Die Liebtaetigkeit und die guten Werke sind zwei verschiedene Dinge, wie das Wohlwollen und das Wohltun

420. Bei jeglichem Menschen ist ein Inneres und ein Äußeres. Sein Inneres ist was der innere Mensch heißt, und sein Äußeres was der äußere Mensch heißt. Wer aber nicht weiß, was der innere und der äußere Mensch ist, kann glauben, der innere Mensch sei der, welcher denkt und will, und der äußere der, welcher redet und handelt; diese [letzteren Tätigkeiten] sind zwar Sache des äußeren Menschen, und jene Sache des inneren; dennoch aber machen sie nicht wesentlich den äußeren und den inneren Menschen aus. Das Gemüt des Menschen ist zwar der allgemeinen Auffassung nach der innere Mensch, allein das Gemüt selbst ist in zwei Regionen abgeteilt: die eine Region, welche die obere und inwendige ist, ist geistig, die andere, welche die untere und auswendige ist, ist natürlich. Das geistige Gemüt blickt vorzugsweise in die geistige Welt, und hat zu Gegenständen die Dinge, welche dort sind, seien sie nun solche, die im Himmel, oder solche, die in der Hölle sind, denn beides ist in der geistigen Welt. Das natürliche Gemüt hingegen blickt vorzugsweise in die natürliche Welt, und hat zu Gegenständen die Dinge, welche in dieser sind, seien sie nun Gutes oder Böses. Jede Handlung und Rede des Menschen geht unmittelbar aus der unteren Region des Gemütes hervor, und mittelbar aus der oberen Region, weil die untere Region des Gemüts den Sinnen des Körpers näher liegt, und die obere Region von ihnen entfernter ist. Diese Abteilung des Gemüts ist beim Menschen, weil er geschaffen ist, geistig und zugleich natürlich, und so Mensch und nicht Tier zu sein. Hieraus erhellt, daß ein Mensch, der sein Absehen vor allem auf die Welt und auf sich hat, ein äußerlicher Mensch ist, weil natürlich nicht bloß dem Körper, sondern auch dem Gemüt nach, und daß ein Mensch, der sein Absehen vor allem auf die Dinge des Himmels und der Kirche hat, ein innerlicher Mensch ist, weil geistig sowohl dem Gemüt als dem Körper nach. Auch dem Körper nach, weil seine Handlungen und Reden aus dem oberen Gemüt, welches geistig ist, durch das untere Gemüt, welches natürlich ist, hervorgehen; denn es ist bekannt, daß aus dem Körper die Wirkungen, und aus dem Gemüt die Ursachen hervorgehen, welche jene hervorbringen, und daß die Ursache alles in der Wirkung ist. Daß das menschliche Gemüt in dieser Weise abgeteilt ist, erhellt deutlich daraus, daß der Mensch den Gleisner, Schmeichler, Heuchler und Schauspieler machen, und daß er den Reden eines anderen Beifall zuwinken, und dennoch darüber lachen kann; dieses tut er aus dem oberen Gemüt, jenes aber aus dem unteren.

421. Hieraus kann man sehen, wie es zu verstehen ist, daß die Liebtätigkeit und die guten Werke voneinander verschieden seien, wie das Wohlwollen und das Wohltun; daß sie nämlich der Form nach verschieden sind, wie das Gemüt, welches denkt und will, und wie der Körper, durch den das Gemüt redet und handelt; daß sie aber dem Wesen nach verschieden sind, weil das Gemüt selbst geschieden ist; und daß seine inwendige Region geistig, und die auswendige natürlich ist, ist oben gesagt worden. Gehen also die Werke aus dem geistigen Gemüt hervor, so gehen sie hervor aus seinem Wohlwollen, welches Liebtätigkeit ist; gehen sie hingegen aus dem natürlichen Gemüt hervor, so gehen sie aus einem Wohlwollen hervor, das nicht Liebtätigkeit ist, obwohl es in äußerer Gestalt als Liebtätigkeit erscheinen kann, während es doch in der inneren Gestalt nicht Liebtätigkeit ist, und die Liebtätigkeit in der bloß äußeren Form zwar den Schein der Liebtätigkeit zur Schau trägt, das Wesen der Liebtätigkeit aber nicht besitzt. Dies kann versinnlicht werden durch Vergleich mit den Samen in der Erde: aus jedem Samen entspringt ein Gewächs, sowohl das nützliche als das unnütze, Jesajah nach Beschaffenheit des Samens. Ebenso verhält es sich mit dem geistigen Samen, der das Wahre der Kirche aus dem Wort ist; aus diesem bildet sich eine Lehre, eine nützliche, wenn aus den reinen Wahrheiten, eine unnütze, wenn aus verfälschten. In gleicher Weise also die Liebtätigkeit aus dem Wohlwollen, sei es nun ein Wohlwollen wegen seiner selbst und der Welt, oder sei es wegen des Nächsten im engeren oder weiteren Sinn. Wenn um seiner selbst und der Welt willen, so ist die Liebtätigkeit unecht, wenn aber um des Nächsten willen, so ist die Liebtätigkeit echt. Doch mehr hierüber sehe man im Kapitel vom Glauben, insbesondere in dem Abschnitt, wo gezeigt worden ist, daß die Liebtätigkeit ein Wohlwollen ist, und daß die guten Werke ein Wohltun aus dem Wohlwollen sind, Nr. 374; und daß die Liebtätigkeit und der Glaube nur Dinge des Gemüts und hinfälliger Art sind, wenn sie nicht, wofern es geschehen kann, zu Werken sich fortbestimmen und in ihnen beisammen sind: Nr. 375, 376.