Die wirkliche Busse ist leicht bei denen, die sie schon einige Male getan haben, fällt aber denen äußerst schwer, die sie noch nicht getan haben

561. Wirkliche Buße ist, sich prüfen, seine Sünden erkennen, sie vor dem Herrn bekennen und so ein neues Leben anfangen; sie verhält sich nach der Beschreibung im Vorhergehenden; sie ist so in der protestantischen Christenheit, unter der die von der römisch-katholischen Kirche Getrennten verstanden werden, und auch die zu dieser sich Haltenden, welche keine wirkliche Buße getan haben; diesen und jenen ist die wirkliche Buße höchst zuwider; die Ursache ist, weil einige nicht wollen, und andere sich scheuen, und die Ungewohntheit den Menschen verhärtet, und ein Nicht-wollen herbeiführt, und zuletzt eine Zustimmung aus dem vernünftelnden Verstand, und bei einigen Bangigkeit, Furcht und Schrecken davor. Die Hauptursache, warum die wirkliche Buße in der protestantischen Christenheit äußerst anwidernd ist, ist der Glaube, daß die Buße und die Liebtätigkeit nichts zum Heil beitragen, sondern der bloße Glaube, aus dessen Zurechnung die Sündenvergebung, Rechtfertigung, Erneuerung, Wiedergeburt, Heiligung, und die ewige Seligkeit hervorgehen sollen, ohne daß der Mensch aus sich, oder wie aus sich mitwirke; dies nennen ihre Dogmatiker etwas Vergebliches und dem Verdienste Christi im Wege Stehendes, Widerstreitendes und Zunahetretendes; und dies ist der Menge, - obgleich sie das Mystische dieses Glaubens nicht kennen, - eingepflanzt, schon durch die bloßen Redensarten: ‚der bloße Glaube macht selig‘, und ‚wer kann Gutes aus sich tun?‘ Daher kommt, daß die Buße bei den Protestanten ist wie ein Nest mit Jungen, das von den vom Vogelsteller gefangenen und getöteten Vögeln verlassen ist. Zu dieser Ursache kommt noch die weitere hinzu, daß der sogenannte Protestant seinem Geist nach nur mit solchen in der geistigen Welt zusammen ist, die ihm ähnlich sind, und in die Vorstellungen seiner Gedanken dergleichen hineinbringen, und ihn vom Pfad des in sich Hineinblickens und der Selbstprüfung abziehen.

562. Ich habe viele von den Protestanten in der geistigen Welt gefragt, warum sie keine wirkliche Buße getan hätten, während ihnen dies doch auferlegt worden war, sowohl im Wort, als bei der Taufe, und vor dem heiligen Abendmahl in allen ihren Kirchen; und sie antworteten Verschiedenes; einige: Es genüge an der Zerknirschung, und dann am mündlichen Bekenntnis, daß man ein Sünder sei. Andere: eine solche Buße treffe, weil sie durch das Wirken des Menschen aus seinem Willen geschehe nicht mit dem allgemein angenommenen Glauben zusammen. Andere: Wer könnte sich erforschen, während er doch weiß, daß er lauter Sünde ist? Dies würde ebensoviel sein, als ein Netz in einen See werfen, der vom Grund bis zur Oberfläche mit Schlamm angefüllt ist, in dem sich schädliches Gewürm befindet. Andere: Wer kann so tief in sich hineinblicken, daß er die Sünde Adams in sich sieht, aus der all sein wirkliches Böse entsprungen ist? Ist nicht dieses zugleich mit jenem durch das Wasser der Taufe weggewaschen, und durch das Verdienst Christi abgewischt und zugedeckt? Was ist da die Buße anderes, als eine Auflage, welche die ängstlichen Gewissen sehr beschwert und beunruhigt? Sind wir nicht Kraft des Evangeliums unter der Gnade, und nicht unter dem harten Gesetz dieser Buße? Und dergleichen mehr. Einige sagten, wenn sie sich anstrengen, sich zu erforschen, so wandle sie Furcht und Schrecken an, wie wenn sie ein Ungetüm neben ihrem Bett zur Zeit der Morgendämmerung erblickten. Hierdurch stellten sich die Ursachen heraus, warum die wirkliche Buße in der protestantischen Christenheit wie in Abgang gekommen und verworfen ist. Und ich fragte in Gegenwart derselben einige, die der römisch-katholischen Religion zugetan waren, über ihr wirkliches Bekenntnis vor ihrem Geistlichen, ob sie es mit Widerstreben abgelegt hätten, und sie antworteten, sie hätten, nachdem sie in dasselbe eingeleitet waren, sich nicht gescheut vor der Aufzählung ihrer Verfehlungen vor einem nicht strengen Beichtvater, und hätten sie mit einer gewissen Lust zusammengestellt, und mit heiterem Sinn die leichteren hererzählt, die schwereren hingegen mit einiger Schüchternheit; und alljährlich seien sie in üblicher Weise zwanglos zur Erfüllung ihrer Aufgabe, und nach erhaltener Absolution in ihre heitere Stimmung zurückgekehrt; sodann auch sehen sie alle die als unrein an, welche die Befleckungen ihres Herzens nicht aufdecken wollen. Als die Protestanten, welche anwesend waren, dies hörten, flohen sie davon, einige in ein mehr oder weniger lautes Gelächter ausbrechend, andere erstaunend und doch zugleich lobend. Nachher kamen einige dazu, die derselben Kirche zugetan waren, aber in Gegenden sich aufgehalten hatten, wo Protestanten waren; diese hatten nach dem dort bestehenden Gebrauch, nicht, wie ihre Brüder anderwärts, eine ins einzelne gehende, sondern nur eine allgemeine Beichte vor ihrem Schlüsselträger abgelegt; sie sagten, sich prüfen, ihr wirkliches Böses und die Heimlichkeiten ihrer Gedanken erforschen und kundgeben, das hätten sie durchaus nicht gekonnt, und zwar hätten sie dabei so etwas Widerstrebendes und Schreckendes gefühlt, wie wenn sie hätten über einen Graben auf einen Wall springen wollen, auf dem ein bewaffneter Soldat steht und ruft: Zurück! Hieraus geht nun hervor, daß die wirkliche Buße leicht ist bei denen, die sie einige Male getan haben, äußerst schwer aber denen, die sie nicht getan haben.

563. Es ist bekannt, daß die Gewohnheit die andere Natur macht, und daß daher dem einen leicht ist, was dem anderen schwer ist, und so denn auch sich selbst prüfen und das Resultat der Selbstprüfung beichten; was ist dem Lohnarbeiter, dem Lastträger und dem Landmann leichter, als mit den Händen zu arbeiten vom Morgen bis zum Abend, während dagegen der Vornehme und Zartgehaltene eben dasselbe nicht ohne Ermüdung und Schweiß eine halbe Stunde tun kann. Leicht ist es dem Läufer, mit Stock und in weichen Schuhen den Weg einer Meile zu machen, während der ans Fahren Gewöhnte kaum langsam von einer Straße in die andere gehen kann. Jeder Künstler, der seinem Werk mit Eifer obliegt, vollbringt es leicht und gern, und sehnt sich, wenn er davon weggeht, zu demselben zurückzukehren, während ein anderer, der dieselbe Kunst versteht, aber schlaff ist, kaum endlich dazu angehalten werden kann. Ebenso jeder, der in irgendeinem Amt oder in irgendeiner wissenschaftlichen Beschäftigung ist. Was ist dem, der sich der Frömmigkeit befleißt, leichter, als zu Gott zu beten, und was ist dem der Gottvergessenheit Dahingegebenen schwerer, und umgekehrt? Welcher Geistliche, der zum ersten Male vor dem König predigt, fühlt sich nicht beklommen, nachdem er aber eingesetzt ist, fährt er unerschrocken fort. Was ist dem Engelmenschen leichter, als die Augen zum Himmel aufzuheben, und dem Teufelmenschen, als die Augen zur Hölle? wird aber dieser ein Heuchler, so kann er in gleicher Weise zum Himmel aufblicken, obwohl mit abgewandtem Herzen; der Endzweck, wegen dessen etwas geschieht, und die von daher erlangte Fertigkeit nehmen jeglichen ein.