Diese Ankunft des Herrn, welche die zweite ist, findet zu dem Zweck statt, damit die Bösen von den Guten geschieden und diejenigen selig werden, die an Ihn geglaubt haben und glauben, und aus diesen ein neuer Engelhimmel und eine neue Kirche auf Erden gebildet werde; und ohne dies hätte kein Fleisch erhalten werden können: Matth.24/22

772. Daß diese zweite Ankunft des Herrn nicht statthabe, um den sichtbaren Himmel und die bewohnbare Erde zu zerstören, ist im vorhergehenden Abschnitt gezeigt worden. Daß sie nicht zum Zweck habe, etwas zu zerstören, sondern aufzubauen, mithin nicht zu verdammen, sondern diejenigen selig zu machen, die seit Seiner ersten Ankunft an Ihn geglaubt haben und in der Folge glauben werden, erhellt aus folgenden Worten des Herrn: „Nicht hat Gott Seinen Sohn in die Welt gesandt, daß Er die Welt richte, sondern daß die Welt durch Ihn selig werde; wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes“: Joh.3/17,[18]; und anderwärts: „Wenn jemand Meine Worte hört und doch nicht glaubt, so richte Ich ihn nicht, denn Ich bin nicht gekommen die Welt zu richten, sondern die Welt selig zu machen; wer Mich verachtet und Meine Worte nicht aufnimmt, hat schon, was ihn richtet, das Wort das Ich gesprochen, wird ihn richten“: Joh.12/47,48. Daß das Jüngste Gericht gehalten worden ist in der Geisterwelt im Jahre 1757, ist in dem zu London im Jahr 1758 herausgegebenen Werkchen vom »Letzten Gericht«, und weiter in der »Fortsetzung davon«, Amsterdam 1763, zur öffentlichen Kunde gebracht worden; was ich bezeuge, weil ich es mit meinen Augen bei vollem Wachen gesehen habe.

773. Daß die Ankunft des Herrn statthat, um aus denen, die an Ihn geglaubt haben, einen neuen Himmel zu bilden, und aus denen, die in der Folge an Ihn glauben, eine neue Kirche zu gründen, hat seinen Grund darin, daß diese zwei Dinge die Endzwecke Seiner Ankunft sind. Der eigentliche Endzweck der Schöpfung des Weltalls war auch kein anderer, als daß aus den Menschen ein Engelhimmel gebildet würde, in dem alle, welche an Gott glauben, leben sollten in ewiger Seligkeit; denn die göttliche Liebe, die in Gott und wesentlich Gott ist, kann nichts anderes beabsichtigen, und die göttliche Weisheit, die auch in Gott und Gott ist, kann auch nichts anderes hervorbringen. Weil die Schöpfung des Weltalls den Engelhimmel aus dem menschlichen Geschlecht und zugleich die Kirche auf Erden zum Endzweck hatte, (denn durch die Kirche muß der Mensch in den Himmel eingehen), und weil die Seligmachung der Menschen, die bewirkt wird an Menschen, die in der Welt geboren werden sollen, in solcher Weise eine Fortsetzung der Schöpfung ist, darum wird hin und wieder im Wort der Ausdruck ‚Schaffen‘ gebraucht, und darunter verstanden zum Himmel bilden, wie in folgenden Stellen: „Ein reines Herz schaffe mir, Gott, und einen festen Geist erneuere inmitten meiner“: Ps.51/12. „Du öffnest die Hand, da werden sie mit Gutem gesättigt, Du sendest den Geist, da werden sie geschaffen“: Ps.104/28,30. „Das Volk, welches wird geschaffen werden, wird preisen Jah“: Ps.102/19. „So sprach Jehovah, dein Schöpfer, Jakob, dein Bildner, Israel, Ich habe dich erlöst, habe dich genannt mit deinem Namen, du, jedweden, der nach Meinem Namen genannt ist, zu Meiner Herrlichkeit erschuf Ich ihn“: Jes.43/1,7. „Am Tage, da du geschaffen wardst, sind sie bereitet worden; vollkommen warst du in deinen Wegen vom Tage an, da du geschaffen wurdest, bis Verkehrtheit in dir gefunden wurde“: Ez.28/13,15; dies vom König von Tyrus. „Damit sie sehen, erkennen, darauf achten und verstehen, daß die Hand Jehovahs dies gemacht, und der Heilige Israels dies geschaffen hat“: Jes.41/19,20. Hieraus kann erhellen, was unter ‚schaffen‘ verstanden wird in folgenden Stellen: „Jehovah, Der die Himmel schafft, die Erde ausbreitet, die Seele gibt dem Volk auf ihr, und Geist den auf ihr Wandelnden“: Jes.42/5; 45/12,18. „Siehe, Ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde, freuet euch in Ewigkeit ob dem, was Ich erschaffe; siehe Ich werde Jerusalem zum Jauchzen schaffen“: Jes.65/17,18.

774. Der Herr ist bei jedem Menschen, sowohl dem bösen als dem guten, beständig gegenwärtig, denn ohne Seine Gegenwart lebt kein Mensch; Seine Ankunft hingegen findet bloß statt bei denen, die Ihn aufnehmen, welche diejenigen sind, die an Ihn glauben und Seine Gebote halten. Die beständige Gegenwart des Herrn macht, daß der Mensch vernünftig wird, und daß er geistig werden kann; dies bewirkt das vom Herrn als der Sonne in der geistigen Welt ausgehende Licht, das der Mensch mit dem Verstand aufnimmt, und dieses Licht ist die Wahrheit, durch die er Vernünftigkeit hat. Die Ankunft des Herrn hingegen findet bei demjenigen statt, der mit diesem Licht die Wärme, das heißt, mit der Wahrheit die Liebe verbindet; denn die aus eben jener Sonne hervorgehende Wärme ist die Liebe zu Gott und gegen den Nächsten. Die bloße Gegenwart des Herrn und die daher rührende Erleuchtung des Verstandes kann verglichen werden mit der Gegenwart des Sonnenlichtes in der Welt, ohne dessen Verbindung mit der Wärme alles auf der Erde abgeödet wird. Hingegen die Ankunft des Herrn kann verglichen werden mit der Ankunft der Wärme, die zur Zeit des Frühlings statthat, und weil alsdann die Wärme sich mit dem Licht verbindet, so wird die Erde erweicht, die Samen sprossen hervor und bringen Früchte. Ein solcher Parallelismus besteht zwischen den geistigen Dingen, in denen der Geist des Menschen, und den natürlichen Dingen, in denen sein Körper ist.

775. Es verhält sich mit dem Menschen der Kirche als Verein oder in seiner Gesamtheit gerade wie mit dem Menschen im einzelnen oder im besonderen: der Mensch als ein Verein oder eine Gesamtheit ist die Kirche unter vielen, und der Mensch im einzelnen oder besonderen ist die Kirche; in einem jeden unter jenen vielen. Es ist der göttlichen Ordnung gemäß, daß ein Allgemeines und ein Besonderes bestehe, und daß beide zugleich in jedem Gegenstand seien, und daß das Besondere anders weder entstehe noch bestehe; so wie es inwendig im Menschen gar nichts Besonderes gibt, wofern nicht ein Allgemeines ist, von dem es umgeben wird. Das Besondere im Menschen sind die Eingeweide und deren Teile, und das Allgemeine sind die Hüllen, die nicht bloß um den ganzen Körper her, sondern auch um die einzelnen Eingeweide, und um die einzelnen Teile derselben her sind. Ebenso verhält es sich mit jedem Tier [der Erde], Vogel und Wurm, und ebenso auch mit jedem Baum, Strauch und Samen; auch kann es keinen Ton von Saiten- und Blasinstrumenten geben, wenn nicht ein Allgemeinstes besteht, von dem die einzelnen Teile der Melodie ihr Gemeinsames herleiten, damit sie entstehen. Das gleiche ist auch der Fall bei jedem Sinn des Körpers, z.B. beim Gesicht, dem Gehör, dem Geruch, dem Geschmack und dem Tastsinn, und das gleiche auch bei jedem inneren Sinn, der dem Gemüt angehört. Dies ist der Verdeutlichung wegen angeführt worden, damit man wisse, daß es auch in der Kirche ein Allgemeines und ein Besonderes, und auch ein Allgemeinstes gibt, und daß von daher kommt, daß vier Kirchen der Ordnung nach vorausgingen, aus welcher Fortbewegung ein Allgemeinstes der Kirche, und allmählich das Allgemeine und Besondere einer jeden entstand. Auch im Menschen sind zwei Allgemeinste, aus denen alles Allgemeine und besondere Einzelne seine Existenz hernimmt; jene zwei Allgemeinste sind im Körper das Herz und die Lunge, in seinem Geist der Wille und der Verstand; von diesen und jenen hängt alles zu seinem Leben Gehörige, sowohl im Allgemeinen, als im Besonderen ab, und ohne sie würde es zerfallen und absterben. Das gleiche würde der Fall sein beim ganzen Engelhimmel und beim ganzen Menschengeschlecht, ja bei der ganzen erschaffenen Welt, wofern nicht von Gott, von Seiner Liebe und Weisheit alles im Allgemeinen, und das Einzelne im Besonderen abhinge.