Die Paepstlichen in der geistigen Welt

817. Die Päpstlichen erscheinen in der geistigen Welt um die Protestanten her und unterhalb derselben, und sind durch Zwischenräume von diesen getrennt, welche zu überschreiten untersagt ist; dennoch aber verschaffen sich die Mönche durch geheime Künste eine Verbindung, und senden auch auf unbekannten Pfaden Kundschafter zur Verführung aus; allein diese werden aufgespürt, und nachdem sie bestraft worden, entweder zu den Ihrigen zurückgeschickt, oder hinabgeworfen.

818. Nach dem Letzten Gericht, das im Jahre 1757 in der geistigen Welt gehalten wurde, ist der Zustand aller, und so auch jener, so verändert worden, daß sie sich nicht mehr wie früher in Versammlungen zusammentun dürfen; sondern jeglicher Liebe, sowohl der guten als der bösen, sind Wege angewiesen, welche die, die von der Welt her anlanden, sogleich betreten und zu den, ihren Lieblingsneigungen, entsprechenden Gesellschaften fortwandeln; so werden die Bösen zu Gesellschaften, die in der Hölle sind, und die Guten zu Gesellschaften, die im Himmel sind, hingeführt, und so ist dafür gesorgt, daß sie nicht, wie früher, sich künstliche Himmel bilden. Dergleichen Gesellschaften gibt es in der Geisterwelt, die in der Mitte zwischen dem Himmel und der Hölle ist, vielerlei; denn es gibt ihrer ebenso viele, als es Gattungen und Arten von Neigungen der Liebe zum Guten und Bösen gibt; und in der Zwischenzeit, ehe sie entweder in den Himmel erhoben, oder in die Hölle hinabgeworfen werden, stehen sie in geistiger Verbindung mit den Menschen der Welt, und dies deswegen, weil sich auch diese in der Mitte zwischen dem Himmel und der Hölle befinden.

819. Die Päpstlichen haben in der Mittagsgegend gegen Osten hin eine Art von Konsistorium, in dem ihre Häupter zusammenkommen und sich über mancherlei Religionsangelegenheiten beratschlagen, besonders wie das Volk in blindem Gehorsam zu halten, und wie ihre Herrschaft zu erweitern sei; es wird aber keiner darin zugelassen, der in der Welt Papst gewesen war, und dies deshalb nicht, weil davon, daß er in der Welt die Gewalt des Herrn sich angemaßt hatte, in seinem Gemüt eine Art göttlicher Autorität hängengeblieben ist. Auch wird, seiner übergroßen Hoheit wegen, keinem Kardinal der Zutritt in jenes Konsistorium gestattet; dennoch aber versammeln sich diese in einem geräumigen Gemach unterhalb jener, werden jedoch nach einem Verweilen von etlichen Tagen von da weggebracht, wohin, ward mir jedoch nicht zu wissen gegeben. Auch noch ein anderer Konvent ist in der Mittagsgegend gegen Westen hin; sie beschäftigen sich dort damit, die leichtgläubige Menge in den Himmel einzulassen; sie errichten daselbst um sich her mehrere Gesellschaften, die sich in mancherlei äußerlichen Genüssen ergehen; in einigen gibt es Tänze, in anderen musikalische Unterhaltungen, in anderen feierliche Umgänge, in anderen Schauspielhäuser und theatralische Darstellungen; in einigen gibt es solche, die durch ihre Phantasien allerlei Pracht herbeizaubern; in anderen reißen sie bloß Possen und Witze; in anderen unterhalten sie freundschaftliche Gespräche miteinander, hier über Religionssachen, dort über bürgerliche Dinge, dort auch über Ausgelassenheiten, und so weiter. In irgendeine von diesen Gesellschaften, je nach eines jeden Vergnügen, lassen sie die Leichtgläubigen ein, und nennen dies den Himmel; alle aber werden nach einem oder zwei Tagen, die sie da waren, von Überdruß ergriffen und gehen weg, weil jene Genüsse nur äußere und nicht innere sind. So werden denn auch viele von dem hohlen Glauben an die Gewalt der Einlassung in den Himmel abgebracht. Was ihren Gottesdienst insbesondere anbelangt, so ist er ihrem Gottesdienst in der Welt beinahe gleich; er besteht in gleicher Weise in Messen, die in einer Sprache gelesen werden, die den Geistern nicht gemeinsam, sondern zusammengeblasen ist aus hochtönenden Worten, die zwar äußere Andacht und ein Erbeben einjagen, die sie aber durchaus nicht verstehen.

820. Alle, die von der Erde her in die geistige Welt kommen, werden anfangs im Glaubensbekenntnis und in der Religion ihres Vaterlandes gehalten, so denn auch die Päpstlichen; weshalb sie immer einen Vorgesetzten über sich haben, der den Oberpriester vorstellt, und den sie auch mit dem gleichen Ritus verehren wie in der Welt. Selten wird irgendeiner, der in der Welt Papst gewesen war, nach seinem Austritt aus ihr, ihnen vorgesetzt; dennoch aber ist derjenige, der vor 30 und 40 Jahren das päpstliche Amt bekleidet hatte, an ihre Spitze gestellt worden, und dies darum, weil er in seinem Herzen die Ansicht hegte, daß das Wort heiliger sei, als man glaubt, und daß der Herr verehrt werden müsse. Es ward mir gestattet, mit ihm zu reden, und er sagte, daß er den Herrn allein anbete, weil Er Gott ist, Der alle Gewalt hat im Himmel und auf Erden, nach Seinen Worten, Matth.28/18, und daß die Anrufungen der Heiligen Gaukeleien seien. Ferner, daß er in der Welt damit umgegangen sei, jene Kirche zu reformieren, daß er es aber aus Ursachen, die er nannte, nicht vermocht habe. Ich sah, wie man ihn, als die große nördliche Stadt, in der sich die Päpstlichen und zugleich auch Protestanten befanden, am Tage des Letzten Gerichts zerstört wurde, in einer Sänfte hinaustrug und an einen sichern Ort brachte. Auf den Seiten der großen Gesellschaft, in der er den Oberpriester vorstellt, sind hohe Schulen errichtet, in die sich diejenigen begeben, die in Beziehung auf Dinge der Religion irgend im Ungewissen sind, und hier sind bekehrte Mönche, die sie belehren über Gott den Seligmacher Christus, und auch über die Heiligkeit des Wortes, und diese Mönche überlassen es ihrem Gutdünken, ob sie ihre Gemüter von den in die römisch-katholische Kirche eingeführten Heiligsprechungen abwenden wollen. Die, welche den Unterricht annehmen, werden in eine große Gesellschaft eingeführt, in der sich diejenigen befinden, die vom Dienst des Papstes und der Heiligen abgetreten sind, und wenn sie in diese kommen, ist ihnen wie denen, welche von tiefem Schlaf erwacht in wachendem Zustand sind, und wie denen, die aus dem Unangenehmen des Winters in das Angenehme des ersten Frühlings kommen, und wie dem Seereisenden, wenn er den Hafen erreicht. Und nun werden sie von denen, die sich dort befinden, zu Gastmahlen eingeladen, und man gibt ihnen aus kristallenen Bechern edlen Wein zu trinken. Auch hörte ich, daß die Engel aus dem Himmel dem Gast eine Schale herabsenden, auf der sich Manna befindet von gleicher Gestalt und von gleichem Geschmack wie das auf das Lager der Kinder Israels in der Wüste herabgelassene war, und jene Schale wird bei den Gästen herumgeboten und jedem freigestellt, davon zu kosten.

821. Alle, die von der katholischen Religion, die in der vorigen Welt mehr an Gott als an das Papsttum gedacht und Werke der Liebtätigkeit aus einfältigem Herzen getan hatten, und nun bemerken, daß sie nach dem Tode fortleben, werden, nachdem sie belehrt worden sind, daß der Herr selbst, der Heiland der Welt, hier regiert, mit Leichtigkeit von dem Abergläubischen jener Religion abgebracht. Diesen ist der Übergang vom Papsttum zum Christentum so leicht, als es ist, durch die geöffneten Tore in den Tempel einzugehen, und als es ist, durch die Trabanten, die in den Vorsälen sind, zum Hof zu gelangen, wenn der König es befiehlt; und als es ist, das Gesicht zu erheben und gen Himmel zu blicken, wenn von daher Stimmen gehört werden. Umgekehrt aber ist es ebenso schwer, von dem Abergläubischen jener Religion diejenigen abzuführen, die während des Laufs ihres Lebens in der Welt selten, wenn Jesajah, an Gott gedacht, und jenen Gottesdienst bloß um seiner Festlichkeiten willen geliebt hatten, als es schwer ist, in den Tempel einzugehen durch verschlossene Türen, und als es schwer ist, durch die Trabanten in den Vorhöfen in den Hof durchzudringen, wenn der König es verbietet; und als es der Schlange im Gras schwer ist, die Augen zum Himmel zu erheben. Wunderbar ist, daß keiner von denen, die aus jener katholischen Religion in der geistigen Welt anlanden, dort den Himmel sieht, in dem die Engel sind; es ist wie eine dunkle Wolke über ihnen, die den Blick beschränkt; sobald hingegen ein Bekehrter zu Bekehrten kommt, tut sich der Himmel auf, und sie sehen dort zuweilen Engel in weißen Kleidern, zu denen sie auch nach vollbrachter Zeit der Vorbereitung erhoben werden.