Diejenigen gehen wuerdig zum heiligen Abendmahl, die im Glauben an den Herrn und in tätiger Liebe gegen den Nächsten sind, somit diejenigen, welche wiedergeboren sind

722. Daß Gott, die Liebtätigkeit und der Glaube die drei durchwaltenden Erfordernisse der Kirche sind, weil sie die allumfassenden Heilsmittel sind, das weiß, anerkennt und begreift jeder Christ, der im Wort forscht. Daß Gott anerkannt werden muß, damit man Religion und etwas von der Kirche in sich habe, das fordert schon die Vernunft, wenn etwas Geistiges in ihr ist; weshalb, wer zum heiligen Abendmahl geht und Gott nicht anerkennt, dasselbe entweiht; denn er sieht mit dem Auge das Brot und den Wein und kostet sie mit der Zunge, das Gemüt hingegen denkt: Was ist dies anderes, als etwas Gleichgültiges, und worin unterscheiden sich diese Dinge von ähnlichen auf meinem Tisch? Doch mache ich mit, damit ich nicht von der Geistlichkeit, und infolgedessen vom gemeinen Volk in den üblen Ruf eines Gottesleugners gebracht werde. Daß nach der Anerkennung Gottes die Liebtätigkeit das zweite Mittel sei, welches macht, daß jemand würdig hinzugeht, erhellt sowohl aus dem Wort, als aus den Anreden, die vor dem Hinzutritt in der ganzen Christenheit vorgelesen werden aus dem Wort: „Erstes Gebot und Vorschrift ist, daß man Gott über alles, und den Nächsten wie sich selber liebe“: Matth.22/34-39; Luk.10/25-28. Dann bei Paulus: „Drei Dinge sind, die zum Heil beitragen, das größte unter ihnen aber ist die Liebtätigkeit“: 1Kor.13/13; sowie auch aus folgendem: „Wir wissen, daß Gott die Sünder nicht hört, so aber jemand Gott verehrt und Seinen Willen tut, den hört Er“: Joh.9/31. „Jeder, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen“: Matth.7/19,20; Luk.3/8,9. Aus den Anreden, die vor dem Hinzutritt zum heiligen Abendmahl in der ganzen Christenheit vorgelesen werden: In diesen wird man allenthalben ernstlich ermahnt, in der Liebtätigkeit zu sein durch Versöhnlichkeit und Buße; aus ihnen will ich hier bloß folgendes aus der Anrede an die Kommunikanten in England hersetzen: „Dies ist der Weg und dies das Mittel, daß jemand würdig des heiligen Abendmahles teilhaftig werde; das erste ist, daß er die Handlungen und den Wandel seines Lebens nach der Vorschrift der Gebote Gottes prüfe, und wenn er bemerkt, daß er irgendworin mit dem Willen und der Rede, oder mit den Taten gefehlt hat, daß er seine fehlerhafte Natur beklage und vor dem allmächtigen Gott ein Bekenntnis ablege, mit dem vollen Vorsatz, sein Leben zu bessern; und wenn er bemerkt, daß seine Vergehungen von der Art sind, daß sie nicht nur wider Gott, sondern auch wider den Nächsten sind, so soll er sich mit diesem versöhnen, und bereit sein zur Wiedererstattung und Genugtuung mit all seinem Vermögen für die jemanden zugefügten Beleidigungen und Übel; und ebenso soll er geneigt sein anderen ihre Beleidigungen zu vergeben, wie er will, daß seine Beleidigungen von Gott vergeben werden; widrigenfalls bewirkt das heilige Abendmahl nichts, als daß es die Verdammnis erschwert. Ist daher jemand unter euch ein Gotteslästerer, ein Verkleinerer und Verhöhner Seines Wortes, oder in Bosheit, oder in Übelwollen, oder in einem anderen großen Verbrechen, so tue du Buße wegen deiner Sünden; wo nicht, so tritt nicht herzu zum heiligen Abendmahl; sonst wird nach dem Empfang des heiligen Abendmahls der Teufel in dich fahren, wie er in Judas fuhr, und dich mit aller Ungerechtigkeit erfüllen, und Leib und Seele verderben“. Daß der Glaube an den Herrn das dritte Mittel eines würdigen Genusses des heiligen Abendmahles ist, gründet sich darauf, daß die Liebtätigkeit und der Glaube eins ausmachen, wie die Wärme und das Licht zur Zeit des Frühlings, aus denen beiden, wenn sie verbunden sind, jeder Baum wiedergeboren wird; ebenso lebt jeder Mensch aus der geistigen Wärme, welche Liebtätigkeit ist, und aus dem geistigen Licht, welches die Wahrheit des Glaubens ist. Daß der Glaube an den Herrn dies bewirkt, erhellt aus folgenden Stellen: „Wer an Mich glaubt, wird ewiglich nicht sterben, sondern leben“: Joh.11/25,26. „Dies ist der Wille des Vaters, daß jeder, der an den Sohn glaubt, das ewige Leben habe“: Joh.6/40. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an Ihn glaubt, das ewige Leben habe“: Joh.3/15,16. „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben, wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm“: Joh.3/36. „Wir sind in der Wahrheit, im Sohn Gottes Jesus Christus, Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben“: 1Joh.5/20,21.

723. Daß durch diese drei, den Herrn, die Liebtätigkeit und den Glauben, als eines der Mensch wiedergeboren werde, und daß er, wofern er nicht wiedergeboren wird, nicht in den Himmel kommen könne, ist im Kapitel von ‚der Umbildung und Wiedergeburt‘ gezeigt worden; und deshalb kann der Herr keinen anderen, als den Wiedergeborenen, den Himmel öffnen, und wird nach dem natürlichen Tod keinem anderen der Eintritt in denselben gestattet. Unter den Wiedergeborenen, die würdig hinzugehen, werden diejenigen verstanden, die innerlich in jenen drei wesentlichen Erfordernissen der Kirche und des Himmels sind, nicht aber diejenigen, die es bloß äußerlich sind; denn diese bekennen den Herrn nicht mit der Seele, sondern bloß mit der Zunge, und üben die tätige Liebe gegen den Nächsten nicht mit dem Herzen, sondern bloß mit dem Körper; von dieser Art sind alle, die Unrecht tun, nach folgenden Worten des Herrn: „Dann werdet ihr anheben zu sagen: Herr, wir haben vor Dir gegessen und getrunken, allein Ich werde ihnen sagen: Ich kenne euch nicht, woher ihr seid weichet von Mir alle Übeltäter“: Luk.13/26,27.

724. Dieses läßt sich, wie das Frühere, durch mancherlei, was damit übereinkommt und auch ntspricht, beleuchten, wie z.B. durch folgendes: Daß zur Tafel eines Kaisers und eines Königs keine anderen zugelassen werden, als solche, die in einem ehrenvollen Amt und Würde sind, und daß auch diese, bevor sie hinzugehen, anständige Kleider anlegen und sich mit Ehrenzeichen schmücken, damit sie gut aufgenommen werden und Gunst gewinnen; wie viel mehr dies, wenn zum Tisch des Herrn, Welcher der Herr der Herren und der König der Könige ist: Offb.17/14, zu Dem alle gerufen und geladen sind! Allein bloß die, welche geistig würdig und ehrenhaft gekleidet sind, werden, wenn sie vom Tisch aufstehen, in die Paläste des Himmels und in die Freuden daselbst eingelassen und als Fürsten geehrt, weil sie die Söhne des größten Königs sind, und liegen nachher täglich zu Tisch mit Abraham, Isaak und Jakob: Matth.8/11, unter denen verstanden wird der Herr hinsichtlich des himmlisch Göttlichen, des geistig Göttlichen und des natürlich Göttlichen. Ebendasselbe kann auch verglichen werden mit den Hochzeiten auf Erden, zu denen bloß die Geschwister, Verwandte und Freunde des Bräutigams und der Braut eingeladen werden, und ein anderer, wenn er eintritt, zwar eingelassen wird, weil er aber keinen Platz am Tisch hat, sich wieder entfernt. Ebenso verhält es sich mit denen, die zur Hochzeit des Herrn als des Bräutigams mit der Kirche als der Braut berufen sind, unter denen die Blutsverwandten, Verwandten und Freunde diejenigen sind, die durch die Wiedergeburt ihren Stammbaum vom Herrn ableiten. Zudem, wer wird in der Welt in die Freundschaft eines anderen aufgenommen, außer wer mit aufrichtigem Herzen ihm vertraut und seinen Willen tut? Diesen und keine andere zählt er unter die Seinigen, und ihm vertraut er seine Güter an.