Die Kirche ist der Naechste und soll in noch hoeherem Grade, und das Reich des Herrn im höchsten Grad geliebt werden

415. Weil der Mensch zum ewigen Leben geboren ist, und in dieses eingeführt wird durch die Kirche, darum soll diese als der Nächste in höherem Grade geliebt werden; denn sie lehrt die Mittel, die zum ewigen Leben hinführen, und führt in dasselbe ein. Sie führt zu ihm hin durch die Wahrheiten der Lehre, und führt in dasselbe ein durch das Gute des Lebens. Es wird nicht verstanden, daß das Priestertum in höherem Grade geliebt werden soll, und von diesem aus die Kirche, sondern daß das Gute und Wahre der Kirche geliebt werden soll, und um dessen willen das Priestertum; dieses dient bloß, und Jesajah wie es dient, soll es geehrt werden. Daß die Kirche der Nächste ist, der in höherem Grade geliebt werden soll, somit auch noch über das Vaterland, hat seinen Grund auch darin, daß der Mensch vom Vaterland aus in das bürgerliche Leben eingeleitet wird, von der Kirche her aber in das geistige Leben, und dieses Leben den Menschen vom bloßen Tier unterscheidet. Zudem ist das bürgerliche Leben ein zeitliches, das ein Ende hat, und dann ist es, wie wenn es nicht gewesen wäre; das geistige Leben hingegen ist, weil es kein Ende hat, ein ewiges; deshalb kann von diesem ein Sein ausgesagt werden, von jenem aber ein Nicht-Sein; der Unterschied ist wie zwischen Endlichem und Unendlichem, zwischen dem kein Verhältnis besteht; denn das Ewige ist das Unendliche hinsichtlich der Zeit.

416. Daß das Reich des Herrn der Nächste ist, der im höchsten Grade geliebt werden soll, hat seinen Grund darin, daß unter dem Reich des Herrn die Kirche auf dem ganzen Erdkreis verstanden wird, welche die Gemeinschaft der Heiligen heißt, und auch der Himmel verstanden wird. Wer daher das Reich des Herrn liebt, der liebt alle in der ganzen Welt, die den Herrn anerkennen und Glauben an Ihn und Liebtätigkeit gegen den Nächsten haben, und liebt auch alle im Himmel. Die, welche das Reich des Herrn lieben, lieben den Herrn über alles, sind also mehr als die übrigen in der Liebe zu Gott; denn die Kirche in den Himmeln und auf Erden ist der Leib des Herrn; denn sie sind im Herrn und der Herr ist in ihnen. Die Liebe zum Reich des Herrn ist also die Nächstenliebe in ihrer Fülle; denn diejenigen, die das Reich des Herrn lieben, lieben nicht bloß den Herrn über alles, sondern lieben auch den Nächsten wie sich selbst; denn die Liebe zum Herrn ist die allumfassende Liebe, und ist daher in allem und jedem des geistigen Lebens, und auch in allem und jedem des natürlichen Lebens; diese Liebe hat nämlich ihren Sitz im Obersten beim Menschen, und das Oberste fließt in das Untere ein und belebt es, wie der Wille in alles und jedes der Absicht und daher der Handlung einfließt und sie belebt, und der Verstand in alle Teile des Denkens und hieraus des Redens; und deshalb sagt der Herr: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, so wird euch alles hinzugegeben werden“: Matth.6/33. Daß das Reich der Himmel das Reich des Herrn ist, erhellt aus folgendem bei Da.7/13,14: „Siehe, mit der Himmel Wolken kam wie ein Menschensohn; und Diesem ward gegeben Herrschaft, Herrlichkeit und Reich, und alle Völker, Völkerschaften und Zungen werden Ihn verehren; Seine Herrschaft ist eine Herrschaft der Ewigkeit, die nicht vorübergehen, und Sein Reich, das nicht vergehen wird“.