Die Freundschaft der Liebe zwischen Boesen ist inwendiger Haß unter ihnen

454. Oben ist gezeigt worden, daß jeder Mensch ein Inneres und ein Äußeres hat, und daß sein Inneres der innere Mensch heißt, und sein Äußeres der äußere Mensch; diesem soll noch das beigefügt werden, daß der innere Mensch in der geistigen Welt, und der äußere in der natürlichen Welt ist. Der Mensch ist aber zu dem Ende so geschaffen worden, damit er den Geistern und Engeln in ihrer Welt beigesellt werden, und infolgedessen analytisch denken, und nach dem Tode aus der seinigen in die andere übergehen könne.

Unter der geistigen Welt wird der Himmel und die Hölle verstanden. Weil der innere Mensch mit Geistern und Engeln zusammen ist in deren Welt, und der äußere mit den Menschen, so ist offenbar, daß der Mensch zusammengesellt werden kann mit Geistern der Hölle, und auch zusammengesellt werden kann mit Engeln des Himmels; der Mensch unterscheidet sich durch diese Fähigkeit und Kraft von den Tieren. Wie der Mensch seinem inneren Menschen nach beschaffen ist, so ist er an sich, nicht aber so wie er dem äußeren nach ist, weil der innere Mensch sein Geist ist, der durch den äußeren wirkt. Der materielle Leib, mit dem sein Geist in der natürlichen Welt umkleidet ist, ist eine Zugabe zum Behuf der Zeugungen und der Bildung des inneren Menschen; denn dieser wird im natürlichen Leib gebildet, wie der Baum in der Erde und wie der Same in der Frucht. Mehreres über den inneren und äußeren Menschen sehe man oben Nr. 401.

455. Wie aber der böse Mensch seinem inneren Menschen nach, und wie der gute dem seinigen nach beschaffen ist, kann man aus folgender kurzen Beschreibung des Himmels und der Hölle sehen; denn der innere Mensch bei den Bösen ist mit Teufeln in der Hölle verbunden, und bei den Guten ist er mit Engeln im Himmel verbunden. Die Hölle ist infolge ihrer Lieblingsneigungen im Angenehmen alles Bösen, das ist, im Angenehmen des Hasses, der Rachgier, des Mordes, im Angenehmen des Raubens und Stehlens, im Angenehmen des Tadelns und Lästerns, im Angenehmen der Leugnung Gottes und der Entweihung des Wortes; diese Dinge liegen verborgen in den Begierden, über die der Mensch sich keine Gedanken macht; von diesen Lustreizen entbrennen sie, wie Feuerbrände; sie sind es, die im Wort unter dem höllischen Feuer verstanden werden. Die Freuden des Himmels dagegen sind Angenehmes der Liebe zum Nächsten und der Liebe zu Gott. Weil die Lustreize der Hölle den Freuden des Himmels entgegengesetzt sind, so ist ein großer Zwischenraum zwischen denselben, in den von oben herab die Freudenreize des Himmels einfließen, und von unten herauf die Lustreize der Hölle; in der Mitte dieses Zwischenraums ist der Mensch, solange er in der Welt lebt, zu dem Ende, daß er im Gleichgewicht und so im Zustand der Freiheit sei, sich zum Himmel oder zur Hölle zu wenden. Dieser Zwischenraum ist es, der verstanden wird unter der großen Kluft, die befestigt ist zwischen denen, die im Himmel, und denen, die in der Hölle sind: Luk.16/26.

Hieraus kann erhellen, wie die Freundschaft der Liebe zwischen den Bösen beschaffen ist, daß sie dem äußeren Menschen nach gebärdenreich und schauspielerisch ist, und den Schein der Sittlichkeit annimmt, in der Absicht, ihre Netze auszuwerfen und auszukundschaften, wo sich Gelegenheit zeigt, die Lüste ihrer Lieblingsneigungen zu genießen, von denen ihr innerer Mensch erglüht; es ist bloß die Furcht vor dem Gesetz, und somit für ihren Ruf und ihr Leben, die sie zurückhält und die wirklichen Ausbrüche verhindert.

Deshalb ist ihre Freundschaft wie eine Spinne im Zucker, wie eine Viper im Brot, wie ein junges Krokodil im Honigkuchen, und wie eine Schlange im Gras; von dieser Art ist die Freundschaft der Bösen mit jedem. Aber zwischen bestärkten Bösewichtern, z.B. zwischen Dieben, Straßen- und Seeräubern ist sie eine vertraute, solange sie einstimmigen Sinnes auf Raub ausgehen; so lange nämlich küssen sie sich als Brüder, ergötzen sich mit Schmausen, Singen und Tanzen, und verschwören sich zum Verderben anderer; ja jeder blickt auch in seinem Inneren auf seinen Genossen, wie der Feind auf den Feind; dies sieht auch wirklich der schlaue Räuber in seinem Genossen, und fürchtet es. Hieraus erhellt, daß zwischen solchen keine Freundschaft ist, sondern inwendiger Haß.

455. Jeder Mensch, der sich nicht offen den Übeltätern zugesagt, und Raub getrieben, sondern ein bürgerlich sittliches Leben um der mancherlei Vorteile als der Zwecke willen geführt, dennoch aber die in seinem inneren Menschen wohnenden Begierden nicht gezähmt hat, kann glauben, seine Freundschaft sei nicht von der Art; daß sie aber doch so ist in verschiedenen Graden bei allen, die den Glauben verworfen und die heiligen Dinge der Kirche verachtet und denselben gar keinen Wert für sie selbst, sondern bloß für den gemeinen Haufen zugeschrieben haben, darüber ist mir durch viele Beispiele in der geistigen Welt völlige Gewißheit gegeben worden. Bei einigen von ihnen lagen die Lustreize der höllischen Liebe wie Feuer in dürren mit einer Rinde überzogenen Klötzen verborgen; bei einigen wie glühende Kohlen unter heißer Asche; bei einigen wie Wachskerzen, die, wenn man sie ans Feuer bringt, auflodern, und bei einigen anders; von dieser Art ist jeder Mensch, der die Dinge der Religion aus seinem Herzen hinausgeworfen hat. Der innere Mensch von solchen ist in der Hölle, und solange sie in der Welt leben, und hier wegen der im Äußeren nachgebildeten Moralität es nicht wissen, erkennen sie als Nächsten keine anderen an, als sich selbst und ihre Kinder, und die übrigen sehen sie entweder mit Geringschätzung an, und sind dann wie Katzen, die den Vögeln in den Nestern nachstellen; oder mit Haß, und sind dann wie Wölfe, wenn sie Hunde sehen und diese zerreißen möchten. Dies ist angeführt worden, damit man wisse, wie die Liebtätigkeit in ihrem Gegensatz beschaffen ist.