Die Schoepfung des Weltalls  

75. Weil in diesem ersten Kapitel von Gott dem Schöpfer gehandelt wird, so soll auch von der Schöpfung des Weltalls durch Ihn, sowie im folgenden Kapitel vom Herrn Erlöser, und dann auch von der Erlösung gehandelt werden. Allein man kann sich keine rechte Vorstellung von der Schöpfung des Weltalls machen, wenn nicht einige allgemeine Kenntnisse vorausgeschickt werden und den Verstand in den Zustand des Innewerdens versetzen, und diese werden folgende sein:

I. Es gibt zwei Welten, die geistige Welt, in der die Engel und Geister, und die natürliche Welt, in der die Menschen sind.

II. In beiden Welten ist eine Sonne und die Sonne der geistigen Welt ist die reine Liebe aus Jehovah Gott, Der in ihrer Mitte ist; und aus dieser Sonne gehen Wärme und Licht hervor, und die aus ihr hervorgehende Wärme ist ihrem Wesen nach Liebe, das aus ihr hervorgehende Licht aber ist seinem Wesen nach Weisheit; und diese beiden regen den Willen und Verstand des Menschen an, die Wärme seinen Willen und das Licht seinen Verstand. Die Sonne der natürlichen Welt aber ist reines Feuer, und darum ist die Wärme und ebenso das Licht aus ihr tot, sie dienen jedoch der geistigen Wärme und dem geistigen Licht als Hülle und Träger, damit diese zum Menschen gelangen.

III. Ferner sind jene beiden, die aus der Sonne der geistigen Welt hervorgehen und daher auch alle Dinge, die durch sie in dieser entstehen substantiell, und heißen geistig, und die zwei ähnlichen [Stoffe], die aus der Sonne der natürlichen Welt hervorgehen, und daher auch alle Dinge, die durch sie in dieser entstehen, sind materiell und heißen natürlich.

IV. In beiden Welten bestehen drei Abstufungen, welche Grade der Höhe heißen, und daher drei Regionen, nach denen die drei Engelhimmel und nach denen die menschlichen Gemüter geordnet sind, die so jenen drei Engelhimmeln entsprechen; und ebenso verhält es sich mit dem übrigen hier und dort.

V. Es besteht ein Entsprechungsverhältnis zwischen den Dingen, die in der geistigen Welt sind, und denen, die in der natürlichen Welt sind.

VI. Es besteht eine Ordnung, in die alles und jedes in beiden Welten erschaffen ist.

VII. Von allen diesen Dingen muß man sich notwendig erst eine Vorstellung verschaffen; widrigenfalls verfällt das menschliche Gemüt aus bloßer Unkunde derselben leicht in die Vorstellung von der Erschaffung des Weltalls durch die Natur, und sagt bloß infolge der kirchlichen Autorität, die Natur sei von Gott erschaffen worden; dann aber, weil es das Wie nicht weiß, versinkt es bei tieferem Forschen darüber gar leicht in den Gott leugnenden Naturalismus.

In betracht nun aber, daß dies im einzelnen gehörig auseinanderzusetzen und zu erweisen, ein Werk von großem Umfang erfordern würde, wie denn auch dergleichen nicht eigentlich zu den Lehrbestimmungen oder dem Inhalt eines theologischen Systems, der Aufgabe dieses Werkes, gehört, so will ich bloß einige Denkwürdigkeiten anführen, aus denen man eine Idee von der Schöpfung des Weltalls durch Gott empfangen, und aus der Empfängnis eine sie vorstellende Frucht erzeugen kann.  

76. Erste Denkwürdigkeit.  

Eines Tags war ich im Nachdenken über die Schöpfung des Weltalls, und, weil dies die Engel bemerkten, die über mir zur rechten Seite waren, wo sich solche befanden, die auch schon einige Male über diesen Gegenstand nachgedacht und Schlüsse gezogen hatten, so stieg einer herab und lud mich ein, und ich kam in den Geist und begleitete ihn. Und nachdem ich eingetreten war, ward ich zum Fürsten geführt, an dessen Hof ich gegen hundert Versammelte, mit dem Fürsten in ihrer Mitte, fand. Und nun sagte einer von ihnen: Wir haben hier bemerkt, daß du über die Schöpfung des Weltalls nachdachtest; auch wir waren einige Male in ähnlichem Nachdenken, konnten aber zu keinem Schluß kommen, weil unseren Gedanken die Vorstellung von einem Chaos anhing, als wäre dies wie ein großes Ei gewesen, aus dem alles und jedes des Weltalls in seiner Ordnung ausgebrütet wurde, während wir doch jetzt inne werden, daß ein so großes Weltall nicht in solcher Weise ausgebrütet werden konnte. Dann hing unseren Gemütern auch noch eine andere Vorstellung an, welche war, daß von Gott alles aus Nichts erschaffen wurde, und doch erkennen wir jetzt, daß aus Nichts nichts wird. Aus diesen zwei Vorstellungen konnten unsere Gemüter sich noch nicht herauswickeln, um in einigem Licht die Schöpfung zu sehen, wie sie vor sich ging; deshalb haben wir dich von dem Ort wo du warst, hierher gerufen, damit du die Ergebnisse deines Nachdenkens darüber uns mitteilen mögest“. Hierauf antworte ich: „Ich will sie mitteilen; und ich sagte: Ich hatte lange darüber nachgedacht, aber vergebens; nachher aber, als ich vom Herrn in eure Welt eingelassen wurde, erkannte ich, daß es vergeblich wäre, etwas über die Schöpfung des Weltalls erschließen zu wollen, wenn man nicht vorher weiß, daß es zwei Welten gibt, eine, in der die Engel, und eine andere, in der die Menschen sind, und daß diese durch den Tod in die andere übergehen. Und dann sah ich auch, daß es zwei Sonnen gibt, eine, aus der alles Geistige, und eine andere, aus der alles Natürliche hervorgeht, und daß die Sonne, der alles Geistige entströmt, die reine Liebe aus Jehovah Gott ist, Der in ihrer Mitte ist, und daß die Sonne, der alles Natürliche entströmt, reines Feuer ist. Nachdem ich dies erkannt hatte, wurde mir einst, als ich in der Erleuchtung war, inne zu werden gegeben, daß von Jehovah Gott durch die Sonne, in deren Mitte Er ist, das Weltall geschaffen wurde, und daß, weil die Liebe nur zugleich mit der Weisheit denkbar ist, das Weltall von Jehovah Gott aus der Liebe durch die Weisheit geschaffen wurde. Daß dem so ist, beweist alles und jedes, was ich in der Welt sah, in der ihr seid, und was ich in der Welt sah, in der ich dem Körper nach bin. Wie aber der Verlauf der Schöpfung von ihrem Urbeginn an vor sich ging, wäre zu weitläufig auseinanderzusetzen; ich ward jedoch, als ich in der Erleuchtung war, inne, daß mittelst des Lichtes und der Wärme aus der Sonne eurer Welt, geistige Atmosphären, die in sich substantiell sind, geschaffen wurden, eine aus der anderen; und weil deren drei sind, und daher drei Abstufungen, so sind drei Himmel entstanden, einer für die Engel, die im obersten Grad der Liebe und Weisheit sind, ein anderer für die Engel, die im zweiten Grad, und ein dritter für die Engel, die im untersten Grad sind. Weil aber dieses geistige Weltall nicht bestehen kann ohne ein natürliches Weltall, in dem es seine Wirkungen und Nutzzwecke hervorbringen kann, [so erkannte ich], daß alsdann zugleich eine Sonne geschaffen wurde, aus der alles Natürliche hervorging, und durch diese in gleicher Weise mittelst des Lichtes und der Wärme drei Atmosphären, die jene früheren umgeben, wie die Schalen den Kern, oder die Rinde die Hölzer, und zuletzt durch diese der Erd- und Wasserball, auf dem es Menschen, Säugetiere und Fische gibt, ferner Bäume, Sträucher und Kräuter aus den Erdmassen, die aus Erdarten, Steinen und Mineralien bestehen. Dies ist jedoch nur der allgemeinste Umriß der Schöpfung und ihres Verlaufs, das Besondere und Einzelne aber ließe sich nur durch bändereiche Werke auseinandersetzen.

Allein alles führt zu dem Schluß, daß Gott das Weltall nicht aus Nichts erschaffen hat, weil, wie ihr gesagt habt, aus Nichts nichts wird, sondern durch die Sonne des Engelhimmels, die aus Seinem Sein, und daher lauter Liebe zugleich mit der Weisheit ist. Daß das Universum, unter dem beide Welten, die natürliche und die geistige, verstanden werden, aus der göttlichen Liebe durch die göttliche Weisheit erschaffen wurde, bezeugt und bekundet alles und jedes desselben. Und wenn ihr dasselbe in seiner Ordnung und in seinem Zusammenhang erwägt, so könnt ihr es aus dem Licht, in dem die Wahrnehmungen eures Verstandes sind, deutlich sehen; es ist jedoch wohl zu merken, daß die Liebe und Weisheit, die in Gott eins ausmachen, nicht Liebe und Weisheit im abstrakten Sinne, sondern in Ihm als Substanz sind; denn Gott ist die eigentliche einzige und daher urerste Substanz und Wesenheit, die in sich ist und besteht. Daß alles und jedes aus der göttlichen Liebe und göttlichen Weisheit erschaffen wurde, wird bei Joh.1/1,3,10 verstanden unter den Worten: „Das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; alles ist durch Dasselbe gemacht, und die Welt ist durch Dasselbe gemacht“. Gott bedeutet hier die göttliche Liebe, und das Wort das göttliche Wahre, oder die göttliche Weisheit; daher das Wort hier das Licht genannt, und unter dem Licht, wo von Gott die Rede ist, die göttliche Weisheit verstanden wird. Nachdem dies verhandelt war, fielen, als ich Abschied nahm, Funken des Lichtes aus der dortigen Sonne durch die Engelhimmel hindurch in ihre Augen, und durch diese in die Wohnstätten ihres Geistes, und so erleuchtet gaben sie dem von mir Gesagten Beifall und folgten mir in den Vorhof; der vorige Begleiter aber bis zu dem Hause, in dem ich war, und stieg von da wieder in seine Gesellschaft hinauf.   

77. Zweite Denkwürdigkeit.

Eines Morgens als ich vom Schlaf erwacht war und im heiteren Morgenlicht vor dem völligen Wachen mich meinen Betrachtungen hingab, sah ich durchs Fenster etwas wie Blitzesleuchten, und bald darauf hörte ich wie rollenden Donner. Da ich mich wunderte, woher dies wohl kommen möchte, hörte ich aus dem Himmel, es befänden sich einige nicht ferne von mir, die heftig über Gott und die Natur miteinander stritten; und die Schwingung des Lichtes wie beim Blitz und das Rauschen der Luft wie beim Donner seien Entsprechungen, und infolgedessen äußere Erscheinungen des Kampfes und Zusammenstoßens der Beweisgründe, auf der einen Seite für Gott und auf der anderen für die Natur. Der Anfang dieses geistigen Kampfes war folgender: Es waren einige Satane in der Hölle, die unter sich sagten: Dürften wir nur mit den Engeln des Himmels reden, so würden wir bündig und unwiderleglich beweisen, daß die Natur das ist, was sie Gott nennen, von Dem alles herstammen soll, und daß somit Gott nur ein Wort ist, wofern man nicht die Natur darunter versteht; und weil diese Satane von ganzem Herzen und ganzer Seele dies glaubten und ein Verlangen hatten, mit den Engeln des Himmels zu reden, so ward ihnen gegeben, aus dem Kot und der Finsternis der Hölle heraufzusteigen, und mit zwei Engeln, die alsdann aus dem Himmel herabstiegen, zu reden; sie waren in der Geisterwelt, die zwischen dem Himmel und der Hölle in der Mitte ist; die Satane liefen, als sie die Engel hier ansichtig wurden, rasch herbei, und riefen  mit wütender Stimme: Seid ihr die Engel des Himmels, mit denen wir uns über Gott und die Natur in einen Streit einlassen dürfen? Man nennt euch Weise, weil ihr Gott anerkennt, aber o wie einfältig seid ihr! Wer hat Gott gesehen, wer erkennt, was Gott ist? Wer faßt, daß Gott das Weltganze und alles und jedes desselben regiert und regieren könnte? Wer außer dem Pöbel und dem großen Haufen erkennt an, was er nicht sieht, noch versteht? Was ist offenkundiger, als daß die Natur alles in allem ist? Wer hat mit dem Auge etwas anderes gesehen als die Natur, wer mit dem Ohr etwas anderes gehört als die Natur, wer mit der Nase anderes gerochen als die Natur, mit der Zunge anderes geschmeckt als die Natur, wer mit irgendeiner Berührung der Hand und des Körpers etwas anderes gefühlt, als die Natur? Sind nicht die Sinne unseres Körpers die Zeugen der Wahrheiten? Wer kann nicht auf sie schwören, daß es so sei? Ist nicht das Atmen, durch das auch unser Körper lebt, ein Zeuge? Was atmen wir anders ein, als die Natur. Sind nicht unsere und eure Köpfe in der Natur? Woher sonst ein Einfluß in die Gedanken der Köpfe, als aus ihr? Vermöget ihr, wenn sie weggenommen wird, irgend etwas zu denken? Nachdem die Engel dieses und ähnliches mehr von gleichem Schlag angehört hatten, antworteten sie: Ihr sprecht so, weil ihr ganz sinnlich seid. Bei allen in der Hölle sind die Denkvorstellungen in die Sinne des Körpers versenkt und sie können ihren Geist nicht über diese erheben, weshalb wir euch verzeihen. Das Leben des Bösen und der daraus hervorgehende Glaube an Falsches hat das Inwendige eurer Gemüter so sehr verschlossen, daß eine Erhebung über das Sinnliche bei euch nicht möglich ist, außer in einem vom Bösen des Lebens und vom Falschen des Glaubens entfernten Zustand; denn ein Satan kann ebensogut als ein Engel das Wahre einsehen, wenn er es hört; allein er behält es nicht, weil das Böse das Wahre verwischt  und Falsches einführt. Wir bemerken jedoch, daß ihr in einem davon entfernten Zustand seid, und daß ihr somit das Wahre, das wir reden, einsehen könnt; so merket denn auf das, was wir sagen werden! und sie sagten: Ihr wart in der natürlichen Welt und starbet daselbst, und jetzt seid ihr in der geistigen Welt: habt ihr nun früher als jetzt etwas vom Leben nach dem Tode gewußt? Habt ihr nicht früher es geleugnet und euch den Tieren gleich gemacht? Habt ihr früher etwas gewußt vom Himmel und der Hölle, etwas vom Licht und der Wärme dieser Welt? Und davon, daß ihr nicht mehr innerhalb der Natur, sondern über ihr seid? Denn diese Welt und alle Dinge derselben sind geistig, und die geistigen Dinge sind über den natürlichen, so daß von der Natur, in der ihr wart, nicht das geringste in diese Welt einfließen kann. Allein weil ihr die Natur für Gott oder die Göttin hieltet, so glaubt ihr auch, das Licht und die Wärme dieser Welt sei das Licht und die Wärme der natürlichen Welt, während doch dem durchaus nicht so ist, denn das natürliche Licht ist hier Finsternis, und die natürliche Wärme ist hier Kälte. Habt ihr etwas gewußt von der Sonne dieser Welt, aus der unser Licht und unsere Wärme hervorgehen? Habt ihr gewußt, daß diese Sonne lautere Liebe, und die Sonne der natürlichen Welt lauter Feuer ist, und daß die Sonne der Welt, die lauter Feuer ist, dasjenige ist, aus dem die Natur entstanden ist und besteht, die Sonne des Himmels aber, die lautere Liebe ist, dasjenige ist, aus dem das Leben selbst, welches die Liebe zugleich mit der Weisheit ist, entstanden ist und besteht; und daß somit die Natur, die ihr zum Gott oder zur Göttin macht, gänzlich tot ist? Ihr könnt, wenn euch eine Wache gegeben wird, mit uns in den Himmel aufsteigen, und wir können, wenn Geleit gegeben wird, mit euch in die Hölle hinabsteigen; dann werdet ihr im Himmel Herrliches und Glänzendes sehen, in der Hölle hingegen Garstiges und Unreines; dieser Unterschied findet statt, weil alle im Himmel Gott verehren,  und alle in der Hölle die Natur verehren, und jene herrlichen und glänzenden Dinge in den Himmeln Entsprechungen der Gefühle der Liebe zum Guten und Wahren sind, jene garstigen und unreinen Dinge in den Höllen dagegen Entsprechungen der Neigungen der Liebe zum Bösen und Falschen sind. Aus diesem und jenem machet nun den Schluß, ob Gott oder die Natur alles in allem ist. Hierauf entgegneten die Satane: In dem Zustand, in dem wir jetzt sind, können wir aus dem Gehörten den Schluß machen, daß ein Gott ist; allein wenn die Lust des Bösen unsere Gemüter einnimmt, so sehen wir nichts als die Natur. Jene zwei Engel und die Satane standen nicht weit von mir, weshalb ich sie sah und hörte; und siehe, ich erblickte um sie her viele, die in der natürlichen Welt durch ihre Gelehrsamkeit berühmt gewesen waren, und ich wunderte mich, daß diese Gelehrten bald bei den Engeln, bald bei den Satanen standen, und denen, bei welchen sie standen, Beifall gaben. Und es ward mir gesagt: Die Veränderungen ihrer Stellung sind Veränderungen des Zustandes ihres Gemütes, welches bald dem einen Teil, bald dem anderen günstig ist; denn sie waren ihrem Glauben nach wie Vertumne [Götter der wechselnden Jahreszeiten]. Auch wollen wir dir ein Geheimnis sagen: wir blickten hinab auf die Erde auf die ihrer Gelehrsamkeit wegen Berühmten, und wir fanden sechshundert unter tausend für die Natur und die übrigen für Gott, und zwar diese für Gott, weil sie nicht aus dem Verstand, sondern bloß aus dem Gehörten, daß die Natur von Gott sei, häufig redeten, und das häufige Reden aus dem Gedächtnis und der Erinnerung, obschon nicht zugleich aus dem Denken und der Einsicht, eine Art von Glauben beibringt. Nach diesem ward den Satanen eine Wache gegeben, und sie stiegen mit den zwei Engeln in den Himmel hinauf und sahen Herrliches und Glänzendes, und in der Erleuchtung vom Himmelslicht daselbst erkannten sie an, daß ein Gott ist, und daß die Natur erschaffen wurde, um dem Leben, das von Gott ist, dienstbar zu sein, und daß die Natur in sich tot ist und so von sich nichts wirkt, sondern vom Leben in Tätigkeit gesetzt wird. Nachdem sie jenes gesehen und erkannt hatten, stiegen sie hernieder und, wie sie niedersteigen, kehrte die Liebe zum Bösen zurück und verschloß ihren Verstand nach oben, und öffnete ihn nach unten, und dann erschien über demselben eine Art von Schirm, der von höllischem Feuer blitzte; und sogleich, wie sie die Erde mit ihren Füßen berührten, tat sich der Boden unter ihnen auf und sie fielen wieder zu den Ihrigen hinab.  

78. Dritte Denkwürdigkeit.

Am folgenden Tag kam ein Engel aus einer anderen Gesellschaft des Himmels zu mir und sagte: Wir haben dort gehört, daß du wegen deiner Forschungen über die Schöpfung des Weltalls in eine der unseren benachbarte Gesellschaft geholt worden bist, und dort über die Schöpfung Dinge vorgetragen hast, denen sie Beifall gaben, und über die sie sich nachher freuten. Ich will dir nun zeigen, wie Tiere und Pflanzen jeglicher Art von Gott hervorgebracht worden sind. Und er führte mich auf ein weites grünes Feld und sagte: Schau dich um, und ich schaute mich um und sah Vögel in den schönsten Farben, einige fliegend, einige auf Bäumen sitzend und einige auf dem Feld Blättchen von den Rosen abzupfend. Unter den Vögeln waren auch Tauben und Schwäne. Als diese aus meinem Gesicht entschwunden waren, sah ich nicht weit von mir Herden von Schafen mit Lämmern, von Böcken und Ziegen, und rings um diese Herden sah ich Herden von Stieren und Kälbern, dann auch von Kamelen und Maultieren, und in einem gewissen Hain Hirsche mit hohem Geweih und auch Einhörner. Nachdem ich dieses gesehen, sagte er: Wende dein Gesicht nach Osten! Und ich sah einen Garten, und in ihm Fruchtbäume, Pomeranzenbäume, Zitronenbäume, Ölbäume, Weinstöcke, Feigenbäume, Granatbäume und auch Sträucher, die Beeren trugen. Hierauf sagte er: Jetzt blick nach Süden! Und ich sah Saatfelder mit mancherlei Getreidearten, Weizen, Hirse, Gerste und Bohnen, und rings umher Blumenbeete mit Rosen von schönem Farbenwechsel; gegen Norden aber Lustwälder voll von Kastanienbäumen, Palmen, Linden, Platanen und anderen blätterreichen Bäumen. Nachdem ich dies gesehen, sprach er: Alle diese Dinge, die du gesehen, sind Entsprechungen von den Gefühlen der Liebe der Engel, die sich in der Nähe befinden. Er gab auch an, welchen Gefühlen die einzelnen Dinge entsprachen. Und überdies [fuhr er fort] sind nicht nur diese, sondern auch die übrigen Einzelheiten, die sich vor unseren Augen sichtbar darstellen, Entsprechungen, wie z.B. die Häuser, das Gerät darin, die Tische und die Speisen, die Kleider, dann auch die Gold- und Silbermünzen, wie auch die Diamanten und andere kostbare Steine, mit denen die Frauen und Jungfrauen in den Himmeln geschmückt werden. Wir erkennen in diesen und jenen Dingen, wie jeglicher seiner Liebe und Weisheit nach beschaffen ist. Die in unseren Häusern befindlichen Dinge, die zum Gebrauch dienen, bleiben fortwährend daselbst, vor denen hingegen, die von Gesellschaft zu Gesellschaft wandern, verändern sich solche je nach den gesellschaftlichen Verbindungen. Diese Dinge sind dir zu dem Ende gezeigt worden, daß du die Gesamtschöpfung wie in einem besonderen Musterbild sehen mögest; denn Gott ist die Liebe selbst und die Weisheit selbst, und Seiner Liebe gehören unendliche Neigungen, und Seiner Weisheit unendliche Wahrnehmungen an, und alle und jede Dinge, die auf der Erde erscheinen, sind Entsprechungen derselben, daher die Vögel und die [Säuge-] Tiere, daher die Bäume und die Sträucher, daher die Saaten und die Ernten, und daher die Kräuter und Gräser; denn Gott ist nicht ausgedehnt, Er ist aber dennoch überall im Ausgedehnten, somit im Weltall von dessen Erstem bis zu dessen Letztem, und weil Er allgegenwärtig ist, so sind solche Entsprechungen der Neigungen Seiner Liebe und Weisheit in der ganzen natürlichen Welt. Allein in unserer Welt, welche die geistige Welt heißt, sind ähnliche Entsprechungen bei denen, die von Gott Neigungen und Wahrnehmungen in sich aufnehmen. Der Unterschied ist, daß dergleichen Dinge in unserer Welt gemäß den Neigungen der Engel von Gott augenblicklich geschaffen werden, während sie in eurer Welt zwar im Anfang in ähnlicher Weise geschaffen wurden, dabei aber vorgesehen wurde, daß sie durch Zeugungen des einen aus dem anderen fortwährend erneuert werden, und so die Schöpfung fortgesetzt wird. Die Ursache, warum in unserer Welt die Schöpfung eine augenblickliche ist und in der eurigen eine durch Zeugungen fortwährende, liegt darin, daß die Atmosphären und Erden unserer Welt geistig, und die Atmosphären und Erden eurer Welt natürlich sind, und die natürlichen Dinge geschaffen sind, die geistigen zu umkleiden, wie die Häute die Körper der Menschen und Tiere, die Rinden und der Bast die Stämme und Äste der Bäume, die mittleren und die äußern und inneren Gehirnhäute die Gehirne, die Nervenscheiden die Nerven, und die dünnen Häutchen deren Fibern und so weiter. Daher kommt es, daß alle Dinge, die in eurer Welt sind, beständig sind und von Jahr zu Jahr beständig wiederkehren. Diesem fügte er noch bei: Was du gesehen und gehört hast, das Berichte den Bewohnern deiner Welt, weil sie bisher in völliger Unwissenheit waren hinsichtlich der geistigen Welt, und ohne Kenntnis derselben niemand wissen, ja nicht einmal ahnen kann, daß in unserer Welt eine fortwährende Schöpfung statthat, und daß eine dieser ähnliche in der eurigen statthatte, als das Weltall von Gott erschaffen wurde.

Nach diesem sprachen wir noch über mancherlei Dinge, und zuletzt über die Hölle, daß durchaus nichts von solchen Dingen, die im Himmel sind, dort gesehen werde, sondern bloß Entgegengesetztes, weil die Neigungen ihrer Liebe, welche die Begierden des Bösen sind, entgegengesetzt sind den Neigungen der Liebe, in denen die Engel des Himmels sind; weshalb bei denen in der Hölle, und überhaupt in ihren Wüsten, Nachtvögel erscheinen, wie Fledermäuse, Eulen und Uhu, und auch Wölfe, Panther, Tiger, Ratten  und Mäuse; dann auch alle Arten von giftigen Schlangen, wie Drachen und Krokodile, und, wo etwas Grasiges ist, da schießen Dornsträuche, Nesseln, Stachelgewächse, Disteln und einige Giftpflanzen auf, welche kommen und verschwinden, und dann erscheinen bloß Steinhaufen und Sümpfe, in denen Frösche  quaken. Diese und jene Dinge sind auch Entsprechungen, allein, wie gesagt, Entsprechungen von Neigungen ihrer Liebe, welche Begierden des Bösen sind. Dennoch aber werden dergleichen Dinge dort nicht von Gott erschaffen, noch wurden sie von Ihm erschaffen in der natürlichen Welt, in der ähnliches entsteht, denn alles, was Gott erschaffen hat und erschafft, war und ist gut. Sondern solcherlei Dinge entstanden auf der Erde zugleich mit der Hölle, die sich aus Menschen bildete, die durch ihre Abwendung von Gott nach dem Tode Teufel und Satane wurden. Allein weil diese Entsetzlichkeiten unsere Ohren zu beleidigen begannen, wandten wir unsere Gedanken von ihnen ab und vergegenwärtigten uns wieder das, was wir im Himmel gesehen hatten.  

79. Vierte Denkwürdigkeit.

Einst, als ich im Nachdenken über die Schöpfung des Weltalls war, traten einige aus der christlichen Welt herzu, die zu ihrer Zeit zu den berühmtesten Philosophen gehört hatten und für weiser als die übrigen gehalten wurden, und sagten: Wir bemerken, daß du über die Schöpfung nachdenkst, sage uns, was deine Ansicht darüber ist. Ich erwiderte aber: Sagt mir zuerst, was die eurige ist. Da sagte einer: Meine Ansicht ist, daß die Schöpfung von der Natur herrührt, und daß somit die Natur sich selbst geschaffen hat, und diese von Ewigkeit her war; denn es gibt nichts Leeres und kann keines geben. Nun aber was anderes sehen wir mit den Augen, vernehmen wir mit den Ohren, riechen wir mit der Nase und atmen wir mit der Brust ein, als die Natur? Und weil diese außer uns ist, ist sie auch in uns. Ein anderer sagte, als er dies hörte: Du nennst die Natur, und machst diese zur Schöpferin des Weltalls; du weißt aber nicht, wie die Natur das Weltall hervorgebracht hat, daher ich es sagen will: Sie wälzte sich in Wirbel zusammen, die widereinander stießen, wie die Wolken untereinander und wie die Häuser bei einem Erdbeben, wenn sie zusammenstürzen, und infolge dieses Zusammenstoßens vereinigten sich die festeren Teile zu einem, woraus der Erdkörper entstand, und die flüssigen Teile sonderten sich von diesen ab, und taten sich ebenfalls in eines zusammen, woraus die Meere sich bildeten, und von diesen schieden sich wieder die leichteren Teile ab, wovon der Äther und die Luft, und aus deren Leichtestem die Sonne sich bildete. Hast du nicht gesehen, daß, wenn Öl, Wasser und Staub untereinander gemengt werden, sie sich von selbst scheiden und in der Ordnung übereinander stellen? Dann bemerkte ein anderer, der dies angehört hatte: Ihr redet aus der Phantasie: Wer weiß nicht, daß der Uranfang aller Dinge ein Chaos war,

das mit seinem Umfang den vierten Teil des Weltalls ausgefüllt hatte, und daß in der Mitte desselben Feuer, rings um dieses Äther, und um diesen her Materie war, und daß dieses Chaos Risse bekam und durch diese das Feuer herausbrach, wie aus dem Ätna und Vesuv, daher die Sonne. Und daß nach diesem der Äther sich herauswand und rings umher sich ergoß, daher die Atmosphäre; und endlich die zurückgebliebene Materie sich in eine Kugel zusammenballte, daher die Erdkörper? Was die Sterne betrifft, so sind sie bloße Leuchten an der Wölbung des Universums, entstanden aus der Sonne und deren Feuer und Licht; denn die Sonne war zuerst wie ein Feuermeer, das, um die Erde nicht anzuzünden, leuchtende Flämmchen von sich aussprühte, die im Umkreis ihre Stellen erhielten und so das Weltall vollendeten; daher dessen Firmament. Es stand aber einer unter ihnen, der sagte: Ihr irrt, ihr erscheint euch als weise, und ich erscheine euch als einfältig; allein ich habe stets in meiner Einfalt geglaubt und glaube noch, daß das Weltall von Gott erschaffen wurde, und da die Natur zum Weltall gehört, zugleich dann auch die Natur. Hätte die Natur sich selbst geschaffen, wäre sie dann nicht von Ewigkeit her, welch ein verrückter Gedanke wäre dies aber? Und nun lief einer von den sogenannten Weisen näher und näher zu diesem Sprechenden und hielt das linke Ohr an dessen Mund (sein rechtes Ohr war wie mit Baumwolle verstopft) und fragte, was er gesprochen habe; und jener wiederholte dasselbe. Da sah sich dann der Herbeigekommene um, ob irgendein Priester zugegen wäre, und erblickte einen zur Seite dessen, der gesprochen hatte, und erwiderte nun: Auch ich bekenne, daß die gesamte Natur von Gott ist, aber - hier ging er weg und sagte, mit seinem Genossen flüsternd: Ich sagte so, weil ein Priester zugegen war. Ihr und ich, wir wissen, daß die Natur von der Natur ist, und weil so die Natur von Gott ist, so sagte ich, daß die gesamte Natur von Gott sei, aber - allein der Priester, der ihr Geflüster gehört hatte, sagte: Eure Weisheit, die bloß philosophisch ist, hat euch irre geführt und das Inwendige eurer Gemüter so sehr verschlossen, daß kein Licht aus Gott und aus Seinem Himmel einfließen und euch erleuchten konnte, ihr habt es ausgelöscht; und er sagte: Untersuchet also und entscheidet unter euch, woher eure Seelen stammen, die unsterblich sind, ob aus der Natur, oder ob sie mit in jenem großen Chaos waren. Nachdem er dies gehört, ging der Vorgedachte zu seinen Genossen hin und bat sie, sie möchten mit ihm diesen Knoten der Frage lösen, und sie vereinigten sich zu dem Schluß, daß die menschliche Seele nichts sei als Äther, und das Denken nichts als eine Modifikation des Äthers durch das Sonnenlicht, und der Äther der Natur angehöre. Dann sagten sie: Wer weiß nicht, daß wir mittelst der Luft reden, und was ist das Denken anderes als ein Reden in der reineren Luft, die Äther heißt, infolgedessen der Gedanke und die Rede eins ausmachen? Wer kann dies nicht an dem Menschen, solange er noch Kind ist, wahrnehmen? Dieses lernt zuerst reden, dann allmählich mit sich reden, und dieses heißt Denken. Was ist also das Denken anderes als eine Modifikation des Äthers; und der Ton der Rede, was ist er anderes, als eine Schwingung desselben? Und hieraus schließen wir, daß die Seele, die denkt, der Natur angehört. Allein einige von ihnen waren zwar nicht anderer Ansicht, beleuchteten aber die Stellung der Frage, indem sie sagten: Die Seelen seien entstanden, als der Äther aus jenem großen Chaos sich herausdrängte und habe sich dann in der oberen Region in unzählige, unteilbare Formen zerteilt, die in die Menschen eindringen, indem diese aus der reineren Luft zu denken beginnen; und dann nenne man sie Seelen. Nachdem er dies gehört, sagte ein anderer: Ich gebe zu, daß der vom Äther in der oberen Region gebildeten unteilbaren Formen unzählige waren, dennoch aber übersteigen die von der Schöpfung der Welt angeborenen Menschen die Zahl derselben; wie hätten da jene ätherischen Formen zureichen können?

Ich dachte daher bei mir, daß die durch den Mund der sterbenden Menschen herausgehenden Seelen nach einigen Jahrtausenden zu ebendenselben zurückkehren, und ein dem vorigen ähnliches Leben anfangen und fortführen; daß viele von den Weisen ähnliches und eine Seelenwanderung glauben, ist bekannt. Außer diesen wurden auch von den übrigen andere Mutmaßungen vorgebracht, die ich aber, weil sie Unsinn waren, übergehe. Nach einer kleinen Stunde kehrte der Priester zurück, und nun berichtete ihm jener, der früher über die Schöpfung des Weltalls von Gott gesprochen hatte, ihre Beschlüsse über die Seele. Nach deren Anhörung sagte aber der Priester zu ihnen: Ihr habt ganz so gesprochen wie ihr in der Welt gedacht habt, nicht wissend, daß ihr nicht in jener Welt seid, sondern in einer anderen, welche die geistige Welt heißt. Alle die, welche fleischlich-sinnlich geworden sind infolge der Selbstbestärkung für die Natur, wissen nicht anders, als daß sie noch in derselben Welt seien, in der sie geboren und erzogen wurden; der Grund ist, weil sie dort in einem materiellen Leib waren, hier aber in einem substantiellen Leib sind, und der substantielle Mensch sich und seine Genossen um ihn her ganz so, wie der materielle Mensch sich und seine Genossen um ihn her sieht; denn das Substanzielle ist das Ursprüngliche des Materiellen. Und weil ihr denkt, seht, riecht, schmeckt und redet gerade wie in der natürlichen Welt, darum glaubt ihr, daß hier dieselbe Natur sei, während doch zwischen der Natur dieser Welt und der Natur jener Welt eine solche Verschiedenheit und ein solcher Abstand ist, wie zwischen dem Substantiellen und Materiellen, oder dem Geistigen und dem Natürlichen, oder dem Früheren und dem Späteren. Und weil die Natur der Welt, in der ihr gelebt habt, vergleichsweise tot ist, so seid ihr infolge der Selbstbestärkung für jene wie Tote geworden, nämlich in betreff dessen, was Gott, den Himmel und die Kirche, und auch in Beziehung auf das, was eure Seelen betrifft. Gleichwohl jedoch kann jeder Mensch, sowohl der böse, als der gute, seinem Verstand nach bis in das Licht, in dem die Engel des Himmels sind, erhoben werden, und dann sehen, daß es einen Gott, und daß es ein Leben nach dem Tode gibt, und daß die Seele des Menschen nicht ein Äthergebilde und somit nicht aus der Natur dieser Welt, sondern geistig ist und darum ewig fortleben wird.

Der Verstand kann in diesem engelischen Licht sein, sobald nur die natürlichen Grundneigungen, die aus der Welt und für diese und deren Natur, und aus dem Körper und für diesen und dessen Eigenes sind, entfernt werden. Und sofort wurden jetzt durch den Herrn diese Grundneigungen beseitigt, und es ward ihnen gegeben mit den Engeln zu reden, und aus deren Rede erkannten sie in diesem Zustand, daß ein Gott ist, und daß sie nach dem Tod in einer anderen Welt leben, weshalb sie mit Schamröte übergossen wurden und ausriefen: Wir waren toll, wir waren toll! Weil aber dieser Zustand nicht ihr eigener war, und daher nach einigen Minuten widrig und unangenehm wurde, wandten sie sich vom Priester weg und wollten seine Rede nicht weiter hören und kehrten so in ihre früheren Grundneigungen zurück, die bloß natürlich, weltlich und fleischlich waren, und gingen zur Linken ab, von Gesellschaft zu Gesellschaft, und zuletzt kamen sie auf einen Weg, auf dem die Lustreize ihrer Grundneigungen sie anwehten, und sie sagten: Diesen Weg wollen wir gehen! Und nun gingen sie ihn und stiegen abwärts, und kamen zuletzt zu solchen, die in den Lustreizen ähnlicher Lieblingsneigungen waren und noch weiter. Und weil ihre Lust war die Lust, Böses zu tun, und sie auch wirklich auf dem Wege vielen Böses zufügten, so wurden sie eingekerkert und wurden Dämonen. Nun aber verwandelte sich ihre Lust in Unlust, weil sie durch Strafen und durch die Furcht vor diesen von ihrer früheren Lust, die ihre Natur ausmachte, zurückgeschreckt und zurückgehalten wurden. Und sie fragten die, welche in demselben Kerker waren, ob sie ewig so leben würden? Einige daselbst antworteten: Wir sind schon einige Jahrhunderte hier und werden in Ewigkeit hier bleiben, weil die Natur, die wir uns in der Welt angebildet haben, nicht verändert, noch durch Strafen ausgetrieben werden kann; und, wenn sie auch durch diese ausgetrieben wird, dennoch nach Verfluß kurzer Zeit wieder zurückkehrt.  

80. Fünfte Denkwürdigkeit.

Einst stieg nach erhaltener Erlaubnis ein Satan aus der Hölle herauf in Begleitung eines Weibes, und kam auf das Haus zu, in dem ich war. Als ich sie ansichtig wurde, schloß ich das Fenster, sprach aber doch durch dasselbe mit ihnen und fragte den Satan, woher er käme; er sagte: Aus der Gemeinschaft der Seinigen. Ich fragte: Woher das Weib? Die Antwort war: Desgleichen. Sie war aus der Rotte der Sirenen, die sich darauf verstehen, durch Phantasien sich alle Manieren und Gestalten der Schönheit und Anmut zu geben. Bald stellen sie die Schönheit einer Venus, bald den holdseligen Redefluß einer Muse dar, bald schmücken sie sich wie Königinnen mit Kronen und reichverzierten Gewändern und gehen auf einen silbernen Stab gestützt prächtig einher; solche sind in der Geisterwelt Buhlerinnen und legen sich auf Phantasien; die Phantasie entsteht durch das sinnliche Denken, währen die aus irgendeinem inwendigeren Denken hervorgehenden Ideen verschlossen sind. Ich fragte den Satan, ob jene seine Ehefrau sei; er antwortete: Was, Ehefrau, davon weiß ich nichts, und weiß meine Gesellschaft nichts; sie ist meine Buhldirne; und nun hauchte sie dem Manne Wollust ein, worauf sich auch die Sirenen trefflich verstehen, und nachdem er jene in sich aufgenommen, küßte er sie und sagte: Ach, meine Süße [Adonis]! Doch zu ernsten Dingen: Ich fragte den Satan, was seine Beschäftigung sei, und er sagte: Meine Beschäftigung sind gelehrte Studien: Siehst du nicht den Lorbeer auf meinem Haupt? (Diesen hatte seine Geliebte [Adonis] durch ihre Kunst gewunden und ihm von hinten her aufgesetzt); und ich sagte: Weil du aus einer Gesellschaft herkommst, in der es akademische Würden gibt, so sage mir, was glaubst du und was glauben deine Genossen von Gott? Er bemerkte: Gott ist uns das Weltall, das wir auch die Natur nennen, und die Einfältigen unter uns die Atmosphäre, die ihnen die Luft ist, die Weisen hingegen die Atmosphäre, zu der auch der Äther gehört. Gott, Himmel, Engel und ähnliches, wovon viele vieles schwatzen, sind leere Worte und Erdichtungen, hergenommen von den Lufterscheinungen, die hier vielen vor den Augen spielen. Sind nicht alle Dinge, die auf der Erde erscheinen, von der Sonne erschaffen worden?

Entstehen nicht jedesmal bei ihrer Ankunft zur Zeit des Frühlings Insekten mit und ohne Flügel, und macht nicht ihre Wärme, daß sich die Vögel gegenseitig lieben und sich fortpflanzen, und treibt nicht die durch ihre Hitze erwärmte Erde aus den Samen Keime hervor, und zuletzt Früchte als ihre Sprößlinge? Ist nicht so das Weltall Gott, und die Natur die Göttin? Und [ist es nicht so, daß] diese als des Weltalls Göttin sie empfängt, gebiert, erzieht und nährt? Ich fragte weiter, was seine Gesellschaft und was er von der Religion halte; er antwortete: Die Religion ist uns, die wir durch Bildung über die Menge hervorragen, nichts als ein Zauber für den Pöbel, der das Gefühls- und Phantasieleben desselben wie eine Himmelsluft umgibt, in der die Vorstellungen der Frömmigkeit wie Schmetterlinge in der Luft umherflattern; und ihr Glaube, der diese Vorstellungen wie zu einer Kette verknüpft, wie eine Seidenraupe in ihrem Seidengespinst, aus dem sie als König der Schmetterlinge hervorfliegt; denn die ungebildete Gemeinde liebt die Bilder mehr als die Sinneswahrnehmungen des Körpers und des Denkens aus diesen, aus Begierde zu fliegen, und so machen sie sich denn Flügel, um sich wie die Adler zu erheben, und sich vor den Erdbewohnern zu rühmen und sagen zu können: ‚Schaut auf mich!‘ Wir hingegen glauben, was wir sehen, und lieben, was wir greifen; und nun berührte er seine Buhldirne und sagte: Dies glaube ich, weil ich es sehe und berühre; wir werfen aber dergleichen Spielereien zu unseren Guckfenstern hinaus und treiben sie durch das Hohngelächter fort. Nachher fragte ich noch, was er nebst seinen Genossen vom Himmel und der Hölle glaube. Er antwortete laut auflachend: Was ist der Himmel anderes als das Ätherfirmament in seiner Höhe, und was die Engel dort anderes, als um die Sonne herumirrende Flecken, und die Erzengel, als Irrsterne mit langem Schweif, auf dem der Schwarm von jenen wohnt? Und was ist die Hölle anderes als Sümpfe, wo die Frösche und Krokodile in ihrer Phantasie Teufel sind. Außer diesen Vorstellungen von Himmel und Hölle sind das übrige läppische Dinge, von irgendeinem Kirchenhaupt eingeführt, um sich bei dem unwissenden Volk in Ansehen zu setzen. Dies alles aber sagte er ganz so, wie er darüber in der Welt gedacht hatte. Er wußte nicht, daß er nach dem Tode lebte, und hatte alles vergessen, was er bei seinem ersten Eintritt in die Geisterwelt gehört hatte, weshalb er auch auf die Frage über das Leben nach dem Tod erwiderte: es sei ein Gebilde der Phantasie, das vielleicht ein Dunst - der vom Leichnam im Grab in Menschengestalt aufstieg, oder etwas, das man Gespenst nennt, und von dem einige fabeln - in die Phantasien der Leute gebracht hatte. Als ich dies hörte, konnte ich das Lachen nicht mehr zurückhalten und sagte: Satan, du sprichst ganz und gar Verrücktes; was bist du denn jetzt? Bist du nicht in aller Form ein Mensch?

Sprichst, siehst, hörst, schreitest du nicht? Erinnere dich, daß du in einer anderen Welt gelebt hast, die du vergessen, und daß du nun nach dem Tode fortlebst, und ganz so gesprochen hast, wie früher! Und jetzt ward ihm die Rückerinnerung gegeben und er entsann sich und schämte sich nun und rief:       Ich bin verrückt, ich sah den Himmel oben und hörte die Engel unaussprechliche Dinge reden; allein dies war, als ich vor kurzem hier anlangte. Nun will ich es aber behalten und meinen Genossen erzählen, von denen ich hergekommen bin, und vielleicht werden sie sich in gleicher Weise schämen; und er behielt im Munde, daß er sie Verrückte nennen wolle, allein wie er niederstieg, trieb die Vergessenheit die Rückerinnerung aus, und als er dort war, raste er in gleicher Weise, und nannte die Dinge, die er von mir gehört hatte, Verrücktheiten. Von dieser Art ist der Zustand des Denkens und Redens der Satane nach dem Tode. Es heißen aber dort Satane diejenigen, die sich im Falschen bis zum Glauben bestärkt haben, und Teufel diejenigen, die sich im Bösen durch das Leben bestärkt haben.