Die Buße ist das Erste der Kirche beim Menschen

510. Die Gemeinschaft, die man die Kirche nennt, besteht aus so vielen Menschen, als in welchen die Kirche ist; und die Kirche geht bei dem Menschen ein, wenn er wiedergeboren wird, und jeder wird dadurch wiedergeboren, daß er vom Bösen der Sünde absteht und es flieht, wie einer, der höllische Scharen mit Fackeln sieht, im Begriff, ihn anzufallen und auf den Scheiterhaufen zu werfen. Es gibt mehreres, was bei dem in die ersten Lebensalter vorschreitenden Menschen zur Kirche vorbereitet und in sie einführt; allein das, was beim Menschen sie hervorbringt, sind die Handlungen der Buße. Handlungen der Buße sind alle die, welche bewirken, daß er das Böse, das Sünde wider Gott ist, nicht will, und infolgedessen es nicht tut; denn bevor dies geschieht, steht der Mensch außerhalb der Wiedergeburt; und wenn dann irgendein Gedanke über das ewige Heil sich bei ihm einschleicht, so wendet er sich zwar diesem zu, kehrt sich aber bald wieder von ihm ab; denn derselbe geht nicht tiefer in den Menschen ein, als in die Vorstellungen seines Denkens, und tritt von da heraus in die Wörter der Rede, und vielleicht auch in einige mit der Rede zusammenstimmende Gebärden. Dringt er hingegen in den Willen ein, dann ist er im Menschen, denn der Wille ist der Mensch selbst, weil seine Liebe in ihm wohnt; das Denken aber ist außerhalb des Menschen, es wäre denn, daß es aus seinem Willen hervorginge; geschieht dieses, so wirken Wollen und Denken als eines zusammen, und machen zusammen den Menschen aus. Daraus folgt, daß die Buße, um Buße zu sein, und um wirksam im Menschen zu sein, notwendig Sache des Willens und hieraus des Denkens sein muß, und nicht des bloßen Denkens, folglich eine Buße in der Tat, und nicht bloß des Mundes sein muß. Daß die Buße das Erste der Kirche ist, geht deutlich aus dem Wort hervor: Johannes der Täufer, der vorausgesandt war, die Menschen zuzubereiten zu der Kirche, die der Herr stiften wollte, predigte, während er taufte, zugleich auch die Buße; weshalb seine Taufe die Taufe der Buße hieß, und dies darum, weil durch die Taufe die geistige Waschung, welche eine Reinigung von Sünden ist, bezeichnet wurde; dies tat er im Jordan, weil der Jordan die Einführung in die Kirche bezeichnete; denn derselbe war die erste Grenze des Landes Kanaan, wo die Kirche war. Auch der Herr selbst predigte Buße zur Vergebung der Sünden, wodurch Er lehrte, daß die Buße das Erste der Kirche ist, und daß inwieweit der Mensch diese tut, insoweit bei ihm die Sünden entfernt werden, und daß inwieweit diese entfernt werden, insoweit sie vergeben werden; und überdies gebot der Herr den zwölf Aposteln und auch den Siebzigen, die Er aussandte, daß sie Buße predigen sollten; woraus erhellt, daß das Erste der Kirche die Buße ist.

511. Daß beim Menschen nicht früher die Kirche ist, als nachdem bei ihm die Sünden entfernt worden sind, kann jeder aus der Vernunft schließen, und kann auch durch folgende Gleichnisse beleuchtet werden: Wer kann auf Felder oder in Wälder, in denen wilde Tiere aller Art sind, Schafe, Ziegen und Lämmer führen, bevor er die wilden Tiere ausgetrieben hat; und wer kann irgendein mit Disteln, Dornen und Nesseln übersätes Land zum Garten bereiten, bevor er jene schädlichen [Gewächse] ausgerottet hat? Wer kann in eine von Feinden besetzte Stadt eine Form der Gerechtigkeitspflege nach dem Recht einführen und einen Staat gründen, bevor er die Feinde vertrieben hat? Ebenso verhält es sich mit dem Bösen beim Menschen, das den wilden Tieren, den Dornen und Disteln und den Feinden gleicht, mit denen die Kirche ebensowenig zusammen wohnen kann, als jemand in einem Tierbehälter wohnen kann, in dem Tiger und Leoparden sind, und ebensowenig als jemand in einem Bett liegen kann, dem Giftkräuter untergelegt und in die Kissen gesteckt sind; und ebensowenig, als jemand des Nachts in einem Tempel schlafen kann, unter dessen Estrich Gräber mit Leichen sind; würden ihn da nicht Gespenster wie Furien ängstigen?