Erholungen der taetigen Liebe sind Mittags- und Abendmahlzeiten und Gesellschaften

433. Bekannt ist, daß Mittags- und Abendmahlzeiten allenthalben im Gebrauch sind, und daß sie um mancherlei Zwecke willen gegeben werden, und z.B. bei vielen statthaben aus Rücksicht auf Freundschaft, auf Verwandtschaft, auf Erheiterung, auf Vorteile und Gegendienste, und daß sie auch Bestechungsmittel sind, andere auf seine Seite herüberzuziehen; sowie auch, daß sie bei den Großen der Ehre, und an den Höfen der Könige des Glanzes wegen statthaben. Allein die Mittags- und Abendmahlzeiten der Liebtätigkeit finden nur bei solchen statt, die in wechselseitiger Liebe und in gleichem Glauben stehen. In der christlichen Urkirche hatten die Mittags- und Abendmahle keinen anderen Zweck, und hießen Gastmahle, die gehalten wurden, damit man sich zugleich von Herzen freuen und auch verbunden werden möchte. Die Abendmahle bezeichneten bei ihnen Genossenschaften und Verbindungen im ersten Zustand der Gründung der Kirche; denn der Abend, an dem sie gehalten wurden, bezeichneten diesen; die Mittagsmahle dagegen im zweiten Zustand, wenn die Kirche gegründet war; denn der Morgen und der Tag bezeichnet diesen. Über Tische wurden Gespräche geführt über mancherlei Dinge, sowohl häusliche, als bürgerliche, besonders aber über Dinge, welche die Kirche betrafen; und weil sie Liebesmahle waren, so lag in den Gesprächen, was auch immer ihr Gegenstand sein mochte, die Liebtätigkeit mit ihren Freuden und Wonnen. Die geistige Sphäre, die bei diesen Gastmahlen herrschte, war die Sphäre der Liebe zum Herrn und der Liebe gegen den Nächsten, welche die Seele eines jeden erheiterte, und dem Ton jeder Rede Weichheit gab, und ein Hochgefühl aus dem Herzen in alle Sinne führte; denn jeglichem Menschen entströmt eine geistige Sphäre, welche die seiner Lieblingsneigung und des aus ihr stammenden Denkens ist, und die Genossen innerlich anregt, besonders bei Gastmahlen; sie teilt sich sowohl durch das Angesicht, als durch das Atmen mit. Weil durch die Mittags- und Abendmahle, oder durch die Gastmahle solche gesellige Vereinbarungen der Gemüter bezeichnet wurden, darum werden sie im Wort so oft genannt, und wird im geistigen Sinn nichts anderes unter denselben verstanden, und im höchsten Sinn unter dem Passahmahl bei den Kindern Israels, und auch unter den Mahlzeiten bei den übrigen Festen, sowie auch unter den Opfermahlzeiten neben der Stiftshütte. Die Verbindung selbst wurde dann vorgebildet durch das Brechen und Austeilen des Brotes und durch das Trinken aus demselben Becher, und das Darreichen desselben an den anderen.

434. Was die Gesellschaften betrifft, so fanden sie in der Urkirche unter solchen statt, die sich Brüder in Christo nannten; daher sie Gemeinschaften der Liebtätigkeit, weil der geistigen Brüderschaft waren. Sie waren auch darauf berechnet, einander zu trösten bei den Widerwärtigkeiten der Kirche, sich zu freuen über deren Wachstum, und auch die Seelen zu erholen von geistigen und leiblichen Arbeiten, und über mancherlei Dinge sich zu besprechen; und weil sie aus geistiger Liebe als ihrer Quelle flossen, so waren sie vernünftig und moralisch aus geistigem Ursprung. Es gibt heutzutage Gesellschaften der Freundschaft, die zum Zweck haben die Reize des Umgangs, die Erheiterung des Gemüts durch Gespräche, und somit die Erweiterung des Geistes und die Entfesselung der eingeschlossenen Gedanken, und so die Auffrischung der sinnlichen Verrichtungen des Körpers und die Wiederherstellung ihrer Zustände. Allein noch gibt es keine Gesellschaften der Liebtätigkeit; denn der Herr sagt: „In der Vollendung des Zeitlaufs, das ist, am Ende der Kirche, wird die Missetat sich mehren, und die Liebtätigkeit erkalten“: Matth.24/12; die Ursache ist, weil die Kirche noch nicht den Herrn als Gott des Himmels und der Erde anerkannt hatte, noch unmittelbar an Ihn sich wandte, von Dem allein die echte Liebtätigkeit ausgeht und einfließt.

Gesellschaften aber, in denen nicht eine Freundschaft, die der Liebtätigkeit gleich zu kommen sucht, die Seelen verbindet, sind nichts anderes als der angenommene Schein der Freundschaft und die trügerischen Beteuerungen gegenseitiger Liebe, die verlockenden Einschmeichelungen in die Gunst, und Opfer für die Lustgefühle des Körpers, besonders sinnliche, von denen die anderen wie die Schiffe von den Segeln und günstigen Strömungen fortgetrieben werden; in diesen stehen die Ränkeschmiede und Heuchler im Hinterteil, und halten das Heft des Steuerruders in der Hand.