Die Juden in der geistigen Welt

841. Die Juden erschienen vor dem Letzten Gericht, das im Jahr 1757 gehalten wurde, links neben der christlichen Mitte in einem Tal daselbst. Nach demselben wurden sie gegen Norden versetzt, und ihnen der Verkehr mit den Christen untersagt, mit Ausnahme derer, die außerhalb der Städte umherschweiften.

Es gibt in jener Gegend zwei große Städte, in welche die Juden nach dem Tode versetzt wurden, und die sie vor dem Gericht Jerusalem hießen, nach demselben aber anders benannten, weil nach dem Gericht Jerusalem die Kirche, in welcher der Herr allein verehrt wird, hinsichtlich der Lehre bedeutet. Es werden ihnen in ihren Städten bekehrte Juden vorgesetzt, welche sie ermahnen, nicht schmähend von Christus zu reden, und diejenigen bestrafen, welche es gleichwohl tun. Die Straßen ihrer Städte sind mit Kot bis an die Knöchel, und die Häuser mit Unreinem erfüllt, wovon sie auch übel riechen, daher man sich ihnen nicht nahen kann. Nachher bemerkte ich, daß viele von diesem Volk ihren Aufenthaltsort auch in der südlichen Gegend erhielten, und als ich fragte, wer diese seien, sagte man, es seien die, welche den Kultus der übrigen geringgeschätzt, und in ihren Gemütern auch Zweifel darüber, ob der Messias jemals kommen werde, gehabt, und dann auch über mancherlei Dinge in der Welt aus der Vernunft gedacht, und nach dieser gelebt hatten; die Mehrzahl von diesen bilden die Juden, die man die Portugiesischen nennt.

842. Es erscheint den Juden zuweilen oben in mittlerer Höhe ein Engel mit einem Stab in der Hand und bringt sie auf den Glauben, daß er Moses sei, und ermahnt sie, von dem Wahnsinn abzustehen, auch hier noch den Messias zu erwarten; denn der Messias sei Christus, Der sie und alle regiere, er wisse dies, und habe auch von Ihm gewußt, als er noch in der Welt war. Sobald sie dies hören, treten sie zurück, und die Mehrzahl vergißt es wieder, und nur wenige behalten es. Die es behalten, werden in Synagogen, die aus Bekehrten bestehen, geschickt und unterrichtet, und wenn sie unterrichtet sind erhalten sie neue Kleider statt der zerrissenen; auch wird ihnen das Wort, zierlich geschrieben, gegeben, und eine Wohnung in einer nicht unschönen Stadt zugeteilt; die es aber nicht annehmen, werden hinabgeworfen, und zwar viele in Wälder und in Wüsten, wo sie untereinander Straßenraub treiben.

843. Die Juden treiben in jener Welt, wie in der vorigen, Handel mit mancherlei Dingen, besonders mit kostbaren Steinen, die sie sich auf unbekannten Wegen aus dem Himmel verschaffen, wo es kostbare Steine in Menge gibt. Daß sie einen Handel mit kostbaren Steinen haben, hat seinen Grund darin, daß sie das Wort in seiner Grundsprache lesen, und den Buchstaben desselben heilig halten, die kostbaren Steine aber dem Buchstabensinn entsprechen. Daß der geistige Ursprung jener Steine der Buchstabensinn des Wortes ist, und daß von daher eine Entsprechung derselben statthat, sehe man oben im Kapitel von der ‚Heiligen Schrift‘ Nr. 217, 218. Sie können auch ähnliche durch die Kunst bereiten, und die Einbildung beibringen, daß sie echte seien; doch diese werden von ihren Vorgesetzten streng bestraft.

844. Die Juden wissen weniger als andere, daß sie in der geistigen Welt sind, sondern meinen, sie seien noch in der natürlichen Welt, und dies darum, weil sie ganz äußerliche Menschen sind und gar nicht über die Religion von innen her denken; deshalb sprechen sie sich auch geradeso wie früher über den Messias aus, und einige sagen, Er werde kommen mit David und schimmernd von Diademen ihnen vorangehen, und sie in das Land Kanaan einführen, und auf dem Wege die Ströme, durch die sie zu gehen haben, austrocknen, und die Christen, die sie unter sich auch Heiden nennen, werden dann die Zipfel ihrer Kleider ergreifen und flehentlich bitten, sie begleiten zu dürfen, und daß sie die Reichen je nach ihren Mitteln aufnehmen, und auch diese ihnen dienen werden. In diesen Dingen bestärken sie sich durch das, was man liest bei Sach.8/23; und bei Jes.66/20, und von David, daß er kommen und ihr König und Hirte sein werde, aus Jer.30/9; und aus Ez.34/23-25; 37/23-26, wobei sie gar nichts davon hören wollen, daß unter David hier unser Herr Jesus Christus verstanden wird, und daß unter den Juden hier diejenigen verstanden werden, die zu Seiner Kirche gehören werden.

845. Fragt man sie, ob sie fest glauben, daß sie alle in das Land Kanaan kommen werden, so sagen sie: Ja, alle, und es werden alsdann die verstorbenen Juden auferstehen und aus ihren Gräbern in jenes Land eingehen. Hält man entgegen, sie könnten doch keineswegs aus den Gräbern hervorgehen, da sie ja in Person nach dem Tode fortleben, so antworten sie, sie würden alsdann hinabsteigen und in ihre Leiber eingehen, und so leben. Sagt man, jenes Land könne sie nicht alle fassen, so antworten sie, es werde alsdann vergrößert werden. Sagt man, das Reich des Messias werde, weil Er Gottes Sohn ist, nicht auf Erden, sondern im Himmel sein, so antworten sie, das Land Kanaan werde alsdann der Himmel sein. Sagt man, sie wüßten nicht, wo Bethlehem Ephratha sei, wo der Messias geboren werden soll, nach der Weissagung bei Mi.5/1 und bei David Ps.132/6, so antworten sie, die Mutter des Messias werde dennoch dort gebären; und einige: Wo sie gebiert, da ist Bethlehem. Sagt man: Wie kann der Messias bei so Bösen wohnen? und belegt man dies mit mehreren Stellen aus Jeremias und besonders aus dem Lied des Moses, 5Mo.Kap.32, wonach sie die Schlimmsten seien, so antworten sie, es gebe unter den Juden sowohl gute als böse, und es seien hier die bösen verstanden. Sagt man, ihr Ursprung schreibe sich von einer Kanaaniterin und von der Hurerei des Juda mit seiner Schwiegertochter her, 1Mo.Kap.38, so antworten sie, es sei keine Hurerei gewesen; hält man entgegen, Juda habe doch befohlen, sie wegen Hurerei herauszuführen und zu verbrennen, so gehen sie weg, um sich zu beratschlagen, und sagen dann nach gepflogenem Rat, es sei bloß eine Leviratsehe gewesen, die weder sein zweiter Sohn Onan, noch sein dritter Sohn Schelah geleistet habe, und diesem fügen sie noch bei, die meisten von ihnen seien aus dem Stamme Levi, der das Priesteramt hatte, und es genüge, daß sie alle aus den Lenden Abrahams stammen. Sagt man ihnen, daß inwendig im Wort ein geistiger Sinn sei, in dem viel von Christus oder dem Messias gehandelt werde, so antworten sie, dem sei nicht so; einige von ihnen aber sagen, inwendig im Wort, oder auf seinem Grund sei nichts als Gold; und was dergleichen mehr ist.

846. Einst wurde ich dem Geiste nach in den Engelhimmel und in diesem in eine Gesellschaft erhoben, und es traten nun einige von den Weisen daselbst zu mir und sprachen: Was bringst du Neues von der Erde? Ich sprach zu ihnen: Das Neue ist, daß der Herr Geheimnisse geoffenbart hat, welche die vom Anfang der Kirche an bis jetzt geoffenbarten Geheimnisse an Erhabenheit übertreffen. Sie fragten: Welche sind es? Ich sagte, es sind folgende:

I. Daß im Wort, in allem und jedem desselben, ein geistiger Sinn ist, der dem natürlichen Sinn entspricht, und daß durch diesen Sinn eine Verbindung der Menschen der Kirche mit dem Herrn, und eine Zusammengesellung mit den Engeln statthat, und daß die Heiligkeit des Wortes in diesem Sinn ihren Sitz hat.

II. Daß die Entsprechungen, aus denen der geistige Sinn des Wortes besteht, enthüllt sind; und die Engel fragten: Haben denn die Bewohner des Erdkreises von den Entsprechungen vorher nichts gewußt?

Ich sagte: Ganz und gar nichts; sie sind nun schon Jahrtausende, nämlich von der Zeit Hiobs an verborgen gewesen; aber bei denen, die zu jener Zeit und vor derselben lebten, ist die Wissenschaft der Entsprechungen die Wissenschaft der Wissenschaften gewesen, aus der sie Weisheit hatten infolge der Erkenntnis der geistigen Dinge, die den Himmel und die Kirche betreffen; diese Wissenschaft ist aber, weil sie in eine abgöttische verkehrt wurde, durch eine Fügung der göttlichen Vorsehung des Herrn so verwischt und verdorben worden, daß niemand mehr eine Spur von ihr sah; dennoch aber ist sie nunmehr vom Herrn enthüllt worden, damit eine Verbindung der Menschen der Kirche mit Ihm und eine Zusammengesellung mit den Engeln bewirkt werden möge; und diese wird bewirkt durch das Wort, in dem alle und jede Dinge Entsprechungen sind. Die Engel freuten sich sehr, daß es dem Herrn gefallen habe, dieses große, einige Jahrtausende so tief verborgen gelegene Geheimnis zu offenbaren, und sie sagten, dies sei zu dem Ende geschehen, daß die christliche Kirche, die auf das Wort gegründet wird und jetzt an ihrem Ende ist, wieder aufleben und Atem durch den Himmel vom Herrn schöpfen möge. Sie fragten, ob durch jene Wissenschaft nun enthüllt sei, was die Taufe und was das heilige Abendmahl bedeuten, von denen man bisher so verschieden gedacht hat, und ich antwortete, es sei enthüllt.

III. Weiter sagte ich, es sei jetzt vom Herrn eine Offenbarung über das Fortleben des Menschen nach dem Tod gegeben worden. Die Engel sagten: Wieso über das Fortleben nach dem Tod? Wer weiß nicht, daß der Mensch nach dem Tode lebt? Ich erwiderte: Man weiß es und weiß es nicht. Man sagt, daß nicht der Mensch, sondern seine Seele fortlebe, und daß diese als Geist lebe; von einem Geist aber machen sie sich eine Vorstellung wie von einem Wind oder einem Äther, und daß er nicht eher als Mensch lebe, als nach dem Tage des Jüngsten Gerichts; daß alsdann die Körperteile, die man in der Welt zurückgelassen, obgleich von Würmern, Mäusen und Fischen zerfressen, wieder werden gesammelt und zu einem Körper zusammengefügt, und so die Menschen wieder auferstehen werden. Die Engel fragten: Wozu dies? Wer weiß nicht, daß der Mensch als Mensch lebt nach dem Tode, mit dem alleinigen Unterschied, daß er dann als substantieller Mensch lebt und nicht als materieller, wie zuvor, und daß der substantielle Mensch den substantiellen Menschen ebenso sieht, wie der materielle den materiellen? Sie wüßten durchaus keinen Unterschied, außer daß sie in einem vollkommeneren Zustand seien.

IV. Die Engel fragten: Was weiß man von unserer Welt und vom Himmel und der Hölle? Ich sagte: Man weiß davon nichts, eben jetzt aber ist vom Herrn enthüllt worden, wie die Welt beschaffen ist, in der die Engel und Geister leben, also wie der Himmel und die Hölle beschaffen ist, und dann auch, daß die Engel und Geister in Verbindung mit dem Menschen stehen; nebst vielen Wunderdingen in betreff derselben. Die Engel freuten sich, daß es dem Herrn gefallen hat, dergleichen Dinge aufzuschließen, damit der Mensch nicht mehr aus Unwissenheit in Ungewißheit über seine Unsterblichkeit sei.

V. Weiter sagte ich: Es ist jetzt vom Herrn geoffenbart worden, daß in eurer Welt eine andere Sonne ist, als in der unseren, und daß die Sonne eurer Welt lautere Liebe, und die Sonne unserer Welt lauteres Feuer ist, und daß deshalb alles, was aus eurer Sonne hervorgeht, eben weil sie lautere Liebe ist, etwas vom Leben an sich hat, und alles, was aus unserer Sonne hervorgeht, eben weil sie lauteres Feuer ist, nichts vom Leben an sich hat; und daß von daher der Unterschied zwischen dem Geistigen und dem Natürlichen stammt, welcher bisher unbekannte Unterschied nun ebenfalls enthüllt worden ist; und dadurch ist auch bekannt geworden, woher das Licht stammt, das den menschlichen Verstand mit Weisheit erleuchtet, und woher die Wärme kommt, die den menschlichen Willen mit Liebe entzündet.

VI. Überdies ist auch enthüllt worden, daß es drei Stufen des Lebens gibt, und eben daher auch drei Himmel; und daß in diese Stufen das menschliche Gemüt abgeteilt ist, und daß infolge dieser der Mensch den drei Himmeln entspricht. Die Engel fragten: Hat man dies früher nicht gewußt? Ich antwortete: Sie haben von den Graden zwischen dem Mehr und dem Weniger, aber nichts von den Stufen zwischen dem Früheren und dem Späteren gewußt.

VII. Die Engel fragten, ob außer diesem noch weiteres geoffenbart worden sei; ich sagte: Ja, nämlich vom Jüngsten Gericht; vom Herrn, daß Er der Gott des Himmels und der Erde ist; daß Gott sowohl der Person, als dem Wesen nach einer ist; daß in Ihm die göttliche Dreieinheit und daß diese der Herr ist; ferner, von der von Ihm zu gründenden neuen Kirche und von der Lehre dieser Kirche. Von der Heiligkeit der Heiligen Schrift; auch die Offenbarung ist enthüllt worden, und überdies von den Bewohnern der Planeten und von den Erdkörpern im Weltall; nebst vielen Denkwürdigkeiten und Wunderdingen aus der geistigen Welt, wodurch vieles, das zur Weisheit gehört, aus dem Himmel enthüllt worden ist.

847. Nach diesem sagte ich zu den Engeln, daß der Herr noch etwas Weiteres in der Welt geoffenbart habe; sie fragten: Was ist es? Ich sagte: Von der wahrhaft ehelichen Liebe und von ihren geistigen Wonnen. Die Engel sagten: Wer weiß nicht, daß die Wonnen der ehelichen Liebe die Wonnen jeder anderen Liebe übertreffen? Und wer kann sich nicht denken, daß in einer gewissen Liebe alle Seligkeiten, Freuden und Lustgefühle zusammengefaßt sind, die irgend vom Herrn zusammen vereinigt werden können, und dies, weil sie der Liebe des Herrn und der Kirche entspricht, und daß das Aufnahmegefäß derselben die wahrhaft eheliche Liebe ist, welche bis zur Fülle des Gefühls dieselbe aufnehmen und empfinden kann? Ich antwortete: Man weiß dieses nicht, weil man sich nicht an den Herrn gewandt, und darum die Begierden des Fleisches nicht geflohen hat, und somit nicht wiedergeboren werden konnte; die wahrhaft eheliche Liebe aber einzig vom Herrn denen gegeben wird, die von Ihm wiedergeboren werden, und diese sind es, welche in die neue Kirche des Herrn, die in der Offenbarung unter dem neuen Jerusalem verstanden wird, aufgenommen werden. Diesem fügte ich noch hinzu: bei der bloß fleischlichen Vorstellung, die man von der ehelichen Liebe hege, sei ich im Zweifel, ob man heutzutage in der Welt werde glauben wollen, daß diese Liebe an sich eine geistige Liebe ist und daher aus der Religion stammt. [Hierauf sagten sie zu mir:] Weil sie sich also der Religion gemäß verhält, so ist sie geistig bei den geistigen, natürlich bei den Natürlichen und bloß fleischlich bei den Ehebrechern.

848. Die Engel freuten sich sehr über dieses und jenes, was sie gehört hatten, bemerkten aber eine Traurigkeit in mir und fragten: Woher deine Traurigkeit? Ich sagte: Weil jene vom Herrn eben jetzt geoffenbarten Geheimnisse, obgleich sie die bisher mitgeteilten Erkenntnisse an Erhabenheit und Würde übersteigen, dennoch auf Erden für wertlos gehalten werden. Darüber wunderten sich die Engel und baten den Herrn, daß ihnen erlaubt werden möchte, in die Welt hinabzublicken; und sie blickten hinab, und siehe, es war lauter Finsternis daselbst. Und es ward ihnen gesagt, diese Geheimnisse sollten auf ein Blatt geschrieben, und das Blatt auf die Erde hinabgelassen werden, so würden sie ein Wunderzeichen sehen; und es geschah so, und siehe, das Blatt, auf das jene Geheimnisse geschrieben waren, wurde vom Himmel hinabgelassen und leuchtete im Fortgang, solang es noch in der geistigen Welt war, wie ein Stern; nachdem es aber in die natürliche Welt hinabgefallen war, erlosch das Licht, und wurde je, wie es weiter hinabfiel verfinstert; und als es von den Engeln in die Versammlungen, in denen Gelehrte und Gebildete aus einer gewissen Klasse von Geistlichen und Laien waren, hinabgelassen wurde, hörte man ein Gemurmel von vielen, und darunter die Worte: Was soll dies? Ist irgend etwas daran? Was liegt daran, ob wir dergleichen wissen oder nicht wissen? Sind es nicht Hirngspinste? Und es schien, als wenn einige das Blatt nähmen, es zusammenfalteten, es zusammen- und wieder aufwickelten mit den Fingern, und auch als wenn einige es zerrissen und es mit den Füßen zertreten wollten; allein sie wurden vom Herrn von einer solchen Schandtat abgehalten, und die Engel bekamen Befehl, es zurückzuziehen und zu verwahren; und weil die Engel traurig wurden und dachten, wie lange dies? So wurde gesagt: Bis auf eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit: Offb.12/14.

849. Nach diesem hörte ich ein feindseliges Gemurmel aus der Unterwelt, und zugleich die Worte: Tue Wunder, so wollen wir glauben! Aber ich erwiderte: Sind jene Dinge nicht Wunder? und die Antwort war: Sie sind keine; und ich fragte: Was für Wunder denn? und es hieß: Offenbare und enthülle die Zukunft, so wollen wir dir Glauben beimessen. Aber ich antwortete: Solche werden vom Herrn nicht gestattet, weil, inwieweit der Mensch das Zukünftige weiß, insoweit seine Vernunft und sein Verstand mit der Weisheit und Klugheit in Untätigkeit verfällt, erschlafft und kraftlos wird. Und wieder fragte ich: Was für andere Wunder soll ich tun? Und nun wurde gerufen: Tue ähnliche Wunder wie Moses in Ägypten. Ich antwortete darauf: Vielleicht werdet ihr dann ebenfalls eure Herzen dagegen verhärten wie Pharao und die Ägypter.

Und es wurde geantwortet: Nein! Und ich sagte wiederum: Gebt mir Sicherheit, daß ihr nicht um das goldenen Kalb tanzen und es anbeten wollt, wie die Nachkommen Jakobs, die es so machten nach Verlauf eines Monats, nachdem sie den Berg Sinai hatten rauchen gesehen, und den Jehovah selbst aus dem Feuer reden gehört, mithin nach einem Wunder, welches das allergrößte war; das goldene Kalb ist im geistigen Sinn die Wollust des Fleisches. Und man antwortete aus der Unterwelt: Wir wollen nicht sein wie die Nachkommen Jakobs. Allein nun hörte ich aus dem Himmel zu ihnen sagen: Wenn ihr Moses und den Propheten, das ist, dem Wort des Herrn, nicht glaubt, so werdet ihr auch der Wunder wegen ebensowenig glauben, als die Nachkommen Jakobs in der Wüste, ja ebensowenig als sie glaubten, während sie mit eigenen Augen, die vom Herrn selbst, als Er in der Welt war, gewirkten Wunder sahen.

850. Nach diesem sah ich einige aus der Unterwelt, aus der jene Worte gehört worden waren, heraufsteigen, die mich heftig anfuhren und fragten: Warum hat dein Herr die Geheimnisse, die du soeben in langer Reihe aufgezählt hast, dir, der du ein Laie bist, geoffenbart, und nicht irgendeinem aus der Geistlichkeit? Darauf erwiderte ich: Dies liegt im Wohlgefallen des Herrn, Der mich zu diesem Amt von meiner ersten Jugend an vorbereitet hat. Ich will aber an euch die Gegenfrage machen: Warum hat der Herr, als Er in der Welt war, Fischer zu Seinen Jüngern erwählt und nicht etwelche von den Gesetzesverständigen, Schriftgelehrten, Priestern oder Rabbinern? Untersucht dies unter euch, und zieht mit Urteilskraft einen Schluß, so werdet ihr die Ursache finden. Wie sie dies hörten, entstand ein Gemurmel, und darauf eine Stille.

851. Ich sehe voraus, daß viele, welche die Denkwürdigkeiten hinter den Kapiteln lesen, glauben werden, sie seien Erfindungen der Einbildungskraft; ich versichere aber in Wahrheit, daß sie keine Erfindungen, sondern wirklich Gesehenes und Gehörtes sind, nicht gesehen und gehört in irgendeinem Zustand des eingeschläferten Gemüts, sondern im Zustand des vollen Wachens. Denn es hat dem Herrn gefallen, Sich selbst mir zu offenbaren, und mich auszusenden, die Dinge zu lehren, die zu Seiner neuen Kirche, die unter dem neuen Jerusalem in der Offenbarung verstanden wird, gehören werden. Zu dem Ende hat Er das Inwendige meines Gemüts oder Geistes geöffnet, wodurch mir gestattet wurde, in der geistigen Welt mit den Engeln zusammen zu sein, und zugleich in der natürlichen Welt mit den Menschen, und dies nun schon siebenundzwanzig Jahre hindurch. Wer in der christlichen Welt hätte etwas vom Himmel und der Hölle gewußt, wenn es nicht dem Herrn gefallen hätte, jemanden das Gesicht seines Geistes zu öffnen und es zu zeigen und zu lehren? Daß dergleichen Dinge, wie sie in den Denkwürdigkeiten beschrieben sind, in den Himmeln erscheinen, zeigt sich deutlich an ähnlichen Dingen, welche von Johannes gesehen und in der Offenbarung beschrieben, so wie an denen, welche von den Propheten gesehen und im Wort des Alten Testaments beschrieben worden sind. In der Offenbarung heißt es, daß er den Sohn des Menschen inmitten von sieben Leuchtern gesehen; daß er eine Stiftshütte, einen Tempel, eine Bundeslade, einen Altar im Himmel gesehen habe; ein mit sieben Siegeln versiegeltes Buch, dasselbe geöffnet und daraus hervorgehende Pferde; vier Tiere um den Thron; zwölftausend Auserwählte aus jedem Stamm; Heuschrecken, die aus dem Abgrund heraufstiegen; ein Weib, das einen männlichen Sohn gebar und des Drachen wegen in die Wüste floh; zwei Tiere, das eine aus dem Meer, das andere aus der Erde aufsteigend; einen inmitten des Himmels fliegenden Engel, der ein ewiges Evangelium hatte, ein gläsernes Meer mit Feuer gemischt; sieben Engel, welche die sieben letzten Plagen hatten; Schalen, die von ihnen ausgegossen wurden auf die Erde, in das Meer, in die Flüsse, in die Sonne, auf den Thron des Tieres, in den Euphrat und in die Luft; ein Weib, das auf einem scharlachroten Tier saß; einen Drachen, der in den Feuer- und Schwefelpfuhl geworfen wurde; ein weißes Pferd, ein großes Mahl; einen neuen Himmel und eine neue Erde; das heilige Jerusalem herabsteigend aus dem Himmel, und beschrieben nach seinen Toren, seiner Mauer und seinen Grundlagen; dann einen Strom des Lebenswassers, und Bäume des Lebens, die jeden Monat Früchte trugen, und so viele andere Dinge, die alle dem Johannes erschienen, und zwar ihm erschienen, als er seinem Geist nach in der geistigen Welt und im Himmel war. Hierzu kommt, was den Aposteln nach der Auferstehung des Herrn, sowie auch, was nachher dem Petrus, Apg.Kap.11 erschien, und was Paulus sah und hörte. Ferner was die Propheten im Alten Testamente sahen, z.B. Ezechiel Kap.1 und Kap.10: daß er vier Tiere sah, welche Cherube waren; einen neuen Tempel und eine neue Erde; und einen Engel, der sie maß: Ez.Kap.40 - 48; daß er nach Jerusalem entrückt wurde und dort Greuel sah, und auch nach Chaldäa: Ez.Kap.8 und 11. Ähnliches geschah mit Sacharia: daß er einen Mann sah, der zwischen Myrten ritt: Sach.1/8f; daß er vier Hörner sah, und nachher eine Meßschnur in der Hand: Sach.Kap.3; daß er eine fliegende Buchrolle sah und ein Epha: Sach.5/1,6; daß er vier Wagen zwischen zwei Bergen und Rosse sah: Sach.6/1f. Ebenso mit Daniel, daß er vier Tiere sah, die aus dem Meer aufstiegen: Da.7/1f; daß er mit den Wolken kommen sah einen Menschensohn, Dessen Herrschaft nicht vorübergehen, und Dessen Reich nicht untergehen werde: Da.7/13,14; daß er Kämpfe eines Widders und eines Bockes sah: Da.8/1f; daß er den Engel Gabriel sah und mit ihm sprach: Da. Kap.9; daß der Knabe Elisas feurige Rosse und Wagen um Elisa her sah, und daß er sie sah, nachdem seine Augen geöffnet worden waren: 2Kö.6/17.

Aus diesen und vielen anderen Stellen im Wort erhellt, daß die in der geistigen Welt existierenden Dinge vielen vor und nach der Ankunft des Herrn erschienen sind; was Wunder, wenn auch jetzt, da die Kirche beginnt, oder das neue Jerusalem aus dem Himmel herabsteigt?