Die Ankunft des Herrn ist nicht eine Ankunft Desselben, um den sichtbaren Himmel und die bewohnbare Erde zu zerstören, und einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen, wie bisher viele aus Unkunde des geistigen Sinnes des Wortes geglaubt haben

768. Die heutzutage geltende Ansicht in den Kirchen ist, daß der Herr, wenn Er zum Jüngsten Gericht kommt, in den Wolken des Himmels mit Engeln und Trompetenstoß erscheinen, und alle, die auf Erden wohnen, und zugleich auch die, welche gestorben sind, versammeln, und die Bösen von den Guten, wie ein Hirt die Böcke von den Schafen ausscheiden, und daß Er dann die Bösen oder die Böcke in die Hölle werfen, und die Guten oder die Schafe in den Himmel erheben werde. Ferner daß Er dann zugleich auch einen neuen sichtbaren Himmel und eine neue bewohnbare Erde schaffen, und auf diese die Stadt herniederlassen werde, welche das neue Jerusalem heißen, und deren Bau sein soll nach der Beschreibung in der Offb.Kap.21, nämlich aus Jaspis und Gold, und die Grundlagen ihrer Mauer aus jedem kostbaren Stein, und ihre Höhe, Breite und Länge einander gleich, jegliche von 12.000 Stadien; und daß in diese Stadt werden versammelt werden alle Auserwählten, sowohl die noch Lebenden, als die, welche vom Anfang der Welt an gestorben sind; und daß diese dann in ihre Körper zurückkehren und ewige Freude in jener herrlichen Stadt, als in ihrem Himmel, genießen werden. Diese Ansicht von der Ankunft des Herrn und vom Jüngsten Gericht ist die heutzutage in den christlichen Kirchen herrschende.

769. Über den Zustand der Seelen nach dem Tode glaubt man heutzutage im allgemeinen und besonderen folgendes: Daß die menschlichen Seelen nach dem Tode Geister seien, von denen man eine Vorstellung wie von einem Windhauch hegt, und daß sie, weil von solcher Art, bis zum Tage des Jüngsten Gerichts aufbewahrt werden, entweder inmitten der Erde, wo ihr Aufenthaltsort [Pu] sei, oder in der Vorhölle der Erzväter; doch weichen die Meinungen darin voneinander ab, daß einige glauben, die Seelen seien Äther- oder Luftgebilde, und somit herumirrende Schatten oder Gespenster, und ein Teil von diesen wohne in der Luft, ein Teil in den Wäldern, und ein Teil in den Gewässern; wogegen andere der Ansicht sind, die Seelen der Verstorbenen würden in die Planeten oder in Fixsterne versetzt, und es würden ihnen dort Wohnungen angewiesen; während andere glauben, dieselben kehrten nach Jahrtausenden wieder in die Körper zurück; die meisten aber, sie werden bis zu der Zeit aufbehalten, wann der ganze Sternenhimmel mitsamt dem Erd- und Wasserball untergehen werde, was geschehen werde durch Feuer, das entweder aus dem Mittelpunkt der Erde hervorbrechen, oder wie ein allgemeiner Blitzstrahl aus dem Himmel werde herabgeworfen werden; und daß dann die Gräber geöffnet und die aufbehaltenen Seelen wieder mit ihren Leibern angetan und in jene heilige Stadt Jerusalem versetzt, und so auf einer anderen Erde in verklärten Leibern wohnen werden, einige mehr unterhalb in ihr, andere mehr oberhalb, weil ihre Höhe, wie ihre Breite und Länge 12.000 Stadien betragen soll: Offb.21/16.

770. Fragt man den Geistlichen und den Laien, ob sie dies alles fest glauben, daß z.B. die Vorsündflutlichen mitsamt Adam und Eva, und die Nachsündflutlichen mitsamt Noah und seinen Söhnen, sodann Abraham, Isaak und Jakob mitsamt allen Propheten und Aposteln, und ebenso auch die Seelen aller übrigen Menschen noch im Mittelraum der Erde aufbehalten werden, oder im Äther oder in der Luft umherfliegen; ferner, ob sie auch glauben, daß die Seelen sich wieder mit ihren Leibern umkleiden, und mit diesen zusammenwachsen werden, obwohl diese Leichname sind, die von Würmern, Mäusen und Fischen aufgefressen, und was die ägyptischen betrifft, als Mumien von Menschen verspeist worden, und manche nur noch Gerippe waren, die von der Sonne ausgebrannt und in Staub zerfallen sind; sowie auch, ob sie glauben, daß alsdann die Sterne des Himmels auf die Erde, die doch kleiner als einer derselben ist, herabfallen werden; und ob dergleichen Dinge nicht Widersinnigkeiten seien, die schon die Vernunft zerstäubt, wie sie dies bei Sichselbstwidersprechenden tut: so antworten einige gar nichts darauf, einige, dies seien Dinge des Glaubens, unter dessen Gehorsam wir den Verstand gefangennehmen; andere, nicht nur dies, sondern auch vieles, das über die Vernunft hinausgehe, sei Sache der göttlichen Allmacht; und wenn sie den Glauben und die Allmacht nennen, so ist die Vernunft verbannt, und der gesunde Verstand verschwindet dann entweder und wird wie ein Nichts, oder er wird wie ein Gespenst, und heißt Raserei; noch fügen sie hinzu: Ist nicht jenes dem Wort gemäß, und wer sollte nicht nach diesem denken und reden?

771. Daß das Wort im Buchstaben in Scheinbarkeiten und Entsprechungen geschrieben ist, und daß darum im einzelnen desselben ein geistiger Sinn ist, in dem die Wahrheit in ihrem Licht ist, und der Buchstabensinn im Schatten, ist im Kapitel von der Heiligen Schrift gezeigt worden. Damit nun nicht auch der Mensch der neuen Kirche, gleich dem Menschen der alten Kirche, in dem Schatten umherirre, in dem sich der Buchstabensinn des Wortes befindet, besonders in Beziehung auf den Himmel und die Hölle, und sein Leben nach dem Tode, und hier in betreff der Ankunft des Herrn, hat es dem Herrn gefallen, das Gesicht meines Geistes zu öffnen, und so mich in die geistige Welt einzulassen und mir zu verleihen, nicht nur mit Geistern und Engeln, und mit Verwandten und Freunden, ja mit Königen und Fürsten, die ihren Lauf in der natürlichen Welt beschlossen hatten, zu reden, sondern auch die staunenswerten Dinge des Himmels und die bejammernswerten der Hölle zu sehen; und so denn auch dies, daß der Mensch nicht etwa in einem Irgendwo der Erde sich aufhält, und auch nicht blind und stumm in der Luft oder im Leeren umherfliegt, sondern daß er als Mensch in einem substantiellen Leib lebt, und zwar, wenn er unter die Seligen kommt, in einem viel vollkommeneren Zustand, als zuvor, da er in einem materiellen Leib gelebt hatte. Damit daher der Mensch sich nicht infolge der Unkunde tiefer in die Meinung vom Untergang des sichtbaren Himmels und der bewohnbaren Erde, und so der geistigen Welt, versenke, und aus dieser Meinung sich nicht der Naturalismus und zugleich der Atheismus, der sich heutzutage unter den Gebildeten im inwendigeren Vernunftgemüt festzuwurzeln begann, wie Abgestorbenes im Fleisch, auch in sein äußeres Gemüt, aus dem er spricht, weiter umher verbreite, ist mir vom Herrn auferlegt worden, mancherlei von dem, was ich gesehen und gehört habe, sowohl über den Himmel und die Hölle, als über das Jüngste Gericht, zu veröffentlichen, sowie auch die Offenbarung, in der von der Ankunft des Herrn, und vom früheren Himmel, und auch vom neuen Himmel und vom heiligen Jerusalem gehandelt wird, zu erklären; woraus jeder, wenn er es gelesen und verstanden hat, sehen kann, was unter der Ankunft des Herrn und unter dem neuen Himmel und unter dem neuen Jerusalem verstanden wird.