Der wiedergeborene Mensch ist in Gemeinschaft mit den Engeln des Himmels, und der unwiedergeborene in Gemeinschaft mit den Geistern der Hölle

607. Daß jeder Mensch in Gemeinschaft, das heißt, im Verein mit Engeln des Himmels oder mit Geistern der Hölle ist, hat seinen Grund darin, daß er geboren ist um geistig zu werden, und dieses nicht möglich ist, wenn er nicht mit denen, die geistig sind, in einer gewissen Verbindung ist. Daß der Mensch dem Gemüt nach in beiden Welten, der natürlichen und der geistigen ist, ist im Buch vom »Himmel und der Hölle« gezeigt worden. Allein von dieser Verbindung weiß der Mensch nichts, auch nicht der Engel und der Geist; und dies darum, weil der Mensch, solange er in der Welt lebt, im natürlichen Zustand ist, der Engel und der Geist aber im geistigen Zustand, und wegen des Unterschieds zwischen dem Natürlichen und dem Geistigen der eine dem anderen nicht erscheint; dieser Unterschied ist seiner Beschaffenheit nach beschrieben worden im Buch über die »Eheliche Liebe«, in deren Denkwürdigkeiten daselbst, Nr. 326 - 329. Hieraus erhellt, daß sie nicht den Gedanken, sondern den Neigungen nach verbunden sind, und diese macht kaum jemand zum Gegenstand seines Denkens, weil sie nicht in dem Licht sind, in dem der Verstand und somit dessen Denken ist, sondern in der Wärme, in welcher der Wille und somit die Neigung seiner Liebe ist; die Verbindung mittelst der Neigungen der Liebe zwischen den Menschen einer- und den Engeln und Geistern andererseits ist eine so enge, daß, wenn sie zerrissen würde, und jene infolgedessen abgetrennt würden, die Menschen augenblicklich in Ohnmacht fielen, und, wenn sie nicht wieder hergestellt würden, und jene nicht wieder mit diesen verbunden würden, die Menschen den Geist aushauchen müßten.

Wenn gesagt wurde, der Mensch werde durch die Wiedergeburt geistig, so wird darunter nicht verstanden, daß er geistig werde wie es der Engel an sich ist, sondern daß er geistig natürlich werde, das heißt, daß inwendig in seinem Natürlichen das Geistige sei, nach der Ähnlichkeit wie der Gedanke in der Rede, und wie der Wille in der Handlung ist; denn wenn das eine aufhört, hört auch das andere auf; in ähnlicher Weise ist der Geist des Menschen im einzelnen dessen, was im Körper geschieht, und er ist es, welcher das Natürliche antreibt zu tun, was es tut. Das Natürliche ist an sich betrachtet passiv oder eine tote Kraft, das Geistige hingegen ist aktiv oder eine lebendige Kraft; das Passive oder die tote Kraft kann nicht aus sich tätig sein, sondern muß in Tätigkeit gesetzt werden vom Aktiven oder der lebendigen Kraft.

Weil der Mensch unausgesetzt in Gemeinschaft mit Bewohnern der geistigen Welt lebt, darum wird er auch, wenn er aus der natürlichen Welt austritt, sofort unter die gleichen versetzt, mit denen er in der Welt zusammen war; daher kommt, daß es jedem nach dem Tode so scheint, als lebte er noch in der Welt; denn er kommt nun in den Umgang mit solchen, die ihm hinsichtlich der Neigungen seines Willens gleich sind, und diese erkennt er alsdann an, gerade wie die Anverwandten und Verschwägerten die Ihrigen in der Welt anerkennen, und dies ist es, was im Wort von denen, welche sterben, gesagt wird, sie seien zusammengesellt und versammelt worden zu den Ihrigen. Hieraus kann nun erhellen, daß der wiedergeborene Mensch in Gemeinschaft mit Engeln des Himmels, und der unwiedergeborene mit Geistern der Hölle ist.

608. Man muß wissen, daß es drei Himmel gibt, und diese voneinander unterschieden sind nach drei Graden der Liebe und Weisheit, und daß der Mensch nach Maßgabe der Wiedergeburt in Gemeinschaft mit Engeln aus diesen drei Himmeln steht; und daß, weil dem so ist, auch das menschliche Gemüt in drei Stufen oder Regionen nach den Himmeln abgeteilt ist; doch von diesen drei Himmeln und von der Abteilung derselben Jesajah nach den drei Graden der Liebe und Weisheit sehe man im Buch vom »Himmel und der Hölle« Nr. 29f, und auch im Schriftchen von der »Verbindung der Seele und des Leibes« Nr. 16,17.

Hier soll bloß durch ein Gleichnis beleuchtet werden, wie die drei Grade beschaffen sind, nach denen diese Himmel abgeteilt sind: sie sind wie am Menschen das Haupt, der Leib und die Füße; der oberste Himmel bildet das Haupt, der mittlere bildet den Leib und der unterste bildet die Füße; denn der ganze Himmel ist vor dem Herrn wie ein Mensch. Daß es sich so verhält, ist mir durch den Augenschein enthüllt worden; es wurde mir gegeben, eine Gesellschaft des Himmels, die aus einer Myriade bestand, zugleich als einen Menschen zu sehen; warum sollte nicht der ganze Himmel vor dem Herrn [so erscheinen]? Über diese lebendige Erfahrung sehe man nach im Buch vom »Himmel und der Hölle« Nr. 59f. Daraus erhellt auch, wie der in der christlichen Welt bekannte Satz zu verstehen ist, daß die Kirche den Leib Christi ausmache, und daß Christus das Leben dieses Leibes sei: dadurch kann auch verdeutlicht werden, daß der Herr alles in allem des Himmels ist; denn Er ist ja das Leben in diesem Leib; ebenso ist der Herr die Kirche bei denen, die Ihn allein als Gott des Himmels und der Erde anerkennen und an Ihn glauben; daß Er der Gott des Himmels und der Erde sei, lehrt Er selbst bei Matth.28/18; und daß man an Ihn glauben solle, Joh.3/15,16,36; 6/40; 11/25,26.

609. Jene drei Grade, in denen die Himmel sind, in denen also auch das menschliche Gemüt ist, lassen sich einigermaßen auch beleuchten durch Vergleiche mit den materiellen Dingen in der Welt: jene drei Grade verhalten sich, wie das Gold, das Silber und das Kupfer sich hinsichtlich des Adels zueinander verhalten, mit welchen Metallen auch ein Vergleich geschieht bei der Bildsäule Nebukadnezars, Da.2/31f.

Jene drei Grade unterscheiden sich auch voneinander, wie sich hinsichtlich der Reinheit und Güte der Rubin, der Saphir und der Achat voneinander unterscheiden, und auch wie der Ölbaum, der Weinstock und der Feigenbaum, und so weiter; auch bezeichnen das Gold, der Rubin und der Ölbaum im Wort das himmlische Gute, welches das Gute des obersten Himmels ist, und das Silber, der Saphir und der Weinstock bezeichnen das geistige Gute, welches das Gute des mittleren Himmels ist; und das Kupfer, der Achat und der Feigenbaum das natürliche Gute, welches das Gute des untersten Himmels ist; daß es drei Grade gibt, einen himmlischen, einen geistigen und einen natürlichen, ist oben gesagt worden.

610. Dem oben Gesagten soll noch beigefügt werden, daß die Wiedergeburt des Menschen nicht in einem Augenblick geschieht, sondern allmählich von Anfang bis zum Ende des Lebens in der Welt, und daß sie nach diesem fortgesetzt und vollendet wird; und weil der Mensch durch Kämpfe und Siege über das Böse seines Fleisches umgebildet wird, darum sagt der Sohn des Menschen zu jeder von den sieben Kirchen, daß Er dem, der überwindet, Geschenke geben werde, wie zur Kirche von Ephesus: Wer überwindet, dem will Ich zu essen geben vom Baum des Lebens, Offb.2/7; zur Kirche von Smyrna: Wer überwindet, der soll keinen Schaden leiden vom anderen Tod, Offb.2/11; zur Kirche von Pergamus: Wer überwindet, dem will Ich zu essen geben vom verborgenen Manna, Offb.2/17; zur Kirche in Thyatira: Wer überwindet, dem will Ich Macht über die Heiden geben, Offb.2/26; zur Kirche in Sardes: Wer überwindet, soll angetan werden mit weißen Kleidern, Offb.3/5; zur Kirche in Philadelphia: Wer überwindet, den will Ich zur Säule im Tempel Gottes machen, Offb.3/12; zur Kirche in Laodicäa: Wer überwindet, dem will Ich geben mit Mir auf Meinem Thron zu sitzen, Offb.3/21. Zuletzt soll noch dies beigefügt werden: inwieweit der Mensch wiedergeboren, oder, inwieweit die Wiedergeburt bei ihm vollendet wird, insoweit schreibt er sich nicht etwas von Gutem und Wahrem, das heißt, von Liebtätigkeit und Glauben zu, sondern dem Herrn; denn die Wahrheiten, die er allmählich schöpft, lehren dieses deutlich.