Die Wiedergeburt geschieht nach der Ähnlichkeit, wie der Mensch empfangen, im Mutterleib getragen, geboren und erzogen wird

583. Beim Menschen findet eine ununterbrochen fortdauernde Entsprechung statt zwischen dem, was in natürlicher, und dem, was in geistiger Weise, oder dem, was im Körper, und dem, was im Geiste geschieht. Der Grund ist, weil der Mensch der Seele nach als ein geistiger geboren ist, und mit Natürlichem umkleidet wird, das seinen materiellen Körper bildet, weshalb auch, wenn dieser abgelegt wird, seine mit einem geistigen Körper umkleidete Seele in eine Welt kommt, in der alles geistig ist, und dort Ihresgleichen beigesellt wird. Da nun der geistige Körper gestaltet werden muß im materiellen Körper, und gestaltet wird durch das Wahre und Gute, das vom Herrn her durch die geistige Welt einfließt, und vom Menschen inwendig in solchem aufgenommen wird, das er aus der natürlichen Welt hat, und das man Bürgerliches und Moralisches nennt, so ist offenbar, in welcher Weise seine Gestaltung vor sich geht; und weil, wie gesagt, beim Menschen eine beständige Entsprechung statthat zwischen den Dingen, die in natürlicher Weise, und denen, die in geistiger Weise geschehen, so folgt, daß sie statthat wie die Empfängnis, das Tragen im Mutterleib, die Geburt und die Erziehung. Daher rührt auch, daß im Wort unter den natürlichen Geburten geistige Geburten verstanden werden, welche die des Guten und Wahren sind; denn alles, was im Buchstabensinn des Wortes, der natürlich ist, vorliegt, schließt in sich und bezeichnet Geistiges. Daß in allem und jedem des Buchstabensinnes des Wortes ein geistiger Sinn ist, ist im Kapitel von der ‚Heiligen Schrift‘ vollständig nachgewiesen worden. Daß die im Wort genannten natürlichen Geburten geistige Geburten in sich schließen, erhellt deutlich aus folgenden Stellen in demselben: „Wir empfingen, empfanden Wehen, gebaren gleichsam, doch Rettung brachten wir nicht“: Jes.26/18. „Vor dem Herrn kreißet die Erde“: Ps.114/7. „Hat wohl ein Land an einem Tag gekreißt, soll Ich brechen und nicht zeugen, und zeugen lassen und verschließen“: Jes.66/7-10. „Es kreißet Sin, und No wird zum Durchbrechen kommen“: Ez.30/15,16. „Geburtswehen werden Ephraim ankommen; er ist ein unweiser Sohn, weil er seine Zeit nicht harrt im Mutterleib der Söhne“: Hos.13/12,13; ebenso häufig anderwärts.

Weil die natürlichen Zeugungen im Wort geistige bedeuten, und diese vom Herrn sind, darum wird Er Bildner und Hervorzieher aus dem Mutterleib genannt, wie dies aus folgenden Stellen erhellt: „Jehovah, dein Hervorbringer und Bildner vom Mutterleib“: Jes.44/2. „Mein Hervorzieher aus dem Mutterleib“: Ps.22/10. „Auf Dich bin ich gestellt von Mutterleib an, aus den Eingeweiden meiner Mutter zogst Du mich hervor“: Ps.71/6. „Achtet auf Mich, ihr, die ihr von Mutterleib an getragen und aus der Gebärmutter gehoben wurdet“: Jes.46/3; außer anderen Stellen. Daher kommt, daß der Herr Vater heißt, wie Jes.9/5; 63/16; Joh.10/30; 14/8,9; und daß die, welche im Guten und Wahren von Ihm sind, Söhne und von Gott Geborene, und unter sich Brüder heißen: Matth.23/8 und dann auch, daß die Kirche die Mutter heißt: Hos.2/2,5; Ez.16/45.

584. Hieraus erhellt nun, daß ein Entsprechungsverhältnis besteht zwischen den natürlichen Zeugungen und den geistigen Zeugungen; und weil eine Entsprechung besteht, so folgt, daß von der neuen Geburt nicht nur Empfängnis, Getragenwerden im Mutterleib, Geburt und Erziehung ausgesagt werden, sondern auch wirklich statthaben; wie es sich aber damit verhält, wird in diesem Abschnitt von der Wiedergeburt seiner Ordnung nach vor Augen gestellt. Hier nur, daß der Same des Menschen inwendig im Verstand empfangen, und im Willen gestaltet, und von da in den Samenbehälter übergeleitet wird, wo er sich mit einer natürlichen Hülle umkleidet, und so in die Gebärmutter gebracht wird und in die Welt tritt. Überdies besteht auch ein Entsprechungsverhältnis der Wiedergeburt des Menschen mit allem und jedem, was im Pflanzenreich ist; weshalb auch im Wort der Mensch durch einen Baum beschrieben wird: sein Wahres durch den Samen und sein Gutes durch die Frucht. Daß ein schlimmer Baum wie von neuem geboren werden und hernach gute Frucht und guten Samen bringen kann, zeigt sich an dem Pfropfen und Impfen, sofern alsdann, obwohl derselbe Saft von der Wurzel durch den Stamm bis zum Eingepfropften oder Eingeimpften emporsteigt, dennoch derselbe in guten Saft verwandelt wird, und den Baum zu einem guten macht. Ebenso verhält es sich in der Kirche mit denen, die dem Herrn eingepfropft werden, was Er selbst lehrt in den Worten: „Ich bin der Weinstock, ihr die Reben; wer in Mir bleibt, und Ich in ihm, der bringt viel Frucht; wer nicht in Mir bleibt, wird weggeworfen wie die Rebe, und verdorrt wird er ins Feuer geworfen“: Joh.15/5,6.

585. Daß die pflanzlichen Entwicklungen nicht nur der Bäume, sondern auch aller Strauchgewächse dem Fortpflanzungsgang der Menschen entsprechen, ist von vielen Gelehrten berichtet worden; daher ich zum Schluß noch etwas darüber beifügen will. Bei den Bäumen und bei allen übrigen Subjekten des Pflanzenreichs gibt es nicht zwei Geschlechter - ein männliches und ein weibliches -, sondern jedes ist hier männlich, nur die Erde oder das Erdreich ist die gemeinsame Mutter, mithin wie das Weib; denn diese empfängt die Samen aller Gewächse, schließt sie auf, trägt sie wie im Mutterleib, und ernährt sie alsdann und gebiert sie, das heißt, bringt sie an den Tag hervor, und bekleidet sie hernach und erhält sie. Wenn die Erde zuerst den Samen aufschließt, so beginnt sie mit der Wurzel, die wie das Herz ist; aus ihr läßt sie den Saft, gleichsam als das Blut, hervorgehen und sich verbreiten, und bildet so gleichsam einen mit Gliedmaßen versehenen Leib. Ihr Leib ist eben der Stamm, und die Äste und deren Zweige sind seine Glieder; die Blätter, die er gleich nach der Geburt hervortreibt, vertreten die Stelle der Lunge; denn wie das Herz ohne die Lunge keine Bewegung und Empfindung hervorbringt, und durch diese den Menschen belebt, so setzt auch die Wurzel den Baum oder Strauch nicht in Lebenstätigkeit ohne die Blätter. Die Blüten, die der Frucht vorhergehen, sind die Mittel, den Saft, sein Blut, abzuklären, und seine gröberen Teile vom reineren abzusondern, und für den Einfluß der letzteren in ihrem Schoß einen neuen kleinen Stengel zu bilden, durch den der abgeklärte Saft einfließen und so die Frucht ansetzen und allmählich hervorbilden kann, die sich mit den Testikeln vergleichen läßt, in denen die Samen vervollkommnet werden. Die Pflanzenseele, die inwendigst in jedem Teilchen des Saftes herrscht, oder sein fruchtbringendes Wesen, stammt nirgend anders woher, als aus der Wärme der geistigen Welt, die, weil sie aus der geistigen Sonne dort herrührt, nichts anderes anstrebt als Zeugung, und durch diese die Fortsetzung der Schöpfung, und weil ihr wesentliches Streben auf die Zeugung des Menschen geht, darum bringt sie auch in alles, was sie zeugt, eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Menschen. Damit sich niemand wundere, daß gesagt wurde, die Dinge des Pflanzenreichs seien bloß männlichen Geschlechts, und bloß die Erde oder das Erdreich sei gleichsam die gemeinsame Mutter, oder gleichsam das Weib, so soll dies durch Ähnliches bei den Bienen beleuchtet werden: diese haben, nach dem Augenzeugnis Swammerdams in seiner ‚Bibel der Natur‘ nur eine gemeinsame Mutter, aus der die ganze Nachkommenschaft des ganzen Bienenstocks hervorgebracht wird; wenn nun diesen Tierchen nur eine gemeinsame Mutter gegeben wird, wie viel mehr allen Gewächsen?

Daß die Erde die gemeinsame Mutter ist, kann auch geistig beleuchtet werden, und wird beleuchtet durch das, daß die Erde im Wort die Kirche bezeichnet, und die Kirche die gemeinsame Mutter ist, und auch so genannt wird im Wort. Daß die Erde die Kirche bezeichnet, darüber schlage man nach die »Enthüllte Offenbarung« Nr. 285, 902, wo es nachgewiesen worden ist. Daß aber die Erde oder der Humus in das Innerste des Samens bis zu dessen Fruchtbringendem eindringen, und dieses herausziehen und umher verbreiten kann, hat seinen Grund darin, daß jedes Stäubchen oder feinste Teilchen aus seinem Wesen etwas Zartes als Ausströmung aushaucht welches eindringt; dies durch die tätige Kraft der Wärme aus der geistigen Welt.

586. Daß der Mensch nur nach und nach wiedergeboren werden kann, kann durch alles und jedes, was in der natürlichen Welt vorhanden ist, beleuchtet werden. Der Baum kann nicht innerhalb eines Tages zum Baum heranwachsen, sondern zuerst aus dem Samen, dann aus der Wurzel, und hernach aus dem Reis, aus dem der Stamm wird, und aus dem die Äste mit den Blättern hervorgehen, und zuletzt die Blüten und Früchte; ebensowenig wächst der Weizen und die Gerste an einem Tag zur Ernte heran; noch wird das Haus an einem Tag aufgebaut; auch erhebt sich der Mensch nicht an einem Tag zur vollen Leibesgröße, noch weniger zur Weisheit; auch wird die Kirche nicht an einem Tag gegründet und vollendet, noch findet irgendein Fortschreiten zum Ende statt ohne einen Anfang als Ausgangspunkt. Wer die Wiedergeburt anders faßt, weiß nichts von der Liebtätigkeit und dem Glauben, noch vom Wachstum beider gemäß dem Zusammenwirken des Menschen mit dem Herrn. Hieraus erhellt, daß die Wiedergeburt vor sich geht in der Weise wie der Mensch empfangen, im Mutterleib getragen, geboren und erzogen wird.