Die neue Zeugung oder Schoepfung geschieht allein vom Herrn durch die Liebtätigkeit und den Glauben, als die zwei Mittel unter Mitwirkung des Menschen

576. Daß die Wiedergeburt vom Herrn durch die Liebtätigkeit und den Glauben geschieht, folgt aus dem, was in den Kapiteln von der Liebtätigkeit und dem Glauben dargetan worden ist, besonders aus dem dort gegebenen Nachweis, daß der Herr, die Liebtätigkeit und der Glaube eins ausmachen, wie das Leben, der Wille und der Verstand, und daß, wenn sie geteilt werden, jegliches von ihnen zugrunde geht, wie eine in Staub zerfallene Perle. Diese zwei, die Liebtätigkeit und der Glaube, heißen die Mittel, weil sie den Menschen mit dem Herrn verbinden und machen, daß die Liebtätigkeit Liebtätigkeit, und daß der Glaube Glaube ist, und dies kann nicht geschehen, wofern nicht auch der Mensch Teil hat an der Wiedergeburt; weshalb gesagt wird ‚unter Mitwirkung des Menschen‘. In den Abhandlungen, die vorausgingen, ist einige Male vom Zusammenwirken des Menschen mit dem Herrn gehandelt worden; weil aber das menschliche Gemüt von der Art ist, daß es dasselbe nicht anders faßt, als daß der Mensch es durch eigene Kraft wirke, so soll es noch weiter beleuchtet werden. In jeder Bewegung, und somit in jeder Handlung ist ein Tätiges und ein Leidendes, in der Art, daß das Tätige wirkt, und das Leidende aus dem Tätigen wirkt, und so aus beiden eine Handlung entsteht; vergleichsweise wie die Mühle vom Rad her, der Wagen vom Pferd, die Bewegung vom Streben, die Wirkung von der Ursache, die tote Kraft von der lebendigen, im allgemeinen wie das Werkzeugliche von der Hauptkraft; daß diese zwei zusammen eine Tätigkeit bewirken, weiß jeder. Was die Liebtätigkeit und den Glauben betrifft, so ist der Herr tätig, und der Mensch ist tätig aus dem Herrn; denn das Tätige des Herrn ist im Passiven des Menschen; weshalb das Vermögen gut zu handeln vom Herrn ist, und somit der Wille zum Handeln wie das Eigentum des Menschen ist, weil er in der Wahlfreiheit ist, infolgedessen er mit dem Herrn zusammenwirken und so sich verbinden, und auch aus der Macht der Hölle, die außerhalb ist, wirken, und so sich trennen kann.

Die mit der Tätigkeit des Herrn zusammenstimmende Tätigkeit des Menschen ist das, was hier unter der Mitwirkung verstanden wird; damit dies deutlicher erkannt werde, soll es unten noch durch Vergleiche beleuchtet werden.

577. Hieraus folgt auch dies, daß der Herr beständig in Tätigkeit ist, den Menschen wiederzugebären, weil Er beständig in Tätigkeit ist, ihn selig zu machen, und keiner selig gemacht werden kann, wofern er nicht wiedergeboren wird, nach den eigenen Worten des Herrn bei Joh.3/3,5,6: „daß, wer nicht von neuem geboren wird, das Reich Gottes nicht sehen kann“; es ist also die Wiedergeburt ein Mittel der Seligmachung, und die Liebtätigkeit und der Glaube sind Mittel der Wiedergeburt. Daß die Wiedergeburt auf den Glauben der heutigen Kirche, der die Mitwirkung des Menschen ausschließt, folge, ist ein ganz leeres, grundloses Gerede. Die Tätigkeit und Mitwirkung wie sie eben beschrieben worden, kann man bei jeglichem Gegenstand sehen, der in einiger Tätigkeit und Bewegfähigkeit ist; eine solche Tätigkeit und Mitwirkung ist die des Herzens und jeder seiner Arterien; das Herz ist tätig und die Arterie ist vermöge ihrer Umhüllungen oder Häute mitwirkend, daher der Blutumlauf. Ebenso verhält es sich mit der Lunge; die Luft ist vermöge ihres Drucks tätig Jesajah nach der Höhe ihrer Atmosphäre, und die Rippen mit der Lunge wirken zuerst mit, und bald darauf die Lunge mit den Rippen; daher das Einatmen jedes Häutchens im Körper; so die Hirnhäute, die Rippenhaut, die Darmhaut, das Zwerchfell, und die übrigen, welche die inneren Teile bedecken, und inwendig zusammenhalten, in Tätigkeit setzen und in Tätigkeit gesetzt werden, und so mitwirken, da sie elastisch sind, daher das Dasein und Bestehen. Ähnliches findet statt bei jeder Fiber, bei jedem Nerv und bei jedem Muskel, ja beim Knorpel; daß bei jedem derselben Tätigkeit und Mitwirkung statthat, ist bekannt. Eine solche Mitwirkung ist auch in jedem Sinn; denn die Sinnes- wie die Bewegwerkzeuge des Körpers bestehen aus Fibern, Häuten und Muskeln. Allein die Mitwirkung eines jeden zu beschreiben ist überflüssig; denn man weiß, daß das Licht auf das Auge, der Schall auf das Ohr, der Geruch auf die Nase und der Geschmack auf die Zunge wirkt, und daß die Organe sich dafür empfänglich machen, daher die Empfindung. Wer kann nicht daraus erkennen, daß wofern nicht eine solche Tätigkeit und Zusammenwirkung mit dem einfließenden Leben im geistigen Organismus des Gehirnes wäre, kein Denken und Wollen entstehen könnte? Denn das Leben vom Herrn fließt in diesen Organismus ein, und weil dieser mitwirkt, so kommt das, was man denkt, zum Bewußtsein, und ebenso das, was dort erwogen, beschlossen und zur Handlung fortbestimmt wird; würde bloß das Leben tätig sein, und nicht der Mensch mitwirken wie aus sich, so würde er ebensowenig denken können, als ein Klotz, oder ein Kirchengebäude, während der Prediger seinen Vortrag hält; dieser kann zwar infolge des Zurückprallens des Schalles von deren Türen etwas einem Widerhall ähnliches empfinden, aber nichts von der Rede; von dieser Art wäre der Mensch, wenn er nicht zusammenwirkte mit dem Herrn hinsichtlich der Liebtätigkeit und des Glaubens.

578. Auch durch Vergleiche kann beleuchtet werden, wie der Mensch beschaffen sein würde, wenn er nicht zusammenwirkte mit dem Herrn. Es wäre, wenn er etwas Geistiges des Himmels und der Kirche wahrnähme und empfände, wie wenn etwas Widerwärtiges oder Widerstreitendes einflösse, und wie wenn etwas Stinkendes in die Nase, etwas Mißtönendes in das Ohr, etwas Mißgestaltetes in das Auge, und etwas Widrigschmeckendes in die Zunge eindränge; würde das Angenehme der Liebtätigkeit und das Liebliche des Glaubens in den geistigen Organismus derer einfließen, die im Angenehmen des Bösen und Falschen sind, so würden diese, wenn jenes Angenehme und Liebliche ihnen aufgedrungen würde, geängstigt und gequält werden, und zuletzt in Ohnmacht fallen. Jener geistige Organismus würde, weil er aus lauter Schneckenlinien besteht, die nach allen Seiten hin sich fortsetzen, bei solchen sich in kreisförmige Windungen zusammenrollen, und sich zusammenkrümmen wie eine Schlange auf einem Ameisenhaufen. Daß dem so ist, hat sich mir durch vielfältige Erfahrung in der geistigen Welt bewahrheitet.