Die erste Handlung der neuen Geburt heißt die Umbildung, welche Sache des Verstandes, und die zweite Handlung heißt die Wiedergeburt, welche Sache des Willens und hieraus des Verstandes ist

587. Weil hier und im folgenden von der Umbildung und von der Wiedergeburt gehandelt, und die Umbildung dem Verstand, die Wiedergeburt aber dem Willen zugeschrieben wird, so ist notwendig, daß man die Unterschiede zwischen dem Verstand und dem Willen wisse, und diese sind oben Nr. 397 beschrieben worden. Es ist daher ratsam, erst jenes zu lesen, und erst nachher, was in diesem Abschnitt steht. Daß das Böse, in das der Mensch geboren wird, dem Willen des natürlichen Menschen eingezeugt ist, und daß der Wille den Verstand fortzieht, ihm dadurch zu Gefallen zu sein, daß er übereinstimmend mit ihm denkt, ist dort auch gezeigt worden; weshalb, damit der Mensch wiedergeboren werde, notwendig ist, daß dies durch den Verstand geschehe, als durch die Mittel-Ursache, und dies geschieht durch Unterweisungen, die der Verstand in sich aufnimmt, und diese erhält er zuerst durch die Eltern und Lehrer, und nachher durch das Lesen des Wortes, durch Predigten, Bücher und Gespräche. Die vom Verstand aufgenommenen Dinge heißen Wahrheiten; weshalb es gleichviel ist, ob man sagt, die Umbildung geschehe durch den Verstand, oder ob man sagt, sie geschehe durch die Wahrheiten, die der Verstand in sich aufnimmt; denn die Wahrheiten lehren den Menschen, an wen und was er glauben, und dann, was er tun, also was er wollen soll; denn was einer tut, das tut er aus dem Willen gemäß dem Verstand. Da nun eben der Wille des Menschen von Geburt an böse ist, und da der Verstand lehrt, was böse und was gut ist, und er das eine wollen und das andere nicht wollen kann, so folgt, daß der Mensch durch den Verstand umgebildet werden muß. Allein solang er sieht und mit dem Gemüt anerkennt, daß das Böse böse, und das Gute gut ist, und denkt, daß das Gute gewählt werden soll, solange heißt dieser Zustand Umbildung; wenn er hingegen das Böse fliehen und das Gute tun will, so fängt der Stand der Wiedergeburt an.

588. Zu diesem Behuf ist dem Menschen das Vermögen gegeben, den Verstand beinahe bis in das Licht, in dem die Engel des Himmels sind, zu erheben, damit er sehe, was er wollen und hieraus tun muß, um für die Zeit in der Welt glücklich, und nach dem Tod ewig selig zu sein; glücklich und selig wird er, wenn er sich Weisheit erwirbt, und den Willen unter ihrem Gehorsam erhält; unglücklich hingegen und unselig, wenn er seinen Verstand unter den Gehorsam des Willens bringt; der Grund ist, weil der Wille von der Geburt an zum Bösen, selbst zu Abscheulichem, sich hinneigt, weshalb, wenn er nicht durch den Verstand gezügelt würde, der seiner Willensfreiheit überlassene Mensch sich in Freveltaten stürzen, und vermöge der ihm angeborenen wilden Natur um seinetwillen alle die, welche ihm nicht günstig sind und seinen Begierden nicht frönen, plündern und niedermetzeln würde. Hierzu kommt, daß, wenn nicht der Verstand abgesondert für sich vervollkommnet werden könnte, und durch ihn der Wille, der Mensch nicht Mensch wäre, sondern Tier; denn ohne diese Absonderung und ohne das Hinaussteigen des Verstandes über den Willen, hätte er nicht denken, und aus dem Denken reden, sondern nur sein Gefühl hervortönen lassen können; noch hätte er können aus der Vernunft handeln, sondern nur aus dem Instinkt; noch weniger hätte er vermocht, das, was Gottes ist, und durch dasselbe Gott zu erkennen, und so mit Ihm verbunden zu werden und ewig zu leben; denn der Mensch denkt und will ‚wie von sich‘, und dieses ‚wie von sich‘ ist das Wechselseitige der Verbindung; denn ohne Wechselseitiges ist die Verbindung nicht möglich, sowie nicht eine Verbindung des Tätigen mit dem Leidenden ohne Anpassung und Anschließung. Gott allein ist tätig, der Mensch aber läßt sich in Tätigkeit setzen, und wirkt dem Anschein nach ganz ‚wie von sich‘ obgleich inwendig von Gott her. Aus diesem aber, wenn es gehörig gefaßt worden ist, kann man sehen, wie die Liebe des Willens des Menschen beschaffen ist, wenn sie durch den Verstand erhoben wird, und dann auch wie sie ist, wenn sie nicht erhoben wird, somit wie der Mensch beschaffen ist.  

589. Man muß wissen, daß das Vermögen, den Verstand bis zu der Einsicht, in der die Engel des Himmels sind, zu erheben, von der Schöpfung her jedem Menschen innewohnt, sowohl dem bösen, als dem guten, ja selbst jedem Teufel in der Hölle; denn alle, die in der Hölle sind, sind zuvor Menschen gewesen; dies ist mir durch lebendige Erfahrung öfter gezeigt worden; daß sie aber nicht in der insicht, sondern in der Raserei in geistigen Dingen sind, kommt daher, daß sie nicht das Gute, sondern das Böse wollen, und daher eine Abneigung haben, die Wahrheiten zu wissen und einzusehen; denn die Wahrheiten sind für das Gute, und wider das Böse. Hieraus erhellt auch, daß das Erste der neuen Geburt die Aufnahme der Wahrheiten mit dem Verstand ist, und daß ihr Zweites ist, daß man nach den Wahrheiten tun will, und zuletzt sie wirklich tut. Dennoch aber kann man von keinem sagen, er sei gebessert durch die bloße Erkenntnis der Wahrheiten; denn der Mensch kann kraft des Vermögens, den Verstand über die Liebe des Willens zu erheben, sie ergreifen, und auch aussprechen, lehren und predigen, und doch ist nur der ein Gebesserter, der in der Neigung zur Wahrheit um der Wahrheit willen ist; denn diese Neigung verbindet sich mit dem Willen, und wenn er fortfährt, verbindet sie den Willen mit dem Verstand; und dann fängt die Wiedergeburt an; wie aber die Wiedergeburt nachher fortschreitet und vollendet wird, soll im folgenden gesagt werden.

590. Doch eben dies, nämlich die Beschaffenheit eines Menschen, dessen Verstand nicht aber durch diesen die Liebe des Willens erhoben ist, soll durch Vergleiche beleuchtet werden: er ist wie ein Adler, der in der Höhe fliegt, sobald er aber unten Atzung sieht, als Hühner, junge Schwäne, ja selbst junge Lämmer, augenblicklich hinabschießt, und sie verschlingt. Er ist auch wie ein Ehebrecher, der unten im Keller eine feile Dirne birgt, und Jesajah und Jesajah hinaufgeht in den oberen Teil des Hauses, und mit den da Weilenden in Gegenwart seiner Frau ein weises Gespräch über die Keuschheit führt, dann aber wieder aus der Gesellschaft sich eilig wegstiehlt und seine Lüsternheit unten sättigt mit der Buhlerin. Er ist auch gleich den Sumpffliegen, die eine Säule bildend über dem Kopf eines rennenden Pferdes fliegen, dann aber, wenn das Pferd stille steht, herabfallen und sich in ihren Sumpf versenken; so ist ein Mensch, der in Erhebung ist dem Verstand nach, dessen Willensliebe aber unten am Fuß stehenbleibt, versenkt in das Unreine der Natur und das Ausschweifende der Sinne. Weil sie jedoch leuchten wie von Weisheit dem Verstand nach, und der Wille wider diese ist, so können sie auch mit Schlangen verglichen werden, die durch ihre Schuppen strahlen, und Käfern, die wie von Gold glänzen; dann auch den Irrlichtern in Sümpfen, dem leuchtenden faulen Holz und den phosphorischen Körpern. Unter ihnen sind solche, die sich in Engel des Lichtes verstellen können, sowohl unter den Menschen in der Welt, als nach dem Tod unter den Engeln des Himmels; allein diese werden nach kurzer Prüfung ihrer Kleider beraubt und nackt hinabgeworfen; dergleichen kann jedoch nicht in der Welt geschehen, weil hier ihr Geist nicht geöffnet, sondern durch ein Mummengesicht verhüllt ist, wie es die Schauspieler auf der Bühne haben. Daß sie durch Gesicht und Mund sich in Engel des Lichtes verstellen können, hat zum Grund und ist auch ein Zeichen, daß sie, wie gesagt, den Verstand beinahe bis zur engelischen Weisheit, über die Liebe des Willens erheben können. Da nun also das Innere und das Äußere des Menschen in dieser Weise entgegengesetzte Richtungen nehmen können, und der Körper abgelegt wird, der Geist aber bleibt, so ist offenbar, daß ein schwarzer Geist unter einem glänzend weißen Gesicht, und ein feuriger Geist hinter einem schmeichelnden Mund wohnen kann. Erkennt daher, meine Freunde, den Menschen nicht aus seinem Mund, sondern aus seinem Herzen, das heißt, nicht aus der Rede, sondern aus den Taten; denn der Herr sagt: „Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind; an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“: Matth.7/15,16.