Die Afrikaner in der geistigen Welt, und einiges über die Heiden

835. Die Völkerschaften, welche gar nichts vom Herrn wissen, erscheinen in der geistigen Welt außerhalb derjenigen, die von Ihm wissen, jedoch so, daß die letzten Umkreise keine anderen bilden, als die, welche völlige Götzendiener sind, und in der vorigen Welt die Sonne und den Mond angebetet hatten. Diejenigen hingegen, welche einen Gott anerkennen und Vorschriften wie die in den Zehn Geboten zur Sache der Religion und somit des Lebens machen, stehen in unmittelbarer Verbindung mit den Christen in der Mitte; denn die Kommunikation wird so nicht unterbrochen durch die Mohammedaner und die Päpstlichen. Die Völkerschaften sind auch abgeteilt nach ihren Charakteren und ihren Fähigkeiten, das Licht durch die Himmel vom Herrn aufzunehmen; denn es gibt unter ihnen Innerlichere und Äußerlichere, was teils vom Klima, teils von ihrer Abstammung, teils von der Erziehung und teils von der Religion herrührt. Die Afrikaner sind innerlicher als die übrigen.

836. Alle, die einen Gott als Schöpfer des Weltalls anerkennen und verehren, stellen sich Gott als Menschen vor; sie sagen, niemand könne von Gott eine andere Vorstellung haben. Wenn sie hören, daß viele von Gott die Vorstellung wie vom Äther oder von einer Wolke haben, so fragen sie, wo diese seien, und wenn man sagt, dieselben befinden sich unter den Christen, so leugnen sie die Möglichkeit; man erwidert ihnen aber, dieselben haben eine solche Vorstellung von Ihm, weil Gott im Wort ein Geist genannt wird, und sie sich einen Geist nicht anders denken, als wie eine Äthersubstanz oder ein Wolkengebilde, nicht wissend, daß jeder Geist und jeder Engel Mensch ist. Man hat jedoch untersucht, ob ihre geistige Idee ihrer natürlichen Vorstellungen ähnlich ist, und gefunden, daß sie nicht ähnlich ist bei denen, die inwendiger den Herrn Seligmacher als Gott des Himmels und der Erde anerkennen. Ich hörte einen gewissen Geistlichen sagen, niemand könne eine Vorstellung von einem Göttlich-Menschlichen haben, und ich sah ihn zu verschiedenen Heidenvölkern versetzt, zu den inwendigeren und zu noch inwendigeren, und auch zu ihren Himmeln, und zuletzt zum christlichen Himmel, und überall wurde ihm eine Mitteilung ihrer inwendigeren Anschauung von Gott gegeben, und er bemerkte, daß sie keine andere Idee von Gott hatten, als die Idee von einem Gott-Menschen, und daß von keinem anderen der Mensch, der Gottes Ebenbild und Ähnlichkeit ist, hätte erschaffen werden können.

837. Weil die Afrikaner vor den übrigen eine tiefere Urteilskraft voraus haben, so wechselte ich mit ihnen Rede über Gegenstände höherer Forschung, und neulich über Gott, über den Herrn Erlöser, über den inneren und den äußeren Menschen, und weil sie Gefallen daran fanden, so will ich einiges anführen, was sie über diese drei Gegenstände in innerer Anschauung faßten: von Gott sagten sie, Er sei allerdings herabgestiegen und habe Sich den Menschen sichtbar dargestellt, weil Er ihnen Schöpfer, Beschützer und Führer ist, und weil das Menschengeschlecht Sein ist; auch sehe, beleuchte und berate Er alles und jedes, was in den Himmeln und auf Erden ist, und ihr Gutes wie in Sich, und Sich in ihm; der Grund sei, weil Er die Sonne des Engelhimmels ist, welche so hoch über der geistigen Welt ist, wie die Sonne der Erde über der natürlichen Welt erblickt wird, und wer die Sonne ist, der sehe, betrachte und berate alles und jedes, was unterhalb ist; und weil Seine göttliche Liebe es ist, die als Sonne erscheint, so folge, daß Er das Größte und das Kleinste mit den Dingen versorgt, die zum Leben gehören, und die Menschen mit den Dingen, die zur Liebe und Weisheit gehören, die zur Liebe gehörigen Dinge durch die Wärme aus ihr, und die zur Weisheit gehörigen Dinge durch das Licht aus ihr. Wenn ihr euch also [fuhr ich fort] von Gott die Vorstellung bildet, daß Er die Sonne des Weltalls ist, so würdet ihr gewiß aus dieser Idee auch Seine Allgegenwart, Allwissenheit und Allmacht ersehen und anerkennen.

838. Weiter war die Rede mit ihnen über den Herrn Seligmacher, und es wurde gesagt, Gott ist Seinem Wesen nach die göttliche Liebe, und die göttliche Liebe ist das reinste Feuer; und weil die Liebe an sich betrachtet nichts anderes beabsichtigt, als eins zu werden mit einem anderen, den sie liebt, und die göttliche Liebe nichts anderes, als Sich mit dem Menschen und den Menschen mit Sich zu vereinigen, bis dahin, daß sie in ihm und er in ihr ist, und weil die göttliche Liebe wie das reinste Feuer ist, so ist offenbar, daß Gott, eben weil Er so ist, durchaus nicht im Menschen sein, noch machen konnte, daß der Mensch in Ihm ist; denn so würde Er den ganzen Menschen in den dünnsten Rauch auflösen. Weil jedoch Gott vermöge Seines Wesens vor Liebe brannte Sich mit dem Menschen zu vereinigen, so war notwendig, daß Er Sich mit einem Körper umhüllte, der zur Aufnahme und Verbindung geeignet war; Er stieg daher herab und nahm das Menschliche an gemäß der aus Sich von der Schöpfung der Welt her festgestellten Ordnung, welche war, daß Er aus der von Ihm aus fortgeleiteten Kraft empfangen, im Mutterleib getragen, geboren würde, und hernach wüchse an Weisheit und Liebe, und so Sich nahte zur Vereinigung mit Seinem göttlichen Ursprung, und so wurde Gott Mensch, und ein Mensch Gott. Daß dem so ist, lehrt und zeugt von Ihm deutlich die Schrift, die bei den Christen ist und das Wort heißt; und Gott selbst, welcher in Seinem Menschlichen Jesus Christus heißt, sagt, daß der Vater in Ihm, und Er im Vater sei, und daß wer Ihn sieht, den Vater sehe, und dergleichen mehr von gleichem Inhalt. Daß Gott, dessen Liebe wie das reinste Feuer ist, nicht anders sich mit dem Menschen, und den Menschen mit Sich vereinigen konnte, sieht auch die Vernunft; kann das Feuer der Sonne, wie es an sich ist, den Menschen berühren oder gar in ihn hineingehen, wenn es nicht seine Strahlen in die Atmosphären einhüllt, und so durch eine gemäßigte Wärme sich ihm angepaßt darstellt? Kann der reine Äther den Menschen umströmen, oder gar in die Luftröhrenäste seiner Lunge einfließen, ohne sich mit Luft zu umgeben und so sich dazu geschickt zu machen? Kann doch selbst nicht der Fisch sein Leben fristen in der Luft, sondern nur in einem seinem Leben angepaßten Element; ja nicht einmal ein König auf Erden kann in eigener Person oder unmittelbar alles und jedes in seinem Reich verwalten, sondern nur durch höhere und niedere Beamte, die zusammen seinen königlichen Körper bilden. Auch die Seele des Menschen kann sich nicht einem anderen sichtbar machen, Umgang mit ihm anfangen und ihm Beweise ihrer Liebe mitteilen, außer durch einen Leib; wie könnte es denn Gott anders als durch ein Menschliches, welches das Seine ist? Wie sie dies hörten, faßten die Afrikaner, weil sie innerlicher vernünftig sind, es besser als die übrigen, und jeder stimmte je nach seinem Verständnis bei.

839. Zuletzt fand ein Gespräch über den innerlichen und den äußerlichen Menschen statt, und es ward gesagt: Menschen, die tiefer innerlich die Dinge erkennen, sind im Licht des Wahren, welches das Licht des Himmels ist, und Menschen, welche die Dinge äußerlich erkennen, sind in keinem Licht des Wahren, weil bloß im Licht der Welt; so sind denn die innerlichen Menschen in Einsicht und Weisheit, die äußerlichen aber in Wahnwitz und verkehrter Ansicht. Die innerlichen Menschen sind geistig, weil sie aus dem über den Körper erhobenen Geist denken und daher die Wahrheiten im Licht sehen; die äußerlichen Menschen hingegen sind sinnlich natürlich, weil sie aus den Täuschungen der Körpersinne denken; daher sie die Wahrheiten wie im Nebel sehen, und wenn sie dieselben bei sich erwägen, das Falsche als Wahres sehen. Die innerlichen Menschen sind wie die, welche auf einem Berg im Feld stehen, oder auf einem Turm in der Stadt, oder auf einer Warte im Meer; die äußerlichen Menschen hingegen sind wie die, welche im Tal unter dem Berg, oder in einer Höhle unter dem Turm, oder in einem Nachen unter der Warte stehen, und nur das Nahbefindliche sehen; und weiter sind die innerlichen Menschen wie die, welche im zweiten oder dritten Stockwerk eines Hauses oder Palastes, dessen Wände fortlaufende Fenster aus Kristallglas sind, wohnen, und in der Stadt rings umher, so weit sie sich erstreckt, alles sehen und jedes Häuschen in ihr kennen; hingegen die äußerlichen Menschen sind wie die, welche im untersten Stockwerk, dessen Fenster aus zusammengeleimten Papierblättern bestehen, wohnen, und nicht einmal die Gasse außerhalb des Hauses sehen, sondern bloß die innerhalb des Hauses befindlichen Dinge, und diese nur mittelst einer Kerze oder vom Herd her. Die innerlichen Menschen sind auch wie die Adler in der Höhe, und sehen weithin alles unter sich, und umgekehrt sind die äußerlichen Menschen wie die Hähne, die auf der Stiege vor den Hühnern, die auf dem Boden schreiten, mit hoher Stimme krähen. Und überdies erkennen die innerlichen Menschen, daß die Dinge, die sie wissen, zu denen, die sie nicht wissen, sich bloß verhalten wie das Wasser in einem Krug zum Wasser in einem See; wogegen die äußerlichen Menschen nicht anders sehen, als daß sie alles wissen. Über diese Worte freuten sich die Afrikaner, weil sie vermöge der inwendigeren Anschauung, die sie voraus haben, erkannten, daß dem so ist.

840. Weil die Afrikaner so sind, so findet auch heutzutage eine Offenbarung bei ihnen statt, die von der Gegend aus, wo sie anfing, sich rings umher verbreitet, aber nicht bis an die Meere sich erstreckt. Sie zeigen Geringschätzung gegen die Ankömmlinge aus Europa, welche meinen, der Mensch werde selig durch den bloßen Glauben und so durch das bloße Denken und Reden, und nicht zugleich durch das Wollen und Tun; sie sagen, es gebe keinen Menschen mit irgendwelcher Gottesverehrung, der nicht auch nach seiner Religion lebte; widrigenfalls er notwendig dumm und töricht werden müßte, weil er alsdann gar nichts aus dem Himmel in sich aufnimmt. Die erfinderische Bosheit nennen sie auch Dummheit, weil nicht Leben, sondern Tod in ihr ist. Ich sprach einige Male mit Augustinus, der im vierten Jahrhundert Bischof zu Hippo in Afrika war; er sagte mir, daß er eben jetzt dort sei und ihnen die Verehrung des Herrn einflöße, und es sei dort Hoffnung, daß dies neue Evangelium sich in die benachbarten Länder verbreite. Ich hörte die Freude der Engel über diese Offenbarung, daß durch sie eine Verbindung eröffnet werde mit dem Vernunftgebiet des Menschen, das bisher verschlossen war durch die allgemeine Lehrbestimmung, daß der Verstand unter dem Gehorsam des Glaubens der Kirchenmänner stehe.