Die goettliche Dreieinheit  

163. Es ist von Gott dem Schöpfer und zugleich dann von der Schöpfung, und nachher vom Herrn Erlöser und zugleich dann von der Erlösung, und zuletzt vom Heiligen Geist und zugleich dann von der göttlichen Einwirkung gehandelt worden, und weil somit vom dreieinigen Gott gehandelt worden ist, so ist notwendig, daß auch gehandelt werde von der göttlichen Dreieinheit, welche in der christlichen Welt bekannt und dennoch unbekannt ist; denn nur durch sie erlangt man einen richtigen Begriff von Gott, und der richtige Begriff von Gott ist in der Kirche wie das innere Heiligtum und der Altar im Tempel, und wie die Krone auf dem Haupt und das Zepter in der Hand des auf dem Thron sitzenden Königs; von ihm hängt auch wie eine Kette von ihrem obersten Ring der ganze theologische Organismus ab, und es erhält, wenn ihr es glauben wollt, jeglicher seine Stelle in den Himmeln gemäß seinem Begriff von Gott; denn dieser ist wie der Probierstein, durch den das Gold und Silber, das ist, das Gute und Wahre, wie diese bei den Menschen beschaffen seien, geprüft wird, denn es gibt bei ihm gar kein heilbringendes Gute, das nicht von Gott wäre, noch irgend etwas Wahres, das nicht seine Beschaffenheit aus dem Schoß des Guten zöge. Damit man aber mit beiden Augen sehe, was die göttliche Dreieinheit ist, soll die Darstellung in Abschnitte zerlegt werden, welche folgende sein werden:

I. Es gibt eine göttliche Dreieinheit, bestehend aus Vater, Sohn und Heiligem Geist.

II. Diese drei, Vater, Sohn und Heiliger Geist, sind die drei Wesenheiten des einen Gottes, die eins ausmachen, wie die Seele, der Leib und die Wirksamkeit beim Menschen.

III. Vor Erschaffung der Welt war diese Dreieinheit nicht, sondern sie ist nach Erschaffung der Welt, als Gott Mensch wurde, vorgesehen und verwirklicht worden, und zwar im Herrn Gott Erlöser und Heiland Jesus Christus.

IV. Die Dreiheit göttlicher Personen von Ewigkeit, oder vor Erschaffung der Welt, ist in den Denkvorstellungen eine Dreiheit von Göttern, und diese kann nicht ausgemerzt werden durch das Mundbekenntnis eines Gottes.

V. Die Personendreiheit war in der apostolischen Kirche unbekannt, sie wurde aber von der Nicänischen Kirchenversammlung ausgeheckt, und von da aus in die römisch-katholische Kirche, und von dieser in die von ihr getrennten Kirchen eingeführt.

VI. Aus der Nicänischen und zugleich der Athanasischen Dreieinigkeit entstand ein Glaube, der die ganze christliche Kirche verkehrte.

VII. Von daher stammt jener Greuel der Verwüstung und jene Trübsal, dergleichen nie war, noch sein wird, und die der Herr bei Daniel und den Evangelisten, sowie in der Offenbarung vorhergesagt hat.

VIII. Dann auch dies: Wenn nicht der Herr einen neuen Himmel und eine neue Kirche gründete, würde kein Fleisch erhalten werden.

IX. Aus der Dreiheit der Personen, von denen, nach dem Athanasischen Bekenntnis, jede einzeln

für sich Gott ist, entstanden mehrere ungereimte und fremdartige Vorstellungen von Gott, welche Wahnbilder und Fehlgeburten sind.

Doch dies soll nun im einzelnen entwickelt werden.

164. I. Es gibt eine göttliche Dreieinheit, bestehend aus Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Daß es eine göttliche Dreieinheit gibt, bestehend aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, erhellt deutlich aus dem Wort, und zwar aus folgenden Stellen in ihm: „Der Engel Gabriel sprach zu Maria: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, darum auch das Heilige, Welches aus dir geboren wird, der Sohn Gottes genannt werden wird“: Luk.1/35; hier werden drei genannt: der Höchste, welcher Gott der Vater ist, der Heilige Geist und der Sohn Gottes. „Als Jesus getauft wurde, siehe, da taten sich die Himmel auf, und Johannes sah den Heiligen Geist wie eine Taube herabsteigen und über Ihn kommen, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist Mein geliebter Sohn, an Dem Ich Wohlgefallen habe“: Matth.3/16,17; Mark.1/10,11; Joh.1/32. Noch deutlicher aus folgenden Worten des Herrn an die Jünger: „Gehet hin, machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“: Matth.28/19; und überdies aus folgendem bei Johannes: „Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der Heilige Geist“: 1Joh.5/7; und außerdem, daß der Herr zu Seinem Vater gebetet, und daß Er von Ihm und mit Ihm gesprochen und gesagt habe, Er werde den Heiligen Geist senden, und daß Er diesen auch gesandt habe. Und überdies, daß die Apostel in ihren Briefen häufig sowohl den Vater, als den Sohn und den Heiligen Geist genannt haben. Hieraus erhellt, daß es eine göttliche Dreieinheit gibt, bestehend aus Vater, Sohn und Heiligem Geist.

165. Wie aber jene Stellen zu verstehen sind, ob so, daß es drei Götter gäbe, die dem Wesen und somit auch dem Namen nach ein Gott sind, oder so, daß sie drei Objekte eines Subjektes, daß sie also bloß Eigenschaften oder Attribute eines Gottes seien, welche so genannt werden, oder ob anders, kann die sich selbst überlassene Vernunft durchaus nicht sehen; was ist nun zu tun? Es gibt keinen anderen Rat, als daß der Mensch sich an den Herrn Gott Heiland wende, und unter Seiner Leitung das Wort lese, denn Er ist der Gott des Wortes; dann wird er erleuchtet werden und Wahrheiten sehen, die auch die Vernunft anerkennen wird. Dagegen aber, wenn du dich nicht an den Herrn wendest, so magst du tausendmal das Wort lesen, und darin eine göttliche Dreieinigkeit und auch eine Einheit sehen, jedoch du wirst nichts anderes herausbringen, als daß drei göttliche Personen, deren jede einzeln für sich Gott ist, und somit drei Götter sind. Weil aber dies dem allgemeinen Menschenverstand aller in der ganzen Welt widerstreitet, so kam man, um den Schmähungen zu entgehen, auf die Erfindung, daß obwohl ihrer in Wahrheit drei seien, doch der Glaube dringend fordere, daß nicht drei Götter genannt werden, sondern einer. Und überdies, um nicht mit Tadel überschüttet zu werden, daß ganz besonders in dieser Rücksicht der Verstand eingekerkert und unter dem Gehorsam des Glaubens gefesselt gehalten werden müsse; und dies solle hinfort vermöge christlicher Ordnung ein unantastbares Heiligtum in der christlichen Kirche sein. Eine solche gliederlahme Frucht ward dadurch erzeugt, daß man nicht unter der Leitung des Herrn das Wort las; und jeder, der nicht unter Seiner Leitung das Wort liest, der liest es unter der Leitung der eigenen Einsicht, und diese ist wie eine Nachteule für Dinge, die im geistigen Licht sind, wohin alles Wesentliche der Kirche gehört. Und während ein solcher die Stellen im Worte, welche die Dreieinigkeit betreffen, liest, und sich auf deren Grund denkt, sie seien, obwohl drei, doch nur eines, so erscheint ihm dies als eine Antwort vom Dreifuß herab, die er, weil er sie nicht begreift, zwischen den Zähnen hin und her wirft; denn brächte er sie vor die Augen, so wäre sie ein Rätsel, das, Jesajah mehr er sich bemüht es zu lösen, nur umso mehr sich in Finsternis verwickelt, bis er darüber ohne Verstand zu denken anfängt, was dann ebenso viel ist als ohne Auge sehen. Kurz, die, welche das Wort unter der Leitung der eigenen Einsicht lesen, was bei allen der Fall ist, die nicht den Herrn als Gott des Himmels und der Erde anerkennen, und daher nicht einzig Ihn angehen und verehren, können spielenden Knaben verglichen werden, die ein Tuch vor die Augen binden und in gerader Richtung vorwärts gehen wollen, und auch glauben geradeaus zu gehen, dennoch aber Schritt für Schritt zur Seite abweichen, und endlich in entgegengesetzter Richtung fortgehen, an einen Stein stoßen und fallen. Auch sind sie Seefahrern ähnlich, die ohne Kompaß segeln, und das Schiff auf Klippen führen und zugrunde gehen. Auch sind sie wie einer, der über ein sehr weites Feld in dichtem Nebel wandelt und ein Skorpion sieht, und in der Meinung, es sein ein Vogel, ihn mit der Hand fassen und aufheben will, und dann eine tödliche Wunde erhält; auch gleicht er einer Tauchente, oder Weihe, die etwas vom Rücken eines großen Fisches über Wasser sieht und hinfliegt und den Schnabel darin einhackt, dann aber vom Fisch hinabgezogen und ertränkt wird. Und wieder ist er wie einer, der ohne Führer oder Faden in ein Labyrinth hineingeht, und Jesajah tiefer er eindringt, desto mehr die Ausgangswege verliert.

Ein Mensch, der nicht unter der Leitung des Herrn das Wort liest, sondern unter der Leitung der eigenen Einsicht, hält sich für einen Luchs und für vieläugiger als Argus, während er doch inwendig gar nichts Wahres sieht, sondern bloß Falsches, das ihm, nachdem er sich davon überredet hat, wie ein Leitstern erscheint, nach dem er alle Segel seines Denkens richtet, alsdann aber die Wahrheiten nicht besser sieht, als der Maulwurf, und wenn er sie sieht, dieselben zugunsten seiner Phantasie dreht, und so die heiligen Dinge des Wortes verkehrt und verfälscht.

166. II. Diese drei, Vater, Sohn und Heiliger Geist, sind die drei Wesenheiten des einen Gottes, welche eins ausmachen, wie die Seele, der Leib und die Wirksamkeit beim Menschen.

Es gibt allgemeine und auch besondere Wesenheiten eines Gegenstandes, und diese machen mit jenen ein Wesen aus. Die allgemeinen Wesenheiten eines Menschen sind dessen Seele, Leib und Wirksamkeit; daß diese ein Wesen ausmachen, kann man daraus sehen, daß das eine aus dem anderen und um des anderen willen ist, in stetiger Reihenfolge; denn der Mensch nimmt seinen Anfang mit der Seele, die das eigentliche Wesen des Samens ist; sie bildet nicht nur den Ausgangspunkt für alles, was zum Körper gehört, sondern bringt es auch seiner Ordnung nach hervor, und nachher dasjenige, was aus diesen beiden, der Seele und dem Leib, zugleich hervorgeht und deren Wirksamkeit genannt wird. Aus dem Hervorgebrachtwerden des einen vom anderen, und der damit gegebenen Einimpfung und Verbindung erhellt daher, daß diese drei eines Wesens sind, und deshalb die Wesenheiten genannt werden.

167. Daß in dem Herrn Gott Heiland diese drei Wesenheiten waren und sind, nämlich Seele, Leib und Wirksamkeit, erkennt jeder an; daß Seine Seele von Jehovah dem Vater war, kann nur von einem Antichristen geleugnet werden; denn im Wort beider Testamente heißt Er der Sohn Jehovahs, der Sohn Gottes, des Höchsten, der Eingeborene; es ist also das Göttliche des Vaters, wie die Seele im Menschen, Sein erstes Wesentliche. Daß der Sohn, den Maria geboren, der Leib Seiner göttlichen Seele ist, folgt daraus; denn nichts anderes als der aus der Seele empfangene und abstammende Leib wird im Mutterleib zubereitet; dieser ist also das andere Wesentliche. Daß die Wirksamkeit das dritte Wesentliche ausmacht, gründet sich darauf, daß sie aus der Seele und dem Leib zusammengenommen hervorgeht, und das, was hervorgeht, desselben Wesens mit dem ist, durch das es hervorgebracht wird. Daß die drei Wesenheiten, welche sind der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, im Herrn eins sind, wie Seele, Leib und Wirksamkeit im Menschen, erhellt deutlich aus den Worten des Herrn, daß der Vater und Er eins seien, und daß der Vater in Ihm und Er im Vater sei. Desgleichen daß Er und der Heilige Geist eines sind, weil der Heilige Geist das aus dem Herrn vom Vater hervorgehende Göttliche ist, wie oben Nr. 153, 154 vollständig aus dem Wort nachgewiesen wurde; weshalb es abermals beweisen, ein überflüssiges Wiederkäuen und soviel wäre, als nach der Sättigung den Tisch noch mit Speisen beladen.

168. Wenn man sagt, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist seien drei Wesenheiten des einen Gottes, wie Seele, Leib und Wirksamkeit beim Menschen, so erscheint es vor dem menschlichen Gemüt, wie wenn diese drei Wesenheiten drei Personen wären, was jedoch nicht möglich ist; versteht man es aber so, daß das Göttliche des Vaters, welches die Seele ausmacht, und das Göttliche des Sohnes, welches den Leib ausmacht, und das Göttliche des Heiligen Geistes oder das ausgehende Göttliche, welches die Wirksamkeit ausmacht, drei Wesenheiten eines Gottes seien, so geht es in den Verstand ein; denn Gott der Vater ist sein Göttliches, der Sohn aus dem Vater das seinige und der Heilige Geist aus beiden das seinige, und weil diese eines Wesens und einmütig sind, so machen sie einen Gott aus. Nennt man aber dieses Dreifache göttliche Personen, und schreibt einer jeden ihre Eigentümlichkeiten zu, wie dem Vater die Zurechnung, dem Sohn die Vermittlung und dem Heiligen Geist die Einwirkung, so wird das göttliche Wesen, das doch eines und unteilbar ist, ein geteiltes, und somit ist keiner von den dreien in Fülle Gott, sondern jeder nur in einem Drittel der Macht, was der gesunde Verstand notwendig verwerfen muß.

169. Wer könnte also nicht die Dreieinheit im Herrn an der Dreiheit in jedem Menschen ersehen?

In jeglichem Menschen ist eine Seele, ein Leib und eine Wirksamkeit, ebenso im Herrn; denn im Herrn wohnt, nach Paulus, die ganze Fülle der Gottheit leiblich: Kol.2/9; daher ist die Dreieinheit im Herrn eine göttliche, im Menschen aber eine menschliche. Wer sieht nicht, daß an jener mystischen [Lehre], nach der es drei göttliche Personen, und doch nur einen Gott geben, und daß dieser Gott, obgleich Er einer ist, doch nicht eine Person sein soll, die Vernunft ganz und gar keinen Teil hat, sondern eingeschläfert ist, dennoch aber den Mund antreibt, zu reden wie ein Papagei! Ist die Vernunft eingeschläfert, was anderes ist alsdann das Reden des Mundes, als ein seelenloses? Wenn der Mund solches redet, von dem die Vernunft abweicht, und dem sie entgegenstimmt, was ist alsdann das Reden anderes als ein albernes? Heutzutage ist die menschliche Vernunft hinsichtlich der göttlichen Dreieinheit eine gefesselte, gleich einem mit Hand und Fußeisen Gefesselten im Kerker, und kann einer Vestalin verglichen werden, die in die Erde eingegraben wurde, weil sie das heilige Feuer auslöschte, während doch die göttliche Dreieinheit in den Gemütern der Menschen der Kirche wie eine Lampe leuchten soll, da Gott in Seiner Dreifaltigkeit und in deren Einheit [das Ein und] Alles ist in allen Heiligtümern des Himmels und der Kirche. Denn wenn man aus der Seele einen Gott machen wollte, und aus dem Leib einen anderen, und aus der Wirksamkeit einen dritten, was anderes wäre dies, als aus diesen drei Wesenheiten eines Menschen drei voneinander getrennte Teile machen, und was dies anderes, als ihn verstümmeln und töten?

170. III. Vor Erschaffung der Welt war diese Dreieinheit nicht, sondern sie ist nach Erschaffung der Welt, als Gott Mensch wurde, vorgesehen und verwirklicht worden, und zwar in dem Herrn Gott Erlöser und Heiland Jesus Christus.

In der christlichen Kirche wird heutzutage eine göttliche Dreieinigkeit vor Erschaffung der Welt anerkannt, sofern nämlich Jehovah Gott von Ewigkeit her einen Sohn gezeugt habe, und alsdann aus beiden der Heilige Geist ausgegangen, und jeder von diesen Dreien für sich oder einzeln genommen Gott sei, weil jeder eine aus sich bestehende Person sei; allein dies wird, weil es gar nicht in die Vernunft eingeht, ein Geheimnis genannt, in das man bloß insofern eindringen könne, als jene drei ein göttliches Wesen haben, unter dem man die Ewigkeit, Unermeßlichkeit, Allmacht, und somit die gleiche Göttlichkeit, Herrlichkeit und Majestät versteht. Daß aber diese Dreieinigkeit die dreier Götter und somit keine göttliche Dreieinheit ist, wird im folgenden nachgewiesen werden. Daß hingegen die Dreieinheit, nämlich eben die des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, welche nachdem Gott ins Fleisch getreten war, somit nach Erschaffung der Welt, vorgesehen und verwirklicht wurde, eine göttliche Dreieinheit ist, weil sie die eines Gottes ist, ist aus allem Bisherigen ersichtlich. Diese göttliche Dreieinheit ist aber im Herrn Gott Erlöser und Heiland Jesus Christus, weil die drei Wesenheiten des einen Gottes, welche ein Wesen ausmachen, in Ihm sind. Daß in Ihm, wie Paulus sagt, die ganze Fülle der Gottheit ist, erhellt auch aus den Worten des Herrn selbst, daß nämlich alles, was der Vater hat, Sein sei, und daß der Heilige Geist nicht aus sich selbst, sondern aus Ihm rede; und überdies, daß Er, als Er auferstand, Seinen ganzen menschlichen Körper, sowohl dem Fleisch als den Gebeinen nach mit Sich genommen habe: Matth.28/1-8; Mark.16/5,6; Luk.24/1-3; Joh.20/11-15, zum Unterschied von jedem anderen Menschen; wovon er auch den Jüngern ein lebendiges Zeugnis gab, indem Er sagte: „Seht Meine Hände und Meine Füße, daß Ich es selbst bin, betastet Mich, und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, daß Ich habe“: Luk.24/39. Hierdurch kann jeder Mensch, wenn er will, überzeugt werden, daß das Menschliche des Herrn göttlich ist, daß also in Ihm Gott Mensch und der Mensch Gott ist.

171. Die Dreieinigkeit, welche die heutige christliche Kirche angenommen, und die sie ihrem Glauben einverleibt hat, geht dahin, daß Gott der Vater von Ewigkeit her einen Sohn gezeugt habe, und daß alsdann der Heilige Geist von beiden ausgegangen, und daß jeder [von diesen] Gott für sich sei. Diese Dreieinigkeit kann von den menschlichen Gemütern nicht anders aufgefaßt werden, denn als eine Dreiherrschaft, und als die Regierung dreier Könige in einem Reich, oder dreier Feldherrn über ein Heer, oder dreier Herrn in einem Haus, von denen jeder die gleiche Gewalt hat; was anderes würde hiervon die Folge sein, als Zerstörung? Wollte jemand diese Herrschaft dreier und zugleich deren Einheit im Bild oder Schattenriß vor dem Auge des Geistes darstellen, so könnte er sie seinem Blick nicht anders vorstellen, als in der Gestalt eines Menschen mit drei Köpfen auf einem Körper, oder dreier Körper unter einem Kopf. Ein so ungeheuerliches Bild der Dreieinigkeit muß vor denen erscheinen, die an drei göttliche Personen, von denen jede Gott für sich ist, glauben, und sie zu einem Gott verbinden und leugnen, daß Gott, weil Er einer ist, auch eine Person ist. Daß ein von Ewigkeit gezeugter Sohn Gottes herabgestiegen sei und das Menschliche angenommen habe, kann mit den Mythen der Alten verglichen werden, nach denen die menschlichen Seelen seit Urbeginn der Welt erschaffen sind, und dann in Leiber eingehen und Menschen werden. Dann auch mit jenen ungereimten Annahmen, daß, wie viele in der jüdischen Kirche geglaubt hatten, die Seele des einen in einen anderen übergehe, z.B. die Seele des Elias in den Leib Johannes des Täufers, und daß David in seinen Leib oder in den eines anderen zurückkehren und herrschen werde über Israel und Juda, weil es bei Ezechiel heißt: „Ich werde einen Hirten über sie erwecken, der sie weiden soll, ihn, Meinen Diener David, dieser soll ihr Hirte sein, und Ich Jehovah werde sein ihr Gott, und David Fürst in ihrer Mitte“: Ez.34/23-25; andere Stellen zu übergehen; sie wußten nicht, daß hier unter David der Herr verstanden wird.

172. IV. Die Dreiheit göttlicher Personen von Ewigkeit, oder vor Erschaffung der Welt, ist in den Denkvorstellungen eine Dreiheit von Göttern, und diese kann nicht ausgemerzt werden durch das Mundbekenntnis eines Gottes.

Daß die Dreiheit göttlicher Personen von Ewigkeit eine Dreiheit von Göttern ist, erhellt deutlich aus folgendem im Athanasischen Glaubensbekenntnis: „Eine andere ist die Person des Vaters, eine andere die des Sohnes und eine andere die des Heiligen Geistes; Gott und Herr ist der Vater, Gott und Herr ist der Sohn, und Gott und Herr ist der Heilige Geist; dennoch aber sind nicht drei Götter und Herren, sondern es ist ein Gott und Herr; wie wir durch die christliche Wahrheit angetrieben werden, jede Person einzeln für sich als Gott und Herrn anzuerkennen, so werden wir durch die katholische Religion verhindert, drei Götter oder drei Herren zu nennen“. Dieses Glaubensbekenntnis ist aber als ein ökumenisches oder allgemeines von der ganzen christlichen Kirche angenommen, und alles, was man heutzutage von Gott weiß und anerkennt, ist aus ihm. Daß von denen, die auf der Nicänischen Kirchenversammlung waren, aus der das sogenannte Athanasische Symbol als ein nachgeborener Sprößling hervorging, keine andere Dreieinigkeit als eine Dreieinigkeit von Göttern, verstanden wurde, kann jeder, der es nur mit offenen Augen liest, sehen. Daß eine Dreiheit von Göttern nicht bloß von ihnen verstanden worden ist, sondern auch keine andere Dreiheit in der christlichen Kirche verstanden wird, ist eine Folge davon, weil alle Erkenntnis von Gott daher stammt, und jeder im Glauben an die darin enthaltenen Worte bleibt.

Daß keine andere Dreieinigkeit als eine Dreieinigkeit von Göttern heutzutage in der christlichen Kirche verstanden wird, dafür berufe ich mich auf jeden, den Laien wie den Geistlichen, die belorbeerten Magister und Doktoren, wie die geweihten Bischöfe und Erzbischöfe, und auch die bepurpurten Kardinäle, ja den römischen Papst selbst; es frage sich jeder, und dann spreche er sich aus, gemäß den Vorstellungen seines Geistes. Aus den Worten dieser allgemein angenommenen Lehre von Gott ist dies so offenbar und durchscheinend, wie das Wasser durch einen kristallenen Becher, daß nämlich drei Personen seien, und jede von ihnen Gott und Herr; ferner daß man, der christlichen Wahrheit gemäß, jede der Personen einzeln für sich als Gott und Herrn bekennen oder anerkennen müsse, daß aber die Religion, d.h. der katholische oder christliche Glaube verbiete, drei Götter und Herren auszusprechen oder zu nennen; und daß sonach die Wahrheit und die Religion oder die Wahrheit und der Glaube nicht ein Ding, sondern zwei einander widerstreitende Dinge seien. Daß aber beigesetzt wurde, es seien nicht drei Götter und Herren, sondern ein Gott und Herr, das geschah, damit man nicht vor der ganzen Welt dem Gelächter ausgesetzt würde; denn wer würde nicht laut auflachen bei drei Göttern? Wer aber sieht dabei nicht den inneren Widerspruch?

Hätte man hingegen gesagt, göttliches Wesen komme dem Vater, göttliches Wesen dem Sohn, und göttliches Wesen dem Heiligen Geist zu, es seien jedoch nicht drei göttliche Wesen, sondern nur eines und Dieses unteilbar, dann wäre jenes Geheimnis erklärbar gewesen, sofern nämlich unter dem Vater das Urgöttliche, unter dem Sohn das Göttlich-Menschliche aus diesem, und unter dem Heiligen Geist das hervorgehende Göttliche verstanden wird, welche drei einem Gott angehören; oder wenn man unter dem Göttlichen des Vaters ähnliches versteht, wie bei dem Menschen unter der Seele, unter dem Göttlich-Menschlichen ähnliches wie unter dem Leib dieser Seele, und unter dem Heiligen Geist ähnliches wie unter der Wirksamkeit, die aus beiden hervorgeht, alsdann werden drei Wesenheiten verstanden, die einer und derselben Person angehören, und so zugleich ein einziges und unteilbares Wesen ausmachen.

173. Daß die Vorstellung von drei Göttern nicht beseitigt werden kann durch das Mundbekenntnis eines Gottes, kommt daher, daß dieselbe vom Knabenalter an dem Gedächtnis eingepflanzt worden ist, und jeder Mensch aus dessen Inhalt denkt. Denn das Gedächtnis ist beim Menschen, wie der Wiederkäumagen bei Vögeln und [Land-] Tieren; diese bringen in denselben die Speisen, von denen sie nach und nach ernährt werden, und nehmen sie von Zeit zu Zeit von da heraus, und lassen sie in den eigentlichen Magen hinab, in dem diese Speisen verdaut und zu allen Nutzzwecken des Körpers verwendet werden; der menschliche Verstand ist dieser Magen, wie das Gedächtnis der erstere. Daß die Vorstellung dreier göttlicher Personen von Ewigkeit, welche dieselbe ist mit der Vorstellung dreier Götter, durch das Mundbekenntnis eines Gottes sich nicht beseitigen läßt, kann jeder schon daraus sehen, daß es noch nicht beseitigt ist, und daß es deren unter den Berühmtheiten gibt, die nicht wollen, daß sie beseitigt werde; denn sie bestehen darauf, daß die drei göttlichen Personen ein Gott seien, leugnen aber hartnäckig, daß Gott, weil Er einer ist, auch eine Person sei. Aber welcher Weise denkt nicht bei sich, daß jedenfalls unter der Person nicht eine Person, sondern das Prädikat einer Beschaffenheit zu verstehen sei? Worin aber diese bestehe weiß man nicht, und weil man es nicht weiß, so bleibt das dem Gedächtnis von Kindheit an Eingepflanzte stehen, wie die Wurzel eines Baumes in der Erde, aus der, wenn man diesen abhaut, immer wieder ein neuer Sprößling hervorwächst. Du aber, mein Freund, haue nicht bloß diesen Baum ab, sondern rotte auch seine Wurzel aus, und pflanze dann in deinen Garten Bäume von guter Frucht; sei also auf der Hut, daß nicht in deinem Gemüt die Vorstellung dreier Götter sich festsetze, und der Mund, dem keine Vorstellung innewohnt, einen Gott ausspreche. Was anderes ist denn der Verstand oberhalb des Gedächtnisses, der sich drei Götter denkt, und der Verstand unterhalb desselben, aus dem der Mund einen Gott ausspricht, zusammengenommen, als ein Schauspieler auf dem Theater, der zweierlei Rollen spielen kann, indem er von der einen Seite in die andere hinüberläuft, und von der einen Seite her etwas sagen und von der anderen her dem widersprechen, und so im Widerstreit hier sich einen Weisen und dort sich einen Toren nennen kann? Was anderes aber ist die Folge, als daß er, wenn er in der Mitte steht und nach beiden Seiten hinblickt, denkt, daß weder an dem einen, noch an dem anderen etwas sei, und so etwa, daß weder ein Gott sei, noch daß deren drei seien, somit gar keiner? Der heutzutage herrschende Naturalismus stammt aus keinem anderen Ursprung. Im Himmel vermag niemand eine Dreiheit von Personen, deren jede einzeln für sich Gott ist, auszusprechen; denn schon die Himmelsluft, in der ihre Gedanken, wie die Töne in unserer Luft, schweben und sich wellenförmig bewegen, widerstrebt; nur der Heuchler vermag es dort; allein der Ton seiner Rede knirscht in der Himmelsluft wie ein Zahn, der sich am anderen reibt, oder er kreischt wie ein Rabe, der wie ein Singvogel singen will. Ich hörte auch aus dem Himmel, daß den durch Begründungen dem Gemüt eingepflanzten Glauben an die Dreiheit von Göttern durch das Mundbekenntnis eines einzigen Gottes beseitigen, ebenso unmöglich sei, als einen Baum durch seinen Samen, oder das Kinn eines Menschen durch eines seiner Barthaare hindurch ziehen.

174. V. Die Personendreiheit war in der apostolischen Kirche unbekannt, sie wurde aber von der Nicänischen Kirchenversammlung ausgeheckt und von da aus in die römisch-katholische Kirche, und von dieser in die von ihr getrennten Kirchen eingeführt.

Unter der apostolischen Kirche wird nicht bloß die Kirche verstanden, welche an verschiedenen Orten war zur Zeit der Apostel, sondern auch zwei oder drei Jahrhunderte nach ihrer Zeit; dann aber fing man an die Türe des Tempels aus ihren Angeln zu reißen und Dieben gleich in dessen inneres Heiligtum einzubrechen. Unter dem Tempel wird die Kirche verstanden, unter der Türe der Herr Gott Erlöser, und unter dem inneren Heiligtum Seine Göttlichkeit; denn der Herr sagt: „Wahrlich, Ich sage euch, wer nicht durch die Türe eingeht in den Schafstall, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und Räuber: Ich bin die Türe, wer durch Mich eingeht, wird selig werden“: [Joh.10/1,9]. Dieser Frevel wurde von Arius und seinen Anhängern verübt; weshalb von Konstantin dem Großen eine Kirchenversammlung nach Nicäa, einer Stadt in Bythynien zusammenberufen, und von den Versammelten zu Ausstoßung der verdammlichen Ketzerei des Arius erfunden, beschlossen und zur

unverbrüchlichen Satzung erhoben wurde, daß drei göttliche Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist, von Ewigkeit gewesen seien, deren jeder an und für sich Persönlichkeit, Dasein und Bestehen zukomme.

Ferner, daß die zweite Person oder der Sohn, herabgestiegen sei, und das Menschliche angenommen und die Erlösung vollbracht habe, und daß infolgedessen Seinem Menschlichen durch die hypostatische Vereinigung Göttlichkeit, und durch dieselbe Vereinigung Ihm auch enge Verwandtschaft mit Gott dem Vater zukomme. Von dieser Zeit an begannen Knäuel heilloser Ketzereien über Gott und über die Person Christi sich von der Erde emporzuwinden, und Antichristen das Haupt zu erheben, und Gott in drei, und den Herrn und Heiland in zwei zu zerteilen, und so den vom Herrn durch die Apostel aufgeführten Tempel zu zerstören, und zwar bis dahin, daß kein Stein auf dem anderen gelassen wurde, der nicht abgebrochen worden wäre, gemäß Seinen Worten, Matth.24/2, wo unter dem Tempel nicht bloß der Tempel zu Jerusalem, sondern auch die Kirche verstanden wird, von deren Ablauf oder Ende in diesem ganzen Kapitel gehandelt wird. Doch was anderes konnte erwartet werden von jener Kirchenversammlung und von den folgenden, die in gleicher Weise die Gottheit in drei zerteilt und den menschgewordenen Gott unter sich zum Schemel ihrer Füße erniedrigt haben? Hatten sie doch das Haupt der Kirche von seinem Leib dadurch abgetrennt, daß sie anderswo einstiegen, das heißt, Ihn übergingen, und zu Gott dem Vater als zu einem anderen aufstiegen, bloß mit dem Wort ‚Verdienst Christi‘ im Munde, um Dessen willen Er Sich erbarmen wolle, und daß so unmittelbar einfließe die Rechtfertigung mit ihrem ganzen Gefolge, welches ist die Sündenvergebung, die Erneuerung, die Heiligung, Wiedergeburt und Seligmachung, und zwar dies [alles] ohne irgendwelches Zutun des Menschen.

175. Daß die apostolische Kirche gar nichts wußte von einer Personendreiheit, oder von drei Personen von Ewigkeit, erhellt deutlich aus dem Bekenntnis dieser Kirche, die das Apostolische heißt, in dem die Worte stehen: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde; und an Jesus Christus, Seinen einzigen Sohn, unseren Herrn, Der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, und an den Heiligen Geist“. Hier geschieht keine Erwähnung eines Sohnes von Ewigkeit, sondern Des vom Heiligen Geist empfangenen und von der Jungfrau Maria geborenen Sohnes. Man wußte von den Aposteln her, daß Jesus Christus der wahre Gott ist: 1Joh.5/20; und daß in Ihm die ganze Fülle der Gottheit leiblich wohnt: Kol.2/9; und daß die Apostel den Glauben an Ihn predigten: Apg.20/21, und daß Er alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat: Matth.28/18.

176. Wie kann man den Kirchenversammlungen vertrauen, wenn sie sich doch nicht unmittelbar an den Gott der Kirche wenden? Ist nicht die Kirche der Leib des Herrn, und Er ihr Haupt? Was ist ein Leib ohne Haupt, und welcherlei ein Leib, dem drei Häupter aufgesetzt sind, unter deren Leitung sie sich beraten und Beschlüsse fassen? Wird da nicht die Erleuchtung, die allein vom Herrn her, Dem Gott des Himmels und der Kirche, und zugleich dem Gott des Wortes, eine geistige ist, mehr und mehr natürlich und zuletzt sinnlich? Dann aber wird nicht sobald irgendeine echte theologische Wahrheit in ihrer inneren Form gewittert, als sie sogleich aus dem Denken des vernünftigen Verstandes ausgestoßen und wie die Spreu aus der Wurfschaufel in die Luft zerstreut wird; und in diesem Zustand schleichen sich dann statt der Wahrheiten Täuschungen, und statt der Lichtstrahlen Finsternis ein, und sie stehen dann wie in einer Höhle mit Brillen auf der Nase, und mit einem Licht in der Hand, und verschließen die Augenlider vor den geistigen Wahrheiten, die im Lichte des Himmels sind, öffnen dieselben aber für die sinnlichen, die im Irrlicht der Körpersinne sind. Ähnliches geschieht nachher bei Lesung des Wortes: das Gemüt schläft alsdann ein bei den Wahrheiten und wacht auf bei den Falschheiten, und wird, wie das Tier aus dem Meer beschrieben ist, dem Munde nach wie ein Löwe, dem Leibe nach wie ein Pardel und den Füßen nach wie ein Bär: Offb.13/2. Im Himmel sagt mag, daß, während die Nicänische Kirchenversammlung abgehalten wurde, eingetroffen sei, was der Herr den Jüngern vorausgesagt hatte: „Die Sonne wird verdunkelt werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel erschüttert werden“: Matth.24/29; und wirklich war die apostolische Kirche wie ein neuer, am gestirnten Himmel erscheinender Stern, dagegen die Kirche nach den zwei Nicänischen Kirchenversammlungen war wie derselbe Stern, sofern er nachher sich verdunkelte und verschwand, wie dergleichen auch in der natürlichen Welt nach dem Beobachtungen der Astronomen einige Mal vorgekommen war. Im Wort

liest man, Jehovah Gott wohne in einem unzugänglichen Licht; wer könnte also zu Ihm kommen, wenn Er nicht in einem zugänglichen Licht wohnen würde, das heißt, nicht herabgekommen wäre und das Menschliche angenommen hätte, und in diesem das Licht der Welt geworden wäre?: Joh.1/9; 12/46 Wer kann nicht sehen, daß zu Jehovah dem Vater in Seinem Licht hingehen, ebenso unmöglich ist, als sich Flügel von der Morgenröte nehmen und mit ihnen der Sonne zufliegen, oder sich von den Strahlen der Sonne nähren, und nicht von elementarischer Speise, oder als es dem Vogel unmöglich ist, im Äther zu fliegen, und dem Hirsch, in der Luft zu laufen?

177. VI. Aus der Nicänischen und zugleich der Athanasischen Dreieinigkeit entstand ein Glaube, der die ganze christliche Kirche verkehrte.

Daß die Nicänische und zugleich Athanasische Dreieinigkeit eine Dreieinigkeit von Göttern ist, ist aus ihren Glaubensbekenntnissen, oben Nr. 172, nachgewiesen worden; aus ihnen ist der Glaube der heutigen Kirche entstanden, welcher der an Gott Vater, Gott Sohn und Gott den Heiligen Geist ist; an Gott Vater, daß Er die Gerechtigkeit des Heilandes, Seines Sohnes, zurechne, und sie den Menschen zuschreibe; an Gott den Sohn, daß Er Einsteher und Bürge sei; an den Heiligen Geist, daß er die zugerechnete Gerechtigkeit des Sohnes wirklich einschreibe und sie befestige und besiegle, indem er den Menschen rechtfertigt, heiligt und wiedergebiert; dies ist der heutige Glaube, der allein schon bezeugen kann, daß es eine Dreiheit von Göttern ist, welche anerkannt und verehrt wird. Aus dem Glauben einer jeden Kirche strömt aber nicht nur ihr ganzer Gottesdienst, sondern auch all ihr Dogmatisches hervor; weshalb man sagen kann, wie der Glaube, so ist auch ihre Lehre. Daß dieser Glaube, weil er ein Glaube an drei Götter ist, alles zur Kirche Gehörige verkehrt hat, folgt daraus; denn der Glaube ist das Ursprüngliche, und die Lehrbestimmungen, sind das Abgeleitete, und das Abgeleitete nimmt vom Ursprünglichen sein Wesen her. Unterwirft man der Prüfung die einzelnen Lehrbestimmungen, wie die von Gott, von der 1 Dieser Anhang ist leider nicht mehr zu Lebzeiten Swedenborgs erschienen; ein Entwurf dazu fand sich jedoch unter seinen zahlriechen nachgelassenen Handschriften und wurde von I. Tafel 2846 als Zugabe zum 7. Teil des Diarium Spirituale (Geistiges Tagebuch) abgedruckt (entnommen aus WCR Band I, Abs.177, von F. Horn. Person Christi, von der Liebtätigkeit, von der Buße, von der Wiedergeburt, vom freien Willen, von der Erwählung, vom Gebrauch der Sakramente, der Taufe und des heiligen Abendmahles, so wird man deutlich sehen, daß die Dreiheit der Götter jeder einzelnen innewohnt, und wenn sie auch nicht wirklich darin zu sein scheint, doch aus ihr wie aus ihrer Quelle herfließt. Weil aber eine solche Prüfung hier nicht angestellt werden kann, und dennoch der Mühe wert ist, sie anzustellen, damit die Augen geöffnet werden, so soll diesem Werk ein Anhang1 beigefügt werden, in dem dieses bewiesen werden wird. Der Glaube der Kirche von Gott ist wie die Seele des Leibes, und die Lehrbestimmungen sind wie die Glieder des letzteren; und weiter ist der Glaube an Gott wie eine Königin, und die Dogmen sind wie ihre Hofbedienten, und wie diese am Mund der Königin hängen, so hängen die Dogmen vom Ausspruch des Glaubens ab. Schon allein aus diesem Glauben kann man sehen, wie das Wort in seiner Kirche verstanden wird; denn der Glaube macht für sich zurecht und zieht wie mit Seilen an sich alles, was er kann; ist er ein falscher Glaube, so treibt er Unzucht mit jeder Wahrheit in ihm, gibt ihr eine verkehrte Deutung und verfälscht sie, und macht den Menschen in geistigen Dingen wahnsinnig; ist er aber der wahre Glaube, dann begünstigt ihn das ganze Wort, und der Gott des Wortes, Welcher der Herr Gott Heiland ist, gießt Licht ein, und haucht mit Seinem göttlichen Beifall an und macht den Menschen weise. Daß der heutige Glaube, welcher in seiner inneren Form der an drei Götter, in der äußern aber der an einen Gott ist, das Licht im Wort ausgelöscht, und den Herrn von der Kirche entfernt, und so deren Morgen in Nacht hinabgestürzt hat, wird man ebenfalls im Anhang sehen. Dies ist geschehen von seiten der Irrlehrer vor der Nicänischen Kirchenversammlung, und nachher von den Irrlehrern aus ihr und nach ihr. Allein wie kann man Kirchenversammlungen vertrauen, die nicht durch die Türe in den Schafstall eingehen, sondern anderswo einsteigen, nach den Worten des Herrn bei Joh.10/1,9? Ihr Beratschlagen ist nicht unähnlich dem Herumtappen eines Blinden am Tage, oder eines Sehenden in der Nacht, die beide die Grube nicht sehen, bevor sie in dieselbe hineingestürzt sind. Wie kann man zum Beispiel den Kirchenversammlungen vertrauen, welche die Stellvertreterschaft des Papstes, die Vergötterung der Toten, die Anrufung derselben, als ob sie Gottheiten wären, die Verehrung ihrer Bilder, die Kraft des Ablasses, und die Teilung des Abendmahls und so vieles andere zur Satzung erhoben haben? Wie kann man ferner einer Kirchenversammlung trauen, welche die abscheuliche Vorherbestimmung festgesetzt, und diese als das Palladium der Religion vor den Tempeln ihrer Kirche ausgehängt hat? Wende dich aber, mein Freund, vielmehr an den Gott des Wortes, und so an das Wort, und gehe in dieser Weise durch die Türe ein in den Schafstall, das ist, in die Kirche, so wirst du erleuchtet werden, und dann wie von einem Berge herab selbst nicht nur vieler anderen, sondern auch deine eigenen früheren Schritte und Irrgänge im dunklen Wald unterhalb des Berges sehen.

178. Der Glaube einer jeden Kirche ist wie ein Samenkorn, aus dem alle ihre Lehrbestimmungen entstehen, und kann verglichen werden dem Samen eines Baumes, aus dem alles zu ihm Gehörige bis zur Frucht hervorwächst, und auch den Samen des Menschen, aus dem Sprößlinge und Familien in fortlaufender Reihenfolge erzeugt werden. Kennt man daher den Grundglauben, der infolge seiner Herrschaft der Seligmachende genannt wird, so erkennt man auch die Kirche nach ihrer Beschaffenheit. Dies mag durch folgendes Beispiel verdeutlicht werden: Man nehme den Glauben, daß die Natur die Schöpferin des Weltalls sei; aus ihm folgen dann die Sätze, daß das Universum das sei, was man Gott nennt; daß die Natur dessen Wesen sei; daß der Äther der höchste Gott sei, den die Alten Jupiter nannten; daß die Luft die Göttin sei, welche die Alten Juno nannten und zur Gemahlin Jupiters machten; daß der Ozean ein Gott unter diesen sei, den man mit den Alten Neptun nennen kann, und da die Gottheit der Natur auch bis zum Mittelpunkt der Erde hinabreicht, daß auch dort ein Gott sei, den man mit den Alten Pluto nennen kann. Das die Sonne der Beratungsort aller Götter sei, wo sie zusammenkommen, wenn Jupiter eine Versammlung zusammenberuft; und überdies, daß das Feuer das Leben aus Gott sei, und somit die Vögel in Gott fliegen, die [Land-] Tiere in Gott schreiten und die Fische in Gott schwimmen; und weiter, daß die Gedanken bloß Modifikationen des Äthers seien, wie die Reden aus ihnen Modulationen der Luft sind; und daß die Gefühle der Liebe, die aus dem Einfluß der Sonnenstrahlen in sie sich ergebenden gelegenheitlichen Zustandsveränderungen seien. Dabei auch, daß das Leben nach dem Tode, zugleich mit dem Himmel und der Hölle, ein Märchen sei, von der Geistlichkeit erdacht, um Ehrenstellen und Vorteile zu erhaschen; daß es aber, obgleich ein Märchen, doch nützlich, und daher nicht öffentlich zu verhöhnen sei, weil es dem Staate dazu dient, die Gemüter der Einfältigen in den Banden des Gehorsams gegen die Vorgesetzten zu halten; daß aber dennoch die, welche von der Religion ganz gesättigt sind, abstrakte Menschen, ihre Gedanken Hirngespinste, und ihre Handlungen lächerlich seien, und daß sie die Handlanger der Priester seien, welche glauben was sie nicht sehen, und sehen was über dem Gesichtskreis ihres Geistes hinaus liegt. Diese Folgesätze, und viele andere der Art, sind enthalten in jenem Glauben, daß die Natur die Schöpferin des Weltalls sei, und gehen aus ihm hervor, wenn man ihn öffnet. Diese Dinge sind angeführt worden, damit man wisse, daß im Glauben der heutigen Kirche, der in seiner inneren Form auf drei Götter geht, in der äußern aber auf einen, Scharen von Irrtümern liegen, und daß aus ihm ebenso viele hervorgezogen werden können, als kleine Spinnen im Knäuel aus einer einzigen Mutterspinne sind. Wer, dessen Gemüt durch Licht vom Herrn her wahrhaft vernünftig geworden ist, sieht dies nicht? Und wie könnte ein anderer es sehen, solange die Türe zu jenem Glauben und seinen Sprößlingen mit einem Riegel verschlossen ist, durch die Satzung nämlich, daß der Vernunft nicht erlaubt sei, in seine Geheimnisse hineinzublicken.

179. VII. Von daher stammt jener Greuel der Verwüstung und jene Trübsal, dergleichen nie war, noch sein wird, und die der Herr bei Daniel und den Evangelisten, sowie in der Offenbarung vorhergesagt hat.

Bei Daniel liest man folgendes: „Endlich über den Vogel der Greuel die Verwüstung, und bis zur Vollendung und Entscheidung wird es über die Verwüstung triefen“: Da.9/27. Bei dem Evangelisten Matthäus sagt der Herr folgendes: „Alsdann werden viele falsche Propheten aufstehen und viele verführen. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, der von Daniel dem Propheten vorausgesagt worden, stehen an heiliger Stätte, wer es liest, der merke es wohl“: Matth.24/11,15; und nachher in demselben Kapitel, Vers 21: „Alsdann wird eine große Trübsal sein, dergleichen nicht gewesen ist von Anfang der Welt bis jetzt, noch sein wird“. Von dieser Trübsal und jenem Greuel ist gehandelt worden in sieben Kapiteln in der Offenbarung; sie sind es, welche verstanden werden unter dem schwarzen Pferd und unter dem blassen Pferd, die hervorkamen aus dem Buch, dessen Siegel das Lamm öffnete: Offb.6/5-8. Ferner unter dem aus dem Abgrund aufsteigenden Tier, das Krieg führte mit den zwei Zeugen und sie tötete: Offb.11/7f.. Sowie auch unter dem Drachen, der vor dem gebärenden Weibe stand, um ihre Frucht zu verschlingen, und sie in die Wüste verfolgte und dort aus seinem Munde Wasser schoß wie einen Strom, um sie zu ersäufen: Offb.Kap.12; wie auch unter den Tieren des Drachen, dem einen aus dem Meer und dem anderen aus der Erde: Offb.Kap.13. Ferner unter den drei Geistern gleich Fröschen, die aus dem Mund des Drachen, aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten hervorgingen: Offb.16/13. Und überdies unter dem, daß, nachdem die sieben Engel die Zornschalen Gottes, in denen die sieben letzten Plagen waren, ausgegossen hatten auf die Erde, in das Meer, in die Quellen und Ströme, in die Sonne, auf den Thron des Tieres, in den Euphrat, und zuletzt in die Luft, ein großes Erdbeben entstand, dergleichen nicht gewesen ist, seit Menschen waren: Offb.Kap.16. Das Erdbeben bedeutet die Verkehrung der Kirche, die durch Falsches und durch Verfälschungen des Wortes geschieht, das gleiche, was die große Trübsal bedeutet, dergleichen vom Anfang der Welt an nicht war: Matth.24/21.

Ähnliches wird verstanden unter den Worten: „Der Engel schlug die Sichel an, und las den Weinberg der Erde, und warf ihn in die große Kelter des Zornes Gottes, und getreten ward die Kelter, und es ging Blut heraus bis an die Zügel der Pferde, tausendsechshundert Stadien weit“: Offb.14/19,20. Das Blut bedeutet das verfälschte Wahre; vieles andere in jenen sieben Kapiteln zu übergehen.

180. Bei den Evangelisten Matth.Kap.24; Mark.Kap.13 und Luk.Kap.21 sind die aufeinanderfolgenden Abirrungen und Verderbnisse der christlichen Kirche beschrieben, und unter der großen Trübsal, dergleichen nicht gewesen ist seit Anfang der Welt, noch sein wird, wird dort, wie hin und wieder anderwärts im Wort, verstanden die Befehdung des Wahren von seiten des Falschen bis dahin, daß nichts Wahres mehr übrig ist, das nicht verfälscht und zu seinem Ende gelangt wäre. Dies wird auch verstanden unter dem Greuel der Verwüstung daselbst, und eben dies auch unter der Verödung über dem Vogel der Greuel, und unter der Vollendung und Entscheidung bei Daniel; und ebendasselbe wird auch beschrieben in der Offenbarung unter dem, was soeben daraus angeführt worden ist. Dies ist dadurch bewirkt worden, daß die Kirche die Einheit Gottes in der Dreiheit, und Seine Dreiheit in der Einheit nicht in einer Person anerkannte, sondern in dreien, und daß man infolgedessen die Kirche im Gemüt auf die Vorstellung dreier Götter, und im Mund auf das Bekenntnis eines Gottes gründete; denn so trennte man sich vom Herrn, und zwar zuletzt bis dahin, daß man gar keine Idee der Göttlichkeit in Seiner menschlichen Natur mehr übrig behielt, während Er doch Gott der Vater im Menschlichen ist, und daher auch der Vater der Ewigkeit heißt: Jes.9/5, und zu Philippus sagt: „Wer Mich sieht, sieht den Vater“: Joh.14/7,9.

181. Allein die Frage ist, woher die eigentliche Quellader stamme, aus der ein solcher Greuel der Verwüstung, wie er bei Da.9/27 beschrieben wird, und eine solche Trübsal entsprungen ist, dergleichen nicht war und nicht sein wird: Matth.24/21; und die Antwort ist: Eben aus dem in der christlichen Welt allgemein herrschenden Glauben und seinem Einfluß, seiner Wirksamkeit und Zurechnung, gemäß den Überlieferungen. Es ist zu verwundern, daß die Lehre von der Rechtfertigung durch jenen bloßen Glauben, obgleich er nicht Glaube, sondern ein Hirngespinst ist, in den christlichen Kirchen alle Stimmen für sich hat, das heißt, im geistlichen Stand beinahe als das einzige Theologische bei ihnen herrscht. Sie ist es, die alle angehenden Studierenden von der Geistlichkeit auf den Hochschulen begierig lernen, in sich aufnehmen und verschlingen, und nachher wie von himmlischer Weisheit inspiriert in den Kirchen lehren, in Schriften verbreiten, und durch die sie Namen, Ruf und Ruhm höherer Gelehrsamkeit erstreben und erjagen, und wegen der sie mit Diplomen, Preisen und Belohnungen beschenkt werden. Und dies geschieht, obgleich durch jenen bloßen Glauben heutzutage die Sonne verfinstert, der Mond seines Scheins beraubt, die Sterne der Himmel herabgefallen und die Kräfte der Himmel erschüttert worden sind, nach den Worten der Voraussagung des Herrn bei Matth.24/29. Daß die Lehre dieses Glaubens die Gemüter heutzutage so blind gemacht hat, daß sie nicht den Willen, und infolgedessen auch gleichsam nicht das Vermögen haben, irgendeine göttliche Wahrheit inwendig im Licht der Sonne oder auch nur im Licht des Mondes zu sehen, sondern nur äußerlich nach irgendeiner rauhen Oberfläche im Herdlicht bei Nacht, hat sich mir hinlänglich bewahrheitet, weshalb ich weissagen kann: ‚Würden die göttlichen Wahrheiten von der wahren Verbindung der Liebtätigkeit und des Glaubens, vom Himmel und der Hölle, vom Herrn, vom Leben nach dem Tod, und von der ewigen Seligkeit, mit silbernen Buchstaben geschrieben vom Himmel herabgelassen, so würden sie von den Gerecht- und Heiligsprechern durch den bloßen Glauben nicht des Lesens würdig geachtet werden. Ganz anders aber, wenn ein Blatt über die Rechtfertigung durch den bloßen Glauben aus der Hölle heraufgeschoben würde; nach diesem würden sie greifen, es küssen, und im Busen nach Hause tragen‘.

182. VIII. Dann auch dies: Wenn nicht der Herr einen neuen Himmel und eine neue Kirche gründete, würde kein Fleisch erhalten werden.

Man liest bei Matthäus: „Es wird alsdann eine so große Trübsal sein, dergleichen vom Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist, noch sein wird; ja wenn jene Tage nicht abgekürzt würden, so würde kein Fleisch erhalten werden“: Matth.24/21,22. Es wird in diesem Kapitel von der Vollendung des Zeitlaufs gehandelt, unter welcher das Ende der heutigen Kirche verstanden wird; weshalb unter dem Abkürzen jener Tage verstanden wird, sie zu ihrem Ende bringen und eine neue gründen. Wer weiß nicht, daß, wofern der Herr nicht in die Welt gekommen wäre und die Erlösung vollbracht hätte, kein Fleisch hätte können errettet werden? Unter ‚die Erlösung vollbringen‘ wird verstanden einen neuen Himmel und eine neue Kirche gründen. Daß der Herr nochmals in die Welt kommen werde, hat Er bei den Evangelisten vorausgesagt, Matth.24/30,31; Mark.13/26; Luk.12/40; 21/27; und in der Offenbarung, besonders im letzten Kapitel. Daß Er auch wirklich jetzt eine Erlösung vollbringt durch Gründung eines neuen Himmels und einer neuen Kirche, ist im Nachtrag von der Erlösung gezeigt worden. Das große Geheimnis, daß, wofern nicht vom Herrn eine neue Kirche gegründet werden würde, kein Fleisch erhalten werden könnte, beruht darauf, daß, solange der Drache mit seiner Rotte in der Geisterwelt, in die er geworfen wurde, verweilt, so lange keine göttliche Wahrheit vereint mit dem göttlichen Guten zu dem Menschen der Erde hindurchdringen kann, ohne verkehrt und verfälscht zu werden oder zugrunde zu gehen. Dies ist es, was verstanden wird unter den Worten in der Offb.12/9,12,13: „Der Drache ward herabgeworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm herabgeworfen. Wehe denen, welche die Erde und das Meer bewohnen, denn herabgestiegen ist zu ihnen der Teufel und hat großen Zorn“. Nachdem aber der Drache in die Hölle geworfen war: Offb.20/10, da sah Johannes den neuen Himmel und die neue Erde, und sah das neue Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabsteigen: Offb.21/1,2. Unter dem Drachen werden die verstanden, welche im Glauben der heutigen Kirche sind.

Ich sprach in der geistigen Welt einige Male mit den Rechtfertigern der Menschen durch den bloßen Glauben, und sagte, ihr Glaube sei irrig und auch ungereimt, und bringe Sicherheit, Blindheit, Schlaf und Nacht in geistigen Dingen, und somit den Tod der Seele mit sich; wobei ich sie ermahnte, von demselben abzustehen; allein ich erhielt zur Antwort: „Was abstehen? Hängt nicht der Vorzug der Gelehrsamkeit der Geistlichen vor den Laien von ihm allein ab?“ Ich erwiderte aber, auf diese Weise gehe ihr Absehen gar nicht auf das Heil der Seelen, sondern auf das Hervorragen ihres Rufs, und da sie ihren falschen Grundsätzen die Wahrheiten des Wortes angepaßt und so diesen Gewalt angetan hätten, so seien sie Engel des Abgrunds, genannt Abaddonne und Appolyone: Offb.9/11, durch welche die Verderber der Kirche durch die völlige Verfälschung des Wortes bezeichnet werden; allein sie antworteten: „Wie so dies? wir sind durch die Kenntnis der Geheimnisse jenes Glaubens Orakel, und aus ihm als dem innersten Heiligtum erteilen wir Antworten, daher wir nicht Apollyone, sondern Apollone sind. Unwillig hierüber sagte ich aber: „Wenn ihr Apollone seid, so seid ihr auch Leviathane, und zwar die ersten unter euch gewundene Leviathane, und die zweiten unter euch in die Länge gestreckte Leviathane, welche Gott mit Seinem harten und großen Schwert heimsuchen wird: Jes.27/1; allein darüber lachten sie.

183. IX. Aus der Dreiheit der Personen, von denen, nach dem Athanasischen Bekenntnis, jede einzeln für sich Gott ist, entstanden mehrere ungereimte und fremdartige Vorstellungen von Gott, welche Wahnbilder und Fehlgeburten sind.

Aus der Lehre von drei göttlichen Personen von Ewigkeit, die an sich die oberste Spitze aller Lehren in den christlichen Kirchen ist, sind viele unziemliche Vorstellungen von Gott hervorgegangen, unwürdig der Christenheit, die ja allen Völkern und Nationen in den vier Weltteilen eine Leuchte sein soll, und sein kann in Beziehung auf Gott und Seine Einheit. Alle, die außerhalb der christlichen Kirche wohnen, sowohl die Mohammedaner, als die Juden und außer diesen die Heiden jeglichen Gottesdienstes, verabscheuen das Christentum einzig wegen seines Glaubens an drei Götter. Seine Verbreiter wissen dies; weshalb sie sich gar sehr hüten, mit der Personendreiheit, wie sie in den Glaubensbekenntnissen, dem Nicänischen und Athanasischen, enthalten ist, herauszurücken, weil

die Leute sich sonst davonmachen und sie verhöhnen würden. Die ungereimten, läppischen und abgeschmackten Vorstellungen, die aus der Lehre von drei göttlichen Personen von Ewigkeit entstanden sind, und bei jedem, der im Glauben an die Worte jener Lehre bleibt, entstehen, und von den Ohren und Augen aus als Denkbild emporsteigen, sind die, daß Gott der Vater über dem Haupt in der Höhe sitze, und der Sohn zu Seiner Rechten, der Heilige Geist aber vor ihnen aufhorchend und alsbald den Erdkreis durchlaufend, um dem Beschluß gemäß die Gaben der Rechtfertigung auszuteilen und einzupflanzen, und sie von Kindern des Zornes zu Kindern der Gnade, und von Verdammten zu Erwählten zu machen. Ich berufe mich auf die Gelehrten unter den Geistlichen und auf die Gebildeten unter den Laien, ob sie ein anderes Denkbild als dieses in ihren Gemütern hegen; denn es fließt von selbst unmittelbar aus der Lehre ein (man sehe die Denkwürdigkeit oben Nr. 16). Auch fließt der Vorwitz ein, zu erraten, wovon sie vor Erschaffung der Welt miteinander gesprochen haben, ob von der Schöpfung der Welt, ob auch, nach der Ansicht der Supralapsarier, von den Vorherzubestimmenden und den zu Rechtfertigenden, und ob auch von der Erlösung. Desgleichen, was sie unter Sich besprechen nach der Erschaffung der Welt, der Vater vermöge Seiner Oberhoheit und Gewalt zuzurechnen, der Sohn vermöge Seiner Macht zu vermitteln; und daß die Zurechnung, welche die Erwählung sei, aus dem Erbarmen des Sohnes hervorgehe, Der [im allgemeinen] für alle einstehe, und im einzelnen für einige, und daß für diese die Gnade rege werde im Vater, sofern Er durch die Liebe zum Sohn und durch das Elend bewegt worden, das Er am Kreuzesstamm an Ihm gesehen. Allein wer vermag nicht zu sehen, daß diese Dinge Verrücktheiten des Geistes sind in Beziehung auf Gott, während sie doch in den christlichen Kirchen die eigentlichen Heiligtümer ausmachen, welche man zwar mit dem Munde küssen, aber gar nicht mit dem Auge des Geistes besichtigen soll, weil sie über die Vernunft hinausgehen, und wenn sie aus dem Gedächtnis in den Verstand erhoben werden, der Mensch unsinnig werde. Dies hebt jedoch die Vorstellung dreier Götter nicht auf, sondern flößt nur einen dummen Glauben ein, aus dem heraus der Mensch über Gott denkt, wie der Schlafende im Traum, wie der Wandelnde im Dunkel der Nacht, oder wie der Blindgeborene am Licht des Tages.

184. Daß eine Dreiheit von Göttern in den Gemütern der Christen sitzt, obgleich sie aus Scham dem widersprechen, stellt sich deutlich heraus an dem Scharfsinn, den viele auf den Beweis, daß drei eins seien, und eins drei, verwendet haben durch mancherlei aus der Geometrie, Stereometrie, Arithmetik und Physik, so wie auch durch die Falten der Kleider oder Blätter Papier; so machen sie die göttliche Dreieinigkeit zum Gegenstand ihrer Spielereien wie die Gaukler untereinander. Ihr Gaukelspiel damit kann dem Blick des Auges der Fieberkranken verglichen werden, die einen und denselben Gegenstand, sei er nun ein Mensch, ein Tisch oder ein Licht, als drei, oder drei als eines sehen. Auch kann es verglichen werden mit der Spielerei derer, die weiches Wachs zwischen den Fingern kneten und es in mancherlei Gestalten drücken, bald in ein Dreieck, um die Dreieinigkeit, bald in eine Kugel, um die Einheit zu zeigen, wobei sie fragen: „Ist es nicht immer eine und dieselbe Substanz?“ Und doch ist die göttliche Dreieinheit wie eine Perle von größtem Wert; dagegen aber in drei Personen zerteilt ist sie wie eine Perle, wenn sie in drei Teile zerspalten wird, infolgedessen sie ganz und gar zugrunde geht.

185. Diesem sollen folgende Denkwürdigkeiten beigefügt werden. Die erste ist diese: In der geistigen Welt gibt es ebensowohl Klimate und Zonen wie in der natürlichen Welt; es findet sich in dieser nichts, das nicht auch in jener wäre; sie unterscheiden sich aber hinsichtlich des Ursprungs. In der natürlichen Welt verhalten sich die Verschiedenheiten der Klimate gemäß den Abständen der Sonne vom Äquator; in der geistigen Welt richten sie sich nach den Abständen der Affektionen des Willens und der aus ihnen kommenden Gedanken des Verstandes von der wahren Liebe und dem wahren Glauben; Entsprechungen von diesen sind dort alle Dinge. In den kalten Zonen in der geistigen Welt erscheinen ähnliche Dinge wie in den kalten Zonen der natürlichen Welt; es erscheinen dort Länder von Kälte erstarrt, ebenso Gewässer und auch Schneelagen darüber. Es kommen dorthin und wohnen daselbst die, welche in der Welt den Verstand aus Trägheit, über geistige Dinge nachzudenken, eingeschläfert hatten, und zugleich zu träge gewesen waren, irgendwelchen Nutzen zu schaffen; man nennt sie Nordgeister. Einst nun kam mich ein Verlangen an, eine Gegend in der kalten Zone zu sehen, wo jene Nördlichen waren; und so wurde ich im Geist nach Mitternacht geführt, bis hin zu dem Strich, da alles Land mit Schnee bedeckt und alle Gewässer mit Eis belegt erschienen. Es war Sabbathtag, und ich sah Menschen, das heißt, Geister von ähnlichem Aussehen wie die Menschen der Welt; allein der Kälte wegen hatten sie um den Kopf ein Löwenfell, dessen Maul ihrem Mund angepaßt war, ihr Leib aber war auf der Vorder- und Hinterseite bis zu den Lenden herab mit Pardelfellen bedeckt, und die Beine mit einem Bärenfell. Auch sah ich mehrere auf Wagen fahren, und einige auf Wagen in Gestalt eines Drachen mit vorwärts gestreckten Hörnern ausgeschnitzt. Die Wagen wurden von kleinen Pferden gezogen, denen die Schwänze abgeschnitten waren; sie liefen wie furchtbar wilde Tiere, und der Kutscher trieb sie, die Zügel in den Händen, fortwährend an, und peitschte sie in vollen Lauf. Endlich sah ich, daß die Scharen einer Kirche zuströmten, die man, weil sie mit Schnee bedeckt war, nicht gesehen hatte; die Hüter der Kirche aber schafften den Schnee weg und bahnten durch dessen Entfernung den ankommenden Kirchgängern einen Eingang, welche dann abstiegen und eintraten. Ich durfte die Kirche auch von innen sehen; sie war mit Lampen und Lichtern reich beleuchtet. Der Altar darin war aus gehauenem Stein, und hinter ihm war eine Tafel aufgehängt, auf der die Worte standen: ‚Göttliche Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, die dem Wesen nach ein Gott, der Person nach aber drei sind‘. Der am Altar stehende Priester bestieg dann, nachdem er vor der Tafel des Altars dreimal die Knie gebeugt hatte, mit einem Buch in der Hand die Kanzel, und begann die Rede mit der göttlichen Dreieinigkeit, indem er ausrief: O welch ein großes Geheimnis, daß Gott in der Höhe von Ewigkeit einen Sohn gezeugt, und durch Ihn den Heiligen Geist hervorgehen ließ, welche drei durch das Wesen sich verbunden, durch die Eigenschaften aber sich geschieden haben, welche sind die Zurechnung, die Erlösung und die Einwirkung. Wenn wir aber diese mit der Vernunft betrachten, so verfinstert sich das Augenlicht, und es entsteht vor ihm ein Flecken, wie vor dem Auge dessen, der seinen Blick auf die nackte Sonne heftet; darum, meine Zuhörer, laßt uns hierin den Verstand gefangen nehmen unter den Gehorsam des Glaubens! Hierauf rief er nochmals aus und sprach: O welch ein großes Geheimnis ist unser heiliger Glaube, der dahin geht, daß Gott der Vater die Gerechtigkeit des Sohnes zurechnet und den Heiligen Geist sendet, der infolge der Zurechnung derselben die Gaben der Rechtfertigung wirkt, die im allgemeinen sind die Sündenvergebung, die Erneuerung, die Wiedergeburt und Seligmachung, und von deren Einfluß oder Wirken der Mensch nicht mehr weiß als die Salzsäule, in die das Weib Lots verwandelt wurde, und von deren Einwohnung oder Zustand er nicht mehr weiß als ein Fisch im Meere.

Allein, meine Freunde, es liegt ein Schatz in ihm, so umzäunt und verborgen, daß auch nicht ein Krümchen davon zutage kommt; weshalb wir auch hinsichtlich auf ihn den Verstand unter den Gehorsam des Glaubens gefangen nehmen wollen. Nach einigen Seufzern rief er abermals aus und sprach: O welch ein großes Geheimnis ist die Erwählung! Ein Erwählter wird der, dem Gott jenen Glauben zurechnet, den Er nach freiem Gutdünken und aus lauter Gnade eingießt wem Er will und wann Er will, und der Mensch ist, wenn derselbe eingegossen wird, wie ein Klotz, wird aber, wenn selbiger eingegossen ist, wie ein Baum. Die Früchte hingegen, welche die guten Werke sind, hängen zwar an jenem Baum herab, der im bildlichen Sinn unser Glaube ist; allein sie hängen dennoch nicht zusammen; weshalb der Baum seinen Wert nicht von der Frucht hat; weil aber dies wie etwas Fremdartiges klingt und dennoch geheimsinnige Wahrheit ist, so laßt uns, meine Brüder, den Verstand unter den Gehorsam dieses Glaubens gefangen nehmen. Und wieder nach einer kleinen Pause, indem er dastand, wie wenn er etwas aus dem Gedächtnis hervorzöge, fuhr er fort und sprach: Aus der großen Menge von Geheimnissen will ich noch eines hervorholen, nämlich, daß der Mensch in geistigen Dingen auch nicht ein Körnchen freier Selbstbestimmung hat; denn die Primaten und Vorsteher, unsere Leiter, sagen in ihren theologischen Glaubensvorschriften, daß der Mensch in den Dingen, die den Glauben und das Heil betreffen, und insbesondere die geistigen Dinge heißen, gar nichts wollen, denken, verstehen, ja nicht einmal zu deren Aufnahme sich bereit und geschickt machen könne; weshalb ich aus mir sage, daß der Mensch aus sich über jene Dinge nicht anders aus der Vernunft denken und aus dem Denken schwatzen kann, als wie ein Papagei, eine Elster und ein Rabe, und somit der Mensch in geistigen Dingen ein wahrhafter Esel, und nur in natürlichen ein Mensch ist. Allein, meine Mitgenossen, laßt uns in dieser Sache, damit sie eure Vernunft nicht anfechte, wie im übrigen, den Verstand gefangen nehmen unter den Gehorsam des Glaubens; denn unsere Theologie ist eine unergründliche Tiefe; wirft man den Blick seines Verstandes hinein, so sinkt man unter und geht als Schiffbrüchiger zugrunde. Doch hört, wir sind dessen ungeachtet im eigentlichen Licht des Evangeliums, das hoch über unseren Häuptern glänzt; aber, o Jammer, unsere Haarbüschel und Hirnschädel sind ein Hemmnis und halten es zurück, daß es nicht in das Gemach unseres Verstandes eindringt. Nach diesen Worten stieg er herab, und nachdem er vor dem Altar den Segen gesprochen hatte und der Gottesdienst geendigt war, trat ich zu einigen hin, die miteinander redeten, und bei denen auch der Priester war, zu dem die Umstehenden sagten: Wir sagen dir unsterblichen Dank für deine herrliche und weisheitsvolle Rede. Da fragte ich sie aber: Habt ihr etwas davon verstanden? und sie erwiderten: Wir haben alles mit vollen Ohren aufgefaßt; warum fragst du aber, ob wir es verstanden hätten? Steht nicht der Verstand bei solchen Dingen still? Und der Priester fügte diesen Worten noch bei: Selig seid ihr, weil ihr gehört und nicht verstanden habt; denn daraus kommt euch Heil. Nachher sprach ich mit dem Priester und fragte, ob er den Lorbeer habe; er antwortete: Ich bin ein mit dem Lorbeer gekrönter Magister; und nun sprach ich: Magister, ich hörte dich über Mysterien predigen; wenn du von ihnen weißt, aber nichts von ihrem Inhalt, so weißt du nichts! Denn sie sind bloß wie mit drei Riegeln verschlossene Schränke; wenn du diese nicht öffnest und hineinsiehst, was durch den Verstand geschehen muß, so weißt du nicht, ob kostbare, oder ob geringfügige, oder ob schädliche Dinge darin sind; es können Schlangeneier und Spinnengewebe sein, nach der Beschreibung bei Jes.59/5.

Bei diesen Worten sah mich der Priester mit finsterer Miene an, und die Kirchgänger gingen weg und bestiegen ihre Wagen, trunken von seltsamen Behauptungen, betört durch leere Worte, und übergossen mit Finsternis in allen Dingen des Glaubens und in Heilsmitteln.

186. Zweite Denkwürdigkeit. Einst dachte ich darüber nach, in welcher Region des Geistes die theologischen Dinge beim Menschen ihren Sitz haben mögen, und weil sie geistiger und himmlischer Art sind, so glaubte ich anfangs, in der obersten; denn der menschliche Geist ist in drei Regionen abgeteilt, wie ein Haus in drei Stockwerke, in gleicher Weise wie die Wohnungen der Engel in drei Himmel. Da gesellte sich aber ein Engel zu mir und sagte: Die theologischen Dinge erheben sich bei denen, die das Wahre lieben weil es wahr ist, bis in die höchste Region, weil dort ihr Himmel ist, und sie sich in dem Licht befinden, in dem die Engel sind; die sittlichen Dinge aber, theoretisch untersucht und erkannt, stellen sich unter ihnen auf in der zweiten Region, weil sie mit den geistigen Dingen in Gemeinschaft stehen; und die politischen unter diesen in die erste; die wissenschaftlichen Dinge aber, weil sie vielartig sind, und auf Gattungen und Arten zurückgeführt werden können, bilden die Türe zu jenen höheren Gebieten. Diejenigen, bei denen die geistigen, sittlichen, politischen und wissenschaftlichen Dinge einander also untergeordnet sind, denken was sie denken, und tun was sie tun, aus Gerechtigkeit und richtigem Urteil; der Grund ist, weil das Licht des Wahren, welches auch das Licht des Himmels ist, von der obersten Region aus das darauf Folgende erleuchtet, wie das Licht der Sonne, indem es durch die Ätherregionen und im Weiterschreiten durch die Luft hindurchgeht, das Auge der Menschen, der [Land-] Tiere und der Fische erleuchtet. Anders aber die theologischen Dinge bei denen, die das Wahre nicht weil es wahr ist, sondern bloß des Ruhms ihres Namens wegen lieben; bei diesen haben die theologischen Dinge ihren Sitz in der untersten Region, wo die wissenschaftlichen Dinge sind, mit denen sie sich bei einigen vermischen, bei anderen aber sich nicht vermischen können. Unterhalb dieser sind in derselben Region die politischen Dinge, und unterhalb dieser die moralischen, weil bei diesen die zwei oberen Regionen nicht von der rechten Seite her geöffnet sind; daher sie gar keine tiefer eindringende Vernunft des Urteils, noch Sinn für Gerechtigkeit, sondern bloß Scharfsichtigkeit haben, vermöge der sie über jeden Gegenstand mit einem Schein von Einsicht reden, und alles, was ihnen vorkommt mit einem Schein von Vernunft begründen können. Allein die Vernunftgegenstände, die sie vorzugsweise lieben, sind Falsches, weil dieses mit den Täuschungen der Sinne zusammenhängt. Daher kommt, daß es in der Welt so viele gibt, welche die Wahrheiten der Lehre aus dem Wort nicht besser sehen als die Blindgeborenen, und wenn sie dieselben hören, die Nase rümpfen, damit nicht deren Geruch sie belästige und ihnen Übelkeit mache; beim Falschen hingegen öffnen sie alle Sinne und ziehen es in sich wie Walfische das Wasser.

187. Dritte Denkwürdigkeit. Als ich einst nachdachte über den Drachen, das Tier und den falschen Propheten, von denen in der Offenbarung die Rede ist, erschien mir ein engelischer Geist und fragte: Worüber denkst du nach? Ich sagte: Über den falschen Propheten; da sprach er: Ich will dich an den Ort führen, an dem diejenigen sind, die unter dem falschen Propheten verstanden werden; sie sind, sagte er, dieselben, die im 13.Kap. der Offenbarung unter dem Tier aus der Erde verstanden werden, das zwei Hörner hatte gleich einem Lamm und redete wie der Drache. Ich folgte ihm, und siehe, ich erblickte eine Schar, in deren Mitte Kirchenhäupter waren, die gelehrt hatten, daß nichts anderes den Menschen selig mache, als der Glaube an das Verdienst Christi, und daß die Werke gut seien, aber nicht zur Seligkeit, und daß man sie gleichwohl nach dem Worte lehren müsse, damit die Laien, besonders die einfältigen, enger in den Banden des Gehorsams gegen die Vorgesetzten gehalten, und wie durch die Religion, also von innen heraus zu Übung der moralischen Liebtätigkeit angetrieben würden. Und nun sagte einer von ihnen, als er mich ansichtig ward: Willst du unseren Tempel sehen, in dem das unseren Glauben vorstellende Bild ist? Ich ging hin und sah, und siehe, es war ein prächtiges Werk, und inmitten desselben stand das Bild eines Weibes, angetan mit einem scharlachroten Gewand, in der Rechten ein Goldstück haltend, und in der Linken eine Kette von Perlen. Allein sowohl der Tempel als das Bild waren durch Phantasie hervorgebracht; denn die höllischen Geister können durch Phantasien prächtige Dinge darstellen, indem sie das Inwendige des Gemüts verschließen, und bloß das auswendige desselben öffnen. Als ich aber bemerkte, daß es solche Blendwerke wären, betete ich zum Herrn, und alsbald war das Inwendige meines Gemütes aufgeschlossen und nun sah ich an der Stelle des prächtigen Tempels ein vom Dach bis zum Grund durchlöchertes Haus, an dem nichts zusammenhing; und statt des Weibes sah ich in jenem Haus ein Bild hängen, dessen Kopf dem eines Drachen, der Leib dem eines Pardels, die Füße denen eines Bären und der Mund dem eines Löwen glich, also gerade wie das Tier aus dem Meer beschrieben wird, Offb.13/2, und statt des Bodens war ein Sumpf da, der von Fröschen wimmelte. Und es ward mir gesagt, unter dem Sumpf befinde sich ein großer behauener Stein, unter dem das Wort gänzlich verborgen liege. Nachdem ich dies gesehen, fragte ich den Zauberer: Ist dies euer Tempel? Er sagte: Ja; er ist es. Da wurde aber plötzlich auch ihm das inwendige Auge geöffnet, worauf er das gleiche sah wie ich, und beim Anblick desselben laut aufschrie: Was ist das, und woher? Ich sagte: Es ist vom Licht aus dem Himmel, welches die Beschaffenheit einer jeden Gestalt enthüllt, und so auch die Beschaffenheit eures von der geistigen Liebtätigkeit getrennten Glaubens. Und alsbald wehte ein Ostwind und nahm den Tempel mit dem Bild weg, und trocknete auch den Sumpf aus, und entblößte so den Stein, unter dem das Wort lag; und nach diesem wehte wie Frühlingswärme aus dem Himmel, und siehe da, an derselben Stelle erschien eine der äußeren Gestalt nach einfache Hütte; und die Engel, die bei mir waren, sagten: Siehe, die Hütte Abrahams, wie sie war, da die drei Engel zu ihm kamen und ihm verkündigten, Isaak sollte geboren werden; sie erscheint zwar vor den Augen einfach, wird aber Jesajah nach dem Einfluß des Lichtes aus dem Himmel immer herrlicher und herrlicher. Und es ward ihnen gegeben, den Himmel zu öffnen, in dem sich die geistigen Engel befinden, die in der Weisheit sind, und nun erschien infolge des von da einfließenden Lichtes jene Hütte wie ein Tempel, gleich dem zu Jerusalem; und als ich hineinblickte, sah ich den Grundstein, unter dem das Wort niedergelegt war, ringsum mit Edelsteinen besät, aus denen es wie Blitze die Wände, an denen Cherubgestalten waren, bestrahlte, und sie in ein schönes Farbenspiel setzte. Als ich dies bewunderte, sagten die Engel: Du wirst noch Wunderbareres sehen; und es ward ihnen gegeben, den dritten Himmel zu öffnen, in dem die himmlischen Engel waren, die in der Liebe sind, und nun verschwand infolge des von da einfließenden Lichtes jener Tempel ganz, und an seiner Stelle ward allein der Herr gesehen, stehend auf dem Grundstein, der das Wort war, in der gleichen Gestalt, in der Er dem Johannes erschienen war, Offb.Kap.1. Weil aber jetzt heilige Andacht das Inwendige des Gemütes der Engel erfüllte, infolgedessen sie sich angetrieben fühlten, auf ihr Angesicht niederzufallen, so ward vom Herrn der Weg des Lichtes aus dem dritten Himmel plötzlich verschlossen, und der Weg des Lichtes aus dem zweiten Himmel geöffnet, worauf die vorige Ansicht des Tempels und auch die der Hütte, jedoch diese mitten im Tempel, zurückkehrte.

Dadurch ward anschaulich gemacht, was verstanden wird in der Offb.Kap.21 unter den Worten: ‚Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen, und Er wird bei ihnen wohnen‘: Offb.21/3, und unter den Worten: ‚Einen Tempel sah ich nicht im neuen Jerusalem, denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel und das Lamm‘: Offb.21/22.

188. Vierte Denkwürdigkeit. Da mir vom Herrn gegeben worden ist, die Wunderdinge zu sehen, die in den Himmeln und unter den Himmeln sind, so muß ich, dem Befehl gemäß, erzählen, was ich gesehen. Ich sah einen großartigen Palast, und in dessen Innerstem einen Tempel; in der Mitte von diesem stand ein Tisch von Gold, auf dem das Wort lag, und bei diesem standen zwei Engel. Um diesen herum waren Stühle in dreifacher Reihe; die Stühle der ersten Reihe waren ganz mit Seide von purpurroter Farbe überzogen; die Stühle der zweiten Reihe ganz mit Seide von himmelblauer Farbe, und die Stühle der dritten Reihe mit weißem Tuch. Unter der Kuppel, hoch über dem Tisch, sah man einen Vorhang ausgespannt, blitzend von Edelsteinen, aus deren Glanz sich Strahlen bildeten wie zu einem Farbenbogen, wenn der Himmel sich aufheitert nach dem Regen. Auf einmal erschienen nun ebenso viele Geistliche auf den Stühlen sitzend, alle mit priesterlichen Gewändern angetan. Auf der einen Seite befand sich ein Schmuckzimmer, vor dem ein hütender Engel stand, und in dem glänzende Gewänder in schöner Ordnung lagen. Es war eine vom Herrn zusammenberufene Kirchenversammlung; und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Beratschlagt! Sie fragten aber: Worüber? Die Antwort war: Über den Herrn den Heiland, und über den Heiligen Geist. Als sie aber darüber nachdachten, waren sie nicht in der Erleuchtung; sie beteten daher, und nun floß Licht aus dem Himmel herab, das zuerst ihr Hinterhaupt erleuchtete, dann die Schläfe und zuletzt ihr Angesicht, und nun fingen sie an, und zwar, wie befohlen war, zuerst über den Herrn, den Heiland.

Die erste Frage und Untersuchung war: Wer nahm das Menschliche in der Jungfrau Maria an? Und ein Engel, der am Tisch stand, auf dem das Wort lag, las ihnen folgendes bei Lukas vor: ‚Der Engel sprach zu Maria: Siehe, du wirst empfangen im Mutterleib und einen Sohn gebären und Seinen Namen Jesus nennen; Dieser wird groß sein und ein Sohn des Höchsten heißen. Und Maria sprach zum Engel: Wie soll dies geschehen, da ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach: Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, daher auch das Heilige, das aus dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden‘: Luk.1/31,32,34,35, dann auch die Stelle bei Matth.1/20,25: ‚Der Engel sprach zu Joseph im Traum: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Verlobte, zu nehmen; denn was in ihr erzeugt ist, das ist aus dem Heiligen Geist. Und Joseph erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte; und er nannte Seinen Namen Jesus‘, und außerdem las er noch mehreres aus den Evangelisten, wie z.B. Matth.3/17; 17/5; Joh.1/18; 3/16; 20/31 und viele andere Stellen, in denen der Herr in Ansehung Seines Menschlichen Sohn Gottes genannt wird, und wo Er aus Seinem Menschlichen Jehovah Seinen Vater heißt; desgleichen auch Stellen aus den Propheten, in denen vorausgesagt wird, daß Jehovah selbst in die Welt kommen werde; und unter diesen waren auch die zwei folgenden, bei Jesajas: ‚Man wird an jenem Tage sprechen: Siehe, das ist unser Gott, Den wir erwartet haben, daß Er uns befreie; Dieser ist Jehovah, Den wir erwarteten; frohlocken laßt uns und uns freuen in Seinem Heil‘: Jes.25/9. ‚Die Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet einen Weg Jehovah, ebnet in der Öde einen Fußsteig unsrem Gott; denn offenbaren wird die Herrlichkeit Jehovahs sich, und sehen wird alles Fleisch zugleich. Siehe, der Herr Jehovih kommt im Starken, gleich einem Hirten wird Er Seine Herde weiden‘: Jes.40/3,5,10,11. Und der Engel sprach: Weil Jehovah selbst in die Welt gekommen ist und das Menschliche angenommen hat, darum heißt Er bei den Propheten Heiland und Erlöser; und nun las Er ihnen folgendes vor: ‚Nur bei Dir ist Gott, und sonst kein Gott. Wahrhaftig Du bist ein verborgener Gott, Gott Israels, der Heiland‘: Jes.45/14,15. ‚Bin Ich nicht Jehovah, und außer Mir kein Gott mehr, kein gerechter Gott und Heiland außer Mir‘: Jes.45/21,22. ‚Ich Jehovah, und außer Mir kein Heiland‘: Jes.43/11. ‚Ich Jehovah, dein Gott, und einen Gott außer Mir sollst du nicht anerkennen, und kein Heiland ist außer Mir‘: Hos.13/4. ‚Damit erkenne alles Fleisch, daß Ich Jehovah dein Heiland bin und dein Erlöser‘: Jes.49/26; 60/16. ‚Was unseren Erlöser anbetrifft, so ist Jehovah Zebaoth Sein Name‘: Jes.47/4. ‚Ihr Erlöser [ist] stark, Jehovah Zebaoth Sein Name‘: Jer.50/34. ‚Jehovah mein Fels und mein Erlöser‘: Ps.19/15. ‚So sprach Jehovah, dein Erlöser, der Heilige Israels, Ich Jehovah [bin] dein Gott‘: Jes.48/17; 43/14; 49/7; 54/8. ‚Du Jehovah unser Vater, unser Erlöser von Ewigkeit Dein Name‘: Jes.63/16. ‚So sprach Jehovah, dein Erlöser, Ich Jehovah mache alles, und allein von Mir selbst‘: Jes.44/24. ‚So sprach Jehovah, der König Israels, und sein Erlöser Jehovah Zebaoth; Ich bin der Erste und der Letzte, und außer Mir kein Gott‘: Jes.44/6. ‚Jehovah Zebaoth Sein Name, und dein Erlöser der Heilige Israels, der Gott der ganzen Erde wird Er heißen‘: Jes.54/5. ‚Siehe, die Tage werden kommen, da Ich dem David einen gerechten Sproß erwecken werde, Der als König herrschen soll, und dies Sein Name: Jehovah unsere Gerechtigkeit‘: Jer.23/5,6; 33/15,16. ‚An jenem Tage wird Jehovah König über die ganze Erde sein; an jenem Tage wird Jehovah einer sein, und Sein Name einer‘: Sach.14/9. Durch jene und diese Stellen überzeugt, sprachen die auf den Stühlen Sitzenden einmütig aus, daß Jehovah selbst das Menschliche angenommen habe, um die Menschen zu erlösen und selig zu machen. Hier hörte man aber von den Römisch-Katholischen her, die sich hinter dem Altar verborgen hatten, eine Stimme, welche sprach: Wie kann Jehovah Gott Mensch werden? Ist Er nicht der Schöpfer des Weltalls? Aber es wandte sich einer von denen, die auf den Stühlen der zweiten Reihe saßen, um, und sprach: Wer denn sonst? worauf jener hinter dem Altar, der jetzt neben dem Altar stand, erwiderte: Der Sohn von Ewigkeit, er erhielt aber zur Antwort: Ist nicht der Sohn von Ewigkeit eurem Bekenntnis zufolge auch Schöpfer des Weltalls? Was ist aber ein von Ewigkeit gezeugter

Sohn und Gott? Und wie kann das göttliche Wesen, welches eines und unteilbar ist, sich trennen, und ein Teil von Ihm hinabsteigen, und nicht zugleich das Ganze?

Die zweite Erörterung über den Herrn war: Sind nicht so der Vater und Er eines, wie Seele und Leib eines sind? Sie sagten, dies sei eine Folge von jenem, weil vom Vater die Seele sei. Nun las einer von denen, die auf den Stühlen der dritten Reihe saßen, aus dem symbolischen Glauben, den man den Athanasischen nennt, folgendes vor: Obgleich unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott und Mensch ist, so sind doch nicht zwei, sondern es ist ein Christus, ja Er ist völlig einer, ist eine Person; denn wie Seele und Leib einen Menschen ausmachen, so ist Gott und Mensch ein Christus. Der Vorlesende sagte, dieses Symbol in dem jene Worte stehen, sei in der ganzen christlichen Welt, auch von den Römisch- Katholischen angenommen. Und nun sprachen sie: Was brauchen wir weiter? Gott der Vater und Er sind eines, wie Seele und Leib eines sind. Sie sagten auch: Weil dem so ist, so sehen wir, daß das Menschliche des Herrn göttlich ist, da es das Menschliche Jehovahs ist; ferner, daß man den Herrn nach dem Göttlich- Menschlichen anbeten muß, und daß man nur so und nicht anders das Göttliche anbeten kann, welches der Vater heißt. Diesen ihren Beschluß bestätigte der Engel durch viele Stellen aus dem Wort, unter denen auch folgende waren: ‚Ein Knabe ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, Dessen Name Wunderbar, Rat, Gott, Held, Vater der Ewigkeit, des Friedens Fürst‘: Jes.9/5. Bei Ebendemselben: ‚Abraham erkennet uns nicht, und Israel erkennet uns nicht an, Du Jehovah unser Vater, unser Erlöser von Alters her Dein Name‘: Jes.63/16. Und bei Johannes: ‚Jesus sprach: Wer an Mich glaubt, glaubt an Den, der Mich gesandt hat, und wer Mich sieht, sieht Ihn, der Mich gesandt hat‘: Joh.12/44,45. ‚Philippus sprach zu Jesus: Zeige uns den Vater! Jesus spricht zu ihm: Wer Mich gesehen, hat den Vater gesehen; wie sprichst du denn, zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, daß Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist? Glaubet Mir, daß Ich im Vater bin, und der Vater in Mir ist‘: Joh.14/8-11. Jesus sprach: ‚Ich und der Vater sind eins‘: Joh.10/30. Ferner: ‚Alles was der Vater hat, ist Mein, und alles Meinige gehört dem Vater‘: Joh.16/15; 17/10. Endlich: ‚Jesus sprach: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch Mich‘: Joh.14/6. Diesem fügte der Vorlesende noch bei: Gleiches, wie der Herr von Sich und Seinem Vater hier sage, könne der Mensch auch von sich und seiner Seele sagen. Nachdem sie dies gehört, sagten alle mit einem Mund und Herzen, daß das Menschliche des Herrn göttlich sei, und daß man Dieses anbeten müsse, um den Vater anzubeten, weil Jehovah Gott durch dasselbe Sich in die Welt gesandt und Sich den Augen der Menschen sichtbar, und so zugänglich gemacht habe. In gleicher Weise habe Er Sich auch den Alten in menschlicher Gestalt sichtbar und so zugänglich gemacht, jedoch damals durch einen Engel; weil aber diese Gestalt eine den kommenden Herrn vorbildende war, so war bei den Alten alles zur Kirche Gehörige vorbildlich.

Auf dieses folgte die Beratschlagung über den Heiligen Geist; und zwar ward zuerst die Vorstellung vieler von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, aufgedeckt, welche war, daß Gott der Vater in der Höhe und der Sohn zu Seiner Rechten sitze, und Sie den Heiligen Geist von Sich aussenden, die Menschen zu erleuchten, zu lehren, zu rechtfertigen und zu heiligen. Nun hörte man aber eine Stimme aus dem Himmel sagen: Wir können dieses Denkbild nicht ertragen: Wer weiß nicht, daß Jehovah Gott allgegenwärtig ist? Wer dieses weiß und anerkennt, der wird auch anerkennen, daß Er selbst erleuchtet, lehrt, rechtfertigt und heiligt, und daß es keinen Zwischen-Gott gibt, der von Ihm, und noch weniger der von zweien wie eine Person von der Person verschieden wäre. Es werde also erst jene Vorstellung, welche leer ist, entfernt, und diese andere, welche richtig ist, angenommen, und ihr werdet dies deutlich sehen. Allein hier ließ sich abermals von den Römisch-Katholischen her, die neben dem Altar des Tempels standen, eine Stimme hören, welche sprach: Was ist alsdann der Heilige Geist, der im Wort bei den Evangelisten und bei Paulus genannt wird, und von dem so viele Gelehrte aus der Geistlichkeit, besonders der unseren, geleitet werden, wie sie sagen? Wer leugnet heutzutage in der christlichen Welt den Heiligen Geist und seine Einwirkung? Hierauf wandte sich einer von denen, die auf den Stühlen der zweiten Reihe saßen, um und sprach: Ihr saget, der Heilige Geist sei eine Person für sich und Gott für sich; allein eine von einer Person aus- und hervorgehende Person, was ist sie anderes als ein aus- und hervorgehendes Wirken? Es kann nicht eine Person aus einer anderen aus- und hervorgehen, wohl aber kann dies ein Wirken; oder ein von Gott aus- und hervorgehender Gott, was ist er anderes als das aus- und hervorgehende Göttliche?

Es kann nicht ein Gott aus einem anderen und durch einen anderen aus- und hervorgehen, wohl aber kann dies das Göttliche aus dem einen Gott. Nachdem die auf den Stühlen Sitzenden dies angehört, kamen sie einmütig zu dem Beschluß, daß der Heilige Geist keine Person für sich, und somit auch kein Gott für sich sei, sondern daß er das heilige Göttliche sei, das von dem einen allgegenwärtigen Gott, Welcher der Herr ist, aus- und hervorgeht. Hierüber sagten die Engel, die an dem goldenen Tisch standen, auf dem das Wort lag: Gut! Man liest nirgends im Alten Bunde, daß die Propheten das Wort aus dem Heiligen Geist gesprochen haben, sondern aus Jehovah; und wo im Neuen Bunde der Heilige Geist genannt wird, da wird das hervorgehende Göttliche verstanden, welches das erleuchtende, lehrende, lebendigmachende, umbildende und wiedergebärende Göttliche ist.

Auf dieses folgte die andere Erörterung über den Heiligen Geist, welche war: „Von wem geht das Göttliche aus, das unter dem Heiligen Geist verstanden wird, aus dem Vater, oder aus dem Herrn?“ Und als sie dies besprachen, strahlte sie ein Licht aus dem Himmel an, aus dem sie sahen, daß das heilige Göttliche, das unter dem Heiligen Geist verstanden wird, nicht aus dem Vater durch den Herrn hervorgeht, sondern aus dem Herrn vom Vater her, vergleichsweise wie beim Menschen seine Tätigkeit nicht aus seiner Seele durch seinen Körper, sondern aus dem Körper von der Seele her hervorgeht. Dies bestätigte der am Tisch stehende Engel durch folgendes aus dem Wort: ‚Der, den der Vater gesandt hat, spricht Worte Gottes; nicht nach dem Maße gab Er ihm den Geist; der Vater liebt den Sohn, und hat alles in Seine Hand gegeben‘: Joh.3/34,35. ‚Es wird ein Reis vom Stamm Jischais ausgehen, ruhen wird auf Ihm Jehovahs Geist, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Kraft‘: Jes.11/1,[2]. ‚Daß der Geist Jehovahs über Ihn gegeben worden sei, und daß er in Ihm war‘: Jes.42/1; 59/19,20; 61/1; Luk.4/18. ‚Wann der Heilige Geist gekommen sein wird, den Ich euch senden werde vom Vater‘: Joh.15/26, ‚so wird er Mich verherrlichen, weil er aus dem Meinen nehmen und euch verkündigen wird. Alles, was der Vater hat, ist Mein, darum sagte Ich, er werde aus dem Meinen nehmen und euch verkündigen‘: Joh.16/14,15. ‚Wenn Ich hingehe, werde Ich den Beistand zu euch senden‘: Joh.16/7. ‚Der Beistand ist der Heilige Geist‘: Joh.14/26. ‚Noch war nicht der Heilige Geist, weil Jesus noch nicht verherrlicht war‘: Joh.7/39. ‚Nach der Verherrlichung aber hauchte Jesus die Jünger an und sprach: Empfanget den Heiligen Geist!‘: Joh.20/22.

Und in der Offb.15/4: ‚Wer sollte nicht Deinen Namen verherrlichen, Herr; denn Du allein bist heilig‘. Weil das göttliche Wirken des Herrn aus Seiner göttlichen Allgegenwart unter dem Heiligen Geist verstanden wird, so sagte Er, als Er mit den Jüngern über den Heiligen Geist sprach, den Er von Gott dem Vater senden werde, auch dies: ‚Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen; Ich gehe hin und komme zu euch; und an jenem Tage werdet ihr erkennen, daß Ich in Meinem Vater bin, und ihr in Mir, und Ich in euch‘: Joh.14/18,20,28; und kurz ehe Er aus der Welt ging, sagte Er: ‚Siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitlaufs‘: Matth.28/20. Nachdem dies ihnen vorgelesen war, sagte der Engel: Aus diesen und mehreren anderen Stellen im Wort ist offenbar, daß das Göttliche, welches der Heilige Geist heißt, aus dem Herrn vom Vater her hervorgeht. Hierüber sagten die auf den Stühlen saßen: Dies ist eine göttliche Wahrheit.

Zuletzt ward folgendes zum Beschluß erhoben: „Aus den Beratungen in diesem Konzil haben wir deutlich gesehen, und erkennen daher als eine heilige Wahrheit an, daß in dem Herrn Gott Heiland Jesus Christus eine göttliche Dreieinheit ist, bestehend aus dem Urgöttlichen, das der Vater heißt, dem Göttlich- Menschlichen, welches der Sohn heißt, und dem ausgehenden Göttlichen, welches der Heilige Geist heißt“; wobei sie zusammen riefen: In Christo wohnt die ganze Fülle der Gottheit leiblich (Kol.2/9), so ist denn ein Gott in der Kirche.

Nachdem dies in jenem herrlichen Konzil beschlossen war, erhoben sie sich, und es kam der hütende Engel aus dem Schmuckzimmer und brachte jedem von denen, die auf den Stühlen gesessen, glänzende Gewänder, hin und wieder mit Goldfäden durchwirkt, und sagte: Nehmt hin die hochzeitlichen Kleider; und sie wurden in Herrlichkeit in den neuen christlichen Himmel eingeführt, mit dem die Kirche des Herrn auf Erden, welche das neue Jerusalem ist, verbunden sein wird.