Diejenigen, die würdig zum heiligen Abendmahl gehen, sind im Herrn, und der Herr in ihnen; durch das heilige Abendmahl wird also eine Verbindung mit dem Herrn bewirkt

725. Daß zum heiligen Abendmahl diejenigen würdig gehen, die im Glauben an den Herrn und in Liebtätigkeit gegen den Nächsten sind, und daß die Wahrheiten des Glaubens eine Gegenwart des Herrn, und das Gute der Liebtätigkeit zusamt dem Glauben eine Verbindung bewirken, ist oben in mehreren Kapiteln gezeigt worden, woraus folgt, daß die, welche würdig zum heiligen Abendmahl gehen, mit dem Herrn verbunden werden, und die, welche mit dem Herrn verbunden sind, in Ihm sind und Er in ihnen. Daß dies bei denen geschieht, die würdig hinzugehen, erklärt der Herr selbst bei Joh.6/56 mit den Worten: „Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, bleibt in Mir und Ich in ihm“; daß dies eine Verbindung mit dem Herrn ist, lehrt Er auch anderwärts bei Joh.15/4,5, und Offb.3/20: „Bleibet in Mir, und Ich in euch; wer in Mir bleibt, und Ich in ihm, der bringt viele Frucht“. Was ist die Verbindung mit dem Herrn anderes, als unter denjenigen sein, die in Seinem Leib sind? Seinen Leib aber bilden die, welche an Ihn glauben und Seinen Willen tun; Sein Wille ist die Übung der Liebtätigkeit gemäß den Wahrheiten des Glaubens.

726. Daß es ohne die Verbindung mit dem Herrn kein ewiges Leben und keine Seligkeit geben kann, hat seinen Grund darin, daß Er selbst beides ist. Daß Er das ewige Leben ist, erhellt deutlich aus den Stellen im Wort, und aus folgender bei 1Joh.5/20: „Jesus Christus ist der wahre Gott und das ewige Leben“. Daß Er das Heil ist, beruht darauf, daß dieses und das ewige Leben eines sind: Schon Sein Name Jesus bedeutet das Heil, und darum wird Er in der ganzen christlichen Welt Heiland genannt. Dennoch aber gehen keine anderen würdig zum heiligen Abendmahl hinzu, als die, welche innerlich mit dem Herrn verbunden sind, und innerlich verbunden sind die, welche wiedergeboren sind; welche aber wiedergeboren seien, ist im Kapitel von der ‚Umbildung und Wiedergeburt‘ gezeigt worden. Außerdem gibt es zwar viele, die den Herrn bekennen und die dem Nächsten Gutes tun; allein wenn sie dies nicht aus Liebe gegen den Nächsten und aus dem Glauben an den Herrn tun, so sind sie nicht wiedergeboren; denn sie tun dem Nächsten bloß Gutes aus Gründen, welche die Welt und sie selbst, nicht aber den Nächsten als Nächsten zum Zweck haben; die Werke solcher sind bloß natürlich, und bergen inwendig in sich gar nichts Geistiges; denn eben sie bekennen den Herrn bloß mit dem Mund und den Lippen, von denen das Herz weit entfernt ist. Die wirkliche Nächstenliebe und der wirkliche Glaube sind einzig aus dem Herrn, und beide werden dem Menschen gegeben, während er aus seinem freien Willen dem Nächsten in natürlicher Weise Gutes tut, und in vernunftmäßiger Weise die Wahrheiten glaubt und zum Herrn aufsieht, und diese drei Dinge um der Gebote im Wort willen tut; alsdann nämlich pflanzt der Herr die tätige Liebe und den Glauben in seine Mitte, und macht beide geistig. So verbindet der Herr den Menschen mit Sich, und der Mensch sich mit dem Herrn; denn eine Verbindung findet nicht statt, wenn sie nicht gegenseitig geschieht. Doch dies ist in den Kapiteln von der ‚Liebtätigkeit und dem Glauben‘ und vom ‚freien Willen‘, sowie von der ‚Wiedergeburt‘ vollständig gezeigt worden.

727. Daß durch die Einladungen zu Tisch, und durch die Gastmahle Verbindungen und Genossenschaften in der Welt bewirkt werden, ist bekannt; denn der Einladende beabsichtigt damit etwas, das zu einem Zweck beiträgt, der auf Zusammenstimmung und Freundschaft abzielt. Noch viel mehr gilt dies von Einladungen, die Geistiges zum Endzweck haben. Die Gastmahle in den alten Kirchen waren Liebesmahle, ebenso in der christlichen Urkirche; bei ihnen befestigte der eine den anderen, in der Verehrung des Herrn mit aufrichtigem Herzen zu verharren. Die Opfermahlzeiten der Kinder Israels neben der Stiftshütte bezeichneten nichts anderes, als die Einmütigkeit im Dienste Jehovahs, weshalb das Fleisch, das dann gegessen wurde, das Heilige heißt: Jer.11/15; Hag.2/12; und öfter anderwärts, weil es vom Opfer herkam; wie viel mehr das Brot und der Wein, und das Passahfleisch beim Abendmahl des Herrn, Der Sich zum Opfer für die Sünden der ganzen Welt darbrachte! Außerdem kann die Verbindung mit dem Herrn durch das heilige Abendmahl beleuchtet werden durch die Verbindung der von einem Stammvater abstammenden Familien: von ihm steigen herab die Blutsverwandten und der Ordnung nach schließen sich an die Verschwägerten und die Seitenverwandten, und sie alle haben etwas von ihrem ersten Stammvater an sich; dennoch aber nehmen sie nicht von daher das Fleisch und Blut, sondern etwas aus dem Fleisch und Blut, somit die Seele, und von daher die Neigung zu Ähnlichem, durch das sie verbunden sind; die Verbindung selbst erscheint auch gemeinhin in den Gesichtern und auch in den Sitten, und infolgedessen heißen sie ein Fleisch, wie z.B. 1Mo.29/14; 37/27; 2Sa.5/1; 19/12,13, und anderwärts. Ebenso verhält es sich mit der Verbindung mit dem Herrn, Welcher der Vater aller Gläubigen und Seligen ist; die Verbindung mit Ihm geschieht durch die Liebe und den Glauben, durch welche beide sie ein Fleisch heißen; daher kommt, daß Er sagte: „Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir, und Ich in ihm“.

Wer sieht nicht, daß das Brot und der Wein dies nicht bewirken, sondern das Gute der Liebe, das unter dem Brot, und das Wahre des Glaubens, das unter dem Wein verstanden wird, welche Eigentum des Herrn sind, und aus Ihm allein hervorgehen und mitgeteilt werden? Wirklich geschieht auch alle Verbindung durch eine Liebe, und die Liebe ist nicht Liebe ohne Vertrauen. Die, welche glauben, daß das Brot das Fleisch sei, und der Wein das Blut, und ihr Denken nicht höher erheben können, mögen dabei bleiben, jedoch nicht anders, als so, daß etwas Höchstheiliges, das ein Verbindungsmittel mit dem Herrn ist, dasjenige sei, was dem Menschen als das Seine zugeschrieben und angeeignet wird, obgleich es fortwährend Eigentum des Herrn bleibt.