VI. Durch den Buchstabensinn des Wortes wird eine Verbindung mit dem Herrn und eine Zusammengesellung mit den Engeln bewirkt  

234. Durch das Wort wird eine Verbindung mit dem Herrn bewirkt, weil Er selbst das Wort ist, das heißt, in diesem das göttlich Wahre und das göttlich Gute selbst ist. Durch den Buchstabensinn aber findet die Verbindung statt, weil das Wort in diesem Sinn in seiner Fülle, in seinem Heiligtum und in seiner Macht ist, wie dies oben in seinem Abschnitt gezeigt worden ist. Diese Verbindung wird dem Menschen nicht sichtbar, sondern ist in der Neigung zum Wahren und im Innewerden desselben. Durch den Buchstabensinn wird auch eine Zusammengesellung mit den Engeln bewirkt, weil diesem Sinn der geistige und der himmlische Sinn innewohnt, in diesen Sinnen aber die Engel sind: die Engel des geistigen Reiches des Herrn im geistigen Sinn des Wortes, und die Engel Seines himmlischen Reiches in dessen himmlischem Sinn. Diese beiden Sinne entwickeln sich aus dem natürlichen Sinn des Wortes während der Mensch, der das Wort heilig hält, es liest. Die Entwickelung erfolgt augenblicklich, mithin auch die Zusammengesellung.

235. Daß die geistigen Engel im geistigen Sinn des Wortes sind, und die himmlischen Engel in dessen himmlischem Sinn, hat sich mir durch viele Erfahrung herausgestellt. Es ward mir gegeben wahrzunehmen, daß, als ich das Wort in seinem Buchstabensinn las, eine Gemeinschaft mit den Himmeln bewirkt wurde, bald mit dieser Gesellschaft daselbst, bald mit jener; was ich nach dem natürlichen Sinn verstand, das verstanden die geistigen Engel nach dem geistigen Sinn, und die himmlischen Engel nach dem himmlischen Sinn, und zwar dies in einem Augenblick; und weil diese Gemeinschaft einige tausend Male wahrgenommen wurde, so blieb mir gar kein Zweifel mehr darüber. Es gibt auch Geister, die unterhalb der Himmel sind und diese Gemeinschaft mißbrauchen; sie sagen nämlich einige Sprüche aus dem Buchstabensinn des Wortes her, und gewahren und merken sich sogleich die Gesellschaft, mit der eine Gemeinschaft bewirkt wird. Auch dies habe ich oft gesehen und gehört. Dadurch ward mir mittelst lebendiger Erfahrung zu erkennen gegeben, daß das Wort seinem Buchstabensinn nach das göttliche Mittel der Verbindung mit dem Herrn und der Zusammengesellung mit den Engeln des Himmel ist.

236. Es soll jedoch durch Beispiele beleuchtet werden, in welcher Weise die geistigen Engel ihren Sinn, und in welcher die himmlischen Engel den ihrigen aus dem natürlichen Sinn herausziehen, während der Mensch das Wort liest; als Beispiele mögen vier Vorschriften der Zehn Gebote dienen, als das fünfte Gebot, du sollst nicht morden: der Mensch versteht darunter nicht bloß morden, sondern auch hassen und Rache schnauben bis zum Totschlag; der geistige Engel versteht unter Morden den Teufel spielen und die Seele des Menschen morden; der himmlische Engel aber versteht unter Morden den Herrn und das Wort hassen. Sechstes Gebot: du sollst nicht ehebrechen: der Mensch versteht unter ehebrechen Hurerei treiben, Unzüchtiges tun, Schlüpfriges reden und Unreines denken; der geistige Engel versteht unter Ehebrechen das Gute des Wortes schänden und seine Wahrheiten verfälschen; der himmlische Engel aber unter Ehebrechen das Göttliche des Herrn leugnen und das Wort entweihen. Siebentes Gebot, du sollst nicht stehlen: der Mensch versteht unter stehlen einen Diebstahl begehen, betrügen und dem Nächsten unter irgendeinem Schein seine Güter nehmen; der geistige Engel versteht unter stehlen andere der Wahrheiten und des Guten berauben durch Falsches und Böses; der himmlische Engel aber versteht unter stehlen, sich das, was des Herrn ist, zurechnen, und sich Sein Verdienst und Seine Gerechtigkeit zueignen. Achtes Gebot, du sollst nicht falsch zeugen: der Mensch versteht unter falsch zeugen lügen und jemanden verschreien; der [geistige] Engel versteht unter falsch zeugen, sagen und überreden, daß das Falsche wahr und das Böse gut sei, und umgekehrt; der himmlische Engel aber versteht unter falsch zeugen, den Herrn und das Wort lästern. Hieraus kann man sehen, wie das Geistige und Himmlische aus dem natürlichen Sinn des Wortes, dem es innewohnt, entwickelt und herausgezogen wird; und, merkwürdigerweise, ziehen die Engel das Ihrige heraus, ohne zu wissen, was der Mensch denkt; gleichwohl jedoch machen die Gedanken der Engel und der Menschen eins aus durch Entsprechungen, wie der Endzweck, die Ursache und die Wirkung. Die Endzwecke sind auch wirklich im himmlischen Reich, die Ursachen im geistigen Reich und die Wirkungen im natürlichen Reich; daher nun rührt die Zusammengesellung der Menschen mit den Engeln durch das Wort.

237. Daß der geistige Engel aus dem Buchstabensinn des Wortes Geistiges herauszieht und hervorruft, und der himmlische Engel Himmlisches, hat seinen Grund darin, daß diese zu ihrer Natur stimmen und ihnen gleichartig sind; daß es sich so verhält, kann durch ähnliches in den drei Reichen der Natur, dem Tier-, dem Pflanzen- und dem Mineralreich beleuchtet werden. Im Tierreich: Aus der Speise: wenn sie zu Milchsaft geworden ist, schöpfen und rufen die Gefäße ihr Blut hervor, die Nervenfibern ihren Saft und die Substanzen, welche die Anfänge der Fibern sind, ihren Geist. Im Pflanzenreich: Der Baum mit Stamm, Zweigen, Blättern und Früchten steht auf seiner Wurzel und zieht und ruft durch die Wurzel aus dem Boden den gröberen Saft für den Stamm, die Zweige und die Blätter hervor, den reineren für das Fleisch der Früchte und den reinsten für den Samen innerhalb der Früchte. Im Mineralreich: Im Schoß der Erde sind an einigen Stellen die Minen geschwängert mit Gold, Silber, Kupfer und Eisen; aus den Ausdünstungen und Ausflüssen aus den Felsen zieht das Gold seinen Urstoff, das Silber den seinigen, und das Eisen den seinigen, und das Wasser führt dieselben rings umher.

238. Das Wort ist im Buchstaben wie ein Kästchen, in dem der Reihe nach kostbare Steine, Perlen und Diademe liegen; der Mensch, der das Wort heilig hält und es liest, um es auf das Leben anzuwenden, ist in Ansehung der Gedanken seines Gemüts vergleichsweise wie einer, der ein solches Kästchen in der Hand hält und es zum Himmel entsendet, wo sodann dasselbe im Hinansteigen sich öffnet und die Kostbarkeiten desselben zu den Engeln gelangen, welche beim Anschauen und Besichtigen derselben sich innigst ergötzen; welches Ergötzen sich dann dem Menschen mitteilt und eine Zusammengesellung, so wie auch eine Gemeinschaft der Wahrnehmungen bewirkt. Wegen dieser Zusammengesellung mit den Engeln und der damit verknüpften Verbindung mit dem Herrn ist das heilige Abendmahl eingesetzt worden, in dem das Brot im Himmel zum göttlich Guten, und der Wein zum göttlich Wahren wird, beides vom Herrn. Eine solche Entsprechung besteht von der Schöpfung her zu dem Ende, daß der Engelhimmel und die Kirche auf Erden, und im allgemeinen die geistige Welt mit der natürlichen Welt eins ausmachen, und der Herr Sich mit beiden zugleich verbinden möge.

239. Daß eine Zusammengesellung des Menschen mit den Engeln durch den natürlichen oder buchstäblichen Sinn des Wortes bewirkt wird, hat seinen Grund auch darin, daß in jedem Menschen von der Schöpfung her drei Lebensgrade sind: ein himmlischer, ein geistiger und ein natürlicher. Der Mensch ist aber im natürlichen, solange er in der Welt ist, und alsdann insoweit im engelisch-geistigen, als er in den reinen Wahrheiten ist, und insoweit im himmlischen, als er im Leben nach denselben ist. Dennoch aber kommt er in das Geistige und Himmlische selbst nicht eher, als nach dem Tode, weil diese beiden in seinen natürlichen Vorstellungen eingeschlossen und verborgen sind. Hieraus kann erhellen, daß im Wort allein Geist und Leben ist, wie der Herr sagt: „Die Worte, die Ich zu euch rede, sind Geist und Leben“: Joh.6/63. „Das Wasser, das Ich euch geben will, wird eine Quelle von Wasser werden, das in das ewige Leben quillt“: Joh.4/14. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jeglichem Wort, das aus dem Munde Gottes geht“: Matth.4/4. „Mühet euch um Speise, die hin in das ewige Leben dauert, welche der Sohn des Menschen euch geben wird“: Joh.6/27.