Diese zweite Ankunft des Herrn ist kein Kommen in Person, sondern im Wort, welches von Ihm und Er selbst ist

776. Man liest in vielen Stellen, daß der Herr kommen werde in den Wolken des Himmels, wie Matth.17/5; 24/30; 26/64; Mark.9/7; 14/61,62; Luk.9/34,35; 21/27; Offb.1/7; 14/14; Da.7/13. Allein niemand hat bis jetzt gewußt, was unter den Wolken des Himmels verstanden wurde; man glaubte, Er werde in diesen in Person erscheinen. Daß aber unter den Wolken des Himmels verstanden wird das Wort im Buchstabensinn, und unter der Herrlichkeit und Kraft, in denen Er alsdann ebenfalls kommen wird - Matth.24/30 - verstanden wird der geistige Sinn des Wortes, ist bis jetzt verborgen gewesen, weil bis daher niemand auch nur durch Vermutung darauf gekommen ist, daß ein geistiger Sinn, wie dieser an sich beschaffen ist, im Wort sei. Da mir nun aber der geistige Sinn des Wortes vom Herrn aufgeschlossen, und mir zugleich gegeben wurde, mit den Engeln und Geistern in ihrer Welt wie einer von ihnen zusammen zu sein, so ist mir enthüllt worden, daß unter der Wolke des Himmels verstanden wird das Wort im natürlichen Sinn, und unter der Herrlichkeit das Wort im geistigen Sinn, und unter der Kraft die Macht des Herrn durch das Wort. Daß die Wolke des Himmels dies bedeute, kann man aus folgenden Stellen im Wort sehen: „Nicht wie der Gott Jeschurun, der im Himmel reitet und in Hoheit über den Wolken“: 5Mo.33/26,27. „Singet Gott, lobt Seinen Namen, erhebet Den, Der auf den Wolken reitet“: Ps.68/5. „Jehovah, reitend auf einer leichten Wolke“: Jes.19/1. Reiten bedeutet unterrichten in den göttlichen Wahrheiten aus dem Wort, denn das Pferd bedeutet das Verständnis des Wortes; man sehe die »Enthüllte Offenbarung« Nr. 298. Wer sieht nicht, daß Gott nicht auf den Wolken reitet? Ferner: „Gott ritt auf Cheruben und machte zu Seinem Zelt die Wolken der Himmel“: Ps.18/11-13; auch die Cherube bedeuten das Wort, man sehe die »Enthüllte Offenbarung« Nr. 239, 672. „Jehovah faßt die Wasser in Seinen Wolken zusammen, und breitet über den Thron Seine Wolke aus“: Hiob 26/8,9. „Gebt Stärke dem Jehovah, Stärke über den Wolken“: Ps.68/35. „Es schuf Jehovah über jede Wohnung Zions eine Wolke bei Tag, denn über aller Herrlichkeit ist eine Decke“: Jes.4/5. Das Wort im Buchstabensinn wurde auch vorgebildet durch die Wolke, in der Jehovah herabkam auf den Berg Sinai, als Er das Gesetz verkündigte; jene Gesetze, die damals verkündigt wurden, waren die Erstlinge des Wortes. Zur Bestätigung ist auch noch folgendes beizufügen: In der geistigen Welt gibt es ebensowohl Wolken als in der natürlichen Welt, allein aus anderem Ursprung; in der geistigen Welt gibt es zuweilen lichte Wolken über den Engelhimmeln, finstere Wolken hingegen über den Höllen; die lichten Wolken über den Engelhimmeln bedeuten das dort befindliche Dunkel aus dem buchstäblichen Sinn des Wortes; werden aber diese Wolken zerstreut, so bedeuten sie, daß man sich in seiner Liebtätigkeit befinde aus dem geistigen Sinn; dagegen bedeuten die finsteren Wolken über den Höllen die Verfälschung und Entweihung des Wortes. Daß die Wolken in der geistigen Welt dergleichen bedeuten, hat seinen Entstehungsgrund darin, daß das Licht, das vom Herrn als Sonne daselbst ausgeht, das göttliche Wahre bedeutet; weshalb Er selbst das Licht heißt: Joh.1/9; 12/35. Daher kommt, daß das Wort selbst, das dort im innersten Heiligtum der Tempel aufbewahrt wird, von weißglänzendem Licht umkreist erscheint, und eine Verdunkelung desselben herbeigeführt wird durch Wolken.

777. Daß der Herr das Wort ist, erhellt deutlich aus folgendem bei Joh.1/1,14: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, und das Wort ward Fleisch“. Daß das Wort hier das göttliche Wahre ist, gründet sich darauf, daß das göttliche Wahre den Christen nirgend anderswoher kommt, als aus dem Wort, welches der Quell ist, aus dem alle nach Christus benannten Kirchen die lebendigen Wasser in ihrer Fülle schöpfen, obgleich wie in einer Wolke, in der sein natürlicher Sinn ist, in Herrlichkeit und Kraft hingegen, worin sein geistiger und himmlischer Sinn ist. Daß im Wort ein dreifacher Sinn ist, ein natürlicher, ein geistiger und ein himmlischer, immer der eine inwendiger als der andere, ist im Kapitel von der ‚Heiligen Schrift‘ und im Kapitel von den ‚Zehn Geboten‘ oder dem ‚Katechismus‘ gezeigt worden; daraus erhellt, daß unter dem Wort bei Johannes das göttliche Wahre verstanden wird; eben dies bezeugt Johannes noch weiter in seinem ersten Brief, 5/20: „Wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns das Verständnis gegeben hat, daß wir den Wahren erkennen, und wir sind in dem Wahren, in Seinem Sohn Jesus Christus“. Und darum hat der Herr so oft gesagt „Amen, Ich sage euch“, und Amen bedeutet in der hebräischen Sprache die Wahrheit, und daß Er selbst Amen ist, sehe man Offb.3/14; und daß Er die Wahrheit ist: Joh.14/6. Und wenn man die Gelehrten dieses Jahrhunderts fragt, was sie unter dem Wort bei Johannes 1/1 verstehen, so sagen sie auch, daß es das Wort im höchsten Sinne sei, und was ist das Wort im höchsten Sinn anders als das göttliche Wahre? Hieraus erhellt, daß der Herr auch jetzt im Wort erscheinen wird. Der Grund, warum nicht in Person, ist, weil Er nach Seiner Auffahrt in den Himmel im verherrlichten Menschlichen ist, und Er in diesem keinem Menschen erscheinen kann, wofern Er nicht zuvor die Augen des Geistes desselben öffnet, und diese bei keinem, der im Bösen und daraus im Falschen ist, geöffnet werden können, somit nicht bei irgendwelchen Böcken, die Er zur Linken stellt; daher Er, als Er den Jüngern Sich offenbarte, erst ihre Augen öffnete, denn man liest: „und ihre Augen wurden geöffnet und sie erkannten Ihn; Er aber wurde ihnen unsichtbar“: Luk.24/31.

Das gleiche geschah mit den Weibern am Grab nach der Auferstehung, daher sie alsdann auch Engel sahen, die im Grab saßen und mit ihnen sprachen, die ebenfalls kein Mensch mit dem materiellen Auge sehen kann. Daß auch [einmal] vor der Auferstehung des Herrn in Seinem verherrlichten Menschlichen die Apostel den Herrn nicht mit den Augen des Körpers, sondern im Geiste gesehen hatten, was nach dem Erwachen wie im Schlaf erscheint, erhellt aus Seiner Erscheinung vor Petrus, Jakobus und Johannes, sofern sie damals von Schlaf beschwert waren: Luk.9/32. Es ist daher töricht zu glauben, daß der Herr in einer Wolke des Himmels in Person erscheinen werde, vielmehr wird Er es im Wort, das aus Ihm und Er selbst ist.

778. Jeder Mensch ist seine Liebe und seine Einsicht, und was nur immer aus ihm hervorgeht, nimmt seinen Ursprung und hat seinen Bestand in diesen zwei Wesenheiten seines Lebens, weshalb die Engel den Menschen hinsichtlich seiner wesentlichen Beschaffenheit nach kurzem Umgang mit ihm erkennen: am Ton seine Liebe, und an der Rede seine Einsicht. Der Grund ist, weil es zwei allgemeine Ausgangspunkte [universalia] des Lebens eines jeden Menschen gibt: Willen und Verstand, und der Wille das Aufnahmegefäß und die Wohnstätte seiner Liebe, der Verstand aber das Aufnahmegefäß und die Wohnstätte seiner Einsicht ist; weshalb alles, was aus dem Menschen hervorgeht, sei es Handlung oder Rede, den Menschen ausmacht und der Mensch selbst ist. In gleicher Weise, aber in überschwenglichem Grad, ist der Herr die göttliche Liebe und die göttliche Weisheit, oder, was dasselbe ist, das göttliche Gute und das göttliche Wahre; denn Sein Wille ist der der göttlichen Liebe, und die göttliche Liebe ist die Seines Willens, und Sein Verstand ist die göttlich Weisheit, und die göttliche Weisheit ist die Seines Verstandes; die menschliche Form ist ihr Enthaltendes; woraus man denkend entnehmen kann, in welcher Weise der Herr das Wort ist. Im Gegenteil aber, wer gegen das Wort, das heißt, wider das göttliche Wahre in ihm, mithin wider den Herrn und Seine Kirche ist, der ist sein Böses und sein Falsches, sowohl nach dem Gemüt, als nach dessen Wirkungen aus dem Körper, die sich auf die Handlungen und Reden beziehen.