Der wiedergeborene Mensch hat einen neuen Willen und einen neuen Verstand

601. Daß der wiedergeborene Mensch ein erneuerter oder neuer Mensch ist, weiß die heutige Kirche sowohl aus dem Wort, als aus der Vernunft; aus dem Wort nach folgenden Stellen: „Schaffet euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Warum wollt ihr sterben, Haus Israels“: Ez.18/31. „Ich werde euch ein neues Herz und einen neuen Geist in eure Mitte geben, und das steinerne Herz aus eurem Fleisch entfernen, und euch geben ein fleischern Herz, und Meinen Geist will Ich in eure Mitte geben“: Ez.36/[26,]27. „Von nun an kennen wir niemand nach dem Fleisch; ist also jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur“: 2Kor.5/16,17; unter dem neuen Herzen wird hier ein neuer Wille, und unter dem neuen Geist ein neuer Verstand verstanden; denn das Herz bezeichnet im Wort den Willen, und der Geist, wenn er mit dem Herzen verbunden wird, den Verstand. Aus der Vernunft: daß der wiedergeborene Mensch einen neuen Willen und einen neuen Verstand hat, gründet sich darauf, daß diese zwei Vermögen den Menschen ausmachen, und sie es sind, die wiedergeboren werden. Weshalb jeder Mensch so ist, wie er in Rücksicht auf sie ist, böse, wer einen bösen Willen hat, und noch böser, wenn der Verstand diesen begünstigt; im umgekehrten Fall aber gut. Bloß die Religion erneuert und wiedergebiert den Menschen: sie nimmt die oberste Stelle im menschlichen Gemüt ein, und sieht unter sich das Gebiet des bürgerlichen, das die Welt betrifft, und dringt durch dieses hindurch, wie der reine Saft durch den Baum bis an seinen Gipfel, und blickt von dieser Höhe auf die natürlichen Dinge herab, wie der, welcher von einem Turm oder Berg herab auf die Gefilde unten blickt.

602. Man muß jedoch wissen, daß der Mensch dem Verstand nach sich beinahe bis zum Licht, in dem die Engel des Himmels sind, erheben kann; erhebt er sich aber nicht auch dem Willen nach, so ist er doch der alte, und nicht ein neuer Mensch; wie aber der Verstand den Willen mit sich mehr und mehr in die Höhe hebt, ist schon früher gezeigt worden. Es wird daher die Wiedergeburt in erster Stelle auf den Willen bezogen, und in zweiter auf den Verstand; denn der Verstand ist beim Menschen wie das Licht in der Welt, und der Wille ist wie die Wärme in ihr; daß Licht ohne Wärme nicht Leben und Wachstum gibt, sondern nur Licht verbunden mit Wärme, ist bekannt; wirklich ist auch der Verstand hinsichtlich der unteren Region des Gemüts im Licht der Welt, und hinsichtlich der oberen im Licht des Himmels, wofern daher der Wille nicht aus der unteren Region in die obere erhoben, und hier mit dem Verstand verbunden wird, bleibt er in der Welt, und dann flattert der Verstand auf und nieder, in jeder Nacht aber zum Willen unterhalb, und hält da Lager, und sie verbinden sich wie Mann und Buhlerin, und zeugen zweiköpfige Frucht. Hieraus erhellt auch, daß der Mensch nicht wiedergeboren ist, wofern er nicht einen neuen Willen und einen neuen Verstand hat.

603. Das menschliche Gemüt ist in drei Regionen abgeteilt; das unterste heißt das natürliche, das mittlere das geistige, und das oberste das himmlische. Der Mensch wird durch die Wiedergeburt von der untersten Region, welche die natürliche ist, in die obere, welche geistig ist, und durch diese in die himmlische erhoben; daß es drei Regionen des Gemütes gibt, wird im folgenden Abschnitt nachgewiesen werden. Daher kommt, daß der unwiedergeborene Mensch der natürliche heißt, und der wiedergeborene der geistige; woraus erhellt, daß das Gemüt des wiedergeborenen Menschen in die geistige Region erhoben ist, und hier von oben herab sieht, was im unteren oder natürlichen Gemüt vorgeht. Daß im menschlichen Gemüt eine untere und eine obere Region ist, kann jeder bei leichter Aufmerksamkeit auf seine Gedanken sehen und anerkennen; denn er sieht, was er denkt, und sagt deshalb: dies oder jenes habe er gedacht und denke er; was nicht möglich wäre, wenn nicht ein inwendigeres Denken, das Wahrnehmung heißt, vorhanden wäre und hineinblickte in das untere, welches Denken heißt. Der Richter, wenn er die vom Advokaten in langer Reihe vorgebrachten Gründe hört oder liest, sammelt sie in der oberen Region seines Gemüts in einen Überblick, somit in eine Gesamtanschauung, und senkt hernach den Blick von da herab in die untere Region, welche die des natürlichen Denkens ist, und bringt hier die Beweisgründe in Ordnung, und gibt nach der oberen den Ausspruch und das Urteil. Wer weiß nicht, daß der Mensch in einem oder zwei Augenblicken denken und schließen kann, was er durch das untere Denken nicht in Zeit einer Stunde auszusprechen vermag? Dies ist angeführt worden, damit man wisse, daß das menschliche Gemüt in untere und obere Regionen abgeteilt ist.

604. Was den neuen Willen betrifft, so ist er oberhalb des alten Willens in der geistigen Region, in gleicher Weise der neue Verstand, dieser bei jenem und jener bei diesem; in jener Region verbinden sie sich, und in Verbindung blicken sie in den alten oder natürlichen hinein, und stellen dort alles an seinen Ort, damit es Gehorsam leiste. Wer kann nicht sehen, daß, wenn im menschlichen Gemüt bloß eine Region wäre, und in ihr Gutes und Böses, und Falsches und Wahres zusammengebracht und vermischt würde, ein Zusammenstoß entstünde, wie wenn in einem Käfig Wölfe und Schafe, Tiger und Kälber, und Habichte und Tauben zusammengelassen würden? Was würde alsdann daselbst anderes entstehen, als ein grausames Zerfleischen, und zwar würden die wilden Tiere die zahmen zerreißen? Es ist daher vorgesehen, daß das Gute mit seinen Wahrheiten zusammengebracht wird in die obere Region, damit sie daselbst in Sicherheit bestehen und den Anlauf abwehren, und auch das Böse mit seinem Falschen durch Ketten und andere Mittel unterjochen und hernach wegschaffen können. Dies also ist es, was im vorhergehenden Abschnitt gesagt wurde, daß nämlich der Herr durch den Himmel die Dinge der Welt beim wiedergeborenen Menschen regiere. Die obere oder geistige Region des menschlichen Gemüts ist auch ein Himmel in verjüngtestem Abbild, und die untere oder natürliche Region ist eine Welt in kleinstem Abbild; weshalb der Mensch von den Alten eine kleine Welt genannt wurde, und auch genannt werden kann ein kleiner Himmel.

605. Daß der wiedergeborene, das heißt, dem Willen und Verstand nach erneuerte Mensch, in der Wärme des Himmels, das heißt, in dessen Liebe und zugleich im Licht des Himmels, das heißt, in dessen Weisheit ist, und umgekehrt, daß der unwiedergeborene Mensch in der Wärme der Hölle, das heißt, in deren Liebe, und zugleich in der Finsternis der Hölle, das heißt, in deren Raserei ist, ist heutzutage bekannt, und doch unbekannt; der Grund ist, weil die Kirche, die heutzutage besteht, die Wiedergeburt zu einem Anhängsel ihres Glaubens gemacht hat, in den keinerlei Vernunft eingelassen werden soll, folglich auch in nichts, das zu ihrem Anhängsel gehört, und das, wie gesagt, die Wiedergeburt und Erneuerung ist. Diese, nebst dem Glauben selbst, sind ihnen wie ein Haus, dessen Türen und Fenster verschlossen sind; und deshalb weiß man nicht, was inwendig in diesem Haus ist, ob es bloß eine Leere, oder ob es voll von Genien aus der Hölle oder von Engeln aus dem Himmel ist. Dazu kommt noch, daß eine Täuschung hierbei Verwirrung brachte, die nämlich, daß der Mensch, weil er mit dem Verstand sich beinahe in das Licht des Himmels erheben kann, hieraus auch mit Einsicht über geistige Dinge zu denken und zu reden vermag, wie auch immer die Liebe seines Willens beschaffen sei; infolge der Nichtkenntnis dieser Wahrheit ist auch alles das unbekannt geworden, was die Wiedergeburt und Erneuerung betrifft.

606. Hieraus kann man den Schluß ziehen, daß der unwiedergeborene Mensch ist wie einer, der in der Nacht Gespenster sieht und sie für Menschen hält, hernach aber, während er wiedergeboren wird, wie ebenderselbe, sofern er, was er in der Nacht gesehen, beim ersten Morgengrauen als Spielwerk erkennt, und später, wenn er wiedergeboren und im Tag ist, als Hirngespinste. Der unwiedergeborene Mensch ist wie einer, der träumt, und der wiedergeborene Mensch wie einer, der wacht; auch wird im Wort das natürliche Leben einem Traum, und das geistige Leben dem Wachen verglichen. Der unwiedergeborene Mensch wird unter den törichten Jungfrauen verstanden, die Lampen und kein Öl hatten, und der wiedergeborene unter den klugen Jungfrauen, die Lampen und zugleich Öl hatten; unter den Lampen werden die Dinge des Verstandes, und unter dem Öl die der Liebe verstanden. Die Wiedergeborenen sind wie die Lichter des Leuchters in der Stiftshütte, und sind wie die Schaubrote mit dem Weihrauch darüber eben dort; auch sind sie die, welche glänzen werden wie der Glanz des Firmaments, und leuchten wie die Sterne immer und ewiglich, bei Da.12/3.

Der unwiedergeborene Mensch ist wie einer, der im Garten Eden ist, und vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen ißt, und deshalb aus dem Garten geworfen worden ist, ja er ist selbst dieser Baum; der wiedergeborene Mensch aber ist wie der, welcher in jenem Garten ist und vom Baum des Lebens ißt; daß ihm davon zu essen gegeben wird, erhellt aus den Worten in der Offb.2/7: „Dem Überwinder will Ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der inmitten des Paradieses Gottes ist“; unter dem Garten Eden wird die Einsicht in geistigen Dingen aus der Liebe zum Wahren verstanden, (man sehe die »Enthüllte Offenbarung« Nr. 90) mit einem Wort, der Unwiedergeborene ist der Sohn des Bösen, und der Wiedergeborene der Sohn des Reichs: Matth.13/38; der Sohn des Bösen ist dort der Sohn des Teufels, und der Sohn des Reiches ist dort der Sohn des Herrn.