auch Eingeweide, die am Herzen und der Lunge hängen, und von den Gehirnen aus in Tätigkeit gesetzt werden. Die alles der Natur zuschreiben, sehen zwar diese Dinge, denken aber bloß, daß sie seien, und sagen, die Natur bringe sie hervor; und dies sagen sie, weil sie den Geist vom Denken an das Göttliche abgewendet haben, und solche, die sich vom Göttlichen abgewandt haben, können, wenn sie das Wundervolle in der Natur sehen, darüber nicht vernünftig und noch weniger geistig denken, sondern sie denken sinnlich und materiell; sie denken dann in der Natur aus der Natur, und nicht über sie [erhaben], und unterscheiden sich von den Tieren bloß darin, daß sie Vernunftanlage haben, das heißt, verständig sein können, wenn sie wollen. Die, welche sich vom Denken an das Göttliche abgewendet haben, und dadurch fleischlichsinnlich geworden sind, bedenken nicht, daß der Gesichtsinn des Auges so stumpf und materiell ist, dass er eine Mehrheit kleiner Insekten nur wie einen dunklen Punkt sieht, während doch jedes derselben organisiert ist, zu empfinden und sich zu bewegen, und so mit Fibern und Gefäßen, ferner mit Herzchen, Luftröhrchen, Eingeweidchen und Gehirnchen ausgestattet ist, und diese aus den reinsten Teilen in der Natur zusammengewoben sind, und diese Gewebe dem Leben auf der untersten Stufe entsprechen, aus dem die kleinsten Teile derselben unterschiedlich in Tätigkeit gesetzt werden. Wenn nun das Gesicht des Auges so stumpf ist, daß ihm eine Vielheit mit unzähligen Dingen in jeglichem, nur als ein kleiner dunkler Punkt erscheint, und wenn gleichwohl die, welche sinnlich sind, diesem Sehen gemäß denken und urteilen, so ist offenbar, wie stumpf ihr Geist geworden ist, und in welcher Finsternis sie infolgedessen in Beziehung auf geistige Dinge sind. Jeder kann aus den sichtbaren Dingen in der Natur sich, wenn er will, für das Göttliche bestärken, und derjenige, der an Gott und Seine Allmacht im Erschaffen des Weltalls, und an Seine Allgegenwart im Erhalten desselben denkt, bestärkt sich auch dafür, wenn er z.B. bei den Vögeln des Himmels sieht, daß jede Art derselben ihre Nahrung kennt, und wo sich diese befindet; daß sie an Ton und Gestalt ihre Genossen erkennt; dann auch welche unter den anderen Vögeln, ihre Freunde, und welche ihre Feinde sind; daß sie die Begattung unter der Federbedeckung kennen, Ehen schließen, mit Kunst Nester bauen, Eier darin legen, über ihnen brüten, die Dauer der Brütezeit wissen, nach deren Ablauf sie die Jungen ausbrüten, die sie dann auf das Zärtlichste lieben, unter ihren Flügeln wärmen, ihnen Speise darreichen, und sie ernähren bis sie selbständig werden und gleiches tun können. Jeder, der über den göttlichen Einfluß durch die geistige Welt in die natürliche denken will, kann ihn in diesen Dingen sehen; er kann auch, wenn er will, in seinem Herzen sagen: solche Kenntnisse können ihnen nicht aus der Sonne durch deren Wärme und Licht gegeben werden; denn die Sonne, aus der die Natur ihren Ursprung und ihr Wesen hernimmt, ist bloßes Feuer, und somit sind ihre Ausflüsse von Wärme und Licht völlig tot; und so kann der Schluß gezogen werden, daß dergleichen von einem göttlichen Einfluß durch die geistige Welt in das Unterste der Natur herrührt. Jeder kann aus dem Sichtbaren in der Natur sich für das Göttliche bestärken, wenn er die Raupen sieht, die aus dem Lustreiz eines gewissen Triebes nach einer Umwandlung ihres irdischen Zustandes in einen dem himmlischen analogen Zustand trachten und streben, und darum an gewisse Orte kriechen, sich mit einer Hülle umgeben, und so sich in einen Mutterleib versetzen, um wiedergeboren, und dort Puppen, Goldpuppen, Nymphen, und zuletzt Schmetterlinge zu werden, und wenn sie die Verwandlung durchgemacht haben, und je nach ihrer Art mit schönen Flügeln angetan sind, sich in die Luft wie in ihren Himmel emporschwingen und hier wonnevoll spielen und sich begatten, Eier legen, und sich eine Nachkommenschaft verschaffen, und dabei sich mit lieblicher und süßer Kost aus Blumen nähren. Wer, der sich aus den sichtbaren Dingen in der Natur für das Göttliche bestärkt, sieht nicht ein Bild des irdischen Zustandes des Menschen in ihnen als Raupen, und ein Bild des himmlischen Zustandes in ihnen als Schmetterlinge? Diejenigen hingegen, die sich für die Natur bestärken, sehen zwar diese Dinge, weil sie aber den himmlischen Zustand aus ihrem Gemüt verbannt haben, so nennen sie dieselben bloße Wirkungen der Natur. Jeder kann sich aus dem Sichtbaren in der Natur für das Göttliche bestärken, wenn er auf das achtet, was von den Bienen bekannt ist, daß sie nämlich wissen, aus Rosen und Blumen Wachs zu sammeln, Honig auszusaugen, Zellen wie kleine Häuser zu bauen, und sie in die Form einer Stadt zu bringen, mit Gassen, durch sie eingehen und ausgehen; daß sie schon von ferne die Blumen und Kräuter wittern, aus denen sie Wachs für das Haus, und Honig zur Nahrung sammeln mögen; und daß sie mit diesen beladen in gerader Richtung wieder ihrem Bienenstock zufliegen und so sich Nahrung für den kommenden Winter einlegen, als ob sie diesen vorhersähen; wie sie denn auch eine Herrscherin als Königin über sich setzen, aus der eine Nachkommenschaft fortgepflanzt werden soll, und für die sie gleichsam einen Hof über sich mit Schutzwachen rings umher anlegen, und welche, wenn die Gebärzeit kommt, in Begleitung der Leibwachen, die Drohnen genannt werden, von Zelle zu Zelle geht und Eier legt, die der nachfolgende Haufen rings umstreicht, damit sie von der Luft nicht leiden; woraus ihnen dann ein neuer Nachwuchs kommt, der später, wenn er sein Alter erreicht hat, in dem er das gleiche tun kann, aus dem Haus vertrieben wird, worauf der Schwarm sich zuerst in einen Klumpen sammelt, damit der Verein nicht zerrissen werde, und dann ausfliegt, um sich eine Wohnstätte aufzusuchen; gegen den Herbst werden jene Drohnen, weil sie weder Wachs noch Honig eingetragen, hinausgeführt und ihrer Flügel beraubt, damit sie nicht zurückkommen und ihre Speisevorräte, auf die sie keine Mühe verwendet hatten, aufzehren möchten. Und so vieles andere; woraus erhellen kann, daß sie um des Nutzens willen, den sie dem menschlichen Geschlecht leisten, infolge eines göttlichen Einflusses durch die geistige Welt eine Regierungsform haben, wie sei bei den Menschen auf Erden, ja bei den Engeln in den Himmeln ist. Wer, der im Besitze seiner vollen Vernunft ist, sieht nicht, daß dergleichen Erscheinungen bei ihnen nicht aus der natürlichen Welt stammen? Was hat die Sonne, aus der die Natur stammt, mit einer Regierung gemein, die eine Nachahmung der himmlischen ist? Aus diesen und ähnlichen Dingen bei den vernunftlosen Tieren bestärkt sich der Bekenner und Verehrer der Natur für die Natur, während der Bekenner und Verehrer Gottes aus ebendenselben sich für Gott bestärkt; denn der geistige Mensch sieht in ihnen Geistiges und der natürliche Mensch sieht in ihnen Natürliches, und so jeder, je nachdem er selbst beschaffen ist. Was mich betrifft, so waren mir dergleichen Erscheinungen Zeugnisse für den von Gott stammenden Einfluß der geistigen Welt in die natürliche. Erwäge auch, ob du über irgendeine Regierungsform, oder über irgendein bürgerliches Gesetz, oder über irgendeine moralische Tugend, oder über irgendeine geistige Wahrheit analytisch denken könntest, wenn nicht das Göttliche aus seiner Weisheit durch die geistige Welt einflösse? Ich für meinen Teil konnte es nicht, und kann es nicht; denn ich habe von diesem Einfluß nun schon 26 Jahre hindurch eine deutliche und fühlbare Wahrnehmung gehabt, daher ich dies aus eigener Erfahrung rede. Kann wohl die Natur sich Nutzzwecke vorsetzen, und die Nutzzwecke in Ordnungen und Formen bringen? Dies kann nur ein Weiser; und das Weltall so ordnen und bilden kann nur Gott, Der unendliche Weisheit hat. Wer anders vermöchte vorherzusehen und vorzusehen, was zur Nahrung und Kleidung für die Menschen notwendig ist, die Nahrung aus den Ernten des Feldes, aus den Früchten der Erde und aus den Tieren, und die Kleidung aus ebendenselben? Zu dem wundervollen hierbei gehört auch, daß jene geringen Würmer, die man Seidenraupen nennt, sowohl Frauen als Männer, von den Königinnen und Königen bis herab zu den Mägden und Knechten, mit Seide bekleiden und prachtvoll schmücken sollten, und daß jene unscheinbaren Insekten, die man Bienen nennt, Wachs zu den Lichtern liefern sollten, durch welche die Tempel und Paläste erglänzen.  Diese und viele andere Erscheinungen sind redende Beweise, daß Gott von Sich aus durch die geistige Welt alles wirkt, was in der Natur geschieht. Diesem ist noch beizufügen, daß in der geistigen Welt die, welche aus den sichtbaren Dingen dieser Welt für die Natur sich bestärkt hatten, als solche erschienen, die am Ende Gottesleugner wurden, und deren Verstand sich im geistigen Licht nach unten geöffnet, nach oben aber verschlossen zeigte; und dies darum, weil sie in ihrem Denken abwärts zur Erde, und nicht aufwärts zum Himmel sahen: über dem Sinnlichen, welches das Unterste des Verstandes ist, erschien wie eine aus höllischem Feuer blitzende Decke, bei einigen schwarz wie Ruß, und bei anderen bleifarbig wie ein Leichnam. Hüte sich also jeder vor Begründungen für die Natur, und bestärke sich vielmehr für Gott; es fehlt nicht an Stoff.  

13. VI. Wofern Gott nicht einer wäre, hätte das Weltall nicht erschaffen und erhalten werden können.

Daß man aus der Schöpfung des Weltalls auf die Einheit Gottes schließen kann, gründet sich darauf, daß das Weltall ein Werk ist, welches vom ersten bis zum letzten als eines zusammenhängt, und von einem Gott abhängt, wie der Leib von seiner Seele; das Weltall ist so geschaffen worden, daß Gott allgegenwärtig sein, und das Ganze und das Einzelne unter Seiner Leitung halten, und fortwährend als eines zusammenhalten kann, was soviel als erhalten heißt. Daher kommt auch, daß Jehovah Gott sagt, Er sei „der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende, das Alpha und das Omega“: Jes.44/6; Offb.1/8,17 und anderwärts, daß „Er aus Sich alles mache, die Himmel ausspanne und die Erde ausdehne“: Jes.44/24. Dieses große System, welches das Weltall heißt, ist darum ein vom Ersten bis zum Letzten als eines zusammenhängendes Werk, weil Gott bei Erschaffung desselben Sich einen Endzweck vorgesetzt hatte, nämlich den Engelhimmel aus dem menschlichen Geschlecht, und Mittel zu diesem Zweck alle die Dinge sind, aus denen die Welt besteht; denn wer den Zweck will, will auch die Mittel; wer also die Welt als ein die Mittel zu jenem Zweck enthaltendes Werk betrachtet, der kann auch das erschaffene Weltall als ein Werk betrachten, das als eines zusammenhängt, und kann sehen, daß die Welt ein Inbegriff von Nutzzwecken in aufeinanderfolgender Ordnung für das menschliche Geschlecht ist, aus dem der Engelhimmel besteht. Die göttliche Liebe kann sich keinen anderen Endzweck setzen, als die ewige Seligkeit der Menschen aus ihrem Göttlichen, und die göttliche Weisheit kann nichts anderes hervorbringen als Nutzwirkungen, welche Mittel zu jenem Zwecke sind. Aus der Betrachtung der Welt in dieser allumfassenden Idee kann jeder Weise entnehmen, daß der Schöpfer des Weltalls einer ist, und daß Sein Wesen Liebe und Weisheit ist; weshalb es in ihr nicht ein einziges Ding gibt, in dem nicht näher oder entfernter ein Nutzzweck für den Menschen verborgen läge; für seine Nahrung aus den Früchten der Erde, und auch aus den Tieren, und für seine Kleidung aus ebendenselben. Zu dem Wundervollen gehört, [wie gesagt,] daß jene geringen Würmer, Seidenraupen genannt, sowohl Frauen als Männer, von den Königinnen und Königen bis herab zu den Mägden und den Knechten in Seide kleiden und prächtig schmücken, und daß geringe Insekten, Bienen genannt, Wachs liefern für Kerzen, durch welche Tempel und Paläste erglänzen. Diejenigen, die [nur] einiges in der Welt vereinzelt, und nicht in umfassender Weise alles in der Reihenfolge betrachten, in der die Zwecke, die Mittel und die Wirkungen zueinander stehen, so wie diejenigen, welche die Schöpfung nicht von der göttlichen Liebe durch die göttliche Weisheit ableiten, können nicht sehen, daß das Weltall das Werk eines Gottes ist, und daß Er, weil im Endzweck, auch in den einzelnen Nutzwirkungen wohnt; denn jeder, der im Zweck ist, ist auch in den Mitteln, weil inwendigst in allen Mitteln der Zweck ist, der die Mittel treibt und leitet. Diejenigen, die das Weltall nicht als ein Werk Gottes, und als die Wohnung Seiner Liebe und Weisheit, sondern als ein Werk der Natur und als die Wohnung der Wärme und des Lichtes der Sonne betrachten, verschließen die höheren Gebiete ihres Gemütes für Gott, und öffnen die unteren Teile ihres Gemütes für den Teufel, und ziehen infolgedessen das Menschliche aus, und das Tierische an, und glauben nicht nur, daß sie den Tieren ähnlich seien, sondern werden es auch; denn sie werden Füchse hinsichtlich der Schlauheit, Wölfe hinsichtlich der Wildheit, Panther hinsichtlich der Tücke, Tiger hinsichtlich der Grausamkeit, Krokodile, Schlangen, Uhu und Nachteulen je nach deren Natur; die, welche so sind, erscheinen auch in der geistigen Welt von ferne als jenen wilden Tieren ähnlich; die Liebe zu ihrem Bösen gestaltet sie so.  

14. VII. Der Mensch, der Gott nicht anerkennt, ist von der Kirche ausgeschlossen und verdammt.

Daß ein Mensch, der Gott nicht anerkennt, von der Kirche ausgeschlossen ist, gründet sich darauf, daß Gott alles in allem der Kirche ist, und die göttlichen Dinge, die das Theologische heißen, die Kirche ausmachen; weshalb die Leugnung Gottes eine Leugnung aller Dinge der Kirche ist; und eben diese Leugnung schließt ihn aus, somit schließt der Mensch sich selbst und nicht Gott ihn aus. Daß er verdammt ist, gründet sich darauf, daß, wer von der Kirche ausgeschlossen ist, auch vom Himmel ausgeschlossen ist, denn die Kirche auf Erden und der Engelhimmel machen eines aus, wie das Innere und das Äußere, und wie das Geistige und das Natürliche beim Menschen; und der Mensch ist von Gott so geschaffen, daß er seinem Inneren nach in der geistigen Welt und seinem Äußeren nach in der natürlichen Welt ist; mithin ist er als Eingeborener beider Welten geschaffen, zu dem Ende, daß das Geistige, das Angehör des Himmels ist, dem Natürlichen, das Angehör der Welt ist, eingepflanzt werde, wie dies mit dem Samen im Boden geschieht, und daß so der Mensch ewige Beständigkeit und Fortdauer erhalte. Ein Mensch, der durch die Leugnung Gottes sich von der Kirche und so auch vom Himmel ausgeschlossen hat, hat den inneren Menschen hinsichtlich des Willens, somit hinsichtlich seiner Lieblingsneigung bei sich verschlossen; denn der Wille des Menschen ist das Aufnahmegefäß seiner Liebe und wird die Wohnstätte derselben; dagegen aber kann er hinsichtlich des Verstandes seinen inneren Menschen nicht verschließen; denn wenn er dies vermöchte und täte, so wäre der Mensch nicht mehr Mensch; sondern die Liebe seines Willens betört dann die höheren Gebiete seines Verstandes mit Falschem; und infolgedessen wird der Verstand gleichsam verschlossen hinsichtlich der Wahrheiten, die dem Glauben angehören, und hinsichtlich des Guten, das der Liebtätigkeit angehört, somit mehr und mehr wider Gott, und zugleich wider die geistigen Dinge der Kirche; und so wird er ausgeschlossen von der Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels, und ist er von dieser ausgeschlossen, so setzt er sich in Gemeinschaft mit den Satanen der Hölle und denkt in Einheit mit ihnen; alle Satane aber leugnen Gott und denken albern von Gott und von den geistigen Dingen der Kirche. Ebenso der mit ihnen verbundene Mensch; dieser, wenn er seinem Geisteszug folgt, was der Fall ist, wenn er zu Hause, sich selbst überlassen, seine Gedanken von den Lustreizen des Bösen und Falschen, die er bei sich empfangen und geboren hat, geleitet werden läßt, denkt dann es sei kein Gott, sondern Gott sei ein bloßes Wort, das von den Kanzeln herabschallt, um den Pöbel an den Gehorsam gegen die Gesetze der Gerechtigkeit, welche die der Gesellschaft sind, zu binden; und dann denkt er auch, dass das Wort, aus dem die Geistlichen Gott verkündigen, etwas Schwärmerisches und Zusammengestoppeltes sei, das die Macht und das Ansehen mit Heiligkeit umkleidet haben; ferner, daß der Dekalog oder der Katechismus ein Büchlein sei, das, nachdem es von den Händen der Knaben abgenützt worden ist, weggeworfen werden kann, weil es einschärft, daß man die Eltern ehren, nicht töten, nicht Unzucht treiben, nicht stehlen, nicht falsch zeugen solle, und wer wisse nicht eben diese Dinge schon aus dem bürgerlichen Gesetz? Von der Kirche denkt er, sie sei bloß ein Zusammenlauf von Einfältigen, Leichtgläubigen und Feigherzigen, welche sehen, was sie nicht sehen; vom Menschen und von sich als Menschen denkt er gerade wie vom Tier; und vom Leben nach dem Tode gerade wie vom Leben des Tieres nach demselben. So denkt sein innerer Mensch, wie sehr auch der Äußere anders reden mag; denn, wie gesagt, jeder Mensch hat ein Inneres und ein Äußeres, und sein Inneres macht den Menschen, welcher der Geist heißt, und nach dem Tode lebt, und das Äußere, aus dem er durch sittliches Handeln den Heuchler spielt, wird begraben; und dann wird er wegen der Leugnung Gottes ein Verdammter. Jeder Mensch ist seinem Geiste nach seinesgleichen in der geistigen Welt beigesellt, und ist wie einer unter ihnen; und es ist mir öfter gegeben worden, die Geister noch lebender Menschen, einige in engelischen und einige in höllischen Gesellschaften, zu sehen; auch ward mir gegeben, tagelang mit ihnen zu reden, und ich wunderte mich, daß der Mensch selbst, der noch in seinem Körper lebte, gar nichts davon wußte; hieraus war offenbar, daß der, welcher Gott leugnet, schon unter den Verdammten ist, und daß er nach dem Tode zu den Seinen versammelt wird.  

15. VIII. Beim Menschen, der nicht einen Gott anerkennt, sondern mehrere, hängt nichts von der Kirche zusammen.

Wer einen Gott im Glauben anerkennt und im Herzen verehrt, der ist in der Gemeinschaft der Heiligen auf Erden und in der Gemeinschaft der Engel in den Himmeln; diese heißen Gemeinschaften, und sind es auch, weil sie in dem einen Gott sind, und der eine Gott in ihnen ist; ebendieselben sind auch in Verbindung mit dem gesamten Engelhimmel, und ich möchte zu sagen wagen, mit allen und jeden in ihm; denn sie sind alle wie Kinder und Nachkommen aus einem Vater, deren Gesinnungen, Sitten und Gesichtszüge etwas Gleichartiges haben, woran sie sich gegenseitig erkennen. Der Engelhimmel ist in Gesellschaften zusammengeordnet gemäß allen Verschiedenheiten der Liebe zum Guten, welche Verschiedenheiten in einer allumfassendsten Liebe, welche die zu Gott ist, zusammentreffen; aus dieser Liebe sind alle entsprossen, welche einen Gott als Schöpfer des Weltalls, und zugleich als Erlöser und Wiedergebärer im Glauben anerkennen und im Herzen verehren. Ganz anders dagegen die, welche nicht einen, sondern mehrere Götter angehen und anbeten, oder auch einen mit dem Munde und drei im Denken anerkennen, wie dies diejenigen in der heutigen Kirche tun, welche Gott in drei Personen zerteilen, und jede Person für sich als Gott erklären, und jeder besondere Beschaffenheiten oder Eigenschaften, welche die andere nicht hat, zuschreiben; wovon dann die Folge ist, daß nicht nur die Einheit Gottes, sondern auch die Theologie selbst, und ebenso das menschliche Gemüt, in dem diese sein soll, tatsächlich zerspalten wird; was anders geht hieraus hervor, als Verwirrung und Verbandlosigkeit in den Dingen der Kirche? Daß dies der Zustand der heutigen Kirche ist, soll in einem Anhang zu diesem Werk nachgewiesen werden; 1 Äolus ist der griechische Windgott. der wahre Tatbestand ist, daß die Zerteilung Gottes oder des göttlichen Wesens in drei Personen, von denen jede für sich oder besonders genommen Gott ist, die Leugnung Gottes nach sich zieht; es ist, wie wenn jemand, um anzubeten, in einen Tempel tritt und auf einer Tafel über dem Altar den einen Gott als Alten der Tage, den anderen als Hohenpriester und den dritten als fliegenden Äolus1 gemalt sieht, mit der Unterschrift: diese drei sind ein Gott; oder etwa auch, wie wenn er darin die Einheit und die Dreiheit gemalt sähe als einen Menschen mit drei Köpfen auf einem Körper, oder mit drei Körpern unter einem Kopf; dies wäre die Gestalt eines Scheusals, und würde jemand mit einem solchen Denkbild in den Himmel eintreten, so würde er gewiß jählings hinabgestürzt werden, obschon er sagen würde, das Haupt oder die Häupter bedeuten das Wesen, und der Körper oder die Körper die besonderen Eigenschaften.   

16. Diesem will ich eine Denkwürdigkeit beifügen: Ich sah, wie einige, die erst vor kurzem aus der natürlichen Welt in die geistige Welt gekommen waren, miteinander sprachen über die drei göttlichen Personen von Ewigkeit; sie waren Domherrn gewesen, und einer von ihnen Bischof; diese traten zu mir heran, und nach einiger Unterredung über die geistige Welt, von der sie vorher gar nichts gewußt hatten, sagte ich: Ich hörte euch über die drei göttlichen Personen von Ewigkeit reden und bitte euch, mir dieses große Geheimnis nach euren Vorstellungen zu eröffnen, wie ihr dieselben in der natürlichen Welt, aus der ihr vor kurzem angekommen, gefaßt hattet; und nun heftete der Primas seinen Blick auf mich und sagte: Ich sehe, daß du ein Laie bist, und will dir daher die Vorstellungen meines Denkens über dieses große Geheimnis enthüllen und dich belehren; meine Vorstellungen waren und sind noch, daß Gott der Vater, Gott der Sohn, und Gott der Heilige Geist in der Mitte des Himmels auf herrlichen und erhabenen Stühlen oder Thronen sitzen; Gott der Vater auf einem Thron von gediegenem Gold mit dem Zepter in der Hand; Gott der Sohn zu Seiner Rechten auf einem Thron von feinstem Silber, mit einer Krone auf dem Haupt; und Gott der Heilige Geist neben ihnen auf einem Thron von glänzendem Kristall, eine Taube in der Hand haltend; und daß rings um sie her in dreifacher Reihe schwebende Lampen von Edelsteinen schimmern; und daß fernab von diesem Kreise unzählig viele Engel stehen, alle anbetend und lobpreisend; und dass überdies Gott der Vater Sich mit Seinem Sohn fortwährend bespricht über die, welche gerechtfertigt werden sollen, und daß Sie unter Sich beschließen und festsetzen, welche auf Erden würdig sein sollten, von ihnen unter die Engel aufgenommen und mit dem ewigen Leben gekrönt zu werden; ferner daß Gott der Heilige Geist, nachdem er ihre Namen vernommen, alsbald über den Erdkreis hin zu ihnen eile, die Gaben der Gerechtigkeit als ebenso viele Unterpfänder des Heiles für die zu Rechtfertigenden mit sich führend, und im Augenblick, wie er ankommt und anhaucht, die Sünden zerstreut, wie der Ventilator den Rauch aus dem Ofen und diesen weiß macht; wie er denn auch aus den Herzen die Härte des Steines hinwegnimmt und die Weichheit des Fleisches in sie bringt, und zugleich ihre Geister oder Gemüter erneuert, und sie von neuem gebiert, und ihnen ein kindliches Aussehen gibt, und endlich ihre Stirnen mit dem Zeichen des Kreuzes besiegelt, und sie Auserwählte und Kinder Gottes nennt. Nachdem jener Primas diese Rede beendigt, sagte er zu mir: So hab ich jenes große Geheimnis in der Welt entziffert, und da die meisten unseres Standes daselbst diesen meinen Aussprüchen Beifall gaben, so bin ich überzeugt, daß auch du, der du ein Laie bist, ihnen Glauben beimessen wirst. Auf diese Worte des Primas faßte ich ihn und zugleich die Domherren bei ihm ins Auge und bemerkte, daß diese alle mit vollem Beifall zustimmten; weshalb ich die Erwiderung begann und sagte: Ich habe die Aussprüche deines Glaubens erwogen und aus ihnen entnommen, daß du von dem dreieinigen Gott eine ganz natürliche und sinnliche, ja materielle Vorstellung gefaßt hast und hegst, aus der unvermeidlich die Vorstellung dreier Götter hervorgeht. Heißt es nicht sinnlich denken von Gott, dem Vater, daß Er auf einem Throne mit dem Zepter in der Hand sitze, und vom Sohn, daß Er auf Seinem Throne mit einer Krone auf dem Haupt und vom Heiligen Geist, daß er auf dem seinigen mit einer Taube in der Hand sitze, und je nach den vernommenen Beschlüssen den Erdkreis durchwandere?

Und weil sich eine solche Vorstellung aus ihnen ergibt, kann ich deinen Aussprüchen keinen Glauben beimessen: ich nämlich konnte von meiner Kindheit an keine andere Vorstellung in mein Gemüt aufnehmen, als die eines einzigen Gottes, und da ich bloß diese aufgenommen habe und festhalte, so fällt bei mir alles das, was du gesagt hast, zu Boden; und dann sah ich auch, daß unter dem Thron, auf dem nach der Schrift Jehovah sitzen soll, das Reich verstanden wird, unter Zepter und Krone die Regierung und Herrschaft, und unter dem Sitzen zur Rechten die Allmacht Gottes durch Sein Menschliches; und unter den Dingen, die dem Heiligen Geist zugeschrieben werden, die Wirksamkeiten der göttlichen Allgegenwart. Nimm nur, mein Herr, wenn es gefällig ist, die Idee eines Gottes an, und erwäge sie gehörig in deinem Denken, so wirst du zuletzt deutlich wahrnehmen, daß es so ist. Ihr saget zwar auch, daß ein Gott sei, und dies darum, weil ihr jenen drei Personen ein einziges und unteilbares Wesen gebt; dagegen aber gestattet ihr nicht, daß jemand sage, jener eine Gott sei eine Person, sondern daß es wirklich drei sein sollen, und dies tut ihr, damit nicht die Vorstellung von drei Göttern, wie ihr sie habt, verlorengehe; und dann sprechet ihr auch jeder Person eine Eigentümlichkeit zu, die von der der anderen geschieden ist; zerteilt ihr aber nicht hierdurch euer göttliches Wesen? Und ist dem so, wie könnt ihr sagen und zugleich denken, daß Gott einer sei? Ich würde es euch verzeihen, wenn ihr sagtet, daß ein Göttliches sei; wenn aber jemand hört, der Vater sei Gott, der Sohn sei Gott und der Heilige Geist sei Gott, und jede einzelne Person für sich sei Gott, wie kann er alsdann sich denken, daß Gott einer sei? Ist dies nicht ein Widerspruch, dem man niemals Glauben beimessen kann? Daß man auf diese Weise nicht von einem Gott, sondern nur von einem ähnlichen Göttlichen reden kann, mag durch folgendes beleuchtet werden: Von einer Mehrzahl von Menschen, die zusammen einen Senat, ein Kollegium oder ein Konzilium ausmachen, kann man nicht sagen, sie seien ein Mensch; haben aber alle und jede eine Meinung, so kann man sagen, sie denken eines; auch kann man nicht von drei Diamanten einer Substanz sagen, sie seien ein Diamant, sondern nur, daß sie eines der Substanz nach seien, und auch, daß jeder Diamant sich vom anderen unterscheide hinsichtlich des Werts je nach seinem eigenen Gewicht; anders aber, wenn es einer ist und nicht drei. Ich merke jedoch, daß ihr die drei göttlichen Personen, deren jede einzeln für sich Gott sein soll, darum einen Gott nennt und einschärfet, damit jeder in der Kirche so rede, weil die erleuchtete und gesunde Vernunft auf dem ganzen Erdkreis anerkennt, daß Gott einer ist, und ihr daher mit Schamröte übergossen werden müßtet, wenn nicht auch ihr so sprächet; dennoch aber zieht, indem ihr einen Gott aussprecht, obgleich ihr drei denkt, jenes Schamgefühlt doch nicht diese zwei Wörter in den Munde zurück, sondern ihr sprecht sie aus. Nachdem der Bischof diese Worte gehört hatte, zog er sich mit seinen Domherrn zurück, und wandte sich beim Weggehen um und wollte ausrufen: Es ist ein Gott; allein er vermochte es nicht, weil sein Denken seine Zunge zurückzog, und stieß dann mit weit geöffnetem Munde drei Götter heraus. Die Dabeistehenden lachten, als sie dieses Wunderzeichen sahen, laut auf, und gingen ab.  

17. Nachher erkundigte ich mich, wo ich wohl aus den Gebildeten diejenigen träfe, die den schärfsten Verstand haben, und für die in drei Personen geteilte göttliche Dreieinigkeit einstehen; und es standen drei da, zu denen ich sprach: Wie könnt ihr die göttliche Dreieinheit in drei Personen zerteilen und behaupten, daß jede Person für sich und einzeln genommen Gott und Herr sei? Ist nicht so das Bekenntnis des Mundes, daß Gott einer sei, ebenso weit von dem Gedanken entfernt, als der Mittag von der Mitternacht?

Hierauf erwiderten sie: Es ist gar nicht davon entfernt, weil die drei Personen ein Wesen haben, und das göttliche Wesen Gott ist. Wir waren in der Welt die Beschützer der Personendreiheit, und der Mündel, dessen Vormundschaft wir führten, war unser Glaube, in dem jede göttliche Person ihren Anteil erhalten hat; Gott der Vater den Anteil, daß Er zurechnet und schenkt, Gott der Sohn denjenigen, daß Er vertritt und vermittelt, und Gott der Heilige Geist denjenigen, daß er die wohltätigen Wirkungen der Zurechnung und Vermittlung in Anwendung bringt. Ich fragte nun aber: Was versteht ihr unter dem göttlichen Wesen? Sie sagten: Wir verstehen darunter die Allmacht, Allwissenheit, Allgegenwart, Unermeßlichkeit, Ewigkeit, Gleichheit der Majestät; worauf ich sagte: Wenn dieses Wesen aus mehreren Göttern einen macht, so könnt ihr noch mehrere hinzufügen, so zum Beispiel einen vierten, der bei Moses, Ezechiel und Hiob erwähnt, und Gott Schaddai genannt wird; ebenso machten es auch die Alten in Griechenland und Italien, die ihren Göttern, z.B. dem Saturn, Jupiter, Neptun, Pluto, Apollo, der Juno, der Diana, der Minerva, ja selbst dem Merkur und der Venus gleiche Attribute und so ein ähnliches Wesen zuschrieben; dennoch aber konnten sie nicht sagen, daß diese alle ein Gott seien; und auch ihr, die ihr drei seid, und, wie ich bemerke, von gleicher Gelehrsamkeit, und so hinsichtlich derselben von gleichem Wesen, könnt euch doch nicht in einen Gelehrten zusammenschmelzen. Darüber lachten sie aber und sagten: Du scherzest; anders verhält es sich mit dem göttlichen Wesen, dieses ist eines, und nicht dreigeteilt; es ist auch unteilbar und somit unzerteilt; Zertrennung und Zerteilung verträgt sich nicht mit demselben. Als ich das hörte, erwiderte ich: Lassen wir uns denn auf diesen Kampfplatz nieder und fechten hier die Sache aus! Und ich fragte: Was versteht ihr unter Person und was bedeutet sie? Sie erwiderten: Das Wort Person bedeutet nicht einen Teil oder eine Beschaffenheit in einem anderen, sondern was selbständig für sich besteht; so definieren alle Häupter der Kirche die Person und wir mit ihnen; ich frage dann: Ist dies die Definition der Person? Und sie antworteten:“Ja! Worauf ich erwiderte: Also ist kein Teil des Vaters im Sohn, noch irgendein Teil dieser beiden im Heiligen Geist; woraus denn folgt, daß jeder seine eigene Selbstbestimmung, Selbständigkeit und Gewalt hat, und somit nichts vorhanden ist, das verbindet, als der Wille, der jedem eigen und so nach Gefallen mitteilbar ist: Sind denn also die drei Personen nicht drei besondere Götter? Hört noch weiter: Ihr habt die Person auch dahin definiert, daß sie etwas sei, das selbständig für sich besteht, daß mithin drei Substanzen seien, in die ihr das göttliche Wesen zerteilt habt, und doch ist dieses, wie ihr ebenfalls sagt, unzertrennbar, weil es eines und unteilbar ist; und überdies schreibt ihr jeder Substanz, das heißt, Person, Eigenschaften zu, die nicht in der anderen sind, und die der anderen auch nicht mitgeteilt werden können, als da sind die Zurechnung, Vermittlung und Einwirkung; was ergibt sich aber auch hieraus anderes, als daß die drei Personen drei Götter sind? Auf diese Worte zogen sie sich zurück und sagten: Wir wollen die Sache [unter uns] besprechen, und nach der Besprechung antworten. Es stand ein gewisser Weiser dabei, der sagte, als er dies hörte: Ich will diesen erhabensten Gegenstand nicht durch so feine Gitter betrachten, sehe aber außerhalb jener Spitzfindigkeiten in hellem Lichte, daß in den Vorstellungen eures Denkens drei Götter sind, weil es jedoch eine Schande ist, sie vor der ganzen Welt kundzugeben, und man euch, wenn ihr sie verkündigen würdet, Verrückte und Narren heißen würde, so hilft es, um die Schmach zu vermeiden, daß ihr einen Gott mit dem Munde bekennet. Allein hierauf achteten jene drei, die beharrlich an ihrer Meinung festhielten, gar nicht, sondern murmelten beim Weggehen einige aus der Metaphysik entlehnte Kunstwörter hervor, woraus ich abnahm, daß diese ihr Dreifuß sein sollten, von dem herab sie die Antworten geben wollten.