Es gibt eine unechte Liebtaetigkeit, eine heuchlerische Liebtätigkeit und eine tote Liebtätigkeit

450. Es gibt keine echte, lebendige Liebtätigkeit außer der, die eins ausmacht mit dem Glauben, und beide verbunden, müssen ihr Absehen auf den Herrn haben; denn diese drei, der Herr, die Liebtätigkeit und der Glaube sind die drei wesentlichen Erfordernisse des Heils, und wenn sie eins ausmachen, so ist die Liebtätigkeit Liebtätigkeit, und der Glaube ist Glaube, und der Herr ist in ihnen und sie im Herrn (man sehe oben Nr. 363-367, und Nr. 368-372). Wo hingegen diese drei nicht verbunden sind, da ist die Liebtätigkeit entweder unecht oder heuchlerisch oder tot. Es gab im Christentum von der Zeit seiner Gründung an verschiedene Irrlehren, und gibt deren auch heutzutage, in deren jeder diese drei wesentlichen Erfordernisse, nämlich Gott, die Liebtätigkeit und der Glaube, anerkannt wurden und anerkannt werden; denn ohne diese drei gibt es keine Religion. Was insbesondere die Liebtätigkeit anbelangt, so kann sie jedem Irrglauben beigesellt werden, wie dem Glauben der Socinianer, dem Glauben der Enthusiasten, dem Glauben der Juden, ja dem Glauben der Götzendiener, und von allen diesen kann sie für Liebtätigkeit gehalten werden, weil sie in der äußeren Gestalt ihr ähnlich erscheint; gleichwohl jedoch verändert sie ihre Beschaffenheit Jesajah nach dem Glauben, dem sie beigefügt oder mit dem sie verbunden wird; daß dem so sei, sehe man in dem Kapitel vom Glauben.

451. Alle Liebtätigkeit, die nicht verbunden ist mit dem Glauben an einen Gott, in Dem eine göttliche Dreieinheit ist, ist unecht; wie die Liebtätigkeit der heutigen Kirche, deren Glaube auf drei Personen von derselben Göttlichkeit in aufeinanderfolgender Ordnung geht, auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, und so denn, weil auf drei Personen, von denen jede ein für sich bestehender Gott ist, an drei Götter.

Diesem Glauben kann, wie dies auch von seinen Verteidigern geschehen ist, die Liebtätigkeit angehängt, niemals aber mit ihm verbunden werden, und die dem Glauben bloß angehängte Liebtätigkeit, ist nur eine natürliche und nicht eine geistige, daher sie eine unechte Liebtätigkeit ist. Ebenso die Liebtätigkeit vieler anderer Irrlehren, wie z.B. derer, welche die göttliche Dreieinheit leugnen und darum bloß an Gott den Vater sich wenden, oder bloß an den Heiligen Geist, oder an beide, mit Ausschluß Gottes, des Heilandes; mit dem Glauben von diesen kann die Liebtätigkeit nicht verbunden werden, und wird sie verbunden oder angehängt, so ist sie eine unechte: sie heißt eine unechte, weil sie wie der Sprößling aus einem ungesetzlichen Ehebett ist, wie z.B. der Sohn der Hagar von Abraham, der aus dem Hause verstoßen ward: 1Mo.21/9.

Eine solche Liebtätigkeit ist wie eine dem Baum nicht angewachsene, sondern ihm bloß mit der Nadel angeheftete Frucht; auch ist sie wie ein Wagen, vor dem die Pferde nicht anders, als mittelst der Zügel in den Händen des Lenkers, angespannt sind, und wenn sie auslaufen, den Wagenlenker vom Sitz ziehen und den Wagen zurücklassen.

452. Heuchlerische Liebtätigkeit aber ist bei denen, die in der Kirche und zu Hause beinahe bis zum Fußboden sich vor Gott demütigen, lange Gebete andächtig hersagen, eine heilige Miene annehmen, die Bilder des Kreuzes und die Gebeine der Toten küssen, und nun vor den Gräbern niederknien und hier mit dem Mund Worte heiliger Verehrung Gottes hermurmeln, und doch im Herzen den Dienst des eigenen Ichs hegen und danach trachten, gleich Göttern angebetet zu werden. Solche gleichen denen, die der Herr schildert mit folgenden Worten: „Wenn du Almosen gibst, so posaune nicht vor dir her, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Straßen, damit sie von den Leuten gepriesen werden, und wenn du betest, so sei nicht wie die Heuchler, die gerne in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden“: Matth.6/2,5. „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Daß ihr das Himmelreich verschließet vor den Menschen; denn ihr gehet nicht hinein, und diejenigen, die hineingehen wollen, lasset ihr nicht hineingehen. Wehe euch, ihr Heuchler! Die ihr Meer und Land umziehet, um einen Proselyten zu machen, und wenn er es geworden, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt ärger, denn ihr seid. Wehe euch, ihr Heuchler! Weil ihr das Äußere des Bechers und der Schüssel reinigt, das Inwendige aber ist voll Raubs und Unmäßigkeit“: Matth.23/[13]14,15,25.

„Treffend hat von euch Heuchlern Jesajas geweissagt, wenn er sprach: dieses Volk ehrt Mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist ferne von Mir“: Mark.7/6. „Wehe euch, ihr Heuchler! Daß ihr seid wie die Gräber, die man nicht sieht, so daß die Menschen, die darauf wandeln, nichts davon wissen“: Luk.11/44, und so auch anderwärts. Sie sind wie Fleisch ohne Blut, wie Raben und Papageien, welche gelernt haben, Worte aus einem Psalm auszusprechen, und wie Vögel, welche die Melodie eines heiligen Liedes zu singen gelernt haben; der Ton ihrer Rede ist wie der Ton der Pfeife eines Vogelstellers.

453. Eine tote Liebtätigkeit aber ist bei denen, die einen toten Glauben haben, weil wie der Glaube, so auch die Liebtätigkeit ist; daß sie eins ausmachen, ist im Kapitel vom Glauben gezeigt worden; daß der Glaube tot ist bei denen, die ohne Werke sind, erhellt aus dem Brief des Jakobus 2/17,20. Außerdem ist der Glaube tot bei denen, die nicht an Gott, sondern an lebendige und tote Menschen glauben, und die Bilder als an sich heilig verehren, wie ehemals die Heiden; die Weihegeschenke derer, die in diesem Glauben sind, die sie um des Heils willen den sogenannten wundertätigen Bildern zuwenden, und sie unter die Werke der Liebtätigkeit zählen, sind nichts anderes als jenes Gold und Silber, das man in die Urnen und Leichensteine der Toten legte, ja wie die dem Cerberus dargereichten Klößchen, und das Fahrgeld, das man dem Charon gab, um in die elisäischen Felder hinüber geführt zu werden. Die Liebtätigkeit derjenigen hingegen, die glauben, es sei kein Gott, sondern statt Gottes die Natur, ist weder eine unechte, noch eine heuchlerische, noch eine tote, sondern gar keine, weil sie gar keinem Glauben beigefügt ist; denn Liebtätigkeit kann man sie nicht nennen, weil deren Beschaffenheit durch den Glauben bestimmt wird; die Liebtätigkeit solcher ist, vom Himmel aus betrachtet, wie Brot aus Asche, Zwieback aus Fischschuppen, und wie Früchte von Wachs.