Die Wiedergeburt ist nicht moeglich ohne Wahrheiten, durch die der Glaube gebildet wird, und mit denen sich die Liebtätigkeit verbindet

618. Dreierlei ist, wodurch der Mensch wiedergeboren wird, der Herr, der Glaube und die Liebtätigkeit; diese drei würden wie in die Erde vergrabene Kostbarkeiten edelster Art verborgen bleiben, wenn nicht die göttlichen Wahrheiten aus dem Wort sie aufschlössen; ja sie würden vor denen, welche die Mitwirkung leugnen, verborgen bleiben, wenn sie auch hundert oder tausend Male das Wort läsen, obwohl sie in diesem in hellem Licht zutage liegen. Denn was den Herrn betrifft, wer, der im heutigen Glauben sich bestärkt hat, sieht wohl mit geöffnetem Auge das in ihm, daß Er und der Vater eins sind, und daß Er der Gott des Himmels und der Erde ist, und daß es der Wille des Vaters ist, daß man an den Sohn glaube, und so Unzähliges dieser Art betreffend den Herrn in beiden Testamenten; der Grund ist, weil sie nicht in den Wahrheiten, und daher auch nicht im Licht sind, aus dem dergleichen gesehen werden kann, und würde auch Licht gegeben, so würden doch immer die Falschheiten es auslöschen, und dann würden sie übergangen werden wie ausgestrichene Stellen, oder wie unterirdische Gruben, über die man hintritt und über sie hingeht. Dies ist gesagt worden, damit man wisse, daß ohne die Wahrheiten jener Hauptpunkt der Wiedergeburt nicht bemerkt wird.

Was den Glauben betrifft, so kann auch er ohne die Wahrheiten nicht gegeben werden, denn der Glaube und das Wahre machen eine Sache aus; das Gute des Glaubens ist nämlich wie die Seele, und die Wahrheiten bilden deren Leib; wollte man also sagen, man glaube oder habe den Glauben, ohne doch dessen Wahrheiten zu wissen, so wäre dies, wie wenn man die Seele aus dem Leib herauszöge, und mit ihr, der unsichtbaren, spräche. Überdies lassen alle Wahrheiten, die den Leib des Glaubens bilden, Licht aus sich hervorgehen, und erleuchten, und stellen sein Antlitz dem Blick dar. Ebenso verhält es sich mit der Liebtätigkeit; diese läßt Wärme aus sich hervorgehen, mit der das Licht des Wahren sich verbindet, wie sich die Wärme mit dem Licht zur Frühlingszeit in der Welt verbindet, wo dann infolge ihrer Verbindung die Tiere und die Pflanzen in ihre Zeugungstätigkeit zurückkehren. Ebenso verhält es sich mit der geistigen Wärme und dem geistigen Licht; diese verbinden sich in gleicher Weise im Menschen, sobald dieser in den Wahrheiten des Glaubens und zugleich im Guten der Liebtätigkeit ist, denn wie oben im Kapitel vom Glauben gesagt worden ist, den einzelnen Wahrheiten des Glaubens entfließt Licht, welches erleuchtet, und dem einzelnen Guten der Liebtätigkeit entfließt Wärme, welche befeuert. Wie denn auch gezeigt wurde, daß das geistige Licht seinem Wesen nach Einsicht, und die geistige Wärme ihrem Wesen nach Liebe ist, und daß allein der Herr diese beiden beim Menschen verbindet, wenn Er ihn wiedergebiert, denn der Herr sagte: „Die Worte, die Ich rede, sind Geist und Leben“: Joh.6/63. „Glaubet an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes seiet; Ich bin als das Licht in die Welt gekommen“: Joh.12/36,[46]. Der Herr ist die Sonne in der geistigen Welt, aus ihr kommt alles geistige Licht und alle geistige Wärme, und jenes Licht erleuchtet und diese Wärme befeuert, und durch die Verbindung beider belebt und wiedergebiert Er den Menschen.

619. Hieraus kann klar sein, daß es ohne Wahrheiten keine Erkenntnis des Herrn, sowie auch, daß es ohne Wahrheiten keinen Glauben und somit keine Liebtätigkeit gibt, folglich, daß es ohne Wahrheiten gar keine Theologie gibt, und wo diese nicht ist, da ist auch keine Kirche. Dies ist heutzutage der Fall bei dem Verein der Völker, die sich Christen nennen und sagen, sie seien im Licht des Evangeliums, während sie doch in der Finsternis selbst sind; denn die Wahrheiten liegen unter Falschem ebenso tief verborgen, wie Gold, Silber und Edelsteine vergraben unter den Gebeinen im Tal Hinnom. Daß dem so ist, stellte sich mir deutlich heraus an den Sphären in der geistigen Welt, die aus der heutigen Christenheit hervorfließen und sich verbreiten. Die eine Sphäre betrifft den Herrn, diese strömt hervor und ergießt sich aus der südlichen Gegend, in der die Gelehrten aus der Geistlichkeit und die Gebildeten aus den Laien sind; und wohin sie nur gelangt, schleicht sie sich in die Vorstellungen ein und nimmt den Glauben an die Göttlichkeit des Menschlichen des Herrn bei vielen hinweg, bei vielen schwächt sie denselben, und bei vielen macht sie ihn zur Torheit; der Grund ist, weil sie zugleich den Glauben an drei Götter mit sich bringt, und so eine Verwirrung entsteht. Die andere Sphäre, die den Glauben mit sich führt, ist wie ein schwarzes Gewölk zur Zeit des Winters, das Finsternis verbreitet, die Regengüsse in Schneegestöber verwandelt, die Bäume entblößt und das Wasser zu Eis macht, und den Schafen alle Weide wegnimmt; diese Sphäre, verbunden mit der vorigen, bringt eine Art von Schlafsucht bei in Beziehung auf den einen Gott, auf die Wiedergeburt und auf die Heilsmittel. Die dritte Sphäre ist die der Verbindung des Glaubens und der Liebtätigkeit, und ist so kräftig, daß man ihr nicht widerstehen kann; allein heutzutage ist sie heillos, und gleich der Pest weht und steckt sie jedweden an, und zerreißt jedes Band zwischen jenen beiden, von der Schöpfung der Welt her begründeten und vom Herrn wiederhergestellten Heilsmitteln; diese Sphäre greift auch die Menschen in der natürlichen Welt an, und löscht die Fackeln der Ehe zwischen dem Wahren und Guten aus. Diese Sphäre habe ich empfunden, und als ich dann an die Verbindung des Glaubens und der Liebtätigkeit dachte, schob sie sich zwischen ein und strebte gewaltig an sie zu trennen. Über diese Sphären klagen die Engel sehr, und beten zum Herrn um ihre Zerstreuung; allein sie erhielten zur Antwort, sie können, solange der Drache auf der Erde ist, nicht zerstreut werden, weil sie von den Angehörigen des Drachen herkommen; denn es heißt vom Drachen, er sei auf die Erde geworfen worden, und darauf: „Darum freuet euch, ihr Himmel, und wehe den auf Erden Wohnenden“: Offb.12/[12]. Diese drei Sphären sind wie von einem Ungewitter getriebene Atmosphären, die aus den Schnaublöchern des Drachen kommen, und, weil sie geistig sind, die Gemüter angreifen und drängen. Sphären geistiger Wahrheiten sind dort noch wenige, nur im neuen Himmel und bei solchen unter dem Himmel, die von den Angehörigen des Drachen abgesondert sind; hierin liegt der Grund, warum jene Wahrheiten heutzutage in der Welt bei den Menschen ebenso unsichtbar sind wie es die Schiffe in der Ostsee für die Schiffskapitäne und Steuermänner sind, die im westlichen Meer schiffen.

620. Daß die Wiedergeburt ohne die Wahrheiten, durch die der Glaube gebildet wird, nicht möglich sei, kann durch folgende Vergleiche beleuchtet werden: sie ist ebensowenig denkbar, als das menschliche Gemüt ohne Verstand; denn der Verstand wird durch die Wahrheiten gebildet, und lehrt daher, was man glauben und was man tun soll, und was die Wiedergeburt ist, und wie sie zustande kommt. Die Wiedergeburt ist ohne Wahrheiten ebensowenig möglich, als die Belebung der Tiere und die pflanzliche Entwickelung der Bäume ohne das Licht aus der Sonne; denn gäbe die Sonne nicht zugleich Licht, wie sie Wärme gibt, so würde die Sonne, wie sie in der Offb.6/12 beschrieben wird, wie ein Härener Sack werden, und geschwärzt: Joel 3/4; und es würde so lauter Finsternis auf Erden sein: Joel 4/15. Ebenso verhielte es sich mit den Menschen ohne Wahrheiten, welche Licht aus sich entsenden, denn die Sonne, aus der die Lichter der Wahrheiten hervorfließen, ist der Herr in der geistigen Welt; würde nicht von da geistiges Licht in die menschlichen Gemüter einfließen, so wäre die Kirche in lauter Finsternis, oder im Schatten infolge der fortwährenden Sonnenfinsternis. Die Wiedergeburt, die durch Glauben und Liebtätigkeit zustande kommt, wäre ohne die Wahrheiten, welche lehren und führen, wie ein Segeln auf dem großen Ozean ohne Steuerruder, oder ohne Schiffskompaß und Seekarten; auch wäre sie wie das Reiten in dichtem Wald zur Zeit der Nacht. Das innere Sehen des Gemüts bei denen, die nicht im Wahren, sondern im Falschen sind, und dieses für Wahrheiten halten, kann verglichen werden mit dem Sehen derer, bei denen die Sehnerven verstopft sind und das Auge dennoch als gesund und sehend erscheint, obgleich es nichts sieht; eine Blindheit, die von den Ärzten der schwarze Star [amaurosis] und Gutta serena genannt wird; denn das Vernunft- oder Verstandesgebiet ist bei ihnen nach oben verstopft, und bloß nach unten geöffnet, wodurch dann das Vernunftlicht wie das Augenlicht wird, und infolgedessen alle Urteile bloße Einbildungen, und aus bloßen Täuschungen zusammengewoben werden; und dann würden die Menschen dastehen wie die Sterndeuter auf den Marktplätzen mit langen Sehröhren, und leere Weissagungen verkündigend; von dieser Art würden alle Studierende der Theologie werden, wofern nicht die echten Wahrheiten aus dem Wort vom Herrn aufgeschlossen würden.