Diese neue Kirche ist die Krone aller Kirchen, die es bisher auf dem Erdkreis gab

786. Daß es von Anfang an im allgemeinen vier Kirchen auf dieser Erde gab, eine vor der Sündflut, eine andere nach der Sündflut, eine dritte, die israelitische, und eine vierte, genannt die christliche, ist oben gezeigt worden; und weil alle Kirchen von der Erkenntnis und Anerkenntnis eines Gottes abhängen, mit Dem der Mensch der Kirche verbunden werden kann, und keine jener Kirchen in dieser Wahrheit war, so folgt, daß auf jene vier eine Kirche folgen muß, die einen Gott erkennt und anerkennt. Die göttliche Liebe Gottes hatte, als sie die Welt schuf, nichts anderes zum Endzweck, als den Menschen mit Sich und Sich mit dem Menschen zu verbinden, und so beim Menschen zu wohnen. Die früheren Kirchen waren aber deswegen nicht in der Wahrheit, weil die Älteste Kirche, die vor der Sündflut war, einen unschaubaren Gott verehrte, mit Dem keine Verbindung möglich ist; die Alte Kirche, die nach der Sündflut bestand, ebenso; die israelitische Kirche verehrte Jehovah, Der an sich ein unschaubarer Gott ist: 2Mo.33/18-23, jedoch unter menschlicher Gestalt, welche Jehovah Gott durch einen Engel anlegte, und in der Er dem Moses, Abraham, der Sarah, Hagar, dem Gideon, Josua und zuweilen den Propheten erschien, welche Menschengestalt die vorbildende des Herrn war, Der kommen sollte, und weil diese vorbildend war, so sind auch alle und jede Dinge ihrer Kirche vorbildend geworden; daß die Opfer und die übrigen Dinge ihres Gottesdienstes den Herrn, Der kommen sollte, vorbildeten, und daß sie abgeschafft wurden, als Er gekommen war, ist bekannt. Die vierte aber ist die Kirche, welche die christliche genannt wurde; sie erkannte zwar mit dem Mund einen Gott an, aber in drei Personen, deren jede einzeln und für sich Gott sein sollte, und sonach eine geteilte und nicht in einer Person vereinigte Dreieinigkeit, daher im Gemüt die Vorstellung dreier Götter hängenblieb, obgleich auf den Lippen der Wortlaut eines Gottes war; und überdies lehren die Lehrer der Kirche, nach ihrem eigensten Lehrbegriff, den sie nach der Nicänischen Kirchenversammlung entworfen haben, daß man glauben müsse an Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist, sämtlich unschaubar, weil sie schon vor der Welt in gleichem göttlichen Wesen existieren, während doch, wie oben gesagt worden, mit einem unschaubaren Gott keine Verbindung möglich ist; wobei sie noch weiter auch nicht wußten, daß der eine Gott, Der unschaubar ist, in die Welt kam und das Menschliche annahm, nicht nur um die Menschen zu erlösen, sondern auch um schaubar und so verbindbar zu werden, denn man liest: „Das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, und das Wort ward Fleisch“: Joh.1/1,14 und bei Jes.9/5: „Ein Knabe ist uns geboren, und ein Sohn uns gegeben worden, Dessen Name ist Gott, Held, Vater der Ewigkeit“, und bei den Propheten mehrmals, daß Jehovah selbst in die Welt kommen und Erlöser sein werde, was Er auch wurde im Menschlichen, das Er annahm.

787. Daß diese neue Kirche die Krone aller Kirchen ist, die bis daher auf dem Erdkreis bestanden hatten, gründet sich darauf, daß sie einen schaubaren Gott verehren wird, in Dem der unschaubare ist, wie die Seele im Leib. Der Grund aber, daß so und nicht anders eine Verbindung Gottes mit dem Menschen möglich ist, rührt daher, weil der Mensch natürlich ist und daher natürlich denkt, und die Verbindung im Denken und so im Gefühl seiner Liebe statthaben muß, und dies geschieht, wenn der Mensch sich Gott als Menschen denkt. Die Verbindung mit dem unschaubaren Gott ist wie die Verbindung des Gesichts des Auges mit dem Ausgedehnten des Weltalls, dessen Ende es nicht sieht; desgleichen auch wie der Blick mitten im Weltmeer, der in die Luft und ins Meer fällt und sich verliert; dagegen aber ist die Verbindung mit einem schaubaren Gott wie der Anblick eines Menschen in der Luft oder im Meer, der die Hände ausbreitet und in seine Arme einladet; denn alle Verbindung Gottes mit dem Menschen muß auch eine gegenseitige des Menschen mit Gott sein, und dieses zweite, das Gegenseitige ist nicht anders möglich, als mit einem schaubaren Gott. Daß Gott vor der Annahme des Menschlichen nicht schaubar war, lehrt auch der Herr selbst bei Joh.5/37: „Nicht habt ihr die Stimme des Vaters je gehört, noch Seine Gestalt gesehen“; und bei 2Mo.33/20: „daß niemand Gott sehen und leben könne“; daß Er aber geschaut wird durch Sein Menschliches, bei Joh.1/18: „Niemand hat Gott je gesehen, der eingeborene Sohn, Der im Schoß des Vaters ist, Er hat [Ihn] zur Anschauung gebracht“, und bei Joh.14/6-9: „Jesus sagte: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch Mich; wer Mich erkennt, der erkennt den Vater, und wer Mich sieht, der sieht den Vater“. Daß eine Verbindung mit dem unschaubaren Gott durch Ihn, als schaubaren, somit durch den Herrn geschieht, lehrt Er selbst in folgenden Stellen: „Jesus sagte: Bleibet in Mir, und Ich in euch; wer in Mir bleibt, und Ich in ihm, der bringt viel Frucht“: Joh.15/4,5. „An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß Ich im Vater bin, und ihr in Mir und Ich in euch“: Joh.14/20. „Ich habe die Herrlichkeit, die Du Mir gabst, ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie Wir eins sind, Ich in ihnen und Du in Mir, damit die Liebe, mit der Du Mich geliebt, in ihnen sei, und Ich in ihnen“: Joh.17/21- 23,26; und auch Joh.6/56. Dann auch, daß der Vater und Er eins seien; und daß man an Ihn glauben müsse, um das ewige Leben zu haben. Daß die Seligkeit von der Verbindung mit Gott abhängt, ist oben mit vielem gezeigt worden.

788. Daß diese Kirche folgen werde auf die Kirchen, die von Anfang der Welt an existiert haben, und daß sie fortdauern werde in die Zeitläufe der Zeitläufe, und daß sie somit eine Krone aller Kirchen, die vorher bestanden hatten, sein werde, hat Daniel geweissagt; zuerst als er dem Nebukadnezar seinen Traum von den vier Reichen hersagte und auslegte, unter denen die vier Kirchen verstanden werden, die durch die ihm erschienene Bildsäule vorgebildet worden waren, sagte er: „In den Tagen derselben wird der Gott der Himmel ein Reich aufrichten, das in Ewigkeit nicht vergehen, und alle jene Reiche verzehren, selbst aber ewiglich dastehen wird“: Da.2/44; und „daß dies geschehen werde durch einen Stein, der zum großen Felsen wurde und die ganze Erde erfüllte“: Da.2/35; unter dem Felsen wird im Wort verstanden der Herr hinsichtlich des göttlich Wahren. Und derselbe Prophet anderwärts: „Ich sah in den Gesichten der Nacht, und siehe mit der Himmel Wolken wie ein Menschensohn, und Diesem ward gegeben Herrschaft und Herrlichkeit und Reich, und alle Völker, Nationen und Zungen werden Ihn verehren, Seine Herrschaft ist eine Herrschaft der Ewigkeit, die nicht vergehen, und Sein Reich, das nicht untergehen wird“: Da.7/13,14; und dieses sagt er, nachdem er gesehen hatte, wie die vier großen Tiere, Vers 3, durch die auch die vier früheren Kirche vorgebildet wurden, aus dem Meer aufstiegen. Daß diese Dinge von Daniel auf diese Zeit geweissagt wurden erhellt aus seinen Worten Kap.12/4; dann auch aus den Worten des Herrn, Matth.24/15,30; ähnliches wird gesagt in der Offb.11/15: „Der siebente Engel posaunte, da ertönten starke Stimmen im Himmel: Es sind die Reiche [der Welt] unseres Herrn und Seines Christus geworden, und Er wird regieren in die Zeitläufe der Zeitläufe“.

789. Außerdem haben von dieser Kirche, wie sie sein werde, die übrigen Propheten in vielen Stellen geweissagt, aus denen folgende wenige angeführt werden sollen: Sach.14/7-9: „Es wird ein Tag sein, der dem Jehovah bekannt ist, nicht Tag noch Nacht, denn um die Abendzeit wird Licht sein; an jenem Tage werden lebendige Wasser von Jerusalem ausgehen, und Jehovah wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tage wird Jehovah einer sein, und einer Sein Name“. Joel 4/17-21: „An jenem Tage wird es geschehen, daß von Most die Berge triefen und von Milch die Hügel fließen werden, und Jerusalem wird thronen von Geschlecht zu Geschlecht“. Jer.3/17; Offb.21/24,26: „Zu jener Zeit wird man Jerusalem den Thron Jehovahs nennen, und es werden alle Völker ob Jehovahs Namen sich versammeln nach Jerusalem, und nicht mehr gehen nach der Bestärkung ihres bösen Herzens“. Jes.33/20: „Es mögen deine Augen sehen nach Jerusalem, der stillen Wohnung, dem Gezelt, das nicht zerstört wird werden, es sollen seine Pflöcke nie verrückt, noch seine Seile abgerissen werden“. In diesen Stellen wird unter Jerusalem das heilige neue Jerusalem verstanden, das in der Offb.Kap.21 beschrieben ist, und unter dem die neue Kirche verstanden wird. Wieder bei Jesajas: „Es wird ein Schoß vom Stamm Jischais ausgehen, und Gerechtigkeit wird Seiner Lenden Gürtel sein, und Wahrheit Seiner Hüften Gürtel; darum wird der Wolf zusammenwohnen mit dem Lamm, und der Pardel mit dem Bock, das Kalb, der junge Löwe und das Mastvieh beisammen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten; eine junge Kuh wird mit dem Bären weiden, ihre Jungen werden beieinanderliegen; ja der Säugling wird spielen über dem Loch der Otter, und der Entwöhnte seine Hand hinhalten über die Höhle des Basilisken; sie werden nichts Böses tun, noch sich verderben auf dem ganzen Berge Meiner Heiligkeit; weil voll sein wird das Land von der Erkenntnis des Jehovah. Geschehen wird es an jenem Tage, daß die Wurzel des Jischai, welche steht den Völkern zum Panier, die Völkerschaften suchen werden, und Ruhe wird sein Seine Herrlichkeit“: Jes.11/1,5-10; daß dergleichen noch nicht in den Kirchen, und am wenigsten in der letzten vorkam, ist bekannt. Bei Jeremias: „Siehe, die Tage kommen, da Ich einen neuen Bund aufrichten werde, und dies soll sein der Bund: Ich werde Mein Gesetz in ihre Mitte geben, und auf ihr Herz es schreiben, und ihr Gott sein, und sie werden MeinVolk sein; alle werden Mich erkennen, vom Kleinsten derselben bis zum Größten derselben“: Jer.31/31-34; Offb.21/3. Daß dies in den Kirchen vor diesem nicht gegeben wurde, ist auch bekannt; der Grund war, weil sie sich nicht an den schaubaren Gott wandten, Den alle erkennen sollen, und weil Er das Wort oder das Gesetz ist, das Er in ihrer Mitte geben und auf ihr Herz schreiben will. Bei Jesajas: „Ob Jerusalem will Ich nicht ruhen, bis wie ein Glanz hervorgehe seine Gerechtigkeit, und sein Heil wie eine Lampe brenne; und man wird dir einen neuen Namen geben, den Jehovahs Mund aussprechen wird, und du wirst sein eine Krone der Zierde und eine Tiara des Königreichs in deines Gottes Hand; Jehovah wird Sein Wohlgefallen an dir haben, und es wird dein Land vermählt werden. Siehe dein Heil wird kommen, siehe, Sein Lohn mit Ihm, und nennen wird man sie das Volk der Heiligkeit, Erlöste Jehovahs, und man wird dich heißen die gesuchte Stadt, die nicht verlassene“: Jes.62/1-4,11,12.

790. Wie diese Kirche beschaffen sein wird, wird umständlich beschrieben in der Offenbarung, wo vom Ende der vorigen Kirche und von der Entstehung der neuen gehandelt wird. Diese neue Kirche wird durch das neue Jerusalem und durch dessen Pracht beschrieben, und dadurch, daß sie die Braut und das Weib des Lammes sein werde: Offb.19/7; 21/2,9. Außerdem will ich aus der Offenbarung nur dies hierher setzen, daß, als das neue Jerusalem gesehen ward, wie es herabstieg aus dem Himmel, gesagt wird: „Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen, Der bei ihnen wohnen wird, und sie werden Seine Völker sein, und Er wird mit ihnen sein ihr Gott, und die Völkerschaften, welche selig werden, werden in ihrem Lichte wandeln, und Nacht wird nicht da sein. Ich Jesus habe Meinen Engel gesandt, euch dieses in den Kirchen zu bezeugen; Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der glänzende und der morgendliche Stern; der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen da dürstet, der komme, und wer da will, der nehme Wasser des Lebens umsonst. Ja, komm Herr Jesu! Amen“: Offb.21/3,24,25; 22/16,17,20.

1 Es scheint ein Widerspruch in der Tatsache zu liegen, daß diese Aussendung der Apostel bereits oben zweimal erwähnt werden konnte (vergleiche Nr. 4 und 108) und nun hier als Ereignis bezeichnet wird, das »nach Beendigung dieses Werkes« stattfand. (entnommen aus WCR Band III, Abs. 791, von F. Horn) Siehe anschließende Erklärung von F. Horn. 2 F. Horn schrieb: ‚vor dem Anhang‘, weil F. Horn im Band IV statt ‚Zugabe‘ Anhang betitelt hat.