Drittes Gebot

Gedenke des Sabbathtages, daß du ihn heiligest; sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk verrichten, aber der siebente Tag sei der Sabbath Jehovah, deinem Gott

301. Daß dies das dritte Gebot ist, sehe man 2Mo.20/8-10 und 5Mo.12/13. Unter ihm wird im natürlichen Sinn, welcher der Buchstabensinn ist, verstanden, daß sechs Tage für den Menschen und seine Arbeiten sein sollen, und der siebente für den Herrn und für die Ruhe des Menschen aus Ihm. Der Sabbath bedeutet in der Grundsprache die Ruhe. Der Sabbath war bei den Kindern Israels die Heiligkeit der Heiligkeiten, weil er den Herrn vorbildete: die sechs Tage Seine Arbeiten und Kämpfe mit den Höllen, und der siebente Seinen Sieg über sie, und so die Ruhe; und weil dieser Tag eine Vorbildung des Schlusses der ganzen Erlösung des Herrn war, darum war er die Heiligkeit selbst. Nachdem aber der Herr in die Welt gekommen war, und infolgedessen die Vorbildungen Desselben aufgehört hatten, so wurde dieser Tag ein Tag des Unterrichts in göttlichen Dingen, und so auch ein Tag der Ruhe von den Arbeiten und des Nachdenkens über die Dinge, welche das Heil und das ewige Leben betreffen, sowie auch ein Tag der Liebe zum Nächsten. Daß er zu einem Tag des Unterrichts in göttlichen Dingen wurde, erhellt daraus, daß der Herr an diesem Tag im Tempel und in den Synagogen lehrte: Mark.6/2; Luk.4/16,31,32; 13/10, und daß Er zu dem Geheilten sprach: „Nimm dein Bett und wandle“, und zu den Pharisäern, es sei den Jüngern erlaubt gewesen, am Sabbathtag Ähren zu sammeln und zu essen: Matth.12/1-9; Mark.2/23-28; Luk.6/1-6; Joh.5/9-19. Durch alle diese Dinge wird im geistigen Sinn bezeichnet in den Lehren unterrichtet werden. Daß dieser Tag auch zu einem Tag der Nächstenliebe wurde, erhellt aus dem, was der Herr am Sabbathtag tat und lehrte: Matth.12/10-14; Mark.3/1-9; Luk.6/6-12; 13/10-18; 14/1-7; Joh.5/9-19; 7/22,23; 9/14,16. Aus diesem und jenem erhellt, warum der Herr sagte, daß Er auch ein Herr des Sabbaths sei: Matth.12/8; Mark.2/28; Luk.6/5; und weil Er dies sagte, so folgt, daß dieser Tag eine Vorbildung von Ihm war.

302. Durch dieses Gebot wird im geistigen Sinn bezeichnet des Menschen Umbildung und Wiedergeburt vom Herrn; durch die sechs Tage der Arbeit der Kampf gegen das Fleisch und seine Begierden, und zugleich dann gegen das Böse und Falsche, das bei ihm aus der Hölle ist; und durch den siebenten Tag wird die Verbindung mit dem Herrn und die Wiedergeburt dadurch bezeichnet. Daß solange jener Kampf fortdauert, der Mensch geistige Arbeit hat, daß er aber, wenn er wiedergeboren ist, Ruhe hat, wird aus dem erhellen, was im Kapitel von der Umbildung und Wiedergeburt in der Folge gesagt werden soll, besonders aus folgendem daselbst:

I. Daß die Wiedergeburt in der Weise geschehe, wie der Mensch empfangen, im Mutterleib getragen, geboren und erzogen wird.

II. Daß der erste Akt der neuen Geburt die Umbildung heiße, welche die des Verstandes ist, und daß der zweite Akt die Wiedergeburt heiße, welche die des Willens und aus diesem des Verstandes ist.

III. Daß der innere Mensch zuerst umgebildet werden soll, und durch diesen der äußere.

IV. Daß alsdann ein Kampf zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen entstehe, und der, welcher überwindet, über den anderen herrsche.

V. Daß der wiedergeborene Mensch einen neuen Willen und einen neuen Verstand habe, usw. Daß die Umbildung und Wiedergeburt des Menschen durch dieses Gebot im geistigen Sinn bezeichnet wird, hat seinen Grund darin, daß sie zusammenfällt mit den Arbeiten und Kämpfen des Herrn mit den Höllen, und mit dem Sieg über sie, und der alsdann eingetretenen Ruhe; denn in der Weise, in welcher der Herr Sein Menschliches verherrlichte, und es göttlich machte, in derselben bildet Er um und wiedergebiert Er den Menschen, und macht ihn geistig; dies ist es, was verstanden wird unter ‚Ihm nachfolgen‘. Daß der Herr Kämpfe hatte, und diese Arbeiten heißen, erhellt aus Jes. Kap. 53 und 63; und daß ähnliches auch Arbeiten heißt in Beziehung auf die Menschen: Jes.65/23; Offb.2/2,3.

303. Im himmlischen Sinn wird unter diesem Gebot verstanden die Verbindung mit dem Herrn und der Friede, welcher alsdann statthat, weil Schutz vor der Hölle; denn durch den Sabbath wird die Ruhe, und im höchsten Sinn der Friede bezeichnet; weshalb der Herr der Fürst des Friedens heißt, und Sich auch den Frieden nennt, wie dies aus folgenden Stellen erhellt: „Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, auf Dessen Schulter die Herrschaft ist, und als Sein Name wird genannt werden Wunderbar, Rat, Gott, Held, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens; in der Erweiterung der Herrschaft und des Friedens wird Er kein Ende finden“: Jes.9/5,6. Jesus sprach: „Frieden hinterlasse Ich euch, Meinen Frieden gebe Ich euch“: Joh.14/27. Jesus sagte: „Dieses habe Ich geredet, damit ihr in Mir Frieden habet“: Joh.16/33. „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt und Frieden hören läßt, indem er spricht: Dein Gott ist König“: Jes.52/7. Jehovah wird erlösen im Frieden meine Seele“: Ps.55/19. „Jehovahs Werk ist Friede, Arbeit der Gerechtigkeit, Ruhe und Sicherheit, in Ewigkeit, damit sie wohnen in den Zelten der Sicherheit, und in stiller Ruhe“: Jes.32/17,18. Jesus sagte zu den siebzig, die Er aussandte: „Wenn ihr in ein Haus eingehet, so sprechet zuerst: Friede diesem Hause, und wenn [darin] ein Sohn des Friedens ist, so wird auf ihm ruhen euer Friede“: Luk.10/5,6; Matth.10/12-14. „Jehovah wird Frieden zu Seinem Volke reden, Gerechtigkeit und Friede werden sich küssen“: Ps.85/9,11. Als der Herr selbst Seinen Jüngern erschien, sprach Er: „Friede sei mit euch“: Joh.20/19,21,26. Überdies wird vom Zustand des Friedens, in den man durch den Herrn kommen soll, gehandelt bei Jesajas Kap.65 und 66, und anderwärts; und in diesen werden diejenigen kommen, die in die neue Kirche, welche gegenwärtig vom Herrn gegründet wird, aufgenommen werden. Was der Friede, in dem die Engel des Himmels und diejenigen sich befinden, die im Herrn sind, seinem Wesen nach ist, sehe man in dem Werk »Himmel und Hölle« Nr. 284 -290. Hieraus erhellt auch, warum der Herr Sich den Herrn des Sabbaths, das heißt, der Ruhe und des Friedens nennt.

304. Der himmlische Friede, der gegenüber den Höllen statthat, damit das Böse und Falsche von da nicht hinansteige und eindringe, kann in vielen Beziehungen mit dem natürlichen Frieden verglichen werden, wie z.B. mit dem Frieden nach den Kriegen, wenn jeder in Sicherheit vor den Feinden und sorglos in seiner Stadt, in seinem Haus und in seinen Gütern und Gärten lebt; und es ist, wie der Prophet sagt, wo er vom himmlischen Frieden in natürlicher Weise spricht: „Jedermann wird sitzen unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und niemand [ihn] schrecken“: Mi.4/4; Jes.65/21-23. Er kann auch verglichen werden mit den Erholungen des Gemüts und den Stunden der Ruhe nach schweren Arbeiten. Mit den Tröstungen der Mutter nach der Geburt, wenn ihre Liebe, die sogenannte Mutterliebe ihre Freuden äußert. Auch kann er verglichen werden mit der Heiterkeit des Himmels nach Stürmen, schwarzen Wolken, und Donnerschlägen, so wie auch mit dem Frühling nach überstandenem rauhen Winter, und dann mit der Freude über das neue Grün auf den Feldern, und das Aufblühen in den Gärten, Fluren und Wäldern. Ebenso mit dem Zustand der Gemüter bei denen, die nach Stürmen und Gefahren zur See den Hafen erreichen, und ihre Füße auf das ersehnte Land setzen.