Die Pflichten der Liebtaetigkeit bestehen teils in oeffentlichen, teils in haeuslichen, teils in Privatschuldigkeiten

429. Die Wohltaten der Liebtätigkeit und die Pflichten der Liebtätigkeit sind voneinander unterschieden, wie das, was aus freiem Willen, und das, was aus Notwendigkeit geschieht; dennoch aber werden unter den Pflichten der Liebtätigkeit hier nicht die Amtspflichten in einem Reich oder Staat verstanden, wie die des Ministers, daß er verwalte, die des Richters, daß er Recht spreche, und so weiter, sondern es werden verstanden die Pflichten eines jeden, in welchem Beruf er auch sei; weshalb sie einen anderen Ursprung haben, und aus einem anderen Willen fließen, und deswegen aus Liebtätigkeit geschehen von seiten solcher, die in der Liebtätigkeit stehen, und umgekehrt aus keiner Liebtätigkeit von seiten solcher, die in keiner sind.

430. Die öffentlichen Pflichten der Liebtätigkeit sind insbesondere die Steuern und Abgaben, die nicht mit den Berufspflichten zu vermengen sind; jene werden mit anderen Herzen entrichtet von denen, welche geistig sind, und mit anderem von denen, die natürlich sind. Die Geistigen entrichten dieselben aus Wohlwollen, weil sie Beiträge sind zur Erhaltung des Vaterslands, und zum Schutz desselben und der Kirche, sowie zur Verwaltung durch Beamte und Vorsteher, denen Gehalte und Besoldungen aus dem öffentlichen Schatz zu bezahlen sind; weshalb die, denen das Vaterland und auch die Kirche der Nächste sind, dieselben aus freiem und geneigtem Willen entrichten, und es für eine Ungerechtigkeit halten, dabei zu täuschen und zu hintergehen. Wogegen die, denen das Vaterland und die Kirche nicht der Nächste sind, sie ungern und mit widerstrebendem Willen leisten, und sooft sich Gelegenheit dazu zeigt, sich Betrügereien und Unterschleife dabei erlauben; denn bei diesen ist das eigene Haus und das eigene Fleisch der Nächste.

431. Die häuslichen Pflichten der Liebtätigkeit sind die des Mannes gegen die Frau, und der Frau gegen den Mann; dann auch die des Vaters und der Mutter gegen die Kinder, und der Kinder gegen den Vater und die Mutter; sowie auch die des Hausherrn und der Hausfrau gegen die Knechte und Mägde, und dieser gegen jene. Dieser Pflichten, weil sie die der Erziehung und des Hauswesens sind, sind so viele, daß sie, wollte man sie durchgehen, einen eigenen Band ausfüllen würden. Ein jeder Mensch wird zu diesen Pflichten durch eine andere Liebe hingeführt, als zu den Pflichten seines Berufs; zu denen des Mannes gegen die Frau, und der Frau gegen den Mann durch die eheliche Liebe und ihr gemäß; zu denen des Vaters und der Mutter gegen die Kinder aus der einem jeden eingepflanzten Liebe, die man den Naturzug nennt; und die der Kinder gegen die Eltern aus einer anderen und gemäß einer anderen Liebe, die sich eng verbindet mit dem Gehorsam aus Pflicht. Die Pflichten des Hausherrn und der Hausfrau aber gegen die Knechte und Mägde haben etwas von der Liebe zum Herrschen an sich, und diese verhält sich gemäß dem Gemütszustand eines jeden. Allein die eheliche Liebe und die Liebe zu den Kindern mit ihren Pflichten und Pflichtübungen bringen die Liebe zum Nächsten nicht so hervor, wie die Pflichtübungen in den Amtsverrichtungen; denn die Liebe, die man den Naturzug nennt, findet sowohl bei den Bösen, als den Guten statt, und zuweilen noch stärker bei den Bösen; auch findet sie statt selbst bei [Land-] Tieren und bei den Vögeln, bei denen keine Liebtätigkeit gebildet werden kann. Daß sie bei den Bären, Tigern und Schlangen, ebensowohl als bei den Schafen und Ziegen, und bei den Uhu ebensowohl als bei den Tauben ist, ist bekannt. Was insbesondere die Pflichten der Eltern gegen die Kinder betrifft, so sind diese Pflichten innerlich andere bei denen, die in der Liebtätigkeit stehen, und andere bei denen, die nicht in der Liebtätigkeit stehen, allein von außen erscheinen sie als die gleichen. Bei denen, die in der Liebtätigkeit stehen, wird diese Liebe verbunden mit der Liebe zum Nächsten und mit der Liebe zu Gott; denn von ihnen werden die Kinder geliebt Jesajah nach ihren Sitten, Tugenden, Studien und Gaben, dem Gemeinwesen zu dienen; bei denen hingegen, die nicht in der Liebtätigkeit stehen, findet keine Verbindung der Liebtätigkeit mit jener Liebe statt, welche der Naturzug heißt, weshalb viele von ihnen, auch die bösen, ungesitteten, hinterlistigen Kinder mehr als die guten, gesitteten und klugen, somit die für das Gemeinwesen unnützen mehr als die nützlichen lieben.

432. Der Privatpflichten der Liebtätigkeit gibt es auch mehrere, wie z.B. den Arbeitern ihren Lohn bezahlen, die Zinsen entrichten, das Versprochene leisten, das Hinterlegte wohl bewahren, und dergleichen mehr, von denen einige sich auf das Staatsrecht, andere auf das Privatrecht, und andere auf das Sittengesetz gründen. Auch diese werden mit anderer Gesinnung entrichtet von denen, die in der tätigen Liebe stehen; und mit anderer von denen, die nicht in der tätigen Liebe stehen. Von denen, die in der tätigen Liebe stehen, werden sie mit Gerechtigkeit und Treue geleistet; weil Gebot der Liebtätigkeit ist, daß man gerecht und treu handeln soll mit allen, mit denen man in irgendwelchem Geschäft und Verkehr steht; wovon oben Nr. 422f. Ebendieselben werden aber ganz anders geleistet von denen, die nicht in der tätigen Liebe stehen.