Es gibt drei allgemeine Liebesgattungen, die Liebe des Himmels, die Liebe der Welt und die Liebe zu sich

394. Der Ausgangspunkt wird von diesen drei Liebesgattungen genommen, weil sie allumfassend sind und allen zugrunde liegen, und weil die Liebtätigkeit mit jeglicher von ihnen in Gemeinschaft steht; denn unter der Liebe des Himmels wird die Liebe zum Herrn und auch die Liebe gegen den Nächsten verstanden, und weil beide sich auf die Nutzleistung als ihren Endzweck beziehen, so kann sie die Liebe zu den Nutzwirkungen genannt werden. Die Liebe zur Welt ist nicht bloß die Liebe zu zeitlichen Gütern und Besitztümern, sondern auch die Liebe zu allem, was die Welt darreicht, und die Sinne des Körpers ergötzt, wie die Schönheit die Augen, die Harmonie die Ohren, der Wohlgeruch die Nase, die wohlschmeckenden Speisen den Gaumen, die sanften Berührungen die Haut, dann auch die anständigen Gewänder, die bequemen Wohnungen, die Gesellschaften, somit alle Genüsse aus diesen Dingen und aus vielen anderen Gegenständen. Die Liebe zu sich ist nicht bloß die Liebe zu Ehre, Ruhm, Geltung, Vorrang, sondern auch die Liebe, sich für Ämter zu befähigen, und sich dieselben zu verschaffen, und so über andere zu herrschen. Daß die Liebtätigkeit mit jeder dieser drei Liebesgattungen etwas gemein hat, hat seinen Grund darin, daß die Liebtätigkeit an sich betrachtet die Liebe zu Nutzleistungen ist; denn die Liebtätigkeit will dem Nächsten Gutes tun, und das Gute ist dasselbe mit der Nutzleistung, und jede von jenen Liebesgattungen hat ihr Absehen auf die Nutzleistungen als ihre Endzwecke: die Liebe des Himmels auf geistige Nutzleitungen, die Liebe der Welt auf natürliche Nutzleistungen, die man bürgerliche nennen, und die Liebe zu sich auf körperliche Nutzleistungen, die man auch häusliche für sich und die Seinigen nennen kann.

395. Daß diese drei Liebesgattungen in jeglichem Menschen von der Schöpfung und somit von der Geburt an sind, und daß sie, wenn sie einander gehörig untergeordnet sind, den Menschen vervollkommnen, widrigenfalls aber ihn verkehren, wird im folgenden Abschnitt nachgewiesen werden. Hier mag nur bemerkt werden, daß jene drei Liebesgattungen alsdann einander gehörig untergeordnet sind, wenn die Liebe des Himmels das Haupt, die Liebe der Welt die Brust und den Leib, und die Liebe zu sich die Füße und Fußsohlen bildet. Das menschliche Gemüt ist, wie oben einige Male gesagt worden ist, in drei Regionen abgeteilt; der Mensch hat aus der oberen Region sein Absehen auf Gott, aus der zweiten oder mittleren auf die Welt, aus der dritten oder untersten auf sich selbst; weil das menschliche Gemüt von der Art ist, so kann es erhoben werden und sich erheben nach oben, weil zu Gott und dem Himmel; es kann zerstreut werden und sich zerstreuen nach den Seiten allenthalben hin, weil in die Welt und in deren Natur, und es kann auch versenkt werden und sich versenken nach unten, weil zur Erde und in die Unterwelt; hierin sucht das Gesicht des Körpers dem Gesicht des Gemüts gleichzukommen, auch jenes kann aufblicken, umherblicken und hinabblicken. Das menschliche Gemüt ist wie ein Haus von drei Geschoßen, zwischen denen eine Verbindung durch Treppen besteht, und in deren obersten Engel aus dem Himmel wohnen, im mittleren Menschen aus der Welt, und im untersten Genien. Ein Mensch, in dem jene drei Liebesgattungen einander gehörig untergeordnet sind, kann nach Gefallen auf- und niedersteigen, und wenn er in das oberste Geschoß aufgestiegen ist, so ist er zusammen mit den Engeln wie ein Engel, und wenn er von da herabsteigt in das mittlere, so ist er hier zusammen mit Menschen wie ein Engelmensch, und steigt er aus diesem noch weiter herab, so ist er mit Genien zusammen wie ein Mensch der Welt, und unterweist, straft und zähmt sie. In einem Menschen, in dem jene drei Liebesgattungen einander gehörig untergeordnet sind, sind sie auch nebeneinander geordnet, so daß die höchste Liebe, welche die Liebe des Himmels ist, inwendig in der zweiten ist, welche die Liebe der Welt ist, und durch diese in der dritten oder untersten, welche die Liebe zu sich ist; und die Liebe, welche inwendig ist, leitet auch die, welche außerhalb ist, nach ihrem Wink. Ist daher die Liebe des Himmels inwendig in der Liebe der Welt, und durch diese in der Liebe zu sich, so schafft der Mensch in jeder derselben Nutzwirkungen aus dem Gott des Himmels. Diese drei Liebesgattungen sind im Wirken wie der Wille, der Verstand und die Handlung; der Wille fließt ein in den Verstand und versieht sich da mit den Mitteln, durch die er die Handlung hervorbringt. Doch hierüber wird man mehreres sehen im folgenden Abschnitt, in dem nachgewiesen werden wird, daß jene drei Liebesgattungen, wenn sie einander gehörig untergeordnet sind, den Menschen vervollkommnen; wenn sie aber einander nicht gehörig untergeordnet sind, ihn verkehren und umwenden.

396. Damit jedoch das, was folgt in diesem Kapitel, und in den folgenden vom freien Willen und von der Umbildung und Wiedergeburt, usw. im Licht der Vernunft sich klar herausstelle, ist notwendig, daß einiges vorausgeschickt werde über den Willen und Verstand, über das Gute und Wahre, über die Liebe im allgemeinen, über die Liebe der Welt und die Liebe zu sich im besonderen, über den inneren und den äußeren Menschen, und über den bloß natürlichen und den sinnlichen Menschen. Diese Dinge sollen aufgehellt werden, damit nicht die Vernunftanschauung des Menschen in Auffassung dessen, was weiter folgt, sich wie im Nebeldunst befinde, und in diesem gleichsam durch die Straßen der Stadt laufe, bis sie den Weg nach Hause nicht mehr weiß; denn was ist das Theologische ohne den Verstand, und wenn dieser beim Lesen des Wortes nicht erleuchtet wird, anderes, als wie eine Lampe in der Hand ohne angezündete Kerze, dergleichen in den Händen der fünf törichten Jungfrauen war, die kein Öl hatten?

Von dem einzelnen also in seiner Reihenfolge.

397. I. Über den Willen und Verstand.

1. Der Mensch hat zwei Vermögen, die sein Leben ausmachen, das eine heißt der Wille, und das andere der Verstand; sie sind unter sich geschieden, jedoch so geschaffen, daß sie eins ausmachen, und wenn sie eins sind, so heißen sie das Gemüt; sie sind daher das menschliche Gemüt, und alles Leben des Menschen ist hier in seinen Ausgangspunkten, und von da im Körper.

2. Wie alles im Weltall, was der Ordnung gemäß ist, sich auf das Gute und Wahre zurückbezieht, so alles beim Menschen auf den Willen und den Verstand, denn das Gute ist beim Menschen Angehör seines Willens, und das Wahre bei ihm ist Angehör seines Verstandes. Diese beiden Vermögen oder diese beiden Leben des Menschen sind nämlich die Behälter und Träger derselben: der Wille ist Behälter und Träger aller Dinge des Guten, und der Verstand ist Behälter und Träger aller Dinge des Wahren; das Gute und Wahre beim Menschen ist nirgend anderswo; und weil das Gute und Wahre beim Menschen nirgend anderswo ist, so sind auch die Liebe und der Glaube nirgend anderswo, da die Liebe Angehör des Guten und das Gute Angehör der Liebe ist, und ebenso der Glaube dem Wahren und das Wahre dem Glauben angehört.

3. Wille und Verstand machen auch den Geist des Menschen aus; denn seine Weisheit und Einsicht, und auch seine Liebe und Liebtätigkeit, und überhaupt sein Leben wohnen in ihnen; der Leib ist nur Gehorsam.

4. Nichts ist wichtiger zu wissen, als wie Wille und Verstand ein Gemüt ausmachen. Sie machen ein Gemüt aus, wie das Gute und das Wahre eins ausmachen; denn es besteht eine gleiche Ehe zwischen Willen und Verstand, wie zwischen dem Guten und Wahren. Welcherlei diese Ehe ist, wird aus dem erhellen, was gleich nachher vom Guten und Wahren angeführt werden wird, daß nämlich, wie das Gute das eigentliche Sein der Sache ist, und das Wahre das Existieren der Sache von daher ist, so der Wille beim Menschen das eigentliche Sein seines Lebens, und der Verstand das Existieren des Lebens von daher ist; denn das Gute, das Sache des Willens ist, bildet sich im Verstand und stellt sich sichtbar dar.

398. II. Über das Gute und Wahre.

1. Alles im Weltall, was in der göttlichen Ordnung ist, bezieht sich auf das Gute und Wahre zurück; es gibt nichts im Himmel und nichts auf der Welt, das sich nicht auf diese beiden zurückbezöge. Die Ursache ist, weil beides, sowohl das Gute, als das Wahre, von Gott ausgeht, von Dem alles ist.

2. Daraus erhellt, daß dem Menschen notwendig ist zu wissen, was das Gute und was das Wahre ist, und wie das eine sein Absehen auf das andere hat, und wie das eine sich mit dem anderen verbindet; am notwendigsten aber ist es dem Menschen der Kirche; denn wie alle Dinge des Himmels sich auf das Gute und Wahre zurückbeziehen, so auch alle Dinge der Kirche, weil das Gute und Wahre des Himmels auch das Gute und Wahre der Kirche sind.

3. Es ist der göttlichen Ordnung gemäß, daß das Gute und Wahre verbunden seien, und nicht getrennt, daß sie also eins und nicht zwei seien; denn verbunden gehen sie von Gott aus, und verbunden sind sie im Himmel, und darum sollen sie auch verbunden sein in der Kirche. Die Verbindung des Guten und Wahren heißt im Himmel eine himmlische Ehe; denn in dieser Ehe sind alle, die dort sind. Daher kommt, daß im Wort der Himmel einer Ehe verglichen, und daß der Herr genannt wird der Bräutigam und Mann, der Himmel aber die Braut und das Weib, ebenso die Kirche. Daß der Himmel und die Kirche so genannt werden, hat seinen Grund darin, daß die, welche darin sind, das göttliche Gute in den Wahrheiten aufnehmen.

4. Alle Einsicht und Weisheit, welche die Engel haben, stammt aus dieser Ehe, und gar keine aus dem vom Wahren getrennten Guten, noch aus dem vom Guten getrennten Wahren; ebenso verhält es sich mit dem Menschen der Kirche.

5. Da die Verbindung des Guten und Wahren das Bild einer Ehe ist, so ist offenbar, daß das Gute das Wahre liebt, und umgekehrt das Wahre das Gute liebt, und daß das eine mit dem anderen verbunden zu werden verlangt. Ein Mensch der Kirche, der nicht eine solche Liebe und ein solches Verlangen hat, ist nicht in der himmlischen Ehe, somit ist in ihm noch nicht die Kirche, weil die Verbindung des Guten und Wahren die Kirche macht.

6. Das Gute besteht aus vielerlei Arten; im allgemeinen gibt es ein geistig Gutes und ein natürlich Gutes, und beides verbunden im echten moralisch Guten. Wie das Gute ist, so sind auch die Wahrheiten; denn die Wahrheiten sind Angehör des Guten, und sind Formen des Guten.

7. Wie es sich mit dem Guten und Wahren verhält, so verhält es sich vermöge des Gegensatzes auch mit dem Bösen und Falschen; daß nämlich, so wie alles im Weltall was der göttlichen Ordnung gemäß ist, sich auf das Gute und Wahre bezieht, so auch alles, was gegen die göttliche Ordnung ist, sich auf das Böse und Falsche zurückbezieht. Ferner, daß wie das Gute mit dem Wahren verbunden zu werden liebt, so auch das Böse mit dem Falschen sich zu verbinden liebt, und umgekehrt. Dann auch, wie alle Einsicht und Weisheit aus der Verbindung des Guten und Wahren entspringt, so auch alle Verrücktheit und Torheit aus der Verbindung des Bösen und Falschen. Die Verbindung des Bösen und Falschen ist inwendig betrachtet keine Ehe, sondern ein Ehebruch.

8. Daraus, daß das Böse und das Falsche dem Guten und dem Wahren entgegengesetzt sind, ist offenbar, daß das Wahre nicht mit dem Bösen, und das Gute nicht mit dem Falschen verbunden werden kann. Wird Wahres Bösem beigefügt, so wird es nicht mehr Wahres, sondern Falsches, weil Verfälschtes; und wenn Gutes dem Falschen des Bösen beigefügt wird, so wird es nicht mehr Gutes, sondern Böses, weil Geschändetes. Hingegen das Falsche des Nicht-Bösen kann mit dem Guten verbunden werden.

9. Niemand, der im Bösen und dem Falschen daraus ist durch Begründung und Leben, kann wissen, was Gut und Wahr ist, weil er sein Böses für Gutes, und infolgedessen sein Falsches für Wahres hält. Jeder hingegen, der im Guten und dem Wahren daraus ist durch Begründung und Leben, kann wissen, was böse und falsch ist. Der Grund ist, weil alles Gute und dessen Wahres seinem Wesen nach Himmlisches ist, alles Böse dagegen und alles Falsche daraus seinem Wesen nach Höllisches ist, alles Himmlische aber im Licht, und alles Höllische in der Finsternis ist.

399. III. Über die Liebe im allgemeinen.

1. Das eigentliche Leben des Menschen ist seine Liebe, und wie die Liebe, so ist das Leben, ja, so der ganze Mensch beschaffen. Es ist aber die herrschende oder leitende Liebe, die den Menschen macht. Diese Liebe hat mehrere Arten von Liebe, welche Ausflüsse sind unter sich; diese erscheinen zwar unter anderer Gestalt, sind aber doch alle in der herrschenden Liebe, und machen mit ihr ein Reich aus. Die herrschende Liebe ist wie ihr König und Haupt; sie gibt ihnen die Richtung, und durch sie, als ihre Mittelzwecke zielt und strebt sie auf ihren Endzweck hin, der von allen der Erste und Letzte ist, und dies tut sie sowohl direkt, als indirekt.

2. Das, was Gegenstand der herrschenden Liebe ist, ist das, was über alles geliebt wird. Was der Mensch über alles liebt, das ist unausgesetzt gegenwärtig in seinem Denken, weil im Willen, und macht sein eigenstes Leben aus; wie zum Beispiel, wer zeitliche Güter über alles liebt, bestehen sie nun in Geld oder Besitzungen, der denkt in seinem Gemüt beständig darauf, wie er sich dieselben verschaffen möge, freut sich innigst, wenn er sie erwirbt, und ist innigst betrübt, wenn er sie verliert; sein Herz ist in denselben. Wer sich über alles liebt, der bringt alle Dinge in Beziehung auf sich, denkt an sich, redet von sich, und handelt wegen seiner, denn sein Leben ist ein Leben seines Ichs.  

3. Der Mensch hat das zum Endzweck, was er über alles liebt, auf dieses hat er sein Absehen bei allen und jeden Dingen. es ist in seinem Willen wie die verborgene Strömung eines Flusses, welche ihn zieht und fortreißt, auch während er anderes treibt; denn es ist das, was ihn beseelt. Dergleichen ist auch, was ein Mensch beim anderen ausforscht und auch sieht, und durch das er entweder ihn leitet, oder mit ihm handelt.

4. Der Mensch ist ganz so, wie das Herrschende seines Lebens; durch dieses unterscheidet er sich von anderen; diesem gemäß wird sein Himmel, wenn er gut, und wird seine Hölle, wenn er böse ist; dieses ist sein wirklicher Wille, sein Eigenes und seine Natur, denn es ist das Sein seines Lebens; dieses kann nach dem Tod nicht verändert werden, weil es der Mensch selbst ist.

5. Alles Angenehme, Beglückende und Beseligende kommt jedem aus seiner herrschenden Liebe und derselben gemäß; denn der Mensch nennt das angenehm, was er liebt, weil er es fühlt. Was er aber denkt und nicht liebt, das kann er wohl auch angenehm nennen, allein es ist nicht das Angenehme seines Lebens. Das Angenehme der Liebe ist, was dem Menschen das Gute, und das Unangenehme, was ihm das Böse ist.

6. Es gibt zwei Gattungen der Liebe, aus denen alles Gute und Wahre als aus seinen eigentlichen Quellen entspringt, und es gibt zwei Gattungen der Liebe aus denen alles Böse und Falsche kommt. Die zwei Gattungen der Liebe, aus denen alles Gute und Wahre stammt, sind die Liebe zum Herrn und die Liebe gegen den Nächsten; die beiden Gattungen der Liebe hingegen, aus denen alles Böse und Falsche kommt, sind die Liebe zu sich und die Liebe zur Welt; diese beiden Liebesgattungen sind, wenn sie herrschen, jenen beiden Gattungen der Liebe völlig entgegengesetzt.

7. Die beiden Gattungen der Liebe, [aus denen alles Gute und Wahre stammt, und] die, wie gesagt, die Liebe zum Herrn und die Liebe zum Nächsten sind, machen den Himmel beim Menschen, denn sie herrschen im Himmel; und weil sie den Himmel beim Menschen machen, so machen sie auch die Kirche bei ihm. Die beiden Liebesgattungen, aus denen alles Böse und Falsche kommt, und die, wie gesagt, die Liebe zu sich und die Liebe zur Welt sind, machen die Hölle beim Menschen, denn sie herrschen in der Hölle, und zerstören folglich auch die Kirche bei ihm.

8. Die beiden Gattungen der Liebe, aus denen alles Gute und Wahre stammt, und die, wie gesagt, die Liebesarten des Himmels sind, öffnen und bilden den inneren geistigen Menschen, weil sie in ihm wohnen. Die beiden Liebesgattungen hingegen, aus denen alles Böse und Falsche kommt, und die, wie gesagt, die Liebesarten der Hölle sind, verschließen und zerstören, wenn sie herrschen, den inneren geistigen Menschen, und machen, daß der Mensch natürlich und sinnlich ist Jesajah nach der Größe und Beschaffenheit ihrer Herrschaft.

400. IV. Über die Liebe zu sich und die Liebe zur Welt im besonderen.

1. Liebe zu sich ist, sich allein wohl wollen und anderen nicht, außer um seinetwillen, nicht einmal der Kirche, dem Vaterland, irgendeiner menschlichen Gesellschaft, oder dem Mitbürger; sowie auch ihnen wohl tun bloß um seiner eigenen Geltung, Ehre und Herrlichkeit willen, so, daß man, wenn man diese in dem Guten, das man ihnen tut, nicht sieht, in seinem Herzen spricht: Was nützt es? Warum dieses? Was wird mir dafür? Und so es unterläßt. Hieraus erhellt, daß der, welcher in der Liebe zu sich ist, nicht die Kirche liebt, nicht das Vaterland, noch die Gesellschaft, noch den Mitbürger, noch irgend etwas wahrhaft Gutes, sondern bloß sich und das Seinige.

2. Der Mensch ist in der Liebe zu sich, wenn er in dem, was er denkt und tut, nicht den Nächsten, somit nicht das Gemeinwesen, noch weniger den Herrn im Auge hat, sondern bloß sich und die Seinigen; folglich, wenn er alles um seinet- und der Seinigen willen tut, und wenn um des Gemeinwesens willen, dies nur geschieht um zu scheinen, und wenn des Nächsten wegen, damit dieser ihm günstig sei.

3. Um seinet- und der Seinigen willen, wird gesagt, denn wer sich liebt, liebt auch die Seinigen, und dies sind im besonderen seine Kinder und Enkel, und im allgemeinen alle, die eins mit ihm ausmachen, und die er die Seinigen nennt; diese und jene lieben heißt auch, sich lieben, denn er sieht sie gleichsam in sich, und sich in ihnen. Zu denen, die er die Seinigen nennt, gehören auch alle, die ihn loben, ehren und verehren. Die übrigen sieht er zwar mit den Augen seines Körpers als Menschen an, mit den Augen seines Geistes aber kaum anders als wie Gerippe.  

4. In der Liebe zu sich ist derjenige Mensch, der den Nächsten sich gegenüber gering achtet; der in ihm seinen Feind erblickt, wenn er ihm nicht günstig ist, und ihn nicht verehrt und hochschätzt. Noch mehr ist in der Liebe zu sich, wer deshalb den Nächsten haßt und verfolgt, und in noch höherem Grade, wer deshalb von Rache wider ihn glüht, und nach seinem Verderben trachtet; solche lieben am Ende die Grausamkeit.

5. Aus dem Vergleich mit der himmlischen Liebe kann erhellen, welcherlei die Liebe zu sich ist. Die himmlische Liebe ist, die Nutzwirkungen um der Nutzwirkungen willen lieben, oder das Gute um des Guten willen, das der Mensch der Kirche, dem Vaterland, der menschlichen Gesellschaft und dem Mitbürger leistet. Wer hingegen dieses um seinetwillen liebt, der liebt es nur als eine Dienerschaft, weil es ihm dient; daraus folgt, daß wer in der Liebe zu sich ist, will, daß die Kirche, das Vaterland, die menschlichen Gesellschaften und die Mitbürger ihm dienen, und nicht er ihnen; er stellt sich über sie, und sie unter sich.

6. Ferner, inwieweit jemand in der himmlischen Liebe ist, welche ist, die Nutzwirkungen und das Gute lieben, und sich bei Leistung desselben herzinnig freuen, insoweit wird er vom Herrn geführt, weil dies die Liebe ist, in der Er ist, und die von Ihm kommt. Inwieweit hingegen jemand in der Liebe zu sich ist, insoweit wird er von sich selbst geführt, und insoweit wird er von seinem Eigenen geführt, und das Eigene des Menschen ist nichts als Böses; denn es ist sein anererbtes Böse, das darin besteht, sich mehr als Gott, und die Welt mehr als den Himmel zu lieben.

7. Die Liebe zu sich ist auch von der Art, daß sie, inwieweit ihr die Zügel gelassen werden, das heißt, die äußeren Bande entfernt werden, welche sind die Furcht vor dem Gesetz und dessen Strafen, und vor dem Verlust des guten Rufs, der Ehre, des Erwerbs, des Amtes und des Lebens, insoweit sich verrennt, bis dahin, daß sie nicht nur über den ganzen Erdkreis, sondern auch über den Himmel, ja über Gott selbst gebieten will; nirgends ist für sie eine Grenze oder ein Ende. Dies liegt in jedem verborgen, der in der Liebe zu sich ist, obgleich es sich nicht herausstellt vor der Welt, in der ihn die erwähnten Zügel und Bande zurückhalten; und jeder von dieser Art bleibt, wo ihm eine Unmöglichkeit aufstößt, dabei stehen, bis sie zur Möglichkeit wird. Von diesem und jenem rührt her, daß ein Mensch, der in solcher Liebe ist, nicht weiß, daß dergleichen wahnsinnige, keine Grenzen kennende Gier in ihm verborgen liegt. Daß aber dem so ist, kann jeder sehen an Machthabern und Königen, die keine solche Zügel, Bande und Unmöglichkeiten haben; diese dringen vor und unterjochen Provinzen und Reiche, soweit es ihnen gelingt, und schnauben nach grenzenloser Macht und Herrlichkeit; und mehr noch an denen, die ihre Herrschgewalt bis in den Himmel ausdehnen, und alle göttliche Gewalt des Herrn auf sich übertragen; diese gieren fort und fort weiter.

8. Es gibt zweierlei Gattungen der Herrschaft, die eine ist die der Nächstenliebe, und die andere die der Selbstliebe; diese zweierlei Herrschaften sind einander entgegengesetzt. Wer aus der Nächstenliebe herrscht, will allen Gutes, und liebt nichts mehr, als Nutzen zu schaffen, somit anderen zu dienen, (anderen dienen heißt, anderen aus Wohl-Wollen wohl tun und Nutzen schaffen,) dies ist seine Liebe, und dies die Lust seines Herzens. Auch er empfindet, inwieweit er zu Würden erhoben wird, insoweit Freude, nicht der Würden wegen, sondern des Nutzens wegen, den er dann in größerem Umfang und in höherem Grad leisten kann; eine solche Herrschaft ist in den Himmeln. Wer hingegen herrscht aus Liebe zu sich, der will keinem Gutes, sondern bloß sich und den Seinigen. Die Nutzwirkungen, die er schafft, zielen bloß auf seine Ehre und seinen Ruhm ab, welche ihm die einzigen Nutzzwecke sind; anderen dienen, hat bei ihm zum Zweck, daß ihm gedient und gehuldigt und gehorcht werde. Er bewirbt sich um Würden, nicht um des Guten willen, das er dann leisten kann, sondern damit ihm Vorrang und Ruhm werde, und er dadurch in der Lust seines Herzens sei.

9. Die Liebe zum Herrschen bleibt auch bei jeglichem nach dem Leben in der Welt. Solchen aber, die in der Welt geherrscht hatten aus Nächstenliebe, wird auch in den Himmeln eine Herrschaft anvertraut, und dann herrschen nicht sie, sondern der Nutzzweck und das Gute, das sie lieben, und wenn der Nutzzweck und das Gute, so herrscht der Herr. Solche hingegen, die in der Welt geherrscht hatten aus Liebe zu sich, werden nach dem Tode abgeschafft und in Knechtschaft versetzt. Hieran werden die erkannt, die in der Liebe zu sich sind. Es kommt nicht darauf an, wie sie in der äußeren Gestalt erscheinen, ob übermütig, oder demütig; denn dergleichen ist im inneren Menschen, und der innere Mensch wird von den meisten verborgen, und der äußere abgerichtet, solche Dinge, die mit der Liebe des gemeinen Besten und des Nächsten zusammenhängen, somit das Gegenteil, lügnerisch zur Schau zu tragen, und zwar dies auch um ihrer selbst willen; denn sie wissen, daß die Liebe des gemeinen Besten und des Nächsten alle inwendig anspricht, und daß sie nach Maßgabe derselben geschätzt werden. Daß sie anspricht, hat seinen Grund darin, daß der Himmel in jene Liebe einfließt.

10. Das Böse, das bei denen ist, die in der Selbstliebe sind, ist im allgemeinen Geringschätzung anderer, Mißgunst, Feindschaft gegen die, welche ihnen nicht günstig sind, Feindseligkeit infolgedessen, Haß verschiedener Art, Rache, Arglist, Tücke, Unbarmherzigkeit, Grausamkeit; und wo dergleichen Böses ist, da ist auch Verachtung Gottes und der göttlichen Dinge, welche die Wahrheiten und das Gute der Kirche sind; und wenn sie diese ehren, so geschieht es bloß mit dem Mund und nicht mit dem Herzen. Und weil dergleichen Böses von daher stammt, so kommt daher auch ähnliches Falsche; denn aus dem Bösen kommt Falsches.

11. Die Liebe zur Welt aber ist, die zeitlichen Güter anderer an sich bringen wollen durch jegliche Kunst, und das Herz in den Reichtum setzen, und sich durch die Welt abziehen und abführen lassen von der geistigen Liebe, welche die Nächstenliebe ist, somit vom Himmel. In der Weltliebe sind diejenigen, welche die Güter anderer an sich bringen wollen durch mancherlei Kunstgriffe, besonders die es durch Arglist und Betrügereien tun, und dabei das Gute des Nächsten für Nichts achten. Solche, die in dieser Liebe sind, gelüstet nach den Gütern anderer, und inwieweit sie die Gesetze nicht fürchten und den Verlust ihres Rufes als eines Mittels zum Erwerb, berauben, ja plündern sie dieselben.

12. Allein die Liebe zur Welt ist nicht in solchem Grad der himmlischen Liebe entgegengesetzt, in dem es die Liebe zu sich ist, weil nicht so großes Böse in ihr verborgen liegt.

13. Diese Liebe ist vielfacher Art: es gibt eine Liebe zu den zeitlichen Gütern, um zu Ehrenstellen erhoben zu werden; es gibt eine Liebe zu Ehrenstellen und Würden, um durch sie zeitliche Güter zu erlangen; es gibt eine Liebe zu zeitlichen Gütern um mancherlei Nutzzwecke willen, die in der Welt ergötzen; es gibt eine Liebe zu zeitlichen Gütern bloß um der zeitlichen Güter willen, - eine solche Liebe haben die Geizigen; usw. Der Endzweck, um dessentwillen zeitliche Güter [gesucht werden,] heißt der Nutzzweck, und der End- oder Nutzzweck ist es, von dem die Liebe ihre Beschaffenheit hernimmt; denn die Liebe ist so beschaffen, wie ihr Endzweck, auf den sie gerichtet ist; das übrige dient ihr als Mittel.

14. Mit einem Wort, die Liebe zu sich und die Liebe zur Welt sind ganz entgegengesetzt der Liebe zum Herrn und der Liebe gegen den Nächsten; weshalb die Selbstliebe und die Weltliebe, wie sie oben geschildert wurden, höllische Liebesarten sind; sie herrschen auch in der Hölle, und machen ebenso die Hölle beim Menschen aus. Die Liebe zum Herrn hingegen und die Liebe gegen den Nächsten sind himmlische Liebesarten, sie herrschen auch im Himmel, und bilden ebenso den Himmel beim Menschen.

401. V. Über den inneren und den äußeren Menschen.

1. Der Mensch ist so geschaffen, daß er zugleich in der geistigen Welt und der natürlichen Welt ist. Die geistige Welt ist, wo die Engel sind, und die natürliche Welt ist, wo die Menschen sind; und weil der Mensch so geschaffen ist, so ist ihm auch ein Inneres und ein Äußeres gegeben: das Innere, um dadurch in der geistigen Welt zu sein, und das Äußere, um dadurch in der natürlichen Welt zu sein. Sein Inneres ist das, was der innere Mensch heißt, und sein Äußeres das, was der äußere Mensch heißt.

2. Jeglicher Mensch hat ein Inneres und ein Äußeres, aber anders ist es bei den Guten, und anders bei den Bösen. Das Innere bei den Guten ist im Himmel und in dessen Licht, und das Äußere in der Welt und in deren Licht, und dieses Licht wird bei ihnen erleuchtet vom Licht des Himmels, und so wirken bei ihnen das Innere und das Äußere in eins zusammen, wie die Ursache und die Wirkung, oder wie das Frühere und das Spätere. Bei den Bösen hingegen ist das Innere in der Hölle und in deren Licht, welches Licht, verglichen mit dem Licht des Himmels, Finsternis ist, und ihr Äußeres kann in einem Licht sein, ähnlich demjenigen, in dem die Guten sind; weshalb [jenes Äußere] umgekehrt ist. Daher kommt, daß die Bösen reden und lehren können vom Glauben, von der Liebtätigkeit und von Gott, nicht aber aus dem Glauben, aus der Liebtätigkeit und aus Gott, wie die Guten.

3. Der innere Mensch ist der, welcher der geistige Mensch heißt, weil er im Licht des Himmels ist, welches Licht geistig ist, und der äußere Mensch ist der, welcher der natürliche Mensch heißt, weil er im Licht der Welt ist, welches Licht natürlich ist. Ein Mensch, dessen Inneres im Licht des Himmels ist, und das Äußere im Licht der Welt, ist ein geistiger Mensch hinsichtlich auf beides, weil das geistige Licht vom Inwendigen her das natürliche Licht erleuchtet, und dieses zu dem Seinigen macht. Das Umgekehrte aber findet bei den Bösen statt.

4. Der innere, geistige Mensch ist an sich betrachtet ein Engel des Himmels, und ist auch, während er im Körper lebt, mit den Engeln in Gesellschaft, obwohl er nichts davon weiß; und nach seiner Trennung vom Körper kommt er unter die Engel. Der innere Mensch bei den Bösen aber ist ein Satan, und ist auch, während er im Körper lebt, mit ihnen in Gesellschaft, und kommt auch nach der Trennung vom Körper unter sie.

5. Die inwendigen Regionen des Gemüts sind bei denen, welche geistige Menschen sind, wirklich gegen den Himmel erhoben, denn sie haben ihre Absehen vorzugsweise auf ihn. Die inwendigen Regionen des Gemüts bei denen hingegen, die bloß natürlich sind, sind vom Himmel abgewandt und der Welt zugewandt, weil sie ihr Absehen vorzugsweise auf diese haben.

6. Solche, die bloß eine allgemeine Vorstellung vom inneren und vom äußeren Menschen hegen, glauben, der innere Mensch sei der, welcher denkt und will, und der äußere der, welcher redet und handelt, weil denken und wollen Inneres, reden und handeln aber Äußeres sind. Allein man muß wissen, daß, wenn der Mensch gut in betreff des Herrn und der Dinge, die des Herrn sind, und wenn er gut in betreff des Nächsten und von den Dingen, die des Nächsten sind, denkt und will, er dann aus dem geistigen Inneren, weil aus dem Glauben an das Wahre und aus der Liebe zum Guten denkt und will; daß hingegen, wenn der Mensch übel von ihnen denkt, und ihnen übel will, er dann aus dem höllischen Inneren denkt und will, weil aus dem Glauben an das Falsche und aus der Liebe zum Bösen. Mit einem Wort, inwieweit der Mensch in der Liebe zum Herrn und in der Liebe zum Nächsten ist, insoweit ist er im geistigen Inneren, und denkt und will aus ihm, und redet und handelt auch aus ihm. Inwieweit hingegen der Mensch in der Liebe zu sich und in der Liebe zur Welt ist, insoweit denkt und will er aus der Hölle, obgleich er anders redet und handelt.

7. Es ist vom Herrn also vorgesehen und geordnet, daß, inwieweit der Mensch aus dem Himmel denkt und will, insoweit der geistige Mensch aufgeschlossen und gebildet wird; die Aufschließung geht in den Himmel hinein bis zum Herrn, und die Bildung findet statt gemäß den Dingen des Himmels. Umgekehrt hingegen, inwieweit der Mensch nicht aus dem Himmel, sondern aus der Welt denkt und will, insoweit wird der innere geistige Mensch verschlossen, und der äußere aufgeschlossen und gestaltet; die Aufschließung geht in die Welt hinein, und die Gestaltung nach den Dingen der Hölle.

8. Die, bei denen der geistige innere Mensch aufgeschlossen ist in den Himmel hinein zum Herrn, sind im Licht des Himmels und in der Erleuchtung vom Herrn, und daher in Einsicht und Weisheit. Sie sehen das Wahre aus dem Licht des Wahren, und werden das Gute inne aus der Liebe zum Guten. Diejenigen hingegen, bei denen der geistige innere Mensch verschlossen ist, wissen nicht, was der innere Mensch ist, und glauben auch nicht an das Wort, noch an ein Leben nach dem Tode, noch an die Dinge des Himmels und der Kirche; und weil sie bloß im natürlichen Licht sind, so glauben sie, die Natur sei aus sich, und nicht aus Gott, sehen das Falsche als das Wahre an, und fühlen das Böse als Gutes.

9. Das Innere und das Äußere, wovon gehandelt worden ist, ist das Innere und das Äußere von des Menschen Geist; sein Körper ist bloß ein weiter hinzugefügtes Äußere, innerhalb dessen jene existieren; denn der Körper tut nichts aus sich, sondern aus dem Geist, der in ihm ist. Man muß wissen, daß der Geist des Menschen nach der Trennung vom Körper ebenso denkt und will, und redet und tut; das Denken und Wollen ist sein Inneres, und das Reden und Tun ist dann sein Äußeres.

402. VI. Über den bloß natürlichen und den sinnlichen Menschen.

Weil wenige wissen, welche unter den sinnlichen Menschen verstanden werden und wie sie beschaffen sind, und doch von Wichtigkeit ist, es zu wissen, so sollen sie geschildert werden.

1. Ein sinnlicher Mensch heißt der, welcher alles nach den Sinnen des Körpers beurteilt, und nichts glaubt, als was er mit den Augen sehen und mit den Händen betasten kann, indem er sagt, dieses sei Etwas, das übrige aber verwirft. Weshalb der sinnliche Mensch der natürliche Mensch auf der untersten Stufe ist.

2. Die inwendigen Regionen seines Gemüts, die aus dem Licht des Himmels sehen, sind verschlossen, so, daß er dort nichts Wahres, das dem Himmel und der Kirche angehört, sieht, weil er im Äußersten denkt und nicht inwendig in irgendwelchem geistigen Licht.

3. Und weil er im groben natürlichen Licht ist, so ist er inwendig gegen die Dinge des Himmels und der Kirche, und kann gleichwohl auswendig für sie reden, und zwar mit Wärme, Jesajah nach seiner Herrschaft mittelst derselben.

4. Die sinnlichen Menschen vernünfteln mit Schärfe und Gewandtheit, weil ihr Denken der Rede so nahe liegt, und beinahe in ihr und wie in den Lippen ist; und weil sie in das Reden aus dem bloßen Gedächtnis alle Einsicht setzen.

5. Einige von ihnen können alles, was sie nur wollen, begründen, und zwar mit Geschicklichkeit auch das Falsche, und halten dieses nach der Begründung für wahr; allein sie vernünfteln und begründen aus den Täuschungen der Sinne, durch die sie den gemeinen Haufen einnehmen und überreden. 6. Die sinnlichen Menschen sind schlauer und bösartiger als die übrigen.

7. Das Inwendige ihres Gemüts ist häßlich und schmutzig, weil sie durch dasselbe mit den Höllen Gemeinschaft haben.

8. Die, welche in den Höllen sind, sind sinnlich, und zwar umso mehr, Jesajah tiefer sie darin sind; und die Sphäre der höllischen Geister verbindet sich mit dem Sinnlichen des Menschen von hinten her.

9. Weil die sinnlichen Menschen nichts echt Wahres im Licht sehen, sondern über jede Sache vernünfteln und streiten, ob es so sei, und dieses Streiten außerhalb ihrer wie ein Zähneknirschen gehört wird, das an sich betrachtet ein Zusammenstoß des Falschen unter sich und auch des Falschen und des Wahren ist, so ist offenbar, was im Wort durch das Zähneknirschen bezeichnet wird. Der Grund ist, weil das Vernünfteln aus den Täuschungen der Sinne den Zähnen entspricht.

10. Gelehrte und Gebildete, die sich tief im Falschen, und mehr noch solche, die sich wider die Wahrheiten des Wortes bestärkt haben, sind sinnlicher als andere, obwohl sie vor der Welt nicht als solche erscheinen. Die Irrlehren gingen besonders von solchen aus, die sinnlich waren.

11. Die Heuchler, die Betrüger, die Wollüstlinge, die Ehebrecher, die Geizigen sind größtenteils sinnlich.

12. Solche, die aus bloß Sinnlichem und wider die echten Wahrheiten des Wortes und somit der Kirche vernünftelt hatten, wurden von den Alten ‚Schlangen des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen‘ genannt. Weil unter den sinnlichen Dingen die den Sinnen des Körpers unterworfenen und durch diese aufgefaßten Dinge verstanden werden, so folgt,

13. daß der Mensch durch die Sinnendinge mit der Welt, und durch das Vernunftmäßige über ihnen mit dem Himmel Gemeinschaft hat.

14. Die Sinnendinge reichen aus der natürlichen Welt solches dar, was dem Inwendigen des Gemüts in der geistigen Welt dienlich ist.

15. Es gibt Sinnendinge, die dem Verstand an die Hand gehen, und dies sind die mancherlei natürlichen Dinge, welche Physisches heißen, und es gibt Sinnendinge, die dem Willen dienlich sind, und dies sind die Lustreize der Sinne und des Körpers.

16. Wofern nicht das Denken über die Sinnendinge erhoben wird, ist der Mensch wenige weise. Der weise Mensch denkt erhaben über die Sinnendinge; und wenn das Denken über die Sinnendinge erhoben wird, so kommt er in ein helleres Licht, und zuletzt in das Licht des Himmels, daraus dem Menschen das Innewerden des Wahren kommt, welches die Einsicht im eigentlichen Sinn ist.

17. Die Erhebung des Gemüts über die Sinnendinge und das Weggerückt werden von denselben, war den Alten bekannt.

18. Nehmen die Sinnendinge die unterste Stelle ein, so wird durch sie der Weg für den Verstand geöffnet, und es werden die Wahrheiten gehoben durch eine Art von Ausziehungsprozeß. Nehmen hingegen die Sinnendinge die erste Stelle ein, so wird durch sie jener Weg verschlossen, und der Mensch sieht die Wahrheiten nur wie in dichtem Nebel oder wie in der Nacht.

19. Die Sinnendinge nehmen beim weisen Menschen die letzte Stelle ein, und sind dem Inwendigen untergeordnet. Beim törichten Menschen hingegen nehmen sie die erste Stelle ein und herrschen; diese sind es, welche im eigentlichen Sinn Sinnliche heißen.

20. Beim Menschen ist Sinnliches, das er mit den Tieren gemein hat, und auch Sinnliches, das er nicht mit ihnen gemein hat. Inwieweit jemand erhaben über das Sinnliche denkt, insoweit ist er Mensch; es kann jedoch niemand über dem Sinnlichen erhaben denken und die Wahrheiten der Kirche sehen, wofern er nicht Gott anerkennt, und nach Seinen Geboten lebt; denn Gott ist es, Der erhebt und erleuchtet.