Die Erloesung  

114. Daß im Herrn zwei Ämter, das priesterliche und das königliche, vereinigt sind, ist in der Kirche bekannt, allein wenige wissen, worin das eine und das andere besteht, weshalb es gesagt werden soll. Der Herr ward nach Seinem priesterlichen Amt Jesus genannt, und nach Seinem königlichen Amt Christus; auch heißt Er nach Seinem priesterlichen Amt im Wort Jehovah und Herr, und nach dem königlichen Amt Gott und der Heilige Israels; so wie auch König. Diese zwei unterscheiden sich untereinander wie die Liebe und die Weisheit, oder was dasselbe ist, wie das Gute und das Wahre unter sich. Alles also, was der Herr tat und wirkte aus der göttlichen Liebe oder dem göttlichen Guten, das tat und wirkte Er vermöge Seines priesterlichen Amtes, alles dagegen, was aus der göttlichen Weisheit oder dem göttlichen Wahren, vermöge Seines königlichen Amtes. Auch bedeutet im Worte Priester und Priestertum das göttliche Gute, König und Königtum aber das göttliche Wahre. Diese beiden wurden in der israelitischen Kirche durch die Priester und die Könige vorgebildet. Was die Erlösung betrifft, so gehört sie beiden Ämtern an; was jedoch davon zu dem einen und was zu dem anderen gehört, soll im Verfolg enthüllt werden. Damit aber das einzelne klar geschieden aufgefaßt werde, soll die Erörterung darüber in Leitsätze oder Abschnitte zerlegt werden, welche folgende sein sollen:

I. Die Erlösung selbst war eine Unterjochung der Höllen und ein Ordnen der Himmel, und mittelst dieser eine Vorbereitung zu einer neuen geistigen Kirche.

II. Ohne diese Erlösung hätte kein Mensch selig werden, noch die Engel im Zustand der Reinheit bestehen können.

III. Der Herr hat auf diese Weise nicht bloß die Menschen, sondern auch die Engel erlöst.

IV. Die Erlösung war ein rein göttliches Werk.

V. Eben diese Erlösung konnte nicht anders geschehen, als durch den menschgewordenen Gott.

VI. Das Leiden am Kreuz war die letzte Versuchung, die Er als der größte Prophet aushielt, und sie war das Mittel der Verherrlichung Seines Menschlichen, das heißt, der Vereinigung mit dem Göttlichen Seines Vaters, nicht aber die Erlösung.

VII. Der Glaube, das Leiden am Kreuz sei die Erlösung gewesen, ist ein Grundirrtum der Kirche, und dieser Irrtum zugleich mit dem Irrtum von drei göttlichen Personen von Ewigkeit, hat die ganze Kirche zugrunde gerichtet, so daß kein geistiger Überrest mehr in ihr vorhanden ist.

Dies soll nun im einzelnen entwickelt werden.

115. I. Die Erlösung selbst war eine Unterjochung der Höllen und ein Ordnen der Himmel, und mittelst dieser eine Vorbereitung zu einer neuen geistigen Kirche.

Daß diese drei die Erlösung sind, kann ich mit aller Gewißheit sagen, weil der Herr auch gegenwärtig eine Erlösung vollbringt, die im Jahre 1757 begann, zugleich mit dem Letzten Gericht, das damals gehalten wurde. Von jener Zeit an dauerte die Erlösung bis jetzt fort. Der Grund hiervon ist, weil gegenwärtig die zweite Ankunft des Herrn statthat und die neue Kirche gegründet werden soll, welche nicht gegründet werden kann, wenn nicht die Unterjochung der Höllen und die Anordnung der Himmel vorausgeht; und weil mir gegeben wurde, alles zu sehen, so kann ich beschreiben, wie die Höllen unterjocht worden sind, und wie der neue Himmel gegründet und geordnet worden ist; allein dies würde ein ganzes Werk erfordern. Wie aber das Letzte Gericht abgehalten worden ist, habe ich in einem im Jahr 1758 zu London herausgegebenen Werkchen kundgetan. Daß die Unterjochung der Höllen, die Anordnung der Himmel und die Gründung der neuen Kirche die Erlösung waren, hat seinen Grund darin, daß ohne sie kein Mensch hätte können selig werden. Sie folgen auch der Ordnung nach aufeinander; denn zuerst müssen die Höllen unterjocht werden, bevor der neue Engelhimmel gebildet werden kann, und dieser muß erst gebildet werden, bevor die neue Kirche auf Erden gegründet werden kann; denn die Menschen der Welt sind mit den Engeln des Himmels und mit den Geistern der Hölle so verbunden, daß sie in den inwendigen Regionen der Gemüter auf beiden Seiten eins ausmachen. Doch hierüber im letzten Kapitel dieses Werks, wo von der Vollendung des Zeitlaufs, von der Ankunft des Herrn und von der neuen Kirche im Besonderen gehandelt werden soll.

116. Daß der Herr, während Er in der Welt war, gegen die Höllen kämpfte und sie besiegte und unterjochte, und so sie unter Seinen Gehorsam brachte, erhellt aus vielen Stellen im Wort, von denen ich diese wenigen herausheben will, bei Jes.63/1-9: „Wer ist Der, so aus Edom kommt, mit bespritzten Kleidern aus Bozra, der ehrenwert in Seiner Kleidung, einhergehend in der Größe Seiner Kraft? Ich, der Ich rede in Gerechtigkeit, mächtig zu erretten; warum bist Du gerötet an Deinem Kleid, und Dein Gewand wie eines Keltertreters? Die Kelter habe Ich allein getreten, und vom Volke ist kein Mann mit Mir; darum trat Ich sie in Meinem Zorn, und zertrat sie in Meinem Grimm, darum ist der Sieg über sie gespritzt auf Meine Kleider; denn ein Tag der Rache ist in Meinem Herzen, und das Jahr Meiner Erlösten ist gekommen; Heil verschaffte Mir Mein Arm; zu Boden ließ Ich fallen ihren Sieg. Er sprach: Siehe, Mein Volk sind jene, Kinder, darum ward Er ihnen zum Erretter; ob Seiner Liebe und ob Seiner Gnade hat Er sie erlöst“; dies vom Kampf des Herrn gegen die Höllen. Unter dem Kleid, in dem Er ehrenwert, und das gerötet, wird das Wort verstanden, dem vom jüdischen Volk Gewalt angetan worden. Der Kampf selbst gegen die Höllen und der Sieg über sie wird dadurch beschrieben, daß Er sie in Seinem Zorn getreten und in Seinem Grimm zertreten habe. Das Er allein und aus eigener Macht gekämpft habe, wird beschrieben durch die Worte: vom Volk war kein Mann mit Mir, Heil verschaffte Mir Mein Arm, zu Boden fallen ließ Ich ihren Sieg. Daß Er dadurch sie errettet und erlöst habe, durch die Worte: darum ward Er ihnen zum Erretter, ob Seiner Liebe und Gnade hat Er sie erlöst; daß dies der Grund Seiner Ankunft war, wird verstanden unter den Worten: ein Tag der Rache ist in Meinem Herzen, und das Jahr Meiner Erlösten ist gekommen.

Wiederum bei Jes.59/16,17,20: „Er sah, daß niemand da ist und staunte, daß sich kein Helfer zeigt; darum verschaffte Rettung Ihm Sein Arm, und die Gerechtigkeit erhob Ihn; darum zog Er an Gerechtigkeit wie einen Panzer und setzte auf Sein Haupt den Helm des Heils, und zog die Rachekleider an, und deckte Sich mit Eifer wie mit einem Mantel, dann kam für Zion ein Erlöser“. Bei Jer.46/5,10: „Sie sind bestürzt, zerschlagen ihre Starken, sie haben die Flucht ergriffen und nicht mehr zurückgesehen; dieser Tag dem Herrn Jehovah Zebaoth ein Tag der Rache, damit Er Rache nehme an Seinen Feinden, das Schwert [sie] fresse und gesättigt werde“. Dieses und jenes vom Kampf des Herrn wider die Höllen und vom Sieg über sie. Bei David Ps.45/4-7: „Gürte das Schwert um Deine Lenden, Mächtiger; Deine Pfeile sind scharf; es werden fallen die Völker unter Dir, aus dem Herzen des Königs Feinde: Dein Thron [steht] für immer und ewig; Du hast geliebt Gerechtigkeit, darum salbte Dich Gott“; und so in sehr vielen anderen Stellen.

Weil der Herr allein die Höllen überwand, ohne Hilfe irgendeines Engels, darum heißt Er Held und Kriegsmann: Jes.42/13; 9/6; König der Herrlichkeit, der tapfere Jehovah, der Kriegsheld: Ps.24/8,10; der Tapfere Jakobs: Ps.132/2 und in vielen Stellen: Jehovah Zebaoth, das ist, Jehovah der Kriegsheere; und auch Seine Ankunft wird genannt der Tag Jehovahs, der schreckliche, der grausame, der (Tag) der Entrüstung, des Grimms, des Zorns, der Rache, des Untergangs, des Kriegs, der Trompete, des Posaunenhalls, des Getümmels usw. Bei den Evangelisten liest man folgendes: „Jetzt ist der Gericht der Welt, [jetzt] wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden“: Joh.12/31. „Der Fürst dieser Welt ist gerichtet“: Joh.16/11. „Fasset Vertrauen, Ich habe die Welt überwunden“: Joh.16/33. „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“: Luk.10/18, unter der Welt, dem Fürsten der Welt, Satan und Teufel wird die Hölle verstanden. Außerdem wird in der Offenbarung von Anfang bis zu Ende beschrieben, wie die christliche Kirche heutzutage beschaffen ist, und dann auch, daß der Herr wieder kommen und die Höllen unterjochen und einen neuen Engelhimmel schaffen und hernach eine neue Kirche auf Erden gründen werde. Dieses alles ist dort vorhergesagt, aber nicht früher als jetzt enthüllt worden. Der Grund ist, weil die Offenbarung, wie alle prophetischen Bücher des Wortes, in lauter Entsprechungen geschrieben war, und wenn diese nicht vom Herrn enthüllt worden wären, kaum jemand auch nur ein Verschen darin hätte verstehen können.

Jetzt aber ist, um der neuen Kirche willen, alles darin Enthaltene enthüllt worden in der zu Amsterdam im Jahr 1766 herausgebenen »Enthüllten Offenbarung«, und sehen werden es die, welche dem Wort des Herrn bei Matth. Kap.24, über den Zustand der gegenwärtigen Kirche und über Seine Ankunft glauben; allein dieser Glaube wankt einzig noch bei denen, die den Glauben der gegenwärtigen Kirche an eine Dreiheit göttlicher Personen von Ewigkeit, und an das Leiden Christi, als ob es die Erlösung selbst gewesen wäre, ihren Herzen so tief eingedrückt haben, daß er nicht mit der Wurzel ausgerissen werden kann. Diese gleichen aber, wie in der Denkwürdigkeit Nr. 113 gesagt worden, den mit Eisenfeilspänen und Schwefelstaub angefüllten Schläuchen, in die Wasser gegossen wird, infolgedessen zuerst eine Erhitzung und dann eine Flamme entsteht, durch welche diese Schläuche zerrissen werden: ebenso jene, wenn sie etwas vom lebendigen Wasser, welches das echte Wahre des Wortes ist, hören, und dieses durch die Augen oder Ohren eindringt, so entbrennen sie heftig und geraten in Flammen und stoßen es von sich als etwas, das ihre Köpfe zerbräche.

117. Die Unterjochung der Höllen, die Anordnung der Himmel, und hernach die Gründung der Kirche können durch mancherlei Gleichnisse beleuchtet werden. Sie lassen sich beleuchten durch die Ähnlichkeit mit einem Heer von Räubern oder Aufrührern, die in ein Reich oder in eine Stadt einfallen, und die Häuser darin in Brand stecken, die Güter der Einwohner plündern, und den Raub unter sich teilen und darüber frohlocken und sich rühmen. Die Erlösung selbst aber kann beleuchtet werden durch die Ähnlichkeit mit einem gerechten König, der mit seinem Heer diese angreift, einen Teil derselben dem Schwert übergibt und einen Teil in Zuchthäuser einsperrt, und den Raub ihnen abnimmt und seinen Untertanen zurückstellt, und dann das Reich in Ordnung bringt und es gegen ähnliche Überfälle sicherstellt. Sie kann auch beleuchtet werden durch die Ähnlichkeit mit zusammengescharten wilden Tieren, die aus dem Wald hervorbrechen und die Herden kleinen und großen Viehs, und auch die Menschen anfallen, weshalb der Mensch nicht außerhalb der Mauern seiner Stadt zu gehen und das Land zu bestellen wagt, infolgedessen dann die Felder wüste und die Stadtbewohner in Gefahr sind, durch Hunger umzukommen. Auch kann die Erlösung beleuchtet werden durch die Tötung und Ausrottung jener wilden Tiere, und durch die Sicherstellung der Äcker und Felder gegen weitere Einfälle von solchen. Sie kann auch beleuchtet werden durch Heuschrecken, die alles Grün des Bodens abfressen, und durch die Mittel gegen ihr weiteres vordringen. Ebenso durch die Raupen zur ersten Zeit des Sommers, welche die Bäume der Blätter und so auch der Früchte berauben, so daß sie entblößt wie mitten im Winter dastehen; und durch das Herabschütteln derselben, und so die Wiederherstellung des Gartens in den Zustand seines Erblühens und Fruchttragens. Ähnliches würde der Kirche widerfahren sein, wenn nicht der Herr durch die Erlösung die Guten von den Bösen ausgeschieden und diese in die Hölle geworfen, und jene in den Himmel erhoben hätte. Was würde aus einem Kaiserstaat oder Königreich werden, wenn in ihnen nicht Gerechtigkeit und Gericht beständen, durch welche die Bösen aus der Mitte der Guten weggenommen, und die Guten vor Verletzungen geschützt werden, damit jeder in Sicherheit in seinem Haus leben, und, wie es im Wort heißt, unter seinem Feigenbaum und Weinstock in Ruhe sitzen kann.

118. II. Ohne diese Erlösung hätte kein Mensch selig werden, noch die Engel im Zustand der Reinheit bestehen können.

Zuerst soll gesagt werden, was die Erlösung ist. Erlösen bedeutet von der Verdammnis befreien, vom ewigen Tode erretten, aus der Hölle reißen, und die Gefangenen und Gebundenen der Hand des Teufels entziehen; dies ist vom Herrn dadurch geschehen, daß Er die Höllen unterjocht und einen neuen Himmel gegründet hat. Daß der Mensch außerdem nicht hätte selig werden können, hat seinen Grund darin, daß die geistige Welt mit der natürlichen Welt in solcher Verknüpfung steht, daß sie nicht getrennt werden können, diese Verknüpfung aber vorzugsweise mit dem Inwendigen der letzteren, das man ihre Seelen und Gemüter nennt, und daher bei den Guten mit den Seelen und Gemütern der Engel, und bei den Bösen mit den Seelen und Gemütern der höllischen Geister besteht. Sie sind so eng vereinigt, daß, wenn diese vom Menschen entfernt würden, der Mensch tot wie ein Klotz niederfiele; ebensowenig könnten die Engel und Geister bestehen, wenn ihnen die Menschen entzogen würden. Daraus erhellt, warum die Erlösung in der geistigen Welt geschah, und warum Himmel und Hölle erst geordnet werden müssen, bevor die Kirche auf Erden gegründet werden kann. Daß dem so ist, erhellt deutlich in der Offenbarung, daß nämlich, nachdem der neue Himmel hergestellt war, aus diesem das neue Jerusalem herabstieg, welches die neue Kirche ist: Offb.21/1,2.

119. Daß auch die Engel nicht im Zustande der Reinheit hätten bestehen können, wenn nicht vom Herrn die Erlösung vollbracht worden wäre, hat seinen Grund darin, daß der gesamte Engelhimmel zugleich mit der Kirche auf Erden vor dem Herrn wie ein Mensch ist, dessen Inneres der Engelhimmel und das Äußere die Kirche bildet, oder bestimmter, dessen Haupt der oberste Himmel, die Brust und mittlere Gegend des Leibes der zweite und unterste Himmel, und die Lenden und Füße die Kirche auf Erden sind, während der Herr selbst die Seele und das Leben dieses ganzen Menschen ist; weshalb denn, wofern nicht der Herr die Erlösung vollbracht hätte, dieser ganze Mensch zerstört worden wäre: hinsichtlich der Füße und Lenden, sobald die Kirche auf Erden, hinsichtlich der Bauchgegend, sobald der unterste Himmel, hinsichtlich der Brust, sobald der zweite Himmel wich, infolgedessen dann das Haupt, weil es kein Entsprechungsverhältnis mit dem Leibe hat, in Ohnmacht fällt. Doch dies soll durch Gleichnisse beleuchtet werden: es ist wie wenn abgestorbenes Fleisch die Füße angreift, und das Absterben dann weiter und weiter hinaufsteigt und zuerst die Lenden, dann die Eingeweide des Unterleibes ansteckt, und endlich die benachbarten Teile des Herzens ergreift; daß aber alsdann der Mensch dem Tod unterliegt, ist bekannt. Es kann auch beleuchtet werden durch Vergleich mit den Krankheiten der Eingeweide, die unterhalb des Zwerchfells sind, sofern, wenn diese kraftlos werden, das Herz zu klopfen und die Lunge schwer zu atmen anfängt und endlich beide still stehen. Auch kann es beleuchtet werden durch Vergleich mit dem inneren und dem äußeren Menschen, sofern der innere Mensch so lange in Kraft ist, als der äußere sich gehorsam seinen Verrichtungen unterzieht, wogegen, wenn der äußere Mensch nicht gehorcht, sondern widerstrebt, und mehr noch, wenn er jenen bekämpft, der innere zuletzt wankend gemacht und am Ende von den Lustreizen des äußern fortgerissen wird, bis er diesem geneigt wird und beistimmt. Und dann kann es auch beleuchtet werden durch Vergleich mit einem Menschen, der auf einem Berg steht und unter sich überschwemmte Länder sieht, und daß die Gewässer mehr und mehr steigen, und der, wenn sie zu der Höhe, auf der er selbst steht, sich erheben, selbst überströmt wird, wofern er nicht in irgendeinem Fahrzeug, das auf den Fluten heranschwimmt, sein Heil finden kann. Ebenso, wenn jemand vom Berg herab einen dichten Nebel mehr und mehr von der Erde emporsteigen, und Felder, Landhäuser und Städte verhüllen sieht, und dann, wenn dieses Nebelmeer bis zu ihm hinangedrungen ist, gar nichts mehr sieht, auch sich selbst nicht, noch wo er ist. Ebenso verhält es sich mit den Engeln, wenn die Kirche auf Erden zugrunde geht, daß nämlich alsdann auch die unteren Himmel entweichen; der Grund ist, weil die Himmel aus Menschen von der Erde her bestehen, und wenn nichts Gutes des Herzens und nichts Wahres des Wortes mehr übrig ist, die Himmel vom Bösen, das heraufsteigt, überschwemmt, und davon wie von stygischen Gewässern erstickt werden. Dennoch aber werden sie vom Herr sonst irgendwo verwahrt und bis zum Tage des Letzten Gerichts aufbehalten, und dann in den neuen Himmel erhoben; diese sind es, welche in der Offenbarung unter folgenden verstanden werden: „Ich sah unter dem Altar die Seelen derer, die um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten, getötet worden waren; und sie riefen mit starker Stimme und sprachen: Wie lange, Herr, Du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest Du nicht, und rächst nicht unser Blut an denen, die auf Erden wohnen? Und es wurden ihnen jedem weiße Kleider gegeben und ihnen gesagt, sie sollten noch eine kleine Zeit ruhen, bis vollzählig seien auch ihre Mitknechte und Brüder, die wie sie getötet werden würden“: Offb.6/9-11.

120. Daß ohne die vom Herrn bewirkte Erlösung Missetat und Bosheit über die ganze Christenheit in beiden Welten, der natürlichen und der geistigen, sich verbreiten würde, davon gibt es mehrere Ursachen, unter denen auch die ist, daß jeder Mensch nach dem Tod in die Geisterwelt kommt und dann ganz derselbe ist, der er zuvor war, und beim Eintritt niemand abgehalten werden kann von der Unterredung mit den verstorbenen Eltern, Brüdern, Verwandten und Freunden; jeder Gatte sucht dann zuerst seine Gattin und jede Gattin ihren Gatten, und von jenen und diesen werden sie eingeführt in mancherlei Genossenschaften von solchen, die auswendig wie Schafe erscheinen, inwendig aber wie Wölfe sind, und von diesen werden auch solche verkehrt, die sich der Frömmigkeit beflissen hatten; dadurch und infolge verruchter Künste, die in der natürlichen Welt unbekannt sind, ist jene Welt so angefüllt mit Bösewichtern, wie ein von Froscheiern grünender Sumpf. Daß das Zusammensein mit Bösewichtern auch diese Wirkung hat, läßt sich durch folgendes anschaulich machen: es ist nämlich, wie wenn jemand mit Straßen- oder Seeräubern zusammenlebt, zuletzt wird er ihnen ähnlich; auch ist es, wie wenn jemand mit Ehebrechern und feilen Dirnen zusammenhaust, am Ende achtet er die Ehebrüche für nichts; wieder ist es, wie wenn jemand sich unter Aufrührer mischt, am Ende macht er sich nichts daraus, an jedem Gewalttätigkeiten zu verüben; denn alles Böse ist ansteckend und kann der Pest verglichen werden, die sich durch das bloße Anhauchen und durch die Ausdünstung mitteilt; so wie auch dem Krebs und heißen Brand, der sich weiter verbreitet und die benachbarten Teile, und allmählich auch die entfernteren in Fäulnis setzt, bis endlich der ganze Körper zugrunde geht; die Lustreize des Bösen, in welche jeglicher geboren wird, sind die Ursache davon. Hieraus kann nun erhellen, daß ohne die vom Herrn bewirkte Erlösung niemand selig werden kann, und auch die Engel nicht im Zustand der Reinheit fortbestehen können. Die einzige Zuflucht, daß man nicht untergehe, ist die zum Herrn, denn Er sagt: „Bleibet in Mir und auch Ich in euch; gleichwie die Rebe nicht Frucht bringen kann von sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wofern ihr nicht in Mir bleibet: Ich bin der Weinstock, ihr die Reben; wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnt ihr nichts tun; wenn jemand nicht in Mir bleibt, so wird er hinausgestoßen, und dürr geworden wird er ins Feuer geworfen und verbrannt“: Joh.15/4-6.

121. III. Der Herr hat auf diese Weise nicht bloß die Menschen sondern auch die Engel erlöst.

Dies folgt aus dem im vorigen Abschnitt Gesagten, daß nämlich ohne die vom Herrn bewirkte Erlösung auch die Engel nicht hätten bestehen können; zu den oben bemerkten Ursachen kommen noch folgende hinzu:

1. Daß zur Zeit der ersten Ankunft des Herrn die Höllen so emporgewachsen waren, daß sie die gesamte Geisterwelt, die in der Mitte zwischen dem Himmel und der Hölle ist, erfüllten, und so nicht nur denjenigen Himmel, welcher der unterste heißt, in Verwirrung brachten, sondern auch den mittleren Himmel angriffen und auf tausenderlei Weisen befehdeten; und dieser wäre auch, wofern der Herr ihn nicht aufrechterhalten hätte, zerstört worden. Ein solcher Anlauf der Höllen wird verstanden unter dem im Lande Schinear erbauten Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reichen sollte, und wobei der Versuch der [Erbauer] durch die Verwirrung der Lippen verhindert wurde und sie zerstreut wurden, und die Stadt genannt wurde Babel: 1Mo.11/1-9. Was hier unter dem Turm und was unter der Verwirrung der Lippen verstanden wird, ist in den zu London herausgegebenen »Himmlischen Geheimnissen« erklärt worden. Die Ursache, warum die Höllen zu solcher Höhe hinan wuchsen, war, daß zur Zeit, da der Herr in die Welt kam, der ganze Erdkreis durch Götzendienst und Magie sich ganz von Gott entfernt hatte, und die Kirche, die bei den Kindern Israels und zuletzt bei den Juden war, durch Verfälschung und Verdrehung des Wortes ganz zerstört worden war, und diese und jene alle nach dem Tod in die Geisterwelt kamen, und ihre Zahl dort zuletzt so anwuchs und anschwoll, daß sie von da nicht anders ausgetrieben werden konnten, als durch die Herabkunft Gottes selbst, und dann durch die Kraft Seines göttlichen Arms. Und wie dies bewirkt wurde, ist in dem im Jahr 1758 zu London herausgegebenen Werkchen »Vom letzten Gericht« beschrieben worden. Dies ward vom Herrn vollbracht, als Er in der Welt war. Ein ähnliches ist auch in unseren Tagen vom Herrn gehalten worden, weil, wie oben gesagt, gegenwärtig Seine zweite Ankunft statthat, welche in der Offenbarung allenthalben, und bei Matth.24/3,30; bei Mark.13/26; bei Luk.21/27 und in der Apg.1/11 und anderwärts vorausgesagt worden ist. Der Unterschied ist, daß bei Seiner ersten Ankunft die Höllen so sehr angewachsen waren von Götzendienern, Magiern und Verfälschern des Wortes, bei dieser zweiten hingegen von sogenannten Christen, sowohl solchen, die den Naturalismus eingesogen, als solchen, die das Wort verfälscht hatten durch Begründungen ihres märchenhaften Glaubens an drei göttliche Personen von Ewigkeit, und an das Leiden des Herrn, sofern es die Erlösung selbst gewesen sein soll; denn diese sind es, die unter dem Drachen und seinen zwei Tieren in der Offenbarung Kap.12 und 13 verstanden werden.

2. Die zweite Ursache davon, daß der Herr auch die Engel erlöste, ist die, daß nicht nur jeglicher Mensch, sondern auch jeglicher Engel durch den Herrn vom Bösen zurückgehalten und im Guten festgehalten wird; denn keiner, weder der Engel, noch der Mensch, ist von sich im Guten, sondern alles Gute ist vom Herrn. Wenn nun der Fußschemel der Engel, den sie in der Geisterwelt haben, weggezogen ist, so ergeht es ihnen, wie dem, der auf einem Stuhl sitzt, wenn dessen Fußgestell weggenommen wird. Daß die Engel vor Gott nicht rein sind, erhellt aus den prophetischen Schriften des Wortes und auch aus Hiob; dann auch daraus, daß es keinen Engel gibt, der nicht früher Mensch war. Durch Obiges wird bestätigt, was in dem diesem Werk vorangeschickten Glauben des neuen Himmels und der neuen Kirche in seiner allgemeinen und in seiner besonderen Form gesagt ist, nämlich „daß der Herr in die Welt kam, um die Hölle vom Menschen zu entfernen, und daß Er sie entfernte durch Kämpfe gegen sie und durch Siege über sie, und sie unterjochte und unter seinen Gehorsam brachte“. Dann auch durch folgendes daselbst: „daß Jehovah Gott herabkam und das Menschliche annahm, um alles, was im Himmel, und alles, was in der Kirche sein wird, in Ordnung zu bringen, weil damals die Macht des Teufels, das ist der Hölle, die Macht des Himmels, und auf Erden die Macht des Bösen die Macht des Guten überwog, und infolgedessen eine gänzliche Verdammnis vor der Türe stand und hereinzubrechen drohte; diese bevorstehende Verdammnis hat Jehovah Gott durch Sein Menschliches aufgehoben, und so die Engel und die Menschen erlöst; woraus erhellt, daß ohne die Ankunft des Herrn keiner hätte selig werden können. Ebenso ist es heutzutage; daher denn, wenn der Herr nicht abermals in die Welt käme, auch niemand selig werden könnte“; man sehe oben Nr. 2,3.

122. Daß der Herr die geistige Welt errettet hat, und durch sie die Kirche von der allgemeinen Verdammnis erretten wird, kann beleuchtet werden durch den Vergleich mit einem König, der die Prinzen, seine Söhne, die vom Feinde gefangen, in Kerker eingeschlossen und mit Ketten gebunden worden, durch Siege über jenen befreit, und an seinen Hof zurückführt. Dann auch durch den Vergleich mit einem Hirten, der, wie Simson und David, seine Schafe dem Rachen des Löwen oder des Bären entreißt, oder diese wilden Tiere, wenn sie aus den Wäldern in die Wiesen hervorbrechen, hinauswirft und bis an die äußersten Grenzen verfolgt, und sie zuletzt in Sümpfe oder in Wüsten drängt, und dann zu den Schafen zurückkehrt und sie in Sicherheit weidet und aus Quellen klaren Wassers sie tränkt. Auch läßt es sich beleuchten durch einen, der eine spiralförmig gewundene Schlange am Wege liegen sieht, bereit, der Ferse des Wanderers einen Stich beizubringen, und nun ihren Kopf ergreift, und sie, obwohl sie sich um seine Hand herumschlingt, doch nach Hause trägt und dort ihr den Kopf abhaut, und das übrige ins Feuer wirft. Auch läßt es sich beleuchten durch einen Bräutigam oder Ehemann, der, wenn er einen Ehebrecher sieht, im begriff, seiner Braut oder Gattin Gewalt anzutun, ihn ergreift, und entweder die Hand desselben mit dem Schwert verwundet, oder ihm Beine und Lenden zerprügelt, oder ihn durch seine Diener auf die Straße wirft, die ihn mit Knütteln bis in sein Haus verfolgen, worauf er die so Befreite in sein Schlafgemach heimführt; unter der Braut und Gattin wird auch im Wort die Kirche des Herrn verstanden, und unter den Ehebrechern werden verstanden, die ihr Gewalt antun, welche diejenigen sind, die Sein Wort schänden; und weil die Juden dies taten, wurden sie vom Herrn ein ehebrecherisches Geschlecht genannt.

123. IV. Die Erlösung war ein rein göttliches Werk.

Wer da weiß, wie die Hölle beschaffen ist, und bis zu welcher Höhe sie zur Zeit der Ankunft des Herrn die ganze Geisterwelt überschwemmte, dann mit welcher Macht der Herr die ganze Geisterwelt niederwarf und zerstreute und hernach sie zusamt dem Himmel in Ordnung brachte, muß notwendig erstaunen und ausrufen, daß dies alles ein rein göttliches Werk war. Zuerst, wie die Hölle beschaffen ist: sie besteht aus Myriaden von Myriaden, weil aus allen denen, die von der Schöpfung der Welt her durch Böses des Lebens und Falsches des Glaubens sich von Gott entfernt haben. Das zweite, bis zu welcher Höhe die Höllen zur Zeit der Ankunft des Herrn die ganze Geisterwelt überschwemmten, ist einigermaßen in den vorhergehenden Abschnitten auseinander gesetzt worden. Wie sie zur Zeit der ersten Ankunft des Herrn [emporgeschwollen] war, ist niemand kund geworden, weil es nicht im Buchstabensinn des Wortes geoffenbart ist; wie sie aber zur Zeit der zweiten Ankunft des Herrn war, durfte ich mit meinen Augen sehen, und dieses, aus dem man auf das Frühere schließen kann, ist beschrieben worden in dem in London im Jahr 1758 herausgegebenen Werkchen vom »Letzten Gericht«; desgleichen auch, mit welcher Macht der Herr jene Hölle niederwarf und zerstreute. Allein hierher übertragen, was ich in jenem Werkchen als Augenzeuge beschrieben habe, wäre ein überflüssiges Werk, weil jenes vorliegt, und noch Exemplare in Menge bei dem Buchdrucker in London aufbewahrt sind. Jeder, der es liest, kann deutlich sehen, daß es ein Werk des allmächtigen Gottes war. Das vierte, wie der Herr nachher alles sowohl im Himmel, als in der Hölle in Ordnung brachte, ist noch nicht von mir beschrieben, weil das Ordnen der Himmel und der Hölle vom Tage des Letzten Gerichts an bis zur gegenwärtigen Zeit fortgedauert hat und noch fortdauert; allein nach Herausgabe dieses Buches wird es, auf Verlangen, veröffentlicht werden. Was mich anbelangt, so sah ich und sehe ich in Beziehung auf diese Sache jeden Tag die göttliche Allmacht des Herrn wie von Angesicht; dieses Letzte aber gehört im eigentlichen Sinne zur Erlösung, jenes Frühere hingegen gehört eigentlich zum Letzten Gericht. Die, welche diese beiden mit Unterscheidung betrachten, können vieles, was im prophetischen Teil des Wortes unter Bildern verborgen und doch beschrieben ist, sehen, sobald es durch die Auslegung der Entsprechungen in das Licht des Verstandes hervorgezogen wird. Dieses und jenes göttliche Werk kann nicht anders ins Licht gesetzt werden, als durch Vergleiche, wiewohl auch so nur dürftig. Es kann beleuchtet werden durch den Vergleich mit dem Kampf gegen die Heere aller Nationen in der ganzen Welt, versehen mit Spießen, Schildern, Schwertern, Schießgewehren und Feldstücken, und geleitet von listigen und verschlagenen Feldherrn und Offizieren; dies wird gesagt, weil die meisten in den Höllen sich auf Künste verstehen, die in unserer Welt unbekannt sind, und in denen sie sich untereinander einüben, wie sie die aus dem Himmel angreifen, in Hinterhalt locken, belagern und bekämpfen wollen. Der Kampf des Herrn mit der Hölle kann auch, wiewohl nur ungenügend, verglichen werden dem Kampf gegen die wilden Tiere des ganzen Erdkreises, und ihrer Niederlage und Bezähmung, bis daß keines derselben mehr wagt hervorzukommen und auf irgendeinen Menschen, der im Herrn ist, einen Anfall zu machen, und sich daher, sobald jemand eine drohende Miene macht, alsbald zurückzieht, wie wenn es einen Geier im Inneren seiner Brust fühlte, im begriff, dasselbe bis zum Herzen zu durchhacken. Unter den wilden Tieren werden auch wirklich im Wort die höllischen Geister beschrieben; und diese werden auch unter den wilden Tieren, bei denen der Herr 40 Tage lang war, Mark.1/13, verstanden. Derselbe kann auch verglichen werden mit dem Widerstand gegen den ganzen Ozean, wenn dieser, nach Durchbrechung der Dämme, mit seinen Fluten in die Länder und Städte eindringt. Die vom Herrn bewirkte Unterjochung der Hölle wird auch verstanden unter dem, daß Er das Meer dadurch bezähmte, daß Er sprach: „Schweige, verstumme“: Mark.4/38,39; Matth.8/26; Luk.8/23,24; denn durch das Meer wird hier, wie in vielen anderen Stellen, die Hölle bezeichnet. Mit gleicher göttlicher Macht kämpft der Herr auch heutzutage gegen die Hölle bei jeglichem Menschen, der wiedergeboren wird; denn die Hölle fällt alle diese mit teuflischer Wut an, und wofern ihr nicht der Herr widersteht und sie zähmt, muß jeder Mensch notwendig unterliegen; denn die Hölle ist wie ein scheußlich gestalteter Mensch, und wie ein grimmiger Löwe, mit dem sie auch im Wort verglichen wird. Daher denn, wenn der Herr nicht diesen Löwen oder jenes Ungetüm mit Hand- und Fußeisen gebunden hielte, der Mensch, aus sich, wenn er aus einem Bösen herausgerissen wird, notwendig in ein anderes, und so fort in mehr und mehr fallen müßte.

124. V. Eben diese Erlösung konnte nicht anders geschehen, als durch den menschgewordenen Gott. Im vorhergehenden Abschnitt ist gezeigt worden, daß die Erlösung ein rein göttliches Werk war, folglich nur vom allmächtigen Gott ausgeführt werden konnte. Daß diese nicht ohne Sein Fleischwerden, das heißt, ohne daß Er Mensch wurde, bewirkt werden konnte, hat seinen Grund darin, daß Jehovah Gott, wie Er in Seinem unendlichen Wesen ist, Sich nicht der Hölle nahen, noch weniger in sie eintreten kann, denn Er ist im Reinsten und Ersten; daher denn Jehovah Gott, sofern Er in Sich so beschaffen ist, die, welche in der Hölle sind, wenn Er sie auch nur anhauchte, augenblicklich töten würde; denn Er sagte zu Moses, als dieser ihn sehen wollte: „Du kannst Mein Angesicht nicht sehen, denn kein Mensch kann Mich sehen, und leben“: 2Mo.33/20. Wenn nun Moses es nicht konnte, so können es noch weniger die, welche in der Hölle sind, wo alle im Letzten und Gröbsten, und so im Entferntesten sind, denn sie sind Natürliche auf der untersten Stufe. Hätte somit Jehovah Gott nicht das Menschliche angenommen, und so Sich mit einem Körper bekleidet, der im Letzten ist, so dürfte Er vergebens irgendeine Erlösung unternommen haben; denn wer kann einen Feind angreifen, wenn er sich diesem nicht naht, und mit Waffen zum Kampf ausgerüstet ist? Oder wer kann Drachen, Hydern und Basilisken in einer Wüste vertreiben und vernichten, ohne den Leib in einen Panzer und das Haupt in eine Sturmhaube zu hüllen, und ohne einen Spieß in der Hand? Oder wer kann Walfische im Meer fangen ohne Schiff und die zum Fang geeigneten Werkzeuge?

Dieses und ähnliches kann nicht sowohl zum Vergleich, als vielmehr nur zu Beleuchtung des Kampfes des allmächtigen Gottes mit den Höllen dienen, den Er nicht hätte eingehen können, ohne zuvor das Menschliche angezogen zu haben. Man muß jedoch wissen, daß der Kampf des Herrn mit den Höllen kein Mundkampf war, wie er zwischen Streitenden und Zankenden statthat, ein solcher Kampf ist dort völlig wirkungslos, sondern es war ein geistiger Kampf, nämlich des göttlichen Wahren aus dem göttlichen Guten, welches das eigentliche Leben des Herrn war. Dem Einfluß dieses letzteren mittelst des Anblicks kann in den Höllen niemand widerstehen; es wohnt ihm eine solche Macht inne, daß die höllischen Genien schon beim Innewerden desselben entfliehen, sich in die Tiefe stürzen und sich in unterirdische Schlupfwinkel werfen, um sich zu verbergen; dies eben ist es, was bei Jes.2/19 beschrieben wird: „Sie werden in die Höhlen der Felsen gehen und in die Klüfte des Staubes, aus Angst vor Jehovah, wenn Er Sich erheben wird, die Erde zu schrecken“; und in der Offb.6/15-17: „Alle werden sich verbergen in den Felshöhlen und in den Felsen der Berge, und zu den Bergen und Felsen sprechen: Fallet über uns und verberget uns vor dem Angesicht Dessen, Der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorn des Lammes“. Wie groß die Macht des Herrn, die Er aus dem göttlich Guten hatte, war, als Er im Jahre 1757 das Letzte ericht hielt, kann aus dem erhellen, was in dem Werkchen über dieses Gericht beschrieben worden ist; daß Er z.B. die Hügel und Berge, welche die Höllischen in der Geisterwelt besetzt hatten, aus ihren Stätten losriß und in ferne Gegenden versetzte und einige versenkte, und daß Er ihre Städte, Landhäuser und Felder mit einer Wasserflut überschwemmte, und ihre Ländereien von Grund aus herausriß und sie zusamt den Bewohnern in Schlünde, Seen und Sümpfe schleuderte, und so weiter; und dies alles tat der Herr allein durch die Macht des göttlichen Wahren aus dem göttlichen Guten.

125. Daß Jehovah Gott solche Dinge nur durch Sein Menschliches ins Werk setzen und vollbringen konnte, kann durch mancherlei Vergleiche beleuchtet werden: so kann z.B. ein Unsichtbarer nicht mit jemanden handgemein werden und sich in Rede einlassen, solange er ihm nicht sichtbar ist; selbst nicht ein Engel und ein Geist mit dem Menschen, wenn er auch neben dessen Körper und vor seinem Angesicht stände. Noch kann jemands Seele anders mit jemand reden und verkehren, als durch ihren Leib. Es kann nicht die Sonne mit ihrem Licht und ihrer Wärme eindringen in einen Menschen, in ein Tier und in einen Baum, wenn sie nicht zuvor eindringt in die Luft und durch diese wirkt; ebensowenig in die Fische anders, als durch die Gewässer; denn sie muß durch das Element wirken, in dem der Gegenstand ist. Es kann nicht einmal jemand einen Fisch mit dem Messer abschuppen, noch einen Raben rupfen, ohne die Finger; noch in die Tiefe eines Sees hinabsteigen ohne eine Taucherglocke; mit einem Wort: jegliches muß dem nderen angepaßt sein, bevor ein Verkehren und ein Wirken gegen dasselbe oder mit demselben statthat.

126. VI. Das Leiden am Kreuz war die letzte Versuchung, welche der Herr als der größte Prophet bestand, und es war das Mittel zur Verherrlichung Seines Menschlichen, das ist, zur Vereinigung mit dem Göttlichen Seines Vaters, nicht aber die Erlösung.

Zwei Dinge sind es, wegen welcher der Herr in die Welt kam, und durch die Er die Menschen und die Engel errettete, nämlich die Erlösung und die Verherrlichung Seines Menschlichen; diese zwei sind unter sich geschieden, machen aber doch eins aus zum Behuf der Seligmachung. Was die Erlösung sei, ist in den vorhergehenden Abschnitten gezeigt worden, daß sie nämlich war ein Kampf mit den Höllen, ihre Unterjochung, und hernach ein Ordnen der Himmel. Die Verherrlichung aber ist die Vereinigung des Menschlichen des Herrn mit dem Göttlichen Seines Vaters; diese ging nach und nach vor sich, und kam vollständig zustande durch das Leiden am Kreuz; denn jeder Mensch muß von seiner Seite sich Gott nahen, und inwieweit er Ihm sich naht, insoweit geht Gott Seinerseits in ihn ein. Es verhält sich damit gerade wie mit einem Tempel, dieser muß zuerst gebaut werden, und dies geschieht mit Menschenhänden, und dann muß man ihn einweihen, und hierauf erst beten, Gott möge gegenwärtig sein und Sich mit der Kirche darin vereinigen. Die Vereinigung selbst aber wurde darum durch das Leiden am Kreuz vollständig bewirkt, weil dieses die letzte Versuchung war, der Sich der Herr in der Welt unterzog, und durch die Versuchungen eine Verbindung bewirkt wird. In diesen wird nämlich der Mensch scheinbar sich allein überlassen, obgleich er nicht verlassen ist, denn Gott ist alsdann in seinem Innersten auf das Unmittelbarste gegenwärtig, und unterstützt ihn. Wenn daher jemand in der Versuchung überwindet, so wird er mit Gott auf das Innigste verbunden, und so wurde der Herr mit Seinem Vater auf das Innigste vereinigt. Daß der Herr im Leiden am Kreuz Sich selbst überlassen war, erhellt aus Seinem Ausruf am Kreuz: „Gott, warum hast du Mich verlassen?“ und auch aus folgenden Worten des Herrn: „Niemand nimmt die Seele von Mir, sondern Ich lasse sie von Mir selbst, Ich habe Macht, sie zu lassen, und habe Macht, sie wieder zu nehmen, dies Gebot habe Ich von Meinem Vater empfangen“: Joh.10/18. Hieraus kann nun erhellen, daß der Herr nicht dem Göttlichen, sondern dem Menschlichen nach gelitten hat, und daß alsdann die innigste und somit vollständige Vereinigung erfolgt ist. Dies kann dadurch beleuchtet werden, daß, während der Mensch dem Körper nach leidet, seine Seele nicht leidet, sondern betrübt ist, Gott aber nimmt diese Betrübnis nach dem Sieg hinweg und wischt sie ab, wie jemand die Tränen von den Augen abwischt.

127. Diese beiden, die Erlösung und das Leiden am Kreuz, sind wohl zu unterscheiden, sonst gerät das menschliche Gemüt wie ein Schiff auf Sandbänke und Klippen, und geht zusamt dem Steuermann, dem Schiffsherrn und den Seeleuten zugrunde, das heißt, es irrt in allen Dingen, welche die Seligmachung durch den Herrn betreffen; denn der Mensch ist ohne klar geschiedenen Begriff von jenen beiden wie im Traum, und sieht leere Gebilde und zieht Deutungen aus diesen, die er für Wirklichkeiten hält, während sie doch Wahnbilder sind. Oder es ist wie wenn jemand in der Nacht wandelt und, wenn er das Laubwerk eines Baumes anfaßt, es für die Haare eines Menschen hält, und näher hinzutritt und seine Haare darein verwickelt. Obgleich aber die Erlösung und das Leiden am Kreuz zwei verschiedene Dinge sind, so machen sie doch zum Behuf der Seligmachung eines aus, weil der Herr durch die Vereinigung mit Seinem Vater, die durch das Leiden am Kreuz vollbracht wurde, Erlöser in Ewigkeit geworden ist.

128. Von der Verherrlichung, unter der die Vereinigung des Göttlich-Menschlichen des Herrn mit dem Göttlichen des Vaters verstanden wird, daß sie nämlich durch das Leiden am Kreuz vollständig vollbracht wurde, spricht der Herr selbst bei den Evangelisten also: „Nachdem Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Nun ist des Menschen Sohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in Ihm; ist Gott verherrlicht in Ihm, so wird Ihn Gott auch in Sich selbst verherrlichen, und wird Ihn sogleich verherrlichen“: Joh.13/31,32. Hier wird die Verherrlichung sowohl von Gott dem Vater, als dem Sohn ausgesagt; denn es heißt: „Gott ist verherrlicht in Ihm“ und „Gott wird Ihn in Sich selbst verherrlichen“, und daß dies soviel ist als vereinigt werden, ist offenbar: „Vater, die Stunde ist gekommen, verherrliche Deinen Sohn, damit Dein Sohn auch Dich verherrliche“: Joh.17/1,5; es heißt so, weil die Vereinigung eine gegenseitige war und, wie gesagt wird, der Vater in Ihm und Er im Vater. „Nun ist Meine Seele betrübt; und Er sprach: Vater, verherrliche Deinen Namen, und es kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe Ihn nicht nur verherrlicht, sondern werde Ihn auch ferner verherrlichen“: Joh.12/27,28. Dies ist gesagt worden, weil die Verherrlichung nach und nach geschah. „Mußte nicht Christus dieses leiden und in Seine Herrlichkeit eingehen?“: Luk.24/26. Die Herrlichkeit bedeutet im Wort da, wo vom Herrn die Rede ist, das göttliche Wahre vereinigt mit dem göttlichen Guten. Hieraus geht deutlich hervor, daß das Menschliche des Herrn göttlich ist.

129. Daß der Herr bis zum Leiden am Kreuz versucht werden wollte, hatte seinen Grund darin, daß Er der Prophet selbst war, und die Propheten ehemals die Lehre der Kirche aus dem Wort bezeichneten, und infolgedessen die Kirche, wie sie beschaffen war, durch mancherlei Dinge vorbildeten, und zwar auch durch üble, harte, ja selbst durch frevelhafte, die ihnen von Gott auferlegt worden waren. Der Herr aber, weil Er das Wort selbst war, bildete durch das Leiden am Kreuz, als der Prophet selbst, die jüdische Kirche vor, wie diese das Wort selbst entweihte. Zu diesem Grunde kommt auch noch der weitere hinzu, daß Er so als Heiland beider Welten in den Himmeln anerkannt werden sollte; denn alle Teile Seines Leidens bezeichnen solche Dinge, die zur Entweihung des Wortes gehören, und die Engel verstehen sie geistig, während die Menschen der Kirche sie natürlich verstehen. Daß der Herr der Prophet selbst war, erhellt aus folgenden Stellen: „Der Herr sagte: Ein Prophet ist nirgends weniger geachtet, als in seinem Vaterlande und in seinem Hause“: Matth.13/57; Mark.6/4; Luk.4/24. „Jesus sagte: Es geht nicht an, daß ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme“: Luk.13/33. „Furcht ergriff alle, sie lobten Gott und sagten, es sei ein großer Prophet unter ihnen erweckt worden“: Luk.7/16. „Sie sagten von Jesus: Jener Prophet von Nazareth“: Matth.21/11; Joh.7/40,41. „Daß aus der Mitte der Brüder ein Prophet erweckt werden würde, dessen Worten sie gehorchen sollten“: 5Mo.18/15-19.

130. Daß die Propheten den Zustand ihrer Kirche hinsichtlich der Lehre aus dem Wort und des dieser gemäßen Lebens vorbildeten, erhellt aus folgenden Stellen: dem Propheten Jesajas ward befohlen, den Sack von seinen Lenden und den Schuh von seinem Fuß zu lösen, und entblößt und barfuß zu gehen drei Jahre lang, zum Zeichen und Wunder: Jes.20/2,3. Dem Propheten Ezechiel ward befohlen, den Zustand der Kirche dadurch vorzubilden, daß er Wandergeräte machte und an einen anderen Ort zog vor den Augen der Kinder Israels, und das Gerät bei Tage heraustat, und des Abends durch eine durchbrochene Wand ging und das Angesicht verhüllte, so daß er das Land nicht sah, und so dem Hause Israels ein Wunderzeichen sein und sprechen sollte: Sieh, ich bin euer Vorzeichen; wie ich getan habe, so wird euch geschehen: Ez.12/3- 7,11. Dem Propheten Hosea ward befohlen, den Zustand der Kirche dadurch vorzubilden, daß er sich eine Buhlerin zum Weibe nehme; und diese nahm er auch und sie gebar ihm drei Söhne, von denen er den einen Jisreel, den anderen Nicht-Erbarmungswürdig und den dritten Nicht-Volk nannte. Und wieder wurde ihm befohlen, hinzugehen und ein Weib zu lieben, das von seinen Genossen geliebt und eine Ehebrecherin war, die er sich dann auch verschaffte: Hos.1/2-9; 3/2,3. Einem gewissen Propheten wurde auch befohlen, Asche über seine Augen zu streuen und sich stoßen und schlagen zu lassen: 1Kö.20/35,37. Dem Propheten Ezechiel ward befohlen, den Zustand der Kirche dadurch vorzustellen, daß er einen Ziegelstein nahm und die Stadt Jerusalem darauf eingrub, eine Belagerung anstellte und einen Wall und einen Damm gegen sie aufwarf, eine eiserne Pfanne zwischen sich und die Stadt stellte, und sich auf die linke Seite legte und [hernach] auf die rechte Seite; daß er sodann Weizen, Gerste, Linsen, Hirse und Spelt nahm und Brot daraus machte, und auch einen Gerstenkuchen mit Mist von Menschenkot; und weil er sich dies verbat, ward ihm gestattet, denselben mit Ochsenmist zu machen. Es wurde ihm gesagt: Liege auf deiner linken Seite und lege die Missetat des Hauses Israel darauf; die Zahl der Tage, die du darauf liegen wirst, sollst du ihre Missetat tragen; denn Ich will dir die Jahre ihrer Missetat zu Tagen machen, nach der Zahl zu 390 Tagen, daß du tragest die Missetat des Hauses Israel: wirst du aber diese vollendet haben, so sollst du auf deiner rechten Seite liegen, damit du tragest die Missetat des Hauses Jehudah: Ez.4/1-15. Daß der Prophet dadurch die Missetaten des Hauses Israel und des Hauses Jehudah getragen, nicht aber sie weggenommen und so versöhnt, sondern nur vorgebildet und gezeigt habe, erhellt aus folgendem daselbst: „So, spricht Jehovah, werden die Kinder Israels ihr unreines Brot essen: siehe, Ich breche den Stab des Brotes, daß sie des Brotes und Wassers mangeln, und verlassen werden der Mann und sein Bruder, und verschmachten ob ihrer Missetat“: Ez.4/13,16,17. Ähnliches wird daher in Beziehung auf den Herrn darunter verstanden, wo es heißt: „Er nahm auf Sich unsere Krankheiten, und trug unsere Schmerzen; Jehovah ließ auf Ihn fallen unser aller Missetaten; durch Sein Wissen wird Er viele gerecht machen, darum weil Er ihre Missetaten selbst getragen hat“: Jes.53/4,6,11, wo im ganzen Kapitel vom Leiden des Herrn gehandelt wird. Daß der Herr, als der Prophet selbst, den Zustand der jüdischen Kirche hinsichtlich des Wortes vorgebildet hat, ergibt sich aus den Einzelheiten seines Leidens, z.B. „daß Er von Judas verraten wurde; daß Er von den Oberpriestern und den Ältesten ergriffen und verurteilt wurde; daß man ihm Backenstreiche gab, [Ihm ins Angesicht spie, und Ihn geißelte;] daß man Ihm mit dem Rohr auf das Haupt schlug; daß man Ihm eine Dornenkrone aufsetzte; daß sie Seine Kleider [unter sich] teilten und über Sein Unterkleid das Los warfen; daß sie Ihn kreuzigten; daß man Ihm Essig zu trinken gab; daß man Ihm die Seite durchstach, daß Er begraben wurde und am dritten Tage wieder auferstand“. Daß Er von Judas verraten wurde, war ein Zeichen, daß dies vom jüdischen Volk geschah, bei dem damals das Wort war, denn Judas bildete dieses vor; daß Er von den Oberpriestern und Ältesten ergriffen und verurteilt wurde, war ein Zeichen, daß dies von jener ganzen Kirche geschah; daß man Ihm Backenstreiche gab, Ihm ins Angesicht spie, Ihn geißelte und Ihn mit einem Rohr auf das Haupt schlug, bedeutete, daß sie ähnliches am Worte verübten hinsichtlichen der göttlichen Wahrheiten desselben; daß man Ihm eine Dornenkrone aufsetzte, bezeichnete, daß sie jene verfälschten und ihnen Gewalt antaten; daß man Seine Kleider zerteilte und über Sein Unterkleid das Los warf, bedeutete, daß sie alle Wahrheiten des Wortes zerstreuten, nicht aber dessen geistigen Sinn, der das Unterkleid des Herrn bezeichnete; daß sie Ihn kreuzigten, bedeutete, daß sie das ganze Wort zerstörten und entweihten; daß man ihm Essig zu trinken reichte, bedeutete, daß bloß Verfälschtes [bei ihnen war,] weshalb Er jenen nicht trank; daß man Seine Seite durchstach, bedeutete, daß sie alles Wahre des Wortes und alles Gute desselben völlig auslöschten; daß Er begraben wurde, bedeutete die Verwerfung des Überrestes von der Mutter; daß Er am dritten Tage wieder auferstand, bedeutete die Verherrlichung oder die Vereinigung Seines Menschlichen mit dem Göttlichen des Vaters. Hieraus erhellt nun, daß unter dem Tragen der Missetaten nicht deren Wegnahme verstanden wird, sondern das Vorbilden der Entweihung der Wahrheiten des Wortes.

131. Auch dies läßt sich durch Vergleiche beleuchten, was um der Einfältigen willen geschieht, welche mittelst Vergleiche besser sehen, als durch analytisch gebildete Deduktionen aus dem Wort und aus der Vernunft. Jeder Bürger oder Untertan wird mit dem König dadurch vereinigt, daß er dessen Befehle und Verordnungen befolgt, und mehr noch, wenn er für ihn Beschwerden erträgt, und noch mehr, wenn er für ihn in den Tod geht, was in Kämpfen und Schlachten geschieht; in gleicher Weise werden der Freund mit dem Freunde, der Sohn mit dem Vater, und der Diener mit dem Herrn dadurch vereinigt, daß sie das, was deren Wille ist, tun, und mehr noch, wenn sie dieselben gegen ihre Feinde verteidigen, und noch mehr, wenn sie für die Ehre derselben streiten. Wer wird nicht mit einer Jungfrau, die er zur Braut haben möchte, vereinigt, wenn er mit denen, die ihren guten Namen antasten, kämpft, und mit dem Nebenbuhler sich bis zur Verwundung schlägt? Daß sie durch dergleichen vereinigt werden, geschieht vermöge eines eingeschriebenen Naturgesetzes. Der Herr sagt: „Ich bin der gute Hirte; der gute Hirt läßt sein Leben für die Schafe, darum liebt Mich Mein Vater“: Joh.10/11,17.  

132. VII. Der Glaube, das Leiden am Kreuz sei die Erlösung gewesen, ist ein Grundirrtum der Kirche, und dieser Irrtum zugleich mit dem Irrtum von drei göttlichen Personen von Ewigkeit hat die ganze Kirche zugrunde gerichtet, so daß kein geistiger Überrest mehr in ihr vorhanden ist.

Was füllt und stopft heutzutage die Bücher der Orthodoxen mehr, und was wird in den höheren Lehranstalten eifriger gelehrt und eingeflößt, und von den Kanzeln herab häufiger gepredigt und ausgerufen, als daß Gott der Vater, erzürnt über das menschliche Geschlecht, dieses nicht nur von Sich entfernt, sondern auch es zu allgemeiner Verdammnis verurteilt, folglich es mit dem Fluch belegt habe. Daß Er aber, weil Er gnädig ist, Seinen Sohn bewogen oder erweckt habe herabzusteigen und die beschlossene Verdammnis auf Sich zu nehmen, und so den Zorn Seines Vaters zu versöhnen, und daß Er nur so und nicht anders den Menschen mit einiger Gunst anblicken könnte. Dann auch, daß dies wirklich durch den Sohn bewirkt worden sei, daß Dieser nämlich die Verdammnis des menschlichen Geschlechts auf Sich nehmend, Sich von den Juden habe geißeln, ins Angesicht speien und hernach wie ein Fluch Gottes Sich kreuzigen lassen: 5Mo.21/23, und daß der Vater, nachdem dies geschehen, besänftigt worden sei, und aus Liebe zum Sohn die Verdammnis zurückgezogen habe, jedoch nur von denen, für die Derselbe einstehen würde, und daß Er so zum Mittler vor Seinem Vater für immer geworden sei? Dieses und ähnliches hört man heutzutage in den Kirchen, und hallt wider von den Wänden, wie das Echo aus den Wäldern, und erfüllt die Ohren aller in ihnen. Allein wer, dessen Vernunft aus dem Wort erleuchtet und gesund geworden ist, kann nicht sehen, daß Gott die Barmherzigkeit und Gnade selbst, weil die Liebe und das Gute selbst, ist, und daß diese Sein Wesen ausmachen, und daß es daher ein Widerspruch ist zu sagen, daß die Barmherzigkeit selbst oder das Gute selbst einen Menschen mit Zorn anblicken und dessen Verdammnis beschließen, und dabei doch Sein göttliches Wesen bleiben könne? So etwas läßt sich kaum von einem gut denkenden, sondern nur von einem schlecht denkenden Menschen, und nicht von einem Engel des Himmels, sondern nur von einem Geist der Hölle erwarten, weshalb es abscheulich ist, es Gott zuzuschreiben. Forscht man aber nach der Ursache, so ist es die, daß sie das Leiden am Kreuz für die Erlösung selbst nahmen; daraus flossen jene Dinge hervor, wie aus einem Falschen Falsches in stetiger Reihe, oder wie aus einem Essigkrug nichts als Essig, oder aus einem verrückten Geist nichts als Verrücktes; denn aus einem Erschlossenen folgen wieder Sätze derselben Sippschaft, sie liegen inwendig im Schluß verborgen und gehen nacheinander daraus hervor, und aus jenem vom Leiden am Kreuz, daß es die Erlösung war, können noch weitere ärgerliche und für Gott schimpfliche Folgerungen hervorgehen und gezogen werden, so das endlich geschieht, wie Jes.28/7,8 sagt: „Priester und Prophet taumeln von starkem Getränk, sie wanken im Urteil, alle Tische sind voll vom Auswurf der Entleerung“.

133. Infolge dieser Vorstellung von Gott und von der Erlösung wurde die ganze Theologie aus einer geistigen in eine natürliche auf der niedrigsten Stufe verwandelt, und dies geschah, weil man Gott bloß natürliche Eigenschaften zuschrieb, während doch vom Begriff über Gott und vom Begriff über die Erlösung, welche eins ausmacht mit der Seligmachung, alles zur Kirche Gehörige abhängt; denn dieser Begriff ist wie das Haupt, von dem alle Teile des Körpers ausgehen; ist daher jener geistig, so wird alles zur Kirche Gehörige geistig, ist er aber natürlich, so wird alles zur Kirche Gehörige natürlich. Da nun die Vorstellung von Gott und von der Erlösung bloß natürlich, das heißt sinnlich und fleischlich geworden ist, so ist auch alles bloß natürlich, was die Häupter und Glieder der Kirche in ihren Lehrbestimmungen überliefert haben und überliefern; und daraus kann nichts als Falsches ausgebrütet werden, weil der natürliche Mensch fortwährend gegen den geistigen ankämpft, und daher die geistigen Dinge für Gespenster und Luftgebilde ansieht. Man kann daher sagen, daß infolge dieser sinnlichen Vorstellung von der Erlösung, und somit von Gott, die Wege zum Himmel, welche die zum Herrn Gott Heiland sind, von Dieben und Räubern besetzt worden seien: Joh.10/1,8,9, und daß in den Kirchen die Türflügel niedergerissen, und so Drachen, Uhu, Zijim und Ijim eingedrungen sind und mißtönig zusammen schreien. Daß diese Vorstellung von der Erlösung und von Gott dem heutigen Glauben einverleibt ist, ist bekannt; und dieser geht dahin, daß man zu Gott dem Vater beten solle, Er möchte um des Kreuzes und Blutes Seines Sohnes willen die Vergehungen erlassen, und zu Gott dem Sohn, Er möchte bitten und einstehen für sie, und zu Gott dem Heiligen Geist, Er möchte rechtfertigen und heiligen. Was heißt dies aber anderes, als zu drei Göttern in ihrer Ordnung flehen, und was ist alsdann der Gedanke an die göttliche Regierung anderes als der an ein aristokratisches oder hierarchisches Regiment, oder wie der an ein Triumvirat, dergleichen einst zu Rom bestand, das aber statt ein Triumvirat vielmehr ein Triumpersonat genannt werden kann; und was ist alsdann dem Teufel leichter, als zu tun, wie man sagt: Teile und herrsche! das heißt, die Gemüter zu trennen und meuterische Bewegungen zu erregen, bald gegen den einen Gott, bald gegen den anderen, wie dies von der Zeit des Arius an bis jetzt geschehen ist, und so den Herrn Gott Heiland, Der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat, vom Thron zu stoßen und einen seiner Anhänger darauf zu setzen und diesem die Gottesverehrung zuzuerkennen, oder, weil diesem, auch dem Herrn selbst die Gottesverehrung zu entziehen.

134. Diesem sollen folgende Denkwürdigkeiten beigefügt werden. Die erste. Einst trat ich in der Geisterwelt in einen Tempel, in dem viele versammelt waren, und vor der Predigt über die Erlösung miteinander verhandelten. Der Tempel war ein Viereck und hatte keine Fenster an den Wänden, sondern eine große Öffnung oben inmitten des Daches, durch welche Licht aus dem Himmel hereinfiel und mehr

Helle gab, als wenn Fenster an den Seiten gewesen wären. Und siehe, plötzlich, während sie noch im Gespräch über die Erlösung waren, bedeckte eine vom Norden heranziehende schwarze Wolke die Öffnung, wodurch eine solche Finsternis entstand, daß keiner den anderen und kaum noch jemand seine Hand sah. Wie sie nun hierüber verblüfft dastanden, siehe, da zerteilte sich jene schwarze Wolke in der Mitte, und durch den Spalt erblickte man Engel, die sich aus dem Himmel herniederließen, und diese zerstreuten die Wolke nach beiden Seiten, worauf es im Tempel wieder hell wurde. Und nun sandten die Engel einen von ihnen in den Tempel herab, der an ihrer Statt die Versammelten fragte, worüber sie stritten, da eine so finstere Wolke über sie kam, das Licht wegnahm und Finsternis herbeiführte. Sie antworteten: Über die Erlösung, und daß diese vom Sohn Gottes bewirkt worden sei durch das Leiden am Kreuz; und daß Er durch dieses das menschliche Geschlecht entsündigt, und von der Verdammnis und dem ewigen Tode befreit habe. Hierauf erwiderte aber der herabgesandte Engel: Was heißt durch das Leiden am Kreuz? Erklärt mir, warum durch dieses; und nun kam ein Priester und sagte: Ich will der Reihe nach erklären, was wir wissen und glauben, daß nämlich Gott der Vater, erzürnt über das menschliche Geschlecht, es verdammt, und von Seiner Gnade ausgeschlossen, und alle für Verbannte und Verfluchte erklärt und der Hölle zugesprochen hatte; und daß Er wollte, das Sein Sohn diese Verdammnis auf sich nehme, worein auch der Sohn willigte, und deshalb herniederstieg und das Menschliche annahm und sich kreuzigen, und so die Verdammnis des menschlichen Geschlechts auf sich übertragen lies, denn man liest: Verflucht ist jeder, der am Holz des Kreuzes hängt; und daß so der Sohn den Vater besänftigt habe durch Vertretung und Ermittlung; und daß nun der Vater aus Liebe zum Sohn und gerührt durch das Elend, in dem Er ihn am Holz des Kreuzes sah, unverbrüchlich festgesetzt habe: ‚Ich will vergeben, jedoch nur denen, welchen Ich deine Gerechtigkeit zurechne; diese will Ich aus Kindern des Zorns und Fluchs zu Kindern er Gnade und des Segens machen, und sie rechtfertigen und beseligen; die übrigen sollen, wie früher beschlossen war, Kinder des Zornes bleiben‘. Dies ist unser Glaube, und jenes die Gerechtigkeit, die Gott der Vater in unseren Glauben legt, der allein rechtfertigt und selig macht. Der Engel schwieg, als er dies hörte, lange, denn Staunen übernahm ihn. Dann aber brach er das Schweigen und sprach: Kann die christliche Welt in so hohem Grade wahnsinnig sein und von der gesunden Vernunft in solche Verrücktheiten verfallen, und aus jenen Widersinnigkeiten das Grunddogma des Heiles folgern? Wer kann nicht sehen, daß jene Dinge in geradem Widerspruch zum eigensten göttlichen Wesen, das heißt, zu Seiner göttlichen Liebe und zu Seiner göttlichen Weisheit, und zugleich zu Seiner Allmacht und Allgegenwart stehen? So kann kein billig denkender Herr gegen seine Knechte und Mägde verfahren, ja nicht einmal ein wildes Tier gegen seine junge Brut; es ist greulich. Ist es nicht wider Sein göttliches Wesen, eine Berufung zu vernichten, die an alle und jede aus dem menschlichen Geschlecht ergangen ist? Ist es nicht gegen das göttliche Wesen, die von Ewigkeit her festgesetzte Ordnung zu ändern, welche ist, daß jeglicher nach seinem Leben gerichtet werde? Ist es nicht gegen das göttliche Wesen, Seine Liebe und Barmherzigkeit irgendeinem Menschen zu entziehen und vollends dem gesamten menschlichen Geschlecht? Ist es nicht gegen das göttliche Wesen, durch das am Sohn gesehene Elend zum Erbarmen zurückgebracht zu werden, und da das Erbarmen das Wesen Gottes selbst ist, in Sein Wesen zurückgebracht zu werden? Und verrucht ist der Gedanke, daß Er jemals aus demselben herausgegangen sei, denn es ist Er selbst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und ist es nicht auch eine Unmöglichkeit, in irgendein Ding, dergleichen euer Glaube ist, die Gerechtigkeit der Erlösung, die in sich eine Eigenschaft der göttlichen Allmacht ist, hineinzuversetzen, und sie einem Menschen zuzurechnen und zuzusprechen und diesen ohne irgendwelche andere Mittel für gerecht, rein und heilig zu erklären? Ist es nicht unmöglich, jemanden die Sünden zu vergeben und jemanden zu erneuern, wiederzugebären und selig zu machen infolge bloßer Zurechnung, und in dieser Weise die Ungerechtigkeit in Gerechtigkeit und den Fluch in Segen umzuwandeln? Kann er nicht so die Hölle in den Himmel, und den Himmel in die Hölle, oder den Drachen in Michael, und Michael in den Drachen verwandeln, und so den Kampf zwischen denselben abschneiden? Was braucht es mehr, als dem einen die Zurechnung eures Glaubens zu entziehen und sie in den anderen hineinzuversetzen? Auf diese Weise müßten wir, die wir im Himmel sind, ewig zittern. Auch ist es nicht der Gerechtigkeit und dem Recht gemäß, daß der eine den Frevel des anderen auf sich nehme, und der Frevler schuldlos, und der Frevel in dieser Weise abgewaschen werde; ist dies nicht sowohl gegen die göttliche, als die menschliche Gerechtigkeit? Die christliche Welt weiß noch nicht, daß es eine Ordnung gibt, und noch weniger, worin die Ordnung besteht, die Gott, als Er die Welt schuf, zugleich einführte, und daß Gott nicht ihr zuwider handeln kann, weil Er so wider Sich selbst handeln würde; denn Gott ist die Ordnung selbst. Der Priester faßte das vom Engel Gesagte, weil die Engel, welche oben waren, Licht vom Himmel her eingossen; und nun seufzte er und sprach: Was ist zu machen? Alle predigen, beten und glauben heutzutage so; in aller Mund ist: ‚Guter Vater, erbarme Dich unser und vergib uns unsere Sünden um des Blutes Deines Sohnes willen, das Er am Kreuz für uns vergossen‘; und zu Christus: ‚Herr, trete für uns ein!‘ und wir Priester fügten noch bei: ‚Sende uns den Heiligen Geist‘.Nun aber sagte der Engel: Ich habe bemerkt, daß die Priester aus dem Wort, welches sie nicht in seinem Inneren verstanden, Augensalben bereiten, die sie über die durch ihren Glauben erblindeten Augen streichen, oder aus diesem sich eine Art von Pflaster machen, das sie auf die durch ihre Dogmen geschlagenen Wunden legen, dennoch aber diese nicht heilen, weil sie veraltet sind. Gehe daher zu jenem hin, der dort steht, - und er zeigte mit dem Finger auf mich - er wird dich lehren in betreff des Herrn, daß das Leiden am Kreuz nicht die Erlösung war, sondern die Vereinigung des Menschlichen des Herrn mit dem Göttlichen des Vaters; daß hingegen die Erlösung eine Unterjochung der Höllen und ein Ordnen der Himmel war, und daß es ohne deren Vollbringung von seiten des Herrn, als Er in der Welt war, kein Heil gäbe für irgend jemand auf Erden, noch für irgend jemand in den Himmeln; und er wird dich noch weiter die von der Schöpfung her eingeführte Ordnung lehren, nach der man leben muß, um selig zu werden, und daß die, welche nach derselben leben, den Erlösten beigezählt und Erwählte genannt werden. Nachdem er dies gesagt hatte, entstanden im Tempel Fenster an den Seiten, durch welche Licht von den vier Weltgegenden einfloß, und es erschienen Cherube, die im Glanz des Lichtes flogen, und der Engel ward zu den Seinen über die Öffnung emporgehoben; und wir gingen fröhlich zurück.

 135. Zweite Denkwürdigkeit. Eines Morgens erschien mir, als ich vom Schlaf erwacht war, die Sonne der geistigen Welt in ihrem Strahlenglanz, und unter ihr sah ich die Himmel in einem Abstand, wie die Erde von ihrer Sonne. Und nun ließen sich aus den Himmeln unaussprechliche Worte hören, die zusammengefaßt sich gliederten in das Aussprechbare: Es ist ein Gott, welcher Mensch ist, und Seine Wohnung ist in jener Sonne. Dies Artikulierte fiel herab durch die mittleren Himmel in den untersten, und aus diesem in die Geisterwelt, in der ich war; und ich nahm wahr, daß der Begriff eines Gottes, den die Engel hatten, je nach den Stufen des Niederfallens in die Vorstellung dreier Götter verkehrt wurde; und als ich dies bemerkte, ließ ich mich in ein Gespräch ein mit denen, welche sich drei Götter dachten, und sagte: O welche Vernunftwidrigkeit! woher kommt euch diese? Und sie antworteten: Wir denken drei infolge unseres Denkbildes vom dreieinigen Gott, allein dieses kommt nicht in unseren Mund herab: wenn wir reden, so sagen wir immer aus vollem Mund, daß Gott einer sei. Ist ein anderes in unseren Gemütern, so mag es sein, wenn es nur nicht herabdringt und die Einheit Gottes im Munde zerreißt. Von Zeit zu Zeit freilich dringt es herab, weil es darin ist, und sprächen wir es alsdann aus, würden wir sagen ‚drei Götter‘; allein davor hüten wir uns, damit wir nicht dem Gelächter der Zuhörer ausgesetzt werden. Und nun sprachen sie offen aus ihrem Denken heraus und sagten: Gibt es denn nicht drei Götter, da es drei Personen gibt, deren jede Gott ist? Auch können wir nicht anders denken, da der Vorstand unserer Kirche aus dem Schrein seiner heiligen Dogmen dem einen die Schöpfung, dem anderen die Erlösung und dem dritten die Heiligung zuschreibt, und umso weniger, da er einem jeden von ihnen auch Eigenschaften zuerkennt, die er für unmitteilbar erklärt, nämlich nicht bloß die Schöpfung, Erlösung und Heiligung, sondern auch die Zurechnung, die Vermittlung und die Einwirkung. Ist denn so nicht einer, der uns erschaffen hat, und der auch zurechnet, ein anderer, Der uns erlöst hat und der auch vermittelt, und ein dritter, der die vermittelte Zurechnung ins Werk setzt und der auch heiligt? Wer weiß nicht, daß der Sohn Gottes von Gott dem Vater in die Welt gesandt wurde, das menschliche Geschlecht zu erlösen, und so Entsündiger, Mittler, Versöhner und Vertreter zu werden, und da dieser einer und derselbe ist mit dem Sohn Gottes von Ewigkeit, sind sie dann nicht zwei voneinander verschiedene Personen? Da ferner diese zwei im Himmel sind, die eine zur Rechten der anderen sitzend, muß dann nicht eine dritte Person da sein, welche die im Himmel gefaßten Beschlüsse in der Welt in Ausführung bringt? Wie ich dies hörte, schwieg ich, dachte aber bei mir selbst: O welche Albernheit! Sie wissen gar nicht, was im Wort unter der Vermittlung verstanden wird. Und nun stiegen auf Befehl des Herrn drei Engel aus dem Himmel herab und gesellten sich mir zu dem Ende bei, damit ich aus tieferem Innewerden mit denen, die in der Vorstellung dreier Götter waren, reden möchte, und insbesondere über die Vermittlung, Vertretung, Versöhnung und Entsündigung, welche von ihnen der zweiten Person, oder dem Sohn, zugeschrieben werden, jedoch nicht früher, als nachdem Er Mensch geworden, und Mensch ward Er erst viele Jahrhunderte nach der Schöpfung, als jene vier Heilsmittel noch nicht bestanden, und so der Vater noch nicht versöhnt, das menschliche Geschlecht noch nicht entsündigt, und noch niemand aus dem Himmel gesandt war, der dazwischen trat und vermittelte. Und nun sprach ich mit ihnen infolge der mir gewordenen Eingebung, und sagte: Tretet herzu, so viele euer können, und höret, was im Wort unter Vermittlung, Vertretung, Entsündigung und Versöhnung verstanden wird. Diese vier sind Prädikate der Gnade des einen Gottes in Seinem Menschlichen. Gott dem Vater kann man sich durchaus nicht nahen, noch kann Er Sich irgendeinem Menschen nahen, weil Er unendlich und in Seinem Sein ist, welches Jehovah ist, und wenn Er von diesem aus dem Menschen Sich nahen würde, so würde Er ihn auflösen, wie Feuer das Holz auflöst und es in Asche verwandelt. Dies erhellt daraus, daß Er zu Moses, der Ihn sehen wollte, sagte, niemand könne Ihn sehen, und leben: 2Mo.33/20; und daß der Herr sagt, niemand habe Gott je gesehen, als der Sohn, Der im Schoße des Vaters ist: Joh.1/18; Matth.11/27; ferner, niemand habe die Stimme des Vaters gehört, noch Seine Gestalt gesehen: Joh.5/37. Man liest zwar, Moses habe Jehovah von Angesicht zu Angesicht gesehen, und mit Ihm gesprochen von Mund zu Mund, allein dies geschah durch einen Engel, und in gleicher Weise bei Abraham und Gideon.

Da nun Gott der Vater in Sich so beschaffen ist, so gefiel es Ihm, das Menschliche anzunehmen, und in diesem die Menschen vorzulassen und so sie zu hören und mit ihnen zu reden; und dieses Menschliche ist es, was der Sohn Gottes heißt, und dieses ist es, was vermittelt, vertritt, versöhnt und entsündigt. So will ich denn sagen, was jene vier Prädikate vom Menschlichen Gottes bezeichnen: die Vermittlung bedeutet, daß dasselbe das Zwischeninneliegende sei, durch das der Mensch Gott dem Vater, und Gott der Vater Sich dem Menschen nahen und so ihn lehren und führen kann, damit er selig werde; weshalb der Sohn Gottes, unter dem das Menschliche Gottes, des Vaters, verstanden wird, der Heiland, und in der Welt Jesus heißt, das ist, das Heil. Die Vertretung bedeutet die fortwährende Vermittlung, denn die Liebe selbst, der die Barmherzigkeit, Milde und Gnade angehört, vertritt fortwährend, das heißt, sie mittelt, für die, welche Seine Gebote halten, und die Er liebt. Die Entsündigung bedeutet die Entfernung der Sünden, in die der Mensch sich stürzen würde, wenn er dem bloßen Jehovah sich nahete. Die Versöhnung bedeutet die Wirksamkeit der Milde und Gnade, damit der Mensch nicht durch die Sünden in die Verdammnis gerate, desgleichen die Obhut, damit er die Heiligkeit nicht entweihe; dies bedeutete der Gnadenstuhl über der Lade in der Stiftshütte. Es ist bekannt, daß Gott im Wort durch Scheinbarkeiten gesprochen hat, z.B. daß Er zürne, Sich räche, versuche, strafe, in die Hölle werfe, verdamme, ja daß Er Böses tue, während Er doch auf niemanden zürnt, Sich nicht rächt, nicht versucht, straft, in die Hölle wirft, verdammt; was ebenso weit von Gott entfernt ist, als der Himmel von der Hölle, ja noch unendlich weiter, daher es ein Sprechen nach dem Schein ist. Ein solches Sprechen nach dem Schein ist in anderem Sinn auch die Entsündigung, Versöhnung, Vertretung und Vermittlung, unter denen verstanden werden Prädikate des Zugangs zu Gott und der Gnade von Gott durch Sein Menschliches. Und weil diese nicht verstanden wurden, so hat man Gott in drei zerteilt, und auf diese drei die ganze Kirchenlehre gegründet, und so das Wort verfälscht. Daher kommt der Greuel der Verwüstung, der vom Herrn bei Daniel und weiter bei Matth. Kap.24 vorhergesagt worden. Nachdem ich dies gesagt, trat die Geisterschar, die um mich her war, zurück, und ich bemerkte, daß die, welche sich wirklich drei Götter dachten, zur Hölle blickten, und die, welche sich einen Gott dachten, in Dem eine göttliche Dreieinheit ist, und daß diese im Herrn Gott Heiland sei, zum Himmel blickten, und diesen erschien die Sonne des Himmels, in der Jehovah Gott in Seinem Menschlichen ist.

136. Dritte Denkwürdigkeit. Ich sah von ferne fünf Hochschulen; Licht vom Himmel umfloß eine jede; die erste Hochschule umfloß ein Purpurlicht, wie es in den Wolken vor dem Aufgang der Sonne zur Morgenzeit auf Erden ist; die zweite Hochschule umfloß ein gelbliches Licht, wie das der Morgenröte nach Sonnenaufgang; die dritte Hochschule umfloß ein glänzend weißes Licht, wie es in der Welt zur Mittagszeit ist; die vierte Hochschule umfloß ein Zwielicht, wie es ist, wenn es sich mit dem Schatten des Abends zu mischen beginnt; und die fünfte Hochschule stand im vollen Schatten des Abends. Die Hochschulen in der Geisterwelt sind Beratungsorte, in denen die Gebildeten zusammenkommen und

mancherlei Geheimnisse erörtern, die zu ihrer Wissenschaft, Einsicht und Weisheit dienen. Nachdem ich sie gesehen, überkam mich ein Verlangen, zu einer von denselben hinzugehen; und ich ging im Geiste zu derjenigen hin, die von Zwielicht umflossen war und trat hinein, und sah da eine Versammlung von Gebildeten, welche die Frage besprachen: ‚Was schließen die Worte in sich, die vom Herrn geschrieben stehen, daß Er, in den Himmel erhoben, zur Rechten Gottes sitze: Mark.16/19?‘ Die meisten von den Versammelten sagten, man müsse dies ganz nach den Worten verstehen, daß nämlich der Sohn so neben dem Vater sitze; allein man fragte: Warum so? Einige sagten, der Sohn sei vom Vater zur Rechten erhoben worden wegen der Erlösung, die Er vollbracht; einige, Er sitze so aus Liebe; einige, dazu, daß Er Sein Ratgeber sei, und als solcher Ehre vor den Engeln habe; und einige: darum, weil Ihm vom Vater verliehen ist, an Seiner Statt zu regieren; denn man liest, daß Ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben worden sei; ein großer Teil aber: damit Er von der Rechten her höre, welche Er vertrete; denn alle in der Kirche wenden sich heutzutage an Gott den Vater, und beten, Er möchte Sich erbarmen um des Sohnes willen, und dies macht, daß der Vater sich zu Ihm wendet, damit Er die Vermittlung entgegennehme; einige dagegen sagten, daß der Sohn Gottes von Ewigkeit bloß zur Rechten des Vaters sitze, damit Er Seine Gottheit mit dem in der Welt geborenen Menschensohn teile. Als ich das hörte, wunderte ich mich sehr, daß die Gebildeten, obwohl sie schon einige Zeit in der geistigen Welt verweilt hatten, doch so unwissend in den himmlischen Dingen waren; allein die Ursache war, wie ich erfuhr, daß sie im Vertrauen auf eigene Einsicht sich nicht von den Weisen unterrichten ließen. Damit sie jedoch nicht länger in der Unwissenheit hinsichtlich des Sitzens des Sohnes zur Rechten des Vaters bleiben möchten, erhob ich die Hand und bat, mir Gehör zu schenken für weniges, das ich darüber zu sagen wünsche; und da sie einwilligten, sagte ich: Wißt ihr nicht aus dem Wort, daß der Vater und der Sohn eins sind, und daß der Vater im Sohn und der Sohn im Vater ist? Der Herr sagt dies offen, Joh.10/30 und 14/10,11; wenn ihr dies nicht glaubt, so teilt ihr Gott in zwei, und müßt dann notwendig natürlich, sinnlich, ja materiell von Gott denken, was denn in der Welt auch geschehen ist seit der Zeit der Nicänischen Kirchenversammlung, welche drei göttliche Personen von Ewigkeit einführte, und dadurch die Kirche in ein Theater verwandelte, in dem sie gemalte Vorhänge aufhing, zwischen denen Verlarvte neue Szenen aufführten. Wer weiß und erkennt nicht, daß Gott einer ist? Wenn ihr dies mit Herz und Geist anerkennet, so verschwindet von selbst alles, was ihr gesprochen und verfliegt in die Luft wie läppische Dinge vor dem Ohr des Weisen. Auf diese Worte erglühten viele von Zorn und brannten, meine Ohren zu kränken und mir Stillschweigen zu gebieten. Der Vorsteher der Versammlung aber sagte unwillig: Hier ist nicht die Rede von Gottes Einheit und Mehrheit, da wir an beide glauben, sondern davon, was die Worte in sich schließen, daß der Sohn zur Rechten Seines Vaters sitze; wenn du darüber etwas weißt, so sag es! Und ich antwortete: Ich will es sagen, bitte aber, dem Lärmen zu steuern; und ich sprach: Unter dem Sitzen zur Rechten wird nicht verstanden zur Rechten sitzen, sondern es wird verstanden die Allmacht Gottes durch das Menschliche, das Er in der Welt annahm; durch dieses ist Er im Letzten wie im Ersten, durch dieses begab Er Sich in die Höllen, zerstörte und unterjochte sie, und durch dieses ordnete Er die Himmel, und erlöste so durch dieses sowohl die Menschen, als die Engel, und erlöst sie in Ewigkeit. Wenn ihr das Wort fragt, und von der Art seid, daß ihr erleuchtet werden könnt, so werdet ihr wahrnehmen, daß in ihm unter der Rechten die Allmacht verstanden wird, wie bei Jes.48/13: „Meine Rechte hat die Erde gegründet, und Meine Rechte die Himmel ausgespannt“. „Gott schwor bei Seiner Rechten und bei dem Arm Seiner Stärke“: Jes.62/8. „Deine Rechte stützt mich“: Ps.18/36. „Blick auf den Sohn, Du hattest [Ihn] gestärkt Dir, Deine Hand [sei] für den Mann der Rechten, für den Menschensohn, den Du Dir stärktest“: Ps.80/16,17. Hieraus erhellt, wie folgendes verstanden wird: „Jehovahs Spruch zu Meinem Herrn: Setze dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde gelegt zum Schemel Deiner Füße; das Zepter Deiner Stärke wird Jehovah senden aus Zion; herrsche inmitten Deiner Feinde“: Ps.110/1,2. Es wird in diesem ganzen Psalm vom Kampf des Herrn mit den Höllen und von deren Unterjochung gehandelt. Weil die Rechte Gottes die Allmacht bedeutet, darum sagt der Herr, daß „Er sitzen werde zur Rechten der Macht“: Matth.26/63,64; und „zur Rechten der Kraft Gottes“: Luk.22/69.

Allein hierüber machte die Versammlung ein Geräusch; ich sagte aber: Nehmt euch in acht, es möchte vom Himmel her eine Hand erscheinen, die, wenn sie erscheint, wie sie mir erschien, einen unglaublichen Schrecken vor der Macht einjagt, was mir eine Bestätigung war, daß die Rechte Gottes die Allmacht bedeutet. Kaum war dies gesagt, so erschien eine ausgereckte Hand unter dem Himmel, bei deren Anblick ein solcher Schrecken in sie fuhr, daß sie haufenweise den Toren, und einige den Fenstern zurannten, um sich hinauszustürzen, und einige atemlos niederfielen. Ich aber blieb unerschrocken und begab mich nach ihnen langsam weg; und in einiger Entfernung wandte ich mich um, und sah jene Hochschule rings mit einer dunkeln Wolke bedeckt; und es ward mir aus dem Himmel gesagt, es sei dies darum geschehen, weil sie aus dem Glauben an drei Götter gesprochen hatten, und das frühere Licht um dasselbe werde wiederkehren, sobald sich Vernünftigere daselbst versammeln werden.

137. Vierte Denkwürdigkeit. Ich hörte, daß ein Synedrium zusammenberufen sei, bestehend aus solchen, die durch ihre Schriften und ihre Gelehrsamkeit hinsichtlich des heutigen Glaubens und der Rechtfertigung der Erwählten durch denselben berühmt geworden waren. Dies war in der Geisterwelt, und es ward mir gegeben, im Geiste dabei gegenwärtig zu sein, und ich sah Zusammenberufene aus der Geistlichkeit, die miteinander übereinstimmten, und solche, die voneinander abwichen. Auf der rechten Seite standen die, welche in der Welt apostolische Väter genannt worden waren, und in den Jahrhunderten vor der Nicänischen Kirchenversammlung gelebt; und auf der linken Seite standen Männer, die nach jenen Jahrhunderten einen Ruf erlangt hatten durch Pergamenthefte, die [später] dem Druck übergeben, oder von Schülern abgeschrieben worden waren; viele von diesen hatten kahles Kinn, und waren mit einer Lockenhülle bedeckt, die aus Weiberhaaren zusammengekräuselt war, und einige von diesen hatten Glockenkrausen, einige Flügelkrausen; jene dagegen hatten bärtiges Kinn und ihre natürlichen Haare. Vor jenen und diesen stand ein Mann, der die Schriften dieses Jahrhunderts kritisierte und rezensierte, mit einem Stab in der Hand, mit dem er auf den Boden schlug und Stillschweigen gebot. Dieser bestieg die höhere Stufe des Katheders, stieß einen Seufzer aus, und wollte aus diesem einen lauten Ausruf tun, allein der Seufzerhauch zog den Ausruf wieder in die Kehle zurück; endlich aber ergriff er das Wort und sagte: Brüder, ach, welch ein Jahrhundert! Da ist einer aus der Laienschar, ohne Mantel, ohne Tiara, ohne Lorbeer aufgestanden, und hat unseren Glauben aus dem Himmel herabgezogen und in den Styx geworfen! O des Frevels! Ist doch dieser allein unser Stern, der wie der Orion in den Nächten und wie der Morgenstern in den Morgenstunden leuchtet. Jener Mann, obgleich hoch in Jahren, ist doch völlig blind in den Geheimnissen unseres Glaubens, weil er ihn nicht geöffnet, und in ihm nicht gesehen hat die Gerechtigkeit des Herrn und Heilandes, und Dessen Vermittlung und Versöhnung; und da er diese nicht sah, so sah er auch nicht die Wunder seiner Rechtfertigung, nämlich die Sündenvergebung, Wiedergeburt, Heiligung und Seligmachung. Dieser Mann hat statt unseres höchst beseligenden, weil an die drei göttlichen Personen, somit an den ganzen Gott gerichteten Glaubens, [den Glauben] übergetragen auf die zweite Person, und nicht einmal auf diese, sondern auf ihr Menschliches, und dieses nennen wir zwar göttlich wegen der Menschwerdung des Sohnes von Ewigkeit; allein wer denkt dabei an etwas anderes, als an ein bloß Menschliches, und was anderes ist die Folge davon, als ein Glaube, aus dem wie aus einem Brunnquell der Naturalismus hervorbricht? Und ein solcher Glaube ist, weil er nicht geistig ist, wenig verschieden vom Glauben an den Statthalter, oder an einen Heiligen; ihr wißt, was zu seiner Zeit Calvin von der Gottesverehrung aus einem solchen Glauben gesagt hatte. Und nun bitte ich, es möge einer von euch sagen, woher der Glaube ist; ob nicht unmittelbar von Gott, dem so alles zum Heil Gehörige innewohnt. Hierüber klatschten seine Genossen von der linken Seite, die mit bartlosem Kinn, mit gekräuselten Perücken und kranzförmigen Halskrausen, lauten Beifall zu und schrien: Höchst weise hast du gesprochen. Wir wissen, daß wir nichts nehmen können, das nicht aus dem Himmel gegeben wird. Möge jener Prophet uns sagen, woher der Glaube, und was Glaube ist, wenn nicht jenes. Es ist [fuhr jener fort,] unmöglich, daß er ein anderer sei und anderswoher stamme; einen anderen Glauben, der Glaube wäre, herausbringen, als diesen, ist ebenso unmöglich, als zu irgendeiner Sterngruppe am Himmel hinanreiten, und einen Stern von da wegnehmen, und ihn in die Rocktasche stecken, und wegtragen; dies sagte er, damit seine Mitgenossen jeden neuen Glauben verlachen möchten. Nachdem sie dies gehört, entrüsteten sich die Männer von der rechten Seite, die mit dem bärtigen Kinn und ihren natürlichen Haaren, und es erhob sich einer von ihnen, ein Greis, der aber später als junger Mann erschien; denn er war ein Engel aus dem Himmel, wo sich jedes Alter verjüngt; dieser ergriff das Wort und sagte: Ich habe angehört, wie euer Glaube beschaffen ist, den der Mann auf dem Katheder so hoch erhoben hat; allein was ist dieser Glaube anderes als das Grab unseres Herrn nach der Auferstehung, das von den Soldaten des Pilatus wieder verschlossen wurde? Ich habe ihn geöffnet, und nichts darin gesehen, als die Zauberstäbe, durch welche die Magier in Ägypten Wunder taten; noch mehr: euer Glaube ist in euren Augen von außen wie ein Schrein von massivem Gold und mit kostbaren Steinen besät, der aber, wenn man ihn öffnet, leer ist, außer daß sich etwa in seinen Winkeln Staub von den Reliquien der Päpstlichen findet; denn diese haben ebendenselben, nur daß er heutzutage von ihnen mit äußeren Heiligkeiten überdeckt ist. Er ist auch, um mich einiger Gleichnisse zu bedienen, wie eine in der Erde vergrabene Vestalin der Alten, die das heilige Feuer ausgelöscht hatte; und ich kann versichern, daß er in meinen Augen wie das goldene Kalb ist, um das die Kinder Israels tanzten, nachdem Moses weggegangen und auf den Berg Sinai zu Jehovah aufgestiegen war. Wundert euch nicht, daß ich von eurem Glauben in solchen Vergleichen rede; denn so reden wir von ihm im Himmel. Unser Glaube aber ist, war und wird sein in Ewigkeit an den Herrn Gott Heiland, Dessen Menschliches göttlich, und Dessen Göttliches menschlich ist. In dieser Weise ist er zur Aufnahme geschickt, und von ihm aus wird das geistige Göttliche mit dem Natürlichen des Menschen vereinigt, und es entsteht ein geistiger Glaube im Natürlichen; infolgedessen das Natürliche wie durchsichtig wird vom geistigen Licht, in dem unser Glaube ist. Der Wahrheiten, aus denen er besteht, sind ebenso viele, als Verschen im Heiligen Buch, und diese Wahrheiten sind alle wie Sterne, die mit ihren Lichtstrahlen ihn verdeutlichen und gestalten. Der Mensch nimmt ihn aus dem Wort mittelst seines natürlichen Lichtes, in dem das Wissen, Denken und Überreden ist; allein der Herr macht bei denen, die an Ihn glauben, daß es zur Überzeugung, zum Vertrauen und zur Zuversicht wird; so wird er geistig natürlich und durch die Liebtätigkeit lebendig. Dieser Glaube ist bei uns wie eine Königin, geschmückt mit ebenso vielen Edelsteinen, wie die Mauer des heiligen Jerusalems, in der Offb.21/17-20. Damit ihr aber nicht glaubt, daß das, was ich gesagt, bloß Worte der Übertreibung seien, und es nicht deshalb gering geachtet werde, will ich einiges aus dem Heiligen Wort vorlesen, woraus erhellen wird, daß unser Glaube nicht, wie ihr meint, einen Menschen, sondern den wahren Gott zum Gegenstand hat, in Dem alles Göttliche ist; Johannes sagt: „Jesus Christus ist der wahre Gott und das ewige Leben“: 1Joh.5/20. Paulus: „In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leiblich“: Kol.2/9; und in der Apg.20/21: „daß er den Juden und Griechen die Umkehr zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus gepredigt habe“; und der Herr selbst, „daß Ihm alle Gewalt gegeben sei im Himmel und auf Erden“: Matth.28/18, doch dies ist noch weniges. Hierauf blickte der Engel mich an und sagte: Du weißt, was die sogenannten Evangelischen vom Herrn, dem Heiland, glauben oder glauben wollen; lies einiges vor, damit wir wissen, ob sie albern genug sind zu glauben, daß Sein Menschliches ein bloß Menschliches sei, oder ob sie Ihm etwas Göttliches zuschreiben, oder wie. Und nun las ich den Versammelten aus Auszügen aus dem Buch ihrer Rechtgläubigkeit, - die Konkordienformel genannt -, nach der zu Leipzig im Jahre 1756 erschienenen Ausgabe, folgende Stellen vor:

‚Daß in Christus die göttliche und die menschliche Natur so vereinigt seien, daß sie eine Person ausmachen‘: Seite 606,762. Daß Christus wahrer Gott und Mensch in ungeteilter Person sei, und in Ewigkeit bleibe“: S. 609,673,762. Daß in Christus Gott Mensch sei, und der Mensch Gott,‘: S. 607,765. Daß die menschliche Natur Christi zu aller göttlichen Majestät erhoben worden sei, und zwar dies auch nach vielen Vätern: S. 844-852, 860-865, 869-878. Daß Christus Seiner menschlichen Natur nach Allgegenwärtig sei und alles erfülle‘: S. 768,783-785. Daß Christus nach der menschlichen Natur alle Gewalt im Himmel und auf Erden habe‘: S. 775,776,780. Daß Christus Seiner menschlichen Natur nach zur Rechten des Vaters sitze‘: S. 608,764. Daß Christus nach Seiner menschlichen Natur angerufen werden solle‘, bewiesen aus Aussprüchen der Schrift daselbst: S. 226. Daß die Augsburgische Konfession diese Gottesverehrung ganz besonders gut heiße‘: S. 19. 107 Nachdem dies vorgelesen war, wandte ich mich an den Kathedermann und sagte: Ich weiß, daß alle hier Anwesenden mit ihresgleichen in der natürlichen Welt zusammengesellt sind; sage an, wenn ich bitten darf, ob du weißt, mit wem du zusammen bist? Er antwortete in gemessenem Ton: Ich weiß es, ich bin einem hochberühmten Manne beigesellt, dem Anführer der Scharen vom Heer der ausgezeichneten Männer der Kirche; und da er in so gemessenem Ton geantwortet hatte, sagte ich: Verzeih mir die Frage: Weißt du, wo jener Hochberühmte wohnt? Er sagte: Ich weiß es; er wohnt nicht weit vom Grabhügel Luthers; darauf sagte ich lächelnd: Warum sagst du Grabhügel, weißt du nicht, daß Luther auferstanden ist, und daß er heute sich losgesagt hat von seiner irrigen Rechtfertigung durch den Glauben an drei göttliche Personen von Ewigkeit, und darum unter die Seligen des neuen Himmels versetzt worden ist, und daß er seine Nachbeter im Unsinn sieht und über sie lacht? Er erwiderte: Ich weiß es, aber was geht das mich an? Und nun sprach ich in gleichem Tone zu ihm, wie er zu mir, und sagte: Hinterbringe deinem Hochberühmten, dem du beigesellt bist, daß ich fürchte, er habe in jenem Augenblick, der Orthodoxie seiner Kirche zuwider, dem Herrn Sein Göttliches entzogen, oder seine Feder eine Furche ziehen lassen, in die er unversehens den Naturalismus säte, als er gegen die Verehrung unseres Herrn und Heilandes schrieb. Darauf erwiderte jener: Dies vermag ich nicht, da ich und er zwar hinsichtlich dieser Sache beinahe ein Gemüt ausmachen, er aber das, was ich sage, nicht einsieht, obschon ich alles, was er sagt, deutlich verstehe; (denn die geistige Welt dringt in die natürliche ein und nimmt die Gedanken der Menschen in ihr wahr, nicht aber umgekehrt; dies ist der Zustand der Zusammengesellung der Geister und Menschen.) Da ich nun einmal mit dem Kathedermann zu reden angefangen hatte - so sagte ich: Ich will, wenn es erlaubt ist, noch einige Fragen einschieben: Weißt du, daß die Orthodoxie der Evangelischen im Handbuch ihrer Kirche, - genannt die Konkordienformel -, lehrt, daß in Christus Gott Mensch und der Mensch Gott ist, und daß Sein Göttliches und Menschliches in ungeteilter Person ist und bleibt in Ewigkeit? Wie konnte da jener, und wie kannst du die Verehrung des Herrn mit dem Naturalismus beflecken? Worauf er antwortete:

Ich weiß es, und weiß es gleichwohl nicht; daher fuhr ich fort und sagte: Ich frage jenen, obwohl er abwesend ist, oder dich an seiner Stelle: Woher war die Seele unseres Herrn und Heilandes? Antwortet ihr: von der Mutter, so redet ihr Unsinn; wenn aber: von Joseph, so entweiht ihr das Wort; wenn hingegen vom Heiligen Geist, so sprecht ihr wahr, wofern ihr nur unter dem Heiligen Geist das ausgehende und einwirkende Göttliche versteht, und somit daß Er der Sohn Jehovah Gottes ist. Wieder frage ich: Was ist die hypostatische Vereinigung? Antwortet ihr, sie sei wie zwischen zweien, von denen der eine oben und der andere unten ist, so redet ihr Unsinn, denn so hättet ihr aus Gott dem Heiland zwei machen können, wie aus Gott drei; saget ihr aber, sie sei eine persönliche Vereinigung wie die der Seele und des Leibes, so sagt ihr recht, und dies ist auch eurer Lehre gemäß, so wie auch derjenigen der Väter, befrage nur die Konkordienformel, Seite 765-768, und befrage das Athanasische Glaubensbekenntnis, in dem folgendes steht:

Der rechte Glaube ist, daß wir glauben und bekennen, daß unser Herr Jesus Christus Gott und Mensch ist; daß aber, obwohl Er Gott und Mensch ist, doch nicht zwei sind, sondern ein Christus, einer ganz und gar, nicht durch Vermischung der Substanz, sondern durch die Einheit der Person: denn wie die vernünftige Seele und das Fleisch ein Mensch ist, so ist Gott und Mensch ein Christus‘.

Noch frage ich: Worin sonst bestand das verdammlich Ketzerische des Arius, wegen dessen vom Kaiser Konstantin dem Großen die Nicänische Kirchenversammlung zusammenberufen wurde, als daß er die Göttlichkeit des Menschlichen des Herrn leugnete? Saget ferner: Wen verstehet ihr unter folgendem bei Jeremias: „Sieh, die Tage werden kommen, da Ich David einen gerechten Sproß erwecken werde, Der als König herrschen wird, und dies Sein Name: Jehovah unsere Gerechtigkeit“: Jerem.23/5,6; 33/15,16? Sagt ihr: den Sohn von Ewigkeit, so redet ihr Unsinn; denn dieser war nicht Erlöser; sagt ihr aber: den in der Zeit geborenen Sohn, welcher der eingeborene Sohn Gottes war: Joh.1/18; 3/16, so redet ihr recht. Dieser ist durch die Erlösung die Gerechtigkeit geworden, aus der ihr euren Glauben macht. Leset auch Jes.9/5, außer anderen Stellen, in denen vorausgesagt wird, daß Jehovah selbst in die Welt kommen werde.

Hierauf schwieg der Kathedermann und wandte sich weg. Nachdem dies verhandelt war, wollte der Vorsitzende das Synedrium mit einer Rede schließen; da brach aber aus dem Haufen zur Linken plötzlich ein Mann hervor, der eine Tiara auf dem Haupt und einen Hut über dieser hatte, und mit dem Finger den Hut berührte, und dann das Wort nahm und sprach: Ich bin auch einem Mann in deiner Welt beigesellt, der dort in hohen Würden steht, ich weiß dies, weil ich aus ihm, wie aus mir rede. Ich fragte: Wo wohnt dein Hochgestellter? seine Antwort war: Zu Gothenburg, und aus ihm heraus dachte ich einst, deine neue Lehre rieche nach Mohammedanismus. Bei diesem Wort sah ich alle zur Rechten, wo die apostolischen Väter standen, wie vom Blitz getroffen die Züge wechseln, und hörte aus ihren Gemütern hervor durch ihren Mund die Worte ausrufen: O der Schandtat, o welch ein Jahrhundert! Um jedoch ihre gerechte Aufwallung zu stillen, hob ich die Hand empor und bat um Gehör; nach dessen Erlangung sprach ich: Ich weiß, daß der Mann jener hohen Stellung so etwas in einen Brief hineingeworfen hat, der nachher gedruckt wurde; allein wenn er damals gewußt hätte, welch eine Gotteslästerung dies ist, so würde er ihn wohl mit den Fingern zerrissen und dem Vulkan zum Verbrennen übergeben haben; von dieser Art ist jene Schmähung, die verstanden wird unter den Worten des Herrn an die Juden, welche gesagt hatten, Christus habe aus einer anderen als der göttlichen Macht die Wunder getan: Matth.12/22-32; wo der Herr noch außerdem sagt: Wer nicht mit Mir ist, der ist wider Mich; und wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut: Vers 30. Bei diesen Worten schlug der Beigesellte die Augen nieder, erhob sie aber bald wieder und sagte: Härteres, als eben von dir, habe ich noch nie gehört, Ich erwiderte aber: Daran sind die zwei Ausdrücke schuld: Naturalismus und Mohammedanismus, welche schändliche, arglistig erfundene Lügen und zwei tödliche Brandmale sind, die Willen abzuwenden und abzuschrecken von frommer Verehrung des Herrn. Dann wendete ich mich an den letzteren Beigesellten und sprach: Sage, wenn du kannst, jenem zu Gothenburg, er möge lesen, was vom Herrn in der Offb.3/18, und auch das, was Offb.2/16 daselbst gesagt worden. Bei diesen Worten entstand ein Lärmen; derselbe ward jedoch gestillt durch ein vom Himmel herabgelassenes Licht, infolgedessen mehrere von denen, die zur Linken waren, zu jenen zur Rechten übergingen, während solche zurückblieben, die nur Leeres denken, und darum blind an dem Mund jedes Lehrers hängen, und auch solche, die im Herrn nur Menschliches erblicken; von diesen und jenen schien das vom Himmel herabgelassene Licht wie zurückgeworfen zu werden, und in diejenigen einzufließen, welche von der linken Seite zur Rechten übergegangen waren.