IX. Es gibt einen wahren Glauben, einen unechten Glauben, und einen heuchlerischen Glauben

378. Die christliche Kirche fing schon von ihrer Wiege an, von Spaltungen und Irrlehren angefallen und zerteilt, und mit dem Fortgang der Zeit zerrissen und zerfleischt zu werden, kaum anders, als wie man von einem Menschen liest, der von Jerusalem nach Jericho hinabging und von Räubern umringt wurde, die ihn auszogen, ihm Wunden beibrachten und dann ihn halbtot liegen ließen: Luk.10/30, wodurch geschah, wie man liest von dieser Kirche bei Da.9/27: „Endlich über den Vogel der Greuel die Verödung, und bis zu der Vollendung und Entscheidung wird es über die Verwüstung triefen“, und nach den Worten des Herrn: „Dann wird das Ende kommen, wenn ihr sehen werdet den Greuel der Verödung, vorhergesagt von Daniel dem Propheten“: Matth.24/14,15. Ihr Los kann verglichen werden mit einem Schiff, das, mit Waren von größtem Wert beladen, und beim Auslaufen vom Hafen sogleich von Stürmen umhergetrieben wurde, und bald darauf im Meer Schiffbruch litt und untersankt, wo sodann seine Waren zum Teil von den Wassern verdorben, zum Teil von den Fischen in Stücke zerrissen wurden. Daß die christliche Kirche von ihrer Kindheit an in dieser Weise erschüttert und auseinandergerissen wurde, ist aus der Kirchengeschichte bekannt; so z.B. schon zur Zeit der Apostel von Simon, der seiner Herkunft nach ein Samariter und seinem Gewerbe nach ein Zauberer war, wovon in der Apg.8/9f. Und auch von Hymenäus und Philetus, die von Paulus im Brief an Timotheus erwähnt werden; wie auch von Nicolaus, von dem die Nicolaiten benannt sind, die in der Offb.2/6 und in der Apg.6/5 genannt werden; und überdies von Cerinth. Nach der Apostel Zeiten standen viele andere auf, z.B. die Marcioniten, Noetianer, Valentinianer, Enkratiten, Kataphryger, Quartodecimaner, Aloger, Katharer, Origenisten oder Adamantiner, Sabellianer, Samosatener, Manichäer, Meletianer, und zuletzt die Arianer. Nach deren Zeiten fielen auch Scharen von Sektenhäuptern die Kirche an, als da sind die Donatisten, Photinianer, Akatianer oder Semiarianer, Eunomianer, Macedonianer, Nestorianer, Prädestinatianer, Papisten, Zwinglianer, Anabaptisten, Schwenkfeldianer, Sinergisten, Socinianer, Antitrinitarier, Quäker, Herrenhuter, und viele andere mehr; und zuletzt erhielten über diese das Übergewicht Luther, Melanchthon und Calvin, deren Lehrbestimmungen heutzutage herrschen. Der Ursachen so vieler Spaltungen und Aufstände in der Kirche sind hauptsächlich drei, die erste, daß die göttliche Dreieinheit nicht verstanden wurde; die zweite, daß man keine richtige Erkenntnis des Herrn hatte; die dritte, daß man das Leiden am Kreuz für die Erlösung selbst nahm; solange man über diese drei Stücke, die doch die eigentlich wesentlichen des Glaubens sind, durch welche die Kirche Kirche genannt wird, sich in Unkunde befand, konnte es nicht anders sein, als daß man alle zur Kirche gehörigen Dinge linkisch und verschieden auffaßte, und zuletzt sie in entgegengesetzten Richtungen auseinanderzog, und wenn sie dort angelangt war, dennoch glaubte, sie sei im wahren Glauben an Gott, und im Glauben an alle Wahrheiten Gottes. Es verhält sich damit gerade wie mit denen, welche die Augen mit einer Binde verhüllen, und so in ihrer Phantasie geraden Weges fortschreiten, während sie doch Schritt für Schritt schief abweichen, und zuletzt in die entgegengesetzte Richtung geraten, wo eine Höhle ist, in die sie hineinfallen. Der Mensch der Kirche kann aber nicht anders von seiner Verirrung auf den Weg des Wahren zurückgebracht werden, als dadurch, daß er weiß, was der wahre Glaube, was der unechte Glaube, und was der heuchlerische Glaube ist; weshalb nachgewiesen werden soll,

I. daß der wahre Glaube ein einziger ist, und daß er ist der an den Herrn Gott Heiland Jesus Christus, und daß er bei denen ist, welche glauben, daß Er der Sohn Gottes, der Gott des Himmels und der Erde, und eins ist mit dem Vater.

II. Daß unechter Glaube jeder Glaube ist, der vom wahren abweicht, welcher ein einziger ist, und daß er bei denen ist, die anderswo einsteigen und den Herrn nicht als Gott, sondern bloß als Menschen ansehen.

III. Daß der heuchlerische Glaube kein Glaube ist.

379. I. Der wahre Glaube ist ein einziger, und ist der an den Herrn Gott Heiland Jesus Christus, und findet sich bei denen, welche glauben, daß Er der Sohn Gottes, der Gott des Himmels und der Erde, und eins ist mit dem Vater.

Der wahre Glaube ist ein einziger, weil der Glaube Wahrheit ist, und die Wahrheit nicht zerbrochen und zerschnitten werden kann, so daß ein Teil derselben nach der linken, und ein Teil nach der rechten sich hinwendete, und seine Wahrheit dennoch bliebe. Der Glaube besteht im allgemeinen Sinn aus unzähligen Wahrheiten, denn er ist ein Inbegriff derselben. Diese unzähligen Wahrheiten machen aber wie einen Leib aus, und in diesem Leib gibt es Wahrheiten, welche dessen Glieder bilden: einige bilden die Glieder, welche von der Brust abhängen, wie die Arme und Hände, einige die, welche von den Lenden abhängen, wie die Beine und Fußsohlen, die inwendigeren Wahrheiten hingegen bilden das Haupt, und die Wahrheiten, die zunächst von da ausgehen, bilden die Sinnesorgane, die im Angesicht sind. Daß die inwendigeren Wahrheiten das Haupt bilden, gründet sich darauf, daß, wenn das Inwendigere genannt wird, darunter auch das Höhere verstanden wird; denn in der geistigen Welt ist alles Inwendigere auch Höheres, und so verhält es sich mit den drei Himmeln daselbst. Dieses Leibes und all seiner Glieder Seele und Leben ist der Herr Gott Heiland, und daher kommt, daß die Kirche von Paulus genannt ward der Leib Christi, und daß die Menschen der Kirche je nach den Zuständen der Liebtätigkeit und des Glaubens bei ihnen die Glieder desselben bilden. Daß der wahre Glaube ein einziger sei, lehrt auch Paulus so: „Es ist ein Leib und ein Geist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott; Er gab das Werk des Dienstes zur Erbauung des Leibes Christi, bis daß wir alle gelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollkommenen Mann nach dem Maß des Alters der Fülle Christi“, an die Eph.4/4-6,12,13. Daß der wahre Glaube, welcher ein einziger ist, der an den Herrn Gott Heiland Jesus Christus ist, ist oben Nr. 337-339 vollständig gezeigt worden. Daß aber der wahre Glaube bei denen ist, welche glauben, daß der Herr der Sohn Gottes ist, hat seinen Grund darin, daß diese auch glauben, daß Er Gott ist, und der Glaube nicht Glaube ist, wenn er nicht Gott zum Gegenstand hat; daß dieser Punkt des Glaubens unter allen Wahrheiten, die in den Glauben eingehen und ihn bilden, der vornehmste ist, erhellt aus den Worten des Herrn an Petrus, als dieser sagte: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes; selig bist zu, Simon, Ich sage dir, auf diesen Fels will Ich Meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“: Matth.16/16-18. Unter dem Felsen wird hier, wie anderwärts im Wort, verstanden der Herr hinsichtlich des göttlichen Wahren und auch das göttliche Wahre vom Herrn; daß diese Wahrheit das Vornehmste, und wie das Diadem auf dem Haupt, und wie der Zepter in der Hand des Leibes Christi ist, erhellt aus den Worten des Herrn, daß Er auf diesen Fels Seine Kirche bauen werde, und daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden. Daß dieser Glaubenspunkt solcher Art ist, erhellt auch aus folgendem bei 1Joh.4/15: „Ein jeglicher, der bekennt, daß Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er in Gott“.

Außer diesem unterscheidenden Merkmal, daß man im wahren Glauben ist, der ein einziger ist, gibt es auch ein zweites, daß man nämlich glaube, daß der Herr der Gott des Himmels und der Erde ist; dies folgt aus dem vorigen, daß Er der Sohn Gottes sei, und aus folgenden Stellen: „daß in Ihm die ganze Fülle der Gottheit sei“: Kol.2/9, „daß alles, was der Vater hat, Sein sei“: Joh.3/35; 16/15.

Das dritte Zeichen, daß die, welche an den Herrn glauben, inwendig im Glauben an Ihn, somit im wahren Glauben, der ein einziger ist, sind, [ist das], daß sie glauben, daß der Herr eins ist mit Gott dem Vater; daß Er einer ist mit Gott dem Vater, und daß Er der Vater selbst im Menschlichen ist, ist vollständig gezeigt worden im Kapitel vom Herrn und der Erlösung, und erhellt augenscheinlich aus den Worten des Herrn selbst, daß der Vater und Er eins seien: Joh.10/30, daß der Vater in Ihm, und Er im Vater sei: Joh.10/38; 14/10,11, daß Er zu den Jüngern sagte, von nun an hätten sie den Vater gesehen und kennengelernt, und daß Er Philippus anblickte und sprach: nun sehe und kenne er den Vater: Joh.14/7f.

Daß diese drei Stücke die charakteristischen Zeugnisse seien, daß man im Glauben an den Herrn, somit im wahren Glauben ist, der ein einziger ist, hat seinen Grund darin, daß nicht alle die, welche sich an den Herrn wenden, im Glauben an Ihn sind; denn der wahre Glaube ist ein innerer und zugleich ein äußerer. Die, bei denen jene drei Köstlichkeiten des Glaubens sind, sind sowohl im Inneren jenes Glaubens, als im Äußeren desselben, und so ist derselbe nicht nur ein Schatz in ihren Herzen, sondern auch ein Kleinod in ihrem Munde. Anders bei denen, die Ihn nicht als Gott des Himmels und der Erde und nicht als einen mit dem Vater anerkennen; diese blicken auch inwendig auf andere Götter hin, welche gleiche Gewalt haben, die aber auszuüben sei vom Sohn, entweder als Stellvertreter, oder als dem, der um der Erlösung willen verdient habe, zu herrschen über die, welche er erlöst hat; allein solche zerreißen den wahren Glauben durch die Teilung der Einheit Gottes, nach deren Zerreißung derselbe nicht mehr Glaube ist, sondern nur ein Gespenst des Glaubens, das natürlich angesehen wie irgendein Bild desselben erscheint, geistig angesehen aber zur Chimäre wird. Wer kann leugnen, daß der wahre Glaube der an einen Gott ist, welcher der Gott des Himmels und der Erde ist, mithin an Gott den Vater in menschlicher Gestalt, somit an den Herrn? Jene drei Charaktere, Zeugen und Zeichen, daß der Glaube an den Herrn der Glaube selbst ist, sind wie Probiersteine, durch die das Gold und Silber erkannt wird; auch sind sie wie Steine oder Hände an den Wegen, die den Weg zum Tempel zeigen, wo der eine und wahre Gott verehrt wird. Sie sind ferner wie Lampen auf Felsen im Meer, an denen die Schiffenden in den Nächten erkennen wo sie sind, und mit welchem Wind sie die Schiffe richten sollen. Das erste Merkmal des Glaubens, daß nämlich der Herr der Sohn des lebendigen Gottes ist, ist wie der Morgenstern für alle, die in Seine Kirche eingehen.

380. II. Unechter Glaube ist jeder Glaube, der vom wahren, der ein einziger ist, abweicht, und ist bei denen, die anderswoher einsteigen, und den Herrn nicht als Gott, sondern nur als Menschen ansehen.

Daß jeder Glaube, der vom wahren, der ein einziger ist, abweicht, ein unechter Glaube ist, ist für sich klar; denn wenn der einzige Wahrheit ist, so folgt, daß das, was davon abweicht, nicht Wahrheit ist. Alles Gute und Wahre der Kirche entsprießt aus der Vermählung des Herrn und der Kirche, somit stammt alles das, was wesentlich Liebtätigkeit und wesentlich Glaube ist, aus dieser Ehe, während dagegen alles das, was jene beiden nicht aus ihr haben, nicht aus gesetzmäßigem, sondern gesetzwidrigem Ehebett, somit entweder die Frucht eines polygamischen Ehebettes, das heißt, der Vielweiberei oder des Ehebruchs ist. Aus Vielweiberei stammt aller Glaube, der den Herrn anerkennt und Falsches der Irrlehren annimmt; und ein aus dem Ehebruch stammender Glaube ist der, welcher drei Herren einer Kirche anerkennt; denn er ist entweder wie eine öffentliche Buhldirne, oder wie ein Weib, das an einen Mann verheiratet ist, und die Nächte zwei anderen verdingt, und während sei bei ihnen liegt, jeden ihren Mann heißt; daher kommt, daß der Glaube von diesen ein unehelicher heißt; solche nennt der Herr in vielen Stellen Ehebrecher, und versteht sie auch unter den Dieben und Räubern bei Joh.10/1,9: „Wahrlich, Ich sage euch, wer nicht durch die Tür eingeht in den Schafstall, sondern anderswoher einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber. Ich bin die Türe, geht jemand durch Mich ein, so wird er selig werde“. In den Schafstall eingehen heißt, in die Kirche, und heißt auch in den Himmel eingehen; und zwar auch in den Himmel, weil sie eins ausmachen, und nichts anderes den Himmel macht, als die Kirche in ihm; so wie daher der Herr der Bräutigam und Mann der Kirche ist, so ist Er auch der Bräutigam und Mann des Himmels. Ob der Glaube ein rechtmäßiger Sprößling oder ob er ein Bastard ist, kann man prüfen und erkennen an jenen drei Kennzeichen, von denen oben die Rede war, und welche sind die Anerkennung des Herrn als Sohn Gottes, die Anerkennung desselben als Gott des Himmels und der Erde, und die Anerkennung, daß Er einer ist mit dem Vater. Inwieweit also irgendein Glaube abweicht von diesen seinen wesentlichen Stücken, insoweit ist er ein unehelicher. Ein unehelicher und zugleich ehebrecherischer Glaube ist bei denen, die den Herrn nicht als Gott, sondern bloß als Menschen ansehen; daß dem so ist, stellt sich deutlich heraus an den zwei verabscheuungswerten Irrlehren, der Arianischen und der Socinianischen, die von der christlichen Kirche mit dem Fluch belegt und aus ihr verbannt worden sind, und dies darum, weil sie die Göttlichkeit des Herrn leugnen und anderswoher einsteigen. Ich fürchte jedoch, daß diese Greuel im allgemeinen Geist der Menschen der Kirche heutzutage verborgen liegen. Auffallend ist hierbei: Jesajah mehr einer glaubt, durch Bildung und Urteilskraft über andere hervorzuragen, desto geneigter ist er, vom Herrn die Vorstellung zu fassen und sich anzueignen, daß Er Mensch und nicht Gott sei, und daß Er, weil Er Mensch ist, nicht Gott sein könne; und wer diese Vorstellungen sich aneignet, der versetzt sich in die Genossenschaft der Arianer und Socinianer, die sich in der geistigen Welt in der Hölle befinden. Daß der gemeinsame Geist der Menschen der Kirche heutzutage von der Art ist, hat seinen Grund darin, daß bei jeglichem Menschen ein Geist als Mitgenosse ist; denn der Mensch kann ohne diesen nicht analytisch, vernunftmäßig und geistig denken, und wäre somit nicht Mensch, sondern unvernünftiges Tier; und jeder Mensch zieht sich einen Geist herbei, welcher der Neigung seines Willens und daraus dem Innewerden seines Verstandes ähnlich ist; demjenigen, der sich in gute Neigungen versetzt durch die Wahrheiten aus dem Wort und durch ein ihnen gemäßes Leben, wird ein Engel aus dem Himmel beigegeben; demjenigen hingegen, der sich in böse Neigungen hineinversetzt durch Bestärkungen in falschen Ansichten und durch ein böses Leben, gesellt sich ein Geist aus der Hölle bei, nach dessen Beigesellung der Mensch mehr und mehr eine Art von Brüderschaft mit den Satanen eingeht, und nun mehr und mehr sich bestärkt in Falschem wider die Wahrheiten im Wort, und in dem Arianischen und Socianischen Greuel wider den Herrn. Die Ursache ist, weil allen Satanen unerträglich ist, irgendeine Wahrheit aus dem Wort oder auch Jesum nennen zu hören; wenn sie dergleichen hören, so werden sie wie Furien, rennen hin und her, und brechen in Lästerungen aus; und fließt dann Licht aus dem Himmel ein, so stürzen sie sich jählings in Höhlen und in ihre Finsternis, in der sie ein Licht haben, wie die Nachteulen im Finstern, und wie die Katzen in den Kellern, wenn sie den Mäusen eifrig nachstellen. Von dieser Art werden nach dem Tode alle die, welche die Göttlichkeit des Herrn und die Heiligkeit des Wortes im Herzen und im Glauben leugnen; ihr innerer Mensch ist so beschaffen, wie sehr auch der äußere den Schauspieler macht, und sich in einen Christen verstellt; daß dem so ist, weiß ich, weil ich es gesehen und gehört habe. Bei allen denen, die den Herrn bloß mit dem Mund und den Lippen als Erlöser und Seligmacher ehren, im Herzen und im Geist aber Ihn als bloßen Menschen ansehen, ist, während sie jenes aussprechen und lehren, ihr Mund wie ein Honigschlauch, das Herz aber wie ein Galleschlauch; ihre Worte sind wie Zuckerbrote, die Gedanken hingegen wie Emulse von Aconit; auch sind sie wie Pasteten, in denen Pfeilschlangen sind; sind sie Geistliche, so sind sie wie Seeräuber im Meer, welche die Flagge eines im Frieden befindlichen Reichs aushängen, sobald aber ein in der Nähe befindliches Schiff bei ihnen als bei Freunden anlangt, die Seeräuberflagge statt jener aufziehen und das Schiff samt seiner Bemannung in die Gefangenschaft wegführen. Sie sind auch wie die Schlangen des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen, welche herzutreten wie Engel des Lichts, in der Hand haltend Äpfel von da, mit rot-gelben Farben bemalt, als wären sie vom Baum des Lebens genommen, und sie hinreichen und sprechen: „Gott weiß, daß, welchen Tages ihr davon esset, eure Augen werden geöffnet, und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses“: 1Mo.3/5, und haben sie davon gegessen, so folgen sie der Schlange in die Unterwelt, und wohnen mit ihr zusammen; um jene Unterwelt her sind die Satane, die von den Äpfeln des Arius und Socinus gegessen haben. Sie werden auch verstanden unter dem, der, ohne mit einem Hochzeitkleid angetan zu sein, hineintrat, und in die äußerste Finsternis geworfen wurde: Matth.22/11-13. Das hochzeitliche Kleid ist der Glaube an den Herrn als Sohn Gottes, als Gott des Himmels und der Erde, und als einen mit dem Vater. Diejenigen, die den Herrn bloß mit dem Mund und den Lippen ehren, im Herzen und im Geist aber Ihn als bloßen Menschen ansehen, sind, wenn sie ihre Gedanken öffnen und anderen einreden, geistige Menschenmörder, und die Schlimmsten unter ihnen geistige Menschenfresser; denn der Mensch hat sein Leben aus der Liebe und dem Glauben an den Herrn, wird aber dies Wesentliche des Glaubens und der Liebe entfernt, daß der Herr der Mensch gewordene Gott und der Gott gewordene Mensch ist, so wird sein Leben zum Tode; so wird also der Mensch getötet und verschlungen wie ein Lamm vom Wolf.

381. III. Der heuchlerische Glaube ist kein Glaube.

Der Mensch wird ein Heuchler, wenn er viel an sich denkt und sich anderen vorzieht; denn so gibt er den Gedanken und Neigungen seines Gemüts die Richtung seinem Körper zu, und gießt sie diesem ein und verbindet sie mit dessen Sinnen; infolgedessen wird der Mensch natürlich, sinnlich und fleischlich, und alsdann kann sein Gemüt nicht vom Fleisch, mit dem es zusammenhängt, abgezogen und zu Gott erhoben werden, noch etwas von Gott im Licht des Himmels, das heißt, nichts Geistiges sehen. Und weil er ein fleischlicher Mensch ist, so erscheinen die geistigen Dinge, die eindringen, was durch das Gehör in den Verstand geschieht, ihm nicht anders denn als Gespenster und als Flocken in der Luft, ja als Fliegen um den Kopf eines laufenden und dampfenden Pferdes, weshalb er im Herzen sie verhöhnt; denn daß der natürliche Mensch das, was des Geistes ist, oder die geistigen Dinge als Verrücktheiten betrachtet, ist bekannt. Der Heuchler ist unter den natürlichen Menschen der unterst-natürliche, denn er ist sinnlich, weil sein Gemüt eng verknüpft ist mit den Sinnen seines Körpers, und daher nichts anderes sehen mag, als was seine Sinne darreichen, und die Sinne, weil sie in der Natur sind, nötigen das Gemüt, über jedes Ding aus der Natur zu denken, somit auch über alle Dinge des Glaubens. Wird ein solcher Heuchler Prediger, so behält er zwar die Dinge im Gedächtnis, die in seinem Knabenund Jünglingsalter über den Glauben gesprochen worden waren; weil aber inwendig in denselben nichts Geistiges ist, sondern bloß Natürliches, so sind sie, wenn er dieselben der Versammlung vorträgt, nichts als seelenlose Wörter; daß sie wie beseelt klingen, kommt von den Lustreizen der Selbst- und Weltliebe her, von denen aus sie Jesajah nach der Wohlredenheit Klang haben, und die Ohren fast ebenso anfächeln, wie die Wohlklänge des Gesanges zu tun pflegen. Der heuchlerische Prediger lacht, wenn er nach der Predig nach Hause zurückkehrt, über alles, was er über den Glauben und was er aus dem Wort der Versammlung vorgetragen hat, und sagt vielleicht zu sich: „Ich habe das Netz in den Teich ausgeworfen, und Butten und Schnecken gefangen“; denn als solche erscheinen ihm in seiner Phantasie alle, welche im wahren Glauben sind. Der Heuchler ist wie ein Schnitzbild, das einen Doppelkopf hat, den einen innerhalb des anderen; der innere hängt mit dem Rumpf oder Leib zusammen, der äußere, der sich rings um den inneren herumdrehen kann, ist vorne mit echten Farben gemalt wie ein Menschengesicht, nicht unähnlich den hölzernen Köpfen, die vor den Buden der Haarkünstler ausgestellt sind. Er ist wie ein Fahrzeug, das der Schiffer durch die Stellung des Segels mit dem Wind oder gegen den Wind nach Belieben lenken kann. Seine Gunst für jeden, der seinen Fleisches- und Sinnesreizen frönt, ist ein solches Segeln. Geistliche, die Heuchler sind, sind vollkommene Schauspieler, Gebärdenkünstler und Gaukler, welche die Rollen von Königen, Herzogen, Primaten, Bischöfen spielen können, und gleich darauf, wenn sie die Theaterkleider abgelegt haben, in schlechte Häuser gehen und mit feilen Dirnen zusammenwohnen. Sie sind auch wie Türen, die in einer runden Angel hängen, und hinein- und herauswärts gewendet werden können; von dieser Art ist ihr Gemüt; denn dieses kann nach der Seite der Hölle und nach der des Himmels hin sich auftun, und ist es gegen die eine Seite hin aufgetan, so ist es gegen die andere hin verschlossen.

Denn merkwürdigerweise, wissen sie zur Zeit, da sie den Gottesdienst verrichten und die Wahrheiten aus dem Wort lehren, nichts anderes, als daß sie dieselben glauben; denn alsdann ist die Tür gegen die Hölle hin verschlossen; sobald sie aber nach Hause zurückkehren, glauben sie gar nichts, denn dann ist die Tür gegen den Himmel hin verschlossen. Bei den Heuchlern höchsten Grades ist innerliche Feindschaft gegen alle wahrhaft geistigen Menschen; sie ist nämlich wie die der Satane gegen die Engel des Himmels. Daß es so ist, wird von ihnen nicht empfunden, zur Zeit da sie in der Welt leben; es stellt sich aber nach dem Tode heraus, wenn ihr Äußeres, durch das sie sich in einen geistigen Menschen verstellt hatten, weggenommen ist; denn es ist ihr innerer Mensch, der ein solcher Satan ist. Ich will aber sagen, wie die geistigen Heuchler, - welche die sind, „die in Schafskleidern einhergehen und inwendig reißende Wölfe sind“: Matth.7/15 - vor den Engeln des Himmels erscheinen: sie erscheinen wie Wahrsager, die auf den flachen Händen gehen, und Gebete sprechen und mit dem Mund aus dem Herzen heraus Dämonen anrufen und sie küssen, die Schuhe aber in der Luft zusammenschlagen und so zu Gott hinauf sich hören lassen; stehen sie aber auf ihren Füßen, so erscheinen sie hinsichtlich der Augen wie Pardel, hinsichtlich des Ganges wie Wölfe, hinsichtlich des Mundes wie Füchse, hinsichtlich der Zähne wie Krokodile, und hinsichtlich des Glaubens wie Geier.